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title: "Finanzplatz Frankfurt und Asien, Eine wachsende Beziehung"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Finanzplatz Fokus
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# Finanzplatz Frankfurt und Asien, Eine wachsende Beziehung

März 2008 Helaba Volkswirtschaft/Research Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung Herausgeber: Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale Volkswirtschaft/Research Redaktion Chefvolkswirtin/Leitung Research Dr. Gertrud R. Traud MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58, 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-20 24, Telefax 0 69/91 32-22 44 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 3 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Editorial Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Asien ist in aller Munde und das nicht nur, weil in diesem Jahr die Olympischen Spiele in China stattfinden. Das sportliche Motto „schneller – höher – weiter“ spielt auch auf den asiatischen Finanz- und Gütermärkten eine wichtige Rolle, so dass es aus Sicht des Finanzplatzes Frankfurt sehr wichtig ist, die auf diesen Märkten zu beobachtenden Disziplinen näher zu beleuchten. Olympische Spiele der asiatischen Finanzplätze In der vorliegenden Finanzplatz-Studie werden deshalb die Verflechtungen des deutschen Finanz- zentrums mit Asien analysiert. Im Gegensatz zu unserer Studie „Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich“, in der 2006 die großen Finanzplätze Europas gegeneinander angetreten sind, haben wir jetzt die asiatischen Finanzplätze um Medaillen kämpfen lassen. Eine zentrale Frage, die hier beantwortet wird, lautet also: Welche Finanzplätze Asiens haben Zukunftspotenzial und sind für hiesige Finanzplatz-Akteure besonders attraktiv? Dafür wurde die „Helaba Finanz- platz-Ellipse Asien“ kreiert, die das Finanzplatz-Potenzial asiatischer Metropolen visualisiert. Da- bei erfolgt eine Prognose der zukünftigen Gold-, Silber- und Bronzestandorte Asiens. Frankfurt als „place to be“ Darüber hinaus wird Frankfurt aus einem asiatischen Blickwinkel betrachtet. Gemäß des chinesi- schen Sprichwortes „Türme misst man an ihren Schatten“ haben wir in Kooperation mit der Goethe-Universität eine Umfrage unter den asiatischen Banken in Frankfurt durchgeführt. Zentra- les Ergebnis ist, dass die hiesigen asiatischen Finanzplatzakteure die Main-Metropole als einen „place to be“ im europäischen Finanzgeschehen sehen. So kann Frankfurt bei zahlreichen Aspek- ten punkten: Angefangen vom einzigartigen Standortvorteil Europäischer Zentralbank über die hervorragende Verkehrsinfrastruktur bis hin zur günstigen geographischen Lage im Herzen Deutschlands und Europas. So überrascht es nicht, dass Frankfurt aus Sicht der Asiaten die meis- ten Goldmedaillen bei der innerdeutschen Standortwahl erzielen konnte. Aber auch die günstige Ausgangslage zur Erschließung anderer europäischer Märkte brachte Frankfurt weitere Medaillen ein. Handlungsempfehlungen Und da der Wettbewerb nicht nur auf den asiatischen Märkten stattfindet, sondern auch die euro- päischen Städte weiter um die besten Ränge als Finanzplätze konkurrieren, bietet die Studie Hand- lungsempfehlungen für den Finanzplatz Frankfurt gemäß Mahatma Gandhi an: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Leitung Research Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 4 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Inhalt Seite Zusammenfassung 6 1 Fokus der Studie 11 1.1 Warum Asien? 11 1.2 Auswahl elf asiatischer Länder 12 2 Asiatisches Interesse am Finanzplatz Frankfurt 14 2.1 Asiatische Lebenskultur in der Main-Metropole 14 2.2 Asiatische Unternehmen an der Frankfurter Börse 16 2.3 Präsenz asiatischer Banken in Frankfurt 18 2.4 Umfrage von Helaba und Goethe-Universität unter asiatischen Banken 20 2.4.1 Geschäftsentwicklung 21 2.4.2 Bewertung der Community 21 2.4.3 Geographischer Stützpunkt 22 2.4.4 Standortqualitäten Frankfurts 24 2.4.5 Perspektiven des Finanzplatzes 25 2.5 Stärken und Schwächen des Finanzplatzes Frankfurt 26 2.5.1 Allgemein 26 2.5.2 Aus asiatischer Sicht 26 2.6 Exkurs: Wachsende Bedeutung asiatischer Investoren 29 3 Finanzplatz Frankfurt auf dem Weg nach Asien 32 3.1 Impulse 32 3.1.1 Vermarktung Frankfurts in Asien 32 3.1.2 Außenwirtschaftliche Basis 33 3.2 Finanzplätze Asiens mit Zukunft 35 3.2.1 Aktuelle Rankings 35 3.2.2 Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien 36 3.2.2.1 International erfolgreiche Finanzplätze 37 3.2.2.2 National bedeutende Finanzstandorte 38 3.2.2.3 Metropolen ohne ausgeprägte Finanzplatz-Charakteristika 39 3.2.2.4 Vision asiatischer Finanzstandorte 39 3.3 Attraktivität asiatischer Börsenplätze 40 3.3.1 Status Quo: Deutsche Börse in Asien 40 3.3.2 Relative Position asiatischer Börsen 42 Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 5 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 3.3.3 Perspektiven für die Deutsche Börse in Asien 43 3.4 Attraktivität asiatischer Bankenplätze 44 3.4.1 Status Quo: Deutsche Banken in Asien 44 3.4.2 Qualität des Bankensektors 47 3.4.3 Spielraum für Auslandsbanken 48 3.4.4 Wirtschafts- und Versorgungsaspekte 55 4 Fazit und Ausblick 60 4.1 Wachsende Beziehung zwischen Finanzplatz Frankfurt und Asien 60 4.2 Asiatische Player am Main 61 4.3 Finanzplatz Frankfurt in Asien 63 4.4 Handlungsempfehlungen 69 Redaktionsschluss: 22.02.08 6 Helaba Volkswirtschaft · März 2008 · © Helaba Zusammenfassung: Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung Wachsende Beziehung mit beidseitigem Gewinn Angesichts der zunehmenden Globalisierung von Wirtschafts- und Finanzmarktprozessen ist eine ausgefeilte Internationalisierungsstrategie für den Erfolg eines Finanzplatzes unerläss- lich. Im Hinblick auf die internationale Positionierung des deutschen Finanzzentrums spielt der dynamische Wirtschaftsraum Asien eine wichtige Rolle. Schließlich nimmt die bevölke- rungsstarke und erfolgreich aufstrebende Region in der Weltwirtschaft eine immer bedeuten- dere Stellung ein. Zwischen dem Finanzplatz Frankfurt und verschiedenen Wirtschaftsstand- orten Asiens haben sich bereits mannigfaltige Verflechtungen entwickelt, mit beidseitigem Gewinn. Und diese deutsch-asiatische Finanzplatz-Beziehung wächst – einerseits durch zu- nehmendes Interesse asiatischer Player an der Main-Metropole und andererseits durch ver- stärktes Agieren von Frankfurter Finanzplatz-Akteuren in Asien. Asiatische Player am Main Der dynamische Prozess, den Gesamtwirtschaft und Finanzwesen in den asiatischen Ländern gemeinsam durchlaufen, macht sich auch durch vermehrtes Interesse am deutschen Finanz- zentrum bemerkbar: Zum einen haben asiatische Unternehmen die Deutsche Börse als geeig- neten Ort für ihren Börsengang zu entdecken begonnen, wozu neben Überlegungen bzgl. der Peer Group die ausgeprägte Kosteneffizienz der renommierten Börse und ihr aktives IPO- Marketing beigetragen haben. Darüber hinaus werden über 700 asiatische Titel im Frankfur- ter Open Market gehandelt, der als hoch liquider Börsenplatz geschätzt wird. Zum anderen ist Frankfurt primärer Standort für asiatische Banken in Deutschland. Drei Viertel der 24 am Main vertretenen asiatischen Banken stammen aus Japan sowie einige aus China, Korea und Indien. Der Großteil der asiatischen Banken zeigt sich optimistisch hinsichtlich künftiger Expan- sionschancen am deutschen Finanzzentrum – eine gute Werbung für weitere Marktteilnehmer aus Asien. Dies ist ein zentrales Ergebnis der Umfrage, welche die Helaba in Kooperation mit Professor Dr. Michael H. Grote von der Goethe-Universität Frankfurt im Winter 2007 durchgeführt hat. Viele der asiatischen Banken am Main beurteilten nicht nur die eigene Ge- schäftsentwicklung als gut, sondern brachten auch eine positive Sichtweise des Finanzplatzes Frankfurt zum Ausdruck. Eine Vielzahl von Stärken des deutschen Finanzzentrums steht im Vordergrund der Wahrnehmung Frankfurts aus asiatischem Blickwinkel, nur vereinzelt wer- den Schwächen gesehen. Das Spektrum der positiven Attribute Frankfurts reicht von seiner Reputation als Finanzplatz und der Anwesenheit wichtiger internationaler Akteure über die weitreichende Funktion als Drehscheibe bis hin zu vielen weichen Standortfaktoren. Aufgrund der mannigfaltigen Stärken besitzt das deutsche Finanzzentrum Anziehungskraft auf asiatische Finanzmarktteilnehmer. Frankfurt ist gerade für diejenigen asiatischen Banken ein „place to be“, die am global bedeutenden Wirtschaftsstandort Deutschland oder im nah- gelegenen, dynamischen Osteuropa erfolgreich Geschäfte betreiben wollen. Dies lässt in den nächsten Jahren eine verstärkte Aktivität asiatischer Banken am Main erwarten. Autor: Ulrike Bischoff, Helaba unter Mitarbeit von: Ute Bächle, Helaba Barbara Bahadori, Helaba Ulrich Rathfelder, Helaba Manuel Schmitt, Helaba Stefanie Trepl, Helaba Umfrage in Kooperation mit Prof. Dr. Michael H. Grote, Johann Wolfgang Goethe- Universität Frankfurt am Main Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 7 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Finanzplatz Frankfurt in Asien Die Börse und Banken Frankfurts befinden sich auf dem Weg nach Asien: Die Börse zielt darauf ab, den asiatischen und deutschen Markt enger miteinander zu verzahnen und sich in der Region als zentralen Wertpapierdienstleister zu positionieren. Neben ihrem Fokus auf China sucht sie Kontakt zu anderen Börsenplätzen der Region, hat bereits auch in Indien und Korea Kooperationsabkommen bzw. Absichtserklärungen für eine verstärkte Zusammenarbeit geschlossen. So hat die Deutsche Börse einen Anteil an der Bombay Stock Exchange erwor- ben und ist mittlerweile Vertriebspartner chinesischer sowie indischer Aktienindizes. Ferner unterhält sie zahlreiche technologische Verbindungen im asiatischen Börsenwesen (Clear- stream, Xetra, Eurex). Gleichzeitig sind deutsche Banken in allen betrachteten Ländern der Region aktiv. Sowohl bei der Standortwahl für eine ausländische Vertretung als auch in der Kreditpolitik spielen Japan, China, und Singapur eine herausragende Bedeutung für Banken des deutschen Finanzzentrums. Einige zeigen zudem Präsenz in Hongkong, Indien und Viet- nam; als Empfängerland deutscher Bankkredite ist ferner auch Korea von Bedeutung. Doch welche Länder Asiens haben Finanzplätze mit Potenzial und sind für die Frankfurter Akteure attraktiv? Dies beantwortet die Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien, indem sie eine konkrete Vision vom künftigen Erscheinungsbild der asiatischen Finanzplatzregion darstellt. Hieraus leitet sich ein Ranking der einzelnen Finanzstandorte Asiens ab, welches mittels spe- ziellen Bewertungskriterien der Börsen- und Bankenstandorte konkretisiert und modifiziert wird. Neben institutsspezifischen Geschäftsüberlegungen stellt dieses Ranking eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Akteure auf dem Weg nach Asien dar. Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien: Kategorien des Finanzplatz-Potenzials asiatischer Metropolen\* Ho Chi Minh Seoul Bangkok Tokio Singapur Hong- kong Shanghai Kuala Lumpur Mumbai Manila Jakarta Potenzial asiatischer Finanzplätze \* Je weiter innenliegend eine Metropole eingeordnet ist, umso größer wird ihr Potenzial als Finanzplatz eingeschätzt: Den innersten, dunkelblau gekennzeichneten Bereich um den Kern der Ellipse bildet die erste Kategorie der künftig internatio- nal erfolgreichen Finanzplätze, die zweite Kategorie der weiterhin nur national bedeutenden Finanzplätze ist mittelblau und der äußere, hellblaue Bereich umfasst die Metropolen ohne ausgeprägte Finanzplatz-Charakteristika auch in Zukunft. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 8 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba • Hongkong und Singapur führen die Ranking-Liste der asiatischen Finanzstandorte an: Ausgehend von ihrer gewachsenen Reputation und guten Aufstellung im weltweiten Fi- nanzgeschehen sollten die beiden „regional hubs“ auch künftig herausragende Finanz- zentren von Weltrang sein. Die Erfolgschancen für neu hinzukommende Kreditinstitute dürften in diesen „gesunden“ Bankenmärkten jedoch nicht allzu groß sein, da die Durch- dringung mit Auslandsbanken bereits recht hoch und die Versorgung mit Bankdienstleis- tungen gut sind. Demgegenüber deutet sich im japanischen Bankenmarkt noch etwas Spielraum für Auslandsbanken an, bei vergleichbar guter Qualität des Bankensektors. Neben den beiden „regional hubs“ wird auch Japan weiter zu den international erfolgrei- chen Finanzplätzen gehören (Platz 3 des Rankings). Seine Stellung als gewichtiger Bör- senplatz und als Aushängeschild der global zweitgrößten Volkswirtschaft sichert Tokio eine signifikante Bedeutung im weltweiten Finanzgeschehen; eine stärkere Öffnung für internationale Marktströmungen könnte dies untermauern. Für eine potenzielle Zusam- menarbeit mit der Deutschen Börse sind die internationalen Börsenschwergewichte Tokio und Hongkong attraktiver als der kleinere Börsenstandort Singapur. Bislang ist Frankfurt mit allen drei Börsen nur in technischer Hinsicht via Clearstream verbunden. • Hinter diesen drei Top-Standorten rangieren die Newcomer: Das aufstrebende Shanghai hat gute Chancen, vom national zum international bedeutenden Finanzplatz zu avancie- ren. Das bevölkerungsreiche China ist auch aufgrund seiner begrenzten Versorgung mit Bankdienstleistungen und des recht niedrigen Marktanteils von Auslandsbanken attraktiv für deutsche Banken. Bei konsequenter Fortsetzung des angestoßenen Reformprozesses sollten sich die Qualität und Wettbewerbsbedingungen des chinesischen Bankensektors mittelfristig verbessern. Demgegenüber bietet Malaysia als Geschäftsgebiet für den Großteil der deutschen Banken wenig Perspektiven. Denn Kuala Lumpur hat sich der Spezialisierungsstrategie Islamic Banking verschrieben und visiert die globale Führungs- rolle auf diesem Gebiet an. Ausgehend von seinen internationalen Verflechtungen und dieser klaren Fokussierung besitzt Kuala Lumpur signifikantes Aufholpotenzial zu den asiatischen Top-Standorten (Ranking-Platz 5). Dahinter rangiert der Finanzplatz Indien, der angesichts des umfassenden wirtschaftspolitischen und infrastrukturellen Reformbe- darfs weiterhin nur national von Bedeutung sein dürfte. Gleichwohl sind in Indien die Voraussetzungen und mittelfristigen Perspektiven für deutsche Banken ähnlich vielver- sprechend wie in China. Beide „Wachstumsgiganten“ sind auch für die Deutsche Börse attraktiv, welche bereits die Weichen für eine zunehmende Zusammenarbeit gestellt hat. Demgegenüber ist die kleinvolumige Börse Malaysias weniger interessant. • Das Finanzzentrum Koreas steht hinter den Spitzenplätzen und Newcomern der Region zurück, hebt sich aber von den restlichen Standorten ab. Seoul dürfte auf absehbare Zeit seine Bedeutung als nationaler Finanzplatz behalten und wirkt aus Sicht deutscher Ban- ken und Börse nur mittelmäßig attraktiv. Als nächste Metropole folgt im Ranking Ho Chi Min City. Bei Fortsetzung der wirtschaftlichen Dynamik, politischen Stabilität und regu- latorischen Anpassungen hat Vietnam langfristig gute Chancen, sich als national bedeu- tender Finanzplatz zu etablieren. Es bestehen zwar Expansionsmöglichkeiten für Aus- landsbanken, aber auch nicht zu vernachlässigende Risiken des dortigen Bankensektors. Ebenso ist die „junge“, kleinvolumige Börse aus deutscher Sicht noch nicht anziehend. • Das geringste Finanzplatz-Potenzial haben Thailand und Indonesien. Marktpotenzialen im Bankensektor stehen nennenswerte Ausfallrisiken gegenüber. Bei den Philippinen sind die Chancen für Auslandsbanken obendrein begrenzt, so dass sie am Ende des Ran- kings stehen. Die geringe Marktkapitalisierung der thailändischen, indonesischen und philippinischen Börse legt keine dortigen Aktivitäten der Deutschen Börse nahe. Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 9 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Handlungsempfehlungen Das positive Image des Finanzplatzes Frankfurt aus asiatischer Sicht und die bereits zahlreich bestehenden Verbindungen zu Asien stellen eine gute Basis für wachsende kontinentübergrei- fende Beziehungen der Finanzstandorte dar. Je intensiver diese werden, desto besser kann sich der Finanzplatz Frankfurt im internationalen Standortwettbewerb positionieren. Entscheiden- de Erfolgsfaktoren sind eine klare konzeptionelle Ausrichtung und eine umfassende Bünde- lung der Kräfte. Hierbei sind die folgenden sieben Handlungsempfehlungen maßgeblich: • Eine konsequente Internationalisierungsstrategie ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Finanzplatzes. Die globale Stellung des Finanzplatzes Deutschland ist unmittelbar mit dem Erfolg seines Zentrums am Main verbunden. Frankfurt ist der zentrale Finanzplatz der größten europäischen Volkswirtschaft und der weltweit größten Exportnation. Insofern kommt im föderalen Deutschland den auch von der Bundespolitik unterstützten Bemühungen, anstelle des kleinteiligen innerdeutschen Wettbewerbs eine arbeitsteilige Konzentration auf Schwerpunktthemen und deren aktive internationale Vermarktung zu fördern, ein hoher Stellenwert zu. • Die Bündelung der wesentlichen Kräfte für ein einheitliches Finanzplatz-Marketing ist im Entstehen und stellt einen begrüßungswerten neuen Ansatz mit hohem Potenzial dar. Schließlich bedarf es am Finanzplatz Frankfurt eines aktiven und konzertierten Stand- ortmarketings aller Finanzmarktakteure, um die vielfältigen Stärken Frankfurts einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen: Frankfurt mit dem einzigartigen Vorteil des Sitzes der Europäischen Zentralbank ist ein wichtiger Standort für international agierende Finanzmarktakteure, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Rolle des Euro als Anlage- und Reservewährung. Auch die weltweit bedeutende Deutsche Börse AG mit ihren vielfältigen Aktivitäten ist ein wesentliches Asset des Standorts. • Angesichts der wirtschaftlichen Dynamik und hohen Liquidität des asiatischen Konti- nents sollte der Finanzplatz Frankfurt eine fokussierte Asien-Strategie verfolgen: Dabei sollten diejenigen asiatischen Länder favorisiert werden, die am Standort Frankfurt aktiv sind und gleichzeitig attraktive Expansionsziele für hiesige Akteure darstellen. Die bishe- rigen Werbeaktivitäten (Veranstaltungen, Delegationsreisen, Informationsbroschüren) sind zu intensivieren und vor allem auf Japan, China und Indien zu konzentrieren. Zudem könnten auch Korea und der „rising star“ Vietnam in eine solche Marketingstrategie ein- bezogen werden. Eine weitere Zielrichtung des Standort-Marketings Frankfurts sollten die asiatischen Investoren sein, die auf den internationalen Finanzmärkten zunehmend Bedeutung erlangen. • Für die nachhaltige Weiterentwicklung des deutschen Finanzzentrums und seine interna- tionale Attraktivität ist die weitere Förderung seiner finanzbezogenen Bildung &amp; For- schung unentbehrlich. Hier befindet sich Frankfurt mit dem House of Finance (inkl. Cen- ter for Financial Studies) und der Frankfurt School of Finance and Management bereits auf dem richtigen Kurs. • Je mehr sich die deutsche Finanzmarktgesetzgebung zeitnah mit internationalen Trends auseinandersetzt und die regulatorischen Rahmenbedingungen flexibel an Marktbedürf- nisse anpasst, umso größer ist die Innovationskraft am Finanzplatz Frankfurt. Auch die kürzlich zwischen der BaFin und der Deutschen Bundesbank vereinbarte zukünftige Ar- beitsteilung in der Bankenaufsicht stärkt den Finanzplatz Frankfurt. Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 10 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba • Als internationales Drehkreuz ist der Frankfurter Flughafen mit vielen Ländern Asiens verbunden, und so manche Flugroute wurde im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Diese Stoßrichtung gilt es beizubehalten. Schließlich stellt die hervorragende Verkehrsinfra- struktur der Main-Metropole eine wesentliche Grundlage für das Wachstum der deutsch- asiatischen Finanzplatzverflechtungen dar. • Viele Asiaten schätzen die Frankfurter Lebensqualität, Mittels weiterer architektoni- scher Gestaltungen, der Förderung eines pulsierenden Lebens unmittelbar in der „City of the Euro“ und einer aktiveren Vermarktung der mannigfaltigen Kultur- und Freizeitmög- lichkeiten kann sich die Main-Metropole auch für Asiaten noch attraktiver präsentieren. Aufgrund des großen Erfolgs des jährlichen Schwerpunktland-Konzepts der Frankfurter Buchmesse wäre ein breiterer kultureller Stellenwert asiatischer Themen überlegenswert Beispielsweise könnten „Asiatische Kulturwochen“ mit wechselnden Themenländern in der Main-Metropole veranstaltet werden. Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 11 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 1 Fokus der Studie 1.1 Warum Asien? Im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung und weltweiten Finanzmarktintegration ist es für einen Finanzplatz unerlässlich, seine Positionierung in der Finanzwelt mittels einer dynamischen Internationalisierungsstrategie zu optimieren. Dabei bedarf es nicht nur einer ausgeprägten Anzie- hungskraft auf ausländische Akteure und Produkte, sondern auch intensiven grenzüberschreiten- den Verflechtungen. Daher hat die Helaba in der 2006 veröffentlichten Studie „Finanzplatz Frank- furt – Ein Standort bewegt sich“ die Internationalität als zentrales Erfolgskriterium für einen Fi- nanzplatz herausgestellt. Insofern überrascht es nicht, dass sich Internationalität in vielen der He- laba Finanzplatz-Charakteristika wiederfindet. Aus diesem Grund stellt die vorliegende Studie die internationale Verflechtung des deutschen Finanzzentrums in den Mittelpunkt der Betrachtung – und zwar mit der dynamischen Region Asien. Frankfurts Finanzverflechtungen gerade mit Asien zu analysieren ist wichtig, wenn von seiner Internationalität gesprochen wird. Diese erfolgreich aufstrebende Wirtschaftsregion spielt in der Weltwirtschaft eine immer größere Rolle, und die schwungvolle Entwicklung dieses bevölke- rungsstarken Erdteils bietet vielversprechende Perspektiven für internationale Investoren bzw. Finanzmarktteilnehmer. Dies wirft zwei zentrale Fragen auf: • Inwiefern zeigt sich asiatisches Interesse am Finanzplatz Frankfurt? • Welche Länder Asiens haben Finanzplätze mit Zukunftspotenzial und sind für hiesige Finanz- platz-Akteure attraktiv? Diese doppelte Fragestellung, die auf beide Blickrichtungen der Beziehung zwischen dem Finanz- platz Frankfurt und Asien zielt, spiegelt sich im Aufbau der Studie wider: Nach Definition des be- trachteten Länderkreises innerhalb Asiens wird in Kapitel 2 die erste Frage beantwortet, indem die Aktivitäten asiatischer Finanzplatz-Akteure in Frankfurt und ihr Beitrag zum internationalen Flair der Main-Metropole näher beleuchtet werden. Zudem werden Ergebnisse der Umfrage präsentiert, die die Helaba Ende 2007 in Kooperation mit Professor Dr. Michael H. Grote (Goethe-Universität Frankfurt) unter den asiatischen Banken in Frankfurt durchgeführt hat. Ausgehend von den Um- frageergebnissen erfolgt eine Stärken/Schwächen-Analyse Frankfurts aus asiatischer Sicht. In Ka- pitel 3 wird der Blick von Frankfurt nach Asien gerichtet und somit der zweiten Frage nachgegan- gen. Neben der Status Quo-Betrachtung deutscher Finanzplatz-Akteure in Asien werden die Poten- ziale der einzelnen Standorte in der Region analysiert. Die Schlussfolgerungen in Kapitel 4 sind zukunftsorientiert und thematisieren die wachsende Be- ziehung zwischen dem Finanzplatz Frankfurt und Asien, welche einen beidseitigen Gewinn impli- ziert. Es werden Rückschlüsse auf das künftige Interesse asiatischer Player am deutschen Finanz- zentrum gezogen. Zudem wird eine Gesamtauswertung vorgenommen, welche Länder Asiens Finanzplätze mit Zukunftspotenzial haben und attraktiv für Frankfurter Finanzplatz-Akteure sind, die sich mit Expansionsgedanken in diese Region tragen. Abschließend werden Handlungsempfeh- lungen formuliert, wie hiesige Marktakteure und Politiker das Wachstum der deutsch-asiatischen Finanzplatzverbindungen fördern können. Insgesamt konzentriert sich die Studie auf den ureigens- ten Kern eines Finanzplatzes – Banken und Börsen.1 Denn dieser Nukleus spielt eine entscheiden- de Rolle bei der Internationalisierung eines Finanzplatzes. 1 Da sich in Frankfurt der Großteil des deutschen Banken- und Börsengeschehens abspielt (vgl. Helaba 2006 „ Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich“), werden im Folgenden aus Praktikabilitätsgründen teils auch nationale Daten zur Approximation für die Finanzplatzregion Frankfurt herangezogen. Internationalität als zentrales Erfolgskriterium eines Finanzplatzes Schwerpunkt Asien als Wachstumsregion schlechthin Struktur der Studie: Kapitel 2 und 3 gehen je einer Frage nach... Fragestellung der Studie: Zwei Blickrichtungen ... und Kapitel 4 zieht ein zukunftsorientiertes Fazit Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 12 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 1.2 Auswahl elf asiatischer Länder Der Fokus dieser Studie ist auf elf Länder der Region Asien/Pazifik gerichtet. Dabei wurden die Länder aufgrund ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung und/oder hohen Dynamik ausgewählt. Insofern handelt es sich gewissermaßen um das „boomende“ Asien, auf das sich die weltweite Aufmerksamkeit richtet. Somit werden neben Mainland-China und Indien als den beiden großen Emerging Markets auch die „regional hubs“ Hongkong und Singapur betrachtet sowie eine Viel- zahl kleinerer, zur Wirtschaftsgemeinschaft der ASEAN gehöriger Länder. Ebenso werden mit Japan und der Republik Korea zwei Industrieländer in die Analyse einbezogen. Im Folgenden wird auf den Zusatz Festland/Mainland bei China und Republik/Süd bei Korea verzichtet. Länder der Region Asien/Pazifik\* \* Abgrenzung der Region gemäß Weltbank; die in dieser Studie betrachteten Länder sind dunkelblau unterlegt. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research In der vorliegen Studie wird Asien als Synonym für diese elf Länder verwendet. Zusammen er- wirtschaften die betrachteten elf asiatischen Länder einen Anteil von gut 21 % am nominalen glo- balen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die übrigen Länder der Region Asien/Pazifik leisten nur einen Beitrag von knapp 2 %. Innerhalb der Region hat Japan den mit Abstand größten BIP-Anteil von gut 10 %. Schließlich ist der Industriestaat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mitbedingt durch seine Bevölkerung von weit über 1,3 Mrd. besitzt China einen Anteil am globalen BIP von 5 %.2 Indien folgt mit einem Beitrag zum Welt-BIP von knapp 2 % und einer Bevölkerung in Höhe von 1,1 Mrd. Auch wenn die beiden „Bevölkerungsschwergewichte“ Ähnlichkeiten hinsichtlich der gesamtwirtschaft- lichen Dynamik aufweisen (China mit 11 % und Indien mit 8 % realem BIP-Wachstum 2007 ge- 2 Ende 2007 hat die Weltbank in ihrer Publikation „2005 International Comparison Program“ aktualisierte Berechnungen des Kaufkraftparitäten-basierten BIP für 2005 veröffentlicht, wobei sie einen neuen Warenkorb zu Grunde gelegt hat. Für China liegt dieser neue Wert des nominalen BIP in Kaufkraftparitäten mit 5.333 Mrd. $ in 2005 um 40 % niedriger als vormals berechnet. Angesichts dessen werden in der vorliegenden Studie generell die neuen BIP-Volumensberechnungen der Weltbank für 2005 verwendet. Im Fokus: 11 Länder der Region Asien/Pazifik Globaler BIP-Anteil zusammen 21 % China Indien Indonesien Malaysia Philippinen Japan Korea (Süd) Vietnam Hongkong Thailand Singapur China Indien Indonesien Malaysia Philippinen Japan Korea (Süd) Vietnam Hongkong Thailand Singapur Globaler BIP-Beitrag ansehnlich in Japan, China, Indien, Korea Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 13 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba genüber Vorjahr), sollten die beiden „nicht in einen Topf geworden“ werden. Schließlich gibt es markante Unterschiede. So liegt z.B. der Fokus Chinas auf dem Industriesektor, während Indien stärker auf Dienstleistungen spezialisiert ist. Genauso groß wie Indiens BIP-Anteil ist derjenige Koreas mit knapp 2 %, allerdings bei insgesamt nur 49 Mio. Menschen. Bedeutung asiatischer Volkswirtschaften China mit größter BIP-Dynamik, Japan mit geringster 2007, % real gg. Vj. Japan 10,3 127,5 China 5,1 1.323,1 Korea 1,8 49,0 Indien 1,8 1.110,4 Indonesien 0,7 234,7 Hongkong 0,4 7,0 Thailand 0,4 66,5 Malaysia 0,3 27,2 Singapur 0,3 4,5 Philippinen 0,2 91,1 Vietnam 0,1 85,9 Bevölkerung\*\* Globaler BIP-Anteil\* 0 2 4 6 8 10 12 Ch ina Viet nam Indien Singa pur Phili ppine n Indo nesien Hon gkong Malaysia Ko re a Thaila nd Japan 0 2 4 6 8 10 12 \* %, nominal in $ (neue Daten der Weltbank verfügbar nur für 2005); \*\* Mio. (EIU, für 2007) Quellen: EIU, Weltbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EIU-Schätzungen, Helaba Volkswirtschaft/Research Dass der globale BIP-Beitrag des weniger entwickelten Indonesiens mit knapp 1 % nicht so weit davon entfernt ist, erklärt sich auch durch den dort höheren Bevölkerungsumfang von knapp 235 Mio. Menschen. Die anderen ASEAN-Staaten Malaysia, Philippinen, Thailand und Vietnam ma- chen jeweils zwischen 0,1-0,4 % des weltweiten BIP-Volumens aus, einhergehend mit einer Be- völkerung von jeweils rund 30-90 Mio. Hongkong und Singapur mit einer begrenzten Einwohner- anzahl (7 bzw. 4 Mio.) erwirtschaften ebenfalls 0,4 % bzw. 0,3 % der globalen BIP-Summe. Die gesamtwirtschaftliche Dynamik ist in der Region generell hoch: Zu den besonders stark ex- pandierenden Ländern zählten im vergangenen Jahr neben China und Indien auch Vietnam und Singapur mit gut bzw. knapp 8 % BIP-Zuwachs. Ebenso erzielten die Philippinen (rund 7 %) so- wie Indonesien und Malaysia (je etwa 6 %) ein spürbares Wirtschaftswachstum. Ausgehend von einem recht hohen Ausgangsniveau des BIP-Volumens belief sich die gesamtwirtschaftliche Ex- pansion im Industrieland Japan 2007 lediglich auf rund 2 %, und auch im wirtschaftlich weit ent- wickelten Korea lag es mit 5 % niedriger als in den übrigen Ländern. Hohe BIP-Dynamik in der Region – Ausnahme Industrieländer Übrige Länder mit kleinem Anteil an globalem BIP Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 14 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 2 Asiatisches Interesse am Finanzplatz Frankfurt Inwiefern zeigt sich das asiatische Interesse am deutschen Finanzzentrum? Hierbei spielen neben Aspekten der Lebenskultur die Aktivitäten der Finanzplatz-Akteure eine Rolle. In Frankfurt wer- den diverse Aktienunternehmen aus Asien gehandelt und eine Vielzahl asiatischer Banken trägt zum Finanzmarktgeschehen am Main bei. Anhand der Kooperationsumfrage von Helaba und Goe- the-Universität lassen sich die von asiatischen Bankvertretern wahrgenommenen Stärken und Schwächen des Finanzplatzes Frankfurt identifizieren und Rückschlüsse auf seine Anziehungskraft auf asiatische Akteure ziehen. 2.1 Asiatische Lebenskultur in der Main-Metropole Die Stadt Frankfurt verfügt über ein internationales Flair – 25 % Ausländer zzgl. 12 % Deutsche mit Migrationshintergrund leben hier. Auch eine Vielzahl von Asiaten hat sich hier angesiedelt. Die aus den elf betrachteten Ländern stammenden Menschen machen 7 % der ausländischen Be- völkerung Frankfurts aus (Anteil an Gesamtbevölkerung 2 %). Diese insgesamt rund 10.900 asiati- schen Einwohner am Main kamen Ende 2007 zum Großteil aus Japan (25 %) sowie aus Indien und China (je rund 20 %). Des weiteren sind hier viele Thailänder und Koreaner (11 % bzw. 8 %) an- sässig sowie auch einige Vietnamesen und Philippiner (6 % und 5 % aller asiatischen Einwohner Frankfurts). Die kleinste asiatische Bevölkerungsgruppe am Main bilden aus Malaysia und Singa- pur stammende Menschen (je 1 %). Innerhalb Hessens wohnen rund 37.500 Menschen aus den be- trachteten Ländern Asiens. Asiatische Bevölkerungsgruppen in Frankfurt Absolut bzw. Anteil an Gesamtzahl ansässiger Asiaten Ende 2007 Singapur 1% 71 Vietnam 7% 765 Thailand 11% 1.175 Philippinen 5% 552 Korea 8% 871 Indonesien 3% 340 Indien 21% 2.286 China 19% 2.026 Japan 25 % 2.658 Malaysia 1 % 117 Quellen: Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research Die verschiedenartigen Aktivitäten der asiatischen Bevölkerungsgruppen tragen zur Internationali- tät Frankfurts bei: Zum einen gibt es offizielle Vertretungen der meisten Länder in Form von Kon- sulaten und Handelskammern; zuletzt eröffnete Vietnam im Herbst 2007 ein Generalkonsulat in der Main-Metropole. Zum anderen haben sich einige informellere Zusammenschlüsse und Interes- sengemeinschaften gebildet, wie Wirtschaftsclubs, Kultur- und Sportvereine, religiöse Einrichtun- gen sowie Schulen. Neben supranationalen Vereinigungen, die Networking betreiben und eine Brücke zwischen den Kulturkreisen schlagen (z.B. Deutsch-Asiatischer Wirtschaftskreis), handelt es sich zumeist um nationale Communities. So gibt es eine lebhafte Gemeinschaft der am Main angesiedelten Japaner, und die größte koreani- sche Business Community Kontinentaleuropas befindet sich hier. Ebenso haben die chinesische und indische Bevölkerung Frankfurts bereits verschiedene Einrichtungen ins Leben gerufen und pflegen auf diese Weise ihre Lebenskultur und Gemeinschaft. Insbesondere Japaner, Inder und Chinesen in Frankfurt beheimatet Asiatische Community mit verschiedenen Facetten Interesse Asiens an Frankfurt äußert sich auf verschiedene Weise Aktive Lebenskultur der Japaner, Koreaner, Chinesen und Inder Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 15 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Asiatische Einrichtungen in Frankfurt General- konsulate\* Unternehmens- verbände/ Handels- kammern Wirt- schafts- clubs\*\* Kultur-/ Sport- vereine\*\* Religiöse Einrich- tungen\*\*\* Schulen\*\* China x x x x -- x Hongkong -- x -- x -- -- Indien x x x x -- -- Indonesien x -- -- -- -- -- Japan x x x x x x Korea x x x x x x Malaysia -- -- -- -- -- -- Philippinen x -- -- -- -- -- Singapur -- x -- -- -- -- Thailand x x -- -- -- -- Vietnam x -- -- -- -- -- \* größtes Konsulat Chinas in Europa, Ausnahme Philippinen mit Honorarkonsulat;\*\* zusätzlich zu länderspezifischen Einrichtungen auch supra- oder internationale; \*\*\* nur für Japan und Korea lassen sich explizit Gemeinden identifizieren Quellen: Wirtschaftsförderung Frankfurt, Internet-Wissensportal Konsulate (Stand Ende 2007), Helaba Volkswirtschaft/Research Dass in Frankfurt gerade japanische, chinesische und indische Einflüssen unübersehbar sind, spie- gelt sich auch in der vergleichsweise hohen Anzahl von Restaurants dieser Nationalitäten in Frank- furt wider. Koreanische Restaurants gibt es allerdings nur recht wenige. Dafür prägen in kulinari- scher Hinsicht auch Thailand und Vietnam die Main-Metropole mit einer Vielzahl von Lokalitä- ten. Die Restaurants werden nicht nur von Asiaten selbst besucht, sondern auch von vielen Deut- schen und anderen Nationalitäten. Ebenso zieht auch die „Asian Living“, die im Rahmen der in- ternationalen Messe Ambiente ein breites Spektrum asiatischer Produkte in Frankfurt bietet, viele in- und ausländische Besucher an. Viele asiatische Restaurants in der Main-Metropole Anzahl (Ende 2007) Frankfurt 2007 wieder beliebtes Ziel für asiatische Touristen Anzahl Gäste Anzahl Nächte 0 10 20 30 40 50 60 Japan China Thailand Indien Vietnam Korea Malaysia 0 10 20 30 40 50 60 Gelbe Seiten Branchen Kompass Frankfurt Tipp 0 30.000 60.000 90.000 Japan China\* Korea Indien 0 50.000 100.000 150.000 Gäste (linke Skala) Nächte (rechte Skala) Quellen: Gelbe Seiten, Branchen Kompass, Frankfurt Tipp, Helaba Volkswirtschaft/Research \* inkl. Hongkong Quellen: Tourismus+Congress GmbH, Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research Aufgrund des Status als international renommierter Messestandort kommen viele Geschäftsreisen- de aus Asien nach Frankfurt. Nicht selten siedeln sich asiatische Unternehmen, die mehrmals er- folgreich auf einer Frankfurter Messe ausgestellt haben, anschließend in der hiesigen Region an. Gerade für Japaner, Chinesen, Koreaner und Inder ist die Main-Metropole ein beliebtes Reiseziel – dieselben Nationen, die auch die asiatische Bevölkerung Frankfurts am meisten prägen. So stamm- ten im vergangenen Jahr über 87.000 Touristen aus Japan, über 73.000 aus China sowie rund 30.000 bzw. 23.000 aus Korea und Indien. Zusammen machten sie etwa 15 % der ausländischen Touristen Frankfurts aus. Darüber hinaus reisten auch viele Menschen aus anderen asiatischen Ländern an den Main. Asiatische Restaurants verschiedener Herkunftsländer Viele asiatische Touristen besuchen den Messestandort Frankfurt Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 16 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 2.2 Asiatische Unternehmen an der Frankfurter Börse Erfolgversprechende China-Strategie der Deutschen Börse Die Deutsche Börse, die seit 2005 eine dynamische Asien-Initiative betreibt und in einigen dorti- gen Ländern aktiv ist (inkl. Beteiligung an Bombay Stock Exchange, vgl. Kapitel 3.3), hat im Be- reich des Initial Public Offering (IPO) ihren Fokus innerhalb der Region auf China gelegt. In ver- schiedenen chinesischen Städten betreibt die Frankfurter Börse intensiv Werbung und veranstaltet Roadshows, Listing-Seminare und Finanzmarktkonferenzen. Auf diese Weise haben chinesische Unternehmen Gelegenheit, sich umfassend über ein IPO am Finanzplatz Frankfurt zu informieren und die Vorzüge einer Erstnotierung am Main kennen zu lernen (z.B. ausgeprägte Kosteneffizienz und Marktkredibilität sowie hohe Liquidität an Europas größter Listing-Plattform). Zudem wurde Ende 2007 erneut das Deutsche Eigenkapitalforum in Frankfurt abgehalten – eine seit vielen Jah- ren etablierte zentrale Plattform in Europa zur Eigenkapitalfinanzierung, die sich immer internati- onaler gestaltet. Ebenfalls Ende vergangenen Jahres fand am Main das „China Europe Business Meeting“ statt, welches dem Austausch von Führungskräften aus deutschen und chinesischen Un- ternehmen diente. Und das China-Marketing der Deutschen Börse trägt bereits erste Früchte: Im Frühjahr 2007 hatte mit Gongyou Machines Limited das erste chinesische Unternehmen sein IPO im Frankfurter Open Market. Zur Jahresmitte folgte dann die Erstnotierung von Zhongde Waste Technologies AG im hoch regulierten Prime Standard der Deutschen Börse und im Herbst 2007 gab es das erste chine- sische IPO im hiesigen Entry Standard (Greater China Precision Components). Mittlerweile wähl- ten insgesamt sieben chinesische Unternehmen Frankfurt für ihr IPO aus (vier im Open Market, zwei im Prime Standard und eines im Entry Standard). Absehbar sind bereits weitere Börsengänge. Dass die Main-Metropole frühzeitig Privatunternehmen aus dem „neuen Wirtschaftswunderland“ für ein Börsendebüt gewinnen kann, ist vielversprechend; schließlich gibt es für diese bislang noch keinen präferierten Auslandsbörsenplatz. Bei der IPO-Standortwahl spielen Überlegungen bzgl. der Peer Group 3 eine Rolle sowie Kostenaspekte. Frankfurt kann international mit attraktiven Lis- tingkosten punkten, die insgesamt niedriger sind als z.B. am bedeutenden Börsenplatz Hongkong und zwar sowohl im Prime als auch insbesondere im Entry Standard.4 Vielzahl asiatischer Unternehmen in Frankfurt gehandelt Neben oben genannten Erstnotierungen werden bereits viele asiatische Aktien im Frankfurter Open Market gehandelt.5 So sind asiatische Firmen, und zwar gerade die großen börsennotierten Gesellschaften, sichtlich am Main präsent. Ende 2007 wurden insgesamt gut 720 Unternehmen aus den betrachteten Ländern Asiens an der Deutschen Börse gehandelt. Hiervon stammten rund 230 aus Japan, etwa 100 aus China und Hongkong sowie rund 80 aus Singapur und Thailand, 70 aus Indonesien. Alle anderen der Ländergruppe kamen mit ihrer Aktienanzahl auf einen Anteil von weniger als 10 % an der Gesamtzahl der in Frankfurt gehandelten asiatischen Unternehmenswerte. Malaysische und philippinische Aktien gibt es in Deutschland so gut wie keine; Vietnam ist bis dato nicht in der Statistik der Deutschen Börse aufgeführt. 3 d.h. inwieweit es an der Deutschen Börse bereits Unternehmen gibt, die hinsichtlich Branche, Größe oder Tätigkeits- schwerpunkt vergleichbar sind 4 Vgl. Kaserer/Schiereck (2007): “Going Public and Being Public – A Global Comparison of the Impact of the Listing Decision on the Cost of Capital” 5 Hierzu müssen die Aktienunternehmen an einer der globalen Börsen gelistet bzw. zugelassen sein, und für ihren Handel im Freiverkehr der Deutschen Börse muss ein Skontroführer lediglich eine einmalige, geringe Einbeziehungsgebühr ent- richten, d.h. dies stellt kein Zweitlisting dar. Deutsche Börse: Handel von über 700 asiatischen Aktien Intensives IPO-Marketing in China... … zeigt bereits erste Erfolge Gründe für IPO in Frankfurt: Peer Group und Kostenaspekte Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 17 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Handel vieler Großunternehmen Asiens an Deutscher Börse Anzahl bzw. Anteil gehandelter Notierungen im Open Market (Ende 2007) Umsatz mit asiatischen Aktien schwerpunktmäßig am Main Anteil Deutsche Börse an allen deutschen Börsen in % (Ende 2007) Hongkong 13% 97 Indien 4% 28 Indonesien 10% 69 Japan 31% 231 Korea 3% 19 Singapur 12% 84 Thailand 11% 78 China 16% 114 Malays ia 0% Philippinen 0% Vietnam 0% 0 20 40 60 80 100 Ph ilippinen Korea Thailand Hongkong Ja pan Indie n Ch ina SingapurMa laysia In donesien Vietn am 0 20 40 60 80 100 Quellen: Deutsche Börse, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Börse, Helaba Volkswirtschaft/Research Dass es sich bei vielen dieser asiatischen Unternehmen um die großen des jeweiligen Landes han- delt, lässt bereits der hohe Umsatzanteil der Frankfurter Börse in Relation zu den gesamten deut- schen Börsenumsätzen mit asiatischen Titeln vermuten: Mit knapp 770 Mio. erwirtschaftete die Deutsche Börse Ende 2007 über 80 % dieses Umsatzes. Dabei läuft dieses Geschäft fast aus- schließlich über den Parketthandel ab, nur 3 % macht die elektronische Plattform Xetra aus. Auch wenn sich die Regionalbörse Berlin auf Auslandstitel spezialisiert hat, zieht es die Großun- ternehmen Asiens an die Frankfurter Börse als diejenige deutsche Hauptbörse mit der höchsten Liquidität. Dies bestätigt der Abgleich der Top 10 des jeweiligen asiatischen Börsenindex mit den in Frankfurt gehandelten Unternehmen Asiens. Mit Ausnahme der geringvolumigen Aktienmärkte Malaysias, der Philippinen und Vietnams findet sich von den Hauptaktienindizes der asiatischen Börsen ein Großteil der Top 10-Unternehmen an der Deutschen Börse wieder. Asiatische Aktien an Deutscher Börse im Rückblick ... Umsatz mit allen Titel eines Landes in Mio. € (Ende 2006) ... und im Angesicht der aktuellen Börsenbewegung Umsatz mit allen Titel eines Landes in Mio. € (Ende 2007) 0 50 100 150 200 250 300 350 Jap an China Hong ko ng Korea Sing ap ur Thailand Indien Indo nesien Ph ilipp ine n Mal aysi a Viet nam 0 50 100 150 200 250 300 350 0 50 100 150 200 250 300 350 Hong ko ng China Ja pa n Korea Sing apur Indi en Th ailan d Indonesien Mal aysi a Philippinen Vietnam 0 50 100 150 200 250 300 350 Quellen: Deutsche Börse, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Börse, Helaba Volkswirtschaft/Research Unter den asiatischen Ländern entfällt auf den Handel mit Aktien Chinas, Hongkongs und Japans das größte Umsatzvolumen an der Börse Frankfurts und Deutschlands: Ende 2007 jeweils in der Größenordnung von 170-195 Mio. €. Dies machte zusammen beinahe ¾ des in Frankfurt mit asia- tischen Aktien insgesamt erwirtschafteten Betrages aus. Ende 2006, als der Frankfurter Gesamt- umsatz mit Asien-Aktien über 1 Mrd. € betrug und damit mehr als zum Ende des Folgejahres, wurde der noch weitaus höchste Umsatz mit japanischen Unternehmenswerten erzielt (334 Mio. €). Dies spiegelt die allgemeinen Schwankungen der Aktiennachfrage wider und auch das nachlas- sende Investoreninteresse an japanischen Aktien im zweiten Halbjahr 2007. Generell ist der Handel mit asiatischen Aktien an der Deutschen Börse begrenzt. Ende 2007 entfiel hierauf weniger als 5 % des insgesamt mit ausländischen Titeln erzielten Umsatzes am Main. Es Deutscher Umsatz mit Asien- Aktien primär in Frankfurt Größter Umsatz mit Titeln Chinas, Hongkongs und Japans Liquiditätsplattform der Frankfurter Börse zieht große Unternehmen aus Asien an Handel mit asiatischen Aktien in Frankfurt begrenzt Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 18 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba gibt Expansionspotenziale für den Frankfurter Handel mit Aktien aus asiatischen Ländern, in de- nen die Kapitalmärkte noch nicht ausgereift und viele dynamische Unternehmen vorhanden sind. 2.3 Präsenz asiatischer Banken in Frankfurt Seit den 50er Jahren sind Auslandsbanken aus Asien am deutschen Finanzzentrum vertreten. Auch in den letzten Jahren siedelten sich einige asiatische Banken neu in Frankfurt an, zuletzt die indi- sche ICICI. Natürlich gab es im Laufe der Jahre ebenfalls asiatische Institute, die ihre Aktivitäten in Frankfurt reduziert oder eingestellt haben. So haben die Asienkrise bzw. speziell die Bankenkri- sen Japans und Koreas in den 1990er Jahre ihre Spuren auch am Standort Frankfurt hinterlassen und zu einer verminderten Auslandspräsenz von Kreditinstituten aus diesen Ländern geführt. Asiatische Banken am deutschen Finanzzentrum Ende 2007 Name der Bank Bankentyp Art der Vertretung Her- kunfts- land Geschäfts- bank\* Entwick- lungsbank Noten- bank Zweig- stelle Ausländ. Mehrheits- besitz Repräsen- tanz China Bank of China Limited Zweigniederlassung Frankfurt am Main Frankfurt Branch x x Bank of Communications Co., Ltd. Frankfurt Branch x x China Construction Bank Corporation Niederlassung Frankfurt x x Industrial and Commercial Bank of China Limited Frankfurt Branch x x People's Bank of China Repräsentanz x x Indien ICICI Bank UK Ndl.\*\* x x State Bank of India (Indische Staatsbank) Zweigniederlassung x x Japan Daiwa Securities SMBC Europe Limited Niederlassung Frankfurt am Main x x Development Bank of Japan Repräsentanz Frankfurt am Main x x Honda Bank GmbH x x Japan Bank for International Cooperation Repräsentanz in Frankfurt x x Maintrust Kapitalanlagegesellschaft mbH x x MCE Bank GmbH x x Mitsubishi UFJ Securities International plc, Frankfurt Branch x x Mizuho Corporate Bank (Germany) AG x x Nomura Bank (Deutschland) GmbH x x Shinsei International Limited Zweigniederlassung Frankfurt am Main / Frankfurt Branch x x The Bank of Japan Repräsentanz x x Korea Korea Exchange Bank (Deutschland) AG x x Shinhan Bank Europe GmbH x x The Bank of Korea Repräsentanz x x The Export-Import Bank of Korea Repräsentanz x x The Korea Development Bank Frankfurt Representative Office x x Supra- national Asian Development Bank European Representative Office x x \* inkl. Broker, KAG, Autofinanzierer; \*\* BaFin-Lizenz seit März 2007, Aufnahme der Geschäftstätigkeit im Februar 2008 Quellen: Deutsche Bundesbank, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Helaba Volkswirtschaft/Research Seit über 50 Jahren kommen asiatische Banken an den Main – Asienkrise hinterlässt Spuren Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 19 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Bei den nach Deutschland strebenden asiatischen Banken ist der Finanzplatz Frankfurt der favori- sierte Standort. 31 der insgesamt 360 ausländischen Kreditinstitute in Deutschland stammten Ende 2007 aus Asien. Hiervon waren 24 bzw. knapp ¾ am Main ansässig, nahezu alle in Nähe des Zent- rums bzw. Bankenviertels. Hinsichtlich des Bankentyps ist folgendermaßen zu unterscheiden: drei nationale Zentralbanken, vier staatliche Entwicklungsbanken und das Gros der insgesamt 17 Ge- schäftsbanken i.w.S. Die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl liegt bei rund fünf im Falle der No- ten- und Entwicklungsbanken (Vertretung in Form von Repräsentanzen). Die asiatischen Ge- schäftsbanken beschäftigen im Durchschnitt rund 30 in- und ausländische Mitarbeiter.6 Die drei Typen von asiatischen Instituten am Main unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung bzw. ihrem Tätigkeitsgebiet: Die Zentral- und Entwicklungsbanken Asiens legen ihren Fokus auf volks- wirtschaftliche Analysen Deutschlands sowie anderer europäischer Länder. Hinzu kommt bei den Zentralbanken die intensive Kontaktpflege insbesondere zu EZB und Bundesbank sowie teils auch zur EU-Kommission in Brüssel oder zur in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungs- verkehr (BIZ). Die staatlichen Entwicklungsbanken dienen in Deutschland als Schnittstelle zu Un- ternehmen des eigenen Landes und widmen sich auf diese Weise der heimischen Investitionsförde- rung. Die Geschäftsbanken sind in verschiedenen Bereichen tätig – einige sogar als Universalbank, die meisten haben Schwerpunkte auf bestimmte Geschäftsfelder gelegt (z.B. Außenhandel, Zah- lungsverkehr, strukturierte Finanzierung, Aktien-Sales). Außerdem firmieren ein paar als Spezial- institute: zwei Broker, eine Kapitalanlagegesellschaft und zwei Automobilfinanzierer mit asiati- schem Hintergrund. Asiatische Banken in Frankfurt nach Nationalität ... Anzahl Ende 2007 ... und nach Bankentyp Anzahl Ende 2007 024681012 Japan China Korea Indien Supra- national 0 5 10 15 20 Zentral- banken Entwicklungs- banken Geschäfts- banken \* Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research \* inkl. Broker, KAG, Autofinanzierer Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research; Die Differenzierung nach Nationalitäten der am Main beheimateten Banken Asiens korrespondiert weitgehend mit der asiatischen Bevölkerungsstruktur am Finanzplatz (vgl. Kapitel 2.1): Mit einer Anzahl von insgesamt elf stammten Ende 2006 die meisten Institute aus Japan (neben Zentralbank und zwei Entwicklungsbanken acht Geschäftsbanken i.w.S.). Damit sind in der Main-Metropole aktuell sogar mehr japanische Banken vertreten als in Düsseldorf. Traditionell ist zwar eigentlich Nordrhein-Westfalen Hauptstandort für japanische Unternehmen – flankiert von japanischen Ban- ken. Doch auf deutsche bzw. (ost-)europäische Kunden abzielende Kreditinstitute Japans bevorzu- gen Frankfurt. Insofern gibt es sozusagen eine „Arbeitsteilung“ der beiden Standorte in Abhängig- keit von der Fokussierung japanischer Auslandsvertretungen – Düsseldorf schwerpunktmäßig zur Finanzierung der japanischen Industrie, Frankfurt primär ausgerichtet auf die deutsche Klientel. 6 Diese Werte wurden mittels Angaben aus der Umfrage von Helaba und Goethe-Universität (vgl. 2.4) sowie anhand von Unternehmensprofilen berechnet; der klare Ausreißerwert von rund 400 Mitarbeitern bei einer Bank (Spezialinstitut) wurde dabei nicht einbezogen. Bei diesen Geschäftsbanken handelt es sich fast ausschließlich um aktive Vertretungen in Form von Zweigniederlassungen oder Kreditinstituten in asiatischem Mehrheitsbesitz; es gibt hierunter nur eine Repräsentanz. Herkunftsländer: Japan... Drei verschiedene Typen von Banken mit differierendem Fokus Frankfurt als Favorit für asiatische Banken in Deutschland Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 20 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Für chinesische und koreanische Banken ist Frankfurt der einzig wichtige Bankenplatz Deutsch- lands. Bislang sind jeweils fünf Institute dieser Länder am deutschen Finanzzentrum vertreten, wo- zu auch die Notenbanken beider Länder zählen. Chinesische Banken vollziehen derzeit eine Aus- weitung ihrer Geschäftstätigkeit am Main. So erhielt z.B. 2007 ein Kreditinstitut Chinas, das jahre- lang als Repräsentanz in Frankfurt vertreten war, die Vollbanklizenz, und betreibt nun aktiv den Aufbau seiner Geschäftstätigkeit unter Rückgriff auf bereits geknüpfte Kontakte. Ebenso zeigt sich die indische Bankenlandschaft zunehmend interessiert am deutschen Finanzzentrum. Nachdem bislang einzig die größte Bank Indiens am Main niedergelassen war, hat diese nun Konkurrenz durch ein weiteres indisches Spitzeninstitut bekommen. Abgerundet wird die Präsenz asiatischer Banken durch die Europaniederlassung der Asian Dev- lopment Bank (ADB) als supranationales Institut. Die ADB wählte – neben dem Verband der Aus- landsbanken und der Vereinigung der Repräsentanzen ausländischer Banken innerhalb Deutsch- lands – explizit den Finanzplatz Frankfurt als Standort. Von hier aus pflegt die ADB die Verbin- dung zu ihren zahlreichen Anteilseignern innerhalb Europas, d.h. neben Deutschland als neunt- größtem Anteilseigner zu 16 weiteren europäischen Ländern. 2.4 Umfrage von Helaba und Goethe-Universität unter asiatischen Banken Umfragesystematik Vom 21. November bis 12. Dezember 2007 führte die Helaba in Kooperation mit Professor Dr. Michael H. Grote von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt eine Umfrage unter den asiatischen Banken am Main durch. Ziel war die Ermittlung der Beweggründe asia- tischer Auslandsbanken, sich in Frankfurt anzusiedeln. Daneben kamen geschäftliche wie auch individuelle Erfahrungswerte der Geschäftsführer über das deutsche Finanzzentrum und seine Community zur Sprache. Ausgehend vom Bundesbank-Verzeichnis der Auslandsbanken in Deutschland (vgl. Kapitel 2.3) wurden insgesamt 20 persönliche Interviews mit den Leitern7 der asiatischen Banken geführt. Der Leitfaden für die Interviews basierte zum einen auf dem Konzept von Professor Dr. Grote, welches seiner Umfrage unter Auslandsbanken im Jahr 1998 zugrunde lag.8 Zum anderen wurden die 2006 von der Helaba aufgestellten Finanzplatz-Kriterien9 herangezogen und speziell auf die aktuelle Fragestellung bezogene Aspekte berücksichtigt. Zur Abrundung des Stimmungsbildes über die Qualitäten und Rolle Frankfurts für asiatische Banken wurden neben den Instituten am Main noch zwei weitere in anderen deutschen Städten telefonisch befragt.10 Die positive Resonanz auf die Umfrage zeigte sich nicht nur an der beachtlichen Teilnahme- quote von weit mehr als 80 %, sondern auch an der Bereitschaft zu detaillierten Auskünften. Hierzu trug die persönliche Gesprächsführung (oftmals auf Englisch) ebenso bei wie die zu- gesicherte Anonymisierung der Angaben. Es handelte sich grundsätzlich um offene Fragen ohne vorgegebenes Antwortschema. Mittels doppelter Protokollführung wurde ein hohes Ausmaß an Objektivität und Wiedergabequalität der Informationen sichergestellt. Die enge zeitliche Durchführung innerhalb von nur drei Wochen sorgt für eine gute Vergleichbarkeit der Aussagen, so dass diese aggregiert ein zeitlich konsistentes Stimmungsbild liefern. Im Folgenden wird zumeist das Aggregat aller befragten 20 Institute betrachtet und fallweise auch die Gesamtaussage speziell der 13 Geschäftsbanken. 7 Bei den Geschäftsbanken wurde das Gespräch mit einem der beiden Geschäftsführer der deutsch-asiatischen Doppelspitze Einzige Europaniederlassung der ADB am Finanzplatz Frankfurt Kooperationsprojekt von Helaba und Frankfurter Universität: Befragung asiatischer Banken 20 persönliche Interviews am Finanzplatz Frankfurt Gute Resonanz und Qualität der Ergebnisse ... China, Korea und Indien Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 21 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 2.4.1 Geschäftsentwicklung Die asiatischen Auslandsbanken beurteilen ihre Geschäftsentwicklung am deutschen Finanzzent- rum positiv – sowohl in Vergangenheit als auch in Zukunft: Gemäß eigener Angaben blicken ins- gesamt acht bzw. beinahe zwei Drittel der Geschäftsbanken auf eine Expansion in Frankfurt zu- rück; nur zwei verzeichneten eine Reduktion und drei machten hierzu keine Angaben. Ihre Zu- kunftsperspektiven am hiesigen Finanzplatz schätzen sogar noch mehr Geschäftsinstitute als gut ein. Nahezu alle rechnen sich künftig Wachstumschancen am Standort Frankfurt aus. Geschäftstätigkeit in Frankfurt im Rückblick Anzahl an Geschäftsbanken Einschätzung der Zukunftsperspektiven in Frankfurt Anzahl an Geschäftsbanken 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Expansion Reduktion k.A. 0 2 4 6 8 10 12 14 1 0 2 4 6 8 10 12 14 Expansion k.A. Reduktion Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Chinesische und indische Kreditinstitute sind bereits dabei, ihre Aktivitäten am deutschen Finanz- zentrum auszuweiten, indem sie Vertretungsbüros am Main entweder neu gründen oder in eine rechtlich geschäftsfähige Bank umwandeln. Bankenvertreter aus diesen beiden Ländern zeigten sich zuversichtlich, dass es sich dabei um einen vorerst anhaltenden Trend handele. Ähnlich opti- mistisch äußerten sich koreanische Bankenvertreter und verwiesen auf die Tendenz am Banken- platz Korea, ein internationales Netzwerk aufzubauen. Vor diesem Hintergrund sei es gut denkbar, dass sich generell auch wieder eine Expansion des Deutschland- und Europageschäftes herauskris- tallisiere und damit eine Ausweitung der Aktivitäten koreanischer Banken am deutschen Finanz- zentrum einhergehe. 2.4.2 Bewertung der Community Die Lebhaftigkeit und das aktive Miteinander der Frankfurter Finanzplatz-Akteure fanden sich eindeutig in der Umfrage bestätigt. 95 % bejahten die Existenz einer regen Banking Community am Main. Viele asiatische Banken empfanden diese sogar als sehr dynamisch, auch wenn sie sel- ber nicht unbedingt zu den aktivsten Playern zu zählen scheinen und oftmals vielmehr Kontakte innerhalb ihres eigenen nationalen Kreises pflegen. Nichtsdestotrotz ziehen viele der asiatischen Banken offenkundig Nutzen aus der Frankfurter Fi- nanzplatz-Community: Denn zum Knüpfen neuer Geschäftskontakte dienen nicht selten Branchen- treffen (sechsmal genannt) und v.a. das bereits aufgespannte Netzwerk des eigenen Instituts (für 15 wichtig); darüber hinaus betreiben sieben Institute auch eine aktive Suche nach neuen Geschäfts- geführt, bei den Noten- und Entwicklungsbanken mit dem Chef- oder Vize-Repräsentanten. 8 Vgl. Michael H. Grote (2004): „Die Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt seit dem Zweiten Weltkrieg - Eine evoluti- onsökonomische Untersuchung“ 9 Vgl. Helaba-Studie (2006): „Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich“ 10 Äußerungen von asiatischen Bankvertretern aus anderen deutschen Städten gehen nicht in die aggregierten Ergebnisse ein, sondern werden ergänzend zum Frankfurter Befragtenkreis dargestellt. Aktive Banking Community Gute Wachstumschancen am Finanzplatz Frankfurt Künftig vermehrte Aktivitäten chinesischer und indischer sowie ggf. koreanischer Banken in Frankfurt Nutzen aus Community: Kontakte und Kooperationen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 22 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba kontakten z.B. via Internet. Die Frage nach Kooperationen mit anderen Instituten am deutschen Finanzzentrum bejahten 15 bzw. drei Viertel der asiatischen Banken. „Auf welche Art knüpfen Sie neue geschäftliche Kontakte?“ Anzahl (Mehrfachnennung möglich) Kooperationen mit anderen Banken in Frankfurt: Anzahl 02468101214 Branchen- treffen Aktive Suche Bestehendes Netzwerk kaum 3 nein 2 ja 15 Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Einig waren sich die Befragten darin, dass es keinen aktiven gesamt-asiatischen Zusammenschluss gibt, sondern dieser eher formellen Charakter hat. Schließlich sind die einzelnen Nationalitäten zu unterschiedlich und bilden jeweils ihre eigene Gemeinschaft, die allerdings im internationalen Vergleich der Metropolen nur begrenzten Ausmaßes ist. So existiert am Finanzplatz Frankfurt eine japanische, koreanische und chinesische Community. Es finden regelmäßige Treffen sowohl auf beruflicher als auch privater Ebene statt. 2.4.3 Geographischer Stützpunkt Für die asiatischen Banken nimmt Frankfurt eine bedeutende Stellung auf dem europäischen Kon- tinent ein, da es mit zahlreichen Standortvorteilen punkten kann: Nahezu alle der befragten asiati- schen Banken konzentrieren ihre Aktivitäten innerhalb Deutschlands auf den Finanzplatz Frank- furt; nur zwei unterhalten ein zusätzliches Büro in Düsseldorf mit anderem Tätigkeitsschwerpunkt. Generell ist es für die Minderheit der asiatischen Institute, die in deutschen Städten außerhalb des Rhein-Main-Gebietes agieren11, allerdings wohl nicht von Nachteil, fernab der größten deutschen Finanzplatz-Community zu sein. Denn ein ausschlaggebendes Argument für ihre Standortwahl ist der direkte Kundenkontakt, z.B. zur Schiffsbranche in Hamburg oder japanischen Unternehmer- klientel in Düsseldorf (vgl. Kapitel 2.3). Rolle des Frankfurter Büros in Relation zu London Anteile Geografische Ausrichtung asiatischer Banken am Main %-Anteil (Mehrfachnennungen möglich) gleich 15% unklar\*\* 20% nachrangig 30% bedeutender\* 35% 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Geschäftsbanken alle Banken 0 5 10 15 20 25 30 35 deutsch (-sprachig) Europa insg. spez. Osteuropa \* inkl. einzige europäische Vertretung am Main, \*\* nicht spezifiziert Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt 11 Acht asiatische Banken haben sich auch oder nur für einen anderen Standort als Frankfurt entschieden (vgl. Kapitel 2.2). Asiatischer Fokus in Deutschland klar auf Frankfurt gerichtet Japanische, koreanische und chinesische Gemeinschaften Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 23 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Nicht nur in Deutschland, auch innerhalb Europas spielt der Standort Frankfurt eine wichtige Rol- le: Für 35 % der Befragten ist die Vertretung ihres Instituts am Main die wichtigste in Europa – hierunter auch drei Banken, die keine Notwendigkeit ihrer Präsenz in London sehen. Der Prozent- satz derjenigen mit einer stärkeren Gewichtung ihres Büros an der Themse liegt mit 30 % sogar etwas niedriger. Für 15 % haben beide europäischen Finanzhauptstädte die gleiche Bedeutung; 20 % äußerten sich nicht eindeutig zu dieser Relation.12 Von ihrem Büro am deutschen Finanzzentrum aus decken die asiatischen Institute eine Vielzahl von Ländern ab. Neben dem deutschsprachigen Raum betreffen ihre Frankfurter Aktivitäten zahl- reiche andere Länder Europas wie Skandinavien, die Benelux-Staaten sowie größere Mitgliedslän- der der Eurozone und neuerdings verstärkt Osteuropa. Reichweite der asiatischen Banken von Frankfurt aus \*Ausgewählte Mitgliedsländer Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Und so rührt es entscheidend von der deutschen und europäischen Ausrichtung der asiatischen Auslandsvertretungen her, dass sie auf ihre Präsenz am Main Wert legen: Der Finanzplatz Frank- furt ist in ihren Augen bestens für ihr Geschäft bzw. Research mit Fokus Deutschland und Europa geeignet, während ihr Blick von London aus eher in die weitere Ferne gerichtet ist. So gaben zwei Drittel aller Banken – und sogar 77 % der Geschäftsbanken – Deutschland bzw. den deutschspra- chigen Länderkreis als wichtiges Aktionsfeld ihres Instituts an. Konzentriert auf Gesamteuropa sind eigenen Angaben zufolge 60 % der Befragten (46 % der Geschäftsbanken). 30 % aller bzw. 23 % der geschäftstätigen Institute nutzen Frankfurt zunehmend als Tor nach Osteuropa „bis hin zum Ural“. Aus diesem Blickwinkel heraus ist der Finanzplatz Frankfurt für asiatische Banken 12 Da die Umfrage unter den asiatischen Banken am Finanzplatz Frankfurt stattfand, wurden diejenigen Institute nicht erfasst, welche nur in London und nicht in Frankfurt vertreten sind. Weitreichende Marktab- deckung in Europa mit Frankfurter Büro Frankfurter Büro wichtig für Geschäfte in Deutschland und Europa Niederlassung am Main für viele wichtiger als an der Themse Osteuropa Skandinavien Euro- zone\* Osteuropa Skandinavien Euro- zone\* Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 24 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba also umso attraktiver, je höher die gesamtwirtschaftliche Dynamik in Deutschland und (Ost-) Europa ist und je ausgeprägter deswegen die Geschäftsmöglichkeiten für Kreditinstitute in dieser Region sind. 2.4.4 Standortqualitäten Frankfurts Zentrales Argument für die Notwendigkeit asiatischer Banken am deutschen Finanzzentrum ist die Nähe zu Geschäfts- und Kooperationspartnern und zur Community: Als Hauptgrund für ihre Standortentscheidung zugunsten Frankfurts nannten nämlich zwei Drittel die Kontaktmöglichkei- ten zu Finanzplatz-Akteuren wie EZB und Bundesbank, Geschäftsbanken und Börse. Nicht selten wurde die Main-Metropole als „place to be“ im (deutschen) Finanzwesen gesehen. Zudem spielte für 40 % die attraktive Infrastruktur Frankfurts eine wichtige Rolle (Mehrfachnennungen möglich) und sie machten dies v.a. am hiesigen Flughafen als internationalem Drehkreuz fest. In Verbin- dung damit fühlten sich 25 % der Befragten durch die zentrale Lage als geographischer Mittel- punkt Europas angezogen. Des Weiteren ist für 35 % auch die deutsche Volkswirtschaft Motivati- on für ihre Anwesenheit in Frankfurt. Deutschland gilt in Asien angesichts seiner gesamtwirt- schaftlichen Größe (global an dritter Stelle) und seines Qualitätsmerkmals („Made in Germany“) als interessanter Markt, mit dem die Wirtschaftsbeziehungen gestärkt werden sollen. Früher gab es noch einen regulatorischen Antrieb. Denn bis zur Euro-Einführung 1999 waren ausländische Ban- ken nur als Konsortialführer für DM-Emissionen zugelassen, wenn sie in Form einer Tochterge- sellschaft oder Zweigstelle in Deutschland agierten (Verankerungsprinzip der Deutschen Bundes- bank zum Schutze vor Abwanderung des Emissionsgeschäftes). Hauptgründe für Präsenz am Finanzplatz Frankfurt Anzahl (Mehrfachnennungen möglich) Persönliche Pluspunkte Frankfurts %-Anteil (Mehrfachnennungen möglich) 02468101214 Geographische Lage Deutsche Wirtschaft Infrastruktur Nähe Community\* 0 20 40 60 80 Infra- struktur &amp; kurze Wege Arbeits- atmos- phäre &amp; Karriere- chancen Kultur- angebot Natur / Nähe zu Umland Preis- niveau / Lebens- standard Inter- natio- nalität / Welt- offenheit Sicher- heit 0 20 40 60 80 \* inkl. Nähe zu Zentral- sowie Geschäftsbanken und Börse Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Quellen: Umfrage Helaba Volkswirtschaft/Research &amp; Universität Frankfurt Wie wichtig den asiatischen Banken gerade die Nähe zu ihren Geschäfts- und Kooperationspart- nern ist, zeigt auch die Beantwortung der Frage, ob die in Frankfurt betriebenen Aktivitäten nicht auch von einem anderen Standort aus betrieben werden könnten (asiatisches „headquarter“ oder andere Standort in Europa). Drei Viertel verneinten dies eindeutig mit der Begründung, dass die persönlichen Kontakte am deutschen Finanzzentrum bzw. der Nutzen des hiesigen Netzwerks für sie unverzichtbar seien. Darüber hinaus wurde auch auf die Zeitverschiebung zwischen Deutsch- land und Asien verwiesen – eine klare Einschränkung von Praktikabilität und Effizienz bei reiner Tätigkeit aus dem Heimatland heraus. Und das Argument der Nähe hat noch einen weiteren As- pekt – und zwar bzgl. der Gesprächs- und Verhandlungspartner vor Ort. Rund 70 % der asiatischen Banken gaben an, dass ihre Präsenz in Frankfurt von ihren Kunden u.Ä. erwartet und die Möglich- keit des unmittelbaren Kontaktes rege genutzt werde. Hiermit bestätigt sich die in der Helaba- Studie 2006 aufgestellte These, dass die Nähe zur Community nicht durch die zunehmende Tech- nologisierung obsolet wird. Im Gegenteil scheint es – gerade in Anbetracht der diversifizierten Hauptgründe für Büro am Main: Nähe zur Community, Infrastruktur und Lage sowie deutsche Wirtschaft Pflege persönlicher Kontakte unverzichtbar für Geschäftserfolg Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 25 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Kontaktmöglichkeiten über räumliche Distanzen hinweg – immer wichtiger zu werden, das per- sönliche Gespräch zu suchen und auf diese Weise Geschäftsbeziehungen auszubauen. Im Rahmen der Umfrage haben die asiatischen Banken nicht nur die Standortentscheidung ihres Instituts in Frankfurt begründet, sondern es wurde auch nach ihrer persönlichen Bewertung der Qualitäten der Main-Metropole gefragt: 90 % leben und arbeiten gern in der Frankfurter Finanz- platzregion, nur zwei der Geschäftsführer sind nicht zufrieden mit dem Standort. Mit 70 % am häufigsten wurden die verkehrstechnische Anbindung und die kurzen Wegstrecken positiv hervor- gehoben. Speziell bezogen auf das berufliche Umfeld war interessant festzustellen, dass zwei Drittel aller Befragten die Arbeitsatmosphäre als angenehm, professionell und von internationalem Charakter geprägt beschrieben. Bemerkenswert war insbesondere, dass recht viele die Karrierechancen am deutschen Finanzzentrum als vielversprechend und attraktiv kennzeichneten. Rund 50 % derjeni- gen, die sich explizit zur Atmosphäre der Frankfurter Community äußerten, strichen die guten Karriereperspektiven heraus (entspricht 30 % des gesamten Panels). Zur angenehmen Lebensatmosphäre tragen neben dem Infrastrukturaspekt v.a. das Kultur- und Freizeitangebot bei. So nannten 40 % die kulturellen Möglichkeiten und 35 % die Natur bzw. die Nähe zum Umland als eindeutige Pluspunkte der Frankfurter Region. Zudem zeigten sich 30 % angetan von Lebensstandard und Preisniveau. 20 % empfanden eine ausgeprägte Internationalität bzw. Weltoffenheit und 15 % lobten die Sicherheit der Stadt Frankfurt. All dies führt zu einer ins- gesamt sehr positiven Sichtweise der hiesigen Finanzplatz-Region. 2.4.5 Perspektiven des Finanzplatzes Die Perspektiven des Finanzplatzes Frankfurt innerhalb Deutschlands sind für die Befragten klar: Die Main-Metropole werde auch in Zukunft die unangefochtene Spitzenposition innehaben. Dies brachten nahezu alle Geschäftsführer und Repräsentanten eindeutig zum Ausdruck, manche waren gar verwundert ob der Frage. Schließlich wird in Frankfurt z.B. „das Sinnbild des modernen Deutschlands“ gesehen, mit dem andere Städte im Bereich des Finanzwesens nicht konkurrieren könnten. „ Wie wird sich der Abstand zwischen Frankfurt und London in den nächsten zehn Jahren verändern?“ Anzahl der Antworten unklar 11 vergrößern 3 verkleinern 4 gleich bleiben 2 Quellen: Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Helaba Volkswirtschaft/Research Hinsichtlich der künftigen Rolle des deutschen Finanzzentrums in Europa fiel den Meisten aller- dings eine Meinungsäußerung schwer. Dies begründeten viele damit, dass sie zentrale Schlüssel- größen – wie makroökonomische Entwicklung und politische Unterstützung – nicht einschätzen könnten. Die Ausgangsvoraussetzungen der „City of the Euro“ seien gut, aber Frankfurt müsse Frankfurt bleibt Nr. 1 in deutschem Finanzwesen Maßgeblich für künftige Rolle Frankfurts in Europa: Makroökonomische Entwicklung und politische Förderung Persönliche Bewertung der Arbeitsatmosphäre: Gute Karrierechancen Angenehmes Leben dank guter Freizeitmöglichkeiten, hohen Lebensstandards, Internationalität und Sicherheit Hohe Beliebtheit Frankfurts als Arbeits- und Lebensraum Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 26 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba seine Chancen besser nutzen. Auf die konkrete Nachfrage hin, wie sich denn wahrscheinlich der Abstand zwischen London und Frankfurt in den nächsten zehn Jahren verändern könnte, gab nur knapp die Hälfte der Befragten eine Antwort. So beschrieben vier Umfrage-Teilnehmer einen Auf- holprozess Frankfurts, drei gingen von einer Vergrößerung des Abstands zwischen britischem und deutschem Finanzzentrum aus und zwei sahen eine gleichbleibende Relation. 2.5 Stärken und Schwächen des Finanzplatzes Frankfurt 2.5.1 Allgemein Die in der Helaba Finanzplatz-Studie 2006 erarbeitete Übersicht der Stärken und Schwächen des Finanzplatzes Frankfurt besitzt weiterhin Gültigkeit:13 Stärken/Schwächen-Analyse für den Finanzplatz Frankfurt Stärken Schwächen Wichtiger Bankenstandort in Europa Relativ kleine wirtschaftliche Kernregion Intensive internationale Verflechtungen der Banken Konkurrenz dezentraler Finanzplätze im Inland hemmt internationale Wettbewerbsfähigkeit Stabilität und Widerstandskraft des Finanzsystems Rentabilitätsprobleme der Banken Anfang des Jahrtausends Bedeutende, international hoch kompetitive Börse BaFin nicht ausschließlich in Frankfurt Globale Spitzenposition der Eurex im Derivatehandel Finanzbezogener Wissensstandort mit geringem internationalen Renommee EZB als wichtiges Asset Zögerliche Finanzgesetzgebung Frankfurt unter den "Top 10 World Cities" Relativ hohe Unternehmenssteuerbelastung Tradition als Messe- und Bankenstadt Keine systematische Finanzplatz- Eigenvermarktung Sehr gute Verkehrsinfrastruktur in Verbindung mit kurzen Wegen Relativ günstige Büroimmobilien und hohe Kaufkraft Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Ausgehend von der Stärken/Schwächen-Analyse für das deutsche Finanzzentrum werden diese allgemeinen Charakteristika Frankfurts nun dahingehend überprüft, inwieweit sie speziell von asiatischen Marktteilnehmern gesehen werden. 2.5.2 Aus asiatischer Sicht Stärken Ganz entscheidend für die Standortwahl von nach Europa kommenden Instituten ist ihre individu- elle Geschäftsausrichtung, wie die Umfrage von Helaba und Goethe-Universität belegt (vgl. Kapi- tel 2.4): Frankfurt gilt als erste Anlaufadresse und zentraler Finanzplatz für das Deutschland- und Europageschäft asiatischer Banken. So ist für rund die Hälfte der befragten Akteure ihr Frankfurter Büro wichtiger oder zumindest gleichbedeutend mit dem in London; nur ein knappes Drittel zieht London aufgrund internationalerer Geschäftstätigkeiten vor. 13 Vgl. Diskussion der Stärken und Schwächen des Finanzplatzes Frankfurt bzw. Ableitung von Marktpotenzialen und politischen Handlungsempfehlungen in Helaba 2006: „Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich“, S. 70ff. Analyse weiterhin gültig Frankfurt oder London? – Geschäftsfokus maßgeblich Überprüfung aus asiatischem Blickwinkel Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 27 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Der Vergleich der oben genannten Stärken mit den Äußerungen der befragten asiatischen Banker zeigt eine weitgehende Übereinstimmung – eine eindeutige Identifikation Frankfurts als einer der bedeutenden Finanzplätze Europas. Nahezu alle Vorzüge Frankfurts wurden in den Interviews ex- plizit und mehrfach angesprochen; einige wenige Eigenschaften kamen lediglich vereinzelt oder indirekt zum Ausdruck. Und es wurden nicht nur alle bereits bekannten Stärken des hiesigen Fi- nanzplatzes aus asiatischer Sicht bestätigt, sondern darüber hinaus nannten die Bankvertreter sogar noch weitere attraktive Eigenschaften Frankfurts. Das Spektrum aller Attribute wird mittels des Asiatischen Finanzplatz-Sterns Frankfurts dargestellt. Insgesamt handelt es sich um 14 Charakte- ristika des deutschen Finanzzentrums, die für die Anziehungskraft des Finanzplatzes Frankfurt auf asiatische Akteure maßgeblich sind. Asiatischer Finanzplatz-Stern Frankfurt Anziehungskraft Finanzplatz Frankfurt auf asiatische Akteure Standortspezifische Qualitäten Vorhandene asiatische Player Anspre che nde s Kultur- und Freizeitangebot Akzeptables Preisniveau Kurze Wegstrecken Sehr gute Verkehrs- infrastruktur Funktion Drehscheibe Anwesenheit wichtiger Akteure Reputation als Finanzplatz Tor nach (Ost-) Europa Nähe zu "Made in Germany" Bedeutende Börse "Sogwirkung" der EZB Aktive internationale Banking Community Internationale W irtscha ftsm e tropole Wichtiger Finanzplatz in Europa Tradition als Finanzplatz Stabilität des Finanzsystems Die 14 Anreizfaktoren Frankfurts aus asiatischer Sicht sind vier rot gekennzeichneten Hauptkategorien zugeordnet; in zwei Ausnahmefällen kommt es zu Überschneidungen bei der Zuordnung der Charakteristika. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research • Die Kategorie Reputation als Finanzplatz umfasst diejenigen Charakteristika Frankfurts, die unmittelbar mit seiner guten Positionierung im globalen Finanz- und Wirtschaftsgeschehen verbunden sind bzw. zentrale Gütekriterien darstellen. Im Jargon der Umfrageteilnehmer ist Frankfurt ein „place to be“ im deutschen wie auch europäischen Finanzwesen. Asiatischer Finanzplatz-Stern Frankfurt: 14 positive Attribute „place to be“ Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 28 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba • Ebenfalls maßgeblich für die Attraktivität Frankfurts aus asiatischer Sicht ist die Anwesenheit wichtiger Akteure. Denn die Nähe zu Geschäfts- und Kooperationspartnern spielt für asia- tische Banken am deutschen Finanzzentrum eine wichtige Rolle bei der Ausübung ihrer Ge- schäftstätigkeit, nicht zuletzt in Anbetracht der Zeitverschiebung zwischen Deutschland und dem asiatischen Kontinent. Die Vielzahl in- und ausländischer Finanzmarktteilnehmer sorgt für ein intensive Kommunikation in der Main-Metropole. Die asiatischen Banken schätzen so- wohl die beruflichen Kontaktmöglichkeiten als auch die professionelle, internationale Arbeits- atmosphäre der Frankfurter Finanzplatz-Community. So verlaufen die Geschäfte der bereits am Main ansässigen asiatischen Banken erfolgreich, und darüber hinaus gibt es auch auf pri- vater Ebene zahlreiche Aktivitäten der einzelnen nationalen Gruppierungen. • Ein ganz entscheidendes Charakteristikum des deutschen Finanzzentrums ist seine vielschich- tige Funktion als Drehscheibe, da dies für seine anhaltende Anziehungskraft bürgt – unab- hängig von anderen Stärken Frankfurts. Aufgrund seiner geographisch zentralen Lage im Her- zen Europas und seiner hervorragenden Verkehrsinfrastruktur fungiert der Finanzplatz Frank- furt als Dreh- und Angelpunkt für das deutschsprachige und (ost-)europäische Geschäft asia- tischer Banken. • Standortspezifische Qualitäten sind für den Erfolg eines Finanzplatzes unerlässlich, da sie die Standortwahl von Finanzinstituten und -spezialisten spürbar positiv beeinflussen. In die- sem Bereich kann Frankfurt nicht nur mit seiner guten Infrastruktur in Kombination mit kur- zen Wegstrecken punkten, sondern zeichnet sich auch durch relativ niedrige Kosten für Büro- immobilien und Lebenshaltung sowie vielfältige, ansprechende Kultur- und Freizeitmöglich- keiten aus. So zeigten sich viele Umfrageteilnehmer auch im Vergleich zu asiatischen Metro- polen angetan von den verschiedenen standortspezifischen Qualitäten am Main und lobten die angenehme Lebens- und Arbeitsatmosphäre. Schwächen Trotz der durchweg positiven Sichtweise Frankfurts brachten die asiatischen Bankmanager in den Interviews auch Nachteile zur Sprache – allerdings nur wenige. Dabei handelte es sich meist um einzelne Meinungsäußerungen, zu denen es auch gegenteilige Ansichten gab. Insofern spiegeln die folgenden Schwächen kein generelles Stimmungsbild der asiatischen Bankvertreter wider. Anders als bei den positiven Eigenschaften Frankfurts wurden nur einige der Negativaspekte bes- tätigt, welche die Helaba vormals als allgemeine Schwächen des deutschen Finanzzentrums identi- fiziert hat: • Relativ kleine wirtschaftliche Kernregion: Frankfurt ist primär deutsches Finanzzentrum und nicht gleichzeitig Hauptstadt des Landes. Zudem weist die Finanzplatzregion eine relativ kleine Fläche und Bevölkerungsanzahl auf. In dieser Hinsicht sind die nationalen Haupt- und Finanzstädte London und Paris im Vorteil, so dass die Internationalität dort noch deutlicher zu Tage tritt. Die begrenzte Größe der Main-Metropole wurde nur von einigen kritisch gesehen, andere wiederum stellten gerade diese Eigenschaften als angenehm heraus und als Ursache für eine höhere Lebensqualität in Frankfurt. • Konkurrenz dezentraler Finanzplätze im Inland hemmt internationale Wettbewerbsfä- higkeit: Es war die einhellige Meinung der Befragten, dass Frankfurt auch in Zukunft die un- angefochtene Position im deutschen Finanzwesen innehaben werde. Doch im Hinblick auf die internationale Stellung des hiesigen Finanzplatzes sprach der eine oder andere die hemmende Wirkung der innerdeutschen Konkurrenz der Finanz- bzw. Börsenstandorte an. Ausgangspunkt für deutsch- sprachige und (ost-)europäische Geschäftstätigkeit Nur vereinzelte Erwähnung von Schwächen Frankfurts Drei allgemeine Schwächen bestätigt durch Umfrage Angenehme Lebens- und Arbeitsatmosphäre Nähe zu pulsierender Community Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 29 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba • Keine systematische Eigenvermarktung: Bzgl. der internationalen Rolle des Finanzplatzes Frankfurt wurde auch darauf hingewiesen, dass diese entscheidend durch ein besseres Marke- ting gefördert werden könnte. Ferner wurden individuelle Eindrücke und Erfahrungswerte v.a. des privaten Lebensbereiches ge- schildert, die als verbesserungswürdig angesehen werden: • Sprachbarriere: Auch wenn „Business English“ im Frankfurter Geschäftsleben immer mehr Verbreitung finde, so sei die Verständigung auf Englisch im privaten Alltag oftmals noch mühsam. • Begrenzte Shopping- und Sightseeingmöglichkeiten: Während die begrenzte Anzahl von Sehenswürdigkeiten in Frankfurt und die sonntags geschlossenen Geschäfte von wenigen be- mängelt wurden, gab es viele, die sich vom Kultur- und Freizeitangebot der Frankfurter Regi- on angetan zeigten. • Stadtbild: Vereinzelt beschrieben die Befragten, dass sie sich nicht in der Stadt Frankfurt wohlfühlten und stattdessen lieber im Umland lebten, während wiederum andere die positive Veränderung des Stadtbildes z.B. an der Mainpromenade erwähnten. 2.6 Exkurs: Wachsende Bedeutung asiatischer Investoren Aufgrund ihrer anhaltenden Leistungsbilanzüberschüsse sind viele Länder Asiens internationale Kapitalgeber. Insbesondere in China und Japan waren diese Überschüsse mit 250 bzw. 170 Mrd. $ in 2006 umfangreich und auch in Singapur, Malaysia sowie Hongkong von nennenswerter Grö- ßenordnung (20-36 Mrd. $); Indien wies 2006 einen negativen Leistungsbilanzsaldo in Höhe von knapp 10 Mrd. $ auf. Hohe Leistungsbilanzüberschüsse v.a. in China und Japan Mrd. $, 2006 Umfangreiche Devisenreserven in Asien Mrd. $, November 2007 -50 0 50 100 150 200 250 -50 0 50 100 150 200 250 China Japan Singa pur M alysia Hongkong Indonesien Ko rea Ph ilippin en Thaila nd Vie tnam Ind ien 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 Chin a Jap an In die n Korea Singa pur Hong kong Ma lys ia Th ailand In dones ien Philipp inen Vietn am 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: EcoWin, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Devisenreserven Asiens besitzen international großes Gewicht und haben sich im betrachteten Länderkreis seit 1999 verfünffacht. Insbesondere China und Japan wiesen mit knapp 1,5 Bill. $ bzw. nahezu 950 Mrd. $ im November 2007 hohe Volumina auf. Insgesamt verfügten die betrach- teten elf Länder über Währungsreserven von fast 3,6 Bill. $ – knapp 60 % des globalen Bestandes. Individuelle Eindrücke und private Erfahrungswerte Hohe Devisenreserven in Asien Asiatische Staaten als internationale Kapitalgeber Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 30 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Viele Zentralbanken Asiens haben wesentlich mehr Devisenreserven als sie zur kurzfristigen Wechselkursstabilisierung und Liquiditätssteuerung benötigen.14 Neben der Anlage von Devisen- reserven durch die jeweilige Zentralbank, wird diese Überschussliquidität zunehmend in Staats- fonds geleitet („Sovereign Wealth Funds“, kurz SWFs). Mit den auf diese Weise erzielten Erträgen soll die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dauerhaft unterstützt werden.15 Staatsfonds stellen kein neues Phänomen dar, z.B. wurde die Temasek Holding in Singapur bereits 1974 gegründet. Insgesamt wird das Volumen der Staatsfonds weltweit auf 1,9-3,1 Bill. Dollar ge- schätzt und könnte laut Internationalem Währungsfonds bis 2012 auf 10 Bill. Dollar ansteigen. Zu den finanzstarken und international bedeutenden SWFs zählen mehrere aus Asien: Geschätztes Volumen asiatischer Staatsfonds 2007 Land Name des Staatsfonds Volumen in Mrd. $ Gründungsjahr Singapur Government of Singapore Investment Corporation (GIC) 330 1981 China China Investment Corporation (CIC) 300 2007 Singapur Temasek Holdings 160 1974 Hongkong Investment Portfolio (Hongkong Monetary Authority) 100 1998 Korea Korea Investment Corporation (KIC) 20 2005 Malaysia Khazanah Nasional BHD 15 1993 Quellen: Asian Development Bank, Morgan Stanley, The Economist, Helaba Volkswirtschaft/Research Einhergehend mit der dynamischen gesamtwirtschaftlichen Expansion Asiens werden die Leis- tungsbilanzüberschüsse in den nächsten Jahren hoch bleiben und könnten z.B. in China oder Korea sogar weiter zunehmen. In Japan wird die Überschussliquidität bzw. die offizielle Reservehaltung auch künftig so umfangreich sein, dass die Gründung eines SWFs nahe läge. Dies lehnt die dortige Regierung bislang allerdings ab. Im Gegensatz dazu befinden sich Staatsfonds in Indien und Thai- land bereits in einer Planungsphase. Stabilisierende Funktion der Staatsfonds Asiatische Staatsfonds haben seit Ausbruch der Marktturbulenzen in Folge der US-Subprime- Krise zur Stabilität der Finanzmärkte beigetragen. Seit dem vierten Quartal 2007 kam es zu mehre- ren signifikanten Beteiligungen asiatischer SWFs an global agierenden Investmentbanken (z.B. CitiGroup, Merrill Lynch, Morgan Stanley, Bear Stearns, UBS), die zur Bewältigung hoher Ab- schreibungen großvolumigen Rekapitalisierungsbedarf hatten. Insgesamt beliefen sich diese Kapi- talbeiträge asiatischer Staatsfonds in die genannten Kreditinstitute auf knapp 27 Mrd. $. Trotz dieses stabilisierenden Effektes herrscht teilweise Skepsis gegenüber Staatsfonds. Dies rührt im Wesentlichen aus einem Mangel an Informationen über die einzelnen Staatsfonds her: So ist die Höhe des Portfoliovolumen nicht genau bezifferbar und Publizitätsvorschriften existieren kaum. Insofern sollte die Transparenz der SWFs international erhöht werden, z.B. durch einen von der Branche selbst formulierten „Code of Conduct“, der u.a. die Veröffentlichung eines Geschäfts- 14 Vgl. Asian Development Bank (2007): “Beyond Liquidity: New Uses for Developing Asia’s Foreign Exchange Re- serves” 15 Anders als bei den Staatsfonds, die in den letzten Jahren gegründet wurden, erhalten die etablierten SWFs in Singapur ihre Mittel aus staatlichen Budgetüberschüssen. Diese sollen nationale Einkommensquellen bzw. die Unabhängigkeit des Inselstaates absichern. Gründung weiterer Staatsfonds in Asien denkbar Beitrag zur Stabilisierung der Finanzmärkte in Krisenzeiten Befürchtung politischer Einflussnahme Staatsfonds langfristig ausgerichtet Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 31 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba berichts vorschreibt. Vielerorts wird eine politische Einflussnahme im Industrie-, Außenwirt- schafts- und Sicherheitsbereich befürchtet. Denn letztlich stehen hinter diesen großvolumigen Investmentfonds Regierungen. Diese Furcht ist weitgehend unbegründet, da Staatsfonds zumeist als autonome, marktorientierte Gesellschaften ausschließlich eine langfristige Vermögensmehrung anstreben. Chancen für das deutsche Finanzzentrum Anders als in den meisten G7-Ländern gibt es in Deutschland bislang noch keine Regelung für international agierende Staatsfonds, sondern es herrscht generell Offenheit für Auslandsinvestitio- nen. So haben beispielsweise Dax-Unternehmen bis dato gute Erfahrungen mit ihren ausländi- schen Anteilseignern gemacht. Auch weiterhin sollten die Chancen finanzstarker Investoren für Deutschland genutzt werden. Der kurz vor der Verabschiedung stehende Gesetzentwurf sieht ein Vetorecht der Bundesregierung vor. Dieses soll bei einer über 25 % liegenden Beteiligung eines Kapitalgebers aus dem EU-Ausland greifen, sofern das EU-rechtliche Aufgreifkriterium „Gefähr- dung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ erfüllt ist. Auf diese Weise ist eine Erweiterung des Außenwirtschaftsgesetzes und ein zur Rüstungsindustrie analoges Prüfungsrecht geplant, das die Interessen Deutschlands sowohl unter Sicherheits- als auch unter Investitionsaspekten wahrt. Im Vergleich zu entsprechenden Regelungen in anderen Ländern (z.B. USA, Frankreich, Großbri- tannien, Italien) ist der deutsche Gesetzentwurf deutlich weniger restriktiv. Unabhängig hiervon sieht das deutsche Kreditwesengesetz bereits seit langem für alle Investoren, sei es aus dem In- oder Ausland, eine Anzeigepflicht für das Eingehen von bedeutenden Beteili- gungen ( &gt; 10 %) an Kredit- und Finanzinstituten eine Anzeigepflicht gegenüber dem BaFin und der deutschen Bundesbank vor. Unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere wenn Zweifel an der Zuverlässigkeit von Investoren besteht, hat die BaFin das Recht, solche Beteiligungen bin- nen drei Monaten zu untersagen. Mit der geplanten Gesetzgebung bleibt Deutschland und somit auch sein Finanzzentrum am Main für ausländische Investoren attraktiv. Schließlich repräsentiert der hiesige Finanzplatz die global drittgrößte, exportorientierte Volkswirtschaft. Zudem zeichnet sich Frankfurt als renommierter europäischer Finanzplatz aus. Frankfurt mit dem einzigartigen Vorteil des Sitzes der Europäischen Zentralbank ist ein wichtiger Standort für international agierende Finanzmarktakteure, insbesonde- re vor dem Hintergrund der zunehmenden Rolle des Euro als Anlage- und Reservewährung. Dank seiner guten Verkehrsinfrastruktur und geographisch zentralen Lage im Herzen Europas stellt die Main-Metropole einen hervorragenden Ausgangspunkt für asiatischen Investoren mit europäi- schem Fokus dar. Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 32 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 3 Finanzplatz Frankfurt auf dem Weg nach Asien Asien ist ein schillerndes Expansionsfeld für Akteure des deutschen Finanzzentrums. Doch in wel- chem Land bieten sich die besten Perspektiven? Einhergehend mit Impulsen, die von der Vermark- tung Frankfurts in Asien und den deutsch-asiatischen Außenhandelsverflechtungen auf den Fi- nanzsektor ausgehen, befinden sich deutsche Banken und Börse bereits zunehmend auf dem Weg in die dynamische Wachstumsregion. Für die Frankfurter Finanzplatz-Akteure ist bei ihrer Stand- ortwahl innerhalb Asiens die Abwägung länderspezifischer Potenzialfaktoren relevant. Eine konkrete Vision vom künftigen Finanzplatz-Gefüge der Region entwirft die Helaba Finanz- platz-Ellipse Asien. Zudem werden zentrale Rahmendaten der einzelnen Banken- und Börsenplät- ze analysiert. Zur Bewertung wird die 2006 von der Helaba eingeführte Smiley-Systematik16 auf- gegriffen und in leicht modifizierter Form verwendet: ☺ signalisiert, dass ein asiatischer Wirt- schaftsstandort beim betrachteten Kriterium gut aufgestellt ist und somit eine hohe Attraktivität für Frankfurter Finanzplatz-Akteure birgt. Demgegenüber zeigt an, dass die Defizite in einem be- stimmten Bereich derzeit ausgeprägt sind bzw. die Attraktivität diesbezüglich eher gering ist. nimmt eine Einstufung im Mittelfeld vor. Die einzelnen Smiley-Bewertungen aus Kapitel 3 werden im Fazitkapitel zum Helaba Smiley-Tableau Asien zusammengeführt, wo eine Gesamtaus- wertung erfolgt. Generell werden in der vorliegenden Studie die einzelnen Länder und ihre jewei- ligen Finanzmetropolen synonym verwendet; schließlich ist das Finanzzentrum relevant für den Markteintritt und wird von den länderspezifischen Gegebenheiten beeinflusst. 3.1 Impulse 3.1.1 Vermarktung Frankfurts in Asien Die Finanzplatzregion Frankfurt betreibt vielfältige Marketingaktivitäten – insbesondere in China, Indien, Japan und Korea als den Nationen, die auch die aktivsten am deutschen Finanzzentrum sind (vgl. Kapitel 2.1). So überrascht es nicht, dass die Informationsbroschüre zum Investitions- standort Hessen auch in chinesisch, indisch, japanisch und koreanisch vorliegt.17 Kontakte und Aktivitäten der Finanzplatzregion Frankfurt in Asien Städte- partnerschaften Delegations- reisen Seminare / Kampagnen Infobüro vor Ort Kooperationen (Fach-)Hochschulen China x x x x x Hongkong -- x x -- x Indien -- x x x x Indonesien -- -- -- -- x Japan x x x x x Korea -- x x -- x Malaysia -- -- -- -- x Philippinen -- x -- -- -- Singapur -- -- -- -- x Thailand -- -- -- -- x Vietnam -- x x -- x Quellen: Hessische Landesregierung, FrankfurtRheinMain GmbH, Wirtschaftsförderung Frankfurt, Hochschulinformationen, Helaba Volkswirtschaft/Research 16 Vgl. Helaba 2006: „Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich“, S. 67ff 17 Vgl. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehrs und Landesentwicklung bzw. HA Hessen Agentur GmbH: „Neun gute Gründe in Hessen zu investieren.“ Aktives Frankfurt-Marketing in China, Indien, Japan und Korea Deutsche Banken und Börse zunehmend in Asien aktiv Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien und Helaba Smiley-Tableau Asien Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 33 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Eine gute Basis für die wachsenden Beziehungen zwischen der Finanzplatzregion Frankfurt und Asien stellen Städtepartnerschaften dar. Während in der Nachkriegszeit westdeutsche Städte be- sonders den Kontakt zu ihren einst verfeindeten Nachbarstaaten suchten, sind Städtepartnerschaf- ten Deutschlands seit den 80er Jahren verstärkt wirtschaftlich motiviert und der Blick reicht dabei auch immer weiter in die Ferne. So hat Frankfurt diese grenzüberschreitende Bande mit Guang- zhou in China geknüpft, Offenbach ist mit dem chinesischen Yangzhou und der Stadt Kawagoe in der Nähe von Tokio verschwistert. Darüber hinaus gibt es verschiedene freundschaftliche Kontak- te zwischen der hiesigen Finanzplatzregion und Asien. Zudem geht die Stadt Frankfurt gemeinsam mit dem Land Hessen die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China an und hat in den letzten Jah- ren diesbezügliche Abkommen mit Shenzhen, Peking und Tianjin geschlossen.18 Im Rahmen des Kooperationsabkommens mit der chinesischen Sonderverwaltungszone Tianjin spielen die Frank- furter Börse und Messe sowie der hiesige Flughafen eine besondere Rolle, und es ist die Einrich- tung eines operativen Vertretungsbüros von Tianjin am Main geplant. Oftmals werden Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Interessensverbänden zu Delegationsreisen nach Asien entsandt, und es finden Seminare oder Kampagnen vor Ort statt. Zwecks Intensivie- rung der Wirtschaftsbeziehungen wurden in den letzten Jahren insbesondere China inkl. Hong- kong, aber auch Indien, Japan, Korea, die Philippinen und Vietnam bereist. Ferner tragen Informa- tionsbüros in China, Indien und Japan zum Engagement der Frankfurter Region bei, indem Koope- rationsbeauftragte kontinuierlich Marketingaktivitäten vor Ort betreiben und als unmittelbare An- sprechpartner für asiatische Unternehmen zur Verfügung stehen. Im Bereich der intellektuellen Infrastruktur bestehen zu vielen asiatischen Ländern Verbindungen. Die (Fach-)Hochschulen der Finanzplatzregion Frankfurt pflegen Kooperationen mit Lehreinrich- tungen in zehn der betrachteten Länder. Besondere Aufmerksamkeit kommt gegenwärtig Vietnam zu: Aufbauend auf langjährigen freundschaftlichen Beziehungen errichtet das Land Hessen eine vietnamesisch-deutsche Universität in der Metropole Ho Chi Minh City: Im Sommer 2007 wurde das Rahmenabkommen zur Gründung der Universität unterzeichnet. Nun laufen die Vorbereitun- gen für die ersten Studiengänge, die ab Wintersemester 2008/2009 angeboten werden sollen. Mit dieser deutsch-vietnamesischen Zusammenarbeit in der Hochschulbildung, die sowohl personellen als auch wissensbezogenen Austausch vorsieht, betreibt die hessische Landesregierung aktives Standortmarketing und fördert die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte im „rising star“. 3.1.2 Außenwirtschaftliche Basis Als Ausgangsgrundlage für den vertieften Einstieg ins Asien-Geschäft können außenwirtschaftli- che Beziehungen dienen, bei denen die deutschen Banken entweder direkt als Kapitalgeber fungie- ren oder von denen sie mittels verstärkter Wahrnehmung des Gütesiegels „Made in Germany“ pro- fitieren: Das Ausmaß der Wirtschaftsverflechtungen zwischen Deutschland und Asien bemisst sich zum einen nach den grenzüberschreitenden Warenströmen. Zum anderen stellen deutsche Direkt- investitionen in Asien einen guten Anknüpfungspunkt für Kreditinstitute mit Expansionsplänen in diese Region dar. Auf diese Weise helfen nicht nur Industrieunternehmen, den Weg für Finanzin- stitute nach Asien zu ebnen, sondern deutsche Banken sind auch selbst im Bereich der Direktin- vestitionen aktiv. 18 Flankierend zum politischen Abkommen betreibt die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) gemeinsam mit der Börse Tinajins Wirtschaftsfördermaßnahmen. Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, die Entwicklung des Standortes und der Finanzmärkte in Tianjin zu fördern, deutschen Unternehmen den Markteintritt in China zu erleich- tern und chinesische Firmen für Aktivitäten am hiesigen Finanzplatz zu gewinnen (z.B. Listing an der Frankfurter Börse). Außenwirtschaftsverflechtungen ebnen Finanzinstituten den Weg Hochschulkontakte mit vielen asiatischen Ländern Städtepartnerschaften und Wirtschaftsabkommen Delegationsreisen intensivieren Beziehungen nach Asien Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 34 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Deutscher Außenhandel gerade mit Asien intensiviert Handelsvolumen\* in Mrd. € Handelsvolumen\* in Mrd. € Deutscher Warenaustausch schwerpunktmäßig mit China Länderanteile am Handelsvolumen\* Deutschlands mit Asien 60 80 100 120 140 160 180 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 8 10 12 14 16 18 Asien (rechte Skala) Gesamt (linke Skala) China 46% Hongkong 3% Indien 8% Indonesien 2% Japan 18% Korea 9% Malaysia 4% Philippinen 1% Singapur 4% Thailand 3% Vietnam 2% \* Summe der Ex- und Importe Quellen: Destatis, Ecowin, Helaba Volkswirtschaft/Research \* Summe der Ex- und Importe, Ende 2007 Quellen: Destatis, Ecowin, Helaba Volkswirtschaft/Research; Der Außenhandel Deutschlands insgesamt und gerade die Verflechtungen mit Asien haben sich in den letzten Jahren dynamisch entfaltet. Verglichen mit Anfang 2002, als der Warenaustausch sichtlich an Fahrt aufzunehmen begann, lag das Handelsvolumen Deutschlands mit Asien Ende 2007 rund 90 % höher, während es gegenüber allen Handelspartnern in diesem Zeitraum „nur“ um gut 70 % gewachsen ist. Mit einem Handelsvolumen von etwa 17 Mrd. Euro Ende 2007 entfielen 11 % der Außenhandelstätigkeit Deutschlands auf die in dieser Studie betrachteten Länder Asiens. Rund 40 % hiervon sind deutsche Exporte in diese Region, während der überwiegende Anteil nach Deutschland importierte Waren darstellen. Generell spielt innerhalb Asiens China die wichtigste Rolle für den deutschen Außenhandel, gefolgt von Japan sowie Korea und Indien. Der Anteil Chi- nas am Handelsvolumen Deutschlands mit Asien betrug Ende 2007 rund 45 % (rund 8 Mrd. €). Auf Japan entfielen knapp 20 % sowie auf Korea und Indien jeweils fast 10 %; die übrigen asiati- schen Länder kamen auf jeweils 1-4 %. Den größten Zuwachs konnten im Zeitraum 2002 bis 2007 Indien und China erzielen, deren Außenhandelstätigkeit mit Deutschland um rund 260 bzw. 200 % zunahm. Auch die deutsch-vietnamesischen Handelsverflechtungen entwickelten sich dynamisch und stiegen in diesem Zeitraum um etwa 130 %, allerdings von niedrigerem Niveau aus. Deutsche Direktinvestitionen in Asien expandieren ... Bestände in Mrd. € Bestände in Mrd. € ... und sind sichtlich diversifiziert Länderanteile an deutschen Direktinvestitionen 2005 0 200 400 600 800 1.000 1989 19 90 19 91 199 2 19 93 1994 199 5 1996 199 7 19 98 199 9 20 00 2001 200 2 2003 200 4 20 05 0 10 20 30 40 50 weltweit (linke Skala) Asien (rechte Skala) Thailand 3% Singapur 13% Malaysia 5% Philippinen 1% Korea 14% Japan 20% Indonesien 3% Indien 6% Hongkong 10% China 25% Vietnam 0% Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Ähnlich wie die Handelsverflechtungen haben sich auch die Direktinvestitionen Deutschlands in Asien während der letzten Jahren spürbar intensiviert. 2005 beliefen sich diese mit rund 45 Mrd. € auf 6 % der deutschen Investitionsbestände im Ausland insgesamt. Neben Industrieunternehmen engagieren sich auf diese Weise auch die hiesigen Kreditinstitute sichtlich (Anteil von über 10 % an Direktinvestitionsbeständen). Analog zum Außenhandel liegt der Fokus deutscher Direktinves- titionen auf China, das 25 % der nach Asien geflossenen Gelder empfing. Auch Japan und Korea ragen mit 20 % bzw. 14 % heraus. Anders als bei den Warenströmen sind allerdings auch Singapur und Hongkong wichtige Zielländer deutscher Direktinvestitionen in Asien (13 % und 10 %). Dynamische Entwicklung der Handelsverflechtungen – China, Japan, Korea, Indien als wichtige Partner Deutschlands Neben großen Handels- partnern auch Singapur und Hongkong als wichtige Direktinvestitionsziele Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 35 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 3.2 Finanzplätze Asiens mit Zukunft 3.2.1 Aktuelle Rankings Je pulsierender die gesamtwirtschaftliche Aktivität in einer Metropole ist, umso mehr bedarf es flankierenden Finanzdienstleistungen. Insofern lässt die Bedeutung asiatischer Metropolen in der Wirtschafts- und Finanzwelt Rückschlüsse auf ihre Attraktivität für Finanzplatz-Akteure zu: Mit dem von Mastercard 2007 veröffentlichten „World Wide Centres of Commerce Index“ wurden 50 Metropolen weltweit hinsichtlich ihrer Stellung im globalen Handelsgeschehen bewertet. Unter den Top 10 rangieren Tokio, Hongkong und Singapur wie auch Seoul (Plätze 3, 5, 6, 9). Mit eini- gem Abstand folgen auf Position 32, 36 und 38 Shanghai, Bangkok und Kuala Lumpur; Mumbai erreichte dem Expertenurteil gemäß nur Rang 45. Bzgl. der beiden gewichtigsten Unterkomponen- ten weicht die Reihenfolge der asiatischen Metropolen etwas vom Gesamturteil ab: Hinsichtlich globaler Finanzverflechtungen befindet sich neben Tokio und Seoul auch Mumbai in der Spitzen- gruppe – knapp gefolgt von Shanghai und Hongkong. Bei der Dimension als Geschäftsstadt ist Hongkong weltweit führend und Singapur, Tokio, Shanghai zählen ebenfalls zu den wichtigsten. Ranking von 50 Wirtschafts- und Finanzmetropolen weltweit "World Wide Centers of Commerce"\* "Global Financial Centers"\*\* China 32 30 Hongkong 5 3 Indien 45 41 Indonesien -- -- Japan 3 10 Korea 9 42 Malaysia 38 -- Philippinen -- -- Singapur 6 4 Thailand 36 -- Vietnam -- -- \*Mastercard: Gesamturteil über 50 globale Handelsstädte (Einzelkriterien: Rechtsrahmen, Wirtschaftsstabilität, Geschäftstätigkeit, Finanzverflechtungen, Geschäftsstadt, Wissen) \*\* Corporation of London: Gesamtnote für 50 Finanzplätze weltweit (Einzelkriterien: Humankapital, Umfeldbedingungen, Marktzugang, Infrastruktur, generelle Wettbewerbsfaktoren) Quellen: Mastercard (2007), City of London (2007), Helaba Volkswirtschaft/Research Die Position asiatischer Metropolen speziell in der Finanzwelt bildet der „Global Financial Centres Index“ ab. Dieser primär auf Umfragen und Rankings basierende Wettbewerbsindex wurde von der City of London zuletzt im Herbst 2007 für 50 Finanzplätze ermittelt: Nach den beiden weltweit eindeutig führenden Finanzzentren London und New York schneiden Hongkong und Singapur mit den Plätzen 3 und 4 sehr gut ab und ihre bereits vorhandene internationale Verankerung kommt klar zum Ausdruck. Etwas gemischter fiel allerdings die Einschätzung Tokios aus, das auf dem 10. Rang eingestuft wurde. Genau wie die beiden „regional hubs“ gilt aber auch Tokio als ein Finanz- platz nicht nur von entscheidender nationaler, sondern auch internationaler Bedeutung. Im Mittel- feld wird Shanghai gesehen (Position 30), wobei diesem Standort für die nächsten Jahre die besten Aufstiegschancen attestiert werden. Im hinteren Bereich rangieren Mumbai sowie Seoul (Plätze 41 bzw. 42). Global bedeutende Wirtschafts- metropolen: Tokio, Hongkong, Singapur und Seoul Hongkong, Singapur und Tokio unter Top 10 der globalen Finanzplätze Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 36 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Ranking von 13 asiatischen Finanzplätzen\* Human- kapital Rechts- rahmen Internationaler Marktzugang Business Infrastruktur Steuern Generelle Standort- eigenschaften China 11 9 12 12 7 12 Hongkong 1 1 1 1 1 5 Indien 5 8 8 6 6 7 Indonesien 13 13 13 13 9 12 Japan 8 6 7 3 11 9 Korea 11 11 10 9 10 11 Malaysia 3 3 4 8 3 2 Philippinen 10 12 11 11 8 10 Singapur 2 1 2 2 2 1 Thailand 7 7 9 9 5 8 Vietnam -- -- -- -- -- -- \* kein aggregiertes Gesamturteil Quellen: Securities &amp; Futures Commission Hongkong (2006), Helaba Volkswirtschaft/Research Zu einem ähnlichen Urteil kommt die Securities &amp; Futures Commission Hongkong, die – konzep- tionell der Corporation of London folgend – eine Untersuchung eigens für 13 asiatische Länder vorgenommen hat. Auch hier stechen Hongkong und Singapur als die beiden Top-Finanzplätze der Region heraus, wobei die Kommission ihren eigenen Standort Hongkong in fast allen Belangen als besser ansieht. Erneut schneidet Japan nur mittelmäßig ab wie auch Indien und Thailand. Positiv fällt die gute Bewertung Malaysias auf, das dank seiner globalen Finanzverflechtungen direkt hin- ter den beiden internationalen „offshore“-Standorten und damit als dritt interessantester Finanz- platz Asiens eingestuft wird. 3.2.2 Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien Die Rankings bestätigen die unangefochtene Spitzenposition Hongkongs und Singapurs als inter- nationale Wirtschafts- und Finanzmetropolen sowie auch Japans Stellung als eines der primären Finanzzentren Asiens. Doch der Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen der Region wird einher- gehend mit dem wirtschaftlichen Aufschwung immer intensiver. Viele asiatische Städte sehen sich als „das“ wegbereitende Finanzzentrum und werben damit nachdrücklich um die Gunst der Fi- nanzmarktteilnehmer. Welches sind aussichtsreiche Newcomer im asiatischen Finanzgeschehen und welches werden zukünftig die international erfolgreichen Spitzenstandorte der Region sein? Aufbauend auf den aktuellen Rankings wird nun eine konkrete Vision vom künftigen Erschei- nungsbild der asiatischen Finanzplatzregion entworfen: Die Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien symbolisiert drei Kategorien des Potenzials asiatischer Metropolen. Je näher ein Finanzstandort am Kern des Diagramms eingeordnet ist, umso größere Zukunftschancen werden ihm zugespro- chen. Dabei gibt es auch Metropolen, die auf der Grenze zur nächst höheren Kategorie liegen, d.h. deren Entwicklung auf gute Aufstiegspotenzial schließen lässt. Intensiver Wettbewerb der Finanzstandorte Asiens Helaba-Finanzplatz-Ellipse Asien: Drei Kategorien Skizzieren langfristiges Erfolgspotenzial der einzelnen Standorte Finanzzentren Asiens: Hongkong und Singapur an der Spitze – gefolgt von Malaysia Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 37 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien: Kategorien des Finanzplatz-Potenzials asiatischer Metropolen\* Ho Chi Minh Seoul Bangkok Tokio Singapur Hong- kong Shanghai Kuala Lumpur Mumbai Manila Jakarta Potenzial asiatischer Finanzplätze \* Je weiter innenliegend eine Metropole eingeordnet ist, umso größer wird ihr Potenzial als Finanzplatz eingeschätzt: Den innersten, dunkelblau gekennzeichneten Bereich um den Kern der Ellipse bildet die erste Kategorie der künftig international erfolgreichen Finanzplätze, die zweite Kategorie der weiterhin national bedeutenden Finanzplätze ist mittelblau und der äußere, hellblaue Bereich umfasst die Metropolen ohne ausgeprägte Finanzplatz-Charakteristika auch in Zukunft. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research 3.2.2.1 International erfolgreiche Finanzplätze Die erste Kategorie asiatischer Finanzplatz-Metropolen, die durch die unmittelbare Nähe zum Kern des obigen Kreisdiagramms dargestellt ist, bilden Singapur, Hongkong und Tokio. Ausge- hend von ihrer gewachsenen Reputation und internationalen Verankerung in der Finanzwelt haben sie bei entsprechender Weiterentwicklung die besten Chancen für einen langfristigen Erfolg als Finanzplatz. Den florierenden Top-Finanzplätzen Singapur und Hongkong dürfte mit ihrer hohen globalen Wettbewerbsfähigkeit und ihrer strategisch guten Lage (geographisch und bzgl. der globalen Zeit- zonen) auch künftig eine besondere Bedeutung zukommen: Sie spielen als Tor zur Region („regio- nal hub“) eine Schlüsselrolle im asiatischen Finanzwesen und arbeiten aktiv an ihrer internationa- len Attraktivität. Während der hohe internationale Kapitalbedarf chinesischer Unternehmen ent- scheidend zur Stärke Hongkongs beiträgt, profiliert sich Singapur als wichtiger Standort z.B. in den Bereichen Schiffsfinanzierung und Private Banking oder auch für Hedge Fonds und gelistete Immobilienfirmen. Vor dem Hintergrund des intensiven Konkurrenzkampfes um die regionale Führungsrolle entwickeln sich die beiden „regional hubs“ dynamisch, die sich gern als „Uniquely Singapore“ bzw. Hongkong als „Asia’s World City“ vermarkten. Beide belegen eindrucksvoll, dass es nicht allein auf die Größe eines Finanzzentrums ankommt, sondern wie viel sich mit einer modernen, marktorientierten Ausrichtung erreichen lässt. Es bleibt abzuwarten, ob einer der beiden langfristig als Sieger hervorgehen und sich eine unange- fochtene Spitzenposition in Asiens Finanzwelt sichern kann – mit Konsequenzen für ihr globales „standing“. Noch schneidet Hongkong etwas besser ab als Singapur. Seine unmittelbare Verbin- dung zum dynamischen Mainland-China ist zwar weiterhin vielversprechend, aber mit dem Fi- Größtes Zukunftspotenzial: Singapur, Hongkong, Tokio Singapur und Hongkong als Tor zum asiatischen Finanzwesen... ... – Top-Finanzplätze mit schmelzendem Vorsprung Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 38 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba nanzplatz Shanghai erwächst ihm ein immer ernstzunehmenderer Konkurrent. Zwar hat auch Sin- gapur mit Kuala Lumpur einen aufsteigenden Finanzstandort in greifbarer Nähe – aber mit diffe- rierender Ausrichtung (Details zu Shanghai und Kuala Lumpur vgl. 3.2.2.2). Insgesamt bleibt fest- zuhalten, dass sowohl Hongkong als auch Singapur ausgehend von ihrer historisch gewachsenen Reputation und guten Aufstellung internationale Top-Standorte bleiben dürften. Abhängig von ihrer eigenen Weiterentwicklung laufen aber beide Finanzplätze Gefahr, dass ihr souveräner Vor- sprung zu den anderen Finanzzentren der Region langsam abschmilzt. Tokio muss sich anstrengen, seine einst klare Vormachtstellung im asiatischen Finanzgeschehen zu unterstreichen und wiederzubeleben. Die Aufmerksamkeit vieler Marktakteure richtet sich mittlerweile oftmals mehr auf die „regional hubs“ als die Metropole Japans. Das wirtschaftlich quasi verlorene Jahrzehnt der 90er Jahre hat dem Image Tokios nachhaltig geschadet. Der traditio- nell v.a. ins Inland gerichtete Blickwinkel, der auch in der Regulierung des Finanzgeschehens und einer verhalteneren Vermarktung zum Ausdruck kommt, hat sein Übriges getan. Doch Tokio ist ein historisch gewachsenes Finanzplatz-Schwergewicht von Weltrang und Aushängeschild der global zweitgrößten Volkswirtschaft. Auf Basis der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung Japans und seines hohen Kapitalvolumens ist dem Finanzplatz Tokio eine signifikante Bedeutung im globalen Finanzgeschehen relativ sicher, so dass er in der Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien als ein auch zu- künftig international erfolgreicher Finanzstandort eingeordnet ist. Seine Perspektiven sind umso besser, je stärker seine Chancen genutzt und politisch flankiert werden. Im laufenden Jahr soll von offizieller Seite ein Strategiepapier zur Förderung des Finanzplatzes Tokio vorgelegt werden. Die künftige Rolle Tokios im weltweiten Finanzwesen hängt entscheidend vom Engagement der japa- nischen Regierung ab – inwieweit es ihr gelingt, den heimischen Markt mehr für internationale Marktströmungen zu öffnen und Anreize v.a. für ausländische Marktteilnehmer zu schaffen. 3.2.2.2 National bedeutende Finanzstandorte Neben den drei global fest verankerten Finanzplätzen Asiens erlangen noch einige andere ver- mehrte Aufmerksamkeit: Shanghai unternimmt ernsthafte Reformanstrengungen zur Wandlung in einen modernen kosmopolitischen Finanzplatz. So sind seine Aufstiegschancen gut, was ihm in der Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien einen Platz auf der Grenze zu den führenden Finanzplätzen der Region beschert. Der zunehmende, „inländische“ Wettbewerb mit dem chinesischen Sonder- verwaltungsbezirk Hongkong kann sich für beide Standorte als vorteilhaft erweisen – gewisserma- ßen dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ folgend.19 In diesem Sinne ist es vor dem Hintergrund der Größe Chinas gut vorstellbar, dass im Rahmen einer verstärkten Kooperation eine arbeitsteili- ge Konzentration der beiden Finanzzentren ausgefeilt wird. Schließlich bieten sich sowohl Shang- hai mit seinem wirtschaftsstarkem Hinterland als auch dem international fokussierten Hongkong vielversprechende Perspektiven.20 Ebenfalls in eine große, dynamische Volkswirtschaft eingebettet besitzt zwar auch Mumbai um- fangreiche Entwicklungsmöglichkeiten als Finanzplatz. So gut es angesichts der Vielzahl hochqua- lifizierter indischer Arbeitnehmer um „Software“ bestellt ist, so schlecht sieht es hinsichtlich der 19 Bei der Rückgabe Hongkongs von Großbritannien an China 1997 wurde nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ ein Verfassungsvertrag geschlossen, in dem auch die ökonomische Autonomie der chinesischen Sonderverwaltungsregion verankert ist. Damit verbunden war die bewusste Entscheidung der chinesischen Regierung, den Status und die Qualitäten Hongkongs als internationales Finanzzentrum beizubehalten. In Folge hat Hongkong intensiv von der Wirtschaftsdynamik Chinas und den lange begrenzten Finanzmarktmöglichkeiten in Shanghai profitiert und ist auf diese Weise zum „heimi- schen“ bzw. präferierten Kapitalmarkt für chinesische Unternehmen geworden. 20 Beijing ist in dieser Betrachtung außen vor gelassen, da Shanghai mehr den Charakter eines dynamischen Finanzplatzes entfaltet. Beijing ist stark von seiner politischen Funktion als Hauptstadt und derzeit von den olympischen Spielen geprägt. Gleichzeitig wird in der nahe Beijing gelegenen Stadt Tianjin ein weiteres Wirtschafts- und Finanzzentrum aufgebaut. Tokio mit guten Perspektiven – wenn Chancen ergriffen werden Modernisierungsbedarf in Mumbai Shanghai mit guten Aufstiegschancen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 39 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba „Hardware“ aus: Wie bereits von der Regierung initiiert, bedarf es erst einmal einer tiefgreifend wirtschaftspolitischen und infrastrukturellen Modernisierung, bis Mumbai mehr Bedeutung im asiatischen Finanzgeschehen erlangen kann. Aktive politische Förderung erfährt der Finanzstandort Malaysia, um sich vom regionalen zum globalen Spezialisten im Islamic Banking entwickeln zu können. Malaysia bietet ein breites Spek- trum von Dienstleistungen im Islamic Banking und vollzieht hier eine spürbare Expansion. Als Schmelztiegel verschiedener Völker (neben Malayen viele Chinesen und Inder)21 bietet das Land ethnologisch und geographisch (ähnlich gut wie Singapur gelegen) grundsätzlich eine gute Aus- gangslage zur finanzspezifischen Erschließung der Region. Ausgehend von der muslimischen Staatsordnung und dem Sitz der internationalen Regulierungs- und Aufsichtsbehörde des Islamic Banking in Kuala Lumpur hat sich der Finanzplatz einer Spezialisierungsstrategie in diesem Bankbereich verschrieben. Die bereits gute Positionierung in der asiatischen Finanzwelt in Kom- bination mit seiner internationalen Verflechtung und aussichtsreichen Fokussierung sprechen für signifikante Erfolgschancen Kuala Lumpurs in Zukunft. Insofern ist das malaysische Finanzzent- rum in der Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien auf der Grenze zur Kategorie der künftig internatio- nal erfolgreichen Top-Standorte positioniert. Im Gegensatz dazu ist bei Seoul, das in aktuellen Rankings insgesamt mittelmäßig abschneidet, noch keine so klare Profilierung als Finanzstandort ersichtlich. Das Finanzzentrum Koreas dürfte auf absehbare Zeit ein Finanzstandort von nationaler Bedeutung bleiben, auch wenn ein politischer Prozess der Finanzmarktderegulierung und -öffnung angestoßen wurde. So steht Seoul hinter den künftigen Spitzenstandorten der Region zurück, hebt sich aber als Industrieland positiv von den asiatischen Metropolen ohne ausgeprägte Finanzplatz-Charakteristika ab. 3.2.2.3 Metropolen ohne ausgeprägte Finanzplatz-Charakteristika Vietnam hat noch einen weiten Weg im Finanzwesen vor sich. Schließlich wird weder Ho Chi Minh City noch Hanoi bislang als ausgeprägte Finanz- bzw. Wirtschaftsmetropole wahrgenom- men, wie ihr Fehlen in den Rankings zeigt. Allerdings beinhalten die guten gesamtwirtschaftlichen Perspektiven einhergehend mit politischer Stabilität eine wachsende globale Bedeutung Vietnams und – bei Fortsetzung des regulatorischen Anpassungsprozesses – aussichtsreiche Chancen für die Finanzindustrie des „rising star“ auf lange Sicht. Insofern ist Vietnam zwar bei weitem noch kein Finanzstandort, sticht aber unter den anderen asiatischen Metropolen der dritten Kategorie hervor. Aufgrund seiner Aufstiegschancen zu einem national bedeutenden Finanzzentrum innerhalb Asiens liegt Ho Chi Minh in der Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien an der Grenze zu den künftig national bedeutenden Standorten. Im Gegensatz dazu lässt sich für die Metropolen Indonesiens, der Philippinen und Thailands auch in absehbarer Zukunft keine ausgeprägte Charakterisierung als Finanzplatz erkennen. Somit hätten sie den weitesten Weg zurückzulegen, um sich als Finanz- standort in der Region zu etablieren. 3.2.2.4 Vision asiatischer Finanzstandorte Größe und Stärke des asiatischen Wirtschaftsraums in Kombination mit nationalen Interessen le- gen es nahe, dass sich der gegenwärtige Trend der Koexistenz von Finanzstandorten weiterentwi- ckeln wird und sich das wachsende Kapitalvolumen der Region weiterhin aufsplittet. Höchstwahr- scheinlich wird es auch auf Dauer mehrere bedeutende Finanzplätze in Asien nebeneinander geben 21 Die Bevölkerung Malaysias setzt sich zusammen aus rund zwei Drittel Malayen, ein Viertel Chinesen und knapp 10 % Indern. Nach Religionszugehörigkeit ist die Bevölkerungsstruktur wie folgt gegliedert: rund 60 % Muslime, 20 % Buddhis- ten, 10 % Christen, 7 % Hindus und 3 % chinesische Religionen (vgl. Auswärtiges Amt und Fischer Weltalmanach). Noch ein weiter Weg: Vietnam mit Chancen Auch langfristig mehrere bedeutende Finanzplätze Asiens Aussichtsreiche Spezialisierung am Standort Kuala Lumpur Industrieland Korea im Öffnungsprozess Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 40 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba – mit regionaler und mehr oder minder globaler Reichweite. Neben attraktiven gesetzlichen Rah- menbedingungen spielt die strategische Ausrichtung v.a. eines kleineren Finanzplatzes eine Rolle für seine langfristige Stellung in der Finanzwelt. Denn eine Fokussierung auf gewisse Kernkompe- tenzen vermag in einem solch hoch kompetitiven Umfeld eher der Schlüssel zum Erfolg zu sein als eine zu breite Aufstellung eines Finanzzentrums. Auch wenn sich über das Ausmaß der Förderung der einzelnen Finanzplätze in Asien sowie über deren Strategiewahl nur mutmaßen lässt, so lassen sich dennoch konkrete Anhaltspunkte bzgl. des künftigen Erscheinungsbildes der asiatischen Finanzplatzregion analysieren. Darauf basiert die Vision asiatischer Finanzzentren dargestellt anhand der Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien (vgl. S. 37), bei der nicht nur Hongkong und Singapur sowie Japan als weiterhin internationale Top-Standorte hervorstechen. Vielversprechend wirken gerade auch Shanghai und Kuala Lumpur, die langfristig zu Newcomern unter den international erfolgreichen Finanzplätzen werden können. Ebenso hat auch das vietnamesische Finanzzentrum recht gute Chancen, sich auf lange Sicht bes- ser zu positionieren und zumindest als nationaler Finanzstandort zu profilieren, d.h. in den mittle- ren Bereich der Finanzplatz-Ellipse vorzurücken. 3.3 Attraktivität asiatischer Börsenplätze Wie attraktiv sind die verschiedenen Börsen Asiens hinsichtlich potenzieller Bündnisse mit der Deutschen Börse? Anhaltspunkte hierfür geben bereits geschlossene Kooperationsabkommen und die relative Positionierung der einzelnen Börsenplätze im weltweiten Börsengeschehen, ergänzt um die künftige Bedeutung der jeweiligen Finanzplätze im Ganzen. 3.3.1 Status Quo: Deutsche Börse in Asien Neben ihrer intensiven Listing-Werbung um chinesische Unternehmen (vgl. Kapitel 2.2) baut die Deutsche Börse aktiv ihre Beziehung zu asiatischen Börsen aus. Ihr Ziel ist es, sich in der Region als zentralen Anbieter für Dienstleistungen im Wertpapierhandel zu positionieren sowie den asiati- schen und deutschen Markt enger miteinander zu verzahnen. Die asiatischen Börsen versprechen sich vom Know-how, der Infrastruktur sowie der internationalen Reputation ihres deutschen Pen- dants Effizienzgewinne und eine geographische Ausweitung ihrer Geschäftsmöglichkeiten. Beziehung zwischen Deutscher Börse und den Börsen Asiens Kooperationen / Beteiligung Beabsichtigte Zusammenarbeit Technische Verbindung\*\* China\* x x x Hongkong -- -- x Indien x -- -- Indonesien -- -- x Japan -- -- x Korea -- x x Malaysia -- -- x Philippinen -- -- -- Singapur -- -- x Thailand -- -- x Vietnam -- -- -- \* Im Falle Chinas bestehen mehrere konkrete und beabsichtigte Kooperationen. \*\* Clearstream in allen markierten Ländern, zudem Eurex in Singapur und Xetra in Shanghai. Quellen: Deutsche Börse, Helaba Volkswirtschaft/Research Ähnlich wie beim IPO-Marketing fokussiert die Deutsche Börse gerade die Zusammenarbeit mit Börsenbetreibern in China und plant bereits die Eröffnung einer Repräsentanz in Peking zwecks Neben bekannten Top 3 stechen Shanghai, Kuala Lumpur und Ho Chi Minh City hervor Anhaltspunkte für Attraktivität Frankfurter Börse baut Verbindung zu asiatischen Pendants aus Gute Basis für langfristig wachsende Beziehungen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 41 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Präsenz und Kontaktpflege vor Ort. Darüber hinaus sucht sie auch Kontakt zu anderen Handels- plätzen der Region. In den letzten Jahren waren einige Erfolge zu verbuchen, so dass die Börsen Asiens nun bereits auf verschiedene Weise mit dem Finanzplatz Frankfurt verbunden sind: An der Bombay Stock Exchange (BSE)22 hält die Deutsche Börse ihren ersten Anteil an einer asiatischen Börsenorganisation in Höhe von 5 %. Darüber hinaus ist sie mittlerweile weltweit exklusiver Vertriebspartner für alle Indizes der BSE – mit positiven Auswirkungen für beide Sei- ten. Denn auf diese Weise internationalisiert sich die indische Börse weiter, und ihr deutsches Pendant intensiviert das eigene Indexgeschäft innerhalb Asiens. Ebenso hat die Deutsche Börse eine Vertriebspartnerschaft mit dem chinesischen Indexanbieter CSI (China Securities Index Company) bzgl. des wichtigsten chinesischen Aktienindex geschlossen. Zudem vereinbarte die Deutsche Börse konkrete Kooperationen mit Chinas Finanzplatz Tianjin und dem in Peking ansäs- sigen Börsenbetreiber CBEX (China Beijing Equity Exchange). Des weiteren besteht bereits eine Absichtserklärung für eine vertiefte geschäftliche Zusammenarbeit mit der chinesischen, auf den Interbankenmarkt spezialisierten Institution CFETS (China Foreign Exchange Trade System &amp; National Interbank Funding Center). Darüber hinaus bekundete auch Koreas führende Aktien- und Terminbörse KRX ihre Absicht zum Informationsaustausch und einer Allianz mit der Deutschen Börse. Ebenso von strategischer Bedeutung sind technologische Partnerschaften von Unternehmen der Gruppe Deutsche Börse mit asiatischen Börsen: Hierbei sticht insbesondere der internationale Zentralverwahrer Clearstream hervor, welcher schon 1991 mit einer Niederlassung in Hongkong die Anfänge für sein Asien-Geschäft legte. Die globale Reichweite der Marktabdeckung in allen Zeitzonen schließt Aktivitäten in zahlreichen Ländern Asiens ein. Somit ist Clearstream einer der größten ausländischen Wertpapierverwahrer in Asien. Hinzu kam 2004 eine technische Kooperationserklärung zwischen der Deutschen und der Shang- haier Börse. Durch den Erwerb einer Lizenz auf das elektronische Kassamarktsystem Xetra wurde die Shanghai Stock Exchange sozusagen Kunde am Main. Mit Unterstützung aus Frankfurt soll dort in absehbarer Zeit ein auf der bewährten Xetra-Technologie basierendes Handelssystem ein- geführt werden. Damit wird Shanghai mittels Xetra über eine internationale Handelsanbindung verfügen, genau wie es durch die 2006 erfolgte Zulassung von Eurex als Marktbetreiber in Singa- pur der Fall ist. So sind die Dienstleistungen der deutsch-schweizerischen Terminbörse, die eine der größten weltweit ist und einen grenzüberschreitenden Markt ermöglicht, seitdem für Kunden in Singapur verfügbar. Durch die Verwendung vergleichbarer Technologien wird das Zusammen- wachsen der deutsch-asiatischen Märkte gefördert. Anders als die zunehmenden Verflechtungen der Unternehmensgruppe Deutsche Börse mit Asien wählen die hiesigen Großunternehmen kaum den direkten Weg an die dortigen Börsen. Zwar stei- gert eine Zweitnotierung prinzipiell die Internationalität und Attraktivität des Titels und damit in Folge den Kurswert, setzt jedoch ein gewisses Handelsvolumen an der Auslandsbörse voraus und ist zudem mit erheblichen Listingkosten verbunden. So sind innerhalb Asiens einzig in Tokio noch einige wenige Dax-Unternehmen gelistet. Das Zweitlisting deutscher Unternehmen im Ausland hat sich als weniger erfolgreich erwiesen als gehofft, und der Handel konzentriert sich auf den deut- schen Markt.23 Zudem sind die Transaktionskosten des Wertpapierhandels international spürbar gesunken, so dass der Handel eines deutschen Unternehmenswertes an einer ausländischen Börse kaum noch teurer ist als in Frankfurt. 22 1995 wurde die Metropole Bombay offiziell in Mumbai umbenannt, die dortige Börse behielt jedoch ihre Bezeichnung als Bombay Stock Exchange. 23 Vgl. Grote/Kube/Küchen (2006): „ „Home, sweet home“ – Die Entwicklung des Handelsvolumens deutscher Aktien im Ausland“ ...Xetra und Eurex Technologische Partnerschaften mittels Clearstream,... Zweitlistings deutscher Unternehmen an Auslands- börsen nicht lukrativ Bereits geschlossene und beabsichtigte Kooperationen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 42 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 3.3.2 Relative Position asiatischer Börsen Gemessen an der Marktkapitalisierung nationaler Hauptbörsen lag die NYSE Ende 2007 an der Spitze und kam auf einen Anteil am globalen Gesamtvolumen von gut 25 % (knapp 16 Bill. $), die mittlerweile mit ihr fusionierte, europäische Mehrländerbörse Euronext auf 7 % (4,2 Bill. $). Mit einer Marktkapitalisierung von über 4,3 Bill. $ ist Tokio weiterhin noch die zweitgrößte Börse der Welt (7 %). Aber die ausgeprägte Kurskorrektur japanischer Aktien im zweiten Halbjahr 2007 hat den Vorsprung Tokios zu anderen Börsen mit einer zeitgleich besseren Performance verringert. Weltweite Marktkapitalisierung der Hauptbörsen Anteil in %, Ende 2007 Marktkapitalisierung asiatischer und deutscher Börse(n) Mrd. $, Ende 2007 Rest 28% Euronext 7% Tokio 7% NYSE 26% London 6% Bombay 3% Shanghai 6% Hongkong 4% Deutsche Börse 4% Korea 2% übrige Börsen Asiens 2% 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 Singa pur Ja pan China Ma laysia Hon gko ng In do nesien Deutsch land Thailand Indien Kore a Philippinen 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 Quellen: World Federation of Exchanges, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: World Federation of Exchanges, Helaba Volkswirtschaft/Research Innerhalb Asiens ist mittlerweile die Börse Shanghai zum zweitwichtigsten Börsenplatz der Regi- on avanciert. Ende 2007 belief sich die Marktkapitalisierung in Shanghai auf 3,7 Bill. $ – bereits 6 % des globalen Marktvolumens. Damit hat Shanghai im vergangenen Jahr seinen Rückstand auf das global bedeutende London (knapp 3,9 Bill. $) spürbar reduzieren können und Hongkong über- holt, auf welchen 4 % des globalen Wertes entfielen (2,7 Bill. $). Gleichwohl lag die Marktkapita- lisierung Hongkongs damit höher als bei der Deutschen Börse (2,1 Bill. $ bzw. 4 %). Ferner sind die indische und koreanische Börsen mit 3 % bzw. knapp 2 % der globalen Markt- summe von nennenswerter Bedeutung. Zusätzlich zur Bombay Stock Exchange (gut 1,8 Bill. $) verfügt Indien mit der National Stock Exchange über einen weiteren nationalen Handelsplatz von ähnlicher Größenordnung (1,7 Bill. $). Im Gegensatz dazu sind die alternativen Handelsplätze Japans und Chinas wesentlich kleiner als die nationale Hauptbörse. Im Übrigen sind die Börsen aller anderen Länder Asiens zu klein, um im Weltbörsengeschehen von Bedeutung zu sein. Die erst im Jahr 2000 gegründete Börse Vietnams ist in der Statistik der „World Federation of Ex- changes“ bislang nicht aufgeführt; ihre Marktkapitalisierung lag Ende 2007 bei unter 25 Mrd. $. Gehandeltes Aktienvolumen weltweit Anteil, 2007 Anzahl gelisteter Unternehmen an einzelnen Aktienmärkten Ende 2007 NYSE 29 % Hongkong 2 % Korea 2 % Shanghai 4 % Tokio 7 % Deutsche Börse 4 % Euronext 6 % London 10 % Rest 31 % übrige Börsen Asiens 5 % 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 Indien Japan Korea Hongkong Malaysia Deutsch land China Sing apu r Tha ilan d Indon es ien Philip pinen 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 4.887 Quellen: World Federation of Exchanges, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: World Federation of Exchanges, Helaba Volkswirtschaft/Research Tokio noch zweitgrößte Börse der Welt – ernsthafte Konkurrenz Börse Shanghai auf Überholspur Alternative Handelsplätze in Japan, Indien und China Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 43 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Gemessen am gehandelten Aktienvolumen kommt die weitreichende und in Asien vorrangige Bedeutung der japanischen Börse zum Ausdruck: Hierbei lag Tokio mit nahezu 6,5 Bill. $ global auf dem dritten Platz hinter seinem amerikanischen und britischen Konkurrenten, gefolgt von der Deutschen Börse (4,3 Bill. $). Innerhalb Asiens rangierte Tokio eindeutig vor Shanghai und Hong- kong, wo im vergangenen Jahr Aktien im Wert von über 4 bzw. 2 Bill. $ gehandelt wurden. Auf demselben Niveau wie Hongkong befand sich das Aktienvolumen der koreanischen Börse, wohin- gegen es an der Bombay Stock Exchange klein ausfiel (0,4 Bill. $). Gleichwohl sticht die indische Hauptbörse durch die höchste Anzahl gelisteter Unternehmen weltweit hervor, welche Ende 2007 mit knapp 4.900 Titeln doppelt so hoch war wie in Tokio und fünfmal so hoch wie in Frankfurt. 3.3.3 Perspektiven für die Deutsche Börse in Asien Seit einigen Jahren ist ein Konsolidierungstrend in der Börsenwelt zu beobachten. Statt zu große Zugeständnisse zugunsten des 2006 intensiv diskutierten europäischen Börsenkonzepts einzuge- hen, lotet die Deutsche Börse aktiv Kooperations- und Fusionsmöglichkeiten andernorts aus. So haben die Frankfurter z.B. im Sommer 2007 die US-Derivatebörse ISE übernommen und forcieren auch die Zusammenarbeit mit asiatischen Börsenbetreibern. In Anbetracht der weltweit zunehmen- den Finanzmarktintegration ist es für die Deutsche Börse sinnvoll, den Blick neben den bislang do- minierenden US-Märkten vermehrt auch auf die asiatischen Börsenplätze zu richten, die einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf das weltweite Börsengeschehen haben. Hinsichtlich der Attraktivität asiatischer Börsenplätze für eine verstärkte Kooperation mit der Deutschen Börse gibt es mehrere Anhaltspunkte: die bestehenden Verbindungen zwischen der Frankfurter Börse und ihren asiatischen Pendants, die Größe der asiatischen Börsen (gemessen an Marktkapitalisierung und gehandeltem Aktienvolumen) und die zukunftsorientierte Bedeutung der asiatischen Finanzplätze im Ganzen. Anhand dieser drei Aspekte lässt sich eine Gesamtaussage darüber treffen, mit welchen Börsen der Region intensivere Verflechtungen lohnenswert sein könnten. Insofern handelt es sich bei der folgenden Börsenbewertung mittels Smileys um eine indikative Gesamteinschätzung und keine unmittelbare Empfehlung. Letztlich wird ohnehin aus- schlaggebend sein, inwieweit die einzelnen asiatischen Börsen den in Gang gekommenen Öff- nungsprozess mitgehen und sich an einer vertieften Zusammenarbeit oder gar Fusionsmöglichkeit mit einer Auslandsbörse interessiert zeigen. China Hongkong Indien Japan Korea Malaysia Singapur Indonesien Phillipinen Thailand Vietnam ☺☺☺☺ Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Die Gesamteinschätzung fällt für vier asiatische Börsenstandorte positiv aus, d.h. sie sind aus Sicht der Deutschen Börse in gewisser Weise attraktiver für eine Kooperation als ihre Nachbarn (symbo- lisiert durch ☺): Während China und Indien attraktive Finanzstandorte mit Zukunftspotenzial sind sowie den Vorteil von bereits geschlossenen, aktiv gelebten Kooperationsabkommen mit den Frankfurtern besitzen, können Hongkong und Tokio durch ihr internationales Gewicht als Börsen- und Finanzplatz punkten. Über eine derartige „Grundlage“ verfügen die kleinen Börsenstandorte Indonesien, Philippinen, Thailand und Vietnam nicht, so dass die „Aufwand-Ertrag-Relation“ ei- ner vertieften Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse diese Verbindung gegenwärtig nicht ge- rade nahe legt (Bewertung mit ). Im Mittelfeld rangiert Korea aufgrund seines „Memorandum of Understanding“ mit der Deutschen Börse ( ). Gleichermaßen wird bei diesem Kriterium die zwar international ausgerichtete, aber kleinvolumige Börse Singapurs eingestuft sowie auch Malaysia in Anbetracht seiner Bedeutung als nationaler Finanzplatz mit guten Aufstiegschancen. Vier Börsenplätze Asiens stechen hervor Indikative Gesamtein- schätzung über Attraktivität asiatischer Börsen Deutsche Börse aktiv im Konsolidierungsprozess Handelsvolumen an Börse Tokio mit Abstand am höchsten in Asien Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 44 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Die in Europa und den USA herrschende Konsolidierungsneigung hat die Börsen Asiens bis dato vergleichsweise wenig erfasst. Doch das Voranschreiten dieses globalen Prozesses und die zu- nehmende Größe der Börsen weltweit erhöhen den Druck auch in Asien. So hat im asiatischen Börsenwesen mittlerweile ein Öffnungsprozess eingesetzt. Strategische Kooperationsmöglichkei- ten werden ausgelotet24 und grenzüberschreitende Konzepte konkretisieren sich: Zum einen er- werben einzelne Börsen der Region zwecks langfristiger Verknüpfung Anteile an Nachbarbörsen (z.B. Singapur und Tokio). Zum anderen werden erste Banden mit Börsen anderer Kontinente ge- knüpft, indem z.B. die Frankfurter und New Yorker Börse nun Anteilseigner an den Börsen In- diens sind. Weitreichendere Kooperationen gibt es bislang allerdings nicht. Denn noch steht einer spürbaren Konsolidierung die nationale Sichtweise an den einzelnen asiatischen Börsenplätzen entgegen. So ist ein wirklicher Zusammenschluss einer asiatischen Börse mit einem regionalen oder gar in- ternationalen Pendant zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar, sondern stellt vielmehr eine langfristige Perspektive dar. Insofern gilt es für die Deutsche Börse, sich frühzeitig im asiatischen Börsengeschehen gut zu positionieren, damit daraus zu gegebenem Zeitpunkt noch intensivere Be- ziehungen erwachsen können. Hierfür hat die Deutsche Börse mit ihren Kooperationsabkommen bereits die ersten Weichen gestellt. Bei weiterer Intensivierung ihrer Verbindungen verfügt sie über eine gute Ausgangslage in Asien, zumal sie angesichts ihres umfangreichen Know-how und ihrer jahrzehntelangen Reputation ein interessanter Partner ist. 3.4 Attraktivität asiatischer Bankenplätze Deutsche Banken zeigen zunehmend Präsenz in Asien. In die Standortabwägungen eines Kreditin- stituts fließen neben geschäftsstrategischen Überlegungen auch zentrale Aspekte des Bankensys- tems asiatischer Länder ein. Zu diesen markteintrittsspezifischen Kriterien zählen die Qualität des Bankensektors, der vorhandene Spielraum für Auslandsbanken sowie Wirtschafts- und Versor- gungsindikatoren. Denn anhand dieser Kriterien lassen sich Rückschlüsse auf Systemrisiko, Kon- kurrenzsituation und Kundenpotenzial in den einzelnen Bankenmärkten ziehen. 3.4.1 Status Quo: Deutsche Banken in Asien Deutsche Banken sind bereits in allen betrachteten Ländern Asiens mehr oder minder aktiv. Über- einstimmend nehmen sowohl bei der Standortwahl für eine ausländische Vertretung als auch in der Kreditpolitik die Länder Japan, China und Singapur eine herausragende Stellung ein. Darüber hin- aus sind einige deutsche Banken den Weg v.a. auch nach Hongkong, Indien und Vietnam gegan- gen. Als Empfängerland deutscher Bankkredite sticht zudem Korea heraus. Vertretungen deutscher Banken in Asien meist als Repräsentanz Deutsche Banken unterhielten Ende 2007 insgesamt 57 Repräsentanzen, 36 Niederlassung und 8 Tochtergesellschaften in den betrachteten Ländern Asiens; auch gibt es deutsche Mutterinstitute mit mehr als einer Niederlassung z.B. in China oder Indien. Die Gründung einer Repräsentanz dient einem deutschen Kreditinstitut typischerweise zur ersten Erkundung des dortigen Marktes und zum Knüpfen von Kontakten vor Ort, ohne allerdings Geschäfte betreiben zu können. Die ge- wählte Rechtsform für die Auslandspräsenz wird dabei von den regulatorischen Rahmenbedingun- gen beeinflusst; in manchen Ländern (z.B. China) gilt die mehrjährige Präsenz in Form einer Rep- räsentanz als Vorbedingung für andere Rechtsformen bzw. für eine spätere Geschäftsaktivität. 24 Im Herbst 2007 setzte unter Finanzmarktteilnehmern eine Diskussion über eine mögliche Fusion der drei signifikant verschiedenen Börsen Hongkong, Shanghai und Shenzhen ein. Derartige Pläne wurden von offizieller Seite negiert, wenn- gleich Gesprächsbereitschaft signalisiert wurde. Markteintrittsspezifische Kriterien asiatischer Bankensysteme Repräsentanz als gängiger Markteintritt Im Fokus: Japan, China und Singapur Rechtzeitig positionieren für langfristige Partnerschaften Öffnungsprozess asiatischer Börsen eingesetzt Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 45 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Anzahl Auslandsvertretungen deutscher Banken in Asien Ende 2007 0 102030405060 Töchter Niederlassungen Repräsentanzen Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Innerhalb der Region sind die deutschen Banken in China mit Abstand am stärksten vertreten, und zwar zeigen sie sowohl Präsenz auf dem Festland als auch im Sonderverwaltungsbezirk Hong- kong. Ebenso bekunden sie ausgeprägtes Interesse am internationalen Finanzplatz Singapur, ge- folgt von Indien, Japan und Vietnam. In den übrigen asiatischen Ländern fällt die Anzahl deut- scher Auslandsvertretungen insgesamt recht gering aus, die wenigsten gibt es den Bundesbank- Angaben zufolge auf den Philippinen und in Korea. Auslandsvertretungen\* deutscher Banken in einzelnen asiatischen Ländern Deutsche Banken insgesamt Top 10\*\* der Niederlassung Tochter Repräsentanz deutschen Banken China 10 0 16 9 Hongkong 7 0 4 7 Indien 3 0 8 6 Indonesien 2 1 4 4 Japan 6 1 4 8 Korea 0 0 0 4 Malaysia 2 1 1 2 Philippinen 1 0 1 1 Singapur 9 5 2 8 Thailand 1 0 4 2 Vietnam 1 0 9 5 \* Vertretung definiert als Niederlassung, Tochter oder Repräsentanz; \*\* gemessen am Tier One Capital Ende 2006 Quellen: Deutsche Bundesbank, The Banker, Internetseiten einzelner Banken, Helaba Volkswirtschaft/Research Diese Länderpräferenz bestätigt sich durch die Standortwahl der deutschen Top 10 Banken: Nahe- zu alle deutschen Spitzeninstitute sind in China und Hongkong ansässig sowie der Großteil in Ja- pan und Singapur. Die Hälfte von ihnen ist in Indien und Vietnam vertreten. Danach folgt auf der „Interessensskala“ – den eigenen Angaben der Top 10 gemäß – allerdings Korea, wo sich laut Meldungen der Banken an die Bundesbank bislang kein deutsches Kreditinstitut niedergelassen hat. Konsistent ist, dass auf die restlichen Länder nur eine begrenzte Anzahl an deutschen Aus- landsvertretungen entfällt. Auch die nächst größeren Kreditinstitute Deutschlands strecken ihre Fühler zunehmend nach Asien aus, und zwar ebenfalls in die am meist präferierten Länder China zzgl. Hongkong, Indien, Japan und Singapur. Auch die Helaba als stark mit dem deutschen Finanzzentrum verbundene Landesbank weitet ihr Engagement in Asien sukzessive aus. Neben ihrer Präsenz in Mumbai un- terhält sie auch eine Repräsentanz in Shanghai, um die Internationalisierung ihres Wholesale- Geschäfts und die Begleitung von Kunden des Sparkassenverbundes zu verstärken und direkt an für sie geschäftsstrategisch wichtigen Standorten vertreten zu sein. Deutsche Banken bekunden Interesse an einigen Ländern Niederlassungen deutscher Top 10 Banken bestätigen Länderpräferenz weitgehend Helaba in Asien: Mumbai und Shanghai Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 46 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Asienkredite deutscher Banken gewinnen an Dynamik Das Volumen ausstehender Kredite, die deutsche Banken Mitte 2007 an Asien vergeben hatten, beläuft sich gemäß BIZ-Angaben auf über 211 Mrd. $.25 Dies entspricht einem Anteil an ihren gesamten ausgereichten Auslandskrediten von 5 %. Die Kreditvergabe an Asien hat sich ähnlich entwickelt wie diejenige ans Ausland insgesamt: Seit Mitte 2002 wurde das Kreditvolumen aus- geweitet. 2005 erfolgte ein statistischer Bruch durch den Wegfall der HypoVereinsbank aus der deutschen Bankenstatistik – mit der Folge eines niedrigeren Gesamtvolumens und geringeren An- teils der Asien-Kredite (von zuvor etwa 7 % auf dann um 5 %). Im Verlaufe von 2006 und 2007 gewann die Kreditausreichung deutscher Banken nach Asien sichtlich an Dynamik und wuchs Mitte letzten Jahres mit 38 % gegenüber Vorjahr noch stärker als die gesamte Auslandskreditver- gabe mit 25 %. Auslandskredite deutscher Banken im Aufwind Ausstehende Kredite ans Ausland in Mrd. $ Ausstehendes Kredite an Asien in Mrd. $ 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 75 100 125 150 175 200 225 Asien Mrd. $ (rechte Skala) Gesamt Mrd. $ (linke Skala) \* \* statistischer Bruch der Reihe durch Wegfall der Hypovereinsbank aus deutscher Bankenstatistik Quellen: BIZ, Helaba Volkswirtschaft/Research Unter den einzelnen asiatischen Ländern erhält bislang nur knapp die Hälfte einen erwähnenswer- ten Anteil an den insgesamt von deutschen Banken gewährten Auslandskrediten: Auf Japan entfie- len Mitte 2007 rund 2 % (knapp 87 Mrd. $), auf Singapur nahezu 1 % sowie auf China und Korea immerhin jeweils rund ½ % der deutschen Auslandskredite. Asienkredite deutscher Banken Länderanteil in % Veränderung des Kreditvolumens an asiatische Länder 2006 in % gg. Vj. Japan 41% China 10% Indien 7% Indonesien 5% Thailand 2% Vietnam 1% Singapur 18% Malaysia 3% Philippinen 1% Korea 12% 0 20 40 60 80 Korea Vietnam Chi na Tha iland As ien Indien Indon es ien MalaysiaSing apu r Japan Philipp inen 0 20 40 60 80 140 % 119 % Quellen: BIZ, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: BIZ, Helaba Volkswirtschaft/Research Wie verteilt sich das Volumen der Asienkredite deutscher Banken auf die einzelnen Länder der Region? Japan liegt mit etwa 40 % unangefochten an der Spitze, aber auch Singapur, Korea und China können einen zweistelligen Anteil in Höhe von 18 %, 12 % bzw. 10 % aufweisen. Dahinter rangieren Indien und Indonesien mit 7 % und 5 %. In den übrigen Ländern liegt der Anteil jeweils 25 Endgültige Ergebnisse der konsolidierten BIZ-Bankenstatistik liegen bislang nur bis zum 2. Quartal 2007 vor. Dynamisches Wachstum der Asienkredite deutscher Banken Hälfte der Länder mit erwähnenswertem Anteil:... ... Japan, China, Korea und Singapur am bedeutendsten Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 47 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba noch unter 5 %. Im Vergleich zu Ende 2004 – also vor dem statistischen Strukturbruch – haben sich bei einigen Staaten nennenswerte Veränderungen in der Bedeutung als Empfängerland deut- scher Bankkredite ergeben: Japan, das damals auf einen Anteil an den deutschen Asienkrediten von rund zwei Drittel kam, hat relativ gesehen merklich an Bedeutung eingebüßt – zugunsten von China und Korea (Ende 2004 jeweils unter 5 %) sowie Singapur (9 %). Dieser Bedeutungswandel unter den betrachteten asiatischen Ländern als Kreditnehmer bei deut- schen Banken ist teilweise durch den statistischen Effekt 2005 bedingt. Aber auch in der Jahres- wachstumsrate 2006 deutet sich eine ähnliche Entwicklung der Kreditausreichung an: Abgesehen vom starken Anstieg des niedrigen Kreditvolumens in Vietnam konnte Korea einen Zuwachs von weit über 100 % generieren. Zudem vergaben deutsche Kreditinstitute im vorletzten Jahr deutlich mehr Kredite in China (+ knapp 80 %). Demgegenüber wuchs die Kreditausreichung an die dane- ben auch fokussierten Länder Japan und Singapur nur begrenzt (5 % und 14 %). 3.4.2 Qualität des Bankensektors Mit der folgenden Qualitätsbewertung des jeweiligen Bankensektors wird das systemimmanente Risiko in den einzelnen Ländern eingeschätzt. Herangezogen werden einerseits die Rating-Noten des Forschungsinstitutes EIU („Banking Sector Risk“) und andererseits das BICRA-Konzept von S&amp;P („Banking Industry Country Risk Assessment“).26 Beide beurteilen – wenn auch mit unter- schiedlichen Systematiken – die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise und nehmen dazu eine Ein- teilung in zehn Gruppen vor. Es wird jeweils eine Fülle von Indikatoren zugrunde gelegt, die zum einen Stärken und Schwächen eines Bankensystems reflektieren sowie zum anderen die politi- schen, konjunkturellen und strukturellen Rahmenbedingungen einbeziehen. Bewertung asiatischer Bankensysteme ... ... subsummiert zu Gesamturteil Arithmetisches Mittel aus den Einzelbewertungen von EIU und S&amp;P EIU S&amp;P China B 6 Hongkong A 2 Indien BB 6 Indonesien B 8 Japan A 3 Korea BBB 4 Malays ia BBB 4 Philippinen B 8 Singapur AA 2 Thailand BB 6 Vietnam B 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 Singapur Ho ngk ong Ja pan Kor ea M alaysia Thailand Indien China Indo nesien Philippinen Vietnam 0 1 2 3 4 5 6 7 8 Quellen: EIU “Banking Sector Risk”, S&amp;P “Banking Industry Country Risk Assessment” (beide August 2007, vgl. Fußnote 27) Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Helaba Volkswirtschaft/Research Zur Ableitung eines Gesamturteils wird für jedes Bankensystem das arithmetische Mittel aus den beiden Rating-Noten von EIU und S&amp;P gebildet:27 Hiernach weisen die Bankensysteme von Sin- gapur, Hongkong und Japan ein begrenztes Ausfallrisiko bzw. eine recht hohe Schockresistenz auf 26 Vgl. monatliches „Banking Sector Risk” der Economist Intellegence Unit (EIU) für einzelne Länder und „S&amp;P’s Bank- ing Industry Country Risk Assessments: Global Annual Roundup“ (August 2007) 27 Dabei wird zunächst die EIU-Skala in Zahlenwerte von 1-10 übersetzt und dann aus den beiden Werten für jedes Land der ungewichtete Durchschnitt ermittelt. Da die BICRA-Bewertung von S&amp;P nur in Form einer jährlichen Publikation vorliegt und zuletzt im August 2007 veröffentlicht wurde, wurden auch die EIU-Ratings von August 2007 verwendet, um die zeitliche Kompatibilität beider Systematiken zu gewährleisten. Mittlerweile hat sich bei EIU ein Downgrade der Ban- kensystemrisiken auf den Philippinen (von B auf BB) und in Vietnam (von B auf CCC) ergeben. Bankensysteme von Singapur, Hongkong und Japan schneiden am besten ab ... Qualitätsbewertung der Bankensektoren indiziert Risiken Kreditwachstum 2006 an Korea, Vietnam und China am stärksten Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 48 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba und sind dementsprechend die „gesündesten“ in der Region (Rating-Noten AA-A bei EIU, 2-3 bei S&amp;P). Daher werden sie in der Smiley-Terminologie mit ☺ bewertet. Hongkong Japan Singapur China Indien Korea Malaysia Thailand Indonesien Phillipinen Vietnam ☺☺☺ Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Nahe an diese drei stabilsten Bankensysteme Asiens reichen mittlerweile Korea und Malaysia her- an, die aufgrund ihres umfassenden Reform- und Konsolidierungsprozesses im Mittelfeld rangie- ren (BBB und 4 bzw. ). Auf noch vergleichbarem Niveau befinden sich Thailand, Indien und China, so dass sie in der Smiley-Systematik ebenfalls als mittelmäßig anzusehen sind. Die Ban- kensysteme der beiden „Wachstumsgiganten“ profitieren von der hohen gesamtwirtschaftlichen Dynamik, bergen aber gleichwohl noch gewisse Risiken (BB-B; 6). Indonesien, Philippinen und Vietnam haben die anfälligsten Bankensysteme unter den betrachteten Ländern, die Ausfallwahr- scheinlichkeit wird hier am höchsten eingestuft (B bzw. 8-9). Insofern erhalten diese drei Länder beim Kriterium Qualität des Bankensektors nur ein . 3.4.3 Spielraum für Auslandsbanken Die Rolle von Auslandsbanken in Asien wird anhand ihrer Anzahl und Marktanteile analysiert so- wie in den Kontext von Staatseinfluss und Korruptionsausmaß in den einzelnen Ländern gestellt. Auf diese Weise wird die Konkurrenzsituation im Bankensektor inklusive der diesbezüglichen Umfeldbedingungen skizziert, denen sich Auslandsbanken bei einem Markteintritt gegenüber se- hen. Natürlich können sich ausländische Kreditinstitute nicht nur in Form einer eigenen Vertretung in einem anderen Bankenmarkt engagieren, sondern auch als Anteilseigner bei dortigen Inlands- banken auftreten. Im Übrigen wird ein Eindruck von Bankengesetzgebung und genereller regulato- rischer Offenheit in den einzelnen Ländern vermittelt. Bankenanzahl Beim internationalen Vergleich der Bankenanzahl sind die deutlich differierenden Systematiken nationaler Bankensysteme zu beachten; jedes Land verfügt über seine eigenen Abgrenzungen und Bezeichnungen der Bankengruppen. Vor diesem Hintergrund vermittelt die folgende Übersicht eine Vorstellung von der Größenordnung des jeweiligen Bankenmarktes, um Tendenzaussagen über die Bedeutung ausländischer Institute abzuleiten. Hierzu ist die Auswertung mittels Bank- scope, die keine vollständige Erfassung der Banken eines Landes v.a. bei Emerging Markets ge- währleistet, weniger geeignet als eine Aufstellung basierend auf den Angaben nationaler Zentral- banken und Aufsichtsbehörden.28 Ein guter Vergleichsmaßstab bzgl. der Größe des Bankensektors in Asien ist die gemäß Zentral- bankangaben ermittelte Anzahl an Banken, aus der ländliche Bankengruppen, Kreditkooperativen u.Ä. heraus gerechnet sind (Banken i.e.S.). Abstrahiert von diesen Bankengruppen rangieren Chi- na, Hongkong und Japan in der Größenordnung von um die 200 Banken, gefolgt von Indonesien, Philippinen und Singapur mit jeweils ungefähr 125-150 Banken. In den übrigen Ländern Asiens liegt die Gesamtzahl an Kreditinstituten nur im zweistelligen Bereich. 28 Die aus Bankscope ermittelte Anzahl der (Auslands-)Banken unterliegt den Einschränkungen, dass im Durchschnitt nur 95 % der Bilanzsumme eines Bankensystems abgebildet werden, sich die Aufnahme eines Kreditinstitutes in die Datenbank nach seiner Größe und internationalen Bedeutung richtet, der Entwicklungsgrad eines Landes bzw. Bankensystems mit hinein spielt und nur Auslandsbanken mit internationalen Bilanzierungsstandards erfasst werden. Aussagekräftiger ist die aus offiziellen nationalen Quellen zusammengestellte Übersicht der Bankenanzahl (ohne „finance companies“ u.Ä.), bei der es lediglich verschiedene Definitionsabgrenzungen und Erhebungszeitpunkte zu beachten gibt. Skizzierung der Konkurrenz- situation im Bankenmarkt Umfassende Übersicht der Bankenanzahl gemäß Zentralbank-Angaben ... Indonesien, Philippinen, Vietnam am schlechtesten Viele Banken i.e.S. in China, Hongkong und Japan Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 49 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba In- und ausländische Banken in Asien Banken (gem. Zentralbanken)\* Banken (Bankscope)\*\* gesamt i.e.S. i.w.S. Auslands- banken gesamt Auslands- banken China 198 34.021 67 101 9 Hongkong 202 202 127 112 66 Indien 85 289 29 66 12 Indonesien 131 9.081 29 62 24 Japan 211 498 65 597 11 Korea 54 54 39 45 4 Malaysia 46 46 16 33 14 Philippinen 123 865 17 38 13 Singapur 156 156 103 46 26 Thailand 39 39 17 33 6 Vietnam 77 1.086 33 22 3 \* Auswertung im Frühjahr 2007 gemäß aktuellster Angaben nationaler Zentralbanken und Aufsichtsbehörden unter Berücksichtigung der verschiedenen länderspezifischen Definitions- abgrenzungen. Bei der Gesamtanzahl der Banken i.e.S. wurden ländliche Bankengruppen, Kreditkooperativen u.Ä. herausgerechnet. Im Übrigen besteht in Japan die Besonderheit, dass neben den hier ausgewiesenen lizensierten Finanzinstituten noch schätzungsweise rund 1000 Kooperativen existieren; und in Korea und Vietnam ist der Unterschied zwischen Niederlassungen verschiedener Auslandsbanken und Filialen ein und derselben Auslandsbank nicht eindeutig. \*\* Auswertung im Frühjahr 2007 der Bankscope-Angaben für 2001-2005, wobei keine vollständige Erfassung der Banken eines Landes durch Bankscope v.a. bei Emerging Markets. Quellen: Nationale Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, Bankscope, Helaba Volkswirtschaft/Research Allerdings sollte beachtet werden, dass es gerade in China und Indonesien eine hohe Anzahl klei- ner ländlicher Institute gibt (über 33.000 bzw. knapp 9.000) sowie auch in Japan (ca. 1.300), Viet- nam (rund 1.000), auf den Philippinen (rund 700) und in Indien (etwa 200). Auch wenn diese Ins- titute oftmals zahlreich und bedeutend für die Versorgung ländlicher Regionen sind, besitzen sie häufig nur begrenztes Gewicht im jeweiligen Bankensystem. Schließlich decken sie meist nur be- stimmte Facetten der Kreditwirtschaft ab (z.B. Agrarkredite) und sind daher im Grunde nicht als Banken zu klassifizieren, so dass sie nur zu den Banken i.w.S. gehören. Gemäß ihrer Stellung als international ausgerichtete Finanzplätze weisen Hongkong und Singapur mit rund 130 bzw. 100 die höchste Anzahl und Dichte an Auslandsbanken auf.29 Auch China und Japan verfügen mit jeweils etwa 65 über recht viele aus dem Ausland stammende Kreditinstitute, die sich allerdings gegen eine (wesentlich) höhere Anzahl an Inlandsbanken behaupten müssen als in den beiden „regional hubs“. In Korea ist das Bankensystem vom starken Einfluss aus dem Aus- land geprägt und eine klare Trennung zwischen In- und Auslandsbank kaum möglich, da die Insti- tute meist entweder ausländischer Herkunft sind (rund 40) oder ausländische Anteilseigner haben. In Indien, Indonesien und Vietnam haben sich jeweils rund 30 ausländische Institute angesiedelt, wobei diesen in Indonesien die vergleichsweise höchste Gesamtzahl an Banken gegenüber steht. Die wenigsten Auslandsbanken finden sich zwar in Malaysia und Thailand (je unter 20), was aber auch mit einer niedrigen Anzahl an Inlandsbanken korrespondiert, so dass die Dichte hier gleich- wohl recht hoch liegt. Demgegenüber gibt es auf den Philippinen nicht nur absolut (auch unter 20), sondern gerade auch relativ zur Gesamtzahl nur wenige ausländische Banken. Ausländischer Marktanteil Wie hoch die Anzahl von Auslandsbanken in einem Land ist, gibt jedoch nur begrenzt Auskunft über ihre Stellung im jeweiligen Bankensystem. Aussagekräftig ist vielmehr der Marktanteil aus- ländischer Institute, der u.a. auch durch die Bedeutung von Staatsbanken und länderspezifischen Gegebenheiten bedingt ist. Die kombinierte Betrachtung dieser Faktoren gibt Aufschluss über die 29 Angesichts der länderspezifischen Besonderheiten der Bankensysteme (vgl. auch Fußnote zu Tabelle In- und Ausländi- sche Banken in Asien) lässt sich keine adäquat vergleichbare Anteilsquote der Auslandsbanken an der Gesamtzahl bilden. Hongkong und Singapur mit hoher Dichte an Auslandsbanken – ebenso Malaysia und Thailand bei weitaus geringerer Anzahl Marktanteil der Auslandsbanken aussagekräftiger als ihre Anzahl Hohe Anzahl kleiner ländlicher Institute mit nur begrenztem Gewicht im Bankensystem Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 50 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Konkurrenzsituation und indiziert damit Marktpotenziale für Auslandsbanken. Im Folgenden wer- den diese Zusammenhänge für jedes asiatische Land einzeln analysiert, wobei sich die Reihenfolge der Analyse nach der Höhe des gegenwärtigen, ausländischen Marktanteils richtet: Marktanteil Auslandsbanken Anteil an den Vermögenswerten des Bankensystems in %\* 0 5 10 15 20 25 30 Hong kong Singa pur Korea Malaysia Indonesien Ph ilippinen Thail and Vietna m Indien Japa n\* \* Chi na 0 5 10 15 20 25 30 70% 90% \* verschiedene Zeitpunkte (2004-2007), \*\* umfragebasierter Wert Quellen: Nationale Zentralbanken und Bankenverbände, BIS, Fitch, Weltbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Genau wie bei der Anzahl stechen Hongkong und Singapur auch beim Marktanteil der Auslands- banken in Relation zu den gesamten Vermögenswerten des Bankensystems hervor.30 Mit 90 % und 70 % liegt der ausländische Marktanteil in den beiden Metropolen mit Abstand am höchsten. Dies reflektiert die internationale Ausrichtung der beiden Finanzstandorte sowie auch, dass es sich hier nicht um Flächenstaaten handelt. Verglichen auch mit ihren Nachbarstaaten erhalten sie Bestnoten beim Korruptionsindex von Transparency International (2007 mit 8,3 und 9,3 nahe an oberem En- de der Skala von 10)31. Der dementsprechend „saubere“ Charakter des öffentlichen Sektors in Kombination mit einer wettbewerbsorientierten Ausrichtung der beiden Finanzplätze fördert ihre Stellung als „regional hub“ für viele ausländische Finanzinstitute. Die Bedeutung der Auslandsbanken in Korea wird leichthin unterschätzt, wenn lediglich ihr Marktanteil von rund 20 % zugrunde gelegt wird. Denn hinzu kommt das hohe Ausmaß ausländi- scher Beteiligungen an koreanischen Banken. Das Engagement von Auslandsbanken bzw. –inves- toren wird im Rahmen des staatlichen Reformprogramms gefördert, das gleichzeitig eine Privati- sierung der Staatsbanken vorsieht. Das positive Bild, das dieser Öffnungsprozess des koreanischen Bankenmarktes für Auslandsbanken zeichnet, wird aber durch einen international im Mittelfeld liegenden Wert des Korruptionsindex getrübt. Auch in Malaysia kommen Auslandsbanken auf einen Marktanteil an den gesamten Vermögens- werten von etwa 20 %, was mit einer recht hohen Dichte ausländischer Kreditinstitute im dortigen Bankensystem korrespondiert. Allerdings gibt es gewisse Restriktionen für Auslandsbanken, so- fern sie nicht dem speziell geförderten Bereich des Islamic Banking zugehörig sind. Auf diese 30 Da es keine vergleichende Statistik zu den ausländischen Marktanteilen gibt und diese Größe nicht von allen Zentralban- ken ausgewiesen wird, stammen die hier angegebenen Werte aus unterschiedlichen Quellen (vgl. Chart Marktanteil Aus- landsbanken). Im Gegensatz zu diesen „harten“ Daten für die Auslandsbanken wurden die Marktanteile der Staatsbanken aus einer Datenbank der Weltbank entnommen, die auf Umfragen unter nationalen Aufsichtsbehörden beruht. Daher ist die Addition der Marktanteile von Auslands- und Staatsbanken für die einzelnen Länder nicht möglich, zumal verschiedene Erhebungszeitpunkte zu Grunde liegen. 31 Anhand des Urteils einer Vielzahl von Experten namhafter Institutionen bildet Transparency International jährlich einen Korruptionsindex, 2007 für insgesamt 180 Länder. Dieser bezieht sich auf die im öffentlichen Sektor wahrgenommene Korruption, d.h. Missbrauch von öffentlicher Macht zum privaten Nutzen (z.B. Bestechung, Unterschlagung u.Ä.). Die Skala des Index reicht dabei von 0 (extrem von Korruption befallen) bis 10 (frei von Korruption wahrgenommen). Dominanz der Auslandsbanken in Hongkong und Singapur Marktanteil von Auslandsbanken rund 20 % in Korea und... ... Malaysia – Korruptionsindex niedriger als in vielen anderen Ländern Asiens Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 51 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Weise beeinflusst die Regierung Malaysias die Entwicklung des Bankenmarktes, auch wenn es hier – anders als in vielen asiatischen Ländern – keine Staatsbanken gibt. Während in Malaysia die Korruption gemäß Transparency International mittelmäßig ausgeprägt ist, wird sie in China, Indien, Indonesien, Philippinen, Thailand und Vietnam deutlich wahrgenom- men, wie der Korruptionsindex belegt. Dies deutet auf Wettbewerbsverzerrungen in den dortigen Bankenmärkten und damit auf den Bedarf hin, die politischen und rechtlichen Rahmenbedingun- gen dahingehend zu verbessern, dass sich die Marktkräfte freier entfalten können. Insofern dürfte es für Auslandsbanken in diesen Ländern erst einmal tendenziell schwerer sein, erfolgreich Ge- schäfte zu betreiben. Staatseinfluss v.a. in Indien, China und Vietnam ausgeprägt Marktanteil Staatsbanken an Vermögenswerten des Bankensystems in % Kaum Korruption in Hongkong, Singapur und Japan\* Index 2007 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Viet nam \* Indien China Ind on esie n Kore a Tha ila nd Philip pinen Hongkon g MalaysiaSin gapu r Ja pan 0 10 20 30 40 50 60 70 80 k.A. 0 2 4 6 8 10 Singapur Ho ngkon g Jap an Korea M alays ia China Indien Thaila nd Vietnam Philipp ine n Indonesien 0 2 4 6 8 10 Quellen: Weltbank (umfragebasierte Datenbank Bank Regulation &amp; Supervi- sion, Ende 2005), \* Fitch, Helaba Volkswirtschaft/Research \* Je niedriger der Indexwert (Skala 0-10), desto stärker wird die Korruption als Problem im jeweiligen Land wahrgenommen. Quellen: Transparency International, Helaba Volkswirtschaft/Research Ähnlich wie in Korea haben auch die Inlandsbanken Indonesiens viele ausländische Anteilseigner, so dass der Marktanteil ausländischer Banken von knapp 15 % nur einen Teil des Auslandsenga- gements widerspiegelt. Trotzdem dominieren die Staatsbanken weiterhin und machen laut Welt- bank-Erhebung nahezu 40 % des gesamten Bankenmarktes aus. Trotz offizieller Bemühungen zum Abbau von Staatseinfluss und Korruption kommt es weiterhin zu politisch motivierter Kreditver- gabe. Auf den Philippinen haben die wenigen ansässigen Auslandsbanken zusammen ebenfalls einen Marktanteil von nahezu 15 %. Weiteren ausländischen Instituten wurde der Zutritt jahrelang erheblich erschwert. Das philippinische Bankensystem ist tendenziell oligopolistischen Charakters, einige wenige große Banken beherrschen den Markt nahezu vollständig. Diese befinden sich im Privatbesitz, während die Staatsbanken nur einen Anteil an den Vermögenswerten des Bankensys- tems von gut 10 % besitzen. Sowohl in Thailand als auch in Vietnam machen ausländische Kreditinstitute rund 10 % des Ban- kenmarktes aus – allerdings vor dem Hintergrund unterschiedlicher Entwicklungs- und Struktur- merkmale der Bankensektoren: Im Rahmen der Reformanstrengungen in Thailand hin zu einem konsolidierten, wettbewerbsorientierteren Bankenmarkt konnten die Auslandsbanken in den letz- ten Jahren bereits ihren Marktanteil steigern. Gleichwohl dominieren inländische Institute weiter- hin, wobei die staatlichen Institute mit knapp 15 % nur eine begrenzte Rolle spielen. Mittlerweile vollzieht sich auch in Vietnam eine schrittweise Öffnung des Bankensektors und ausländische Kreditinstitute haben bereits Beteiligungen an großen inländischen Geschäftsbanken erworben. Im Gegensatz zu Thailand sind in Vietnam die großen Staatsbanken mit rund 75 % Marktanteil vor- herrschend, die den Großteil des Finanzierungsbedarfs staatlicher Unternehmen decken („policy lending“) und die Erfolgschancen von Geschäftsbanken mindern. Am unteren Ende bzgl. des ausländischen Marktanteils rangieren in der Region Indien und China (7 % bzw. 2 %). In beiden „Wachstumsgiganten“ herrscht nach wie vor ein ausgeprägter Staatsein- Begrenzter Marktanteil der Auslandsbanken in Indonesien und auf den Philippinen 10 % ausländischer Marktanteil in Thailand und Vietnam Indien und China: Geringster ausländischer Marktanteil Korruption in einigen Ländern deutlich wahrgenommen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 52 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba fluss auf das Bankensystem (Marktanteil staatlicher Kreditinstitute rund 75 % bzw. etwa 70 %). Die umfangreiche, politisch motivierte Kreditvergabe verzerrt den Wettbewerb in den Banken- märkten. Auch wenn mittels Reformprogrammen eine marktorientiertere Ausrichtung anvisiert wird, können ausländische Kreditinstitute nur langsam Fuß fassen, da Strukturveränderungen Zeit brauchen und das Netz aus persönlichen Beziehungen weiterhin eine große Rolle spielt. Anders als für die übrigen asiatischen Länder liegt für Japan der Marktanteil der Auslandsbanken bzgl. der Vermögenswerte des Bankensystems nur als umfragebasierter Wert in Höhe von 6 % vor (Weltbank-Datenbank „Bank Regulation and Supervision“ gemäß Angaben nationaler Aufsichts- behörden). Als weiterer Anhaltspunkt lässt sich mittels Angaben der Bank of Japan der ausländi- sche Anteil am inländischen Kreditvolumen mit rund 2 % ermitteln. Dabei können sich Auslands- banken schon seit Jahrzehnten in Japan niederlassen. In Folge der langanhaltenden Wachstums- schwäche der 90er Jahre waren sie allerdings tendenziell auf dem Rückzug. Zudem ist es für aus- ländische Kreditinstitute nicht leicht, sich im japanischen Bankenmarkt neben den drei Megaban- ken und dem Postsparsystem zu behaupten, zumal auch der Staat über die Aufsichtsbehörden Ein- fluss auf den Sektor nimmt. Anders als in den Emerging Markets der Region sehen sich Auslands- banken in Japan einem bereits weit entwickelten Finanzmarkt gegenüber. Positiv zu werten sind das recht geringe Korruptionsausmaß des Industrielandes und der Abbau der Überkreuzverflech- tungen im Banken- und Unternehmenssektor. Bewertung des Spielraumes für Auslandsbanken Ausgehend von der voranstehenden Detailanalyse wird ein Gesamturteil über Potenziale für Aus- landsbanken abgeleitet. Der gegenwärtige Marktanteil der Auslandsbanken spielt eine wesentliche Rolle für die Smiley-Bewertung. Bei bislang geringer Durchdringung mit Auslandsbanken gibt es grundsätzlich noch Spielraum für Geschäftsaktivitäten von neu in den Markt eintretenden Institu- ten, so dass sich dies positiv auf die Bewertung auswirkt und ein ☺ nahe legt. Zudem fließen in das Gesamturteil die betrachteten Strukturaspekte der Bankensektoren mit ein (z.B. Rolle von Staatsbanken bzw. genereller Staatseinfluss, Wettbewerbssituation und Entwicklungsstand des Bankensystems). China Indien Japan Thailand Vietnam Hongkong Korea Malaysia Singapur Indonesien Phillipinen ☺☺☺☺☺ Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research In vier der betrachteten Länder zeigt sich, dass der niedrige Marktanteil von Auslandsbanken mit recht schwierigen Umfeldbedingungen einhergeht. Dies trifft auf China, Indien, Vietnam und ähn- lich auf Thailand zu. In diesen Fällen wird das positive Urteil der bestehenden Potenziale für deut- sche Banken prinzipiell zwar durch negative Strukturaspekte getrübt, die einen erfolgreichen Markteintritt erschweren. Doch in Anbetracht des bereits angestoßenen Reformprozesses (z.B. des Abbaus des Staatseinflusses und vergleichbar effizienzsteigernder Umstrukturierungsziele) ist mit- telfristig mit verbesserten Wettbewerbsbedingungen im Bankensektor zu rechnen, gerade auch im Hinblick auf die Fortentwicklung der Volkswirtschaften. Daher erhalten China, Indien, Thailand und Vietnam insgesamt ein ☺, womit die Attraktivität für Auslandsbanken insbesondere auf mitt- lere Sicht indiziert wird. Ebenfalls wird das Industrieland Japan bzgl. der Marktpotenziale als gut eingestuft, da die begrenzte ausländische Marktdurchdringung auf einigen Spielraum für neu hin- zukommende Kreditinstitute in dem entwickelten Finanzsystem hindeutet, und die Überkreuzver- flechtungen im Banken- und Unternehmenssektor aktiv abgebaut werden. Im Mittelfeld rangieren Hongkong und Singapur. Denn die positiven Rahmenbedingungen in Form von wettbewerbsorientierten Märkten und niedrigem Korruptionsausmaß werden konterka- riert von der hohen Anzahl an Auslandsbanken, die bereits dort angesiedelt sind und insgesamt einen beachtlichen Marktanteil aufweisen. Insofern scheinen die Erfolgschancen für neu hinzu- Im Mittelfeld: Hongkong, Singapur, Korea und Malaysia – negatives Gesamturteil für Indonesien und Philippinen Entwicklungspotenzial für deutsche Banken in China, Indien, Thailand, Vietnam sowie in Japan Andere Ausgangslage für Auslandsbanken im Industrieland Japan Gesamtbewertung anhand Marktanteilen und Strukturaspekten Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 53 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba kommende Kreditinstitute in den beiden asiatischen Finanzmetropolen eher begrenzt zu sein. Ähn- lich verhält es sich in Korea und Malaysia (ebenfalls ), wenn auch auf einem anderen „Niveau“. Vor dem Hintergrund insgesamt mittelmäßiger struktureller Rahmenbedingungen ist die Durch- dringung mit ausländischen Kreditinstituten bereits recht hoch, so dass die sich noch bietenden Potenziale in diesen beiden Bankenmärkten eingeschränkt sein dürften. Demgegenüber lässt der ausländische Marktanteil in Indonesien und auf den Philippinen zwar prinzipiell noch etwas Spiel- raum für neu hinzukommende Auslandsbanken. Doch die Umfeldbedingungen inklusive der deut- lich wahrzunehmenden Korruption führen zu einem negativen Gesamturteil in Form eines . Regulierung von Auslandsbanken Wie stark Auslandsbanken im jeweiligen Bankenmarkt vertreten sind und welche Chancen sich ihnen bieten, hängt natürlich nicht zuletzt von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Trotzdem ist die Gesetzgebung für Auslandsbanken nicht so ausschlaggebend bei ihrer Standortwahl, wie es zunächst scheinen mag. Denn zum einen ist angesichts der fortschreitenden Globalisierung der asiatischen Finanzmärkte regulatorisch „viel im Fluss“. Zum anderen ist es sowieso ein weiter Weg von der lokalen Präsenz bis hin zur erfolgreichen Geschäftstätigkeit. Insofern muss es sich nicht nachteilig auf die Bewertung eines Standortes auswirken, wenn die Eröffnung einer Reprä- sentanz als Voraussetzung für die Beantragung einer anderen Form der Präsenz und die Aufnahme aktiver Geschäftstätigkeit gilt. Ohnehin bietet sich für Auslandsbanken eine Repräsentanz als ers- ter Schritt zur Markterkundung und zum Aufbau des so wichtigen Beziehungsnetzes an. Zudem sagt die per Gesetz bestehende Möglichkeit der Gründung einer bestimmten Vertretungsform nichts darüber aus, wie lange es dauert, bis tatsächlich eine Lizenz erteilt ist. Aus all diesen Gründen soll mit der folgenden Übersicht lediglich ein Eindruck der gesetzlichen Behandlung von Auslandsbanken in einzelnen asiatischen Ländern gegeben werden. Es handelt sich dabei um eine Aufstellung, die Mitarbeiter der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Frühjahr 2006 veröffentlicht haben:32 Bankengesetzgebung in Asien Country Domestic versus foreign banks Foreign subsidiaries versus foreign branches Capital requirements for domestic banks, foreign subsidiaries, and foreign branches China Different set of rules govern domestic and foreign banks. However, it is CBRC's intention to develop uniform set of rules. CBRC find this imperative because by 2006 all geographic and customer restrictions on foreign banks will be removed. At present, foreign banks largely operate in the form of branches rather than subsidiaries. Again, separate rules govern the two. Capital rules cover all banks. However, foreign bank branches are subject to a working fund requirement, which is a variant of capital rules in light of convertibility constraints for capital account transactions. Hongkong HKMA's regulations for foreign bank subsidiaries are the same as those for domestic banks. As for foreign bank branches, the supervisory approach are broadly in line with that applied to locally- incorporated banks except that capital- based supervisory requirements such as capital-based limits on large exposures are not applied to such branches. In practice, foreign banks seeking a banking license in Hong Kong can only operate as a branch. RLB presence may be in the form of a subsidiary or a branch, while DTC presence may only be in the form of a subsidiary. No difference except on capital- based supervisory requirements. Minimum capital requirements of locally- incorporated Authorized Institutions vary according to classification (bank, RLB, DTC). However, foreign bank branches are not required to hold any capital, but they are subject to a minimum asset requirement. As such, only locally-incorporated Authorized Institutions are subject to the minumum risk- based capital adequacy ratio. Branches of foreign banks are not subject to this ratio since the primary responsibility of supervising capital adequacy of foreign bank branches rests with the home supervisor. 32 Vgl. Hohl/McGuire/Remolona 2006: “Cross-border banking in Asia: Basel 2 and other prudential issues” Begrenzter Einfluss der Bankengesetzgebung auf Standortwahl Auszüge aus bankspezifischer Gesetzgebung Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 54 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Country Domestic versus foreign banks Foreign subsidiaries versus foreign branches Capital requirements for domestic banks, foreign subsidiaries, and foreign branches Indonesia Regulations for domestic and foreign banks are the same. Regulations for foreign bank subsidiaries and foreign bank branches are the same. Minimum capital requirements of locally- incorporated banks are the same. Foreign branches, on the other hand, should maintain their capital in the form of net inter office funds (NIOF) as much as their declared nominal. However, all banks are required to satisfy the minimum risk-based capital adequacy ratio. India Regulations for domestic and foreign banks are generally the same, except for some minor differences. For example, priority sector lending target for foreign banks is 32% as against 40% for Indian banks. Also, export credit is taken as priority sector lending for foreign banks but not for Indian banks. As a now, only foreign bank branches are operating in India. RBI's roadmap, however, permits foreign banks in India to convert their existing branches to wholly-owned subsidiaries from now until 2009. Minimum capital requirements are different for locally-incorporated banks and foreign bank branches. However, all banks are required to satisfy the minimum risk-based capital adequacy ratio. Korea Domestic and foreign banks are subject to the same regulations. However, foreign bank branches should meet a minimum requirement of operational fund (instead of capital), and they should get an approval of their annual financial statements from The FSS before they send profits to their headquarters. In addition, the FSS impose "asset pledge" to foreign bank branches. There are also specific regulations regarding the establishment and closure of foreign bank branches. Aside from "capital" structure and establishment and closure regulations, same regulations apply to foreign subsidiaries and branches. Minimum capital requirements are different for locally-incorporated banks and foreign bank branches. For foreign bank branches, capital is in the form of operational funds. However, all banks are required to satisfy the minimum risk-based capital adequacy ratio. Malaysia Regulations are broadly the same except that foreign banks are not allowed to open new branches or new ATM machines. Currently, BNM is not issuing new licenses for "conventional" banks. However, they have recently issued new licenses to foreign islamic banks. Based on BNM's Masterplan, new "conventional" banks would only likely be allowed after 2010. All foreign banks are required to be locally-incorporated. So there are no foreign bank branches, only subsidiaries. Minimum capital requirements are the same for all banks. All banks are also required to satisfy the minimum risk-based capital adequacy ratio. Philippines Foreign banks are subject to the same regulations as domestic banks in the same category (eg universal bank, commercial bank), thus they can engage in the same type of activities. Foreign bank subsidiaries can enter either by purchasing an existing domestic bank or by incorporating its own. However, due to the moratorium on the establishment of new banks, only the former option is left. Foreign bank subsidiaries are also subject to the same branching policies as domestic banks. Only 10 banks incorporated outside of the Philippines can put up branches in the country (currently, all 10 licenses habe been issued). Each foreign-incorporated bank can put up 3 branches in any location of its choice. In addition, each bank can open 3 more additional branches in locations designated by the Monetary Board, subject to additional permanent assigned capital of P35 million for each branch. Minimum capital requirements for locally- incorporated banks vary according to classification (eg universal bank, commercial bank). Capital for foreign bank branches refer to the permanently assigned capital plus Net Due To head office. However, all banks are required to satisfy the minimum risk-based capital adequacy ratio. Singapore The regulations governing local and foreign banks are generally similar, except in some aspects such as minimum capital requirements (different for domestic banks, foreign subsidiaries and foreign branches) and the capital structure of foreign bank branches. Foreign banks are generally set up as branches in Singapore, except for merchant banks, which are generally incorporated as legal entities. Other than minimum capital requirements and capital structure however, regulations are broadly the same for both foreign subsidiaries and foreign branches. All locally-incorporated banks are subject to the same minimum capital requirements. Foreign bank branches are subject to a minimum head office capital funds and minimum net head office funds. All locally-incorporated banks are required to satisfy the minimum risk-based capital adequacy ratio. Foreign branches are not subject to the same requirement. Thailand Foreign banks habe been under the same regulatory treatment as domestic commercial banks, and thus can engage in the same scope of business. Subsidiaries of foreign banks are allowed to open 1 branch inside Bangkok and metropolitan areas, and 3 branches outside. Branches of foreign banks, on the other hand, are not allowed to open any branch. Minimum capital requirements of domestic banks, foreign bank subsidiaries, and foreign bank branches are different. In terms of risk-based capital adequacy ratio, foreign bank branches have a slightly lower capital ratio of 7.5%. Locally-incorporated banks' required capital ratio is 8.5%. Quellen: Hohl et al 2006 (vgl. Fußnote 32), Helaba Volkswirtschaft/Research Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 55 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Ergänzend zur bankspezifischen Gesetzgebung vermittelt die Weltbank-Datenbank „Doing Busi- ness“ einen guten Eindruck von der generellen regulatorischen Offenheit eines Landes: Hier wird für insgesamt 178 Länder eine Bewertung des rechtlichen und administrativen Umfelds im Hin- blick auf die Durchführung von Geschäftsaktivitäten vorgenommen.33 Auf diese Weise gibt das Ranking Aufschluss darüber, wie attraktiv die regulatorischen Grundbedingungen eines Landes als Niederlassungs- und Investitionsstandort im internationalen Vergleich anzusehen sind. An der Spitze dieses Rankings liegt 2008 Singapur, gefolgt von Hongkong auf Platz 4 und Japan auf Rang 12. Den nächst besten Länderblock bilden Thailand, Malaysia und Korea auf den Rängen 15, 24 und 30. Im weltweiten Mittelfeld werden China und Vietnam auf den Positionen 83 und 91 einge- stuft. In der Schlussgruppe der betrachteten asiatischen Ländern rangieren Indien, Indonesien und die Philippinen (120, 123 und 133). Bemerkenswert ist der sichtliche Aufstieg im weltweiten Ran- king, den China, Vietnam, Indien und Indonesien aufgrund von Reformanstrengungen in den letz- ten Jahren verzeichnen konnten; gleichwohl signalisieren ihre Rankings weiterhin signifikanten Verbesserungsbedarf. Regulatorische Offenheit allgemein Weltbank-Ranking Doing Business 2008 China 83 Hongkong 4 Indien 120 Indonesien 123 Japan 12 Korea 30 Malaysia 24 Philippinen 133 Singapur 1 Thailand 15 Vietnam 91 Quellen: Weltbank (Datenbank Doing Business), Helaba Volkswirtschaft/Research Komplexität und Dynamik der Finanzmarktgesetzgebung in Asien lassen kein angemessenes, ab- schließendes Urteil über die Regularien zu, mit denen sich ausländische Kreditinstitute in den ein- zelnen Ländern konfrontiert sehen. Angesichts des sich generell in Asien vollziehenden Marktöff- nungsprozesses dürften Gesetzesaspekte aber bei der Standortwahl von Auslandsbanken letztlich nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Schließlich kann der Markteintritt für deutsche Banken trotz gesetzlicher Hürden (wie z.B. einer aufwendigen Zulassungsphase oder recht hohen Kapitalanfor- derungen) durchaus lohnenswert sein, wenn die Geschäftsstrategie und andere landesspezifische Rahmenbedingungen dafür sprechen. 3.4.4 Wirtschafts- und Versorgungsaspekte Mittels wirtschaftlicher Fundamentaldaten und Indikatoren der Versorgung mit Bankdienstleistun- gen können Rückschlüsse auf das Kundenpotenzial für Kreditinstitute in Asien gezogen werden. Die dynamische Wirtschaftsentwicklung der Region erfordert flankierend umfangreiche und aus- gefeilte Finanzierungsmöglichkeiten und verheißt somit Expansionschancen auch für Auslands- banken. Anziehend ist für ausländische Institute nicht nur der insgesamt hohe Bedarf an Bank- 33 Die anhand von Einzelindikatoren bewerteten Komponenten beziehen sich auf die Aufnahme und die Beendigung von Geschäftstätigkeit, Arbeitsmarktflexibilität, Eigentumsregistrierung, Kreditzugang, Investorenschutz und Vertragsmodalitä- ten. Aus diesen sieben Komponenten leitet die Weltbank ein Gesamturteil über die für Geschäftsaktivitäten relevanten Rahmenbedingungen ab, wobei die Datenbank auf der Einschätzung einer Vielzahl von Experten fußt. Fundamentaldaten geben Auf- schluss über Kundenpotenziale Weltbank „Doing Business“: Singapur, Hongkong und Japan mit größter regulatorischer Offenheit in Asien Keine angemessene Beurteilung der Regularien möglich Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 56 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba dienstleistungen, sondern auch, dass sie ihre Vorzüge einer innovativen Produktpalette verbunden mit entsprechenden Erfahrungswerten und Know-how zum Tragen bringen können. Größen- und Wohlstandsvergleich innerhalb Asiens Mit dem weitaus größten Bevölkerungsumfang und dem erheblichen Beitrag zum globalen BIP (Details zu diesen Indikatoren vgl. Kapitel 1.2) erscheinen gerade die „Wachstumsgiganten“ China und Indien als aussichtsreiche Märkte. Das Industrieland Japan befindet sich auf einem anderen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsstand und hat nur einen begrenzten Bevölkerungsanteil in der Region. Das bevölkerungsstarke Indonesien mit seiner nicht zu vernachlässigenden Wirtschaftsak- tivität könnte ein Expansionsfeld für Auslandsbanken sein. Wenngleich der globale BIP-Beitrag Koreas höher liegt, so ist hier aber die Bevölkerungsgröße deutlich geringer. Die übrigen Länder der Region sind vergleichsweise klein, sowohl hinsichtlich ihrer Bevölkerung als auch ihres BIP. Regionale Bevölkerungsanteile der asiatischen Länder %-Anteil an Summe der betrachteten Länder, 2007 Ranking asiatischer Länder nach Pro-Kopf-BIP $ in Kaufkraftparitäten, 2005\* Korea 2% Singapur 0,1% Thailand 2% Vietnam 3% Malaysia 1% Japan 4% Indien 35% China 42% Philippinen 3% Indonesien 8% Hongkong 0,2% 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 Si ngapur Hongko ng Japan Korea Ma laysia Thailand Ch ina Indonesien Philip pinen Vietnam Indien 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research \* neue Berechnungsgrundlage verfügbar nur für 2005 (vgl. Kapitel 1.2) Quellen: Weltbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Die absolute Wirtschaftsaktivität allein besitzt jedoch nur begrenzte Aussagekraft für die Attrakti- vität einer tieferen Markterschließung. Vielmehr ist die Einbeziehung von Pro-Kopf-Größen sinn- voll, um Rückschlüsse auf das nationale Wohlstandsniveau und Kundenpotenziale ziehen zu kön- nen, wenn auch nicht auf die Verteilung des Wohlstand innerhalb der einzelnen Länder34: Gemes- sen am Pro-Kopf-BIP liegen Singapur und Hongkong in der Region an der Spitze (über 41.000 bzw. knapp 36.000 $ in Kaufkraftparitäten pro Jahr). Während bei diesem Indikator Japan und Korea ebenfalls im oberen Bereich rangieren (gut 30.000 bzw. 21.000) und auch Malaysia noch recht gut abschneidet (knapp 12.000), fällt das Pro-Kopf-BIP in Thailand und China recht gering aus (unter 7.000 bzw. rund 4.000). Bei Indonesien, den Philippinen, Vietnam und Indien beträgt es deutlich weniger als 4.000 $ in Kaufkraftparitäten. Bankspezifische Versorgung Wie gut ist die Versorgung mit Bankdienstleistungen in den einzelnen Ländern gewährleistet? Hierfür geben Anzahl bzw. Dichte von Niederlassungen und Geldautomaten Anhaltspunkte wie auch das Ausmaß der Bankkredite hinsichtlich des gesamtwirtschaftlichen Bedarfs. Die gemäß Weltbank-Umfrage besonders hohe Anzahl von gut 67.000 Niederlassungen in Indien und die sehr niedrige in Singapur (unter 400) sind auf den ersten Blick bemerkenswert, jedoch haben derartige Absolutwerte nur begrenzte Aussagekraft über die tatsächliche Versorgung35. In 34 Die Maße Pro-Kopf-BIP und real verfügbares Einkommen lassen Rückschlüsse auf den durchschnittlichen Wohlstand zu – ohne allerdings über die Verteilung des Wohlstands innerhalb der einzelnen Länder Auskunft zu geben, die in vielen Emerging Markets von Ungleichheit gekennzeichnet ist. 35 Ähnlich verhält es sich mit der flächenbezogenen Filialanzahl, da in diese unterschiedlich hohe Werte für die ländlichen BIP- und Bevölkerungs- größe als Indikator für aussichtsreiche Märkte - ... Anhaltspunkte für Versorgung mit Bankdienstleistungen: ... ... Wohlstandsmaße hinzuziehen sinnvoll ... Niederlassungen und Geldautomaten ... Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 57 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Relation zur Bevölkerung stellte sich das Bild im Erhebungszeitraum 2001-2005 anders dar: Korea lag mit gut 13 Niederlassungen je 100.000 Personen unangefochten an der Spitze; auf eine Filial- quote von 10 kamen Japan und Malaysia gefolgt von Singapur (9). Ähnlich dürfte es für Hong- kong ausgesehen haben, das allerdings in der Weltbank-Datenbank nicht erfasst ist. Indien, Indo- nesien, Philippinen und Thailand bewegten sich im Mittelfeld (6-8). Das untere Ende bzgl. der Filialdichte beschloss China mit einer Quote von gut 1:100.000. Auch in Vietnam, das nicht in die Analyse der Weltbank einbezogen wurde, ist die Versorgung mit Bankdienstleistungen deutlich verbesserungsbedürftig –allenfalls 10 % der dortigen Bevölkerung besitzt ein Bankkonto. Bei der Betrachtung der Geldautomaten stach eindeutig Japan positiv hervor – sowohl absolut mit fast 145.000 als auch relativ zur Bevölkerung (fast 115:100.000). In vergleichbarer Größenordnung rangierte nur die Quote von Korea mit rund 90. Die übrigen Länder rangierten in dieser Hinsicht weit abgeschlagen, wobei in China, Indonesien und auf den Philippinen gemessen an ihrer Bevöl- kerung die wenigsten Geldautomaten aufgestellt waren.36 Versorgung mit Bankdienstleistungen Niederlassungen Geldautomaten gesamt je 100.000 Personen je 1.000 qkm gesamt je 100.000 Personen je 1.000 qkm China 17.083 1 2 49.000 4 5 Hongkong k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. Indien 67.097 6 23 k.A. k.A. k.A. Indonesien 18.107 8 10 10.387 5 6 Japan 12.692 10 35 144.700 114 397 Korea 6.419 13 65 43.133 90 437 Malaysia 2.427 10 7 4.074 16 12 Philippinen 6.381 8 21 4.328 5 15 Singapur 388 9 636 1.612 38 2.643 Thailand 4.452 7 9 10.572 17 21 Vietnam k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. Quellen: Weltbank (2001-2005), Helaba Volkswirtschaft/Research Ob für die realwirtschaftliche Entwicklung eines Landes ausreichend Kapital bereitgestellt wird, lässt sich nicht allein aus der Relation des Kreditvolumens zum BIP ableiten, sondern bedingt sich auch durch die Struktur des Finanzsystems. Wie die meisten Emerging Markets besitzt ein Groß- teil der asiatischen Länder weiterhin eine recht bankbasierte Finanzierungsstruktur,37 in der die am Kapitalmarkt zur Verfügung stehenden Alternativen allerdings immer mehr Bedeutung gewinnen – gleichsam verhält es sich in Japan. Vor diesem Hintergrund lässt die Kreditquote noch recht gute Rückschlüsse auf die Kapitalversorgung der asiatischen Volkswirtschaften zu, insbesondere wenn die länderspezifischen Möglichkeiten des Kreditzugangs einbezogen werden. In Indonesien und den Philippinen lag der Anteil der 200638 an den Privatsektor vergebenen Kredi- te zum BIP mit rund 25 % weitaus am niedrigsten. Der Kreditzugang in diesen beiden Ländern war vergleichsweise schwierig, wie der diesbezügliche Weltbank-Indikator belegt (Ranking-Werte und die städtischen Regionen eingehen, so dass die Aussage des Aggregats nicht eindeutig ist. 36 Jedoch sind diese Versorgungsindikatoren nur begrenzt länderübergreifend vergleichbar, da die differierenden Systema- tiken nationaler Bankensysteme Einfluss auf die ausgewiesene Anzahl an Niederlassungen und Geldautomaten haben. 37 Unter den 11 betrachteten Ländern Asiens weisen nur Hongkong und Singapur eine starke Finanzmarktorientierung auf. 38 Da die IMF-Daten zur Kredit-BIP-Relation nur bis 2006 verfügbar waren, wurde hier aus Vergleichbarkeitsgründen auch der Weltbank-Indikator des Kreditzugangs für 2006 verwendet. Mittlerweile liegt dieser bereits für 2008 vor und weist eine durch Reformanstrengungen herbeigeführte signifikante Verbesserung des Kreditzugangs in China, Indien, Indonesien und Vietnam aus (Rankings „Getting Credit“ 2008: 84, 36, 68, 48), die auch spürbar positive Auswirkung auf den Gesamtindi- kator „Doing Business“ hat (vgl. Kapitel 3.4.3, Regulierung von Auslandsbanken). Enger Zusammenhang zwischen Kreditzugang und Kreditquote ... ... sowie Kreditanteil am BIP Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 58 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba von 83 bzw. 101 von 175 einbezogenen Ländern in der Datenbank „Doing Business“)39. Ähnlich sah es mit der ebenfalls moderaten Kreditquote von 45 % bzw. 65 % in Indien und Vietnam aus, die mit Werten von 65 und 83 beim Indikator „Getting Credit“ einherging. Der wesentlich höhere Anteil der Privatkredite am BIP in China von fast 115 % steht auf den ersten Blick im Wider- spruch zum schlechten Kreditzugang dort (Weltbank-Ranking 101), rührte aber auch vom Fehlen wirklicher Finanzierungsalternativen für die Bevölkerung und Unternehmen her. Eine ebenso aus- geprägte Unterstützung durch Bankkredite erfuhr die Realwirtschaft Malaysias (knapp 115 % Kre- dite am BIP) und erst recht Hongkongs (140 %),40 was auch durch die guten Ranking-Noten der Weltbank von 3 bzw. 2 reflektiert wird. Des weiteren läuft auch die Finanzierung des Privatsektors in Japan, Korea, Singapur und Thailand in ansehnlichem Ausmaß über die Kreditinstitute (88- 102 %), korrespondierend mit recht guten Zugangsmöglichkeiten („Getting Credit“ im Bereich von 7-33). Kreditvolumen an Privatsektor in Relation zum BIP %, 2006 Weltbank-Indikator „Getting Credit“ Ranking-Wert 2006 0 50 100 150 Hong kon g Ch ina Malysia Kore a Jap an Singapu r Thail and Vietna m\* Indien Phil ippinen Indones ien 0 50 100 150 101 101 83 83 65 33 21 13 7 3 2 China Philippinen Indonesien Vietnam Indien Thailand Korea Japan Singapur Malays ia Hongkong Quellen: Ecowin, IMF, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Weltbank “Doing Business”, Helaba Volkswirtschaft/Research Insgesamt verdeutlicht diese Analyse den zu vermutenden Zusammenhang: Je besser der Kredit- zugang in einem Land ist (d.h. niedriger Wert im Weltbank-Ranking), desto höher liegt in der Re- gel der Kreditanteil am BIP. Auch für ein breites Spektrum von rund 130 Ländern wurde diese enge Korrelation empirisch belegt41, wobei die hier betrachteten Länder alle einbezogen waren. Interessant für Auslandsbanken sind zwar grundsätzlich diejenigen Länder Asiens, die – dank re- gulatorischen Schutzes beider Kreditparteien und Transparenz über die Schuldner – bereits über gute Rahmenbedingungen des Kreditzugangs verfügen und damit eine gewisse Sicherheit bei der Kreditvergabe an den Privatsektor bieten. Einhergehend damit weisen jedoch genau diese Länder schon eine recht hohe Kreditversorgung auf, so dass Auslandsbanken in diesem Bereich tenden- ziell nicht so gute Erfolgschancen haben dürften. 39 Vgl. Details zur Datenbank „Doing Business“ auf S. 55. „Getting Credit“ ist einer der sieben Indikatoren, aus denen sich das Gesamturteil der Weltbank über die für Geschäftsaktivitäten relevanten Rahmenbedingungen speist. Der Kreditzugang wird gemessen anhand der beiden Unterkomponenten „Legal Rights Index“ und „Credit Information Index“. Während der erste Index davon beschreibt, wie gut die gesetzlichen Rahmenbedingungen ausgestaltet sind und inwieweit sie damit den Kreditzugang befördern, widmet sich der zweite der Verfügbarkeit von qualifizierten Informationen über Schuldner. 40 Hongkong mit seiner marktorientierten Finanzierungsstruktur hat zwar eine sehr hohe Kreditquote, aber das Verhältnis von Aktienmarktkapitalisierung zum BIP übersteigt diese bei weitem. Dies verdeutlicht, dass länderspezifische Gegeben- heiten den Kapitalbedarf und damit auch die Kreditquote eines Landes beeinflussen. 41 Vgl. Djankov/McLiesh/Shleifer (2006): „Private Credit in 129 Countries“: Mittels Regressionsanalyse wird nachgewie- sen, dass die Gesetze für Kreditgeber und die Informationsverfügbarkeit über Schuldner wichtige Determinanten für die Entwicklung der privaten Kredite bzw. den Kreditanteil am BIP sind. Diese beiden Einflussgrößen entsprechen den beiden Unterkomponenten des Weltbank-Indikators „Getting Credit“. ... auch empirisch belegt Länder mit guten Rahmen- bedingungen für Kredite bieten tendenziell weniger Potenzial Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 59 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Mehr Potenzial im Privatkreditgeschäft scheinen Indien, Indonesien, Philippinen und Vietnam zu bieten, die eine niedrige Kreditquote aufweisen und gleichzeitig zur intensiveren Unterstützung ihrer hohen realwirtschaftlichen Dynamik einer umfangreicheren Kapitalbereitstellung bedürfen. Um in diesen Ländern das Kreditgeschäft für Auslandsbanken attraktiv zu machen, müssen dort allerdings erst einmal die gesetzlichen Schutzrechte von Gläubigern und Schuldnern wie auch die Verfügbarkeit qualifizierter Informationen über Schuldner verbessert werden. Gehen die genann- ten vier Länder diesen Prozess entschlossen an und bauen dadurch Kreditrisiken ab, sollte das Vo- lumen der ausgereichten Darlehen an den Privatsektor bzw. der entsprechende BIP-Anteil steigen. In Abhängigkeit z.B. vom Einstiegszeitpunkt können Auslandsbanken hieran mehr oder minder partizipieren. Insofern erscheinen Indien, Indonesien, Philippinen und Vietnam – unter der Annah- me sich bessernder Rahmenbedingungen – als vielversprechende Länder für die Kreditvergabe durch ausländische Institute. Auswertung der Wirtschafts- und Versorgungsindikatoren Abstrahiert von individuellen Geschäftsstrategien und verschiedenen Kundengruppen lässt sich aus den analysierten Fundamental- und Versorgungsindikatoren ein generelles Urteil über die At- traktivität der asiatischen Länder für Auslandsbanken ableiten. Während gute Fundamentaldaten anziehend für Auslandsbanken wirken und somit positiv berücksichtigt werden, wird ein hoher Versorgungsgrad mit Bankdienstleistungen vermutlich die Erfolgschancen ausländischer Institute mindern und geht daher negativ in die Einschätzung ein. China Indien Indonesien Hongkong Japan Korea Malaysia Phillipinen Singapur Thailand Vietnam ☺☺☺ Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research China, Indien und Indonesien werden als interessante Märkte bzgl. ihrer wirtschaftlichen Rahmen- daten und ihres Kundenpotenzial eingestuft. Daher erhalten sie gemäß Terminologie der Helaba ein ☺ bei diesem Kriterium. Gerade bei den beiden Schwergewichten der Region wirkt die Kom- bination aus einerseits hohem Bevölkerungs- und BIP-Wert und andererseits einigem Spielraum zur Verbesserung der Versorgung attraktiv. Ebenfalls weist die kleinere Volkswirtschaft Indone- sien ansprechende Wirtschaftsdaten und Versorgungsbedarf auf. Auch wenn sich das fundamentale Bild in den Industrienationen Japan und Korea insgesamt ähn- lich interessant präsentiert, deuten die Versorgungsindikatoren auf geringere Chancen für Aus- landsbanken hin. Deswegen sind die beiden Länder bei diesem Kriterium im Mittelfeld angesiedelt und mit versehen – ebenso wie Hongkong und Singapur. Denn auch in den wohlhabenden „re- gional hubs“ scheinen die Erfolgsmöglichkeiten für ausländische Institute angesichts des Versor- gungsgrades begrenzt zu sein. Malaysia, Philippinen, Thailand und Vietnam bieten bis dato das vergleichsweise unattraktivste fundamentale Umfeld, bei etwas voneinander abweichenden Ver- sorgungsindikatoren. So bilden diese vier Länder zwar prinzipiell das untere Ende in der auf Kun- denpotenziale abstellenden Bewertung. Da jedoch für die verfügbaren Indikatoren keine eindeutig abgrenzbaren Richtwerte zur Beurteilung vorliegen, kann anhand des vorliegenden Datenspek- trums keine definitive und umfassende Einschätzung über die Möglichkeiten für Auslandsbanken in Malaysia, Philippinen, Thailand und Vietnam getroffen werden. Angesichts dessen werden auch diese vier Länder im mittleren Bereich eingeordnet ( ), und sollten – in Abhängigkeit von der in- dividuellen geschäftsstrategischen Ausrichtung sowie unter Einbeziehung länderspezifischer Be- sonderheiten und Risiken – durchaus auch ins Kalkül gezogen werden. Privatkreditgeschäft in Indien, Indonesien, Philippinen und Vietnam interessanter – sofern Abbau der Risiken ... China, Indien und Indonesien bieten größtes Kundenpotenzial Übrige Länder schneiden bei diesem Kriterium mittelmäßig ab Bewertung mittels Wirtschafts- und Versorgungsindikatoren: ... Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 60 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 4 Fazit und Ausblick 4.1 Wachsende Beziehung zwischen Finanzplatz Frankfurt und Asien Angesichts der Globalisierung von Wirtschafts- und Finanzmarktprozessen ist eine ausgefeilte In- ternationalisierungsstrategie für einen Finanzplatz unerlässlich. Im Hinblick auf eine internationale Ausrichtung und Verbindungen des deutschen Finanzzentrums spielt gerade der dynamische Wirt- schaftsraum Asien eine wichtige Rolle. Schließlich nimmt die bevölkerungsstarke und erfolgreich aufstrebende Region in der Weltwirtschaft eine immer bedeutendere Stellung ein. Zwischen dem Finanzplatz Frankfurt und verschiedenen Wirtschaftsstandorten Asiens haben sich bereits mannigfaltige Verflechtungen entwickelt. Und diese deutsch-asiatische Finanzplatz-Bezie- hung wächst – einerseits durch zunehmendes Interesse asiatischer Finanzplatz-Akteure an Frank- furt und andererseits durch verstärktes Agieren deutscher Player in Asien. Ausgehend von den bereits geknüpften Banden wird sich die deutsch-asiatische Finanzplatz-Be- ziehung weiter entwickeln. Das Reifen dieser Beziehung braucht Zeit – nicht zuletzt angesichts der bestehenden Kulturunterschiede, die ein tiefes, gegenseitiges Verständnis von Mentalität und Er- wartungshaltung essenziell machen. Schließlich prägen kulturelle Grundüberzeugungen maßgeb- lich geschäftliche Gepflogenheiten. Beidseitiger Gewinn durch wachsende Beziehung Intensive deutsch-asiatische Finanzverflechtungen versprechen einen spürbaren Gewinn sowohl für das deutsche Finanzzentrum als auch für Asien: Je mehr asiatische Finanzmarktteilnehmer in die Euro-City kommen, umso mehr fördern sie die Internationalisierung des hiesigen Finanzplat- zes. Und die in Frankfurt ansässigen Banken aus Asien schätzen ihre Expansionsmöglichkeiten als gut ein. Deutschland als exportorientierte und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sowie benach- barte Wirtschaftsräume bieten ihnen vielfältige, attraktive Geschäftsmöglichkeiten und lassen sich bestens vom deutschen Finanzzentrum aus abdecken. Ebenso sind verstärkte Aktivitäten von Frankfurter Banken und Börse in Asien von beidseitigem Nutzen: Die Wirtschaftsdynamik asiatischer Länder kann auf Dauer nur dann hinreichend unter- stützt werden, wenn sich die dortigen Finanzmärkte gleichermaßen internationalisieren und an die wachsenden Finanzierungsbedürfnisse anpassen. Daher sollten die Finanzsysteme möglichst wett- bewerbsfähig, effizient und robust sein. Dies kann durch externe Impulse bzw. durch die Integrati- on ausländischer Akteure gefördert werden. So lassen grenzüberschreitende Börsenmodelle Syn- ergieeffekte (z.B. in der Abwicklung) und eine zunehmende Produktdiversifikation erwarten. Ähn- liches verspricht der verstärkte Markteintritt von Auslandsbanken, sei es in Form einer alleinigen Präsenz vor Ort oder einer strategischen Partnerschaft mit einem heimischen Institut. Bei derarti- gen Kooperationen können die Auslandsbanken in Asien Kapital, technisches und produktspezifi- sches Know-how und Erfahrungen im Kredit- und Risikomanagement einbringen, während die In- landsbanken ein tiefes Verständnis von Kunden, Märkten und Umfeldfaktoren haben sowie über ausgebaute Kontakt-, Filial- und Vertriebsnetze verfügen. Die Marktpotenziale für deutsche Banken in Asien werden signifikant bleiben: Zum einen erhöht sich im asiatischen Firmen- und Privatkundenbereich die Nachfrage nach Finanzierungsmöglich- keiten. Bei der wachsenden Mittelschicht entstehen höherwertige Konsumbedürfnisse und einher- gehend verändert sich die private Ausgabenstruktur, so dass der Bedarf an differenzierten Bank- dienstleistungen im Konsumentensegment zunimmt. Zum anderen gibt es neben der asiatischen auch eine nicht zu vernachlässigende deutsche Klientel vor Ort. Denn für deutsche Unternehmen ist der Reiz Asiens weiterhin hoch: Viele streben nach dem Auf- und Ausbau ihrer Geschäfts- bzw. Produktionstätigkeit in der wachstumsstarken Region. Asien wichtig bei Internationalisierung des Finanzplatzes Frankfurt Wachsende deutsch-asiatische Finanzplatz-Verflechtungen Zeit zum Reifen geschäftlicher Kontakte Asiatische Player fördern Internationalisierung des Finanzplatzes Frankfurt Marktpotenziale für Frankfurter Akteure – Beitrag zum Wandel asiatischer Finanzmärkte Wachsende Klientel asiatischer und deutscher Herkunft Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 61 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 4.2 Asiatische Player am Main Asiatische Facetten des deutschen Finanzzentrums Das asiatische Interesse am Standort Frankfurt äußert sich auf verschiedene Art und Weise: Im Zuge der Ansiedelung asiatischer Banken am deutschen Finanzzentrum sind bereits viele Asiaten nach Frankfurt gekommen. Insbesondere leben und arbeiten hier viele Menschen aus Japan, In- dien, China und Korea, aber auch viele andere asiatische Nationalitäten sind vertreten. Zudem ist Frankfurt ein beliebtes Ziel asiatischer Touristen. So schimmern im „Kaleidoskop“ der Main- Metropole einige Facetten des asiatischen Kulturkreises. Gebräuche und Gepflogenheiten der ver- schiedenen Nationalitäten sind in Frankfurt spürbar und tragen zur Vielseitigkeit der hiesigen Community bei. Der Finanzplatz Frankfurt ist das finanzbezogene Herzstück der deutschen Wirtschaft und gleich- zeitig primärer Standort für asiatische Institute in Deutschland. Nicht nur für Asien insgesamt, son- dern auch differenziert nach einzelnen Nationalitäten spielt der hiesige Finanzstandort die wich- tigste Rolle: Die 24 in Frankfurt niedergelassenen asiatischen Banken i.w.S.42 machen drei Viertel aller in Deutschland vertretenen Institute aus dieser Region aus. Von diesen 24 Frankfurter Banken asiatischer Herkunft stammt rund ein Drittel aus Japan. Einhergehend damit machen die über 2.500 japanischen Einwohner rund ein Viertel der asiatischen Bevölkerung Frankfurts aus und bil- den eine eigene Community. Innerhalb Deutschlands besteht gewissermaßen eine „Aufgabentei- lung“: Auf die japanische Industrie ausgerichtete japanische Banken bevorzugen traditionell Düs- seldorf, während die größere Anzahl japanischer Institute – mit stärkerem Fokus auf nicht japani- sche Kunden oder Börsengeschäfte – in Frankfurt angesiedelt ist. Daneben gibt es am hiesigen Fi- nanzplatz gegenwärtig fünf Banken aus Korea. Für sie ist Frankfurt innerhalb Deutschlands der einzige Bankenplatz von Bedeutung. Das Gleiche gilt für chinesische und indische Institute, auch wenn ihre Anzahl am deutschen Finanzzentrum mit fünf bzw. zwei noch begrenzt ist. Dennoch wird ein verstärktes Interesse am deutschen Finanzzentrum deutlich, denn Banken aus China und Indien sind aktiv dabei, ihre Aktivitäten am Main auszuweiten. Asiatische Unternehmen zeigen an der Frankfurter Börse Präsenz: Im Frankfurter Open Market werden weitaus mehr als 700 asiatische Titel gehandelt, wobei es sich schwerpunktmäßig um Ge- sellschaften aus Japan handelt sowie um zahlreiche Großunternehmen aus China, Hongkong, Sin- gapur, Thailand und Indonesien. Auch wenn Frankfurt als hoch liquider Börsenplatz geschätzt wird, birgt der hiesige Handel mit asiatischen Aktien – angesichts seines insgesamt recht geringen Volumens und der deutlichen Dynamik asiatischer Unternehmen – gleichwohl noch Erweiterungs- potenziale. Der Schwung in der chinesischen Unternehmenslandschaft begünstigt das IPO-Marke- ting, das die Deutsche Börse aktiv im Reich der Mitte betreibt. So verzeichnete sie bereits erste Erfolge, insgesamt sieben chinesische Firmen wählten 2007 Frankfurt für ihr IPO. Im Übrigen wird die Bedeutung des deutschen Finanzzentrums für das chinesische Finanzwesen durch die Aktivität von China Union Pay (CUP) gestärkt, dem einzigen Herausgeber des Landes von Debit- und Kreditkarten. Durch die intensive Zusammenarbeit von CUP mit dem Frankfurter Dienstleister B+S Card Service ist es seit Ende 2005 möglich, mit der chinesischen Bankkarte auch in Deutschland bargeldlos zu bezahlen. Gemeinsam zielen die Kooperationspartner darauf ab, die Akzeptanz der CUP-Karte in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu erhöhen. Fer- ner sind seit Ende 2005 durch Zusammenarbeit von CUP und Eufiserv (European Savings Banks Financial Service – Gemeinschaftsunternehmen europäischer Sparkassen) Geldautomaten europäi- scher Sparkassen auch Akzeptanzstellen für die CUP-Bankkarte. 42 d.h. inkl. Broker, Autofinanzierer und Kapitalanlagegesellschaften mit asiatischem Hintergrund „Kaleidoskop“ der Main-Metropole mit einigen asiatischen Facetten Asiatischer Aktienhandel am Main mit Erweiterungspotenzial Chinesische Bankkarte im deutschen Finanzwesen Asiatische Banken am deutschen Finanzzentrum konzentriert Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 62 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Positive Wahrnehmung Frankfurts aus asiatischem Blickwinkel Die Umfrage der Helaba in Kooperation mit Professor Dr. Michael H. Grote (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt) hat viele interessante Einblicke in die asiatische Sichtweise der Main-Metropole gewährt. Die ansässigen Banken aus Asien beurteilten nicht nur die eigene Ge- schäftsentwicklung in Vergangenheit und Zukunft gut, sondern der Großteil brachte auch Frank- furt gegenüber eine positive Einstellung zum Ausdruck. Dies dürfte partiell auf die Höflichkeit der Umfrageteilnehmer zurückzuführen sein, spricht aber dennoch für eine positive Wahrnehmung Frankfurts aus asiatischem Blickwinkel. So nahmen die befragten Vertreter asiatischer Banken alle Stärken des deutschen Finanzzentrums wahr, welche die Helaba in ihrer letzten Finanzplatz-Studie identifiziert hatte, und brachten darüber hinaus noch weitere positive Attribute Frankfurts zur Sprache. Diese Charakteristika lassen sich in vier Kategorien zusammenfassen:43 • Reputation als Finanzplatz: Internationale Wirtschaftsmetropole, wichtiger Finanzplatz in Europa, Tradition als Finanzplatz, Stabilität des Finanzsystems; • Anwesenheit wichtiger Akteure: Aktive internationale Banking Community, „Sogwirkung EZB“, bedeutende Börse, vorhandene asiatische Player; • Funktion Drehscheibe: Nähe zu „Made in Germany“, Tor nach (Ost-)Europa, sehr gute Ver- kehrsinfrastruktur; • Standortspezifische Qualitäten: Sehr gute Verkehrsinfrastruktur, kurze Wegstrecken, akzep- tables Preisniveau, ansprechendes Kultur- und Freizeitangebot, vorhandene asiatische Player. All diese Stärken des deutschen Finanzzentrums tragen zu seiner Anziehungskraft auf asiatische Finanzmarktteilnehmer bei. Die meisten Aspekte haben bei der Standortwahl der hier vertretenen Banken eine Rolle gespielt, wie die Umfrage belegt. Besonderen Einfluss auf ihre Entscheidung zugunsten Frankfurts hatte und hat das Argument, nah an der hiesigen Banking Community bzw. an der Vielzahl wichtiger Akteure zu sein, wobei EZB und Deutsche Börse eine Sonderstellung einnehmen. Weitere Hauptgründe für die eigene Institutsansiedelung sind die deutsche Volkswirt- schaft sowie die hervorragende Verkehrsinfrastruktur und geographische Lage des hiesigen Fi- nanzplatzes im Herzen Europas. Zudem äußerten die asiatischen Bankvertreter auch ihre persönliche Meinung über die Main- Metropole. Fast alle Befragten leben und arbeiten gern in der Frankfurter Finanzplatzregion, wobei insbesondere folgende Pluspunkte herausgestellt wurden: ausgezeichnete Verkehrsinfrastruktur verbunden mit kurzen Wegen, professionelle Arbeitsatmosphäre mit guten Karrierechancen, at- traktives Kulturangebot sowie Natur im nahgelegenen Umland, hoher Lebensstandard, Internatio- nalität bzw. Weltoffenheit und ausgeprägte Sicherheit. Vereinzelt wurde im Rahmen der Umfrage auch auf Schwächen des hiesigen Finanzplatzes hin- gewiesen. Hierbei handelt es sich nicht um ein generelles Stimmungsbild, sondern um individuelle Meinungsäußerungen, zu denen es auch gegenteilige Ansichten gab. Zum einen fanden sich drei der allgemein bekannten Schwachpunkte Frankfurts bestätigt: So wurden die begrenzte Größe des Finanzplatzes einschließlich des Umlandes, die innerdeutsche Konkurrenz regionaler Finanzstand- orte mit negativen Auswirkungen auf die internationale Positionierung des Finanzplatzes Frankfurt bzw. Deutschland sowie die Vermarktung Frankfurts bemängelt. Zum anderen wurden verbesse- rungswürdige Aspekte v.a. des privaten Lebensbereichs genannt: Die Verständigung auf Englisch sei im privaten Alltag oftmals mühsam und zuweilen auch bei Geschäftsterminen noch nicht im- mer selbstverständlich. Darüber hinaus bemängelte der eine oder andere die begrenzte Anzahl von Sehenswürdigkeiten oder die sonntags geschlossenen Geschäfte und äußerte seine Präferenz für das Frankfurter Umland als Wohnort. 43 In zwei Ausnahmefällen kommt es zu Überschneidungen bei der Zuordnung der Charakteristika. Asiatische Finanzplatz-Akteure schätzen viele Stärken Frankfurts Hauptgründe für asiatische Bankniederlassungen am Main Wohlfühlen in Frankfurt: Viele persönliche Pluspunkte Vereinzelte Nennung von Schwächen Frankfurts Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 63 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba „More to come!“ Der dynamische Prozess, den Gesamtwirtschaft und Finanzwesen in den asiatischen Ländern durchlaufen, macht sich durch ein vermehrtes Interesse am deutschen Finanzzentrum bemerkbar. Chinesische Unternehmen haben die Frankfurter Börse als geeigneten Ort für ihren Börsengang zu entdecken begonnen. Dass u.a. die Main-Metropole frühzeitig Privatunternehmen aus dem „neuen Wirtschaftswunderland“ erfolgreich für ein Börsendebüt gewinnen kann, ist vielversprechend; schließlich gibt es für diese bislang noch keinen präferierten Auslandsbörsenplatz. Bei der IPO- Standortwahl zugunsten Frankfurts spielen Überlegungen bzgl. der Peer Group44 eine Rolle wie auch finanzielle Aspekte. Denn die Kosten eines Börsengangs liegen hier international vergleichs- weise niedrig und unterschreiten gerade auch diejenigen Hongkongs sichtlich. Da die chinesische Sonderverwaltungsregion bzgl. IPO-Kosten insgesamt schlechter abschneidet, dürften listingtech- nisch weitere Unternehmen aus China nach Deutschland kommen. Dies lässt auf weitere IPOs chinesischer Unternehmen schließen und es gibt bereits diesbezügliche Planungen. Der Großteil der bereits am Main vertretenen Institute zeigt sich optimistisch hinsichtlich künftiger Expansionschancen – eine gute Werbung für weitere Marktteilnehmer aus Asien. Hinzu kommt die positive Wahrnehmung Frankfurts aus asiatischem Blickwinkel. Eine Vielzahl von Stärken steht im Vordergrund der Wahrnehmung und Werte – wie Qualität, Fleiß, Pünktlich- und Zuver- lässigkeit – werden von den asiatischen Bankmanagern geschätzt. Nur vereinzelt werden Schwä- chen gesehen. So ist die Main-Metropole in vielerlei Hinsicht ein attraktiver Standort für Finanz- marktteilnehmer. Frankfurt ist gerade für diejenigen asiatischen Banken ein „place to be“, die am global bedeutenden Wirtschaftsstandort Deutschland oder in anderen Ländern Europas erfolgreich Geschäfte betreiben wollen. Insbesondere ist in den nächsten Jahren mit einer verstärkten Aktivität von Kreditinstituten aus China, Indien und auch Korea zu rechnen – sei es durch Gründung neuer Vertretungsbüros am Main oder mittels Umwandlung bestehender Repräsentanzen in eine rechtlich geschäftsfähige Bank. Bankenvertreter dieser drei Nationen brachten in der Umfrage ihre Erwartung zum Aus- druck, dass die Erstarkung und Internationalisierung ihres heimischen Bankensektors immer mehr Institute auch an das deutsche Finanzzentrum führen werde. Diese Tendenz ist bereits erkennbar, denn erst jüngst legten eine chinesische und eine indische Bank die Grundlage für die Aufnahme von Geschäftsaktivitäten in Frankfurt. Anders verhält es sich bei den japanischen Instituten, zumal die Fusionswelle im japanischen Ban- kensektor die Anzahl der großen Banken sichtlich reduziert hat. Allerdings zeichnet sich im japa- nischen Bankensektor erneut eine Konsolidierungsbewegung ab, und zwar unter den kleinen und mittelgroßen Instituten. Derartige Zusammenschlüsse könnten für die Großbanken Japans eine ver- mehrte Konkurrenz im In- und Ausland bedeuten. Im Übrigen ist es denkbar, dass bei einem wei- ter wachsenden Interesse japanischer Industriefirmen am Frankfurter Flughafen als attraktivem Distributionsstandort langfristig noch mehr japanische Financiers in die Main-Metropole kommen werden. 4.3 Finanzplatz Frankfurt in Asien Frankfurter Börse und Banken befinden sich auf dem Weg nach Asien: Die Deutsche Börse zielt darauf ab, den asiatischen und deutschen Markt enger miteinander zu verzahnen und sich in der Region als zentralen Wertpapierdienstleister zu positionieren. Ihr Fokus liegt auf China, wo sie zu- sätzlich zum IPO-Marketing ihre Zusammenarbeit mit heimischen Börsenbetreibern angeht. 44 d.h. inwieweit es an der Deutschen Börse bereits Unternehmen gibt, die hinsichtlich Branche, Größe oder Tätigkeits- schwerpunkt vergleichbar sind Asiatisches Finanzwesen im Aufbruch – auch nach Frankfurt Deutsches Finanzzentrum interessanter Standort für asiatische Banken Internationalisierung des chinesischen, indischen und koreanischen Bankensektors Frankfurt punktet mit niedrigen IPO-Kosten Finanzplatz-Akteure schlagen zunehmend den Weg von Frankfurt nach Asien ein Langfristig auch mehr japanische Banken in Frankfurt denkbar Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 64 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Daneben sucht sie Kontakt zu anderen Börsenplätzen der Region und hat bereits auch in Indien und Korea Kooperationsabkommen bzw. Absichtserklärungen für eine verstärkte Zusammenarbeit geschlossen. So ist die Frankfurter Börse mittlerweile Vertriebspartner für chinesische und indi- sche Börsenindizes. Im Übrigen bestehen technologische Partnerschaften von Unternehmen der Gruppe Deutsche Börse (Clearstream, Xetra, Eurex) mit vielen asiatischen Börsen. Gleichzeitig sind deutsche Banken in allen betrachteten Ländern der Region mehr oder minder aktiv. Sowohl bei der Standortwahl für eine Auslandsvertretung als auch in der Kreditpolitik spielen Japan, Chi- na und Singapur eine herausragende Bedeutung für Banken des deutschen Finanzzentrums. Zudem zeigen einige Präsenz in Hongkong, Indien und Vietnam; als Empfängerland deutscher Bankkredi- te ist ferner auch Korea nennenswert. Doch welche Länder Asiens haben Finanzplätze mit Potenzial und sind für den Frankfurter Fi- nanzplatz-Nukleus attraktiv? Dies beantwortet die Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien, indem sie eine konkrete Vision vom künftigen Erscheinungsbild der asiatischen Finanzplatzregion veran- schaulicht. Anhand dessen lässt sich folgendes Ranking der einzelnen Finanzstandorte Asiens ableiten: Hongkong und Singapur sowie Tokio sehen wir weiterhin als internationale Top-Standorte. Dahin- ter rangieren die dynamischen Newcomer Shanghai und Kuala Lumpur sowie Mumbai, gefolgt von Seoul im Mittelfeld. Ho Chi Minh mit seinen langfristigen Aufstiegschancen ist vor den Met- ropolen mit dem geringsten Finanzplatz-Potenzial eingeordnet, zu denen Bangkok und Jakarta sowie Manila zählen. Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien: Kategorien des Finanzplatz-Potenzials asiatischer Metropolen\* Ho Chi Minh Seoul Bangkok Tokio Singapur Hong- kong Shanghai Kuala Lumpur Mumbai Manila Jakarta Potenzial asiatischer Finanzplätze \* Je weiter innenliegend eine Metropole eingeordnet ist, umso größer wird ihr Potenzial als Finanzplatz eingeschätzt: Den innersten, dunkelblau gekennzeichneten Bereich um den Kern der Ellipse bildet die erste Kategorie der künftig international erfolgreichen Finanzplätze, die zweite Kategorie der weiterhin nur national bedeutenden Finanzplätze ist mittelblau und der äußere, hellblaue Bereich umfasst die Metropolen ohne ausgeprägte Finanzplatz-Charakteristika auch in Zukunft. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Perspektiven und Attraktivität der einzelnen Standorte ... ... veranschaulicht durch Ranking-Liste Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 65 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Das Ranking wird mittels spezieller Bewertungskriterien der Börsen- und Bankenstandorte im Helaba Smiley-Tableau Asien konkretisiert und modifiziert.45 Neben institutsspezifischen Ge- schäftsüberlegungen stellt dies eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Akteure des deutschen Finanzzentrums auf dem Weg nach Asien dar: 46 Helaba Smiley-Tableau Asien Bankenplatz Ranking Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien Börsenplatz Qualität des Bankensektors Spielraum für Auslandsbanken Wirtschafts- und Versorgungsaspekte Hongkong ☺ ☺ Singapur ☺ Internationale Top- Standorte Japan ☺ ☺ ☺ China ☺ ☺ ☺ Malaysia Dynamische Newcomer Indien ☺ ☺ ☺ National bedeutender Finanzplatz Korea Aufstieg zum nationalen Finanzplatz Vietnam ☺ Thailand ☺ Indonesien ☺ Geringstes Finanzplatz- Potenzial Philippinen ☺ signalisiert, dass ein asiatischer Wirtschaftsstandort beim betrachteten Kriterium gut aufgestellt ist und somit eine hohe Attraktivität für Frankfurter Finanzplatz-Akteure birgt. zeigt an, dass die Defizite in einem bestimmten Bereich derzeit ausgeprägt sind bzw. die Attraktivität diesbezüglich eher gering ist. nimmt eine Einstufung im Mittelfeld vor. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Ranking-Liste asiatischer Finanzstandorte • Hongkong: Der florierende „regional hub“ ist dank seiner hohen Wettbewerbsfähigkeit, stra- tegisch guten Lage und Bedeutung bei der Kapitalbeschaffung chinesischer Unternehmen ein internationaler Spitzenstandort im Finanzwesen – und wird dies wohl auch bleiben. Ausge- hend von seiner gewachsenen Reputation und Verankerung im weltweiten Finanzgeschehen sollte Hongkong auch auf lange Sicht eines der herausragenden Finanzzentren von Weltrang sein. Dies lässt Hongkong auch als Kooperationspartner für die Deutsche Börse attraktiv er- scheinen (☺). Allerdings sind die beiden internationalen Börsenschwergewichte bis dato nur in technischer Hinsicht mittels Clearstream verbunden; der international ausgerichtete Wert- papierverwahrer begann Anfang der 90er Jahre mit einer Niederlassung in Hongkong seine Geschäfte in Asien. Im Übrigen gilt der Bankensektor des renommierten Finanzstandortes als gesund (☺). Einhergehend damit sind bereits viele Auslandsbanken hier vertreten, was auf 45 Das Helaba Smiley-Tableau Asien ist gemäß der Ranking-Liste asiatischer Finanzstandorte sortiert. 46 Die einzelnen Länder werden als Synonym für ihre Finanzhauptstädte verwendet, da letztere für den Markteintritt eines ausländischen Akteurs relevant sind und unter dem Einfluss der länderspezifischen Rahmenbedingungen stehen. Finanzplatz von Weltrang – begrenzte Chancen für deutsche Banken Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 66 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba eher begrenzten Spielraum für neu nach Hongkong kommende Kreditinstitute hindeutet ( ). Auch die Wirtschafts- und Versorgungsindikatoren lassen nur auf mittelmäßige Chancen für in den Markt eintretende Institute schließen ( ). Aufgrund begrenzter Expansionsmöglichkei- ten im chinesischen Sonderverwaltungsbezirk richten selbst in Hongkong bereits ansässige Banken ihre Geschäftsaktivitäten verstärkt auf Mainland-China aus. • Singapur: Genauso wie Hongkong ist auch Singapur bereits ein erfolgreicher Finanzplatz von Weltrang und diese Rolle dürfte ihm auch weiterhin zukommen. Die anerkannte Stellung des Stadtstaates als „regional hub“ mit weitreichenden Verflechtungen in der Finanzwelt und sei- ne Profilierung z.B. in der Schiffsfinanzierung oder im Private Banking wirken anziehend. Gleichwohl ist Singapur für die Deutsche Börse nur begrenzt interessant, da die dortige Börse nur ein recht kleines Volumen aufweist und auf keine nennenswerten Kontakte zurückgegrif- fen werden kann ( ). Der Bankensektor Singapurs ist durch hohe Stabilität sowie eine wett- bewerbsorientierte Ausrichtung gekennzeichnet und stellt somit neben dem Hongkongs den „gesündesten“ der Region dar (☺). Trotzdem dürften die Erfolgschancen für neu hinzukom- mende Auslandsbanken auch an diesem „offshore“-Standort nicht allzu groß sein. Dies indi- ziert der begrenzte Spielraum für neue Auslandsbanken ( ) ebenso wie die gute bankspezifi- sche Versorgung ( ). • Japan: Neben den beiden „regional hubs“ der Region wird auch der japanische Finanzplatz künftig zu den internationalen Spitzenstandorten gehören. Sein Gewicht als internationaler Börsenplatz und als Finanzzentrum der global zweitgrößten Volkswirtschaft sichern Tokio ei- ne signifikante Bedeutung im weltweiten Finanzgeschehen. Je besser Chancen genutzt bzw. politisch flankiert werden und je mehr eine Öffnung für internationale Marktströmungen voll- zogen wird, umso bedeutender wird das japanische Finanzzentrum für das asiatische und in- ternationale Finanzgeschehen sein. So ist das Börsenschwergewicht Tokio ein attraktiver Bündnispartner (☺), mit dem die Deutsche Börse bisher jedoch nur eine technologische Ver- bindung via Clearstream unterhält – genau wie bei den anderen Top-Finanzplätzen Hongkong und Singapur. Die Erfolgschancen für deutsche Banken dürften in der japanischen Hauptstadt insgesamt etwas besser sein als in den beiden „regional hubs“, bei vergleichbarer Qualität des Bankensektors (☺) und bankspezifischer Versorgung ( ). Entscheidender Unterschied ist je- doch, dass die Durchdringung mit Auslandsbanken in Japan weniger ausgeprägt ist als in Hongkong und Singapur. Dies deutet auf Spielraum für Auslandsbanken im weit entwickelten Finanzsystem Japans hin (☺), zumal die Überkreuzverflechtungen im dortigen Banken- und Unternehmenssektor abgebaut werden. • China: Der aufstrebende Standort Shanghai hat gute Chancen, künftiger Newcomer unter den international bedeutenden Finanzplätzen Asiens zu werden, wie die Positionierung in der He- laba Finanzplatz-Ellipse Asien auf der Grenze zu den Top 3 der Region signalisiert. Sein reger „inländischer“ Wettbewerb mit dem chinesischen Sonderverwaltungsbezirk Hongkong birgt bei einer arbeitsteiligen Konzentration Vorteile für beide Standorte, gewissermaßen gemäß des Prinzips „Ein Land, zwei Systeme“. Schließlich bieten sich sowohl für Shanghai mit sei- nem wirtschaftsstarken Hinterland als auch für das international fokussierte Hongkong viel- versprechende Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Perspektiven des Finanzplatzes Shanghais tragen dazu bei, dass eine verstärkte Verbindung zwischen der chinesischen und der deutschen Börse attraktiv erscheint. Hierzu haben die Frankfurter bereits die Weichen gestellt: Denn zum einen wurden verschiedene Kooperationsabkommen geschlossen (einschließlich Han- delssystem Xetra in Shanghai), und zum anderen hat die intensive Werbung der Frankfurter Börse in China zu chinesischen IPOs am Main geführt. All dies mündet in das positive Ge- samturteil für den Börsenplatz China aus deutscher Sichtweise (☺). Ähnliches gilt für die Att- raktivität Chinas als Standort für deutsche Banken, wie die drei bankenspezifischen Kriterien indizieren: Ausschlaggebend für die recht guten Aussichten für deutsche Banken sind die nur begrenzte Versorgung mit Bankdienstleistungen (☺) im bevölkerungsreichen „Wachstums- Aufstiegschancen als Finanzplatz, vielversprechende Perspektiven für deutsche Börse und Banken Vergleichbare Bewertung von Hongkong und Singapur Finanzplatz Tokio mit guten Zukunftschancen auch für deutsche Banken Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 67 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba giganten“ und der relativ niedrige Marktanteil von Auslandsbanken, so dass Raum für weitere ausländische Institute vorhanden ist (☺). Dies ist zwar auch auf negative Strukturaspekte zu- rückzuführen, aber mittelfristig sind verbesserte Wettbewerbsbedingungen im Bankensektor absehbar, wenn der bereits angestoßene Reformprozess konsequent weiter verfolgt wird. So besteht allerdings hinsichtlich der Qualität des Bankensystems noch sichtlich Verbesserungs- bedarf ( ). China ist das einzige der elf betrachteten Länder, das in allen drei Bewertungen als Finanz-, Börsen und Bankenplatz recht gut positioniert ist und somit insgesamt mittelfris- tige Potenziale für Frankfurter Finanzplatz-Akteure verspricht. • Malaysia: Der positive Ausblick für den Finanzstandort Malaysia insgesamt ist zu trennen von seiner auf absehbare Zeit begrenzten Attraktivität für deutsche Akteure: Ebenso wie Shanghai besitzt auch Kuala Lumpur signifikantes Aufholpotenzial zu den international be- deutenden Finanzplätzen Asiens, so dass es in der Helaba Finanzplatz-Ellipse Asien auf der Grenze zu den drei führenden Finanzplätzen der Region angesiedelt ist. Kuala Lumpur ran- giert u.a. aufgrund seiner internationalen Verflechtungen recht weit vorn im asiatischen Fi- nanzplatz-Ranking und bietet in ethnologischer wie geographischer Hinsicht grundsätzlich einen guten Ausgangspunkt zur finanzspezifischen Erschließung der Region. Entscheidender Vorteil des malaysischen Finanzplatzes gegenüber vielen anderen in der Region ist seine klare Fokussierung. Denn Kuala Lumpur hat sich der Spezialisierungsstrategie Islamic Banking verschrieben und geht sein Ziel entschlossen an, sich vom regionalen zum globalen Zentrum auf diesem Gebiet zu entwickeln. Insofern bietet Malaysia als Geschäftsgebiet für den Groß- teil der deutschen Banken wenig Perspektiven, zumal die Bewertung anhand der drei bank- spezifischen Kriterien nur mittelmäßig ausfällt ( ). Gleichzeitig wirkt Malaysia als möglicher Partner für die Deutsche Börse nur mittelmäßig attraktiv ( ), wobei die noch kleinvolumige Börse durch die vielversprechenden Perspektiven des Finanzplatzes als Ganzem etwas aufge- wertet wird. • Indien: Trotz Einordnung als nur national bedeutender Finanzstandort auch in Zukunft bietet Indien interessante Perspektiven für deutsche Finanzplatz-Akteure: So bedarf es zwar zu- nächst einer tiefgreifenden wirtschaftspolitischen und infrastrukturellen Modernisierung, bis die Metropole Mumbai (vormals Bombay) mehr Bedeutung im asiatischen Finanzgeschehen erlangen kann. Gleichwohl ist die Bombay Stock Exchange (BSE) ein interessanter Partner für die Frankfurter Börse. Der Anteil der Deutschen Börse an der BSE und ihre Rolle als welt- weit exklusiver Vertriebspartner für alle Indizes der indischen Hauptbörse bilden eine gute Grundlage für eine verstärkte Zusammenarbeit in Zukunft (☺). Und auch für deutsche Banken bieten sich auf mittlere Sicht vielversprechende Perspektiven in Indien. Denn die dynamische, bevölkerungsreiche Volkswirtschaft verfügt nur über eine begrenzte Versorgung mit Bank- dienstleistungen (☺) und weist Spielraum für weitere Auslandsbanken auf (☺). Allerdings gibt es verbesserungsbedürftige Aspekte bzgl. des heimischen Bankensystems ( ). • Korea: Das koreanische Finanzzentrum steht hinter den Spitzenplätzen und den Newcomern der Region zurück, hebt sich aber gleichzeitig positiv von den restlichen asiatischen Metropo- len ab: Seoul dürfte auf absehbare Zeit ein Finanzstandort nur von nationaler Bedeutung blei- ben, auch wenn Finanzmarktreformen angegangen werden. Hinsichtlich der Möglichkeit einer vertieften Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse rangiert das Industrieland aufgrund sei- nes bereits mit Frankfurt geschlossenen „Memorandum of Understanding“ im Mittelfeld ( ). Gleichzeitig bekommt Korea auch bei den bankenspezifischen Kriterien des Helaba Smiley- Tableaus Asien durchweg mittelmäßige Bewertungen ( ), die einen Markteintritt für deut- sche Banken nicht nahe legen. Denn das Bankensystem-Rating fällt bescheiden aus, die aus- ländische Marktdurchdringung und die Versorgung mit Bankdienstleistungen sind bereits recht ausgeprägt. Insgesamt wirkt der koreanische Finanzplatz nur begrenzt attraktiv für Frankfurter Finanzplatz-Akteure. National bedeutender Finanzplatz – Potenziale für Frankfurter Börse und Banken National bedeutender Finanzplatz Korea: Mittelmäßige Bewertung Spezialisierungsstrategie Islamic Banking vielversprechend für Standort – aber mindert Anreiz für deutsche Kreditinstitute Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 68 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba • Vietnam: Vietnam ist zwar bislang kein Finanzzentrum und hat noch einen weiten Weg vor sich, bis es sich als solches profilieren kann. Allerdings beinhaltet die gute gesamtwirtschaftli- che Entwicklung einhergehend mit politischer Stablität eine wachsende globale Bedeutung Vietnams und – bei Fortsetzung des regulatorischen Anpassungsprozesses – aussichtsreiche Perspektiven für die Finanzindustrie des „rising star“ auf lange Sicht. Im Gegensatz zu den Metropolen Indonesiens, der Philippinen und Thailands bestehen recht gute Chancen, dass Ho Chi Minh City (oder ggf. Hanoi) zu einem national bedeutenden Finanzplatz innerhalb Asiens aufsteigen kann. Da es sich hierbei um einen langfristigen Ausblick handelt, ist die „junge“, kleinvolumige Börse des Landes zunächst noch kein attraktiver Kooperationspartner aus deut- scher Sicht ( ). Für neu aus dem Ausland hinzukommende Kreditinstitute gibt es noch Spiel- raum im vietnamesischen Bankenmarkt (☺), da seine ausländische Durchdringung bis dato begrenzt ist. Nicht zu vernachlässigen sind allerdings das hohe Ausfallrisiko des dortigen Bankensektors ( ) und die nur begrenzt anziehenden Fundamentalfaktoren ( ). • Thailand: Für Bangkok zeichnet sich auch künftig keine Bedeutungssteigerung und Etablie- rung im Finanzbereich ab. Angesichts dieser Perspektive und geringer Marktkapitalisierung der thailändischen Börse legt eine Kosten-Nutzen-Abwägung keine aktive Partnerschaft mit der Deutschen Börse nahe ( ), die über die bereits bestehende technische Verbindung mittels Clearstream hinausgeht. Das thailändische Bankensystem weist insofern noch Spielraum für neu hinzukommende Auslandsbanken aus, als dass die bisherige Durchdringung begrenzt ist (☺). Dem stehen jedoch das hohe Ausfallrisiko des Bankensektors gegenüber ( ) und auch das fundamentale Umfeld wirkt nicht ausreichend attraktiv ( ). So ist für deutsche Banken eine genaue Abwägung der Chancen und Risiken einer Geschäftstätigkeit in Thailand sinn- voll. • Indonesien: Auch die indonesische Metropole lässt keinen ausgeprägten Finanzplatz-Charak- ter erkennen und zählt damit zu den Finanzstandorten der Region, die sich auch künftig nicht als Finanzplatz hervorheben sollten. Indonesien schneidet sowohl in der Helaba Finanzplatz- Ellipse Asien als auch im Helaba Smiley-Tableau relativ schlecht ab: Als kleiner Börsen- standort ohne internationale Reputation spricht die „Aufwand-Ertrag-Relation“ nicht gerade für eine aktive Verbindung mit der Deutschen Börse ( ). Für Frankfurter Banken bieten sich hier gewisse Chancen, allerdings bei nennenswerten Risiken. Indonesien steht bei den Wirt- schafts- und Versorgungsindikatoren gut dar (☺), denn die Bevölkerungs- und BIP-Größe so- wie auch die begrenzte Kreditversorgung lassen auf Kundenpotenzial für ausländische Institu- te schließen. Allerdings ist die recht hohe Ausfallwahrscheinlichkeit des indonesischen Ban- kensystem nicht zu vernachlässigen ( ). Zudem gibt es sichtliche Defizite bei den Umfeldbe- dingungen des Bankenmarktes inklusive der deutlich wahrnehmbaren Korruption, was sich negativ auf die Möglichkeiten von Auslandsbanken auswirkt ( ). • Philippinen: Ähnlich wie Thailand und Indonesien zählen auch die Philippinen zu den Stand- orten mit dem geringsten Finanzplatz-Potenzial. Der kleine Börsenstandort Manila ist für die Deutsche Börse kein sonderlich interessanter Partner ( ), so dass hier noch nicht einmal Ver- bindungen technischer Art hergestellt wurden. Das Bankensystem der Philippinen ist durch ein recht hohes Ausfallrisiko ( ) und mittelmäßige Wirtschafts- und Versorgungsaspekte ( ) gekennzeichnet. Des weiteren beschränken negative Umfeldbedingungen (inklusive Korrupti- on) den Spielraum für Auslandsbanken ( ). Aus all diesen Gründen befinden sich die Philip- pinen auf dem letzten Platz des Rankings. Bangkok: Spielraum für Banken, allerdings bei Ausfallrisiken Vietnam: Gute Chancen auf zunehmende Bedeutung im Finanzwesen, Spielraum für Auslandsbanken bei Risiken Philippinen schneiden am schlechtesten ab Indonesien: Marktpotenziale für Banken bei nennens- werten Risiken Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 69 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba 4.4 Handlungsempfehlungen Die positive Wahrnehmung des Finanzplatzes Frankfurt aus asiatischer Sicht und seine bereits ge- knüpften Bande mit Asien stellen eine gute Basis für eine wachsende kontinentübergreifende Be- ziehung der Finanzstandorte dar. Die Chancen auf die Intensivierung dieser deutsch-asiatischen Verbindungen sind umso besser, je aktiver die Main-Metropole sich dafür einsetzt. Schließlich sind die von asiatischen Bankvertretern wahrgenommenen Stärken des Finanzplatzes Frankfurts kein Garant für eine andauernde Anziehungskraft, sondern es bedarf seiner kontinuierlichen Wei- terentwicklung im Wettbewerb. So gilt es für Marktakteure und Politiker, die Stärken des deut- schen Finanzzentrums zu wahren und Schwächen anzugehen. Zentral sollten folgende sieben Handlungsempfehlungen sein. • Eine konsequente Internationalisierungsstrategie ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Finanzplatzes. Die globale Stellung des Finanzplatzes Deutschland ist unmittel- bar mit dem Erfolg seines Zentrums am Main verbunden. Frankfurt ist der zentrale Finanz- platz der größten europäischen Volkswirtschaft und der weltweit größten Exportnation. Inso- fern kommt im föderalen Deutschland den auch von der Bundespolitik unterstützten Bemü- hungen, anstelle des kleinteiligen innerdeutschen Wettbewerbs eine arbeitsteilige Konzentra- tion auf Schwerpunktthemen und deren aktive internationale Vermarktung zu fördern, ein ho- her Stellenwert zu. • Die Bündelung der wesentlichen Kräfte für ein einheitliches Finanzplatz-Marketing ist im Entstehen und stellt einen begrüßungswerten neuen Ansatz mit hohem Potenzial dar. Schließ- lich bedarf es am Finanzplatz Frankfurt eines aktiven und konzertierten Standortmarke- tings aller Finanzmarktakteure, um die vielfältigen Stärken Frankfurts einer breiten Öffent- lichkeit bewusst zu machen: Frankfurt mit dem einzigartigen Vorteil des Sitzes der Europäi- schen Zentralbank ist ein wichtiger Standort für international agierende Finanzmarktakteure, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Rolle des Euro als Anlage- und Reser- vewährung. Auch die weltweit bedeutende Deutsche Börse AG mit ihren vielfältigen Aktivitä- ten ist ein wesentliches Asset des Standorts. • Angesichts der wirtschaftlichen Dynamik und hohen Liquidität des asiatischen Kontinents sollte der Finanzplatz Frankfurt eine fokussierte Asien-Strategie verfolgen: Dabei sollten diejenigen asiatischen Länder favorisiert werden, die am Standort Frankfurt aktiv sind und gleichzeitig attraktive Expansionsziele für hiesige Akteure darstellen. Die bisherigen Werbe- aktivitäten (Veranstaltungen, Delegationsreisen, Informationsbroschüren) sind zu intensivie- ren und vor allem auf Japan, China und Indien zu konzentrieren. Zudem könnten auch Korea und der „rising star“ Vietnam in eine solche Marketingstrategie einbezogen werden. Eine wei- tere Zielrichtung des Standort-Marketings Frankfurts sollten die asiatischen Investoren sein, die auf den internationalen Finanzmärkten zunehmend Bedeutung erlangen. • Für die nachhaltige Weiterentwicklung des deutschen Finanzzentrums und seine internationa- le Attraktivität ist die weitere Förderung seiner finanzbezogenen Bildung &amp; Forschung un- entbehrlich. Hier befindet sich Frankfurt mit dem House of Finance (inkl. Center for Financial Studies) und der Frankfurt School of Finance and Management bereits auf dem richtigen Kurs. • Je mehr sich die deutsche Finanzmarktgesetzgebung zeitnah mit internationalen Trends aus- einandersetzt und die regulatorischen Rahmenbedingungen flexibel an Marktbedürfnisse an- passt, umso größer ist die Innovationskraft am Finanzplatz Frankfurt. Auch die kürzlich zwi- schen der BaFin und der Deutschen Bundesbank vereinbarte zukünftige Arbeitsteilung in der Bankenaufsicht stärkt den Finanzplatz Frankfurt. Gute Chancen auf wachsende Beziehung Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 70 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba • Als internationales Drehkreuz ist der Frankfurter Flughafen mit vielen Ländern Asiens ver- bunden, und so manche Flugroute wurde im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Diese Stoß- richtung gilt es beizubehalten. Schließlich stellt die hervorragende Verkehrsinfrastruktur der Main-Metropole eine wesentliche Grundlage für das Wachstum der deutsch-asiatischen Fi- nanzplatzverflechtungen dar. • Viele Asiaten schätzen die Frankfurter Lebensqualität, Mittels weiterer architektonischer Gestaltungen, der Förderung eines pulsierenden Lebens unmittelbar in der „City of the Euro“ und einer aktiveren Vermarktung der mannigfaltigen Kultur- und Freizeitmöglichkeiten kann sich die Main-Metropole auch für Asiaten noch attraktiver präsentieren. Aufgrund des großen Erfolgs des jährlichen Schwerpunktland-Konzepts der Frankfurter Buchmesse wäre ein breite- rer kultureller Stellenwert asiatischer Themen überlegenswert Beispielsweise könnten „Asiati- sche Kulturwochen“ mit wechselnden Themenländern in der Main-Metropole veranstaltet werden. Bei konsequenter Umsetzung dieser Maßnahmen ist davon auszugehen, dass der Finanzplatz Frankfurt seine Anziehungskraft auf asiatische Akteure weiter steigern kann und mehr Akteure aus der dynamischen Wirtschaftsregion den Weg an den Main einschlagen werden. ■ Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 71 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Notizen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 72 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Notizen Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung 73 Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008· © Helaba Notizen Hauptsitze Frankfurt am Main MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Erfurt Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 Niederlassungen Dublin PO Box 3137 5 George’s Dock IFSC IRL-Dublin 1 Telefon +3 53 1/6 46 09 02 Telefax +3 53 1/6 46 09 99 Kassel Ständeplatz 17 34117 Kassel Telefon 05 61/7 06-60 Telefax 05 61/7 06-8 65 72 London 3rd Floor 95 Queen Victoria Street GB-London EC4V 4HN Telefon +44 20/73 34-45 00 Telefax +44 20/74 89-03 76 New York 420, Fifth Avenue USA-New York, N.Y.10018 Telefon +1 2 12/7 03-52 00 Telefax +1 2 12/7 03-52 56 Repräsentanzen Madrid (für Spanien und Portugal) General Castaños, 4 Bajo Dcha. E-28004 Madrid Telefon +34 91/39 11-0 04 Telefax +34 91/39 11-132 Paris 40, rue La Pérouse F-75116 Paris Telefon +3 31/40 67-77 22 Telefax +3 31/40 67-91 53 Schanghai German Centre 88 Keyuan Road Pudong, Shanghai 201203 China Telefon +86 21 2898 6688 Telefax +86 21 2898 6011 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften Banque LBLux S.A. 3, rue Jean Monnet L-2180 Luxemburg Telefon +3 52 42/4 34-1 Telefax +3 52 42/4 34-50 99 BWT Beteiligungsgesellschaft für den Wirtschaftsaufbau Thüringens mbH MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-43 33 Telefax 0 69/91 32-28 50 DIV Deutsche Immobilienfonds GmbH Schaumainkai 87 60596 Frankfurt am Main Telefon 0 69/6 33 05-0 Telefax 0 69/6 33 05-112 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47-53 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/26 41-0 Telefax 0 69/26 41-29 00 GGM Gesellschaft für Gebäude- Management mbH Neue Rothofstraße 12 60313 Frankfurt am Main Telefon 0 69/77 01 97-0 Telefax 0 69/77 01 97-77 GWH Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH Hessen Westerbachstraße 33 60489 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 75 51-0 Telefax 0 69/9 75 51-1 50 HANNOVER LEASING GmbH &amp; Co. KG Wolfratshauser Straße 49 82049 Pullach Telefon 0 89/2 1104-0 Telefax 0 89/2 1104-2 10 Helaba Dublin Landesbank Hessen-Thüringen International PO Box 3137 5 George’s Dock IFSC IRL-Dublin 1 Telefon +3 53 1/6 46 09 00 Telefax +3 53 1/6 46 09 99 Helaba Immobilien GmbH (HIG) Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-44 69 Telefax 0 69/91 32-8 44 69 Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008 · © Helaba 74 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften Helaba International Finance plc PO Box 3137 5 George’s Dock IFSC IRL-Dublin 1 Telefon +3 53 1/6 46 09 01 Telefax +3 53 1/6 46 09 99 Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-6 30 Helaba Northern Trust GmbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-6 30 Helaba Trust Beratungs- und Management-Gesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-1 94 Investitionsbank Hessen (IBH) Schumannstraße 4-6 60325 Frankfurt am Main Telefon 0 69/13 38 50-0 Telefax 0 69/13 38 50-50 LB Immo Invest GmbH Mönckebergstraße 11 20095 Hamburg Telefon 0 40/33 33-44 18 Telefax 0 40/33 33-44 17 Auswahl der Beteiligungs- und Tochtergesellschaften LB Immobilienbewertungs- gesellschaft mbH MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 20 34-57 00 Telefax 0 69/9 20 34-50 58 LB(Swiss) Privatbank AG Börsenstraße 16 CH-8022 Zürich Telefon +41 44/2 65 44-44 Telefax +41 44/2 65 44-11 OFB Projektentwicklung GmbH Myliusstraße 33-37 60323 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 17 32-01 Telefax 0 69/9 17 32-7 07 S-Beteiligungsgesellschaft Hessen-Thüringen mbH MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/97 20 87-0 Telefax 0 69/97 20 87-20 Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung Helaba Volkswirtschaft/Research · März 2008 · © Helaba 75 Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-20 24 Telefax 0 69/91 32-22 44 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 www.helaba.de
