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title: "Finanzplatz Fokus: Die kreditwirtschaftliche Bedeutung von Sparkassen und Landesbanken"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Finanzplatz Fokus
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# Finanzplatz Fokus: Die kreditwirtschaftliche Bedeutung von Sparkassen und Landesbanken

Helaba Volkswirtschaft/Research FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 26. FEBRUAR 2016 · © HE L A B A 1 26. Februar 2016 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOREN Barbara Bahadori Telefon: 0 69/91 32-24 46 Heinrich Peters Telefon: 0 69/91 32-47 33 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Die kreditwirtschaftliche Bedeutung von Sparkassen und Landesbanken 1 S-Finanzsektor – ein deutsches Asset ................................................................................. 2 1.1 Datenbasis: Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank .................................................. 2 1.2 Bilanzsummen mit Gewicht ................................................................................................ 3 1.3 Tragende Säule bei Krediten an Nichtbanken im Inland .................................................... 4 1.4 Auslandsgeschäft: Arbeitsteilung in der S-Finanzgruppe ................................................... 6 1.5 Rückgrat der Unternehmensfinanzierung ........................................................................... 6 1.6 Garant der Mittelbeschaffung für Kommunen und Länder ................................................. 8 1.7 Privatkunden: Verwirklichung der eigenen vier Wände ...................................................... 9 2 Wirtschaftsstrukturen in Deutschland erfordern passende Lösungen ........................... 11 2.1 Kredite nach Branchen: Dienstleister dominieren ............................................................ 11 2.2 Kredite nach Regionen: Unterschiedliche Schwerpunkte ................................................. 12 3 Fazit: S-Finanzgruppe – wichtiger Standortfaktor für ein föderales Deutschland ......... 13 FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 2 1 S-Finanzsektor – ein deutsches Asset 1.1 Datenbasis: Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank Die verwendeten Daten für den Gesamtmarkt und die Institutsgruppen beruhen auf den Banken- statistiken, die die Bundesbank monatlich bzw. vierteljährlich veröffentlicht. Als Bank gelten seit 1999 nur monetäre Finanzinstitute, die vom Publikum Einlagen entgegennehmen und Kredite auf eigene Rechnung gewähren und/oder in Wertpapiere investieren dürfen. Die Zusammensetzung der Bankengruppen hat sich im Laufe der Zeit mehrfach geändert, wobei die Bundesbank immer nur für die jeweilig gültige Definition Daten veröffentlicht und keine Rückbe- rechnung der absoluten Zahlen vornimmt. Dieses Prinzip gilt auch für andere Änderungen, sodass statistische Sprünge bei Langzeitbetrachtungen auftreten können. In der vorliegenden Analyse wird auf die aktuelle Definition der Bankengruppen nach der Bundesbankstatistik (Stand Juli 2015) zurückgegriffen, die keine Konzerne abbildet. Sparkassensektor  Landesbanken: 8 Landesbanken (ohne LBS/Töchter); DekaBank Deutsche Girozentrale  Sparkassen: 411 öffentlich-rechtliche Sparkassen, 5 freie Sparkassen Kreditbanken  Großbanken: Commerzbank AG, Deutsche Bank AG, Deutsche Postbank AG, UniCredit Bank AG  Regional- und sonstige Kreditbanken: 163 Institute  Zweigstellen ausländischer Kreditinstitute: 109 Institute Genossenschaftssektor  Genossenschaftliche Zentralbanken: DZ Bank AG, WGZ Bank AG (1. August 2016 Fusion geplant)  Kreditgenossenschaften: 1.018 Volks- und Raiffeisenbanken, 28 sonstige Kreditinstitute des Genossenschaftssektors Realkreditinstitute (17 Institute) Berlin Hyp AG, Corealcredit Bank AG, Depfa AG, Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG, Deutsche Hypothekenbank, Deutsche Pfandbriefbank AG, Dexia Kommunalbank Deutschland AG, Düsseldorfer Hypo- thekenbank AG, Hypothekenbank Frankfurt AG, M.M. Warburg &amp; Co Hypothekenbank AG, Münchener Hypo- thekenbank eG, Natixis Pfandbriefbank AG, Valovis Bank AG, Westdeutsche ImmobilienBank AG, WL Bank AG, Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank, Calenberger Kreditverein, Ritterschaftliches Kreditinstitut Stade Bausparkassen  Private Bausparkassen: 12 Institute  Öffentliche Bausparkassen: 9 Landesbausparkassen (mit in Helaba integrierte LBS) Kreditinstitute mit Sonderaufgaben (19 Institute)  Private Rechtsform: AKA Ausfuhrkredit-GmbH, Bremer Aufbau-Bank GmbH, Clearstream Banking AG, Eurex Clearing AG, IKB Deutsche Industriebank AG, KfW IPEX-Bank GmbH, Saarländische Investitions- kreditbank AG  Öffentliche Rechtsform: Hamburgische Investitions- und Förderbank, Investitionsbank Berlin, Investiti- onsbank des Landes Brandenburg, Investitionsbank Schleswig-Holstein, Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz, Kreditanstalt für Wiederaufbau, Landeskreditbank Baden-Württemberg – Förderbank, Landwirtschaftliche Rentenbank, LfA Förderbank Bayern, NRW.BANK, Sächsische Aufbaubank – För- derbank, Thüringer Aufbaubank Bankengruppen nach Bundesbankdefinition (keine Konzerne) FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 3 1.2 Bilanzsummen mit Gewicht Die Bankbilanzen in Deutschland wuchsen während der 80er Jahre mit 7 % im Jahresdurchschnitt. Mit der zunehmenden Kapitalmarktorientierung der Banken sowie der Globalisierung der Güter- und Dienstleistungsströme kam es in den 90er Jahren zu einer erheblichen Beschleunigung: Die Bilanzen expandierten jährlich mit Raten teilweise über 10 %. Nach der Jahrtausendwende mit dem Platzen der New Economy Bubble setzte ein gewisser Konsolidierungsprozess ein, der aber Mitte 2004 wieder beendet war. Ein erneutes Wachsen der Bilanzsumme schloss sich an, das 2009 durch die Finanzkrise gestoppt wurde. Die staatlichen Stützungsmaßnahmen mussten sei- tens der Banken von Bilanzverkürzungen begleitet werden. Ende 2010 kam es zu Änderungen in den Bilanzierungsvorschriften (HGB), die zu einer Aufnahme von Handelsbestandsderivaten in den Jahresabschluss und somit zum plötzlichen Anstieg der Bilanzsumme führten. Im Mai 2012 er- reichte die Bilanzsumme aller deutschen Kreditinstitute zusammen ihren Höhepunkt. Bis Anfang 2014 sank sie dann, wobei dies hauptsächlich auf die Großbanken, die Landesbanken, die Real- kreditinstitute und die Zweigstellen ausländischer Banken zurückzuführen war. Sparkassen und Kreditgenossenschaften gewannen dagegen kontinuierlich hinzu. Landesbanken auf Konsolidierungskurs Landesbanken mit viertgrößter Bilanzsumme Bilanzsumme in Mrd. € Anteil an Gesamt-Bilanzsumme in %, Dezember 2015 Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Geschäftsentwicklung der Sparkassen verlief bis Mitte der 90er Jahre weitgehend parallel zur Kreditwirtschaft insgesamt. Aufgrund ihres an die Region gebundenen Geschäftsmodells konnten sie anschließend von bestimmten Wachstumsfeldern weniger profitieren: Am Trend zur Desinter- mediation an den Kreditmärkten konnten die meisten Sparkassen nicht teilhaben, während größe- re Institute zwar auch weniger Kredite vergaben, aber Provisionen aus der Begebung von Firmen- anleihen etc. verbuchen konnten. An damals margenreichen internationalen Finanzierungen waren sie zudem kaum beteiligt. Trotzdem wuchs bei den Sparkassen das Geschäftsvolumen, wenn auch in vermindertem Tempo, weiter. Sie sind derzeit die zweitgrößte Institutsgruppe mit einem Anteil von 15 % an der Bilanzsumme aller Banken. Die Landesbanken expandierten vor der Finanzkrise überdurchschnittlich. Hatte ihr Anteil an der Gesamtbilanzsumme von 1991 noch bei 15 % gelegen, so war er bis Ende 2007 auf 21 % ange- stiegen. Die folgende Konsolidierung etlicher Landesbanken ging mit einem überdurchschnittlichen Abbau der Bilanzsumme einher, sodass im Dezember 2015 der Anteil nur noch 12 % betrug. Da- mit weisen die Landesbanken die viertgrößte Bilanzsumme unter den Bankengruppen auf. Jen- seits ideologischer Diskussionen über Eigentümer- und Kontrollstrukturen machen sie aber immer noch einen wesentlichen Teil der ökonomischen Realität in Deutschland aus. Tendenziell dürfte der Anteil der Landesbanken durch die erwähnte Bilanzierungspflicht von Handelsbestandsderiva- ten beeinträchtigt sein, da der Anteil der Großbanken nach der Umstellung sprunghaft angestiegen war. Ursache dürfte deren hohes Engagement in diesem Geschäftsfeld sein: 34 % ihrer Bilanz- summe rekrutiert sich aus derivativen Finanzinstrumenten; bei Landesbanken ist der Anteil mit 8 % deutlich niedriger. Die Bilanzsumme eignet sich deshalb nur noch zu einer groben Einordnung der realen wirtschaftlichen Bedeutung der verschiedenen Bankengruppen. 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 1.800 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 7.000 8.000 9.000 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 Landesbanken (rechte Skala) Alle Banken (linke Skala) Sparkassen (rechte Skala) Sparkassen 15% Kreditinstitute mit Sonderaufgaben 13% Realkreditinstitute 5% Kreditgenossenschaften 11% Landesbanken 12% Zweigstellen ausländ. Banken 4% Regional- u. sonstige Kreditbanken 12% Bausparkassen 3% Geno. Zentralbanken 4% Großbanken 23% Sparkassen und Landesbanken auf den vorderen Plätzen Auf starkes Wachstum folgt Konsolidierung Bilanzsumme bei Groß- banken durch Derivate geprägt FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 4 1.3 Tragende Säule bei Krediten an Nichtbanken im Inland Im deutschen Finanzsystem kommt Banken als Intermediären eine hohe Bedeutung zu, da es historisch gewachsene Präferenzen der Kapitalgeber und -nehmer für die traditionellen Instrumen- te gibt: Bei Nichtbanken dominieren Kredite bei der Finanzierung und Einlagen bei der Geldvermö- gensbildung, obwohl die Kapitalmarktorientierung in der Vergangenheit zumindest bis zur Finanz- krise etwas zugenommen hatte. (Unter Nichtbanken werden in der Statistik Unternehmen, Selb- ständige, Privatpersonen und öffentliche Haushalte zusammengefasst.) Sparkassen und Landesbanken sind in beachtlichem Umfang als Finanzintermediäre aktiv. Mit einem großen Abstand zu den anderen Bankengruppen haben Sparkassen aktuell einen Anteil von 27 % an den Krediten an inländische Nichtbanken. Landesbanken haben immerhin einen Marktanteil von 11 %, obwohl ihnen der Zugang zum Massengeschäft mit Privatpersonen weitge- hend verwehrt ist, da eine Arbeitsteilung mit den regional aufgestellten Sparkassen besteht. Groß- banken haben trotz dieser möglichen Geschäftsfelder nur einen Anteil von 10 %. Alle Banken weisen im Durchschnitt eine Relation der Nichtbankenkredite zur Bilanzsumme von 41 % auf. Kreditinstitute mit einem starken regionalen Bezug messen dem Kreditgeschäft eine deutlich höhere Bedeutung bei: Der Anteil der Nichtbankenkredite an der Bilanzsumme liegt bei ihnen über 50 %. Sparkassen sind mit einer Quote von 65 % die Spitzenreiter. Da Sparkassen bei der Finanzierung von Privatpersonen und von den mittelständischen Unternehmen innerhalb der S-Finanzgruppe Vorrang haben, ist der Anteil bei Landesbanken per se niedriger, liegt aber doch etwas über dem Durchschnitt. Bei den privaten Kreditbanken ist der Anteil mit 30 % sichtbar gerin- ger. Die Analyse der Bilanzstruktur zeigt, dass die Landesbanken zusammen mit den Sparkassen das kreditwirtschaftliche Rückgrat des deutschen Bankensystems bilden und somit eng mit der sog. Realwirtschaft verbunden sind. S-Finanzgruppe auf Platz 1 bei Kreditvergabe … … und mit ausgewogener Aktiva-Struktur Marktanteil bei Buchkrediten an inländische Nichtbanken, Dezember 2015 Anteil an der Bilanzsumme in %, Dezember 2015 Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Dass der Anteil der Buchkredite an Banken bei den Landesbanken vergleichsweise hoch ist, resul- tiert in starkem Maße aus ihrer Stellung im Finanzverbund mit den Sparkassen. Die zum Teil enge Zusammenarbeit kommt aber nicht nur im Interbankengeschäft mit den Sparkassen, sondern auch bei gemeinsamen Finanzierungsprojekten im Metakreditgeschäft zum Ausdruck. Die Entwicklung in den letzten Jahren zeigt allerdings, dass die Konsolidierungsvorgaben für viele Landesbanken zu einem Abbau des Kreditgeschäfts führten. Bei den Großbanken kam es zu einer erheblichen Einschränkung von sog. Nicht-Kernaktivitäten wie Staats- und gewerbliche Immobili- enfinanzierung. Die hauptsächlich regionalen Kreditinstitute – Sparkassen, Kreditgenossenschaf- ten und Regional-/sonstige Kreditbanken – bauten ihr Geschäft mit den hiesigen Nichtbanken kontinuierlich aus, sodass insgesamt der Kreditbestand weitgehend konstant blieb. Das schlagarti- ge Absinken der Kredite an Nichtbanken im September 2013 ist allerdings durch eine Umklassifi- zierung bedingt; so erhielt die Eurex Clearing AG den Status eines Kreditinstituts und fiel damit aus Großbanken 10% Sparkassen 27% Kreditinstitute mit Sonderaufgaben 7% Realkreditinstitute 6% Kreditgenossenschaften 18% Landesbanken 11% Zweigstellen ausländ. Banken 2% Regional- u. sonstige Kreditbanken 15% Bausparkassen 4% Geno. Zentralbanken 1% 25 6 7 20 22 29 41 65 62 54 44 19 1418 19 17 18 6 20 11 12 8 16 46 Alle Banken Spar- kassen Kredit- genossen- schaften Regional- u. sonstige Kreditbanken Landes- banken Groß- banken Buchkredite an Banken Buchkredite an Nichtbanken Anleihen, Schuldverschreib. Sonstige Aktiva Sparkassen und Landes- banken mit ausgeprägtem Kreditgeschäft Banken als Finanzinter- mediäre wichtig in Deutschland Konstanter Kreditbestand trotz Finanzkrise FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 5 dem Segment Nichtbanken heraus. Davon war insbesondere das Kreditgeschäft der Großbanken, der Banken mit Sonderaufgaben, der Landesbanken, der Regional-/sonstige Kreditbanken und der genossenschaftlichen Zentralbanken betroffen. Konsolidierung der Landenbanken bei Kreditvergabe Regionale Banken stabilisieren Kredite (ohne Wertpapiere) an inländische Nichtbanken, in Mrd. € Kredite (ohne Wertpapiere) an inländische Nichtbanken, in Mrd. € \*September 2013: Statusänderung der Eurex Clearing AG von Unternehmen zu Bank Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Bei der Analyse der Kreditportfolios werden die Schwerpunkte der Landesbanken offensichtlich. So zählen Unternehmen zu ihren Hauptkreditnehmern: Gut 60 % ihres Kreditvolumens an inländi- sche Nichtbanken erhalten Unternehmen und weitere 4 % gehen an Selbständige. Dieser hohe Anteil ist bei keiner anderen Bankengruppe zu finden. Auch die Sparkassen sind auf diesen Ge- schäftsfeldern äußerst rege. Der Finanzierung von Firmen und Selbständigen widmen sie 28 % bzw. 21 % ihres Kreditportfolios. Großbanken sind bei den Unternehmenskrediten mit einem Anteil von 39 % zuzüglich Kredite an Selbständige (11 %) vertreten. Klarer Fokus bei Sparkassen und Landesbanken Anteil der Kreditnehmergruppen an den inländischen Krediten an Nichtbanken, Dezember 2015 Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Kreditgenossenschaften mit traditionell engen Beziehungen zu Selbständigen sind bei Unterneh- men am wenigsten aktiv. Dass die genossenschaftlichen Banken in diesem Segment unterreprä- sentiert sind, kann aber auch an ihrer relativen Größe liegen. So gibt es insgesamt rund 1.000 Kreditgenossenschaften, deren durchschnittliche Bilanzsumme bei 800 Mio. € liegt. Der entspre- chende Durchschnittswert bei Sparkassen beläuft sich auf 2,8 Mrd. €. Die geringe Eigenkapitalba- sis kann demnach ein Engpassfaktor bei den Kreditgenossenschaften vor Ort sein, zumal sie durch die genossenschaftlichen Zentralbanken kaum Unterstützung erfahren dürften. Diese haben nur einen Marktanteil von 1 % bei den Krediten an Nichtbanken, sodass sie kaum Kapazitäten für die Unternehmensfinanzierung vorhalten dürften. Die Finanzierung der öffentlichen Haushalte spielt bei Landesbanken die zweite große Rolle. Mit einem Anteil von 26 % ist ihr Gewicht in der Kreditnehmerstruktur der Landesbanken die zweit- höchste unter den Bankengruppen. Nur die Realkreditinstitute sind aufgrund ihres Geschäftsmo- dells noch stärker als Kreditgeber der öffentlichen Hand aktiv. 250 300 350 400 250 300 350 400 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 20132014 2015 Landesbanken Großbanken \* 200 300 400 500 600 700 800 200 300 400 500 600 700 800 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Sparkassen Regionalbanken Kreditgenossenschaften 61 44 39 28 20 31 4 7 11 21 25 11 8 21 41 44 54 54 26 28 10 6 5 Landes- banken Realkredit- institute Groß- banken Spar- kassen Kredit- genossenschaften Regional-/ sonst. Kreditbanken Unternehmen Selbständige Privatpersonen Öffentl. Haushalte S-Finanzgruppe mit Schwerpunkt bei Unter- nehmensfinanzierung Selbständige im Fokus der Kreditgenossenschaften Öffentliche Haushalte als wichtige Kreditnehmer FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 6 Insgesamt zeigt das Kreditportfolio der Landesbanken und Sparkassen deutlich, dass sowohl Un- ternehmen als auch Kommunen und Länder ohne die öffentlich-rechtlichen Banken in ihren Finan- zierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt wären. Würde man diese Kreditinstitute schwächen, könnten Großbanken und Realkreditinstitute nahezu konkurrenzlos agieren. Dies würde die Finan- zierungssituation wichtiger Sektoren verschlechtern. 1.4 Auslandsgeschäft: Arbeitsteilung in der S-Finanzgruppe Die höchste Dynamik war in den Jahren bis zur Finanzkrise bei Krediten an ausländische Nicht- banken zu verzeichnen: Von 1999 bis 2008 verdreifachte sich das entsprechende Kreditvolumen. Ab 2009 bis 2013 verringerte sich der Kreditbestand um 30 %, was durch die Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise in vielen Ländern bedingt sein dürfte. Inzwischen haben sich die an ausländi- sche Nichtbanken entliehenen Mittel stabilisiert. Die Kreditvergabe an inländische Nichtbanken erhöhte sich seit 2009 um gut 2 %. Eine Rückbesinnung auf die heimischen Märkte hat also statt- gefunden und korrigiert die zuvor stark betriebene internationale Diversifizierung. Diesem allgemeinen Markttrend folgten die Landesbanken: Auf die kräftige Expansion folgte nach 2008 eine Redimensionierung des Auslandsgeschäfts um 30 %, wobei auch die Inlandskreditver- gabe mit einem Rückgang von 24 % von der Konsolidierung im Landesbankensektor betroffen war. Um die Einbindung der Sparkassen in die überregionalen und internationalen kreditwirtschaft- lichen Beziehungen zu sichern, ist aber weiterhin das Auslandsgeschäft der Landesbanken sinn- voll. So können Firmenkunden der Sparkassen bei ihren Auslandsaktivitäten begleitet und beraten werden, wenn sie neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen wollen. Marktsegment Auslandskredite normalisiert sich Landesbanken: Reduzierung des Auslandsgeschäfts Kredite an Nichtbanken (ohne Wertpapiere); Januar 1999 = 100 Landesbanken: Kredite an Nichtbanken in Mrd. €, jeweils Dezember Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Sparkassen sind dafür intensiver mit den Kreditwünschen ihrer Kunden vor Ort beschäftigt und haben entsprechend ihrer Spezialisierung nur einen sehr geringen Auslandsanteil (1 %). Im Spar- kassen-Finanzverbund insgesamt ist somit das Auslandsengagement niedriger als bei den priva- ten Kreditbanken (Anteil der Kredite an ausländische Nichtbanken 12 % versus 17 %). Die regio- nale Verankerung der öffentlich-rechtlichen Banken ist also intakt. 1.5 Rückgrat der Unternehmensfinanzierung Unternehmen und Selbständige bauen auf dezentrale Kreditwirtschaft Die Eigenkapitalquote der deutschen Unternehmen lag 1997 nach Auswertungen der Bundesbank im Durchschnitt bei 19 %. Seitdem verbesserte sich die Relation zwischen Eigenmitteln und Bi- lanzsumme kontinuierlich auf zuletzt rund 30 %. Dabei waren besonders Fortschritte bei den klei- nen und mittelgroßen Unternehmen zu beobachten, die im gleichen Zeitraum ihre Eigenkapitalquo- te von 7 % auf 25 % verbesserten. Damit hat sich zwar die Abhängigkeit der deutschen Unterneh- men von der Kreditfinanzierung verringert, jedoch bleiben Bankkredite für die Unternehmen hierzu- lande das mit weitem Abstand wichtigste Finanzierungsinstrument. Stünden sie den Unternehmen 100 150 200 250 300 350 100 150 200 250 300 350 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Kredite an inländische Nichtbanken Kredite an ausländische Nichtbanken 0 100 200 300 400 500 600 0 100 200 300 400 500 600 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Kredite an inländische Nichtbanken Kredite an ausländische Nichtbanken Auslandskredite spiegeln Globalisierung Auslandsengagement der Landesbanken inzwischen wieder stabil Sparkassen auf heimische Märkte konzentriert FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 7 nicht in ausreichendem Umfang und zu vertretbaren Kosten zur Verfügung, könnten für das deut- sche Wirtschaftswachstum wichtige Investitionen nicht finanziert werden. Von 1999 bis Anfang 2009 ist das Kreditvolumen an inländische Unternehmen um 36 % gewach- sen. Die Wirtschaftskrise führte dann zu einem temporären Rückgang, der aufgrund des geringen Ausmaßes aber eher auf eine Nachfrageschwäche als auf eine Kreditverknappung schließen lässt. Danach zeigten sich besonders die Kreditbanken als kreditscheu. Sparkassen und Kreditgenos- senschaften dagegen stießen in diese Angebotslücke: In der Summe nahmen seit 1999 die ausge- reichten Firmenkredite der Sparkassen um 86 % zu und die anderer regional orientierter Institute wie Kreditgenossenschaften und die Regional-/sonstige Kreditbanken um 89 % bzw. 66 %. Lan- desbanken mussten aufgrund der Konsolidierungsvorgaben nach der Krise zurückhaltender sein, doch auch sie zählen in dem Zeitraum ab 1999 zu den Impulsgebern mit einer Ausweitung der Firmenkredite um 11 %. Als ehemals wichtige Finanzierer der Wirtschaft schränkten die Großbanken in diesem langfristi- gen Wachstumsmarkt das Engagement ein: Die Firmenkredite liegen etwa um ein Viertel unter dem Stand von 1999. Das schlagartige Absinken ihrer Unternehmenskredite im September 2013 ist allerdings durch die erwähnte Umklassifizierung bedingt; so erhielt die Eurex Clearing AG den Status eines Kreditinstituts und fiel damit aus den Firmenkrediten heraus. Davon waren insbeson- dere die Großbanken betroffen, auf die die Hälfte des umgruppierten Kreditvolumens entfiel. Inso- fern ist der Rückgang der Unternehmensfinanzierung der Großbanken etwas überzeichnet. S-Finanzgruppe: Marktführer bei Firmenkrediten mit Abstand … … trotz Konsolidierung bei Landesbanken Marktanteil bei Krediten an inländische Unternehmen, Dezember 2015 Kredite an inländische Unternehmen in Mrd. € Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research \*September 2013: Statusänderung der Eurex Clearing AG von Unternehmen zu Bank Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Als Finanzierer des Wirtschaftswachstums über lange Zeiträume hinweg und zur Stabilisierung des Kreditangebots in der Krise trugen in sehr hohem Maße die Sparkassen und die Landesbanken bei, sodass sie bei den Krediten an Unternehmen mit einem Anteil von zusammen 41 % mit Ab- stand die wichtigsten Anbieter sind. Die Großbanken haben inzwischen nur noch einen Marktanteil von 12 %, der ehemals 20 % betragen hatte. Damit ist der Kreditbankensektor mit einem Marktan- teil von insgesamt 30 % deutlich auf Platz zwei verwiesen. Dem Genossenschaftssektor bleibt bei den reinen Unternehmenskrediten (ohne Selbständige) mit einem Marktanteil von insgesamt 14 % nur der letzte Rang unter den drei großen Bankengruppen. Die Kreditvergabe an Selbständige hat sich im Gegensatz zu den reinen Unternehmenskrediten im Aufschwung bis 2008 nicht erholt. Gegenüber dem Höchstwert im Juni 2001 verringerte sich das Kreditvolumen sogar um 17 %. Allerdings ist dieser Rückgang nicht auf die Kreditinstitute vor Ort zurückzuführen, sondern auf die Großbanken. Nach der Finanzkrise erholte sich das Kreditvolu- men für Selbständige leicht um 5 %, wieder aufgrund der Initiative von Sparkassen und Kreditge- nossenschaften. Landesbanken sind im Kundensegment Selbständige kaum aktiv, da dies inner- halb der S-Finanzgruppe ein originäres Geschäftsfeld der Sparkassen ist. 22% 19% 14% 12% 11% 8% 7% 4% 3% Spar- kassen Landes- banken Regional-/ sonstige Kredit- banken Groß- banken Kredit- genoss.- schaften Banken mit Sonder- aufgaben Real- kredit- institute Zweig- stellen ausländ. Banken Genossen- schaftl. Zentral- banken 50 100 150 200 250 50 100 150 200 250 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 1314 15 Groß- banken Kreditgenossenschaften Landesbanken Sparkassen Regional- u. sonstige Kreditbanken \* Sparkassen mit hohen Wachstumsraten bei Firmenkrediten Selbständige: Kunden von Sparkassen und Kreditge- nossenschaften FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 8 Selbständige haben’s schwer Institute vor Ort unterstützen Selbständige Kredite an inländische Unternehmen u. Selbständige in Mrd. € Kredite an inländische Selbständige in Mrd. € \*September 2013: Statusänderung der Eurex Clearing AG von Unternehmen zu Bank Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Das Engagement der dezentral aufgestellten Kreditgenossenschaften und Sparkassen zeigt, wie wichtig lokale Entscheidungsträger sind, denn gerade unter den Selbständigen dürfte der Anteil der Existenzgründer hoch sein, die in der Gründungsphase ihres Unternehmens eine wohlwollen- de finanzielle Begleitung benötigen. Dies spiegelt sich auch in den Marktanteilen bei Krediten an Selbständige wider: Sparkassensektor 42 %, Genossenschaftssektor 32 %, Kreditbanken 19 %. Bei langfristigen Engagements unverzichtbar Im Kreditgeschäft spielt die Kundennähe nach wie vor eine wichtige Rolle. Die regional agierenden Institute können ihre lokalen Kreditnehmer besser einschätzen und eine langfristige Beziehung aufbauen. Dies zeigt eindrucksvoll die Fristigkeit der gewährten Kredite. So machen die von den Unternehmen und Selbständigen besonders benötigten mittel- bis langfristigen Kredite bei Spar- kassen, Kreditgenossenschaften und Landesbanken einen Anteil von rund 90 % aus. (Aufgrund ihrer Spezialisierung weisen die Realkreditinstitute den höchsten Anteil auf.) Bei den anderen Bankengruppen belaufen sich diese lediglich auf 70 % bis 80 %. Vor-Ort-Institute engagieren sich langfristiger Anteil an den Krediten an Unternehmen und Selbständige, Dezember 2015 Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Die langfristige Finanzierung größerer Unternehmen können unter den regionalen Instituten meist nur Landesbanken und/oder Sparkassen sicherstellen, da viele Volks- und Raiffeisenbanken auf- grund ihrer geringen Größe nicht genug Eigenkapital aufweisen. Die dezentral konzipierte S- Finanzgruppe stellt damit auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten das Rückgrat der Unterneh- mensfinanzierung in Deutschland dar. 1.6 Garant der Mittelbeschaffung für Kommunen und Länder Der Bund kann sich effizient über die Kapitalmärkte finanzieren und tut dies auch nahezu aus- schließlich. Umgekehrt ist dies bei Gemeinden, die zur Finanzierung der Kommunalhaushalte fast zu 100 % auf direkte Darlehen angewiesen sind. Die Bundesländer betreiben eine „Mischkalkulati- 200 400 600 800 1.000 1.200 200 400 600 800 1.000 1.200 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 1315 Unternehmen Selbständige \* 20 40 60 80 100 120 140 160 20 40 60 80 100 120 140 160 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Großbanken Kreditgenossenschaften Sparkassen Reginalbanken 3 10 11 11 29 19 15 8 8 18 11 28 82 82 81 71 61 53 Realkredit- institute Sparkassen Kredit- genossenschaften Landesbanken Großbanken Regional-/ sonst. Kreditbanken über 5 Jahre bis 1 Jahr über 1 bis 5 Jahre Langfristfinanzierung im Zentrum der Unterneh- mensfinanzierung Gemeinden bauen auf Kreditfinanzierung FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 9 on“, allerdings mit dem Trend zur Kapitalmarktfinanzierung. Die hinreichende Versorgung mit klas- sischen Krediten dürfte die Voraussetzung für eine nachhaltige Finanzierung der Länder und Ge- meinden bleiben, während der Bund seine Platzierungskraft aufgrund der hohen Volumina an den Kapitalmärkten nutzen kann. Aus diesem Grund entfällt nur noch ein geringer Prozentsatz der Buchkredite an öffentliche Haushalte auf den Bund. Mit der Gründung der FMS Wertmanagement hat die Bundesebene inzwischen aber auch direkte Kreditbeziehungen zum Bankensektor. Kapitalmarktfinanzierung für Bund und Länder Gemeinden mit hohem Kreditbedarf Verschuldungsstruktur der Gebietskörperschaften am 31.12.2014 in % Buchkredite an inländische öffentliche Haushalte in Mrd. € Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Länder und Gemeinden sind die Hauptkreditnehmer aus dem öffentlichen Sektor. Dabei spielen die Gemeinden inzwischen sogar eine größere Rolle bei der Kreditnachfrage als die Bundesländer. Kommunen schultern fast 60 % der jährlichen Sachinvestitionen und sind daher auf verlässliche Partner bei der Finanzierung und im Consulting angewiesen. S-Finanzgruppe als wichtigster Finanzier der Kommunen Anteil der Bankengruppen an den Buchkrediten an öffentliche Haushalte in %, Dezember 2015 Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Banken mit Sonderaufgaben, zu denen auch regionale und überregionale Förderbanken zählen, haben durch ihren Fokus den höchsten Anteil an der Länder- und Gemeindefinanzierung durch den Bankensektor. Als Bankengruppe sind die Landesbanken und Sparkassen mit Abstand die Hauptfinanziers der Gemeinden in Deutschland mit einem Anteil von 46 %. Die Bundesländer sind mit einem Anteil von 28 % bevorzugte Kreditnehmer der Landesbanken. 1.7 Privatkunden: Verwirklichung der eigenen vier Wände Privatpersonen zählen neben den Unternehmen zu den Hauptkunden bei Kreditgenossenschaften, Regional-/sonstigen Kreditbanken, Sparkassen und Großbanken. Sie erhalten zwischen 40 % und 54 % des inländischen Kreditvolumens. Selbst bei Banken, deren Geschäftsmodell weniger auf die Privatkunden ausgerichtet ist, entfallen auf sie zwischen 8 % und 21 % der Kredite. Nahezu keine Rolle spielen sie bei den genossenschaftlichen Zentralbanken. Die Bausparkassen haben dage- gen – gemäß ihrer Zielkunden – mit einem Anteil von 86 % den höchsten Privatkundenanteil. 99% 40% 4% 1% 60% 96% Gemeinden Länder Bund Direkte Darlehen Wertpapier- verschuldung 0 50 100 150 200 250 300 0 50 100 150 200 250 300 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Gemeinden Länder Bund 25 24 22 9 9 8 2 29 28 6 22 6 4 2 Banken mit Sonderaufgaben Landesbanken Sparkassen Realkredit- institute Groß- banken Regionalbanken, sonst. Kreditbanken Geno- Sektor Gemeinden Länder 46 % der Gemeindekredite stammen von Landesban- ken und Sparkassen FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 10 Die historisch enge Bindung zu Privatkunden ist ganz besonders bei den Sparkassen und Kredit- genossenschaften zu spüren. Ihre Gründung erfolgte häufig, um Menschen mit geringem Einkom- men beim Sparen zu unterstützen und durch Kleinkredite den Weg in die Selbständigkeit oder zu den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Entsprechend hoch ist der Marktanteil bei Privatkun- denkrediten der Sparkassen mit 29 % und der Kreditgenossenschaften mit 24 %. Zusammen mit den Regional-/sonstige Kreditbanken und den Bausparkassen sind sie für die zunehmenden Pri- vatkundenkredite verantwortlich, die seit der Finanzkrise um rund 10 % gestiegen sind. S-Finanzgruppe: Marktführer bei Privatpersonen Regionale Institute bevorzugt Marktanteil bei Krediten an inländische Privatpersonen, Dezember 2015 Kredite an inländische Privatpersonen in Mrd. € Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Hauptmotivation einen Kredit aufzunehmen ist bei Privatkunden der Wohnungsbau/-kauf. Hier ist auch die Ursache für die insgesamt steigenden Privatkundenkredite zu finden. Während näm- lich die Wohnungsbaukredite der privaten Haushalte seit Anfang 2009 um 13 % zunahmen, stag- nierten die sonstigen Kredite für Privatkunden nahezu. Privatkundenkredite: Wohnungsbau getrieben … … bei allen Bankengruppen Kredite an inländische Privatpersonen in Mrd. € Kredite an inländische Privatpersonen, Anteil in %, Dezember 2015 Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Bei allen Bankengruppen mit nennenswertem Privatkundengeschäft liegt der Anteil der Woh- nungsbaukredite zwischen 60 % und 90 %. Im Durchschnitt beträgt er 80 %. Zu Anfang der 90er Jahre erreichte der Anteil rund 65 %. Die seitdem stark gesunkenen Zinsen erleichtern den Erwerb von Wohneigentum erheblich und sorgen für den anhaltenden Aufwärtstrend. Das Marktsegment Ratenkredite ist mit einem Anteil von 14 % die zweitwichtigste Kreditform. Hier sind insbesondere die Regional- und sonstigen Kreditbanken aktiv, unter denen sich auch die Kreditinstitute der Autohersteller befinden. Debitsalden auf Lohn- und Gehaltskonten spielen im Privatkundengeschäft dagegen kaum eine Rolle. Angesichts der zumeist recht hohen Zinsen für diese kurzfristige Bereitstellung von Geld ist dies im Sinne der Kunden zu begrüßen. Ein solider Finanzstatus im „Soll und Haben“ ist ein Ziel, das alle Kreditinstitute im Privatkundengeschäft ver- folgen sollten. 29% 24% 19% 10% 10% 3% 2% 2% 1% 0% Spar- kassen Kredit- genoss.- schaften Regional-/ sonstige Kredit- banken Groß- banken Bau- spar- kassen Real- kredit- institute Landes- banken Banken mit Sonder- aufgaben Zweig- stellen ausländ. Banken Genossen- schaftl. Zentral- banken 50 100 150 200 250 300 350 50 100 150 200 250 300 350 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Großbanken Kreditgenossenschaften Bausparkassen Sparkassen Regional- u. sonstige Kreditbanken 200 300 400 500 600 700 800 900 200 300 400 500 600 700 800 900 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Kredite ohne Wohnungsbau Wohnungsbaukredite 80 87 85 80 61 99 14 6 10 11 33 5 5 4 8 5 Alle Banken Groß- banken Spar- kassen Kredit- genoss.- schaften Regional- u. sonstige Kreditbanken Bau- spar- kassen Ratenkredite Debitsalden Sonstige Wohnungsbau Sparkassen und Kreditge- nossenschaften historisch wichtig für Privatkunden Wohnungsbau/-kauf Impulsgeber für Privat- kundenkredite Ratenkredite Domäne der Regional- und sonstigen Kreditbanken FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 11 2 Wirtschaftsstrukturen in Deutschland erfordern passende Lösungen 2.1 Kredite nach Branchen: Dienstleister dominieren Welche Branchen sind die Hauptkreditnehmer? Bevor diese Frage beantwortet wird, soll kurz auf die Wirtschaftsstruktur in Deutschland eingegangen werden, da sich die Gewichtung der einzelnen Branchen in den letzten Jahren erheblich gewandelt hat. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Branchenstruktur der Kreditportfolios. Bis Mitte der 90er Jahre änderte sich die Wirtschaftsstruktur Deutschlands am heftigsten. Das Produzierende Gewerbe (ohne Bau) verlor deutlich an Gewicht. Sein Anteil an der Bruttowert- schöpfung sank von 31 % im Jahr 1991 auf 26 % innerhalb von vier Jahren. Seit Beginn des neu- en Jahrtausends hatte der industriegetragene Konjunkturzyklus wieder zu einer Stärkung der In- dustrie geführt, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise nur zum Teil geschwächt wurde. Dage- gen expandierte der Bereich Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleister seit 1991 von 22 % auf 27 % (2009) fast ohne Pause. Mit der Wirtschafts- und Finanzkrise verloren die privat- wirtschaftlich geprägten Sektoren etwas an Bedeutung zu Gunsten des staatlich dominierten Be- reichs öffentliche und sonstige Dienstleister. Branchenstruktur im Wandel Dienstleister erwirtschaften 70 % der Wertschöpfung Anteil an der Bruttowertschöpfung in % Anteil an der Bruttowertschöpfung in %, 2015 \*ohne Baugewerbe Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research \*ohne Baugewerbe Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Diese gesamtwirtschaftliche Veränderung spiegelt sich in der Struktur der Kreditnehmer wider. So halbierte sich in den letzten vierzig Jahren der Anteil der Industriekredite auf 17 %. Das Gros der Kredite wird inzwischen an die Dienstleister vergeben, die ja auch einen Anteil von rund 70 % an der Bruttowertschöpfung vorweisen. Im Industrieland Deutschland mag das überraschen, aller- dings ist eine Vielzahl der Dienstleister auf das Produzierende Gewerbe ausgerichtet. Industrie tritt als Kreditnehmer in den Hintergrund Anteil der Kreditnehmergruppen bei den Krediten an inländische Unternehmen u. Selbständige, Dezember 2015 \*ohne MFIs, d. h. ohne Banken \*\*ohne Baugewerbe Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research 18 20 22 24 26 28 30 32 18 20 22 24 26 28 30 32 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Produzierendes Gewerbe\* Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information/Kommunikation Öffentl. u. sonstige Dienstleister Finanzierung, Versicherung, Grundstücks-/Wohnungswesen, Unternehmensdienstleister Produzierendes Gewerbe\* 26% Baugewerbe 5% Unternehmens- dienstleister 11% Grundstücks-/ Wohnungswesen 11% Finanzierung, Versicherung 4% Information/Kommunikation 5% Handel, Verkehr, Gastgewerbe 15% Sonstige Dienstleister 4% Öffentliche Dienstleister, Gesundheit, Erziehung 18% 11 17 20 25 18 16 14 5 7 6 16 19 18 20 15 16 49 55 47 47 49 32 9 4 6 9 9 21 Alle Banken Landesbanken Großbanken Regional-/ sonst. Kreditbanken Sparkassen Kredit- genossenschaften Produzierendes Gewerbe\*\* Baugewerbe Handel, Gastgew., Verkehr, Information/Kommunikation Finanzierung\*, Versicherung, Grundstücks-/Wohnungswesen Unternehmensdienstleister Sonstige Dienstleister Land-, Forstwirtschaft Industrieanteil gesunken, Dienstleistungssektor gewichtiger Dienstleister erhalten fast 75 % der Unternehmens- kredite FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 12 Die Kreditportfolios der Landesbanken weisen einen weitgehend durchschnittlichen Branchenmix auf, wobei der Bereich „Finanzierung (ohne Banken), Vermietung, Unternehmensdienstleister“ übergewichtet ist. Unterdurchschnittlich sind dagegen die Kreditbeziehungen zu den meist kleinen Unternehmen des Baugewerbes und der Agrarwirtschaft aufgrund der Arbeitsteilung im S-Finanz- verbund. Ähnlich verhält es sich bei den Großbanken, die wegen ihrer Institutsgröße und der Kon- zentration ihrer Standorte in diesem Geschäftsfeld weniger aktiv sind. Sparkassen und Kreditge- nossenschaften können mit ihrer Präsenz vor Ort und der genauen Kenntnis der lokalen Gege- benheiten bei den Wirtschaftszweigen mit vielen Mittelständlern und Kleinbetrieben punkten. Die Bedeutung der inländischen Immobilienwirtschaft ist im tertiären Sektor besonders hervorzu- heben. Mit einem Anteil von 28 % ist das Grundstücks- und Wohnungswesen der wichtigste Kre- ditnehmer im Unternehmenssektor. Bei Landesbanken und Sparkassen ist dieser Anteil etwas ausgeprägter, da zum einen die Immobilienfinanzierung zu ihrem Kerngeschäft gehört. Zum ande- ren bestehen enge Beziehungen zu regionalen Wohnungsunternehmen; manche sind sogar Toch- tergesellschaften. Allerdings ist der Höhepunkt der Kreditvergabe an das Grundstücks- und Woh- nungswesen überschritten. Von 1999 bis 2002 kam es zu einem rapiden Anstieg der Kredite um 27 %. Danach verharrte das Kreditvolumen unter leichten Schwankungen auf diesem Niveau. 2.2 Kredite nach Regionen: Unterschiedliche Schwerpunkte Im engeren Sinne existieren in Deutschland sieben Metropolregionen: Hamburg, Berlin-Branden- burg, Rhein-Ruhr, Frankfurt/Rhein-Main, Rhein-Neckar, Stuttgart und München. Insgesamt haben sich in Deutschland aber mit Bremen/Oldenburg, Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg, Mitteldeutschland und Nürnberg elf Metropolregionen formell gegründet. Die Analyse der Pend- lerverflechtungen führt zu den gleichen Ergebnissen wie die inzwischen amtlich anerkannten Met- ropolregionen und ermittelt 10 bis 11 Verdichtungsräume. Der Vergleich mit den europäischen Nachbarstaaten zeigt, dass dies eine hohe Anzahl ist, die mit der polyzentrischen Struktur Deutschlands begründet ist. Die Anziehungskraft dieser deutschen Metropolregionen basiert auf der hohen Unternehmenskonzentration mit einer entsprechenden Vielzahl von Arbeitsplätzen. Stammregionen der Landesbanken: Strukturelle Unterschiede ... Anteil an der Bruttowertschöpfung in %, 2014 \*ohne Baugewerbe Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Dass die Landesbanken in den größten Wirtschaftszentren Deutschlands angesiedelt sind, ist eine solide Basis für Bankgeschäfte. Dabei unterscheiden sich die Wirtschaftsstrukturen in den jeweili- gen Stammregionen der Landesbanken zum Teil erheblich. So hat die Industrie mit einem Anteil an der Bruttowertschöpfung von 35 % ein besonders großes Gewicht in Baden-Württemberg, wäh- rend sie in Hessen mit 21 % ein sehr geringes Gewicht unter den Flächenländern Deutschlands besitzt. Berlin als Bundeshauptstadt hat einen ausgeprägten Sektor mit öffentlichen und privaten Dienstleistern. Der Hamburger Hafen sorgt für einen überdurchschnittlich großen Wirtschaftsbe- reich Handel, Gastgewerbe, Verkehr. Der Finanz- und Messeplatz Frankfurt spiegelt sich in dem stattlichen Wirtschaftszweig Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleister wider. 35 29 27 24 23 21 14 13 18 20 18 21 17 22 32 21 23 26 24 27 22 33 33 31 18 19 24 23 29 20 18 31 Baden- Württemberg Bayern Nieder- sachsen NRW Neue Bundesländer Hessen Hamburg Berlin Baugewerbe Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information/Kommunikation Produzierendes Gewerbe\* Finanzierung, Grundstücks-/Wohnungswesen, Unternehmensdienstleister Öffentliche und sonstige Dienstleister Land-, Forstwirtschaft Grundstücks- und Woh- nungswesen wichtiger Kreditnehmer Sparkassen bei Mittel- ständlern als Kreditgeber gefragt 11 Metropolregionen in Deutschland Landesbanken in Wirt- schaftszentren beheimatet FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 13 ... spiegeln sich auch in der Kreditnehmerstruktur wider Anteil an den Krediten an Unternehmen und Selbständige, September 2015 \* ohne MFIs, d. h. ohne Banken \*\*ohne Baugewerbe Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Tendenziell finden sich die Wirtschaftsstrukturen auch in der Kreditnehmerstatistik wieder. Der internationale Hamburger Hafen strahlt als Logistikstandort auch auf die Nachbarländer aus, so- dass Kredite an das Verkehrsgewerbe dort eine große Rolle spielen. Der hohe Industriebesatz in Baden-Württemberg sorgt für eine entsprechend hohe Kreditnachfrage dieser Branche vor Ort. Die Bundesländer mit überdurchschnittlichem Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der Bruttowert- schöpfung, Niedersachsen und Bayern, weisen eine verstärkte Kreditvergabe an diesen Wirt- schaftsbereich aus. Die Dienstleistungsorientierung der Hansestadt Hamburg und des Bundeslands Hessen ist eindeu- tig, wobei der Bereich Grundstücks-/Wohnungswesen, Unternehmensdienstleister gut ein Viertel der regionalen Bruttowertschöpfung ausmacht. Dieser hohe realwirtschaftliche Anteil prägt auch die Kreditnehmerstruktur. Insbesondere die Immobilienwirtschaft sticht dabei hervor. Der Finanz- platz Frankfurt ist ebenfalls prägnant mit der Folge, dass in Hessen die Kreditvergabe an den Fi- nanzsektor (ohne Banken) die höchste ist; der Versicherungsstandort München bewirkt ähnliches in Bayern. Insgesamt ergibt sich ein recht differenziertes, zum Teil auch komplementäres Bild der einzelnen Bundesländer und Metropolregionen in Deutschland. Jede Region weist entweder hinsichtlich der räumlichen Einbindung und/oder der ökonomischen Struktur Alleinstellungsmerkmale auf. Damit verfügt Deutschland über diverse hochkarätige Standorte, die für sich genommen zwar nicht ver- gleichbar sind mit etwa Paris oder London. In der Summe kommen sie hinsichtlich der weltweiten ökonomischen Bedeutung allerdings weit über diese Mega-Städte hinaus. 3 Fazit: S-Finanzgruppe – wichtiger Standortfaktor für ein föderales Deutschland Dass die Bundesrepublik Deutschland ein föderaler Staat ist, steht außer Frage. Doch wie soll der Föderalismus gelebt werden? Der bundesstaatliche Aufbau ist direkt mit der Vitalität seiner Prota- gonisten verbunden. Dabei übernehmen die jeweiligen Landesregierungen eine wichtige Rolle z.B. bei der Bereitstellung der materiellen und intellektuellen Infrastruktur. Die Finanzierung derartiger Projekte wird besonders durch den öffentlich-rechtlichen Bankensektor unterstützt. Denn gerade Sparkassen, deren Geschäftsgebiet begrenzt ist, sind vom regionalen wirtschaftlichen Erfolg ab- hängig und damit besonders an der Entwicklung vor Ort interessiert. Sparkassen und Landesban- ken sind damit aus national- und regionalökonomischer Sicht essenzieller Bestandteil der Stand- ortsicherung und -entwicklung. 10 22 17 18 17 24 16 10 12 7 6 5 5 4 4 25 23 28 24 17 24 30 10 35 40 30 39 39 44 50 69 9 10 9 11 10 11 5 8 Baden- Württemberg Bayern Nieder- sachsen NRW Neue Bundesländer Hessen Hamburg Berlin Produzierendes Gewerbe\*\* Baugewerbe Handel, Gastgew., Verkehr, Information/Kommunikation Finanzierung\*, Versicherung, Grundstücks-/Wohnungswesen Unternehmensdienstleister Sonstige Dienstleister Land-, Forstwirtschaft Regionale Wirtschafts- struktur spiegelt sich in Kreditnehmerstruktur Regionale Spezialisierung schafft hochkarätige Standorte in Deutschland Sparkassen und Landes- banken stärken föderale Struktur Deutschlands FINANZPLATZ-FOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 2 6. F E B R U AR 201 6 · © HE L A B A 14 Der S-Finanzsektor hat allein durch seine Eigentümer einen stärkeren Bezug zur jeweiligen Stammregion als beispielsweise die Filiale einer international tätigen Großbank. In der Unterneh- mensfinanzierung sowie der Finanzierung von Kommunen und Ländern erreichen sie durch ihre buchstäbliche Kundennähe überdurchschnittliche Marktanteile. Diese Kundenverbundenheit ist gerade für die polyzentrische Wirtschaftsstruktur in Deutschland wichtig. Dort wo die Risikotragfä- higkeit von Sparkassen aufgrund ihrer Größe überschritten wird, sind die Landesbanken aktiv. Für den geschäftspolitischen Ansatz der Sparkassen vor Ort bleibt die Existenz der zu ihnen komple- mentären Landesbanken eine wesentliche Voraussetzung. Dabei sind Landesbanken keine homo- gene Gruppe. Jenseits einer zu beobachtenden Intensivierung des Verbundgeschäfts mit den Sparkassen differenzieren sie sich sogar zunehmend und die Geschäftsschwerpunkte sind durch regionale Eigenheiten geprägt. Als Institutsgruppe stellen Landesbanken im Verbund mit den Sparkassen ein großes und komple- xes wirtschaftliches Gebilde dar, das über lange Zeiträume entstanden ist. Ein Zuschnitt der Lan- desbanken nach dem Vorbild des genossenschaftlichen Bankensektors steht im Gegensatz zur polyzentrischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland. Die realwirtschaftliche Verankerung der Lan- desbanken ist nämlich deutlich höher: So lagen die von den Landesbanken an inländische Nicht- banken herausgereichten Kredite zuletzt bei 290 Mrd. €, während die beiden genossenschaftlichen Zentralbanken hier auf nur 26 Mrd. € kamen. Die Schaffung eines einzigen Zentralinstituts könnte schon mittelfristig zu einer Kreditverknappung führen und einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, da dann keine Identifizierung mit dem Wohlergehen der Stammregion mehr gegeben wäre. Wichtig ist auch, möglichst vielfältige Kreditkanäle offen zu halten, um den regiona- len Anforderungen gerecht zu werden. Gleichwohl kam es bereits in der Vergangenheit kontinuierlich – sowohl horizontal als auch vertikal – zu Zusammenschlüssen von Sparkassen und Landesbanken. Diese letztendlich marktgesteuer- ten Prozesse sollten nicht verhindert, sondern innerhalb des öffentlich-rechtlichen Bankensektors genutzt werden, da sie nachhaltige wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen und zur Stabilisierung des Finanzsystems in Deutschland beitragen können. Strukturveränderungen in der Volkswirt- schaft werden auch künftig die Banken herausfordern. Sparkassen und Landesbanken können dieser Aufgabe gerecht werden, wenn sie kreative und solide Lösungen entwickeln. ■ Enge Verbindung zu Heimatregion Landesbanken versus genossenschaftliche Zentralbanken Sparkassen und Landes- banken stellen sich Her- ausforderungen

S-Finanzsektor: Wichtiger Kreditgeber für Privatkunden, Unternehmen und Kommunen; passende Kreditlösungen nach regionalen Wirtschaftsstrukturen; Standortfaktor für ein föderales Deutschland.
