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title: "Finanzplatz Frankfurt bewegt sich weiter - Jubiläumsausgabe"
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updated: 2026-09-28
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# Finanzplatz Frankfurt bewegt sich weiter - Jubiläumsausgabe

FINANZPLATZ FRANKFURT BEWEGT SICH WEITER JUBILÄUMSAUSGABE Volkswirtschaft/Research Juni 2016 FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 2 Herausgeber: Helaba Landesbank Hessen-Thüringen Volkswirtschaft/Research Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Bereichsleitung Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58, 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24, Telefax: 0 69/91 32-22 44 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 3 Editorial Sehr geehrte Leserinnen und Leser, die Finanzwelt befindet sich im Umbruch, in einer Übergangsphase mit zahlreichen Herausforde- rungen. Die neue Realität des Bankgeschäfts ist gekennzeichnet durch sich verändernde Rah- menbedingungen, die einen massiven Anpassungsdruck verursachen: anhaltender Niedrig- bzw. Negativzins, steigende Regulierung und zunehmender Wettbewerb durch die fortschreitende Digi- talisierung. Dies zwingt nicht nur die Akteure zur Überprüfung und Modifikation ihrer Geschäftsak- tivitäten, auch für einen Finanzplatz ist es eine herausfordernde Zeit. Der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) als in Frankfurt verankerter Universalbank mit star- kem regionalem Fokus ist es seit langem ein zentrales Anliegen, das deutsche Finanzzentrum in seiner Fortentwicklung aktiv zu begleiten. Seit nunmehr zehn Jahren betreiben wir intensives Re- search zum Finanzplatz Frankfurt mit wechselnden Schwerpunkt-Themen und engagieren uns in der Initiative Frankfurt Main Finance. In unserer Auftakt-Studie 2006 hatten wir eine Standortbestimmung der drei größten Finanzzen- tren Europas vorgenommen. Seitdem hat sich der Finanzplatz Frankfurt weiterentwickelt. Auf die spannende Frage, wo die Main-Metropole heute im Vergleich zu London und Paris steht, gibt die vorliegende Studie Antwort. Insgesamt hat sich das deutsche Finanzzentrum in diesen schwierigen Zeiten gut behauptet und insbesondere gegenüber dem französischen besser positioniert. Dies zeigt die detaillierte Analyse anhand unserer Kernkriterien. Damit ist die relative Bedeutung der drei großen Finanzstandorte Europas nun eindeutig: London vor Frankfurt und Frankfurt vor Paris. Im weiterhin intensiven Standortwettbewerb ist es für die Main-Metropole wichtig, sich auf ihre Stärken und langfristigen Erfolgsfaktoren zu konzentrieren. In der neuen Realität des Bankge- schäfts gilt es insbesondere, Frankfurts Position als Fintech-Hub auszubauen sowie die intellektu- elle Infrastruktur mit Hinblick auf die Innovationskraft des Finanzplatzes zu stärken. FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 4 Auch künftig wird die Helaba den hiesigen Finanzstandort tatkräftig unterstützen und Finanzplatz- Research zu marktrelevanten Themen betreiben. Ähnlich wie jetzt zum Zeitpunkt unserer Jubilä- umsstudie wird es sicher auch 2026 spannend sein, die Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt im Vergleich zu seinen Wettbewerbern zu analysieren und zu bewerten. Derzeit wichtige Fragen wie Großbritanniens Verhältnis zur EU oder die Fortentwicklung des Euro sind dann vermutlich schon beantwortet. Die Finanzbranche wird in zehn Jahren längst von der Übergangs- in eine neue Wachstumsphase eingetreten sein. Herbert Hans Grüntker Vorsitzender des Vorstands der Helaba FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 5 Inhalt Editorial………………………………………………………………………………………….……...……3 Zusammenfassung……………………………………………………………….………………..............6 1 Helaba Finanzplatz-Research seit zehn Jahren ...................................................................... 8 2 Finanzplatz Frankfurt versus London und Paris .................................................................. 10 2.1 Banken .............................................................................................................................. 10 2.1.1 Status quo und Institutsanzahl ............................................................................... 10 2.1.2 Beschäftigungsprognose ........................................................................................ 13 2.2 Börsen ............................................................................................................................... 15 2.3 Finanzbezogene Bildung &amp; Forschung .............................................................................. 18 2.3.1 Angesehene Institutionen ....................................................................................... 18 2.3.2 Internationale Rankings .......................................................................................... 21 2.4 Trends in der Finanzbranche ............................................................................................. 24 2.5 Standortspezifische Qualitäten .......................................................................................... 29 2.5.1 Verkehrsinfrastruktur .............................................................................................. 30 2.5.2 Kosten für Büros und Lebensunterhalt ................................................................... 30 3 Fazit der Standortbewertung 2006/2016 ................................................................................ 32 Redaktionsschluss: 23. Mai 2016 FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 6 Zusammenfassung Seit unserer Auftakt-Studie zum Thema Finanzplatz Frankfurt im Jahr 2006 ist in der Finanzwelt viel passiert. So hat sich unsere Bewertung der drei großen Finanzplätze Europas in mancherlei Hinsicht verändert. Zur aktuellen Beurteilung von Frankfurt versus London und Paris haben wir wieder unsere fünf Kernkriterien verwendet, die wir für eine nachhaltig erfolgreiche Positionierung eines internationalen Finanzplatzes als unverzichtbar halten: Standortbestimmung der drei großen Finanzplätze Europas im 10-Jahres-Vergleich  zeigt an, dass der Finanzplatz im Sinne internationaler Wettbewerbsfähigkeit gut aufgestellt ist;  weist auf Defizite hin;  signalisiert eine Position im Mittelfeld. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Weiterhin ist London unbestritten der führende Finanzplatz in Europa. Diesmal haben wir dem britischen Finanzzentrum bei drei unserer Kernkriterien die Höchstnote gegeben und zweimal eine Platzierung im Mittelfeld. Trotz aller Anstrengungen stellt sich die Situation in der Banken- branche nun generell schlechter dar als damals, was sich auch in den Ratings der großen Institu- te niederschlägt. Dementsprechend haben wir allen drei Standorten für das Finanzplatz-Kriterium Banken eine mittlere Bewertung zugeteilt. Damit positioniert sich Frankfurt relativ gesehen jetzt besser als vor zehn Jahren, da die hiesigen Banken insgesamt nun gleichauf mit denen in Lon- don und Paris bewertet werden. Die standortspezifischen Qualitäten in London sind insbeson- dere angesichts der hohen Kosten für Büroimmobilien und Lebenshaltung nach wie vor verbesse- rungswürdig. In dieser Hinsicht rangiert die Main-Metropole eindeutig vorn. Schließlich verfügt sie über eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur verbunden mit kurzen Wegen und die Kosten für Büroflächen sowie Lebenshaltung sind vergleichsweise niedrig. Im Falle eines „Brexit“ würde London belastet, aber dennoch die europäische Nummer eins bleiben. Dies ist jedoch nicht unser Basisszenario und findet daher keinen Eingang in unsere aktuelle Smiley-Bewertung. In Kontinentaleuropa herrscht nach wie vor ein intensiver Standortwettbewerb zwischen dem deutschen und französischen Finanzzentrum. Während sich Frankfurt von 2006 auf 2016 bei einem unserer Kernkriterien verbessert und bei einem verschlechtert hat, ist Paris nun bei drei Erfolgsfaktoren schlechter eingestuft. Damit ergeben sich aktuell drei gleiche Bewertungen der beiden Standorte, in zweierlei Hinsicht schneidet die Main-Metropole besser ab. In puncto Banken sind Frankfurt und Paris nun gleichwertig. Der Konsolidierungsdruck hält an, die Anpassungen in der Branche wirken stabilisierend. Die vermehrten Regulierungs- und Auf- sichtsanforderungen stellen zwar Kosten für die Banken dar, haben aber zu einer besseren Ei- genkapitalausstattung und reduzierten Bilanzrisiken geführt. Frankfurt durchläuft im Vergleich der europäischen Bankenplätze eine recht solide Beschäftigungsentwicklung. Für Ende 2017 gehen wir von rund 62.000 Mitarbeitern in den hiesigen Bankentürmen aus, lediglich 1 % weniger als zum letztverfügbaren Stand im Herbst 2015. Dabei erweist sich die EZB als Beschäftigungsga- rant und sorgt für eine langfristige Attraktivität des Frankfurter Bankenstandorts. 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Banken       Börsen       Finanzbez. Lehre &amp; Forschung       Trends in der Finanzbranche       Standortspezifische Qualitäten       Frankfurt London Paris Autorin: Ulrike Bischoff Telefon 0 69/91 32-52 56 research@helaba.de FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 7 Neben den Banken sind Börsen von herausragender Bedeutung für einen Finanzstandort. Die Schaffung einer europäischen „Superbörse“ würde die Messlatte für die zunehmende Konkurrenz in Übersee hochhängen. Doch bei der avisierten Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange hätte der Hauptsitz gemäß Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen an Frankfurt gehen sollen. Unsere Bewertung der drei Börsenstandorte treffen wir unter der Annahme, dass die Fusion wie geplant mit Hauptsitz in London (und ohne Brexit) stattfinden wird: Londons Posi- tion würde dann weiter gestärkt, Frankfurt degradiert zu einem Nebenschauplatz einer gleichwohl im Weltgeschehen gewichtigen Börse. Paris als Teil einer Mehrländerbörse würde relativ gese- hen zur europäischen „Superbörse“ eine geringere Rolle spielen, zumal die dortige Börse über viele Jahre ihre Eigenständigkeit aufgegeben hatte. Sollte die geplante Fusion doch noch kippen, kann Frankfurt erhobenen Hauptes seinen eigenen Weg gehen. In der finanzbezogenen Lehre und Forschung hat sich Frankfurt substanziell fortentwickelt und an internationalem Ansehen gewonnen – mit weiterem Raum nach oben. Mit der komplementä- ren Kombination aus Frankfurter Goethe-Universität und Frankfurt School of Finance and Ma- nagement wird ein attraktives, hochwertiges Spektrum der Lehre und Forschung geboten. Gleichwohl hat das deutsche Finanzzentrum nicht die prestigeträchtige Tradition von Bildungsin- stitutionen vorzuweisen wie sein britisches und französisches Pendant. Doch Frankfurt könnte sein umtriebiges, zusehends wettbewerbsfähigeres Netzwerk an intellektueller Infrastruktur durchaus noch selbstbewusster präsentieren. Bei den Trends in der Finanzbranche rangiert das deutsche Finanzzentrum weiterhin im Mittel- feld, das französische hat sich verschlechtert. Heute geht es mit der Digitalisierung um ein domi- nierendes Phänomen. Der technologische Wandel des Bankwesens wird wesentlich von Fintechs sowie Internetkonzernen angeschoben. Neben dem in diesem Bereich führenden Großbritannien schneidet Deutschland recht gut ab, wohingegen Frankreich noch nicht als global vielverspre- chende Fintech-Destination gilt. Den Ausbau Frankfurts zum deutschen bzw. kontinentaleuropäi- schen Fintech-Hub gilt es mit vereinten Kräften weiterzuverfolgen. Hierbei ist die zügige Einrich- tung eines Tech-Zentrums ein wichtiger Meilenstein. Frankfurt steht nicht nur beim Kriterium Trends besser da als Paris, sondern auch bei den stand- ortspezifischen Qualitäten. Die relativ teuren Büromieten und hohen Lebenshaltungskosten in der französischen Metropole sehen wir als Standortnachteil, der auch langfristig kaum veränder- bar sein wird. Durch seine Funktion als Verkehrsdrehscheibe inklusive seiner kurzen Wege kann Frankfurt im Wettbewerb der Finanzstandorte ebenfalls punkten. Insgesamt hat sich der Finanzplatz Frankfurt in diesen schwierigen Zeiten der Finanzbranche gut behauptet. Schon 2006 hatten wir ihm mittelfristig gute Chancen auf die kontinentaleuropäische Führungsrolle attestiert. Seitdem hat sich das deutsche Finanzzentrum in vielerlei Hinsicht weiter bewegt und v.a. gegenüber dem französischen Boden gut gemacht. Damit ist die relative Bedeu- tung der drei großen Finanzplätze Europas nun eindeutig: London vor Frankfurt vor Paris. Im weiterhin intensiven Standort-Wettbewerb ist es für das deutsche Finanzzentrum wichtig, selbstbewusst seine Stärken zu leben und dies der Finanzwelt klar kundzutun. Schließlich hat die Main-Metropole viel zu bieten. Darüber hinaus gilt es, die Chancen für den langfristigen Er- folg im Finanzgeschehen aktiv zu nutzen. Zentral sind dabei die wachstumsbezogenen Standort- kriterien, die den Finanzplatz an seinen Wurzeln stärken und seine Innovationskraft fördern. So sollte Frankfurt die Weiterentwicklung zum internationalen Bildungsstandort und zum europäi- schen Fintech-Hub energisch verfolgen. Auf diese Weise wird das deutsche Finanzzentrum seine gute Position im internationalen Finanzgefüge festigen können. FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 8 1 Helaba Finanzplatz-Research seit zehn Jahren Seit nunmehr zehn Jahren betreiben wir bei der Helaba intensives Research zum Finanzplatz Frankfurt zu wechselnden Schwerpunkt-Themen: Den Auftakt machte 2006 unsere grundlegende Studie „Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich“. Fortan erschienen mehrere Publikatio- nen über die Frankfurter Auslandsbanken (inklusive eigener Umfragen) und zur Prognose der hiesigen Bankbeschäftigung. Neu war ebenfalls das von uns erstellte Ranking der größten Banken in der Main-Metropole. Auch die wichtigen Standortaspekte Besteuerung und Aufsicht wurden analysiert. In dieser Themenvielfalt und Detailliertheit gibt es in Deutschland kein vergleichbares Finanzplatz-Research. Mit unseren Studien haben wir den Frankfurter Finanzstandort im Zeitablauf begleitet. Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* Hauptsitze &amp; Repräsentanzen; \*\* 2013 statistischer Bruch In unserer Auftakt-Studie vor zehn Jahren haben wir eine Standortbestimmung der drei großen Finanzzentren Europas vorgenommen. Bei dieser komparativen Finanzplatz-Analyse Frankfurts versus London und Paris war die zugrunde liegende Fragestellung: Was sind die Wesensmerkma- le eines Finanzplatzes? Fünf Charakteristika hatten wir als unverzichtbar für die erfolgreiche Posi- tionierung im internationalen Wettbewerb identifiziert. Diese Kernkriterien lauteten: Banken, Bör- sen, finanzbezogene Bildung &amp; Forschung, Trends in der Finanzbranche, standortspezifische Qualitäten. Mittels zahlreicher Indikatoren erfolgte dann die detaillierte Bewertung von Frankfurt, London und Paris. Daraus zogen wir damals das Resümee, dass der Finanzplatz London in Euro- pa eine unangefochtene Vorrangstellung einnimmt und innerhalb Kontinentaleuropas Frankfurt und Paris um die Führungsposition konkurrieren. Dem Finanzplatz Frankfurt attestierten wir gute Chancen, mittelfristig die kontinentaleuropäische Führungsrolle zu erringen. Helaba Bewertungstableau von 2006 170 180 190 200 210 220 230 170 180 190 200 210 220 230 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013\*\* 2014 2015 2016 Hauptsitze von Banken in Frankfurt Auslandsbanken in Frankfurt\* 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Themen der Helaba-Finanzplatzstudien im Zeitablauf: Resümee 2006: London vorn, Frankfurt mit besse- ren Chancen als Paris FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 9 Seitdem hat sich der Finanzplatz Frankfurt weiter bewegt. Die spannende Frage ist nun: Wo steht die Main-Metropole heute im Vergleich zu den anderen großen Finanzstandorten Europas? Dies beantwortet en detail die vorliegende Studie, in der wir auf unsere Kernkriterien von 2006 zurück- greifen. Die zur Beurteilung herangezogenen Indikatoren sind ähnlich wie damals, teils angerei- chert mit neuen Informationen dank der mittlerweile verbesserten Datenlage. Im Fokus unserer diesjährigen Finanzplatz-Analyse steht das deutsche Finanzzentrum. Erneut geht es aber auch um die Gegenüberstellung mit den anderen beiden führenden europäischen Finanzplatz-Regionen. Als geeignete administrative Abgrenzung für die Frankfurter Finanzplatz-Region wird der Regie- rungsbezirk Darmstadt verwendet. Im internationalen Vergleich sind Größenunterschiede zu be- rücksichtigen (z.B. Fläche: Regierungsbezirk Darmstadt knapp 7.500 km² versus Île-de-France rund 12.000 km² und Großraum London knapp 1.600 km²). Schließlich tragen die Interdependen- zen zwischen den Metropolen und ihrem Umland maßgeblich zur Stellung der Finanzzentren im internationalen Wettbewerb bei. Frankfurter Finanzplatzregion mit niedrigster Bevölkerungs- und Beschäftigtenanzahl… …beeinflusst Wirtschaftskraft, in absoluter und relativer Betrachtung Mio. in 2014 Mrd. € in 2014 je Einwohner, € Quellen: Eurostat, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Eurostat, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Einwohnerzahl im Regierungsbezirk Darmstadt beträgt über 3,8 Mio. (davon Stadt Frankfurt: gut 716.000) gegenüber knapp 8,5 Mio. in London und 12 Mio. in der Île-de-France. Dementspre- chend gibt es in der Frankfurter Finanzplatz-Region insgesamt lediglich 1,8 Mio. Erwerbstätige, während im Londoner und Pariser Großraum 4,1 Mio. bzw. 5,2 Mio. Menschen beschäftigt sind. So ist das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frankfurter Raum weitaus geringer als im Londoner und Pariser (fast 180 Mrd. versus rund 510 Mrd. und knapp 650 Mrd.). Bezogen auf die Bevölke- rung liegt die Wirtschaftskraft näher beieinander. So beträgt das BIP pro Kopf im deutschen Fi- nanzzentrum 47.000 € gegenüber 60.000 € am britischen und 54.000 € am französischen. All diese regionalen Unterschiede gilt es, in den folgenden Kapiteln im Hinterkopf zu behalten. 0 2 4 6 8 10 12 14 0 2 4 6 8 10 12 14 RB Darmstadt Île-de-France London Bevölkerung Beschäftigung 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 0 100 200 300 400 500 600 700 RB Darmstadt Île-de-France London BIP absolut (linke Skala) BIP pro Kopf (rechte Skala) Fokus 2016: Kernkriterien für Finanzplatz-Region Frankfurt im Vergleich Regionale Unterschiede FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 10 2 Finanzplatz Frankfurt versus London und Paris 2.1 Banken  international gut aufgestellt  Mittelfeld  Defizite Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research 2.1.1 Status quo und Institutsanzahl Die europäische Bankenbranche ist mit großen Herausforderungen konfrontiert. Die Ertragslage wird weiterhin von den sehr niedrigen Zinsen sowie den hohen Kosten infolge verschärfter Regu- lierungs- und Aufsichtsanforderungen belastet. Neben den direkten Kosten aus dem Auf- und Umbau von Prozessen, detaillierten Berichtswesen sowie höheren Abgaben zählen dazu auch indirekte Kosten, allen voran die mit dem höheren Eigenkapitaleinsatz verbundene niedrigere Pro- fitabilität von Geschäftsaktivitäten. Obendrein werden die Geschäftsmodelle der Kreditinstitute durch die rasant fortschreitende Digitalisierung auf den Prüfstand gestellt, wobei ihnen mit den noch weitgehend unregulierten Fintechs zunehmende Konkurrenz erwächst. Die Dimension dieses grundlegenden, vieles verändernden Trends ist letztlich noch nicht absehbar (vgl. Kapitel 2.4). Wie meistern die Banken Europas diese Herausforderungen? Insgesamt ist die Lage nach wie vor angespannt, der Konsolidierungsdruck hält an. Doch die vermehrten Anforderungen haben auch zu einer Stabilisierung der Branche geführt, da die Institute ihre Eigenkapitalausstattung verbessert und Risiken in ihren Bilanzen abgebaut haben. So attestierte die Deutsche Bundesbank dem deut- schen Bankensystem Ende 2015 eine erhöhte Widerstandsfähigkeit. Zeitgleich sah die Bank of England die führenden Institute des eigenen Landes ausreichend für Krisen gewappnet. Den im Herbst 2014 veröffentlichten EZB-Stresstest haben sowohl die deutschen als auch die französi- schen Banken (mit jeweils einer Ausnahme) bestanden. Trotz der jahrelangen Anstrengungen, die die Banken unternommen haben, stehen sie jedoch in allen drei Ländern im Durchschnitt noch schlechter da als vor der Krise, was sich auch in den Ratings der großen Institute niederschlägt. Dementsprechend haben wir allen drei Standorten für das Finanzplatz-Kriterium Banken nur eine mittlere Bewertung gegeben. Damit positioniert sich Frankfurt relativ gesehen zu seinen beiden Konkurrenten nun besser als bislang, da sich die hiesigen Banken insgesamt weniger stark ver- schlechtert haben und ihre Beschäftigungsentwicklung moderater verlaufen ist (vgl. Kapitel 2.1.2). 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Banken       Frankfurt London Paris Viele Herausforderungen für die Bankenbranche Mittlere Smiley-Bewertung für alle drei Bankenplätze FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 11 Derweil manifestiert sich der Konsolidierungsprozess der europäischen Bankenbranche im konti- nuierlichen Rückgang der Institutsanzahl. In der Eurozone ist diese trotz Ausweitung des Wäh- rungsraums von 1999 bis Ende 2015 um 35 % auf unter 6.400 monetäre Finanzinstitute gesunken. Fallende Bankenanzahl in Europa Regionale Bankenkonzentration Anzahl monetärer Finanzinstitute, 1999 = 100 Anteil des Finanzplatzes an nationaler Bankenanzahl in % Quellen: EZB, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* statistische Brüche Quellen: EZB, Helaba Volkswirtschaft/Research In Deutschland hat die Bankenanzahl in diesem Zeitraum stärker abgenommen als in Großbritan- nien, aber weniger ausgeprägt als in Frankreich. Gleichwohl gab es hierzulande Ende letzten Jah- res mit 1.800 weiterhin die meisten Institute, gegenüber rund 850 in Frankreich und knapp 400 in Großbritannien. Hintergrund hierfür ist die differierende Struktur der Bankensysteme, die historisch sowie durch den jeweiligen Staatsaufbau bedingt ist. Angesichts des zentralstaatlichen Charakters von Großbritannien und Frankreich gibt es an ihren Finanzzentren eine hohe Konzentration von Instituten und einige wenige Großbanken dominieren dort. Demgegenüber ist das föderal geprägte deutsche System mit seiner vergleichsweise hohen Bankenanzahl durch Dezentralität gekenn- zeichnet. Rund drei Viertel der deutschen Banken entfallen allein auf die regional ausgerichteten Sparkassen und Volksbanken. So waren zum Jahresende 2015 lediglich rund 10 % aller Kreditin- stitute hierzulande in der Frankfurter Finanzplatzregion beheimatet, während sich die entspre- chenden Anteile in den Großräumen Paris und London auf 60 % bzw. 70 % beliefen. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat die Bankenkonzentration an allen drei Standorten etwas zugenommen. Kreditinstitute in den drei Finanzplatzregionen Kreditinstitute pro Kopf Bankenanzahl zum Jahresende Bankenanzahl je 100.000 Einwohner in Finanzplatzregion Quellen: EZB, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* Regierungsbezirk Quellen: EZB, Eurostat, Helaba Volkswirtschaft/Research; Bevölkerung Anfang 2014 Absolut betrachtet gab es in den Finanzplatzregionen, die sich weiterhin klar auf ihre Metropolen fokussieren, zuletzt die meisten Kreditinstitute in Paris mit 285, gefolgt von London mit 264 und Frankfurt mit 182. Doch die Bankenanzahl im französischen Finanzzentrum ist in den letzten Jah- ren stark geschrumpft (40 % weniger Institute als 2005). Derweil war die Institutsanzahl im Groß- raum London in diesem Zeitpunktvergleich nahezu unverändert. Umso bemerkenswerter ist das deutlich gestiegene Interesse an der Frankfurter Finanzplatzregion – ein Zuwachs der Bankenan- zahl um rund 15 % gegenüber 2005. Sowohl die Main-Metropole selbst als auch ihr Umland haben als Bürostandort für in- und ausländische Banken an Bedeutung gewonnen. Einzig im deutschen 40 50 60 70 80 90 100 40 50 60 70 80 90 100 1999 2002 2005 2008\* 2011 2014 Eurozone insgesamt Deutschland Frankreich Großbritannien 0 10 20 30 40 50 60 70 80 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Frankfurt Paris London 2015 2005 0 50 100 150 200 250 300 350 400 0 50 100 150 200 250 300 350 400 Frankfurt Umland Paris Umland Central Greater RB\* Darmstadt Île-de-France London 2015 2005 2015 Gesamt: 182 2015 Gesamt: 285 2015 Gesamt: 264 0 1 2 3 4 5 0 1 2 3 4 5 Frankfurt Paris London 2005 2015 Bankendichte einzig in Frankfurt zugenommen Strukturelle Unterschiede der drei Bankensysteme FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 12 Bankenzentrum hat damit die Bankendichte im Laufe der Jahre zugenommen. Bezogen auf die Bevölkerung wies die Frankfurter Finanzplatzregion Ende 2015 mit 48 Instituten je Mio. Einwohner den höchsten Wert auf (London und Paris 31 bzw. 25 Mio. je Einwohner). Das glamouröse Finanzzentrum London zieht nach wie vor Scharen ausländischer „Player“ an. Gleichwohl finden viele auch das bodenständigere Frankfurt und die Weltstadt Paris attraktiv. Nicht selten unterhalten Institute schlichtweg ein Büro an allen drei Standorten, um durch Präsenz vor Ort ihre Geschäfte zu fördern. Dabei kommen sie aus sehr vielen verschiedenen Ländern. Weiter- hin betrachten zahlreiche ausländische Banken Deutschland als einen ihrer Kernmärkte. Das un- gebrochene Interesse von Auslandsbanken an der Main-Metropole wird durch die hervorragenden verkehrstechnischen Möglichkeiten gestärkt, so dass sie oft als Sprungbrett in nahegelegene Län- der genutzt wird (vgl. Kapitel 2.5). Dementsprechend liegt in der Stadt Frankfurt der Anteil von Auslandsbanken an der Gesamtzahl mit über 50 % genauso hoch wie in London, Paris kommt auf gut 30 %. Das Umland des deut- schen Finanzzentrums ist für ausländische „Player“ nicht annähernd so wichtig. Schließlich wollen sie im Herzen des Frankfurter Finanzgeschehens agieren, wie auch Umfragen der Helaba bele- gen.1 Insgesamt waren Ende 2015 gemäß EZB-Definition 66 Kreditinstitute ausländischer Herkunft unmittelbar in Frankfurt angesiedelt, 73 in Paris und 115 in London (Finanzplatz-Regionen insge- samt: 69 versus 81 und 135). Verglichen mit dem Jahr 2005 war der Zuwachs an neuen Instituten am Main weniger ausgeprägt als an der Seine und erst recht als an der Themse. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Anzahl von Auslandsbanken im Frankfurter Stadtgebiet gemäß Bundesbank-Definition2 wesentlich höher lag und es hier krisenbedingt nur zu einer bemer- kenswert leichten Delle im Jahr 2010 gekommen ist. Ansonsten sind während der letzten zehn Jahre immer mehr Kreditinstitute ausländischer Herkunft in das deutsche Finanzzentrum gekom- men. So betrieben Ende 2015 rund 160 Auslandsbanken ihre Geschäfte von der Main-Metropole aus – 80 % aller hier mit Hauptsitz angesiedelten Banken. Zudem gab es über 30 ausländische Repräsentanzen. Diese werden meist zur Kontaktanbahnung vor Ort eingerichtet, mit der Perspek- tive einer späteren Vollbanklizenz. Schließlich besitzt Frankfurt eine hohe Attraktivität für internationale Akteure. Ein unschlagbares Asset des deutschen Finanzzentrums ist die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer geldpoliti- schen und aufsichtsrechtlichen Doppelfunktion. Dies verschafft Frankfurt nachhaltig viel internatio- nale Aufmerksamkeit und macht es zum „Place to be“ für zahlreiche Akteure. Die Nähe zur EZB ist ein wichtiges Argument bei der Standortentscheidung vieler in- und ausländischer Banken, wie 1 Vgl. z.B. Helaba Volkswirtschaft/Research (März 2015): „Finanzplatz Frankfurt: Aufwärts mit China“ 2 Die Banken-Definition der EZB („Monetary Financial Institution“, kurz MFI) ist enger gefasst als diejenige der Deutschen Bundesbank für Kreditinstitute. Ausländische Banken immer stärker vertreten Wachsende Attraktivität des Frankfurter Finanzplatzes Anteil Auslandsbanken in %, Ende 2015 Bankenanzahl zum Jahresende Quellen: EZB, Helaba Volkswirtschaft/Research; \*Regierungsbezirk Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research 0 10 20 30 40 50 60 0 10 20 30 40 50 60 Frankfurt Umland Paris Umland Central Greater RB\* Darmstadt Île-de- France London 2015 2005 0 40 80 120 160 0 40 80 120 160 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Repräsentanzen Ausländ. Hauptsitze statistischer Bruch Anteil Auslandsbanken in Frankfurt ebenso hoch wie in London, Paris niedriger Nähe zur EZB als wichti- ges Standortargument mit Langfristperspektive FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 13 mehrere Umfragen der Helaba belegen. So kommt es nicht von ungefähr, dass zusätzlich zum Verband der Auslandsbanken in Deutschland mittlerweile auch der europäische Bankenverband neben nationalen Branchenvertretungen Flagge am Main zeigt. 2.1.2 Beschäftigungsprognose Wie hat sich der Arbeitsmarkt an den großen drei Bankenplätzen Europas innerhalb der letzten Jahre entwickelt? Nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 kam es generell zu einem spürbaren Personalabbau in der Finanzwelt. Die Dynamik war an den einzelnen Bankenzentren jedoch höchst unterschiedlich. Dies belegen offizielle Daten der statistischen Ämter, bei denen allerdings differierende Abgrenzungen zugrunde liegen. Demnach erfolgte in Paris ein jahrelanger kontinuierlicher Personalabbau, der von 2008 bis Ende 2013 rund 8 % ausmachte (letzter Stand: 145.400 Beschäftigte im Finanz- und Versicherungsgewerbe). Beeinflusst vom flexibleren britischen Kündigungsrecht gab es im Londoner Finanzsektor starke Schwankungen der Personalkapazitäten: So folgten auf die Kündigungswelle nach Krisenausbruch schon bald wieder viele Neueinstellungen, bevor 2013/2014 erneut konsolidiert wurde. 2015 wur- den von den dortigen Großbanken vor allem im Investmentbanking umfangreiche Entlassungen angekündigt und angegangen, während es in der Finanzindustrie insgesamt zu einem kräftigen Personalaufbau kam. Ende letzten Jahres gab es im Londoner Bankensektor schätzungsweise rund 144.000 Beschäftigte bzw. in der Finanzbranche fast 400.000. Dynamik in London ausgeprägt, Abwärtstrend in Paris Überschaubare Personalanpassungen in Frankfurt Beschäftigung im Finanz- bzw. Bankgewerbe (Jahresendstände)\*, 2008 = 100 % Anzahl Bankbeschäftigte im Stadtgebiet \* Frankfurt: Banken (2015: Herbstquartal) versus London und Paris: Finanzindustrie; Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, ONS, INSEE, Helaba Volks- wirtschaft/Research \* statistischer Bruch durch betriebliche Umschlüsselung; Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/ Research Im Vergleich zu den anderen beiden Bankenzentren hat Frankfurt eine recht solide Beschäfti- gungsentwicklung durchlaufen. Seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise 2008 ist in den Banken- türmen der Main-Metropole eine wellenförmige Personalanpassung zu beobachten: Auf die leichte Konsolidierung bis Mitte 2010 folgten zahlreiche Neueinstellungen, bevor es im ersten Halbjahr 2013 zur erneuten Gegenbewegung kam – allerdings wieder nur vorübergehend. Abstrahiert von einem statistischen Sondereffekt zum Jahresbeginn 2014 hat die Frankfurter Bankbeschäftigung in den letzten Quartalen seitwärts gependelt. Im Herbst 2015 gab es am deutschen Finanzzentrum rund 62.500 Bankmitarbeiter. Dies entspricht über 11 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäf- tigten, ein tendenziell zurückgehender Anteil (Ende 2006: rund 13 %). Der Ausbau der EZB zum obersten europäischen Banken-Aufsichtsorgan hat maßgeblich zur Stabilisierung des Frankfurter Bankenarbeitsmarktes beigetragen. Um ihre neue Aufgabe Ende 2014 in Angriff nehmen zu können, wurden zunächst rund 1.000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Damit aber nicht genug. Nachdem die EZB 2015 weiter als Beschäftigungsgarant am Finanzplatz gewirkt hat, bleibt sie auf Expansionskurs. Nicht nur die Historie der Zentralbank wie auch anderer EU-Institutionen legt eine sukzessive Zunahme des Mitarbeiterbestandes nahe. Bis 2017 hat sie eine Aufstockung um rund 250 Beschäftigte verkündet, um dem größer als erwarteten Arbeitsauf- wand gerecht zu werden. Dies zieht tendenziell auch einen höheren Personalbedarf bei den von 90 94 98 102 106 90 94 98 102 106 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Frankfurt London Paris 60.000 61.000 62.000 63.000 64.000 65.000 -4 -2 0 2 4 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014\* 2015 2016 2017 gg. Vorjahr (l.S.) Frankfurter Bankbeschäftigte (rechte Skala) gg. Vor- quartal (l.S.) Krisenbedingter Personal- abbau in Paris versus Schwankungen in London Frankfurt profitiert weiter vom Sonderfaktor EZB FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 14 der EZB direkt beaufsichtigten Instituten nach sich. So dürften sich diese mittlerweile rund 130 in- und ausländischen Banken und ihre Interessensvertreter ebenfalls noch etwas stärker am deut- schen Finanzplatz positionieren. Zudem steigert Frankfurts Stellung als erster Renminbi- Handelsplatz der Eurozone seine Attraktivität für internationale „Player“ – ein Image-Gewinn für den Standort mit Langfristwirkung. Auch die Robustheit der deutschen Konjunktur unterstützt den hiesigen Bankenarbeitsmarkt: Für 2016 und 2017 erwarten wir in Deutschland ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um real 1,7 % bzw. 1,5 %. Erfahrungsgemäß führt eine gute Konjunkturentwicklung in einzelnen Ge- schäftsbereichen der Kreditinstitute zu vermehrtem Personalbedarf. Damit liegt die deutsche Wachstumsrate u.E. in etwa auf dem Niveau Frankreichs (je 1,5 %), wo sich ebenfalls eine Kon- junkturerholung vollzieht, und unter derjenigen Großbritanniens mit seinem allerdings nachlassen- den Schwung (2,2 % bzw. 1,8 %). Deutschland ist jedoch die mit Abstand größte Volkswirtschaft von den dreien. Zudem ist die tiefgehende realwirtschaftliche Verankerung des Finanzplatzes Frankfurt als komparativer Vorteil im europäischen Standort-Wettbewerb zu sehen. UK: Höchstes Wachstum, deutlichste Abschwächung Filialabbau in Deutschland BIP, % gg. Vj. Anzahl deutscher Bankfilialen\* \* kalenderbereinigt; p = Prognose Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research \* inklusive Deutscher Postbank Quellen: Deutsche Bundesbank, Helaba Volkswirtschaft/Research Der Konsolidierungsprozess am deutschen Bankenzentrum wird regulierungs- und konjunkturbe- dingt abgemildert. Schließlich besteht Personalbedarf, um ausgewählte Geschäftsbereiche mit Wachstumspotenzial dank der recht stabilen deutschen Konjunktur auszubauen sowie der Vielzahl neuer Regulierungs- und Aufsichtsanforderungen gerecht zu werden. Obendrein ist Frankfurt nur begrenzt von der sich seit Anfang der 90er Jahre vollziehenden Filialausdünnung betroffen, die durch die Digitalisierung neue Schubkraft erhalten hat (vgl. Kapitel 2.4). Denn die Reduktion im Filialgeschäft findet eher in der Fläche Deutschlands statt, während in der Main-Metropole Kon- zernzentralen das Schwergewicht bilden. Die wirkliche Stimmung in den hiesigen Bankentürmen ist nicht einfach auszumachen. Die volatile Seitwärtsbewegung entsprechender Indikatoren spricht mal für Stellenstreichungen, mal für die Schaffung neuer Jobs – und dies trotz der mannigfaltigen Herausforderungen für die Branche. Im Rahmen von Kostensenkungsprogrammen zur Effizienzsteigerung werden schmerzhafte Ein- schnitte auch beim Personal vollzogen. Doch gleichzeitig gibt es Institute, die neu an das deutsche Finanzzentrum kommen, die ihre Kapazitäten gerade hier ausweiten oder sich konsolidierungsbe- dingt stärker auf ihre Konzernzentrale am Main fokussieren. Der EU-Austritt Großbritanniens („Brexit“) würde dies forcieren, was allerdings nicht unser Basisszenario ist (vgl. Kapitel 3). Summa summarum gehen wir somit bis Ende 2017 von überschaubaren Personalanpassungen am deut- schen Bankenzentrum aus, so dass es dann rund 62.000 bzw. 1 % weniger Bankmitarbeiter geben dürfte als zum letztverfügbaren Stand Herbst 2015. Damit erweist sich Frankfurt im internationalen Vergleich einmal mehr als solider Finanzstandort. 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 2014 2015 2016p 2017p Deutschland\* Frankreich Großbritannien 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 1995 2000 2005 2010 2015 Ende 2017 rund 62.000 Frankfurter Bankbeschäftigte Deutsche Volkswirtschaft stärkt Finanzstandort FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 15 2.2 Börsen  international gut aufgestellt  Mittelfeld  Defizite Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Neben den Banken sind Börsen von herausragender Bedeutung für einen Finanzstandort. In der weltweiten Börsenlandschaft hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Konkurrenz in Nordamerika und Asien müssen sich die europäischen Börsen- konzerne gut positionieren. So haben die großen drei Finanzplätze Europas verschiedentlich mit- einander angebandelt, wobei auch andere Börsenstandorte involviert waren. Dabei kamen einige Fusionen bzw. Übernahmen zustande, manche scheiterten oder wurden wieder gelöst. Wandel der europäischen Börsenlandschaft in den letzten zehn Jahren LSE = London Stock Exchange, NYSE = New York Stock Exchange, ICE = Intercontinental Exchange Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Börsen       Frankfurt London Paris Deutsche Börse Euronext LSE Borsa Italiana 2007 NYSE 2007 NYSE Euronext ICE 2013 NYSE Euronext 2014 2008 / 2011 / 2012 2006 Geplante Fusion Zusammenschluss Gescheiterter Plan Börse essenziell für Finanzplatz FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 16 Damit Europa im globalen Börsengeschehen weiterhin eine bedeutende Rolle spielt, wäre die Schaffung einer eigenen „Superbörse“ prinzipiell wünschenswert und mikroökonomisch sinnvoll. Durch die nun avisierte Fusion von Deutsche Börse und London Stock Exchange würde die Mess- latte für die Konkurrenz in Übersee hochgehängt und andere europäische Börsen wie die Euronext würden an Bedeutung verlieren. Da es sich um zwei attraktive Unternehmen mit komparativen Stärken handelt, könnten signifikante Effizienzgewinne erzielt werden. Zusammen kamen die bei- den Börsenkonzerne Ende letzten Jahres auf einen Marktwert von knapp 29 Mrd. €, womit sie zum weltweit zweitgrößten Betreiber aufsteigen würden (nach der US-Terminbörse CME und vor der Börse Hongkong). Gemäß der bisherigen Marktkapitalisierung ihres Unternehmens, das bei den Frankfurtern Ende 2015 mit fast 16 Mrd. € höher lag als bei den Londonern mit 13 Mrd. €, sollte der Hauptsitz der neuen europäischen „Superbörse“ eigentlich in der Main-Metropole sein. Schließlich messen die Marktteilnehmer der Deutschen Börse im europäischen Finanzplatz- Vergleich damit die größte Bedeutung zu. Mit ihrem zukunftsträchtigeren Geschäftsmodell inklusi- ve moderner Technologie gilt sie als besser aufgestellt. Dementsprechend selbstbewusst hätten die Frankfurter in der Standortfrage auftreten können, was langfristig wichtiger ist als die personel- le Besetzung. Denn Menschen kommen und gehen – der Standort bleibt. Insofern würde der Frankfurter Börsenplatz durch die „Eingemeindung“ aus London degradiert, der hiesige Einfluss wäre begrenzt und es würden Arbeitsplätze am Main wegfallen. Noch kann die Fusion allerdings kippen, entweder durch eine Konkurrenzofferte oder aufgrund kartell- und börsenrechtlicher Ein- wände (inter-)nationaler Aufsichtsinstanzen. Im Falle eines „Brexit“ ändert sich die Ausgangslage, da dies den Hauptsitz der „Superbörse“ oder gar die gesamte Fusion in Frage stellen könnte, was allerdings nicht unser Basisszenario ist.3 Marktwert der Börsen versus… …Marktkapitalisierung gelisteter Unternehmen Marktkapitalisierung des Unternehmens in Mrd. € zum Jahresende Mrd. € zum Jahresende \*Zusammenschluss mit Borsa Italiana im Herbst 2007 Quellen: Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research \*Zusammenschluss mit Borsa Italiana im Herbst 2007 Quellen: World Federation of Exchanges, London Stock Exchange, Helaba Volks- wirtschaft/Research Verglichen mit den beiden europäischen Hauptkonkurrenten ist die Mehrländerbörse Euronext mit einer Marktkapitalisierung von gut 3 Mrd. € weitaus geringer bewertet. Paris ist dabei einer von mehreren Standorten (Hauptsitz Amsterdam), allerdings mit der höchsten Mitarbeiterzahl. Insofern sind die Kennzahlen der Euronext lediglich partiell dem französischen Standort zuzuschreiben und die Vergleichbarkeit mit den anderen beiden großen Finanzplätzen begrenzt. Die 2007 mit der amerikanischen Nyse erfolgte Fusion zum ersten transatlantischen Börsenbetreiber, die mit einem deutlichen Umbau und Bedeutungsverlust für den Börsenstandort Paris einherging, wurde 2014 rückgängig gemacht. Zwischenzeitlich war ein Zusammengehen mit der Deutschen Börse mehr- mals angedacht – dies wäre bei Federführung des Frankfurter Unternehmens auch heute noch eine durchaus lohnende Fusion. Die Euronext plant nun Übernahmen bzw. Beteiligungen an ande- ren Börsenunternehmen und führt derzeit mit dem Clearinghaus CCP entsprechende Gespräche. Im zehnjährigen Rückblick ist der eigene Marktwert der Börsen in Frankfurt und London erheblich gestiegen, einzig bei der Euronext ist er gesunken. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung der an den 3 Vgl. Helaba Volkswirtschaft/Research (März 2016): „Großbritannien: Sein oder Nichtsein in der EU“ 9,2 4,9 2,3 15,7 3,3 13,0 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 Deutsche Börse Euronext London Stock Exchange\* 2005 2015 1.019 2.295 2.766 1.570 3.026 2.845 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 Deutsche Börse Euronext London Stock Exchange\* 2005 2015 „Superbörse“ mit Hauptsitz in Frankfurt angemessen Paris aufgewertet durch Abspaltung von Nyse FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 17 drei großen Börsen gelisteten Unternehmen sieht die Relation weiterhin anders aus, da börsenno- tierte Aktiengesellschaften hierzulande weiterhin nicht ganz so verbreitet sind. So lag die Marktka- pitalisierung aller Titel der Deutschen Börse zum Jahresende 2015 niedriger als an der London Stock Exchange und an der Euronext (knapp 1,6 Bill. € gegenüber mehr als 2,8 Bill. € und gut 3 Bill. €). Allerdings haben die Frankfurter den Abstand zu London über die Jahre etwas verringern können. Wie an diesem und anderen Indikatoren deutlich wird, spielt der britische Börsenstandort in Europa unbestritten eine besondere Rolle. Doch am deutschen Finanzzentrum ist einiges los: Im vergangenen Sommer hat sich die Deutsche Börse durch zügige Expansionsschritte hervorgetan, als sie gleich zwei Indexanbieter sowie die weltweit erfolgreiche Devisenhandelsplattform 360T aufkaufte. Mit dieser großvolumigen Transak- tion in ein Fintech-Vorzeigeunternehmen haben die Frankfurter ihre Position im internationalen Börsengeschehen verbessert und sind 2015 gleichzeitig zum wichtigsten Financier der deutschen Start-Up-Szene avanciert. Darüber hinaus hat die Deutsche Börse mit dem „Venture Network“ eine Investitionsplattform geschaffen, die bereits nach knapp einem Jahr von 75 Unternehmen und 150 Investoren genutzt wird. Seit Frühjahr 2016 stellt sie nahe des Bankenviertels kostenlos Räumlich- keiten zur Verfügung, damit Start-Ups neue Ideen und Unternehmenskonzepte entwickeln können. Diese strategische Ausrichtung ist ein wichtiges Signal an die Finanzwelt, denn die Digitalisierung in der Banken- wie auch Börsenwelt schreitet voran – ein weitreichendes, viel veränderndes Phä- nomen (vgl. Kapitel 2.4). Pannen an europäischen Börsenplätzen:\* Euronext vorne weg Ausfallzeit in Minuten Quellen: ESMA, Helaba Volkswirtschaft/Research; \*Fokus auf die großen drei Finanzplätze Allerdings birgt die rasante technologische Entwicklung auch Risiken. Die Börsenbetreiber sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, dass ihre Systeme immer größere und komplexere Da- tenmengen verarbeiten müssen. Binnen weniger Jahre entstand durch spitzentechnologische Innovationen der Hochfrequenzhandel, bei dem die menschlichen Interventionsmöglichkeiten äu- ßerst begrenzt sind. So ist in den vergangenen Jahren die Anzahl von Börsenpannen weltweit spürbar gestiegen – mit entsprechenden Kosten für die Börsenbetreiber. Hinsichtlich der von uns betrachteten drei großen Finanzzentren Europas gab es die häufigsten Störungen und Ausfälle an der Nyse Euronext, weniger in Frankfurt oder London. Der technologische Fortschritt wird die Bör- senbetreiber ebenso wie andere Finanzplatz-Akteure weiter herausfordern. Unsere Smiley-Bewertung der drei Börsenstandorte treffen wir unter der Annahme, dass die Fusi- on zur europäischen „Superbörse“ wie geplant mit Hauptsitz in London (und ohne „Brexit“) stattfin- den wird: Londons Position würde damit weiter gestärkt, Frankfurt degradiert zu einem Neben- schauplatz einer gleichwohl im Weltgeschehen gewichtigen Börse. Auch Paris ist Teil einer Mehr- länderbörse, die unter jahrelanger amerikanischer Leitung an Bedeutung eingebüßt hat. Mittlerwei- le wurde diese zwar durch die Abspaltung wieder aufgewertet, relativ gesehen zur neuen deutsch- britischen Börse würde sie in Europa aber eine geringere Rolle spielen. 0 50 100 150 200 250 300 0 50 100 150 200 250 300 Nov 2009 Okt 2010 Feb 2011 Jun 2011 Mai 2012 Jul 2012 Nov 2012 Jan 2013 Mrz 2013 Jun 2013 Aug 2013 Jun 2014 Ausfall Störung Deutsche Börse (inkl. Eurex) London Stock Exchange NYSE Euronext Deutsche Börse aktiv im Digitalisierungsprozess Bewertung unter Annahme von „Superbörse“ FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 18 2.3 Finanzbezogene Bildung &amp; Forschung  international gut aufgestellt  Mittelfeld  Defizite Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research 2.3.1 Angesehene Institutionen Eine gute Humankapitalbasis ist essenziell für die Innovationskraft eines Finanzplatzes und damit für seine nachhaltig erfolgreiche Positionierung im internationalen Wettbewerb. Im Herzen der Main-Metropole sind zwei große Lehr- und Forschungseinrichtungen aktiv, die innerhalb der letz- ten Jahre Auftrieb erlebt und in der Finanzwelt zusehends an Bedeutung gewonnen haben. Zum einen gibt es die mittlerweile auf dem Campus Westend angesiedelte staatliche Goethe- Universität mit ihrer hundertjährigen Geschichte. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Uni, der eng mit der hiesigen Business School verzahnt ist, gilt aufgrund seiner For- schungsstärke und Wirtschaftsnähe als einer der angesehensten hierzulande. Im Gegensatz zu anderen Top-Hochschulen liegt der Schwerpunkt auf dem klassischen Bachelor- und Master- Abschluss. Zum anderen residiert die Frankfurt School of Finance and Management im Osten der Stadt, deren Anfänge fast 60 Jahre zurückreichen (vormals Bankakademie). Sie ist mittlerweile eine private Stiftungshochschule mit Promotionsrecht geworden. Gezielt hat die Frankfurt School in den letzten Jahren ihre Position als Business School nach amerikanischem Vorbild ausgebaut, was nun eine räumliche Erweiterung auf einem neuen Campusgelände nach sich zieht. Insgesamt reicht das finanzbezogene Angebotsspektrum Frankfurts von Bachelor- und Masterstudiengängen über PhD-Programme/Promotionen bis hin zu Weiterbildungsmöglichkeiten für Fach- und Füh- rungskräfte. Damit verfügt die Main-Metropole unweit ihres Bankenviertels über zwei sich dyna- misch entwickelnde, qualitativ hochwertige Institutionen, deren unterschiedliche Ausrichtung zu einer guten Gesamtabdeckung unmittelbar am Finanzstandort führt. Vor den Toren Frankfurts befindet sich zudem die European Business School (EBS) Universität mit den Standorten Oestrich-Winkel und Wiesbaden, die als Pionier unter den deutschen Business Schools gilt. Ebenso kommen maßgebliche Impulse für die Innovationskraft des deutschen Fi- nanzzentrums aus dem nahe gelegenen Mannheim, das sich gleichermaßen mit seiner traditions- reichen Universität und der daraus hervorgegangenen Business School in der deutschen Spitzen- gruppe profiliert hat. Diese beiden Bildungsinstitutionen zählen wir zur intellektuellen Infrastruktur der Frankfurter Finanzplatzregion, aus internationaler Perspektive liegen sie gewissermaßen in gut 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Finanzbez. Lehre &amp; Forschung       Frankfurt London Paris Frankfurt: Vor Ort zwei wichtige Hochschulen… …und zwei in „Vororten“ FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 19 angebundenen „Vororten“ Frankfurts. Schließlich spielen sie eine wichtige Rolle bei der Rekrutie- rung von Talenten für die hiesige Finanzindustrie und ihre Entfernung zur Main-Metropole ist ver- gleichbar mit ihren Pendants nahe London oder Paris. Business Schools an den Finanzplätzen Entfernung (Luftlinie) und Fahrtzeit im Auto (gerundet) BS = Business School, EBS = European Business School, F&amp;M = Finance &amp; Management, ESSEC = École supérieure des sciences économiques et commerciales, IESEG = Institut d'Economie Scientifique et de Gestion, HEC = École des hautes études commerciales, INSEAD = Institut Europeen d’Administration des Affaires, LBS = London Business School; Quellen: Google Maps, Helaba Volkswirtschaft/Research Entsprechend wird die Finanzbranche an Themse und Seine maßgeblich von jeweils fünf großen Business Schools aus der Region befruchtet, deren traditionsreiche Namen für sich selber spre- chen und die sich fortwährend weiterentwickeln. Davon ragen insbesondere die London Business School bzw. das in Paris gelegene INSEAD heraus, spielen sie doch in der Weltliga. Im Übrigen gibt es an den drei europäischen Finanzstandorten neben Business Schools bedeutende wirt- schaftswissenschaftliche Hochschul-Abteilungen (Economic Departments). Economic Departments an den Finanzplätzen Entfernung (Luftlinie) und Fahrtzeit im Auto (gerundet) INSEAD = Institut Europeen d’Administration des Affaires, LSE = London School of Economics, LBS = London Business School, UCL = Univercity College London; Quellen: Google Maps, Helaba Volkswirtschaft/Research Frankfurt befindet sich in einem dynamischen Aufholprozess: Die Reputation als internationaler Wissenschafts- und Forschungsstandort für die Finanzwirtschaft hat über die Jahre zugenommen, das Angebotsspektrum zur Aus- und Weiterbildung ist breiter und höherwertiger geworden. So sind die Frankfurter Hochschulen am Puls der Zeit und leisten beispielsweise einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Main-Metropole zum Fintech-Hub (vgl. Kapitel 2.4). Mittlerweile sind am deutschen Finanzzentrum viele Professoren von Rang und Namen tätig, oft sind prominente Vertreter aus Wirtschaft und Politik als Redner zu Gast. Die Veröffentlichung von Frankfurter For- schungsergebnissen in international renommierten Fachzeitschriften hat deutlich zugenommen. Marketing-Aktivitäten wie auch der vermehrte Gebrauch der Wirtschaftssprache Englisch haben ihr Übriges getan und das Interesse von Studierenden an der Main-Metropole im In- und Ausland wachsen lassen. Im Wintersemester 2015/2016 waren insgesamt über 6.500 Studenten allein in den entsprechenden akademischen Programmen von Goethe-Universität und Frankfurt School of Finance and Management eingeschrieben – rund 40 % mehr als acht Jahre zuvor und weiterhin Frankfurt Paris London EBS Wies- baden Mann- heim BS Goethe BS Frankfurt School F&amp;M ESSEC INSEAD IESEG HEC Télécom BS 2 km | 15 min 2,4 km | 15 min 30 km | 50 min 12 km | 40 min 25 km | 40 min Henley BS Ashridge BS Imperial College London LBS Cass BS 3 km | 15 min 4 km | 20 min Frankfurt Paris London Uni Mann- heim Goethe Uni INSEAD 2,4 km | 15 min 4 km | 20 min 2 km | 15 min Cass Imperial College London LBS ° &amp; UCL LSE 1 km | 10 min 4 km | 20 min Sciences Po School of Eco- nomics Panthéon Sorbonne 4 km | 20 min Queen Mary 3 km | 15 min 4 km | 25 min Frankfurter Netzwerk verdichtet sich zusehends London &amp; Paris: Je fünf namhafte Einrichtungen FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 20 fast ein Viertel davon ausländischer Herkunft. Dabei übersteigt die Bewerberzahl die zur Verfü- gung stehenden Studienplätze um ein Vielfaches. Dass Frankfurt in der finanzbezogenen For- schung und Lehre nun mehr Aufmerksamkeit zuteilwird, spiegelt sich auch im wachsenden Netz- werk von Partnerinstitutionen in Wissenschaft und Praxis wider. So gibt es immer mehr For- schungskooperationen und Austauschprogramme sowie Vermittlungen von „High Potentials“. Seit Jahren kommen immer mehr Studenten an den Main Anzahl Studierende im Wintersemester (ohne Gasthörer)\* Text \* Frankfurt School mit Gasthörern und 2015 Sommersemester Quellen: Statistisches Jahrbuch Frankfurt, Hochschulen, Helaba Volkswirtschaft/Research Die hohe Qualität der Lehr- und Forschungseinrichtungen im erweiterten Frankfurter Einzugsgebiet zeigt sich in den zahlreichen Akkreditierungen seiner Einrichtungen, was für die internationale Anziehungskraft wichtig ist. In diesem Zusammenhang sind auch die Kooperationen des in Frank- furt beheimateten Ablegers des Instituts Chartered Financial Analyst (CFA) beachtenswert, der ein international renommiertes Postgraduierten-Studium für Investment Manager und Finanzanalysten anbietet. Zum weltumspannenden Netzwerk von Partnerhochschulen des CFA Programms gehö- ren in Deutschland Frankfurt, Mannheim und Wiesbaden, genauso wie drei Top-Universitäten in London sowie sechs in Paris. Mit dem House of Finance besitzt Frankfurt eines der größten Forschungszentren für finanzwirt- schaftliche und monetäre Themen in Europa, dessen enge Verflechtung mit der Praxis auch im Engagement der Finanzindustrie einschließlich EZB und Deutscher Börse zum Ausdruck kommt. Unter einem Dach finden sich hier verschiedene universitäre Abteilungen nebst Business School und Graduiertenkolleg, mehrere Forschungsinstitute wie das Center for Financial Studies und das Exzellenzzentrum SAFE (Sustainable Architecture for Finance in Europe). Unterstützt vom Bun- desland Hessen führt SAFE unabhängige Forschung und Politikberatung für Deutschland und die EU durch, um eine nachhaltige Finanzarchitektur zu fördern. In den letzten Jahren haben Bera- tungstätigkeiten auf dem Campus Westend deutlich an Momentum gewonnen, viele Professoren sind mittlerweile in nationalen und internationalen Gremien tätig. Dies verschafft dem Diskurs Schubkraft und birgt Potenzial für Frankfurts weiteren Aufstieg im europäischen Netzwerk der finanzbezogenen Lehre und Forschung. Bedeutende Forschungszentren Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research 0 500 1.000 1.500 2.000 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Goethe-Universität: Wirtschaftswissenschaften gestrichelt jeweils: Ausländer (rechte Skala) Frankfurt School of Finance &amp; Management Frankfurt London Paris EZB CEPR OECD BBK BoE BdF ZEW CREST House of Finance mit weitreichender Bedeutung FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 21 An allen drei Standorten werden zudem im Rahmen von Think Tanks rege Diskussionen über Finanzplatz-Themen geführt und entsprechende Konferenzen veranstaltet. Forschungsabteilungen sind bei den nationalen Zentralbanken Deutsche Bundesbank, Bank of England und Bank de France eingerichtet (BBK, BoE, BdF) sowie bei den internationalen Institutionen Europäische Zent- ralbank (EZB), Centre for Economic Policy Research (CEPR), Organisation for Economic Co- operation and Development (OECD). Darüber hinaus ist nicht weit von der Main-Metropole entfernt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beheimatet, ähnlich wie in Paris das Centre de Recherche en Économie et Statistique (CREST). Mit der EZB in ihrer Doppel- funktion als Zentralbank und Aufsichtsorgan spielt Frankfurt eine besondere Rolle in der Finanz- welt. 2.3.2 Internationale Rankings Trotz signifikanter Verbesserung der finanzbezogenen Lehre und Forschung in der Frankfurter Finanzplatz-Region liegen London und Paris gemessen an den Bewertungen in internationalen MBA-Rankings weiterhin vorn. Allerdings ist bei Rankings generell zu berücksichtigen, dass es erhebliche Veränderungen im Zeitablauf gibt und die Einstufungen unmittelbar von den jeweils zugrundeliegenden Bewertungsmaßstäben abhängen, so dass sie mehr als grobe Richtschnur denn als umfassendes Urteil anzusehen sind. Manch eine Universität wird gar nicht ins Ranking einbezogen, wenn sie nicht mit den Auswahlkriterien kompatibel ist. Internationale und europäische Rankings von Business Schools 2015 \* zzgl. weiterer Platzierungen aller drei Standorte in spezielleren globalen FT-Rankings, internationale MBA-Ranking von 2016 Quellen: The Economist, Financial Times, Bloomberg, Helaba Volkswirtschaft/Research Da z.B. der Master an der Goethe Business School ausschließlich berufsbegleitend im Bereich Corporate Finance angeboten wird, taucht er in den auf Vollzeit-Master fokussierten Bewertungen einiger Rankings nicht auf, sondern nur in einem speziell abgegrenzten Ranking (vgl. Chart S. 22). Schließlich kommt dem klassischen Abschluss der Universität Frankfurt auf dem Campus Westend weiterhin eine besondere Bedeutung zu, während sich die Business-School-Spezialisierung der Frankfurt School of Finance &amp; Management mittlerweile in einer ansehnlichen internationalen Plat- zierung niederschlägt. Economist MBA World Bloomberg MBA International London London Business School 24 2 3 / 1 Cass Business School 54 - 37 / 21 Henley Business School 22 --/ 35 Ashridge Business School ---/ 48 Imperial College Business School - 20 35 / 12 Paris INSEAD Business School 8 3 1 / 3 HEC School of Management 5 10 15 / 2 ESSEC École supérieure des sciences économiques et commerciales -- - / 16 IESEG School of Management ---/ 58 Télécom Business School ---/ 66 - Frankfurt Goethe Business School ---/- Frankfurt School of F&amp;M ---/ 60 EBS Business School ---/ 51 Mannheim Business School 38 17 49 / 18 Financial Times\* Global MBA / European MBA-Rankings: London und Paris vor Frankfurt FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 22 Master-Ranking für Corporate Finance in West-Europa\* Platzierung einzelner Einrichtungen nach Finanzstandort \* zzgl. weiterer Platzierungen für Business Schools der Frankfurter Finanzplatzregion in anderen Feldern dieses Ranking-Anbieters Quellen: Eduniversal (2015/ 2016), Helaba Volkswirtschaft/Research Anders sieht es hingegen bei der Bewertung der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilungen aus, wo einige der britischen und französischen Universitäten nicht in den Rankings zu finden sind oder nur mäßig abschneiden. Eindeutig sticht hier die London School of Economics positiv hervor, in Paris die gleichnamige Einrichtung. Die Frankfurter und Mannheimer Universitäten rangieren da- gegen auf mittleren bis hinteren Plätzen. Internationale und europäische Rankings von Economic Departmens Quellen: Tilburg Universität (2008-2012), QS University (2015), RePEc = Research Papers in Economics (2016), Helaba Volkswirtschaft/Research Ein wichtiger Grund für das im internationalen Vergleich eher mäßige Abschneiden der Frankfurter Bildungsinstitutionen dürfte in den historisch angelegten Unterschieden nationaler Bildungssyste- me liegen. Der in der angelsächsisch geprägten Finanzwelt favorisierte Master of Business Admi- nistration (MBA) begann sich in Deutschland erst in den 1990er Jahren zu entwickeln, da ein wirt- schaftswissenschaftliches Diplom zuzüglich Promotion hierzulande traditionell den Weg zu einem Job in der Finanzbranche ebnete. So besitzt der deutsche Business-School-Zweig noch sichtlich Wachstumspotenzial in Europa – allerdings in einem international umkämpften Markt, wo die Kon- kurrenz nicht zuletzt durch ihr langjähriges Prestige oftmals mit anderen finanziellen Möglichkeiten ausgestattet ist. Summa summarum hat sich die intellektuelle Infrastruktur am deutschen Finanzzentrum in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt und an internationalem Ansehen gewonnen – mit weiterem Raum nach oben. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region sind zusehends besser für den Wettbewerb gerüstet und pflegen einen engen Austausch mit der Finanzindustrie. Paris London Frankfurt 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 Paris London Frankfurt uu u u u u u u u u u Tilburg World QS World RePEc European London School of Economics 11 4 6 London Business School 85 26 47 University College 20 16 4 Cass Business School --- Queen Mary University of London - 151-200 39 Imperial College Business School --- Paris Panthéon-Sorbonne 76 51-100 - Sciences Po - 101-150 20 School of Economics -- 2 INSEAD Business School --- Frankfurt Goethe Universität 87 101-150 30 Universität Mannheim 71 51-100 37 Wachsende Anziehungs- kraft Frankfurts – selbst- bewussteres Marketing! Historische Systemunter- schiede berücksichtigen FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 23 Ranking-Noten alleine greifen zu kurz, um diese positive Entwicklung angemessen abzubilden. Schließlich kann die Qualität einer Institution auch ohne gute Bewertung nach dem international üblichen „Standard“ MBA hoch sein, wie das Beispiel der Frankfurter Goethe-Universität zeigt. In komplementärer Kombination mit der Frankfurt School of Finance and Management wird zentral in der Main-Metropole ein attraktives, hochwertiges Spektrum der Lehre und Forschung geboten. Gleichwohl hat das deutsche Finanzzentrum nicht die prestigeträchtige Tradition von Bildungsinsti- tutionen vorzuweisen wie sein britisches und französisches Pendant. Doch die Main-Metropole könnte ihr umtriebiges Netzwerk an intellektueller Infrastruktur durchaus noch selbstbewusster präsentieren, wobei auch die Jobperspektiven in der leistungsstarken deutschen Volkswirtschaft ein schlagkräftiges Argument darstellen. FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 24 2.4 Trends in der Finanzbranche  international gut aufgestellt  Mittelfeld  Defizite Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Für die Fortentwicklung und den langfristigen Erfolg eines Finanzplatzes im internationalen Fi- nanzgeschehen bedarf es grundlegender Wachstumskräfte. Ebenso wichtig wie die Ausstattung mit finanzbezogenem Humankapital (vgl. Kapitel 2.3) ist eine spürbare Innovationskraft. Nur ein für Trends aufgeschlossener Finanzstandort kann sich auf Dauer im Wettbewerb erfolgreich positio- nieren. Dementsprechend sollten neue Strömungen angestoßen und mitgegangen werden, aller- dings durchdacht. Denn wie die Retrospektive zeigt, kann ein frühzeitiger Vorstoß auch negative Auswirkungen für die beteiligten Akteure haben. hellblau / dunkelblau = Produkte / Segmente des Finanzmarktes; Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Die von uns im Jahr 2006 benannten Trends durchliefen im Laufe der Jahre krisenbedingte Wel- len. Die meisten haben sich in der Finanzbranche nun mehr oder minder etabliert. So waren im Hype bis 2007 an den Finanzmärkten Auswüchse zu beobachten, von denen sich auch das deut- sche Finanzzentrum hat mitziehen lassen. Ausgelöst von der weltweiten Krise hat dann eine Rückbesinnung auf das klassische Bankgeschäft stattgefunden. Derweil hat der politische Einfluss auf Finanzmarktprodukte und -segmente zugenommen. Die verschärften Regulierungs- und Auf- sichtsanforderungen sind eine Herausforderung für die ohnehin durch das niedrige Zinsumfeld belastete Bankenbranche (vgl. Kapitel 2.1). 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Trends in der Finanzbranche       Frankfurt London Paris Trends 2006 Investment- branche Private Equity Hedge-Fonds Asset Backed Securities Kreditderivate REITs Non-Performing Loans Innovationskraft wichtig im Standort-Wettbewerb FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 25 Mittlerweile drängen etliche, weitgehend noch unregulierte Wettbewerber in den angespannten Bankenmarkt: Viele sogenannte Fintechs strömen durch den „Ideenkanal“ ins einst ruhige Fahr- wasser der Bankenbranche und sorgen dort mit ihrer Innovationsdynamik für hohe Wellen. Diese Gründungsflut von Start-Ups mit technikfokussierten Geschäftsmodellen macht den althergebrach- ten Instituten ernsthaft zu schaffen. Auch nehmen finanzstarke, durchaus wendige große Internet- konzerne zunehmend Kurs auf das Bankgeschäft und damit den Kreditinstituten Platz im „Kunden- Meer“ weg. Die „Banken-Tanker“ können letztlich nicht anders als kräftig mitzurudern im technolo- gischen Wandel, sonst drohen sie ihren neuen Wettbewerbern hinterher zu dümpeln oder irgend- wann gar zu kentern. Allerdings werden auch nicht alle kleinen Fintech-Schiffe auf Dauer weiter- fahren, wie schon zu beobachten ist. Zeitachse des technologischen Wandels im Bankwesen Schiffe in dunkelblau = Banken, hellblau = Fintechs, schwarz = Internet-Konzerne; Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Schließlich handelt es sich bei der Digitalisierung um einen Trend, der die Geschäftswelt generell betrifft und die Finanzbranche grundlegend modifiziert. Schon im Rückblick hat der technologische Prozess einiges in den Bankentürmen verändert, und die Kundenerwartungen steigen fortwährend. In der sich wandelnden Finanzwelt werden immer mehr neue Produkte und Dienstleistungen ent- stehen, weitere Vertriebskanäle erschlossen und interne Geschäftsabläufe optimiert. Perspekti- visch schlägt sich die Digitalisierung in allen Kernkriterien nieder, die wir für einen Finanzstandort als essenziell erachten (vgl. Kapitel 1). Anders als zu Zeiten unserer Finanzplatz-Studie 2006 se- hen wir nun nicht mehrere auszulotende Trends mit Hinblick auf Produkte und Segmente des Fi- nanzmarktes. Heute geht es um ein dominierendes, weitreichendes Phänomen, dem es des eige- nen Erfolges wegen entschlossen zu begegnen gilt. Bislang stehen beim technologischen Wandel des Bankwesens die drei Bereiche Zahlungsverkehr, Kreditvergabe und Vermögensgeschäft im Fokus. Auf diese erste große Welle folgt bald die nächs- te, komplexere. Um der Strömung weiter zu folgen, ist es für die „Banken-Tanker“ eine gute Mög- lichkeit anzudocken. Kooperationen mit den kleineren „Fintech-Schiffen“ können in Form von stra- tegischen Allianzen ausgestaltet werden oder Finanzinstitute beteiligen sich an diesen Start-Up- Unternehmen. Auch durch bankeigene Innovationslabore, in denen „Nerds“ ihre Ideen entwickeln und ins Gesamtkonzept der Banken einfließen lassen, sind Synergieeffekte erzielbar. Während die jungen Fintechs mit ihrer Innovationsdynamik und geringeren Unternehmenskosten punkten, ha- ben die tradierten Institute den Vorteil einer Fülle von vertrauensvollen Kundenbeziehungen – und einer Vollbanklizenz. Zusammen können sie mit voller Kraft voraus fahren. Auch wenn die „nerdi- gen“ Fintechs die altehrwürdigen Banken an ihrer gesamten Wertschöpfungskette angreifen, soll- ten sie daher weniger als Konkurrenten betrachtet werden. Als Kooperationspartner können sie im Klassischer Finanzsektor Heute Digitaler Finanzsektor Banken in unruhigem Fahrwasser durch Flut von Fintechs Synergieeffekte von klassischen Banken und „nerdigen“ Fintechs FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 26 Wandel der Geschäftsmodelle wertvolle Impulse zur langfristigen Wachstumsgenerierung beisteu- ern und so effizienzsteigernde Ideen bei einer breiten Masse von Kunden gewinnbringend umge- setzt werden. Mit einer komplementären Vermarktungsstrategie unter Einbindung von Fintechs wären die Kredit- institute auch besser gewappnet für das expandierende digitale Bankdienstleistungsangebot von Internetgiganten, die mit entsprechender Technologie sowie Kundeninformationen und auch einer Banklizenz aufwarten. Allerdings ist es doch noch ein Unterschied, ob Kunden online einkaufen mit direkter Bezahlmöglichkeit oder ob sie einem Internetkonzern ihr Vermögen anvertrauen wollen. Gerade hierzulande spielen Sicherheits- und Datenschutzbedenken eine nicht zu vernachlässi- gende Rolle. Gleichwohl ist in dieser Hinsicht einiges im Fluss. Dabei wird es auch von der weite- ren Ausgestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen abhängen, inwieweit Kunden letztlich lieber weiterhin ihren modernisierten „Banken-Tanker“ ansteuern oder komplett auf ein anderes Schiff aufzuspringen bereit sind. Das Digitalisierungsphänomen gewinnt auf jeden Fall immer mehr an Fahrt. Unbestritten ist dieser Trend aus dem angelsächsischen Finanzsektor auf den europäischen Kontinent hinüber ge- schwappt. London hat in puncto Fintechs einen klaren Vorsprung und damit auch eine Vormacht- stellung gegenüber den anderen europäischen Finanzzentren. Die deutschen Banken haben ihre Tanker recht lange zurückhaltend durch den technologischen Wandel gesteuert. Zwar haben sie sich sukzessive dem Omnikanal-Banking geöffnet (neben Filiale auch via Telefon, Internet, Tablet, Smartphone), doch letztendlich erst einmal eine ganze Weile von Bord aus der „Fintech-Flut“ zu- gesehen, bis das Wasser mit Wucht an ihren Bug geschwappt ist. Mittlerweile haben sie die Kno- tenzahl erhöht und reagieren auf die um sie herum tosenden Wellen. Aussichtsreiche Fintechs – Großbritannien vorneweg Investitionen in Fintech-Unternehmen in Deutschland Anzahl\* 2015 Mio € \* durchgezogener Balken: führende Fintech-Unternehmen (von globaler Top 50-Liste), schraffierter Balken: „emerging stars“ (von insgesamt 50 global); Quellen: KPMG, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Ernst &amp; Young, Helaba Volkswirtschaft/Research Dementsprechend fließt innerhalb Europas mit Abstand das meiste Geld in britische Fintechs, aber z.B. die nordischen Länder zusammengenommen sowie auch Deutschland sind bereits wichtige Destinationen für diese Investitionen geworden. Dass Deutschland dabei nun bedeutender wird, belegt die Entwicklung der letzten Jahre. Ausgehend von einem Investitionsvolumen von rund 80 Mio. € in deutsche Fintechs 2013 gab es einen dynamischen Zuwachs auf fast 580 Mio. € in 2015. Damit hat die Bundesrepublik ihren Rückstand zu Großbritannien sichtlich verkleinern kön- nen, wo im letzten Jahr gut 700 Mio. € hingeflossen sind. Die volkswirtschaftliche Bedeutung Deutschlands als größtes Mitgliedsland der EU spielt hierbei auch perspektivisch eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Dagegen gilt Frankreich noch nicht als eine der global wichtigsten Desti- nationen, sondern schwimmt im „Fintech-Gewässer“ bislang weiter hinten. Dies zeigen auch Rang- listen vielversprechender Start-Up-Unternehmen, bei denen z.B. das investierte Kapital, die Kun- denanzahl oder das erworbene Renommee eine Rolle spielen. Neben dem führenden Großbritan- nien schneidet Deutschland insgesamt recht gut ab, während Frankreich dort bislang unter ferner liefen rangiert. Der fortschreitende technologische Wandel im Finanzsektor ist mittlerweile in allen drei Ländern offenkundig und wird nun angegangen. In Paris wurde im letzten Sommer z.B. eine 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 Deutschland Großbritannien Frankreich Rest Europa 0 100 200 300 400 500 600 0 100 200 300 400 500 600 2013 2014 2015 Fintechs: Großbritannien führend vor Deutschland – Frankreich hintendran Trend schwappt von Angelsachsen herüber FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 27 politisch unterstützte Fintech-Offensive gestartet, so dass der Sektor nun auch zusehends an der Seine vor Anker geht. Ein Grund mehr für die Main-Metropole, selber deutlich Flagge zu zeigen. Innerhalb Deutschlands hat sich bereits Berlin als „hipper“ Gründerstandort etabliert. Der föderalen Tradition hierzulande folgend verteilt sich die Fintech-Szene auf mehrere Großstädte, eine davon ist Frankfurt. Inzwischen steuern allerdings immer mehr kleine Schiffe den Main an, sogar auch schon mal von der Spree aus. Mit der weltweit bedeutenden Devisenhandelsplattform 360T, die im letzten Sommer von der Deutschen Börse im Rahmen ihres Fintech-Engagements aufgekauft wurde, kann Frankfurt auf einen prominenten Start-Up-Erfolg verweisen (vgl. Kapitel 2.2). Das insgesamt von hiesigen Jungunternehmern eingesammelte Risikokapital wächst ausgehend vom niedrigen Anfangsniveau rasant, und in der Main-Metropole kommt immer mehr Gründerflair auf. Immer mehr „Fintech-Schiffe“ steuern den Main an\* Anzahl Fintechs am Jahresende Text \* Region Rhein-Main-Neckar mit Fokus auf Frankfurt Quellen: Ernst &amp; Young, Helaba Volkswirtschaft/Research Dazu tragen die zunehmende Anzahl spezieller Veranstaltungen (Fachkonferenzen, Gründer- stammtische, Hackathons) und auch das gezielte Zugehen der Stadt Frankfurt auf industrielle Start-Ups bei (Initiative „Frankfurt Forward“). So haben derzeit schätzungsweise rund 300 Leute auf den „Fintech-Schiffen“ am Main angeheuert, was noch kein Vergleich zur Personenzahl auf den „Banken-Tankern“ ist (Herbst 2015: rund 62.500, vgl. Kapitel 2.1.2). Die Anzahl von finanzbe- zogenen Jungunternehmen in und um Frankfurt herum belief sich Ende 2015 auf knapp 60 gegen- über 70 in Berlin. Auch wenn die Anziehungskraft Frankfurts auf Start-Ups wächst, ist es doch ein zeitintensiver Prozess. Um nicht von anderen Standorten überholt zu werden, müssen die hiesigen Finanzplatz-Akteure die Knotenzahl weiter erhöhen. Was spricht für die Main-Metropole als künfti- gen Fintech-Hub, und was braucht es für eine erfolgreiche Profilierung im Standort-Wettbewerb? Als das führende deutsche Finanzzentrum ist Frankfurt der prädestinierte Standort für die Fintech- Szene hierzulande, zumal es mit seiner zentralen Lage und hervorragenden Infrastruktur verkehrs- technisch bestens ausgestattet ist (vgl. Kapitel 2.5). Auch die am Main beheimateten Aufsichtsbe- hörden sind hierbei ein Pfund, mit dem der Standort wuchern kann – wenn ein offener Dialog mit den Jungunternehmern entsteht. Darüber hinaus befindet sich zentrumsnah der weltweit größte Internetknoten „DE-CIX“, so dass fast jeder Internetnutzer auf digitalem Wege schon mal in Frank- furt war. Mit dem aus Goethe-Universität, Frankfurt School of Finance and Management sowie TU Darmstadt bestehenden Wissenschaftscluster verfügt die Main-Metropole über eine fundierte, breite Basis für Innovationen (vgl. Kapitel 2.3). So bietet die Frankfurt School in Kooperation mit Fintech-Unternehmen inzwischen ein duales Studium mit Schwerpunkt Finanztechnologie an. In Form des „Unibators“ gibt es an der Frankfurter Goethe-Universität eine eigene „Kaderschmiede“ für Start-Ups im Finanzbereich, die mit ihrem vielfältigen Angebot für den Ausbau der hiesigen Gründerszene von großem Nutzen ist. Auf diese Weise wird auch der Dialog zwischen den tradier- ten Finanzplatz-Akteuren und den jungen Fintechs gefördert. 0 10 20 30 40 50 60 0 10 20 30 40 50 60 2012 2013 2014 2015 Pluspunkte Frankfurts als künftiger Fintech-Hub FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 28 Soweit so gut – Frankfurt fehlt bis dato jedoch eine konsequent verfolgte Digitalisierungsstrategie mit einem zentralen Ort für die Fintech-Szene ähnlich wie in London. Und genau zu diesem Zweck koordiniert das Land Hessen im Rahmen des „Dialogforums Fintech Frankfurt Rhein Main“ mittler- weile eine Arbeitsgruppe, bestehend aus verschiedenen Finanzplatz-Akteuren (Fintech-Branche, Stadt Frankfurt/Wirtschaftsförderung, Hochschulen, Banken, Börse, Frankfurt Main Finance e.V.). Ziel des Konzeptes von 2016 ist die Einrichtung eines Fintech-Zentrums als zentrale Maßnahme und Voraussetzung für die Entwicklung Frankfurts zum Fintech-Hub. Dabei gibt es verschiedene Vorschläge von immobilienwirtschaftlicher Seite, in welchem Gebäude dieses Zentrum noch in diesem Sommer angesiedelt werden könnte, letztlich immer unweit von Banken und Aufsichtsbe- hörden. Nahe des Finanzviertels gibt es seit diesem Frühjahr ein firmenbasiertes Start-Up- Zentrum, eingerichtet von der Deutschen Börse als Teil der hessischen Fintech-Initiative. Das deutsche Finanzzentrum hisst also nun schwungvoll die Fintech-Fahne. Das Konzept für die zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle sollte zügig umgesetzt und das Tech-Zentrum alsbald mit Leben gefüllt werden. Nach dem Vorbild Londons gilt es in einem großen Gebäude ein Cluster zu schaffen aus Gründern, Programmierern, Marketing-Fachleuten und womöglich auch einer rechtli- chen Beratungseinheit. Dies fördert den Informationsaustausch und die kreative Atmosphäre zum Spinnen guter Ideen. Koordiniert alles unter einem Dach einzurichten, hat nicht nur den Vorteil einer eigenen Anlaufstelle für neue Start-Ups. Auch würde es in der Finanzwelt die Wahrnehmung Frankfurts als attraktive Fintech-City schärfen, was einen vermehrten Zufluss von Investitionsgel- dern nach sich ziehen kann. Gehen dann einige Flaggschiffe der Szene am Main vor Anker, sorgt dies für einen deutlichen Imagegewinn und die Anziehungskraft des deutschen Finanzplatzes wächst. Auf diese Weise hat Frankfurt gute Chancen, zum kontinentaleuropäischen Fintech-Hub zu avancieren. Frankfurt hisst die Fintech-Fahne FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 29 2.5 Standortspezifische Qualitäten  international gut aufgestellt  Mittelfeld  Defizite Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Jeder Finanzplatz hat vielfältige rahmengebende Eigenschaften, die entscheidende Auswirkungen auf seine Attraktivität für in- und ausländische Akteure haben. Unser Fokus richtet sich auf die zentralen standortspezifischen Qualitäten Verkehrsinfrastruktur sowie Kosten für Büroimmobilien und Lebenshaltung. Insgesamt schneidet die Main-Metropole hierbei nach wie vor besser ab als ihre beiden Hauptkonkurrenten im Finanzplatz-Wettbewerb. Denn am deutschen Finanzzentrum gibt es eine sehr gute Infrastruktur in Verbindung mit kurzen Wegen, und die Mieten für Büroraum sowie die Lebenshaltungskosten sind hier vergleichsweise am niedrigsten. Darüber hinaus ist das Flair am Main zusehends multikultureller bzw. internationaler geworden, wenngleich die anderen beiden Standorte als nationale Hauptstädte dabei im Vorteil sind. Aller- dings ist dies nicht mit einer höheren Lebensqualität gleichzusetzen, die als nicht objektiv messba- rer Aspekt in die Standortbewertung von Unternehmen und Arbeitskräften einfließt. So hat Frank- furt weiterhin einen deutlichen Vorsprung im von der britischen Unternehmensberatung Mercer erstellten Lebensqualität-Ranking, das mittels zahlreicher Kriterien eine Bewertung von Großstäd- ten aus Sicht von Expatriates vornimmt. Aktuell rangiert die Main-Metropole auf Platz 7 unter den weltweiten Top Ten (dieselbe Platzierung wie 2006), während ihre Konkurrenten an Seine und Themse erst auf den Rängen 71 und 72 kommen. Dass diese damit schlechter als vor zehn Jah- ren (Plätze 33 und 39) eingestuft werden, liegt vor allem am Sicherheitsaspekt, da ihr Ansehen durch Terrorismus und soziale Spannungen gelitten hat, während deutsche Städte nach wie vor als sicher empfunden werden. Generell haben alle drei von uns betrachteten Städte gerade in Relation zur Einwohnerzahl ein breites, attraktives Angebot im kulturellen Bereich. Die Naherholungsmöglichkeiten in Frankfurt sind besonders gut, da etliche kulturlandschaftlich schöne Ziele schnell und bequem erreichbar sind. Urbane Räume im Rhein-Main-Gebiet werden immer wieder durch weitläufige Grünzonen unterbrochen. Demgegenüber befinden sich Paris und London in größeren, weniger grünen Ag- glomerationen, und der Weg in die freie Natur ist weiter. 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Standortspezifische Qualitäten       Frankfurt London Paris Beste Standortspezifische Qualitäten in Frankfurt … …auch bei den Nah- erholungsmöglichkeiten FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 30 2.5.1 Verkehrsinfrastruktur Das deutsche Finanzzentrum verfügt über eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur, sowohl auf Straße und Schiene als auch in der Luft. Kurze Wege runden das gute Verbindungsangebot ab, was sich auch in überschaubaren Berufspendelzeiten niederschlägt. Somit gibt es in der Main- Metropole vergleichsweise viele Berufseinpendler, die 2014 mit fast 342.000 rund zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ausmachten (eine recht konstante Quote innerhalb der letzten zehn Jahre). Die Finanzzentren haben alle bedeutende Flughäfen, sogar die größten drei Europas: London Heathrow, Paris-Charles de Gaulle und Frankfurt am Main. Insgesamt gibt es rund um die britische Hauptstadt sechs Flughäfen und zwei in der französischen. Dies ist für die Finanzplatz-Akteure aus dem In- und Ausland ein wichtiges Asset mit Hinblick auf ihre grenzüberschreitenden Ge- schäftstätigkeiten. So wird Frankfurt von vielen Auslandsbanken auch als Drehscheibe für ihre kontinentaleuropäischen Aktivitäten sehr geschätzt – ein Standortargument zugunsten eines Büros in der Main-Metropole. Dabei spielt auch die gute Anbindung des hiesigen Flughafens eine Rolle, der von der Innenstadt schnell erreichbar ist. Fluggastaufkommen europäischer Großflughäfen Ähnlich starke Bewegung an großen drei Flughäfen Anzahl Fluggäste in Mio. Flugbewegungen in Tausend Quellen: Eurostat, nationale Flughafenbetreiber, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Eurostat, nationale Flughafenbetreiber, Helaba Volkswirtschaft/Research Das Fluggastaufkommen hat an sämtlichen großen Flughäfen Europas in den letzten Jahren deut- lich zugenommen. Nach wie vor gibt es die meisten Fluggäste in London Heathrow, gefolgt von Paris-Charles de Gaulles und Frankfurt (2015: 75 Mio. versus 66 Mio. und 61 Mio.). Darüber hin- aus kommen auch die Destinationen London Gatwick und Paris-Orly auf eine nennenswerte An- zahl Passagiere (40 Mio. bzw. 30 Mio.). Die Flugbewegungen hingegen sind ähnlichen Ausmaßes wie vor zehn Jahren und befanden sich an den größten drei Flughäfen im Jahr 2015 auf demsel- ben Niveau in Höhe von jeweils rund 470.000. Der Frankfurter Flughafen hat in den letzten Jahren sichtlich expandiert und über die bereits ge- stiegene Nutzung der neu geschaffenen Kapazitäten hinaus gibt es noch Ausweitungspotenzial. Insgesamt ist die internationale und interregionale Erreichbarkeit der Main-Metropole sehr gut. In Kombination mit den kurzen Wegstrecken innerhalb der Stadt, zum Flughafen sowie ins nah gele- gene Umland schneidet sie damit besser ab als ihre Wettbewerber an Seine und Themse. 2.5.2 Kosten für Büros und Lebensunterhalt Bei der Attraktivität eines Standortes spielt die ausreichende Verfügbarkeit an adäquaten Büroim- mobilien eine wichtige Rolle. Bei der komparativen Analyse der Finanzplätze sind Größenunter- schiede sowie räumliche Strukturen der drei Agglomerationen zu berücksichtigen (vgl. Kapitel 1). Gemessen am Flächenbestand in der städtischen Abgrenzung ist London der größte Büroimmobi- lienmarkt Europas und Paris der zweitgrößte (über 25 bzw. 16 Mio. m²). Das mit gut 12 Mio. m² auf dem vierten Platz (nach Brüssel) rangierende Frankfurt setzt sich schwerpunktmäßig aus den Teilräumen Bankenviertel, Westend, City und Niederrad zusammen. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 0 10 20 30 40 50 60 70 80 London Heathrow Paris-Charles de Gaulles Frankfurt London Gatwick Paris- Orly 2005 2015 0 100 200 300 400 500 600 0 100 200 300 400 500 600 London Heathrow Paris-Charles de Gaulles Frankfurt London Gatwick Paris- Orly 2005 2015 Frankfurter Flughafen als Drehscheibe für Auslandsbanken Größenunterschiede der drei Agglomerationen FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 31 Main-Metropole mit weitaus günstigsten Büroräumen Differierende Größe der Agglomerationen Durchschnittliche Büromiete in guten Lagen, €/m² Büroflächenbestand der Städte, Mio. m² Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Offenkundig liegt das Niveau der durchschnittlichen Büromieten in Frankfurt am niedrigsten, und zwar durchgehend innerhalb der letzten zehn Jahre. 2015 wurde hier in guten Lagen ein leichter Anstieg auf über 30 €/m² verzeichnet, während die Londoner Mieten auf fast 95 €/m² in die Höhe schossen und die Pariser weiter seitwärts tendierten bei gut 40 €/m². Diese Entwicklungen dürften sich zunächst fortsetzen, so dass die Main-Metropole weiterhin die günstigsten Büroräumlichkeiten zu bieten hat. Auch insgesamt liegen die Lebenshaltungskosten in Frankfurt unter denen in den anderen beiden Metropolen. Dies belegt beispielsweise das EIU-Ranking der global teuersten Städte. Hierzu wer- den die Preise zahlreicher Produkte und Dienstleistungen sowie Kosten für Wohnraum, Transport und Schulen ausgewertet. Dabei rangiert Frankfurt weltweit aktuell auf Platz 18, während Paris und London zu den teuersten Städten zählen (Rang 5 bzw. 6). Damit schneidet das deutsche Finanzzentrum in diesem Vergleich nun noch besser ab als vormals. Lebenshaltungskosten am Main deutlich geringer Einkommen in Frankfurter Region etwas niedriger Rankingeinstufung der global teuersten Städte BIP je Kopf in Kaufkraftstandards im EU-Durchschnitt Quellen: EIU, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Eurostat, Helaba Volkswirtschaft/Research; \* Regierungsbezirk Insgesamt lässt sich daraus ableiten, dass ein Arbeitnehmer am Main besser gestellt ist als an Seine oder Themse: Denn das Einkommen in der Frankfurter Region liegt lediglich etwas niedri- ger, so dass dem Arbeitnehmer hier unter dem Strich am meisten Geld für Konsumzwecke zur Verfügung steht. Zum Wohlstandsvergleich dient z.B. das nominale BIP je Einwohner ausgedrückt in Kaufkraftstandards im EU-Durchschnitt. Dieses betrug 2014 in der Frankfurter Finanzplatzregion 163 % gegenüber 178 % und 186 % in den Regionen um das französische und britische Finanz- zentrum. Eine ähnliche Relation belegen GfK-Kaufkraftdaten, die den nominalen Wert aller Netto- einkünfte der Bevölkerung bezogen auf den Wohnort ausweisen. Demnach verfügte ein Einwohner Frankfurts 2015 über rund 25.000 €, während ein Londoner etwa 28.300 € ausgeben konnte und ein Pariser 29.400 €. Dieses etwas niedrigere Pro-Kopf-Einkommen in der Main-Metropole wird durch die deutlich geringeren Lebenshaltungskosten mehr als wettgemacht. 0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 London Paris Frankfurt 0 10 20 30 40 50 60 0 10 20 30 40 50 60 Frankfurt Paris Ile-de-France Central London Greater London 12 4 7 18 5 6 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 Frankfurt Paris London 2006 2016 0 50 100 150 200 250 0 50 100 150 200 250 RB\* Darmstadt Ile-de-France London 2005 2014 Frankfurter Einwohner am besten finanziell gestellt FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 32 3 Fazit der Standortbewertung 2006/2016 Innerhalb der letzten zehn Jahre ist in der Finanzwelt viel passiert, auf Mikro- wie auf Makroebene. Die globale Finanzkrise hat die Finanzplatz-Akteure mit mannigfaltigen Herausforderungen kon- frontiert, die noch eine Weile weiter bestehen. Mit dem Wandel in der Branche haben sich auch die Finanzstandorte weiterentwickelt. Dementsprechend hat sich unsere Einschätzung der drei großen Finanzplätze Europas in mancherlei Hinsicht verändert. Zur aktuellen Beurteilung haben wir die vor zehn Jahren eigens definierten Kriterien verwendet, die wir für eine nachhaltig erfolgreiche Positio- nierung eines internationalen Finanzplatzes als unverzichtbar halten. Dabei bilden Banken und Börsen den Nukleus eines Finanzzentrums, während die finanzbezogene Lehre und Forschung gemeinsam mit den Trends in der Finanzbranche zentrale Wachstumsdeterminanten sind. Ferner beeinflussen auch die Rahmen gebenden standortspezifischen Qualitäten die Stellung eines Fi- nanzplatzes maßgeblich. Im Gegensatz zu damals fällt unser Urteil dieser fünf Kernkriterien nun folgendermaßen aus: Standortbestimmung der drei großen Finanzplätze Europas im 10-Jahres-Vergleich  zeigt an, dass der Finanzplatz im Sinne internationaler Wettbewerbsfähigkeit gut aufgestellt ist;  weist auf Defizite hin;  signalisiert eine Position im Mittelfeld. Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Weiterhin ist London unbestritten der führende Finanzplatz in Europa und spielt damit eindeutig in der globalen Liga. Dem britischen Finanzzentrum haben wir diesmal bei drei unserer Kernkriterien die Höchstnote gegeben und zweimal eine Platzierung im Mittelfeld. Denn die Situation in der Bankenbranche stellt sich trotz aller Anstrengungen generell schlechter dar als damals, was sich auch in den Ratings der großen Institute niederschlägt. Dementsprechend haben wir allen drei Standorten für das Finanzplatz-Kriterium Banken eine mittlere Bewertung zugeteilt. Damit positio- niert sich Frankfurt relativ gesehen jetzt besser als vor zehn Jahren, da die hiesigen Banken ins- gesamt nun gleichauf mit denen in London und Paris bewertet werden. Auch ist ihre Beschäfti- gungsentwicklung moderater verlaufen. Die standortspezifischen Qualitäten in London sind insbesondere angesichts der hohen Kosten für Büroflächen und Lebenshaltung nach wie vor ver- besserungswürdig. In dieser Hinsicht rangiert die Main-Metropole eindeutig vorn. Schließlich ver- fügt sie über eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur verbunden mit kurzen Wegen und die Bü- romieten sowie Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise niedrig. Selbst im Falle eines „Brexit“, den wir für das Referendum am 23. Juni derzeit mit einer Wahr- scheinlichkeit von 40 % einschätzen, würde London die Nummer eins in Europa bleiben. Allerdings käme es in Abhängigkeit von der genauen Ausgestaltung des britischen EU-Austritts zu Modifikati- onen im Finanzplatz-Gefüge. Je nach Ausmaß der dann entstehenden Einschränkungen beim grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr (bislang EU-Pass für in London ansässige Banken) würden Arbeitsplätze in London wegfallen – und Frankfurt oder andere Finanzstandorte Europas oder gar Asiens profitieren. Als EZB-Standort mit hervorragender Verkehrsanbindung ist das deut- sche Finanzzentrum hierfür gut positioniert. Die Verlagerung von internationalen Finanzgeschäften und -mitarbeitern von der Themse wäre am Main sicherlich spürbar, so dass das deutsche in Rela- tion zum britischen Finanzzentrum aufgewertet würde. Dabei sind jedoch auf Dauer auch Regulie- rungsaspekte zu berücksichtigen. Denn außerhalb der EU könnten die selbstbewussten Briten 2006 2016 2006 2016 2006 2016 Banken       Börsen       Finanzbez. Lehre &amp; Forschung       Trends in der Finanzbranche       Standortspezifische Qualitäten       Frankfurt London Paris Veränderte Standort- bewertung im Wandel der Finanzbranche London weiter führend – nicht bei allen Kriterien FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 33 längerfristig ihren Finanzsektor regulatorisch attraktiver gestalten, während die EU ihrerseits Aufla- gen für Bankgeschäfte zulasten des britischen Finanzplatzes einführen könnte. Darüber hinaus würde durch einen „Brexit“ zumindest die Hauptsitz-Entscheidung bei der geplanten deutsch- britischen Börsenfusion in Frage gestellt. Damit würde vermutlich ein Abbau von Börsenarbeits- plätzen in Frankfurt vermieden werden. Vielmehr könnte es dann sogar zur Verlagerung von Bankarbeitsplätzen von der Themse an den Main kommen. Dies ist jedoch nicht unser Basissze- nario und findet dementsprechend keinen Eingang in unsere aktuelle Smiley-Bewertung. In Kontinentaleuropa herrscht nach wie vor ein intensiver Wettbewerb zwischen den beiden gro- ßen Finanzstandorten. Entscheidend ist dabei die relative Position des deutschen und französi- schen Finanzzentrums zueinander. Während sich Frankfurt von 2006 auf 2016 bei einem unserer Kernkriterien verbessert und bei einem verschlechtert hat, ist Paris nun bei drei Erfolgsfaktoren schlechter eingestuft. Damit ergeben sich aktuell drei gleiche Bewertungen der beiden Standorte, in zweierlei Hinsicht schneidet die Main-Metropole besser ab: In puncto Banken rangieren Frankfurt und Paris nun gleichauf, die Lage der nationalen Banken- systeme ist in unserer Terminologie mittelmäßig. Der Konsolidierungsdruck hält an, im Rahmen von Kostensenkungsprogrammen zur Effizienzsteigerung werden schmerzhafte Einschnitte vorge- nommen. Einiges tut sich in der Branche, was auch zu ihrer Stabilisierung beiträgt. So stellen die vermehrten Regulierungs- und Aufsichtsanforderungen einerseits zwar Kosten für die Banken dar, andererseits haben die Institute auf diese Weise ihre Eigenkapitalausstattung verbessert und Risi- ken in den Bilanzen abgebaut. Dementsprechend haben sowohl die deutschen als auch die fran- zösischen Banken den im Herbst 2014 veröffentlichten EZB-Stresstest mit jeweils einer Ausnahme bestanden. Frankfurt hat im Vergleich der Bankenplätze eine recht solide Beschäftigungsentwick- lung durchlaufen, die weiter anhalten dürfte. Für Ende 2017 gehen wir von rund 62.000 Mitarbei- tern in den hiesigen Bankentürmen aus, lediglich 1 % weniger als zum letztverfügbaren Stand im Herbst 2015. Die gestiegene Anziehungskraft des Frankfurter Bankenstandorts wird von der EZB beflügelt. In ihrer Doppelfunktion als Notenbank und Aufsichtsorgan erweist sie sich als Beschäfti- gungsgarant und sorgt für eine langfristige Attraktivität des deutschen Finanzzentrums. Neben den Banken sind Börsen von herausragender Bedeutung für einen Finanzstandort. Die Schaffung einer europäischen „Superbörse“ ist grundsätzlich sinnvoll und würde die Messlatte für die zunehmende Konkurrenz in Übersee hochhängen. Doch bei der nun anvisierten Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange hätte der Hauptsitz gemäß der Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen an Frankfurt gehen sollen. Unsere Bewertung der drei Börsenstandorte treffen wir unter der Annahme, dass die Fusion zur europäischen „Superbörse“ wie geplant mit Hauptsitz in London (und ohne „Brexit“) stattfinden wird: Londons Position würde weiter gestärkt, Frankfurt degradiert zu einem Nebenschauplatz einer gleichwohl im Weltgeschehen gewichtigen Börse. Auch Paris ist Teil einer Mehrländerbörse, die unter jahrelanger US-amerikanischer Leitung an Bedeutung eingebüßt hat. Mittlerweile wurde diese Börse zwar durch die Abspaltung wieder aufgewertet, relativ gesehen zur neuen deutsch-britischen Börse spielt sie in Europa dann aber eine geringere Rolle. Sollte die geplante Fusion wie schon frühere Versuche doch noch kippen, hat Frankfurt die Chance, erhobenen Hauptes seinen eigenen Weg zu gehen – allein oder federfüh- rend bei einem Zusammenschluss mit anderen Börsenunternehmen. In der finanzbezogenen Lehre und Forschung hat sich Frankfurt substanziell fortentwickelt und an internationalem Ansehen gewonnen – mit weiterem Raum nach oben. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region sind zusehends besser für den Wettbewerb gerüstet und pflegen einen engen Austausch mit der Finanzindustrie. Ranking-Noten alleine greifen zu kurz, um diese positive Entwicklung angemessen abzubilden. Mit der komplementären Kombination aus Frankfurter Goethe-Universität und Frankfurt School of Finance and Management wird in der Main- Metropole ein attraktives, hochwertiges Spektrum der Lehre und Forschung geboten. Gleichwohl hat das deutsche Finanzzentrum nicht die prestigeträchtige Tradition von Bildungsinstitutionen vorzuweisen wie sein britisches und französisches Pendant. Doch die Main-Metropole könnte ihr umtriebiges Netzwerk an intellektueller Infrastruktur durchaus noch selbstbewusster präsentieren, Fusion zur „Superbörse“ als Annahme – Weg allein für Frankfurter besser Veränderung der Relation zwischen deutschem und französischem Finanzplatz FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 34 wobei auch die Jobperspektiven in der leistungsstarken deutschen Volkswirtschaft ein schlagkräf- tiges Argument darstellen. Bei den Trends in der Finanzbranche rangiert das deutsche Finanzzentrum weiterhin im Mittel- feld, das französische hat sich derweil verschlechtert. Anders als damals sehen wir nun nicht meh- rere auszulotende Trends mit Hinblick auf Produkte und Segmente des Finanzmarktes. Heute geht es mit der Digitalisierung um ein dominierendes, weitreichendes Phänomen. Der technologische Wandel des Bankwesens wird wesentlich von Fintechs und Internetkonzernen angeschoben. Ne- ben dem in diesem Bereich führenden Großbritannien schneidet Deutschland insgesamt recht gut ab, wohingegen Frankreich noch nicht als eine der global vielversprechenden Fintech- Destinationen gilt. Den Ausbau Frankfurts zum deutschen bzw. kontinentaleuropäischen Fintech- Hub gilt es mit vereinten Kräften weiterzuverfolgen, wobei die zügige Einrichtung eines Tech- Zentrums ein wichtiger Meilenstein ist. Frankfurt steht nicht nur beim Kriterium Trends besser da als Paris, sondern auch bei den stand- ortspezifischen Qualitäten. Die relativ teuren Büroimmobilien und hohen Lebenshaltungskosten in der französischen Metropole sehen wir als Standortnachteil, der auch langfristig kaum veränder- bar sein wird. Frankfurt ist im Vorteil durch seine Funktion als Verkehrsdrehscheibe inklusive sei- ner kurzen Wege. Dies spielt für internationale Finanzplatz-Akteure eine bedeutende Rolle auch bei ihrer Standortwahl in Europa. Die Nähe der verschiedenen Player zueinander fördert die Kom- munikation und die Geschäftstätigkeit in der hiesigen Community. Insgesamt hat sich der Finanzplatz Frankfurt in diesen schwierigen Zeiten der Finanzbranche gut behauptet. Schon 2006 hatten wir ihm mittelfristig gute Chancen auf die kontinentaleuropäische Führungsrolle attestiert. Seitdem hat sich das deutsche Finanzzentrum in vielerlei Hinsicht weiter bewegt und insbesondere gegenüber dem französischen Boden gut gemacht. Damit ist die relative Bedeutung der drei großen Finanzplätze Europas nun eindeutig: London vor Frankfurt vor Paris. Im weiterhin intensiven Standort-Wettbewerb ist es für das deutsche Finanzzentrum wichtig, selbstbewusst seine Stärken zu leben und dies in der Finanzwelt klar kundzutun. Schließlich hat die Main-Metropole viel zu bieten. Darüber hinaus gilt es, die Chancen für den langfristigen Erfolg im Finanzgeschehen aktiv zu nutzen. Zentral sind dabei die wachstumsbezogenen Standortkrite- rien, die den Finanzplatz an seinen Wurzeln stärken und seine Innovationskraft fördern. So sollte Frankfurt seine Weiterentwicklung zum internationalen Bildungsstandort und zum europäischen Fintech-Hub energisch verfolgen. Auf diese Weise wird das deutsche Finanzzentrum seine gute Position im internationalen Finanzgefüge festigen können. Gesamturteil 2016: London vor Frankfurt vor Paris Frankfurt mit vereinten Kräften auf dem Weg zum Fintech-Hub FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 35 Helaba-Publikationen: Finanzplatz Frankfurt Die kreditwirtschaftliche Bedeutung von Sparkassen und Landesbanken Finanzplatz-Fokus / Februar 2016 Finanzplatz Frankfurt: Aufwärts mit China Finanzplatz-Studie / März 2015 Bankbeschäftigung Frankfurt – Konsolidierung bleibt überschaubar Finanzplatz-Fokus / Dezember 2014 Frankfurt: Finanz- und Aufsichtsmetropole Finanzplatz-Fokus / März 2014 Die größten Banken am Finanzplatz Frankfurt Finanzplatz-Fokus / November 2013 Bankbeschäftigung Frankfurt – Panik unbegründet Finanzplatz-Fokus / März 2013 Finanztransaktionssteuer: Eine Lösungs-Chimäre Finanzplatz-Fokus / Mai 2012 Finanzplatz Frankfurt: Magnet für Auslandsbanken Sonderstudie / Januar 2011 Moderater Personalabbau in Frankfurts Banken Finanzplatz-Fokus / Mai 2010 Jede Krise birgt Chancen – Finanzplatz Frankfurt im Vergleich Sonderstudie / April 2009 Finanzplatz Frankfurt und Asien – Eine wachsende Beziehung Sonderstudie / März 2008 Finanzplatz Frankfurt – Ein Standort bewegt sich Sonderstudie / Juni 2006 Alle Publikationen sind auf unserer Homepage hier verfügbar. Wir nehmen Sie gerne in unseren Verteiler auf, wenn Sie neue Publikationen zum Thema Finanz- platz Frankfurt per E-Mail zugesendet haben möchten – sprechen Sie uns einfach an (0 69/91 32- 20 24) oder schreiben Sie uns (research@helaba.de). Informationen zum gesamten frei verfügbaren Research der Helaba finden Sie auf http:\\\\volkswirtschaft.helaba.de. Dort können Sie auch verschiedene Newsletter abonnieren.  FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 36 Adressen der Landesbank Hessen-Thüringen Hauptsitze Frankfurt am Main MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52–58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Erfurt Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 Bausparkasse Landesbausparkasse Hessen-Thüringen Offenbach am Main Strahlenbergerstraße 15 63067 Offenbach Telefon 0 69/91 32-02 Telefax 0 69/91 32-29 90 Erfurt Bonifaciusstraße 19 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-60 2 Telefax 03 61/2 17-70 70 Förderbank Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Strahlenbergerstraße 11 63067 Offenbach Telefon 0 69/91 32-03 Telefax 0 69/91 32-46 36 Niederlassungen Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf Telefon 02 11/3 01 74-0 Telefax 02 11/3 01 74-92 99 Kassel Ständeplatz 17 34117 Kassel Telefon 05 61/7 06-60 Telefax 05 61/7 06-63 33 London 3rd Floor 95 Queen Victoria Street London EC4V 4HN Großbritannien Telefon +44 20/73 34-45 00 Telefax +44 20/76 06-74 30 New York 420, Fifth Avenue New York, N.Y. 10018 USA Telefon +1 212/7 03-52 00 Telefax +1 212/7 03-52 56 Paris 118, avenue des Champs Elysées 75008 Paris Frankreich Telefon +33 1/40 67-77 22 Telefax +33 1/40 67-91 53 Repräsentanzen Madrid (für Spanien und Portugal) General Castaños, 4 Bajo Dcha. 28004 Madrid Spanien Telefon +34 91/39 11-0 04 Telefax +34 91/39 11-1 32 Moskau Novinsky Boulevard 8 Business Centre Lotte, 20th Floor 121099 Moskau Russland Telefon +7 495/2 87-03-17 Telefax +7 495/2 87-03-18 Shanghai Unit 012, 18th Floor Hang Seng Bank Tower 1000 Lujiazui Ring Road Shanghai, 200120 China Telefon +86 21/68 77 77 08 Telefax +86 21/68 77 77 09 Singapur One Temasek Avenue #05-04 Millenia Tower Singapore 039192 Telefon +65/62 38 04 00 Telefax +65/62 38 99 78 Stockholm Östermalmstorg 1, 4tr 114 42 Stockholm Schweden Mobil +46/73 08 99 71 2 FINANZPLATZ FRANKFURT B EWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH JUNI 2016 © H EL A B A 37 Vertriebsbüros Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf Telefon 02 11/3 01 74-0 Telefax 02 11/3 01 74-92 99 München Lenbachplatz 2a 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-16 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 Münster Regina-Protmann-Straße 16 48159 Münster Telefon 02 51/92 77 63-36 48 Telefax 02 51/92 77 63-36 72 Stuttgart Theodor-Heuss-Straße 11 70174 Stuttgart Telefon 07 11/2 80 40 4-0 Telefax 07 11/2 80 40 4-20 Berlin Joachimsthaler Straße 12 10719 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-13 52 Telefax 0 30/2 06 18 79-13 45 Immobilienbüros Berlin Joachimsthaler Straße 12 10719 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-13 14 Telefax 0 30/2 06 18 79-13 69 München Lenbachplatz 2a 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-0 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 10 Auswahl der Tochtergesellschaften Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47–53 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/26 41-0 Telefax 0 69/26 41-29 00 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH Borsigallee 19 60388 Frankfurt am Main info@1822direkt.com Telefon 0 69/9 41 70-0 Telefax 0 69/9 41 70-71 99 Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG JUNGHOF Junghofstraße 26 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/1 56 86-0 Telefax 0 69/1 56 86-1 40 Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) AG Börsenstrasse 16, Postfach 8022 Zürich Schweiz Telefon +41 44/2 65 44 44 Telefax +41 44/2 65 44 11 Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-6 30 Auswahl der Tochtergesellschaften GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen Westerbachstraße 33 60489 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 75 51-0 Telefax 0 69/9 75 51-1 50 OFB Projektentwicklung GmbH Speicherstraße 55 60327 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 17 32-01 Telefax 0 69/9 17 32-7 07 GGM Gesellschaft für Gebäude- Management mbH Junghofstraße 26 60311 Frankfurt Telefon 0 69/77 01 97-0 Telefax 0 69/77 01 97-77 FINANZPLATZ FRANKFURT BEWEGT SICH WEITER HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · MA I 20 16 · © H E L A B A 39 Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 www.helaba.de

Das deutsche Finanzzentrum hat sich in den letzten zehn Jahren gut behauptet und seine Wettbewerbsposition in Europa verbessert: London vor Frankfurt vor Paris.
