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title: "Thüringen: Faktor Zeit nutzen"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Bundesländer
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# Thüringen: Faktor Zeit nutzen

THÜRINGEN FAKTOR ZEIT NUTZEN Volkswirtschaft/Research Juni 2015 THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 2 Herausgeber: Helaba Landesbank Hessen-Thüringen Volkswirtschaft/Research Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin/Leitung Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58, 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24, Telefax: 0 69/91 32-22 44 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Bildquelle Titelseite: Sternevent, Stefan Harnisch THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 3 Editorial Sehr geehrte Leserinnen und Leser, die Zeit rennt – auch in Thüringen. 25 Jahre nach der Wiedervereinigung lohnt es sich aber, einen Moment innezuhalten: Was war, was ist und was wird sein? Für Thüringen liegt es auf der Hand. In der Mitte Deutschlands ist ein Freistaat mit unverkennbarer Identität entstanden. Die Unternehmen haben die Herausforderung des nationalen und internatio- nalen Wettbewerbs angenommen und gemeistert. Dabei musste sich die Qualität der Thüringer Produkte bewähren und manches Unternehmen schaffte sogar den Sprung zum Weltmarktführer. Aber sind noch alle Unternehmen auf der Höhe der Zeit? Im fünfundzwanzigsten Jahr nach der Wiedervereinigung dürfte so manche Hightech-Produktion in die Jahre gekommen sein. Bei dem schnellen Lauf der Zeit sind verstärkte Investitionen in den Standort gefragt. Die Thüringer Indust- rie hat dies erkannt und investiert vermehrt. Dabei steht die Vernetzung von Produktion und Dienstleistungen, also die Industrie 4.0, im Vordergrund. Die Herausforderungen für Arbeitgeber und -nehmer werden groß sein, um einerseits die technischen Voraussetzungen zu schaffen und andererseits die damit verbundene virtuelle Erreichbarkeit der Mitarbeiter zu jeder Zeit zu regeln. Nach vielen Jahren der Abwanderung könnte sich Thüringen langsam zu einem Einwanderungs- land entwickeln. Seit 2013 ist ein Wanderungsgewinn zu verzeichnen. Die Fortzüge in andere Bundesländer lassen nach und Menschen aus anderen Ländern finden den Weg nach Thüringen. Dafür ist eine Willkommenskultur notwendig. Eine gelungene Integration der Neuankömmlinge erfordert u.a. Sprach- und Bildungsprogramme seitens des Landes und der Unternehmen. Die Basis für ein erfolgreiches Land sind qualifizierte sowie motivierte Menschen und sie müssen blei- ben wollen. Dies ist für Thüringen besonders wichtig, da die Bevölkerung und damit das Arbeits- kräftepotenzial jetzt schon „reifer“ sind. Es gilt die Zeit zu nutzen, denn wie schon Goethe mahnte: „Könnte man die Zeit wie bares Geld beiseite legen, ohne sie zu benützen, so wäre dies eine Art Entschuldigung für den Müßiggang der halben Welt – aber keine völlige.“ Ihre Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Leitung Research THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 4 Inhalt 1 Menschen geben Richtung und Tempo vor ............................................................................ 6 Freie Wahl des Lebensmittelpunktes .......................................................................................... 6 Einwanderungsland Thüringen? .................................................................................................. 6 Altersstruktur mit Langzeitwirkung ............................................................................................... 7 2 Neue Wirtschaftsstruktur schafft Fakten ................................................................................ 8 Zunächst weniger Einwohner, weniger Interesse und weniger Nachfrage .................................. 8 Herausforderung nationaler und internationaler Wettbewerb gemeistert..................................... 8 Dienstleister etablieren sich ......................................................................................................... 9 3 Arbeitsmarkt: Zeitpräferenzen verwirklichen ........................................................................ 10 Schwierige Ausgangslage ......................................................................................................... 10 Neue Arbeitsplätze und Demografie räumen Arbeitsmarkt ....................................................... 11 Lebensplanung von Männer und Frauen bestimmt Arbeitszeit.................................................. 12 4 Konjunktur intakt ..................................................................................................................... 13 Wirtschaftswachstum setzt sich 2015 fort.................................................................................. 13 Beschäftigungsschwelle erneut überschritten ........................................................................... 15 5 Investieren: Megatrends nicht verpassen ............................................................................. 16 Redaktionsschluss: 11. Juni 2015 THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 5 Zusammenfassung Wirtschaftswachstum setzt sich 2015 fort Die konjunkturelle Ausgangsbasis ist gut. Mit 1,6 % wuchs die Thüringer Wirtschaft im vergan- genen Jahr genauso stark im Bundesdurchschnitt. Auch der Start 2015 ist vielversprechend. So stieg im ersten Quartal der Industrieumsatz in Thüringen um 2,9 % und damit deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt von 1,3 %. Die Auftragseingänge erholten sich ebenfalls, konnten aber nicht ganz an das extrem hohe Vorjahresergebnis heranreichen. Dies deutet alles auf ein solides Wachstumsjahr für die Thüringer Industrie hin, zumal auch der Beschäftigungstrend in dem Wirtschaftszweig positiv ist. Die Dienstleistungsbereiche lieferten in Thüringen 2014 mit einem Plus von 1,5 % eine etwa gleich hohe Wachstumsrate wie in Deutschland insgesamt. Da in Thüringen in der Vergangenheit auf ein „starkes Dienstleistungsjahr“ häufig ein schwächeres folgte, ist in diesem Jahr mit weniger zu rechnen. Dies bremst aufgrund des inzwischen erhebli- chen Anteils der Dienstleister die BIP-Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum wird 2015 des- halb in Thüringen mit etwa 1,5 % etwas schwächer ausfallen als bundesweit mit 1,8 % (arbeits- täglich unbereinigt). Beschäftigungsschwelle erneut überschritten Auf dem Arbeitsmarkt ist in Thüringen mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. Zum Teil ist dies auf eine Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückzuführen, die aller- dings zuletzt relativ gering ausfiel. Ein weiterer Aspekt ist die „ältere“ Altersstruktur: Mehr Per- sonen werden in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben bzw. vom Arbeitsmarkt aus- scheiden. Die Beschäftigungsschwelle dürfte im laufenden Jahr wieder überschritten werden, was Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften hervorruft. Das Ausmaß dürfte aber geringer ausfal- len als 2014. Investieren: Megatrends nicht verpassen Die Bruttoanlageinvestitionen erholten sich seit der Wirtschafts- und Finanzkrise zunächst schrittweise, gingen aber 2013 mit der konjunkturellen Abschwächung wieder etwas zurück. Der Hauptteil der Investitionen der Thüringer Industrie (87 %) fließt in Maschinen und Betriebs- ausstattung. Dabei sind die Thüringer Industriebetriebe investitionsfreudiger als der gesamt- deutsche Durchschnitt. Dies ist wichtig, damit die Megatrends in den nächsten 25 Jahren für Thüringen nicht zum Risiko werden, sondern sich zur Chance entwickeln. Einwanderungsland Thüringen? Wie stark der Faktor Zeit wirkt und wie er genutzt werden kann, ist in Thüringen besonders spürbar. In den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung hat sich nahezu alles verändert und das Land musste große Herausforderungen meistern. Viele Entwicklungen konnten staatlicherseits nur begrenzt gesteuert werden, denn Triebfeder waren die Menschen, die ihre Entscheidungen nun frei treffen und umsetzen konnten. Zunächst erfolgte die Abstimmung mit den Füßen, die eine drastische Schrumpfung der Bevölkerungzahl und eine gealterte Einwohnerstruktur nach sich zog. Inzwischen hat sich der Wanderungssaldo wieder umgekehrt: Es kommen mehr Men- schen nach Thüringen als gehen. Die Hauptursache ist der Zuzug aus dem Ausland. Integration als Investition in die Zukunft Hier wartet schon die nächste Aufgabe: Die erfolgreiche Integration der Neuankömmlinge erfor- dert Sprach- und Bildungsprogramme des Landes und der Unternehmen. Die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, sich offen für Neues zu zeigen, zumal der Anteil der Ausländer an den Thü- ringer Einwohnern unter 2 % liegt (alte Bundesländer 9 %). Damit sind die Verhältnisse z.B. für den schnellen Spracherwerb ideal. Je beherzter hier alle Beteiligten agieren, desto eher ge- winnt das Land motivierte Neubürger. Sie können das Arbeitskräftepotenzial verjüngen, wenn sie den Standort Thüringen als attraktiv erleben und bleiben. Denn dass die Thüringer Arbeit- nehmerschaft schon jetzt reifer ist, zeigt die Statistik unmissverständlich. Autorin: Barbara Bahadori Helaba Telefon 0 69/91 32-24 46 research@helaba.de THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 6 1 Menschen geben Richtung und Tempo vor Wie stark der Faktor Zeit wirkt und wie er genutzt werden kann, ist in Thüringen besonders spür- bar. In den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung hat sich nahezu alles verändert und das Land musste viele Herausforderungen meistern. Etliche Entwicklungen konnten staatlicherseits nur begrenzt gesteuert werden, denn Triebfeder waren die Menschen, die ihre Entscheidungen nun frei treffen und umsetzen konnten. Freie Wahl des Lebensmittelpunktes Als erstes wurde die neue Bewegungsfreiheit genutzt: Lebens- und Arbeitsort standen zur Disposi- tion. Viele Menschen entschieden sich, die Chancen auf eine schnelle Verbesserung ihres Wohl- stands im anderen Teil Deutschlands zu suchen und verließen schlagartig die Heimat. Fortzüge und Geburtenrückgang führten dazu, dass die Einwohnerzahl Thüringens von 1988 bis Mitte 2014 von 2,72 Mio. auf 2,16 Mio. sank (-21 %). In den neuen Bundesländern insgesamt (ohne Berlin) nahm die Bevölkerung von 15,4 Mio. auf 12,5 Mio. ab (-19 %). Abwanderung vor 1961 Dies war nicht der erste Exodus, den die ostdeutschen Länder verkraften mussten. In den Jah- ren 1950 bis 1961 stimmten gut 1,3 Mio. Menschen mit den Füßen ab und verließen die DDR über die bis dahin noch nicht geschlossene Grenze in die Bundesrepublik. Auch viele Thüringer gingen Richtung Westen. Bis zur Grenzschließung 1961 sank die Einwohnerzahl hier um rund 200.000 Personen. Einwohnerzahl Thüringens sinkt nicht zum ersten Mal 2013/2014: Leicht positiver Wanderungssaldo Thüringen: Einwohner in Mio. Thüringen: Einwohner \*November 2014 Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research \*Eigene Schätzung basierend auf Januar bis November 2014 Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Wanderungsbewegungen waren in Thüringen immens. Seit 1989 sind fast 1,2 Mio. Menschen außer Landes gegangen und gut 0,9 Mio. nach Thüringen zugezogen. Der Saldo war allerdings nicht die ganze Zeit über negativ. Nach der heftigen Auswanderungswelle von 1989 bis1991 ver- schob sich die Differenz leicht zu Gunsten der Zuzüge. Heimkehrer und „Wessis“, die berufliche Aufstiegsmöglichkeiten in den neuen Strukturen wahrnehmen wollten, wählten Thüringen als Wohnort. Von 1997 bis 2012 überwogen allerdings wieder die Fortzüge. Einwanderungsland Thüringen? Ab 2013 stellte sich ein Wanderungsgewinn ein, der zunächst nur sehr klein und 2014 mit etwa 4.000 Personen schon größer gewesen sein dürfte. Damit kommen derzeit mehr Menschen nach Thüringen als gehen. Dies beruht zu einem kleinen Teil darauf, dass die Fortzüge in andere Bun- desländer abnehmen. Die Hauptursache ist der verstärkte Zuzug aus dem Ausland. Auch viele dieser Menschen haben sich auf den Weg in die Freiheit gemacht und wollen ein Leben in Wohl- stand führen. Die erfolgreiche Integration der Neuankömmlinge erfordert Sprach- und Bildungspro- gramme seitens des Landes und der Unternehmen. Die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, sich 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 \* 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 90.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000 90.000 1989 1995 2000 2005 2010 2014 Zuzüge Fortzüge \* Enormer Bevölkerungsrückgang nach 1988 Wanderungssaldo inzwischen positiv THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 7 offen für Neues zu zeigen, zumal der Anteil der Ausländer an den Thüringer Einwohnern unter 2 % liegt (alte Bundesländer 9 %). Damit sind die Verhältnisse z.B. für den schnellen Spracherwerb ideal. Je beherzter hier alle Beteiligten agieren, desto eher gewinnt das Land motivierte Neubür- ger. Sie können das Arbeitskräftepotenzial verjüngen, wenn sie den Standort Thüringen als attrak- tiv erleben und bleiben. Denn dass die Thüringer Bevölkerung schon jetzt „reifer“ ist, zeigt die Statistik unmissverständlich. Altersstruktur mit Langzeitwirkung Für die trotz Zuwanderung abnehmende Einwohnerzahl Thüringens ist das Geburtendefizit aus- schlaggebend: Es sterben pro Jahr ca. 10.000 Menschen mehr als geboren werden. Ursache ist der Altersaufbau der Thüringer Bevölkerung, der sich seit der Wiedervereinigung aufgrund der Abwanderung stark verändert hat. Geburtendefizit von rund 10.000 Menschen Thüringer unter 25 Jahre relativ rar Thüringen: Einwohner Thüringen: Einwohner \*Eigene Schätzung basierend auf Januar bis November 2014 Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Mittlerweile ist die Zahl der „Jungen“ bis 25 Jahre von rund 900.000 auf 400.000 gesunken. Bei der nächsten Altersgruppe der 25- bis 50-Jährigen ist ein Rückgang um etwa 280.000 Personen fest- zustellen. Die Zahl 50- bis unter 65-Jährigen blieb seit 1988 über einen längeren Zeitraum fast unverändert, stieg aber dann auf 530.000 Menschen an. Die Gruppe der über 65-Jährigen ver- zeichnet dagegen schon seit der Wiedervereinigung eine Zunahme auf zuletzt 510.000 Personen. Bevölkerungsprognose: Anhaltender Rückgang in Thüringen Thüringen: 12. koordinierte Bevölkerungsvorausschätzung: Einwohner in 1.000 Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research An diesen Trends lässt sich in absehbarer Zeit nichts ändern, denn Kinder, die nach 1989 nicht geboren wurden, stehen natürlich auch nicht als potenzielle Eltern für künftige Generationen zur Verfügung: Gemäß der Bevölkerungsprognose1 wird sich die Einwohnerzahl Thüringens von der- zeit 2,2 Mio. auf zunächst 1,8 Mio. im Jahr 2030 bis zu 1,3 Mio. im Jahr 2060 weiter verringern. 1 12. koordinierte Bevölkerungsvorausschätzung; Prognosen basiert auf den neuen Zensusdaten liegen für Thüringen noch nicht vor. 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 1989 1995 2000 2005 2010 2014 Lebendgeborene Gestorbene \* 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 800.000 900.000 1.000.000 1988 1991 1995 2000 2005 2013 unter 25 Jahre 25 bis unter 50 Jahre 50 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre Zensus 0 250 500 750 1.000 1.250 1.500 1.750 2.000 2.250 200 300 400 500 600 700 800 2011 2020 2030 2040 2050 2060 unter 25 Jahre 25 bis unter 50 Jahre 50 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre Zensus Einwohner (rechte Skala) Bevölkerungsprognose: Weiterer Rückgang absehbar THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 8 2 Neue Wirtschaftsstruktur schafft Fakten Zunächst weniger Einwohner, weniger Interesse und weniger Nachfrage Der Bevölkerungsrückgang in den neuen Ländern bedeutete auch ganz direkt eine drastische Schrumpfung der Zahl der potenziellen Konsumenten vor Ort. Denn wenn rund 2,9 Mio. Men- schen, d.h. 20 %, weniger in einer Region leben, dämpft dies den Konsum in erheblichem Umfang. In Thüringen betrug die Abnahme seit 1988 rund 550.000 Einwohner. Zudem waren ostdeutschen Konsumenten zunächst mehr daran interessiert, Neues aus dem „Westen“ kennenzulernen, so dass heimische Erzeugnisse kaum noch Zuspruch fanden. Die angestammten Hersteller waren außerdem häufig weder preislich noch qualitativ wettbewerbsfähig. Aufgrund mangelnder Nachfra- ge sank die Produktion der Thüringer Industrie 1991 auf 18 % des gesamtdeutschen Pro-Kopf- Wertes. Wirtschaftsleistung in Thüringen enorm gestiegen Thüringen auf den Weltmärkten erfolgreich BIP bzw. Bruttowertschöpfung pro Kopf in % des gesamtdeutschen Durchschnitts Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz in % Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research \*Januar bis März 2015 Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Herausforderung nationaler und internationaler Wettbewerb gemeistert Die Ursachen für die mangelhafte Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen waren zum großen Teil systembedingt. Zwar hatten viele Betriebe durchaus Forschung betrieben und auch neue Produkte und Produktionsverfahren entwickelt, doch war die Markteinführung im Rah- men der Planwirtschaft häufig nicht möglich gewesen, weil die finanziellen Mittel dazu fehlten. Zusätzlich hatte der Zwang, neben Investitionsgütern auch Konsumgüter herzustellen, die notwen- dige Spezialisierung in den Kombinaten behindert und Ressourcen gebunden. Thüringen: Exporte jetzt weltweit gefragt Deutschland: Exporte steigen schneller als Importe Anteil an den Exporten in % in Bill. € Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Mit der Auflösung des kommunistischen Ostblocks ab 1992 ging auch der entsprechende Wirt- schaftsraum mit seinen festen Liefer-, Abnahme- und Zahlungsbestimmungen unter. Die Folge war, dass die Auslandsnachfrage nach Produkten aus der ehemaligen DDR zusammenbrach, 34% 18% 70% 71% 0% 20% 40% 60% 80% 100% 0% 20% 40% 60% 80% 100% BIP Industrie 2005 2010 2000 1995 2014 1991 10 15 20 25 30 35 40 45 50 10 15 20 25 30 35 40 45 50 91 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 Deutschland Thüringen \* Ostdeutschland 0 2 4 6 8 10 12 14 0 2 4 6 8 10 12 14 1991 1995 2000 2005 2010 2014 Restliche Welt Osteuropa Westeuropa 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1991 1995 2000 2005 2010 2014 Exporte Importe Bevölkerungsrückgang heißt auch weniger Konsumenten Osteuropa: Wichtiges Exportziel THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 9 zumal nun in harter Währung dafür bezahlt werden musste. Teilt man ganz Europa in einen westli- chen und einen östlichen Teil grob auf, dann halbierte sich 1992 der Wert der Waren, die von Thü- ringen nach Osteuropa exportiert wurden. Es dauerte anschließend fast zehn Jahre bis die Ausfuh- ren in den Osten wieder den Wert von 1991 erreichten. Inzwischen ist auch diese Phase Ge- schichte. 2014 wurden in die Staaten des ehemaligen Ostblocks 26 % der Thüringer Exporte aus- geführt und ihr Wert hat sich gegenüber 1991 vervierfacht. Thüringen: Exporte jetzt weltweit gefragt Deutschland-Export: Emanzipierung von Westeuropa Anteil an den Exporten in % Anteil an den Exporten in % Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Thüringer Unternehmen meldeten sich aber nicht nur bei den alten Handelspartnern zurück, sondern gewannen neue Märkte hinzu. Von 1991 bis 2014 verdreizehnfachten sich die Exporte nach Westeuropa und verachtzehnfachten sich in die Länder außerhalb Europas. Damit hat sich die Exportstruktur in Thüringen diversifiziert: 47 % der Ausfuhren gehen heute nach Westeuropa und 27 % in die übrige Welt. In Deutschland insgesamt veränderten sich ebenfalls die Zielregionen. Zwar ist Westeuropa wei- terhin der wichtigste Handelspartner, allerdings sank der Anteil von 71 % auf 52 %. Osteuropa mit einem Anteil von 16 % und die übrige Welt mit 32 % konnten seit 1991 je etwa zehn Prozentpunkte hinzugewinnen. Vor diesem Hintergrund ist die Leistung der Unternehmen in Thüringen besonders zu würdigen, mussten sie sich doch in stark umkämpften oder bereits aufgeteilten Märkten Eintritt verschaffen. Die Exportquote, also der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz, ist in Thüringen seit dem Tiefpunkt 1993 mit knapp 12 % auf 32 % angestiegen. Auch der Absatz der Thüringer Waren in Deutschland konnte erheblich gesteigert werden. Der wirtschaftliche Output der Thüringer Industrie insgesamt erhöhte sich damit enorm: Die Bruttowert- schöpfung pro Einwohner liegt in Thüringen inzwischen bei über 70 % des deutschen Durch- schnitts und ist seit 1991 um mehr als 50 Prozentpunkte gestiegen. Eine derartige Aufholjagd hat kein anderer Wirtschaftszweig hingelegt. Dienstleister etablieren sich Die Wiedervereinigung führte zu einer neuen Gewichtung innerhalb der Waren- und Dienstleis- tungspalette Thüringens: Die Ausgangssituation in den neuen Bundesländern war nämlich nahezu konträr zur der Westdeutschlands. So arbeiteten 1988 in Thüringen über 50 % der Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe. Im westdeutschen Durchschnitt waren es mit 37 % deutlich weniger. Der Thüringer Dienstleistungssektor spielte dagegen mit 38 % eine geringere Rolle als in West- deutschland mit fast 60 %. Im kleinsten Sektor Land-/Forstwirtschaft waren in Thüringen zu DDR- Zeiten immerhin 10 % der Erwerbstätigen beschäftigt, während in Westdeutschland der Anteil weniger als die Hälfte betrug. Ursache für die geringe Bedeutung des Dienstleitungsbereichs in der DDR war zum einen eine gewisse Bevorzugung des Produzierenden Gewerbes, da Dienstleistungen nur für die persönliche Grundversorgung als notwendig angesehen wurden oder als integraler Bestand der Produktion. 1991 Westeuropa 32% Osteuropa 55% Übrige Welt 13% 2014 Westeuropa 47% Osteuropa 26% Übrige Welt 27% 1991 Westeuropa 71% Osteuropa 7% Übrige Welt 22% 2014 Westeuropa 52% Osteuropa 16% Übrige Welt 32% Erfolge in Westeuropa Dienstleister in DDR wenig unterstützt THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 10 Handel und Gastgewerbe, Telekommunikation und Information sowie Kunst und Unterhaltung spielten nur eine geringe Rolle. Zum anderen waren viele Dienstleistungen, die in den alten Bun- desländern von externen Anbietern erbracht wurden, in der DDR als Unternehmensteile noch in die Kombinate eingegliedert und traten damit statistisch im Produzierenden Gewerbe in Erschei- nung. Thüringens Wirtschaftsstruktur: Wandel im Zeitraffer Kontinuierliche Tertiärisierung in Westdeutschland Erwerbstätige, Anteil in % Erwerbstätige, Anteil in % Quellen: Thüringer Landesamt f. Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Dies änderte sich schlagartig mit der Wiedervereinigung. Inzwischen sind die Dienstleister in Thü- ringen Arbeitgeber für 68 % der Beschäftigten und liegen damit nur sechs Prozentpunkte unter dem westdeutschen Durchschnitt. Das Produzierende Gewerbe mit dem Hauptbestandteil Indust- rie hat viel von seiner früheren Bedeutung eingebüßt, ist allerdings mit einem Beschäftigtenanteil von 30 % immer noch stärker ausgeprägt als in den alten Ländern. Denn auch in Westdeutschland setzte sich der Prozess der Tertiärisierung der Wirtschaft fort und der Anteil des Produzierenden Gewerbes an der Beschäftigung ist auf 25 % gesunken. Mit der stärkeren Dienstleistungsorientierung musste in Thüringen quasi im Zeitraffer die berufliche Umorientierung erfolgen, was für den Einzelnen sicher nicht immer einfach war. Doch die Leistung wurde belohnt. Insgesamt steht in Thüringen das Angebot an Waren und Dienstleistungen in kei- ner Weise mehr hinter dem anderer Bundesländer zurück. „Made in Thüringen“ errang nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit, wodurch Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen wurden. 3 Arbeitsmarkt: Zeitpräferenzen verwirklichen Schwierige Ausgangslage Das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt war in den neuen Ländern über lange Zeit hinweg ge- stört. Der Rückgang der Produktion infolge des nationalen und internationalen Nachfrageausfalls war drastisch. Zudem mussten weite Teile der ostdeutschen Volkswirtschaft privatisiert werden. Dies alles führte zur Auflösung der großen Kombinate entweder durch Verkauf meist von Unter- nehmensteilen oder durch Schließung des (Rest-)Betriebs. Beides resultierte häufig in der Entlas- sung des Großteils der Belegschaft. Es herrschte große Verunsicherung darüber, ob das eigene Können in den neuen Strukturen noch gefragt sei. Mit Aus- und Weiterbildung oder gar einem vollständigen beruflichen Neustart begeg- neten die meisten Menschen dieser Herausforderung. Das Thema Arbeitszeit spielte damals so gut wie keine Rolle – im Vordergrund stand überhaupt wieder Fuß zu fassen. 10% 4% 2% 2% 52% 37% 32% 30% 38% 59% 66% 68% 1988 1992 2002 2014 Dienstleister/Staat Produzierendes Gewerbe Land-, Forstwirtschaft 4% 3% 2% 1% 37% 35% 29% 25% 59% 62% 69% 74% 1988 1992 2002 2014 Dienstleister/Staat Produzierendes Gewerbe Land-, Forstwirtschaft Dienstleister inzwischen Hauptarbeitgeber THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 11 In der Übergangsphase standen umfangreiche arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie Kurzarbeit Null, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Weiterbildungsprogramme bereit, die 1991 in Thürin- gen von nahezu 500.000 Personen genutzt wurden. Gemeldete Arbeitslose gab es dagegen „nur“ 150.000. Bis 1997 wurde die Unterstützung zurückgefahren, entsprechend stieg die Anzahl der registrierten Arbeitslosen auf 220.000 Menschen. Neue Arbeitsplätze und Demografie räumen Arbeitsmarkt 2014 ist nun die offizielle Zahl auf 90.000 Arbeitssuchende gesunken und weitere 25.000 Perso- nen werden im Rahmen von Arbeitsförderung unterstützt. Diese enorme Abnahme spielte sich hauptsächlich nach 2005 ab (2009 stellte aufgrund der Wirtschaftskrise eine Ausnahme dar). In dieser Zeit sank die Zahl der Arbeitslosen in Thüringen um 57 %, während in Westdeutschland der Rückgang mit 36 % geringer war. Hier macht sich die Altersstruktur auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Inzwischen sind 41 % der Thüringer Arbeitslosen 50 Jahre und älter – in den alten Bundesländern liegt der Anteil um zehn Prozentpunkte niedriger. Dies wird auch in den kommen- den Jahren bewirken, dass in Thüringen die Arbeitslosigkeit schneller sinkt als im Bundestrend. Personenzahl auf dem Arbeitsmarkt nimmt ab Arbeitslosenquote sinkt seit 2006 in Thüringen Thüringen: Personen Arbeitslosenquote in % aller Erwerbspersonen Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research \* 1994-1997: eigene Schätzung Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Neben dem eher passiven Einfluss der Altersstruktur, der Arbeitssuchende in den Ruhestand ver- setzt, werden Ältere am Arbeitsmarkt auch nachgefragt. Dies zeigt sich darin, dass seit 2010 die Zahl der Arbeitslosen der Generation 50plus in Thüringen um fast 10 % gesunken ist, wohingegen sie in Westdeutschland um 6 % angestiegen ist. In der Entwicklung der Arbeitslosenquote ist die Abnahme der Erwerbslosigkeit und die Zunahme der Arbeitsstellen zusammengefasst: Seit ihrem Höhepunkt im Jahr 1997 ist sie in Thüringen von rund 18 % auf 7,8 % in 2014 gesunken. Dabei war die Abnahme stärker als im ostdeutschen Durchschnitt, der sich nur auf knapp 10 % verringer- te. Der Arbeitslosenquote in Thüringen unterscheidet sich damit immer weniger von der Gesamt- deutschlands (6,7 %). Erwerbstätigenzahl seit 2010 nahezu unverändert Thüringen: Erwerbstätige in 1.000 Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research 150.401 193.436 219.265 193.548 209.942 136.250 90.160 77.400 88.800 29.724 22.063 34.577 66.426 28.558 61.975 24.145 61.299 23.708 297.280 73.485 35.583 79.346 134.820 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 700.000 1991 1992 1997 2000 2005 2009 2014 Vorruhestand Kurzarbeiter Personen in Fördermaßnahmen Weiterbildung Arbeitslose 6 8 10 12 14 16 18 20 6 8 10 12 14 16 18 20 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Thüringen\* Ostdeutschland Deutschland 1.000 1.050 1.100 1.150 1.200 1.250 1.000 1.050 1.100 1.150 1.200 1.250 1991 1995 2000 2005 2010 2014 Arbeitslose: Niedrigster Stand seit Wieder- vereinigung THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 12 Die Zahl der Erwerbstätigen betrug in Thüringen 1991 rund 1.225.000. Danach sank die Beschäfti- gung unter Schwankungen auf 1.010.000 im Jahr 2005. Seit 2010 bewegt sie sich um den Wert von 1.050.000. Dabei hat sich der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung wieder verbessert und erreicht in Thüringen mit 49 % in etwa den Ausgangswert von 1991. Der Durchschnitt in Ge- samtdeutschland liegt mit 53 % allerdings noch darüber. Reife Arbeitnehmerschaft in Thüringen Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Juni 2014, % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Altersstruktur der Beschäftigten weicht in Thüringen vom Bundesdurchschnitt ab. So summiert sich der Anteil der über 50-Jährigen auf 36 %, wohingegen er in den alten Bundesländern mit 31 % geringer ist. Die Entwicklung ist aber ähnlich. So stieg der Anteil in den letzten zehn Jahren in Thüringen um 12 Prozentpunkte und in Deutschland um 10 Prozentpunkte. Interessant ist, dass in Thüringen die 50plus-Minijober die Hälfte der geringfügig Beschäftigten stellen, während sie in Westdeutschland nur knapp 40 % ausmachen. Lebensplanung von Männer und Frauen bestimmt Arbeitszeit In Thüringen, in dem die Arbeitslosenquote kaum noch über dem Bundesdurchschnitt und in eini- gen Regionen sogar deutlich darunter liegt, stellt sich für viele Beschäftigten die Frage nach der Präferenz bezüglich der Arbeitszeit. De facto arbeiten hier 57 % der Frauen Vollzeit, in den alten Bundesländern nur 53 %. Männer entscheiden sich zu 90 % für eine Vollzeitstelle, unabhängig vom Wohnort. Damit ist der Unterschied zwischen Ost und West relativ klein. Ob die Wahl immer freiwillig getroffen wurde, geht aus diesen Zahlen nicht eindeutig hervor. Arbeitslose können äu- ßern, ob sie einen Teilzeitwunsch haben. Hier geben in Thüringen nur rund 20 % der arbeitslosen Frauen an, Teilzeit arbeiten zu wollen, während es in den alten Ländern gut 30 % sind. Dies lässt darauf schließen, dass mehr Frauen in Thüringen Vollzeit anstreben, als sie es derzeit verwirkli- chen können. Bei Männern in Ost und West entspricht die gewünschte Arbeitszeit weitgehend der realisierten. Vollzeitstellen dominieren Leiharbeit: Konjunkturell und strukturell gesteuert Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in % Leiharbeiter 2007 = 100 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research bis 25 Jahre 8% 25 bis 50 Jahre 58% über 50 Jahre 34% Ostdeutschland bis 25 Jahre 11% 25 bis 50 Jahre 58% über 50 Jahre 31% Westdeutschland bis 25 Jahre 8% 25 bis 50 Jahre 56% über 50 Jahre 36% Thüringen 90% 57% 87% 56% 90% 53% 10% 43% 13% 44% 10% 47% Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen Vollzeit Teilzeit Thüringen Westdeutschland Ostdeutschland 70 80 90 100 110 120 130 70 80 90 100 110 120 130 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Thüringen Ostdeutschland Deutschland Verbesserte Erwerbstätigenquote Teilzeit von Frauen nicht immer gewünscht THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 13 Die Arbeitgeberseite hat ebenfalls Präferenzen, um flexibel auf konjunkturelle Stoßzeiten reagieren zu können. So sind etwa 4 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen Leihar- beiter. Dies liegt über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 2,6 %. Bei den geringfügig Beschäf- tigten spielt Leiharbeit in Thüringen mit einem Anteil von 1,3 % eine kleinere Rolle (Deutschland 1,0 %). Erwähnenswert ist zudem, dass Leiharbeiter in Thüringen zu 95 % in einem sozialversiche- rungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, deutschlandweit sind es nur 91 %. Die Entwicklung der Leiharbeit hat eine starke konjunkturelle Komponente und stieg 2014 nach zwei Jahren mit Rückgängen wieder an – ähnlich wie das Thüringer Wirtschaftswachstum. Das vergleichsweise hohe Niveau der Leiharbeit dürfte aber eher von strukturellen Unsicherheiten hervorgerufen worden sein. Die meisten Handelspartner in Europa haben zwar die akute Gefahr, die von der Staatsschuldenkrise ausging, überwunden und wachsen wieder. Jedoch werden sich die Rettungskonzepte in den kommenden Jahren erst beweisen müssen, so dass hierzulande – mit Blick auf die unsichere Nachfrage in Europa – eine beherzte Investitionstätigkeit bisher ausge- blieben ist. Dies wirkt sich bremsend auf das Angebot von Festanstellungen in manchen Betrieben aus. Thüringer Unternehmen scheinen hier besonders vorsichtig zu agieren, denn dass sich alles sehr schnell ändern kann, diese Erfahrung nach der Wiedervereinigung sitzt tief. Allerdings müssen sich die Thüringer Unternehmen auch der Herausforderung stellen, den richti- gen Zeitpunkt nicht zu verpassen, „geliehene“ Mitarbeiter in die Betriebe zu übernehmen. Ansons- ten droht die Gefahr, dass diese erfahrenen Kräfte nicht gehalten werden können, zumal wenn die Entlohnung und das Arbeitsumfeld nicht wettbewerbsfähig sind. Denn dass die Uhren der Arbeit- geber zunehmend im Takt der Arbeitnehmer laufen werden, daran lässt das demografische Pendel keinen Zweifel. 4 Konjunktur intakt Wirtschaftswachstum setzt sich 2015 fort Konjunktur ist das Ergebnis von Wirtschaften im Zeitablauf. Sie kann erheblich schwanken, da nicht nur Unternehmensentscheidungen vor Ort das Tempo vorgeben, sondern das „große Ganze“ mit seiner eigenen, nicht immer absehbaren Dynamik hinzukommt. Für Thüringen verlief dieser Prozess 2014 erfolgreich: Das BIP stieg mit 1,6 % genauso stark wie in Deutschland insgesamt. Im Jahr zuvor war es allerdings leicht zurückgegangen. 2015: Nochmal Wachstum Alle Wirtschaftsbereiche im Plus Reales BIP: Veränderung gegenüber Vorjahr in % Reale Bruttowertschöpfung 2010-2014: Veränderung gegenüber Vorjahr in % Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Volkswirtschaft/Research In allen großen Wirtschaftsbereichen verbesserte sich die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr erheblich. Die Thüringer Industrie expandierte dabei nicht ganz so dynamisch und blieb mit einer -6 -4 -2 0 2 4 6 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 -6 -4 -2 0 2 4 6 Thüringen Deutschland Prognose -10 -5 0 5 10 15 20 -10 -5 0 5 10 15 20 Deutschland Thüringen Baugewerbe Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information/ Kommunikation Finanzierung, Versicherung Vermietung, Unternehmens- dienstleister Öffentliche und sonstige Dienstleister Industrie Leiharbeiter zu 95 % sozialversichert BIP-Wachstum 2014: 1,6 % THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 14 Wachstumsrate von 1,3 % hinter dem Bundesdurchschnitt von 2,2 % zurück. Allerdings war der Industriezyklus in Thüringen früher in Gang gekommen und hatte schon 2013 für ein Wachstum von 1,5 % (Deutschland: +0,3 %) gesorgt. Industrie: Dynamik nimmt zu Thüringen gut gestartet Thüringen: Veränderung gegenüber Vorjahresquartal in % Auftragseingang Verarbeitendes Gewerbe, Quartalsdurchschnitt, Index 2010 = 100 Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Der Start 2015 war vielversprechend. So stieg im ersten Quartal der Industrieumsatz im In- und Ausland um 2,2 % bzw. 4,4 % gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt ergab sich daraus in Thüringen ein Umsatzplus von 2,9 %, das deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 1,3 % lag. Die Auf- tragseingänge erholten sich ebenfalls, konnten aber nicht ganz an das extrem hohe Vorjahreser- gebnis heranreichen. Zusammengefasst deutet alles auf ein solides Wachstumsjahr für die Thürin- ger Industrie hin, zumal auch der Beschäftigungstrend in dem Wirtschaftszweig positiv ist. Diversifizierte Industriestruktur Fast alle Industriebranchen im Plus Thüringen: Anteil am Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe in %, 2014 Thüringen: Verarbeitendes Gewerbe, Umsatz: Veränderung ggü. Vorjahr in % Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Wirtschaftsstruktur der Thüringer Industrie ist diversifizierter als in manch anderem Bundes- land. So stellen vier Branchen – Ernährungsgewerbe, Metallbranche, Elektrotechnik/Optik, Kraft- wagen/Kfz-Teile – nahezu gleichgewichtig 58 % des Thüringer Industrieumsatzes dar. Sie waren bis auf das Nahrungsmittelgewerbe 2014 alle im Plus. Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Bi- lanz für die meisten Industriezweige ebenfalls erfreulich. Besonders hohe Zuwächse zwischen 6 % und 12 % erreichen Elektrotechnik/Optik, Kraftwagen/Kfz-Teile, Maschinenbau und Che- mie/Pharma. Die anderen Bereiche entwickelten sich spürbar schwächer. Im Baugewerbe kam es 2014 mit 2,9 % zu einem Anstieg, der den Rückgang im Vorjahr quasi ausglich. Hier war der „ausgefallene“ Winter ausschlaggebend, der die Bausaison im letzten Jahr auch bundesweit spürbar ausweitete. Die Auftragseingänge zogen im ersten Quartal 2015 um 8 % kräftig an, so dass für das Gesamtjahr wieder Wachstum in der Thüringer Baubranche zu erwarten ist, das allerdings geringer ausfallen dürfte als 2014. -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 08 09 10 11 12 13 14 15 08 09 10 11 12 13 14 15 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 Inlandsumsatz Auslandsumsatz 90 95 100 105 110 115 120 90 95 100 105 110 115 120 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Deutschland Thüringen Ernährungs- gewerbe 13% Metallbranche 16% Elektrotechnik, Optik 14% Kraftwagen, Kfz-Teile 15% Gummi-, Kunststoff- waren 9% Maschinen- bau 9% Holz/Papier 6% Sonstige 9% Glas, Keramik, Verarb. v. Steinen/Erden 4% Chemie/Pharma 4% -1% 3% 10% 1% 7% 2% 0% 4% 1% -1% 1% 3% -4% 10% 8% -2% 6% 0% -5% 12% Ernährungsgewerbe Metallerzeugnisse Metallerzeugung Elektrotechnik, Optik Kraftwagen, Kfz-Teile Gummi-, Kunststoffwaren Maschinenbau Holz-, Papiergewerbe Glas, Keramik, Steine/Erden Chemie/Pharma 2014 2015: Jan.-März Gutes Jahr für Industrie THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 15 Die Dienstleistungsbereiche lieferten in Thüringen 2014 mit einem Plus von 1,5 % eine etwa gleich hohe Wachstumsrate wie in Deutschland insgesamt (1,4 %). Da in Thüringen in der Vergangenheit auf ein „starkes Dienstleistungsjahr“ häufig ein schwächeres folgte, ist in diesem Jahr mit weniger zu rechnen. Dies bremst aufgrund des inzwischen erheblichen Anteils der Dienstleister die BIP- Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum wird 2015 deshalb in Thüringen mit etwa 1,5 % etwas schwächer ausfallen als bundesweit mit 1,8 % (arbeitstäglich unbereinigt). Beschäftigungsschwelle erneut überschritten Auf dem Arbeitsmarkt ist mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. So lag 2014 die Arbeitslosen- quote mit durchschnittlich 7,8 % erneut unter dem Vorjahreswert (8,2 %). Dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr fort: Die Arbeitslosenquote sank im Mai auf 7,3 % und war damit um einen hal- ben Prozentpunkt niedriger als im Vorjahr. Arbeitslosigkeit sinkt weiter Schwache Beschäftigungzunahme Arbeitslosenquote in % aller zivilen Erwerbspersonen Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, % gg. Vj. Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Zahl der Arbeitslosen hat dabei in Thüringen mit 7,0 % überdurchschnittlich abgenommen (Ostdeutschland: -6,6 %; Westdeutschland: -3,2 %). Zum Teil ist dies auf eine Zunahme der so- zialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückzuführen, die allerdings zuletzt relativ gering ausfiel (März 2015: +0,4 %). Ein weiterer Aspekt ist die schon erwähnte „ältere“ Altersstruktur. Entspre- chend mehr Personen werden in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben bzw. vom Ar- beitsmarkt ausscheiden. Die Beschäftigungsschwelle dürfte im laufenden Jahr wieder überschrit- ten werden, was Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften hervorruft. Das Ausmaß dürfte aber gerin- ger ausfallen als 2014. Insolvenzen auf niedrigem Niveau Sinkender Trend bei Gewerbeanmeldungen Thüringen: Zahl der Unternehmensinsolvenzen Thüringen: Zahl der Gewerbeanzeigen Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Entlastend für den Arbeitsmarkt in Thüringen sind die zurückgehenden Insolvenzen. So waren 2014 rund 2.400 Beschäftigte von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen, während vor fünf- zehn Jahren die Zahl noch zwischen 5.000 und 8.000 Mitarbeiter pro Jahr lag. Die Zahl der Grün- dungen – hier gemessen an den Gewerbeanzeigen – ist Thüringen in den letzten Jahren stark 6 8 10 12 14 16 6 8 10 12 14 16 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Deutschland Thüringen Ostdeutschland -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Thüringen Deutschland Quartalswerte Monatswerte 0 500 1.000 1.500 0 500 1.000 1.500 91 92 93 94 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 12.000 14.000 16.000 18.000 20.000 22.000 24.000 26.000 12.000 14.000 16.000 18.000 20.000 22.000 24.000 26.000 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Anmeldungen Abmeldungen BIP-Wachstum in Thüringen 2015: etwa 1,5 % Beschäftigungsaufbau geringer als 2014 THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 16 gefallen. Grundsätzlich macht sich auch hier die demografische Entwicklung bemerkbar, die einen Rückgang gerade in den jüngeren, gründungsaffinen Altersgruppen verursachte. 5 Investieren: Megatrends nicht verpassen Thüringen hat in den letzten 25 Jahren sehr viel erreicht. In dem Bundesland ist eine Wirtschafts- struktur entstanden, die mit vielen erfolgreichen Unternehmen glänzen kann. Dabei haben sich inzwischen auch thüringenspezifische Cluster gebildet: Die Bereiche Landwirtschaft und Ernäh- rungsgewerbe sowie Fortwirtschaft und Holz-/Papiergewerbe nutzen die natürlichen Ressourcen des Landes. Sie sind aber auch die Basis für Gastgewerbe, Sport, Unterhaltung und Kultur. Die Logistik hat sich für Thüringen entschieden, weil die Wege von hier aus für den Versand in viele Teile Deutschlands kürzer sind. Die Unternehmen der Spitzentechnologie nutzen die industrielle Tradition und das Innovationspotenzial der Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Interaktion zwischen Megatrends und Clustern Übersicht Quelle: Helaba Volkswirtschaft/Research Die Thüringer Cluster werden von den Megatrends schon jetzt ständig herausgefordert. Mal müs- sen neue Konzepte rund um die Themen Klima, Umweltschutz und Energie gefunden werden. Einerseits werden soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit diskutiert, an die sich die Forde- rung nach einer höheren Entlohnung nahtlos anschließt. Andererseits darf die Konkurrenz aus dem In- und Ausland nicht aus den Augen verloren werden. Die demografische Entwicklung wirkt in alle Bereiche hinein. Thüringen ist aber hier nicht nur be- troffen, sondern kann auch profitieren. Die Kur- und Badeorte bieten rund um Wellness, Gesund- heit und Sport viele Möglichkeiten zur Erholung. Doch auch Industrieunternehmen aus den Berei- chen Medizintechnik, Orthopädie und Pharma kümmern sich um die Wehwehchen und helfen bei der Behandlung von Krankheiten. Der Bevölkerungsrückgang kann bei entsprechendem Konsum- verhalten die vorhandenen Ressourcen schonen. In der Bildung kann das Weniger an Schülern und Studenten für eine bessere individuelle Förderung genutzt werden. Dies dürfte dann den Un- ternehmen zu Gute kommen, die qualifizierte und motivierte Mitarbeiter suchen. Cluster Globalisierung soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit Parallelgesellschaften, Individualismus Klima-/Umweltschutz Ressourcen- knappheit nachwachsende Rohstoffe Demografie Sport, Wellness, Gesundheit Megatrends Nachhaltigkeit Freizeit Logistik Gastgewerbe, Sport, Unterhaltung, Kultur Industriebranchen Landwirtschaft, Ernährungsgewerbe Forstwirtschaft, Holzgewerbe, Papiergewerbe Bildung, Forschung Telekommunikation Wachstumspole in Eurasien Sicherheit Staatsverschuldung Virtuelle (soziale) Netzwerke every business is local Cluster integraler Bestandteil Thüringens Demografische Entwicklung mit Chancen und Risiken THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 17 Im Jahr 25 nach der Wiedervereinigung dürfte zudem so manche Hightech-Produktionsanlage in die Jahre gekommen sein. Hier sind Investitionen in den Standort gefragt. Die Thüringer Industrie hat dies erkannt. Nachdem der Anteil der Industriebetriebe, die investieren, zwischenzeitlich auf 80 % gesunken war, verbesserte sich der Wert wieder auf 83 % im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2013. Investionen wieder auf höherem Niveau Thüringer Industrie vergleichsweise investitionsfreudig Thüringer Industrie: Bruttoanlageinvestitionen in Mrd. € in €, Durchschnitt 2011-2013 in %, Durchschnitt 2011-2013 Quellen: Thüringer Landesamt für Statistik, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Thür. Landesamt f. Statistik, Stat. Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Bruttoanlageinvestitionen erholten sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise zunächst schrittweise, gingen aber angesichts der konjunkturellen Abschwächung 2013 fast wieder auf das Niveau von 2010 zurück. Der Hauptteil der Investitionen der Thüringer Industrie (87 %) floss in Maschinen und Betriebsausstattung. Der Rest wurde für die Anschaffung von Grundstücken und Bauten aufgewendet. Darin unterscheidet sich Thüringen nicht vom Bundesdurchschnitt. Bezüglich der Investitionen pro Beschäftigten erreichen die Thüringer Industriebetriebe aufgrund ihrer mittel- ständischen Struktur nicht ganz den Bundeswert. Gemessen am Umsatz zeigen sich die Industrie- unternehmen in Thüringen aber investitionsfreudiger als der gesamtdeutsche Durchschnitt. Dies ist wichtig, damit die Megatrends in den nächsten 25 Jahren für Thüringen nicht zum Risiko werden, sondern sich zur Chance entwickeln. Mit den Investitionen wird zum Teil auch die Entwicklung der Industrie 4.0 vorangetrieben, die die Steuerung der Produktion mit dem Vertrieb verknüpft. Dies dürfte zu ähnlichen Veränderungen führen, wie einst die Automatisierung der Produktion und die Einführung der elektronischen Daten- verarbeitung. Thüringen mit seiner diversifizierten Wirtschaftsstruktur aus Industrie und Dienstleis- tern kann in diesem Prozess auf allen Ebenen mitwirken. Die Vernetzung von Produktion und Dienstleistungen bringt zudem neue Kommunikationsformen zwischen Maschinen und Mitarbeitern aus allen Unternehmensbereichen. Durch die virtuelle Er- reichbarkeit zu jeder Zeit löst sich die Trennlinie zwischen Berufs- und Privatleben immer mehr auf. Dies stellt das traditionelle Zeitmanagement an der Arbeitsstelle und zu Hause in Frage. Chancen und Risiken gilt es hierbei abzuwägen. Nur wenn mit der neuen Flexibilität verantwortungsvoll umgegangen wird, können die Gestaltungsspielräume der Beschäftigten erweitert und gleichzeitig Effizienzgewinne für die Arbeitgeber generiert werden.  0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 Maschinen, Betriebsausstattung Grundstücke ohne Bauten bebaute Grundstücke und Bauten 9.000 9.378 4,8 3,2 0 1 2 3 4 5 6 8.000 8.200 8.400 8.600 8.800 9.000 9.200 9.400 9.600 Thüringen Deutschland Investitionen pro Beschäftigten in € Investitionen gemessen am Umsatz in % Investitionen höher, aber auch konjunkturell beeinflusst niveau Zeitmanagement 4.0 THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 18 Adressen der Landesbank Hessen-Thüringen Hauptsitze Frankfurt am Main MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52–58 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/29 15 17 Erfurt Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-71 00 Telefax 03 61/2 17-71 01 Bausparkasse Landesbausparkasse Hessen-Thüringen Offenbach am Main Strahlenbergerstraße 13 63067 Offenbach am Main Telefon 0 69/91 32-02 Telefax 0 69/91 32-29 90 Erfurt Bonifaciusstraße 19 99084 Erfurt Telefon 03 61/2 17-60 2 Telefax 03 61/2 17-70 70 Förderbank Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Strahlenbergerstraße 11 63067 Offenbach am Main Telefon 0 69/91 32-01 Telefax 0 69/91 32-24 83 Niederlassungen Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf Telefon 02 11/3 01 74-0 Telefax 02 11/3 01 74-92 99 Kassel Ständeplatz 17 34117 Kassel Telefon 05 61/7 06-60 Telefax 05 61/7 06-8 65 72 London 3rd Floor 95 Queen Victoria Street London EC4V 4HN Großbritannien Telefon +44 20/73 34-45 00 Telefax +44 20/74 89-03 76 New York 420, Fifth Avenue New York, N.Y. 10018 USA Telefon +1 212/7 03-52 00 Telefax +1 212/7 03-52 56 Paris 118, avenue des Champs Elysées 75008 Paris Frankreich Telefon +33 1/40 67-77 22 Telefax +33 1/40 67-91 53 Repräsentanzen Madrid (für Spanien und Portugal) General Castaños, 4 Bajo Dcha. 28004 Madrid Spanien Telefon +34 91/39 11-0 04 Telefax +34 91/39 11-1 32 Moskau Novinsky Boulevard 8 Business Centre Lotte, 20th Floor 121099 Moskau Russland Telefon +7 495/2 87-03-17 Telefax +7 495/2 87-03-18 Shanghai Unit 022, 6th Floor Hang Seng Bank Tower 1000 Lujiazui Ring Road Shanghai, 200120 China Telefon +86 21/68 77 77 07 Telefax +86 21/68 77 77 01 Singapur One Temasek Avenue #05-04 Millenia Tower Singapore 039192 Telefon +65/62 38 04 00 Telefax +65/62 38 99 78 Immobilienbüros Berlin Joachimsthalerstraße 12 10719 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-13 14 Telefax 0 30/2 06 18 79-69 München Lenbachplatz 2a 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-0 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 10 THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT N UT ZE N HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 19 Sparkassen- Verbundbank-Büros Düsseldorf Uerdinger Straße 88 40474 Düsseldorf Telefon 02 11/3 01 74-0 Telefax 02 11/3 01 74-92 99 München Lenbachplatz 2a 80333 München Telefon 0 89/5 99 88 49-10 14 Telefax 0 89/5 99 88 49-10 10 Stuttgart Kronprinzstraße 11 70174 Stuttgart Telefon 07 11/2 80 40 4-0 Telefax 07 11/2 80 40 4-20 Berlin Joachimsthalerstraße 12 10719 Berlin Telefon 0 30/2 06 18 79-13 10 Telefax 0 30/2 06 18 79-69 Auswahl der Tochtergesellschaften Frankfurter Sparkasse Neue Mainzer Straße 47–53 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/26 41-0 Telefax 0 69/26 41-29 00 1822direkt Gesellschaft der Frankfurter Sparkasse mbH Borsigallee 19 60388 Frankfurt am Main info@1822direkt.com Telefon 0 69/9 41 70-0 Telefax 0 69/9 41 70-71 99 Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG JUNGHOF Junghofstraße 26 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/1 56 86-0 Telefax 0 69/1 56 86-1 40 Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) AG Börsenstrasse 16, Postfach 8022 Zürich Schweiz Telefon +41 44/2 65 44 44 Telefax +41 44/2 65 44 11 Auswahl der Tochtergesellschaften Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH JUNGHOF Junghofstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon 0 69/2 99 70-0 Telefax 0 69/2 99 70-6 30 GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen Westerbachstraße 33 60489 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 75 51-0 Telefax 0 69/9 75 51-1 50 OFB Projektentwicklung GmbH Speicherstraße 55 60327 Frankfurt am Main Telefon 0 69/9 17 32-01 Telefax 0 69/9 17 32-7 07 THÜRINGEN: FAKTOR ZE IT NUTZEN HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · J U N I 20 15 · © H E L A B A 20 Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Straße 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon 069 9132-2024 Telefax 069 9132-2244 Bonifaciusstraße 16 99084 Erfurt Telefon 03 61 217-7100 Telefax 03 61 217-7101 www.helaba.de

Thüringer Wirtschaftswachstum setzt sich fort. Industrie investitionsfreudig. Beschäftigung steigt. Teilzeitwunsch weniger ausgeprägt. Positiven Wanderungssaldo nutzen.
