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title: "Nordrhein-Westfalen: Internationalität als Risiko oder Chance?"
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updated: 2026-09-28
keywords: Corona, Länder & Regionen, Bundesländer
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# Nordrhein-Westfalen: Internationalität als Risiko oder Chance?

Im Fokus: Bundesländer 12. Oktober 2022 © Helaba | Research &amp; Advisory | 12. Oktober 2022 1 von 5 Research &amp; Advisory Nordrhein-Westfalen: Internationalität als Risiko oder Chance?1 Nordrhein-Westfalen (NRW) ist intensiv in den internationalen Waren-, Dienstleistungs- und Personenver- kehr eingebunden. Das Bundesland hat bisher von der positiven Exportentwicklung profitiert und kann mit dem größten Binnenhafen Europas verkehrsgünstig Waren aus dem Ausland erhalten und dorthin versenden. Wie geht es nun angesichts der globalen Krisen weiter? Standort vieler exportorientierter Unternehmen Die Industrie in NRW erwirtschaftet fast die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland. Einige Bran- chen sind noch export-affiner. So erfolgt der Verkauf pharmazeutischer Produkte zu drei Vierteln und in der Automobilbranche zu zwei Dritteln in Länder außerhalb Deutschlands. Aber auch die im Grundsatz eher regionalen Nahrungs- und Futtermittelhersteller sind in- ternational gefragt und weisen eine Exportquote von rund einem Viertel auf. Regional ist die höchste Ex- portquote der Industrie dem Standort Leverkusen zuzuord- nen, die 75 % ihrer Umsätze durch Exporte verdient. Aber auch in vielen ländlichen Regionen liegt die Ausfuhrquote deutlich über 40 %. Für all diese Unternehmen und ihre Beschäftigten be- deutete die Globalisierung eine Chance. Droht eine Deglobalisierung?2 Die hohen Exportquoten sind das Ergebnis der Aus- weitung des Welthandels in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Allerdings haben sie sich seit 2016 1 Erweiterter und aktualisierter Beitrag für die Sonderbeilage Nordrhein-Westfalen der Börsen-Zeitung vom 24. September 2022. 2 Mehr zu Welthandel und Handelsbarrieren finden Sie hier Im Fokus: Globalisierung in Krisenzeiten Standort vieler exportorientierter Unternehmen ........................................................................ 1 Droht eine Deglobalisierung? ...................................................................................................... 1 Exportgeschäft nach Russland dauerhaft geschädigt .................................................................. 2 China: Partner mit abweichenden Interessen .............................................................................. 3 NRW gut angebunden................................................................................................................... 3 Ausblick: Chancen suchen, Risiken absichern ............................................................................. 4 Barbara Bahadori Regionalanalyse, Medienkonzeption T +49 69 / 91 32 - 24 46 Export spielt in großen NRW Branchen eine Rolle NRW: Verarbeitendes Gewerbe, Exportquote, Januar-Juli 2022 Quellen: IT.NRW, Helaba Research &amp; Advisory 46% 76% 65% 62% 61% 58% 53% 41% 40% 39% 23% Industrie insgesamt Pharma Kfz, Kfz-Teile Maschinenbau Elektron./optische Erzg. Chemie Elektrische Ausrüstungen Gummi-, Kunststoffwaren Metallerzeugung, -bearb. Metallerzeugnisse Nahrungs-, Futtermittel Im Fokus: Bundesländer – Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 12. Oktober 2022 2 von 5 kaum noch verändert. Zwar gab es durchaus erhebliche Umsatzsteigerungen in der Industrie, allerdings unter- schied sich die Dynamik im In- und Ausland kaum. Posi- tiv ausgedrückt blieb der Exportanteil in den letzten Jahren fast stabil, sodass bisher noch nicht von einer Deglobalisierung gesprochen werden kann. Einige Haupthandelspartner der nordrhein-westfäli- schen Wirtschaft sind mit den Niederlanden (12 %), Frankreich (9 %) und Belgien (7 %) in der näheren Um- gebung zu finden. Insgesamt summieren sich die Aus- fuhren in die Eurozone auf einen Anteil von fast 50 % an den NRW-Exporten und weitere 15 % entfallen auf die übrigen Länder der EU. Insofern wird ein Großteil des Handels mit Partnern getätigt, die entweder dem gleichen Währungsraum angehören oder zumindest über enge Verträge miteinander verbunden sind. Diese Beziehungen sollten nicht von einer Deglobalisierung be- troffen sein. Allerdings ist schon zu merken, dass von der in vielen EU-Ländern zu erwartenden Abschwächung des Wachstums aufgrund des Ukraine-Kriegs auch die Ex- portvolumina betroffen sind. Zwar nehmen wertmäßig die Ausfuhren deutlich zu, jedoch sinkt deren Gewicht (in Kilogramm) als grobe Näherung für die realen NRW-Exporte. Daraus lässt sich immerhin auch Positi- ves ableiten: Produkte „made in NRW“ ermöglichen also wegen ihrer international gefragten Qualität, dass die Preissteigerungen, denen die hiesigen Unterneh- men bei Vorprodukten ausgesetzt sind, beim Verkauf ins Ausland überwälzt werden können. Eine reale Er- holung der Exporte dürfte im kommenden Jahr – wenn überhaupt – gering ausfallen. Ein Risiko für die hier ansässige Industrie sind die Energiepreise. Bleiben sie über Jahre hinweg höher als bspw. in den USA oder anderen Ländern der EU, dürfte ihre Wettbewerbsfähigkeit darunter leiden und die Nachfrage nach in Deutschland produzierten Gütern mittelfristig gedämpft werden. Gerade energieintensive Branchen wie die Chemie und die Metallerzeugung werden dann ihre Standortwahl auch in NRW überdenken müssen – es sei denn, es werden in absehbarer Zeit tragfähige Lösungen zur Entschärfung der Energieknappheit und der Energie- kosten gefunden. Exportgeschäft nach Russland dauerhaft geschädigt Der Ukraine-Krieg wirkt sich aufgrund der verschiedenen Embargos erheblich auf die Ausfuhren nach Russland aus. Der Anteil ist derzeit bei rund 1 %. Allerdings spielte die Russische Föderation selbst in den besten Jahren 2011/2012 mit einem Anteil von 3,3 % keine tragende Rolle für die NRW-Industrie insgesamt. Einzelne Unterneh- men mit technologischen Produkten können dagegen deutliche Einbußen im Russlandgeschäft spüren. Mit einer Verbesserung der Beziehungen ist erst in ferner Zukunft zu rechnen. Handelsbeschränkungen dürften deshalb noch lang bestehen – wie dies die Erfahrung mit einmal errichteten Exportrestriktionen in der Vergangenheit zeigt. Ausfuhrziele liegen überwiegend in der EU NRW: Anteil an den Exporten in %, Januar-Juli 2022 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 12 9 7 7 6 6 5 5 4 4 3 3 2 2 2 Niederlande Frankreich USA Belgien Italien Polen China Österreich Großbrit. Spanien Schweiz Tschechien Ungarn Schweden Türkei Exportquoten stagnieren in NRW Industrie: Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz in % \*Durchschnitt: Januar-Juli 2022 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 35 40 45 50 55 35 40 45 50 55 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 NRW \* Im Fokus: Bundesländer – Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 12. Oktober 2022 3 von 5 China: Partner mit abweichenden Interessen Nach China werden 5 % der NRW-Exporte geliefert. Das Land steht auf Platz 7 der Exportdestinationen und hat für NRW eine geringere Bedeutung als bundesweit (Platz 4 mit einem Anteil von 7 %). Der Außenhandel mit China gestaltet sich aufgrund der rigiden Corona-Präventionsmaßnahmen zeitweise sehr problematisch. So können deutsche Tochtergesellschaften vor Ort häufig nur mit erheblichen Aufwand besucht werden und Lieferketten funktionieren nicht mehr verlässlich. Zudem werden dort Waren aus dem Ausland von vielen Abnehmern mit der Gefahr verbunden, neue Virusvarianten zu „importieren“. Dennoch sind die Handelsströme zwischen China und Europa bis jetzt noch weitgehend in Takt. Die Beziehungen Chinas zu Russland wurden durch den Ukraine-Krieg nicht beeinträchtigt – eher im Gegenteil. China nutzt die günstigen Preise für russische Energieträger und importiert diese vermehrt. Zudem ist ein Bau von entsprechenden Pipelines geplant. Auch die Lieferung technologischer Güter an Russland stellt für die chinesi- sche Regierung kein Problem dar und so stammen inzwischen 25 % der russischen Importe aus China. Mittelfristig sehen die Handelsbeziehungen Europas mit China nicht mehr so dynamisch aus wie vor der Corona- Krise. Viele Produkte können in der Volksrepublik selbst hergestellt werden, sodass zusammen mit dem dort auf- kommenden Nationalismus die Nachfrage nach Gütern aus dem „westlichen“ Ausland ihren Höhepunkt langsam überschritten haben dürfte. Außerdem werden die Handelsbeziehungen zu anderen Ländern intensiviert. Als Land, das immerhin 13 % der Importe Nordrhein-Westfalens stellt, ist China ein sehr wichtiger Lieferant. Mit der Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes für Großunternehmen ab 2023 könnte sich das bis- her grundsätzlich gute Verhältnis zumindest partiell ändern. Die Haltung der chinesischen Regierung zu einzelnen Bevölkerungsgruppen wie Uiguren und Tibetern ist für Unternehmen in den entsprechenden Regionen nicht un- problematisch. Auch wenn China beginnt, seine Interessen bzgl. Taiwan und dem südchinesischen Meer durchzu- setzen, birgt dies erhebliches Konfliktpotenzial. NRW gut angebunden Bei der Einbindung in den inter- nationalen Warenverkehr bietet NRW eine Besonderheit. Es ver- fügt mit den Hafenanlagen in Duisburg über den größten eu- ropäischen Binnenhafen. Zu- sammen mit den anderen nord- rhein-westfälischen Häfen wird in dem Bundesland rund die Hälfte der gesamten Güter- menge deutscher Binnenhäfen umgeschlagen. Im Container- verkehr ist der Anteil mit 68 % sogar noch höher. Auch im Bahnverkehr nimmt Duisburg eine herausgehobene Position ein. Die Stadt ist der Anknüpfungspunkt für die „Neue Seidenstraße“, die von China initiiert wurde. Die Bahnverbindung nach China ist deutlich schneller als der Transport über den Seeweg und kostengünstiger als per Flugzeug. Für die Beförderung im Luftverkehr steht der Flughafen Köln/Bonn bereit, an dem fast 20 % des Frachtverkehrs an deutschen Flughäfen abgewickelt wird. Zudem ist der Frankfurter Flughafen mit einem Anteil von 40 % am deut- schen Luftcargoverkehr nicht weit entfernt. Geschäfts- und Urlaubsreisende können das Angebot von sechs Flug- häfen in NRW wahrnehmen, die knapp 20 % des deutschen Passagieraufkommens auf sich vereinigen. Ergänzend Binnenhäfen in NRW mit hohem Anteil am Warenumschlag NRW: Anteil am Warenumschlag (Tonnen) der deutschen Binnenhäfen in %, 2021 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 68 57 54 54 54 53 44 44 38 34 33 22 22 19 13 Container Kohle, rohes Erdöl, Erdgas Kokerei-, Mineralölerzeugnisse Metalle, Metallerzeugnisse Chemische Erzeugnisse etc. Erze, Steine/Erden, sonst. Bergbauerzeugn. Geräte/Material für die Güterbeförderung Sonst. Mineralerzeugn. (Gips, Zement etc.) Nahrungs- und Genussmittel Sekundärrohstoffe, Abfälle Erzeugn. d. Land-/Forstwirt., Fischerei Maschinen/Ausrüstungen, Haushaltsgeräte etc. Holzwaren, Papier, Pappe, Druckerzeugn. Textilien, Bekleidung, Lederwaren Fahrzeuge Im Fokus: Bundesländer – Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 12. Oktober 2022 4 von 5 wirkt auch hier der Flughafen in Frankfurt (30 %) mit den vielen Anbindungen im Langstreckenbereich und dem ICE-Bahnhof vor Ort. Ausblick: Chancen suchen, Risiken absichern Angesichts von Inflation, Ukraine-Krieg und Energie- knappheit haben sich die konjunkturellen Perspekti- ven in diesem Jahr deutlich eingetrübt. In NRW dürfte die Wachstumsrate etwa 1,0 % betragen – nach der Erholung im vergangenen Jahr mit 2,2 %. Für das zweite Halbjahr 2022 und den Beginn von 2023 rech- nen wir mit einer Rezession. Erst danach sollte die Wirtschaft zumindest wieder geringfügig wachsen. Mittelfristig sind Unternehmen gut beraten, wenn sie in den kommenden Jahren auf der Absatz- und der Beschaffungsseite stärker diversifizieren. Ob dabei angesichts der vorangeschritten demografischen Ent- wicklung Produktionskapazitäten in großem Umfang nach Deutschland verlegt werden, ist fraglich. Hier ha- ben frühere Industriestandorte in NRW Chancen, wenn noch entsprechend qualifizierte Arbeitssuchende vor Ort sind. Ansonsten bieten sich viele andere Länder weltweit an, deren Funktionsfähigkeit für die Produk- tion hochwertiger Industriegüter geprüft werden wird. Mittelfristig dürften damit die globalen Handelsströme volumenmäßig zumindest konstant bleiben. Versicherungen und Bankdienstleistungen rund um den Ex- und Import von Waren und Dienstleistungen dürften mit der steigenden Zahl von neuen Handelspartnern an Bedeutung zunehmen. Dies wie auch die Diversifizierung der Handelspartner sind natürlich mit zusätzlichen Kosten verbunden. Damit dürfte die stark preissenkend wirkende Globalisierung auslaufen. Positive Perspektiven könnten sich dagegen durch den Abschluss weiterer Handelsabkommen ergeben. Die USA als drittgrößte Exportdestination mit einem Anteil an den Ausfuhren von 7 % böte sich hier an. Hier gäbe es schon Vorarbeiten, die im Rahmen des von Europa abgelehnten Abkommen TTIP geleistet wurden. Aber auch Projekte, die die Verbindung zu unserem Nachbarkontinent Afrika stärken (Anteil an den Ex- und Importen NRWs 1,4 %), sollten in Angriff genom- men werden. Die Globalisierung könnte damit breiter aufgestellt werden und mehr Länder von ihr profitie- ren – ein Selbstläufer wie in den letzten Jahrzehnten ist sie aber nicht mehr. Flughafen Köln/Bonn bei Cargo auf Platz 3 Anteil am Fracht- bzw. Passagieraufkommen, Jan.- Aug. 2022 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 39 30 19 5 4 1 1 1 0 30 1 6 19 1 2 4 12 10 Frank- furt Leipzig/ Halle Köln/ Bonn Mün- chen Hahn Han- nover Stutt- gart Berlin- Brand. Düssel- dorf Fracht Passagiere Europäische Exportdestinationen überwiegen NRW: Anteil an den Exporten in %, Januar-Juli 2022 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory Eurozone 49% Restl. EU 16% GB u. Schweiz 7% USA 7% China 5% Restl. Asien 7% Restl. Welt 9% Bei Importen Asien stark vertreten NRW: Anteil an den Importen in %, Januar-Juli 2022 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory Eurozone 45% Restl. EU 12% GB u. Schweiz 6% USA 4% China 13% Restl. Asien 10% Restl. Welt 10% Im Fokus: Bundesländer – Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 12. Oktober 2022 5 von 5 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mütze Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 20 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. 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