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title: "Im Fokus: Das Bundesland NRW - Zahlen und Fakten"
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# Im Fokus: Das Bundesland NRW - Zahlen und Fakten

Im Fokus: Bundesländer 05. Februar 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 1 von 7 Research &amp; Advisory Zahlen &amp; Fakten: Nordrhein-Westfalen Die Wirtschaft Nordrhein-Westfalens wird seit vielen Jahrzehnten besonders vom Strukturwandel belastet. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaft hier wieder moderat wachsen. Nordrhein-Westfalen (NRW) ist mit einer Fläche von 34.112 km² das viert- größte Bundesland und beansprucht damit 9,5 % des Gebiets der Bundes- republik. Aufgrund der hohen Bevölke- rungsdichte (Platz 1 ohne Berücksich- tigung der Stadtstaaten) ist es mit Ab- stand das bevölkerungsreichste Bun- desland mit 18,2 Millionen Einwoh- nern (Stand Ende 2023). Dies ent- spricht 21,5 % der deutschen Bevölke- rung. In dem urbanen Bundesland liegen 30 der insgesamt 83 deutschen Großstädte mit über 100.000 Einwohnern. Im Jahr 2023 wurden 20,4 % des deutschen Bruttoinlands- produkts in NRW erwirtschaftet – dies ist der größte Anteil unter allen deutschen Bundesländern. Das BIP pro Kopf liegt aber 5,2 % unter dem deutschen Durchschnitt. Somit gehört NRW trotz seiner hohen Bevölkerungsdichte zu den wirt- schaftlich weniger starken Bundesländern. Auch die Produkti- vität (BIP pro Erwerbstätigen) befand sich 2023 mit 85.800 Euro leicht unter dem deutschen Durchschnitt (89.721 Euro). Rund 72 % der Bruttowertschöpfung entfällt auf den Dienstleistungsbereich, gut 27 % entstehen im Pro- duzierenden Gewerbe und unter 1 % im Sektor „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ (Stand 2023). Im europäischen Vergleich kann sich NRW durchaus sehen lassen. Das 2023 erwirtschaftete BIP des Bundeslan- des ist zwischen den Niederlanden und der Schweiz einzuordnen (vgl. Chart S. 2). Wäre Nordrhein-Westfalen ein selbstständiges Land, hätte es somit das sechstgrößte BIP der EU. Pro Einwohner liegt das BIP etwa 22 % über dem EU-Durchschnitt und knapp 13 % über dem Durchschnitt der Eurozone. Damit liegt der Le- bensstandard in NRW deutlich über dem einiger EU-Mitgliedstaaten. Simon Azarbayjani Konjunktur Deutschland T 069/91 32-79 76 Bevölkerungsreichstes Bundesland Einwohnerzahl je Bundesland, 31.12.2023 Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory Helaba Research &amp; Advisory Hessen 6,4 Mio. Thüringen 2,1 Mio. Schleswig- Holstein 3,0 Mio. Mecklenburg- Vorpommern 1,6 Mio. Hamburg 1,9 Mio. Nieder- sachsen 8,2 Mio. Bremen 0,7 Mio. Brandenburg 2,6 Mio. Berlin 3,8 Mio. Sachsen- Anhalt 2,2 Mio. Sachsen 4,1 Mio. Bayern 13,4 Mio. Baden- Württemberg 11,3 Mio. Nordrhein- Westfalen 18,2 Mio. Rheinland- Pfalz 4,2 Mio. Saarland 1,0 Mio. Ausgewählte Kennzahlen Deutschland Nordrhein-Westfalen Fläche km² 357.600 34.112 Einwohner 2023 Mio. 84,69 18,19 BIP nominal 2023 Mrd. Euro 4.121 839 BIP pro Einwohner 2023 Euro 48.750 46.194 BIP pro Erwerbstätigen 2023 Euro 89.721 85.800 Arbeitslosenquote, JD 2024 % 6,0 7,5 Quellen: VGR der Länder, Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 2 von 7 Die sektorale Struktur Nordrhein-Westfalens ähnelt heute der deutschen, doch vor wenigen Jahrzehnten sah dies noch anders aus. Anfang der neunziger Jahre hatte das Produzierende Gewerbe, das Unternehmen des Bergbaus, des Verarbeitenden Gewerbes, des Baugewerbes sowie der Energie- und Wasserversorgung beinhaltet, noch ei- nen Anteil von 38 % (2023: 27 %) an der gesamten Wertschöpfung im Bundesland. Dieser Anteil lag deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Somit war das Produzierende Gewerbe – zu dem auch die Montanindustrie des Ruhr- gebiets gehörte – der wichtigste Sektor. Heute erbringt das Produzierende Gewerbe in NRW sogar einen geringe- ren Anteil an der Bruttowertschöpfung als im bundesweiten Durchschnitt. Demnach zählt NRW zu den am stärks- ten vom Strukturwandel betroffenen Bundesländern. Der Strukturwandel beschreibt wirtschaftliche Veränderungen mit Hinblick auf die sektorale Struktur. Dabei ist historisch zu beobachten, dass Volkswirtschaften zunächst eine geringe Spezialisierung, wenig Handel und vor allem einen hohen Anteil an Land- und Forstwirtschaft aufweisen. Durch technologischen Fortschritt nimmt dann die Spezialisierung und damit der Anteil des Produzierenden Gewerbes zu. Schließlich gewinnen durch den zuneh- menden internationalen Handel die Dienstleistungen an Bedeutung. Aufgrund der Globalisierung und des inter- nationalen Wettbewerbs verschieben sich kostenintensive Produktionsprozesse in weniger entwickelte Länder. Da das Produzierende Gewerbe in NRW einen überdurchschnittlich hohen Anteil an der Bruttowertschöpfung hatte, war hier die Herausforderung des Strukturwandels besonders hoch. Die ausgeprägte Industrie stärkte zu- nächst die Wirtschaft Nordrhein-Westfalens, entwickelte sich seit den 1970er Jahren jedoch zunehmend zu einem Nachteil. Durch die voranschreitende Globalisierung sowie die hohe Inflation Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre gerieten die Industrieunternehmen unter einen starken Kosten- und vor allem Lohndruck. Internationale Wettbewerber konnten günstiger produzieren, während die Kosten und Löhne hierzulande kräftig stiegen. Heute treiben neue Faktoren wie der Klimawandel die Veränderungen in der Wirtschaft. So ist NRW besonders vom Wandel in der Stromerzeugung betroffen, denn das Rheinland verfügt über umfangreiche Braunkohlevorkom- men. Rund ein Fünftel des deutschen Stroms wird hier erzeugt. Zusätzlich haben die geopolitischen Spannungen seit 2022 zu höheren Energiekosten geführt. Darunter leidet die energieintensive Grundstoffindustrie in NRW besonders stark. Diese Belastungen schlagen sich auch in der wirtschaftlichen Stärke nieder: Während das BIP pro Einwohner in Nordrhein-Westfalen in der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders noch das deutsche BIP-pro-Kopf deutlich übertraf (um 6 % im Jahr 1970), liegt es heute unter dem deutschen Durchschnitt. NRW-BIP größer als das der Schweiz Sektorstruktur ähnlich zu Deutschland Tsd. Euro Jeweilige Preise, Mrd. Euro Anteil an der Bruttowertschöpfung 2023, % Stand 2023 Quellen: VGR der Länder, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory 0 200 400 600 800 1000 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 NL NRW Schweiz Bayern Polen BIP pro Einwohner (linke Skala) BIP (rechte Skala) Im Fokus: Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 3 von 7 Dass die aus dem Strukturwandel resultierenden Herausforderungen nicht alle gemeistert wurden, ist zudem an den hohen Arbeitslosenquoten im Ruhrgebiet zu erkennen. Diese Region ist mit 4,6 Millionen Einwohnern der größte Ballungsraum Deutschlands und beinhaltet mit Gelsenkirchen auch die Stadt mit der höchsten Arbeitslo- senquote unter allen Kreisen und kreisfreien Städten. In NRW sind aber auch Kreise wie Coesfeld oder Olpe zu fin- den, die eine Arbeitslosenquote haben, die deutlich unter der deutschen Quote liegt. Hier ist nicht die hohe Ar- beitslosigkeit das Problem, sondern der zunehmende Fachkräftemangel. Untypisch für ein westdeutsches Bundesland ist, dass die Arbeitslosenquote in NRW deutlich über dem deut- schen Level abschneidet (vgl. Chart S. 4). Die Arbeitslosenquote der Kreise und kreisfreien Städte des Ruhrgebiets liegt im Schnitt bei 9,9 %. Die der restlichen Landkreise und Städte Nordrhein-Westfalens fällt mit durchschnittlich 6,5 % zwar besser aus, liegt aber dennoch einen halben Prozentpunkt über dem bundesweiten Durchschnitt. Im Bundesland sind also interessante regionale Unterschiede bezüglich der wirtschaftlichen Stärke zu beobach- ten. 57,8 % der Bruttowertschöpfung des Bundeslandes entfallen auf die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf, die übrigen 42,2 % auf die Regierungsbezirke: Arnsberg, Detmold und Münster. Das BIP pro Einwohner liegt in Städten wie Düsseldorf, Bonn, Köln oder Münster deutlich über dem Bundesdurchschnitt, das der überwiegenden Mehrheit der Kreise und kreisfreien Städte jedoch darunter. Von den 15 Kreisen und kreisfreien Städten des Ruhr- gebiets hat lediglich die Stadt Essen ein BIP pro Einwohner, das über dem Bundesdurchschnitt angesiedelt ist. Teilweise sehr hohe Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet Arbeitslosenquote, % aller zivilen Erwerbspersonen, Jahresdurchschnitt 2024 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 4,0 4,4 4,6 4,8 4,9 5,1 5,1 5,1 5,5 5,5 5,5 5,6 5,7 5,7 5,8 5,8 5,9 5,9 5,9 5,9 6,0 6,2 6,2 6,2 6,2 6,9 7,0 7,1 7,2 7,4 7,4 7,4 7,5 7,5 7,7 7,8 8,0 8,1 8,1 8,1 8,3 8,6 8,9 8,9 9,0 9,3 10,3 10,8 10,8 10,9 11,6 11,7 12,0 12,8 14,8 Coesfeld, Lk. Olpe, Lk. Borken, Lk. Hochsauerla… Höxter, Lk. Gütersloh, Lk. Steinfurt, Lk. Münster, St. Oberbergisc… Lippe, Lk. Warendorf, Lk. Rhein-Sieg-… Paderborn, Lk. Viersen, Lk. Rheinisch-… Euskirchen, Lk. Heinsberg, Lk. Siegen-… Soest, Lk. Rhein-Kreis… Deutschland Herford, Lk. Kleve, Lk. Rhein-Erft-… Minden-… Mettmann, Lk. Bonn, St. Ennepe-… Wesel, Lk. Düren, Lk. Unna, Lk. Leverkusen, St. NRW Aachen, St.… Märkischer… Düsseldorf, St. Mülheim a.… Solingen, St. Remscheid, St. Bottrop, St. Recklinghau… Hamm, St. Bielefeld, St. Köln, St. Bochum, St. Wuppertal, St. Mönchengla… Essen, St. Krefeld, St. Oberhausen,… Herne, St. Dortmund, St. Hagen, St. Duisburg, St. Gelsenkirche… Ah Kreise/kreisfreie Städte des Ruhrgebiets Sehr unterschiedliche Wirtschaftskraft innerhalb Nordrhein-Westfalens BIP pro Einwohner in % des Bundesdurchschnitts 2022\* \*Neuere Daten stehen auf Kreisebene noch nicht zur Verfügung Quellen: VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory 189177 135128 113111102100 97 96 96 95 95 94 91 91 89 88 88 86 85 84 84 83 83 82 82 82 80 80 79 79 78 77 75 74 73 73 72 72 69 69 69 69 67 67 66 65 65 63 61 60 60 60 53 Düsseldorf Bonn Köln Münster Gütersloh, Lk Leverkusen Essen Deutschland Minden-Lübb., Lk Bielefeld Mettmann, Lk Olpe, Lk NRW Krefeld Rhein-Kreis Neuss Dortmund Siegen-… Aachen Borken, Lk Hochsauerlandkr. Soest, Lk Märkischer Kreis Remscheid Paderborn, Lk Wuppertal Oberberg. Kreis Bochum Rhein-Erft-Kreis Mülheim a.d. Ruhr Duisburg Herford, Lk Steinfurt, Lk Hagen Mönchengladbach Warendorf, Lk. Solingen Gelsenkirchen Kleve, Lk. Unna, Lk. Lippe, Lk. Coesfeld, Lk. Ennepe-Ruhr-Kr. Düren, Lk. Wesel, Lk. Viersen, Lk. Hamm Höxter, Lk. Rhein-Sieg-Kr. Euskirchen, Lk. Rheinisch-Berg. Kr. Oberhausen Herne Heinsberg, Lk. Recklinghausen,… Bottrop Düsseldorf, Bonn, krfr. Köln, krfr. Münster, krfr. Gütersloh, Leverkusen, Essen, krfr. Deutschland Minden- Bielefeld, krfr. Mettmann, Olpe, Kreis NRW Krefeld, krfr. Rhein-Kreis Dortmund, Siegen- Städteregion Borken, Kreis Soest, Kreis Märkischer Remscheid, Paderborn, Wuppertal, Bochum, krfr. Rhein-Erft- Mülheim an Duisburg, Herford, Kreis Steinfurt, Hagen, krfr. Warendorf, Solingen, krfr. Kleve, Kreis Unna, Kreis Lippe, Kreis Coesfeld, Ennepe-Ruhr- Düren, Kreis Wesel, Kreis Viersen, Kreis Hamm, krfr. Höxter, Kreis Rhein-Sieg- Euskirchen, Rheinisch- Oberhausen, Herne, krfr. Heinsberg, Bottrop, krfr. Kreise/kreisfreie Städte des Ruhrgebiets Im Fokus: Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 4 von 7 Bei einer Gegenüberstellung der Bruttowertschöpfung fällt auf, dass sich die Dienstleistungen in den meisten Jah- ren besser entwickelt haben als die Industrie. In über der Hälfte der Jahre seit 1992 war sogar ein Rückgang der Bruttowertschöpfung im Produzierenden Gewerbe zu beobachten. Dass das BIP pro Einwohner in den letzten Jahrzehnten nicht noch stärker schrumpfte, ist also den Dienstleistungsunternehmen in NRW zu verdanken. Die drei großen Dienstleistungsbereiche „öffentliche und sonstige Dienstleister“, „Finanzierung, Vermietung, Unter- nehmensdienstleister“ sowie „Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Information/Kommunikation“ sind inzwischen in NRW sogar etwas stärker vertreten als auf Bundesebene (vgl. Chart rechts auf S. 2). Nachdem der Außenhandel in NRW 2022 Rekordzahlen erzielte, gingen 2023 sowohl die Importe als auch die Ex- porte zurück. Während die Ausfuhren um 3,8 % sanken, nahmen die Importe sogar um 9,2 % ab. Der wichtigste Handelspartner für NRW sind die Niederlande, die sowohl die meisten Einfuhren lieferten, als auch Ziel der meis- ten Ausfuhren waren. Generell handeln Unternehmen aus NRW am meisten mit den europäischen Nachbarlän- dern. Über die Hälfte aller Importe stammt aus einem EU-Mitgliedstaat und knapp zwei Drittel aller Exporte wer- den in die EU geliefert. Daneben stellen China, die USA und das Vereinigte Königreich die wichtigsten Außenhandelspartner dar. Aus China werden deutlich mehr Güter und Dienstleistungen importiert (2023: 35 Mrd. Euro) als dorthin exportiert werden (2023: 10 Mrd. Euro). Allgemein ist hervorzuheben, dass in NRW – im Gegensatz zu Deutschland –deutlich mehr importiert als exportiert wird. So betrugen die Einfuhren 2023 rund 286 Mrd. Euro, die Ausfuhren hingegen lediglich 228 Mrd. Euro. Überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit NRW: Stärkere Entwicklung bei Dienstleistern % aller zivilen Erwerbspersonen Bruttowertschöpfung, % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory -14 -11 -8 -5 -2 1 4 7 10 -14 -11 -8 -5 -2 1 4 7 10 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 22 Produzierendes Gewerbe Dienstleistungs- bereiche Großer Anteil der Einfuhren aus EU-Ländern… … ein noch größerer bei den Ausfuhren Anteil der Einfuhren 2023, % Anteil der Ausfuhren 2023, % Quellen: IT.NRW, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: IT.NRW, Helaba Research &amp; Advisory EU 54 % China 13 % USA 5 % UK 4 % Sonstige 24 % EU 65 % USA 7 % China 5 % UK 4 % Sonstige 19 % Im Fokus: Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 5 von 7 NRW zählt zu den Bundesländern mit einer recht hohen Verschuldung. Pro Einwohner berechnet lagen hier die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin an der Spitze. Danach folgte das Saarland und auf Platz 5 Nordrhein- Westfalen mit einer Verschuldung von 12.900 Euro pro Einwohner. Zum Vergleich: Der bundesweite Durch- schnitt betrug 8.900 Euro pro Einwohner (vgl. zu öffentlichen Finanzen: S. 6-7). Die BIP-Zahlen auf Länderebene wurden bisher erst für das erste Halbjahr 2024 veröffentlicht. Danach lag das reale BIP in NRW in den ersten sechs Monaten des Jahres 0,1 % über dem Vorjahreszeitraum. Der Vergleichswert für Deutschland fiel mit einem Rückgang um 0,2 % etwas schwächer aus. Nachdem sich die Wirtschaft in Nord- rhein-Westfalen im ersten Halbjahr 2024 besser entwickelte als im Bundesdurchschnitt, stagnierte das NRW- Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich 2024, während das deutsche BIP leicht schrumpfte. Doch die Stimmung der Unternehmen in NRW war im vergangenen Jahr durchweg schlechter als bundesweit. So beurteilten die vom ifo Institut in Kooperation mit der NRW.BANK befragten Unternehmen im Bundesland ihre Lage negativer als in Deutschland (vgl. Chart rechts). Für das laufende Jahr erwarten wir sowohl für Deutschland als auch für NRW aufgrund der strukturellen Probleme nur ein moderates Wirtschaftswachstum. Der Wachstumsimpuls wird vor allem auf die Verbraucher zurückzufüh- ren sein, die dank höherer real verfügbarer Einkommen 2025 wieder mehr konsumieren, nachdem sie sich 2024 noch zurückgehalten hatten. Zudem dürfte die Auslandsnachfrage etwas zunehmen, da wir mit einem Aufschwung des globalen Industriezyklus rechnen. Da in NRW nicht so exportstark ist wie der Bundesdurchschnitt, dürfte das Bundesland davon unterproportional profitieren. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Wirtschaft in Nordrhein- Westfalen 2025 mit 0,5 % etwas weniger wachsen wird als in Deutschland (+0,7 %). Im Vergleich der Bundesländer überdurchschnittliche Verschuldung Verschuldung der Bundesländer\* pro Einwohner in Euro, Dezember 2023 \*ohne Berlin, Bremen und Hamburg Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 0 3000 6000 9000 12000 15000 18000 0 3000 6000 9000 12000 15000 18000 BIP-Wachstum im Vergleich zu Deutschland ifo Lagebeurteilung rückläufig Reales Bruttoinlandsprodukt, % gg. Vj. Saldo \*geschätzter Wert für 2024 \*\*Prognosewerte für 2025 Quellen: VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: NRW.BANK, ifo Institut, Helaba Research &amp; Advisory -7 -5 -3 -1 1 3 5 7 -7 -5 -3 -1 1 3 5 7 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 19 21 2325\*\* Deutschland Nordrhein-Westfalen\* -30 -20 -10 0 10 20 30 -30 -20 -10 0 10 20 30 2020 2021 2022 2023 2024 Deutschland Nordrhein-Westfalen Im Fokus: Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 6 von 7 Öffentliche Finanzen in NRW vor Bewährungsprobe Die anhaltende konjunkturelle Schwäche Deutschlands zeigt sich zunehmend auch in den öffent- lichen Finanzen. Für Nordrhein-Westfalen ergeben sich daraus Risiken sowohl für den Landes- haushalt 2025 als auch für die Finanzlage der Städte, Gemeinden und Kreise. Die Landesregierung steht vor der anspruchsvollen Aufgabe, in unsicheren Zeiten einen stabi- len Haushalt aufzustellen. Der Haushaltsplan sieht für das laufende Jahr Einnahmen und Aus- gaben von 105,5 Mrd. Euro vor. Das sind 2,9 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr. Jedoch liegt diesen Zahlen noch die Herbst-Schätzung der Steuereinnahmen zugrunde, die bereits Mindereinnah- men von 1,3 Mrd. Euro für 2025 im Vergleich zur vorherigen Schätzung erwarten lässt. Schon im letzten Jahr hatten sich die Erwartungen über die Steuereinnahmen nicht erfüllt und das Land sah sich gezwungen, mit einem Nachtragshaushalt auf fehlende Einnahmen zu reagieren. Ob die aktuelle Steuerschätzung hält, was sie verspricht, ist fraglich. Angesichts der verhaltenden Wachstumsaussichten dürfte der Konsolidierungsbedarf im Haushalt die Politik auch in die- sem Jahr beschäftigen. So lässt der Landesrechnungshof Zweifel erkennen, ob der Haushaltsausgleich tatsächlich erreicht werden kann und fordert größere Einsparbemühungen. Der einfache Weg über die Verschuldung ist den Bundesländern durch die Vorgaben der Schuldenbremse (mit Ausnahme der Notlagenkredite) grundsätzlich verwehrt. Es gibt einen geringen Spielraum für eine Kreditauf- nahme in konjunkturellen Schwächephasen. Aus der Berechnung der Konjunkturkomponente leitet das Land für sich eine Kreditermächtigung in Höhe von 1,3 Mrd. Euro ab. Doch noch immer zählt NRW zu den am höchsten ver- schuldeten Bundesländern. Zum Ende des 3. Quartals 2024 lag die Gesamtverschuldung des Landes inklusive Kommunen bei 237,3 Mrd. Euro, das entspricht 13.075 Euro je Einwohner. Der Durchschnitt aller Länder liegt bei etwas über 9.000 Euro je Einwohner. Der Großteil der Landesschulden liegt mit knapp 60 % in Form von Wertpa- pierschulden vor. Auf Kreditmarktschulden entfallen nur rund 32 %, auf Kassen- bzw. Liquiditätskredite gut 9 %. Kreditmarktschulden und Kassenkredite betreffen vor allem die Kommunen, die Ende September 2024 mit insge- samt 61,5 Mrd. Euro verschuldet waren. Die investiven Kredite machten davon 38,1 Mrd. Euro; die Kassenkredite 21,3 Mrd. Euro aus. Während der Bestand der Kommunalkredite in NRW in den letzten Jahren stabil blieb und die Kassenkredite sogar sanken, ist seit 2023 wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Am aktuellen Rand haben die Inves- titionskredite um 9 % und die Kassenkredite sogar um 12 % im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt zugelegt. Denn einerseits investieren die nordrhein-westfälischen Städte, Gemeinden und Kreise wieder mehr in die öffent- liche Infrastruktur. Die Sachinvestitionen nahmen von 2022 auf 2023 um 1,2 Mrd. Euro auf nun 8,8 Mrd. Euro zu. Andererseits reißt die angespannte konjunkturelle Lage zunehmend Lücken in die kommunalen Haushalte. Wäh- rend das Steuerwachstum geringer ausfällt, steigen die Ausgaben, insbesondere für die soziale Sicherung. Im End- effekt nahmen die Einnahmen 2023 um 9,6 % auf 92,8 Mrd. Euro zu, während die Ausgaben um 11,4 % auf Dr. Stephan Brand Nachhaltigkeit &amp; Öffentliche Finanzen T 069/91 32-46 59 Schulden steigen vor allem bei Kommunen Verschuldungsinstrumente unterscheiden sich Gesamtverschuldung\* nach Quartalen, Mrd. Euro Schuldenarten\* zum 30.09.2024, Mrd. Euro \* vierteljährliche Schuldenstatistik für Kern- und Extrahaushalte, 2023 bis Q3. Quellen: Statistisches Bundesamt. Helaba Research &amp; Advisory \* vierteljährliche Schuldenstatistik für Kern- und Extrahaushalte. Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 50 60 70 80 90 100 100 120 140 160 180 200 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Landesschulden (linke Achse) Kommunalschulden (rechte Achse) 0 20 40 60 80 100 120 140 0 20 40 60 80 100 120 140 Land Kommunen Wertpapierschulden Investitionskredite Kassenkredite Im Fokus: Nordrhein-Westfalen © Helaba | Research &amp; Advisory | 05. Februar 2025 7 von 7 94,6 Mrd. Euro wuchsen. Unterm Strich stand ein Defizit von 1,8 Mrd. Euro. Für 2024 liegen noch keine vollständi- gen Daten vor; aktuelle Meldungen der Kommunen lassen aber keine Verbesserung erwarten. In der Haushaltsum- frage der kommunalen Spitzenverbände gehen nur noch 18 von 350 teilnehmenden Kommunen davon aus, ihren Haushalt strukturell ausgleichen zu können. Absehbar ist daher, dass die Kommunen bei den freiwilligen Leistun- gen und den Investitionen demnächst den Rotstift ansetzen werden. Die Aussichten für die nächste Zeit erscheinen vor diesem Hintergrund düster, obwohl sich in NRW strukturstarke wie -schwache Regionen gleichermaßen finden. Durch die aktuelle Wirtschaftsschwäche werden aber nahezu alle Kommunen in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommen erhebliche Investitionsbedarfe und gleichzeitig ein hoher Investitionsstau. Auch die Folgewirkungen der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs werden die Kommunen weiter beschäftigen. Zwar wurden diese Mehrbelastungen in Höhe von ca. 6,5 Mrd. Euro dank einer Änderung des Haus- haltsrechts bilanziell isoliert, sodass ein formeller Haushaltsausgleich in vielen Kommunen noch möglich war, Mehreinnahmen waren damit aber nicht verbunden. Die sukzessive Auflösung dieser Bilanzposten wird die laufen- den Haushalte der Kommunen noch für viele Jahre belasten. Eine Entlastung könnte eine Lösung des kommunalen Altschuldenproblems bringen. Gerade die hohen Kassen- kreditbestände gelten als Krisenindikator. Hier stehen die NRW-Kommunen mittlerweile bundesweit an der Spitze, nachdem es in anderen Ländern mit hohen Kassenkrediten wie Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland Ent- schuldungsprogramme gegeben hat. Von den bundesweit 32,2 Mrd. Euro Kassenkrediten entfallen mittlerweile 66 % auf die Kommunen in NRW. Zwischenzeitlich hat das Land Vorschläge zur Konsolidierung gemacht, die aber eine Bundesbeteiligung vorsehen. Mittlerweile liegt ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums vor. Trotzdem bleibt fraglich, ob sich nach der Bundestagswahl Mehrheiten für diese Vorschläge finden lassen und es tatsächlich eine bundesweite Lösung geben wird. Andernfalls wird NRW dieses Problem im Alleingang lösen müs- sen. So oder so zeigen sich also verschiedene Risiken, vor denen sich die Haushalte des Landes und der Kommu- nen in nächster Zeit werden bewähren müssen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

NRW wird seit vielen Jahrzehnten besonders vom Strukturwandel belastet. 2025 dürfte die Wirtschaft hier wieder moderat wachsen. Die anhaltende Konjunkturschwäche wirkt sich jedoch auf die öffentlichen Finanzen aus.
