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title: "Im Fokus: Das Bundesland Hessen - Zahlen und Fakten"
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updated: 2026-10-09
keywords: Corona, Länder & Regionen, Bundesländer
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# Im Fokus: Das Bundesland Hessen - Zahlen und Fakten

Im Fokus: Bundesländer 8. Dezember 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 1 von 8 Research &amp; Advisory Zahlen &amp; Fakten: Das Bundesland Hessen Während der starke Dienstleistungssektor das Wachstum stützt, belasten hohe Energiepreise und Exportprobleme die Industrie. Für 2026 erwarten wir ein solides Wirtschaftswachstum. Die deutsche Wirtschaft schwächelt seit drei Jahren und die Arbeitslosenquote ist gestiegen. US-Importzölle, schwache Binnenkonjunktur und strukturelle Belastungen wie hohe Energie- preise und Bürokratie bremsen die Konjunktur. Diese Probleme rücken auch in Hessen zuneh- mend in den Vordergrund. Nach zwei Jahren überdurchschnittli- cher Dynamik verzeichnete das Bundesland im ersten Halbjahr 2025, genau wie Gesamtdeutsch- land, kein Wachstum. Die Wirt- schaftsstruktur mit Flughafen, Finanzplatz und vielfältigem In- dustriemix hatte zuvor für eine Outperformance ge- sorgt, steht jedoch im aktuellen makroökonomischen Umfeld vor Herausforderungen. Dienstleistungsland Hessen Die hessische Wirtschaftslandschaft weist einige deutliche Unterschiede zur deutschen auf. Der Anteil des Produzierenden Gewerbes an der Bruttowert- schöpfung liegt unter dem Bundesdurchschnitt, während der Dienstleistungssektor überdurchschnittlich stark vertreten ist. Allein Frankfurt verfügt über eine einzigartige Kombination von Standortfaktoren: ein bedeutendes Finanzzentrum, einen internationalen Flughafen sowie einen renommierten Messestandort. Diese Besonderheiten spiegeln sich auch in den statistischen Daten wider. Rund ein Drittel der Bruttowertschöpfung entfällt auf den Be- Hessen und Deutschland stagnieren Reales Bruttoinlandsprodukt, % gg. Vj. \*1. Halbjahr 2025 Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 2001 2005 2009 2013 2017 2021 2025\* Deutschland Hessen Hessen: Stark in Finanzdienstleistungen Bessere Entwicklung bei Dienstleistern Anteil an der Bruttowertschöpfung (in jeweiligen Preisen) 2024, % Bruttowertschöpfung, % gg. Vj. Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder; Helaba Research &amp; Advisory 0% 1% 17% 23% 5% 5% 25% 21% 33% 26% 21% 24% Hessen Deutschland Öffentliche und sonstige Dienstleister Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleister Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information/Kommunikation Baugewerbe Produzierendes Gewerbe (ohne Bau) Land-, Forstwirtschaft -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 2000 2004 2008 2012 2016 2020 2024 Dienstleistungen Produzierendes Gewerbe Paul Richter Immobilien- &amp; Regionalanalyse T 069/91 32-79 58 Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 2 von 8 reich „Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen“, während etwa ein Viertel vom Sektor „Han- del, Verkehr, Gastgewerbe sowie Information und Kommunikation“ beigesteuert wird. Der hohe Anteil dieser Dienstleistungen verleiht ihnen einen überproportionalen Einfluss auf das hessische Bruttoinlandsprodukt. Bei einer Gegenüberstellung der Bruttowertschöpfung von Produzierendem Gewerbe und Dienstleistungssektor (S. 1) fällt auf, dass sich die Dienstleistungen im letzten Jahrzehnt meist besser entwickelt haben als die Indust- rie. Vor allem nach der Pandemie haben sie zum Wachstum des Bundeslandes beigetragen. Seit 2022 ist die Ent- wicklung der Bruttowertschöpfung der Industrieunternehmen in Hessen negativ. Gesamtwirtschaftlich wurde die- ser Effekt zuletzt von dem star- ken Dienstleistungssektor über- deckt, der weniger volatil und nicht so stark von gestörten Lie- ferketten, gestiegenen Energie- preisen und schwacher Nach- frage betroffen ist. Das Muster, dass das Wirt- schaftswachstum von einer schwächelnden Industrie ge- bremst wird, während der Dienstleistungssektor einen positiven Wachstumsbeitrag leistet, zeigt sich auch in ande- ren Bundesländern. Das Brutto- sozialprodukt von Ländern und Stadtstaaten wuchs gemessen am Anteil des Verarbeitenden Gewerbes sehr unterschiedlich. Zwischen 2018 und 2024 ging ein höherer Industrieanteil mit geringerem Wachstum einher. Industriestarke Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg wuchsen langsamer als das dienstleistungsorientierte Berlin. Die Bruttowertschöpfung auf Sektorebene (S. 3) zeigt für 2024, dass sich der hessische Dienstleistungssektor im Vergleich zum Bund überdurchschnittlich entwickelt hat, während das Produzierende Gewerbe deutlich schwä- cher abschnitt. Der für Hessen besonders bedeutende Dienstleistungsbereich legte insgesamt um 1,9 % zu, mehr als doppelt so stark wie der Bund (0,9 %). Besonders dynamisch entwickelten sich die Finanz- und Unternehmens- dienstleistungen mit einem Plus von 1,9 % in Hessen gegenüber lediglich 0,3 % bundesweit. Auch Handel, Ver- kehr und Kommunikation verzeichneten in Hessen mit 1,8 % ein stärkeres Wachstum als im Bund (0,7 %). Das Baugewerbe rutschte dagegen ins Minus (-2,2 %), wenn auch weniger stark als bundesweit (-3,7 %). Im Produzie- renden Gewerbe ohne Bau setzte sich der seit 2022 anhal- tende Rückgang fort. Hessen verzeichnete -3,6 % gegenüber -3,0 % im Bund, getrieben von der Industrie (-4,3 % vs. -2,9 %). Diese leidet aufgrund ihrer hohen Energieintensität unter den gestiegenen Energie- preisen und durch die starke Exportorientierung unter der rückläufigen Auslandsnach- frage aufgrund von US-Einfuhr- zöllen und chinesischer Kon- kurrenz. Industriell geprägte Bundesländer performen schlechter Anteil Verarbeitendes Gewerbe\* an Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen, % \*Mittelwert zwischen 2018 und 2024 BW = Baden-Württemberg, BY = Bayern, BE = Berlin, BB = Brandenburg, HB = Bremen, HH = Hamburg, HE = Hessen, MV = Mecklenburg-Vorpommern, NI = Niedersachsen, NW = Nordrhein-Westfalen, RP = Rheinland-Pfalz, SL = Saarland, SN = Sachsen, ST = Sachsen-Anhalt, SH = Schleswig-Holstein, TH = Thüringen, DE = Deutschland. Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 30 35 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 Veränderung des BIP zwischen 2018 und 2024 in jeweiligen Preisen, % SL NW BW BE MV BY HE DE TH HH SN, ST BB SH HB NI, RP Hessische Dienstleistungen überdurchschnittlich Bruttowertschöpfung 2024, % gg. Vj Quellen: Arbeitskreis VGR der Länder, Helaba Research &amp; Advisory -6 -4 -2 0 2 4 Finanz- &amp; Unternehm.-DL. Handel, Verkehr, Gastro, IT &amp; Kommunikation Öff. &amp; sonstige DL., Erziehung, Gesundheit Verarbeitendes Gewerbe Baugewerbe Hessen Deutschland Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 3 von 8 Handelskonflikte und hohe Energiepreise belasten die Industrie Die hessische Industrie profitierte lange von der Glo- balisierung und trug mit ihrer überdurchschnittli- chen Exportquote maßgeblich zum Status Deutsch- lands als Exportweltmeister bei. In Zeiten von Han- delskonflikten, gestörten Lieferketten und geopoliti- scher Unsicherheit wird diese Abhängigkeit von inter- nationalen Märkten jedoch zur Wachstumsbremse. Wie in Deutschland ist die EU mit rund 55 % der Aus- fuhren der wichtigste Absatzmarkt für hessische Ex- porte. Größtes Hauptabnehmerland sind die USA. Hessen exportiert etwa 12 % seiner Waren dorthin, Deutschland nur 10 %. Damit treffen die amerikani- schen Einfuhrzölle auch Hessen stark. Besonders vulnerabel sind die Ausfuhren pharmazeu- tischer Erzeugnisse in die USA. Nach Angaben der Hessen Agentur exportierte das Bundesland 2023 Güter dieser Kategorie im Wert von 3,8 Mrd. Euro in die USA. Nach Warengruppen entspricht das 38 % aller hessischen Ausfuh- ren in die Vereinigten Staaten. Umgekehrt machen Pharmaimporte aus den USA 26 % der Einfuhren aus, was die gegenseitige Abhängigkeit verdeutlicht. Pharmazeutische Produkte sind damit die wichtigsten Güter Hessens im Handel mit den USA. Weltweit liegt ihr Anteil an den hessischen Gesamtexporten bei 16 %, deutlich geringer, aber weiterhin bedeutend. Der hohe Anteil des US-Geschäfts unterstreicht die Stärke der Branche, birgt jedoch ein Konzentrationsrisiko. Eine Verschärfung der Handelskonflikte mit den USA könnte den wirtschaftlichen Schaden weiter erhöhen. Entgegen den wirtschaftlichen Turbulenzen entwickelt sich die Pharmabranche weiterhin positiv. Andere wichtige Industriezweige in Hessen stehen jedoch unter Druck. Hohe Energiepreise sowie eine schwache Nachfrage im In- und Ausland belasten die Produktion der energieintensiven Chemie- und Metallindustrie, die zusammen rund 30 % des Industrieumsatzes generieren. Die Automobilindustrie macht rund 18 % der hessischen Industrieum- sätze aus. Die Umstellung auf Elektromobilität, US-Importzölle und wachsende internationale Konkurrenz, insbe- sondere aus China, belasten die Branche. Positive Impulse für die Industrie könnten aus Nordhessen kommen, wo sich ein bedeutendes Rüstungscluster befindet. Dieses profitiert von steigenden Investitionen in die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft infolge der „Zeitenwende“. Zudem bieten die Unternehmen Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte, die in anderen Branchen freigesetzt werden. USA größter Abnehmer hessischer Ausfuhren Chemie &amp; Pharma dominieren Industriestruktur Anteil am Ausfuhrwert 2024, % Anteil am Industrieumsatz in Hessen 2023, % Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Helaba Research &amp; Advisory Rest der Welt 22 % USA 12 % China 5 % Übrige EU 30 % Frankreich 8 % Niederlande 6 % Polen 6 % Italien 5 % UK 6 % Automobilindustrie 18% Chemie 13% Pharma 15% Maschinenbau 10% Elektro 11% Metall 17% Gummi-, Kunststoffwaren 7% Ernährung 9% Starke Abhängigkeit von Weltmärkten Exportquote der Industrieunternehmen, % \*Exportquote (%) = (Umsatz im Ausland / Umsatz Insgesamt) \* 100 Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Helaba Research &amp; Advisory 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 2005 2009 2013 2017 2021 2025 Deutschland Hessen Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 4 von 8 Hessischer Arbeitsmarkt im Strukturwandel Trotz Beschäftigungsaufbau in der Rüstungsbranche zeigt sich die anhaltende Schwäche der Industrie am Arbeits- markt. Die hessische Arbeitslosenquote stieg von ihrem Tiefpunkt von 4,9 % im September 2019 auf 5,9 % im September 2025. Sie liegt wie in früheren Zyklen unter der deutschen von 6,3 %. Jedoch ist der Rückgang der Industriearbeitsplätze in Hessen wesentlich ausgeprägter als im Bundesdurch- schnitt. Seit Herbst 2019 ist die Zahl der Erwerbstätigen im hessischen Verarbeitenden Gewerbe ununterbrochen rückläufig. In Deutschland kam es ebenfalls infolge der diversen Krisen zu einem Stellenabbau, jedoch auch wieder zu einem zyklischen Stellenaufbau in den Jahren 2022 und 2023. Währenddessen nahm der hessische Stellenab- bau 2022 nochmals deutlich zu. Grund hierfür ist der große Anteil energieintensiver Branchen, deren Geschäfts- modell infolge gestiegener Energiepreise stärker unter Druck steht. Insgesamt reduzierte sich die Anzahl der hes- sischen Erwerbstätigen im Verarbeitenden Gewerbe vom zweiten Quartal 2019 bis 2025 um rund 40.500 Personen oder um 8,0 %. Im gleichen Zeitraum sank die deutsche Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe lediglich um 5,3 %. Dem Abbau von Industriear- beitsplätzen steht ein Stellen- aufbau im Dienstleistungssek- tor gegenüber. So erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten in der Finanzbranche im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahr um 0,4 %. Im öffentli- chen Sektor fiel der Zuwachs mit 1,7 % gegenüber dem Vor- jahresquartal deutlich stärker aus. Das Beschäftigungsniveau im Aggregat aus Handel, Ver- kehr, Gastgewerbe sowie Infor- mation und Kommunikation blieb hingegen unverändert. Die Rezession im Wohnungsbau wirkte sich dagegen negativ auf die Beschäftigung im Baugewerbe aus, die um 0,8 % zurückging. Insgesamt gewinnen Dienstleistun- gen am Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung. Hessens Arbeitslosenquote stets relativ niedrig Hessische Industrie leidet überdurchschnittlich Arbeitslosenquote aller zivilen Erwerbspersonen, % Erwerbstätige im produzierenden Gewerbe (ohne Bau), % gg. Vj. Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 2 4 6 8 10 12 2 4 6 8 10 12 2001 2004 2007 2010 2013 2016 2019 2022 2025 Hessen Deutschland -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Deutschland Hessen Stellenabbau im Produzierenden Gewerbe Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen\*, Q2 2025, % gg. Vj \*Q2 2025 gg. Vj. Quellen: Hessisches Statistisches Landesamt, Helaba Research &amp; Advisory -2,1 -1,9 -0,8 0,0 0,4 1,7 -2,5 -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 Land- und Forstwirtschaft Produzierendes Gewerbe (ohne Bau) Baugewerbe Handel, Verkehr, Gastgewerbe, IT Finanz-, Versicherungs- &amp; Unternehmensdl. Öff. &amp; sonstige DL., Erziehung, Gesundheit Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 5 von 8 Einzelne Regionen können unter dem Rückgang bestimmter Wirtschaftszweige leiden, wenn es ihnen nicht ge- lingt, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Diese entstehen vermehrt in größeren Städten, da Unternehmen und deren Beschäftigte von kurzen Wegen und Netzwerkeffekten in Ballungsräumen profitieren. Besonders deutlich zeigt sich der Beschäftigungszuwachs in den hessischen Großstädten. Spitzenreiter ist Offenbach mit einem Anstieg von 8,9 % im Zeitraum 2019 bis 2024, deutlich über dem hessischen Durchschnitt von 4,6 %. Grund hierfür sind erfolgreiche Ansiedlungs- und Standortstrategien, wie etwa eine niedrige Gewerbesteuer, die Unternehmen an- zieht. Zudem profitiert Offenbach von seiner Nähe zum Wirtschaftszentrum Frankfurt, wo rund ein Viertel des hes- sischen BIP erwirtschaftet wird. Mit rund 81.000 Beschäftigten zählt der Flughafen Frankfurt als größte Arbeitsstätte Deutschlands zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Rhein-Main- Region. Jedoch trug er zuletzt nicht mehr zum Wachs- tum bei, weil die Passagierzahlen noch hinter dem Vorkrisenniveau zurückbleiben. Dies kann sich jedoch im neuen Jahr ändern. Steigende Reallöhne und ein zunehmender Konsum werden die Nachfrage nach Flugreisen erhöhen und diese rechtzeitig zur Eröff- nung des Terminal 3 im Frühjahr 2026 ankurbeln. Der Frachtumschlag hat sich dagegen trotz deutscher Ex- portschwäche auf dem Niveau vor der Pandemie ein- gependelt. Im Jahr 2026 wird die deutsche Wirtschaft vor allem durch höhere private Konsumausgaben sowie steigende staatliche Ausgaben für Infrastruktur aus dem Sonderver- mögen gestützt. Diese Impulse dürften auch private Investitionen fördern und zu einem Rückgang der Arbeitslo- senquote beitragen. Von der Auslandsnachfrage ist hingegen kein Wachstumsbeitrag zu erwarten. Diese Rahmen- bedingungen gelten gleichermaßen für Hessen und Deutschland. Wir erwarten für 2026 ein BIP-Wachstum von 1,8 %, begünstigt durch zusätzliche Arbeitstage im Kalenderjahr. Die in der Öffentlichkeit stärker beachtete kalen- derbereinigte Wachstumsrate sehen wir bei 1,5 % – sie wird allerdings für die Bundesländer von der amtlichen Statistik nicht erfasst. Dieses Wachstum für 2026 stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem prognostizierten moderaten Plus von 0,2 % im Jahr 2025 dar. Eine klare Outperformance Hessens gegenüber dem Bund erscheint jedoch weniger wahrscheinlich. Zwar wächst der Dienstleistungssektor kräftig, doch gleicht dies lediglich die überdurchschnittliche Schwäche der hessischen Industrie aus. Damit wird Hessen voraussichtlich wie der Bund wachsen. Stadt Offenbach Spitzenreiter Veränderung sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort 2019 - 2025\*, % \*Stichtag 30.06. Quellen: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 0 2 4 6 8 10 Flughafenbetrieb noch unter Vorkrisenniveau Jeweiliger Monat 2019=100 Quellen: Fraport, Helaba Research &amp; Advisory 0 20 40 60 80 100 120 140 0 20 40 60 80 100 120 140 20 21 22 23 24 25 Fracht Passagiere Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 6 von 8 Hessen bleibt vorerst in den roten Zahlen Eigentlich zählt Hessen zu den finanzstarken Bundesländern. Doch die derzeit angespannte Fi- nanzlage macht auch vor Land und Kommunen nicht Halt; rote Zahlen sind häufig zu finden. Dank seiner starken und breit aufgestellten Wirtschaftsstruktur zählt Hessen zu den finanz- starken Bundesländern. Seit vielen Jahren gehört das Land zu den sog. Geberländern im Bun- desstaatlichen Finanzausgleich (früher: Länderfinanzausgleich).1 2024 stand es an dritter Stelle und gab 3,7 Mrd. Euro oder umgerechnet fast 600 Euro je Einwohner in den Topf. Doch die Zeiten deutlicher Finanzüberschüsse dürften vorerst vorbei sein. Seit 2023 hinterlässt die schwache Wirtschaftslage ihre Spuren in den öffentlichen Haushalten. Während die Einnah- men nur wenig zunehmen, wachsen die Ausgaben stärker. Von 2023 auf 2024 stiegen die Einnahmen des Landes um rund 4 %, die Ausgaben hingegen um 11 %. Bei den Kommunen sieht das Verhältnis nur unwesentlich besser aus; hier stehen 4 % höhere Einnahmen rund 10 % mehr Ausgaben gegenüber. Die Folge sind Finanzierungs- defizite, die sowohl auf der Lan- des- wie auf der Kommunal- ebene spürbare Größenordnun- gen erreicht haben. Ende 2024 lag das Land mit 517 Euro pro Kopf im Minus, die Kommunen mit 499 Euro je Einwohner. Bis Mitte 2025 hat sich die Lage ver- schlechtert; die Finanzlücke beim Land fällt um rund 6 % und bei den Kommunen sogar um 13 % größer aus als im Vorjah- reszeitraum. Treiber hinter den Defiziten waren in der Summe beim Land vor allem höhere Personalausgaben (+11 %) und bei den Kommunen ein steigender Sachaufwand (+11 %) sowie mehr Zuschüsse an Dritte (+ 10 %), vor allem für soziale Aufgaben und Kinderbetreuung. Auch alle anderen Ausgabenkategorien zeigen hohe Zuwachsraten. Dem- gegenüber konnten die Einnahmen nicht mithalten. Die Steuereinnahmen des Landes legten um 5 % zu, die der Kommunen nur um 2 %. Für die hessischen Kommunen sind auf der Einnahmeseite die Zuweisungen des Landes sehr viel wichtiger. Während die Steuereinnahmen bei den Kommunen nur etwa 40 % der Gesamteinnahmen aus- machen, kommt der größere Teil mit fast 60 % aus den Zuweisungen des Landes. Sie werden zumeist über den Kommunalen Finanzausgleich (KFA) an die Kommunen ausgezahlt. Das Land hat die Ausgleichsmasse von gut 7 Mrd. Euro im Jahr 2024 auf 7,4 Mrd. Euro für 2026 erhöht. Hinzu kommt eine Soforthilfe von 300 Mio. Euro. Dies erscheint auch nötig, denn der Landesrechnungshof zeigt in seinem Kommunalbericht, dass 2024 über 80 % der hessischen Kommunen ihren Haushalt aus eigener Kraft nicht ausgleichen konnten. Auch das Land muss seine Haushaltslücke über eine deutliche Neuverschuldung von 1,6 Mrd. Euro laut Haus- haltsplan 2026 schließen. Ermöglicht wurde dies durch die Lockerung der Schuldenbremse.2 Dabei ist die Landes- verschuldung bereits in den letzten Jahren auf rund 44,6 Mrd. Euro gestiegen. Das entspricht etwas mehr als 7.000 Euro je Einwohner und einem Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahr. 1 Siehe hierzu unseren Fokus Öffentliche Finanzen: Länderfinanzausgleich 2024 folgt bekannten Mustern vom 24.02.2025. 2 Siehe hierzu unseren Fokus Öffentliche Finanzen: Wirkung des Fiskalpakets auf Schulden und Branchen vom 18.06.2025. Dr. Stephan Brand Öffentliche Finanzen &amp; Nachhaltigkeit T 069/91 32-46 59 Finanzierungssaldo\* des Landes und der Kommunen im Minus Euro je Einwohner \*nach vierteljährlicher Kassenstatistik. Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory -600 -500 -400 -300 -200 -100 0 100 200 300 400 -600 -500 -400 -300 -200 -100 0 100 200 300 400 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Land Hessen Hessische Kommunen Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 7 von 8 Auf der kommunalen Ebene sind die Schulden um rund 10 % gestiegen. Ende 2024 betrug die Gesamtverschul- dung der Städte, Gemeinden und Landkreise in Hessen über 18,9 Mrd. Euro. Im Durchschnitt entspricht dies mehr als 3.000 Euro je Einwohner. Damit zählen die hessischen Kommunen zu den am höchsten verschuldeten Ge- bietskörperschaften im Bundesvergleich. Der Großteil der kommunalen Schulden ist investiv bedingt. Nach ei- nem Schuldenschnitt durch die Hessenkasse 2017 sind nur noch 2 % Kassenkredite. Diese Kredite zur Liquidi- tätssicherung nehmen allerdings seit 2023 wieder zu. Zudem zeigen die Kernhaushalte nur einen vergleichsweise kleinen Teil der öffentlichen Schulden. Das Statistische Landesamt weist für 2024 aus, dass knapp 60 % der inte- grierten Schulden außerhalb der Kernhaushalte liegen, also bei kommunalen Unternehmen und Beteiligungen. Somit kommen noch einmal fast 24 Mrd. Euro öffentlicher Schulden auf der kommunalen Ebene hinzu, die nicht ohne Weiteres aus der Statistik ersichtlich sind. Von der angespannten Finanzlage sind die öffentlichen Investitionen vorerst wenig beeindruckt. Das Land inves- tierte 2024 knapp 1,3 Mrd. Euro, die Kommunen in der Summe sogar über 4,1 Mrd. Euro. Fraglich ist, inwieweit die Investitionsplanungen aufrechterhalten werden können, wenn die Defizite in naher Zukunft Haushaltskonsolidie- rungen erzwingen. Ein Stück weit können die Investitionen allerdings aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bestritten werden. Vom Landesanteil in Höhe von 7,4 Mrd. Euro erhalten die Kommune mit 4,7 Mrd. Euro immerhin 63 % über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Dies reicht nicht, um alle Investitionsbedarfe zu decken, hilft aber, die Investitionsplanungen zumindest partiell zu stabilisieren. Die Mittel aus dem Sonderver- mögen dürften daher auch in Hessen die Konjunktur stützen und 2026 zu einem höheren Wirtschaftswachstum beitragen. Bis sich die wirtschaftliche Erholung allerdings in den öffentlichen Kassen niederschlägt, vergeht erfah- rungsgemäß einige Zeit. Land Hessen hat mehr Wertpapierschulden Kommunalverschuldung in Hessen wächst Schuldenstand\* zum 31.12., Mrd. Euro Schuldenstand\* zum 31.12., Mrd. Euro \*vierteljährliche Schuldenstatistik für Kern- und Extrahaushalte. Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory \*vierteljährliche Schuldenstatistik für Kern- und Extrahaushalte. Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 30 35 40 0 5 10 15 20 25 30 35 40 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Kassenkredite Investitionskredite Kassenkredite Investitionskredite Wertpapierschulden 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Investitionskredite Kassenkredite Im Fokus: Das Bundesland Hessen © Helaba | Research &amp; Advisory | 8. Dezember 2025 8 von 8 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. 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Hessens Wirtschaft wächst 2026 deutlich. Energiepreise und Handelskonflikte bremsen Industrie. Land und Kommunen bleiben im finanziellen Minus.
