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title: "Ernährungsindustrie im leichten Aufwind"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Ernährungsindustrie im leichten Aufwind

Helaba Volkswirtschaft/Research BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 16. JANUAR 2018 · © H EL A B A 1 16. Januar 2018 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Ernährungsindustrie im leichten Aufwind Die deutsche Ernährungsindustrie wächst nur unterdurchschnittlich. Nach einem Produktions- plus von 1,2 % im vergangenen Jahr dürfte auch 2018 nicht viel mehr drin sein. Trotz eines scharfen Wettbewerbs erwirtschaftet die Branche durchschnittliche Renditen. Sich wandelnde Verbraucherpräferenzen führen zu einer Vielzahl neuer Produkte. Die mittelständisch geprägte Ernährungsindustrie wird in ihrer Bedeutung häufig unterschätzt. Mit einem Umsatz von etwa 187 Mrd. € im Jahr 2017 war sie die fünftgrößte Industriebranche Deutschlands. Gemessen an der Beschäftigung erreicht sie aktuell sogar Platz 4. Da die vor ihr liegenden Wirtschaftszweige aus dem Investitions- bzw. Vorleistungssektor stammen, ist sie damit hierzulande die größte Konsumgüterbranche. Die Entwicklung ist konjunkturresistent. So konnte die Produktion selbst in der dramatischen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 nahezu stabil gehalten werden. Konjunkturell geht es seit zwei Jahren aufwärts. Positiv wirkt sich das günstige Konsumklima in Deutschland aus. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg 2017 um 1,5 % und die verfügbaren Einkom- men legten in realer Rechnung um über 2 % zu. Damit sind die privaten Konsumausgaben 2017 um 2 % höher ausgefallen. Ernährungsindustrie wächst unterdurchschnittlich Fleischverarbeitung gewinnt – Getränke verlieren Nettoproduktion, Index: Januar 2008 = 100 Umsatzanteile in % Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research \*u.a. Zucker, Süßwaren, Kaffee, Tee, Gewürze und Fertiggerichte Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Trotz dieser günstigen Rahmenbedingungen wächst die Branche im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe seit längerem unterdurchschnittlich. Das liegt nicht zuletzt an der Getränkeindustrie, die – gemessen am Produktionsindex – auf einen Anteil von 14 % kommt und sich in den letzten Jahren schwach entwickelte. 2017 stand einem Produktionsplus bei Nahrungs- und Futtermitteln von 1,6 % ein Minus in der Getränkeindustrie in gleicher Größenordnung gegenüber, so dass die ge- samte Ernährungsindustrie auf einen Zuwachs von nur 1,2 % kam. Die Erzeugung im Verarbeiten- den Gewerbe erhöhte sich 2017 hingegen um 3,3 %. Allerdings konnte die Ernährungsindustrie aufgrund erheblicher Preissteigerungen von über 4 % ihre Umsätze 2017 um schätzungsweise mehr als 5 ½ % deutlich erhöhen. Die Vorprodukte der Branche sind großen zyklischen Preis- schwankungen ausgesetzt. Jedoch hat sich die Entwicklung auch auf lange Sicht geändert: In den letzten zehn Jahren sind die deutschen Nahrungsmittelpreise stärker gestiegen als die Verbrau- cherpreise. Davor war es umgekehrt. 75 80 85 90 95 100 105 110 75 80 85 90 95 100 105 110 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Verarbeitende Industrie Getränke Nahrungs- und Futtermittel 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 Schlachten und Fleischverarbeitung Sonstige Nahrungsmittel\* Milchverarbeitung Getränke Back- und Teigwaren Obst- und Gemüseverarbeitung Futtermittel BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 16. JANUAR 2018 · © H EL A B A 2 Ernährungsindustrie bietet breites Produktspektrum an Die wichtigste Sparte der Ernährungsindustrie ist die Fleischverarbeitung, die allein ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet. Bedeutend sind darüber hinaus die heterogene Gruppe der „Sonstigen Nahrungsmittel“ sowie die Milchverarbeitung. Die Herstellung von Getränken hat auch – gemessen am Umsatzanteil – in den letzten Jahren abgenommen. Fleischverarbeitung überdurchschnittlich Stabilisierung bei Getränken Nettoproduktion, Index: Januar 2008 = 100 Nettoproduktion, Index: Januar 2008 = 100 \*u.a. Zucker, Süßwaren, Kaffee, Tee, Gewürze und Fertiggerichte Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Fleischverarbeitung hat zuletzt etwas an Dynamik verloren, u.a. weil die Exportentwicklung rückläufig war. Während der Fleischverzehr je Kopf in Deutschland relativ konstant verläuft, sinkt der Verzehr von Wurst- und Fleischwaren leicht. Die Getränkeindustrie steht einem Trend zu ge- sundheitsbewussterem Verbrauch gegenüber. So sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier und zu- ckerhaltiger Limonaden. Aber auch beim als gesund geltenden Nahrungsmittel Mineralwasser sind zuletzt keine Zuwächse mehr möglich gewesen. Damit ist eine Absatzsteigerung einzig aufgrund der steigenden Bevölkerung und des Exports möglich. Sehr dynamisch entwickelte sich zuletzt die Produktion der „Sonstigen Nahrungsmittel“. Sie umfasst neben Zucker und Süßwaren, Kaffee, Tee, Gewürzen auch Fertiggerichte. Vor allem die Convenience-Produkte entwickeln sich sehr dynamisch. Die zunehmende Zeitknappheit der Haushalte steigert den Bedarf an rasch zuzuberei- tenden Nahrungsmitteln. Deutliche Preissteigerungen bei Milchwaren Index: Januar 2008 = 100 Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Am deutschen Milchmarkt setzte sich die Erholung, die Mitte 2016 begonnen hatte, 2017 fort. Deutlich stärker als die Produktion konnten die Umsätze erhöht werden. Grund hierfür waren die zum Teil außergewöhnlich starken Preiserhöhungen, insbesondere bei Butter. Im Zuge der Milch- krise 2016 waren die Kuhbestände reduziert worden. Damit verringerte sich das Angebot. Zusätz- lich wirkt eine hohe Nachfrage aus dem Ausland preissteigernd. 90 95 100 105 110 115 90 95 100 105 110 115 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Schlachten und Fleischverarbeitung Sonstige Nahrungsmittel\* Back- und Teigwaren 70 80 90 100 110 120 130 70 80 90 100 110 120 130 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Bier Getränke insg. Erfrischungsgetränke, Mineralwässer 70 80 90 100 110 120 70 80 90 100 110 120 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 nominale Umsätze Nettoproduktion Trend zu gesünderen Produkten BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 16. JANUAR 2018 · © H EL A B A 3 Branchenprognosen Deutschland \*Schätzung aufgrund von Daten bis November 2017 \*\*kalenderbereinigt Quellen: Feri, Macrobond, Prognosen: Helaba Volkswirtschaft/Research Das Ausland hilft Zunehmend an Bedeutung gewinnt der „Außer-Haus-Verzehr“. Dies verändert zwar die Absatzka- näle der Ernährungsindustrie, da Kantinen und Restaurants ein anderes Einkaufsverhalten aufwei- sen als der Normalbürger. Wachstumsimpulse für die Ernährungsindustrie gehen hiervon aller- dings weniger aus. Im Inland stößt die Umsatzentwicklung daher an Sättigungsgrenzen. Zudem hat sich die Nettozuwanderung nach Deutschland seit den Höchstständen in 2015 deutlich verrin- gert, so dass die hiervon ausgehenden Nachfrageimpulse nur noch moderat ausfallen. Hohe Dynamik im Auslandsgeschäft Nominale Umsätze, Index: Januar 2007 = 100 Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Damit ist das Auslandsgeschäft wichtiger geworden. Die Exportquote hat sich in den vergangenen zwei Dekaden auf rund ein Drittel nahezu verdoppelt. Weltweit ist Deutschland die drittstärkste Exportnation für Nahrungsmittel und Getränke nach den USA und den Niederlanden. Aufnahmefä- hige Auslandsmärkte bieten Chancen, die genutzt werden müssen. Mehr als drei Viertel der Expor- te werden in der EU abgesetzt. Nach Asien hingegen geht weniger als ein Zehntel. Ein Grund für die Belieferung geografisch näher liegender Märkte dürfte u.a. die häufig leichte Verderblichkeit vieler Produkte sein. 2015 2016 2017s\* 2018p Produzierendes Gewerbe 0,5 1,2 3,2 2,2 Verarbeitendes Gewerbe 0,4 1,4 3,3 2,3 Ernährungsgewerbe -1,3 1,1 1,2 1,3 Nahrungs- u. Futtermittel -0,3 1,2 1,6 1,5 Getränke -7,5 0,6 -1,6 0,5 Chemieindustrie (ohne Pharma) -0,7 -0,2 2,2 2,0 Pharmaindustrie 3,8 2,4 5,5 3,0 Stahlindustrie -1,4 -0,6 1,9 2,0 Elektroindustrie 0,7 1,8 5,7 3,7 DV-Geräte, elektr./opt. Geräte 3,4 2,8 6,7 4,0 Elektr. Ausrüstungen -1,1 1,1 5,0 3,5 Maschinenbau -0,3 0,0 3,3 3,5 Automobilindustrie -0,2 1,9 3,1 2,0 Einzelhandel (realer Umsatz\*\*) 3,8 2,1 3,1 2,0 Nettoproduktion, % gg. Vj. 80 100 120 140 160 180 200 80 100 120 140 160 180 200 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Getränke (Ausland) Nahrungsmittel (Ausland) Getränke (Inland) Nahrungsmittel (Inland) Wenig Wachstum im Inland BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 16. JANUAR 2018 · © H EL A B A 4 Der Preisdruck für die Branche ist traditionell hoch, da beim Kunden „Lebensmitteleinzelhandel“ die fünf größten Unternehmen in Deutschland knapp drei Viertel der Umsätze auf sich vereinigen. Die Abnehmer weisen damit eine erhebliche Marktmacht auf. Trotzdem ist es der Branche in den letzten Jahren gelungen, eine im Industrievergleich etwa durchschnittliche Rendite zu erwirtschaf- ten. Aktuell sind die starken Preiserhöhungen hilfreich, um Kostensteigerungen mindestens zu überwälzen. Ein Grund dürfte auch sein, dass es der Branche immer wieder gelingt, eine große Zahl innovativer Produkte auf den Markt zu bringen. Beispiele sind vegane sowie proteinreiche Nahrungsmittel, Sojaprodukte oder Fleischimitate. Der Trend zu teureren Bioprodukten ist unge- brochen. Zunehmend sind die deutschen Verbraucher bereit, qualitativ hochwertige Produkte zu kaufen. Auch 2018 verhalten aufwärts Die Aufwärtsentwicklung in der Branche dürfte sich dieses Jahr fortsetzen. Die Rahmenbedingun- gen bleiben positiv. Der Konjunkturaufschwung in Deutschland wird sich in kaum vermindertem Tempo fortsetzen. Nach einem kalenderbereinigtem Wirtschaftswachstum von 2,5 % dürfte das Plus 2018 etwa 2 % betragen. Trotz voraussichtlich etwas höherer Lohnsteigerungen werden da- mit allerdings auch die verfügbaren Einkommen in realer Rechnung mit rund 2 % etwas weniger stark zulegen als im Jahr zuvor. Trotzdem sollte der Produktionsanstieg in der Ernährungsindustrie ähnlich hoch ausfallen wie 2017. Zum einen hat sich die Getränkeproduktion in den letzten Mona- ten stabilisiert. 2018 dürfte hier sogar ein kleiner Zuwachs erreicht werden. Zum anderen würde das hohe Produktionsniveau der Ernährungsbranche am Anfang des Jahres selbst dann zu einem Zuwachs führen, wenn die Unternehmen ihre Erzeugung im Verlauf nicht weiter erhöhen könnten. Dieser statistische Basiseffekt trägt dazu bei, dass die deutsche Ernährungsindustrie ihre Produk- tion 2018 um schätzungsweise 1,3 % steigern wird. Damit läge die Branche aber erneut unter dem Zuwachs des Verarbeitenden Gewerbes (2,3 %). Die Umsätze nehmen aufgrund steigender Ver- kaufspreise erneut stärker zu.  Stabile Ertragslage

Die deutsche Ernährungsindustrie wächst nur unterdurchschnittlich. Nach einem Produktionsplus von 1,2 % im vergangenen Jahr dürfte auch 2018 nicht viel mehr drin sein. Trotz eines scharfen Wettbewerbs erwirtschaftet die Branche durchschnittliche Renditen. Sich wandelnde Verbraucherpräferenzen führen zu einer Vielzahl neuer Produkte.
