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title: "Airlines - Aufschwung nicht ohne Risiken"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Airlines - Aufschwung nicht ohne Risiken

Helaba Volkswirtschaft/Research BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 24. JANUAR 2019 · © H EL A B A 1 24. Januar 2019 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Airlines: Aufschwung nicht ohne Risiken Der internationale Flugverkehr dürfte weiterhin stärker als die Weltwirtschaft wachsen. Die Ertragslage ist positiv. Allerdings können die europäischen Airlines im Durchschnitt hier nicht mithalten. Der Konsolidierungsdruck hält zudem aufgrund steigender Kosten an. Ein ungeregel- ter Brexit könnte für einige Fluggesellschaften zu Problemen führen. Der internationale Flugverkehr boomt auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009. Von 2010 bis 2019 dürfte der Personenverkehr um schätzungsweise gut 6 % p.a. zunehmen, wäh- rend die Weltwirtschaft in diesem Zeitraum um rund 3,3 % wächst. Weniger dynamisch ist der Frachtverkehr mit einem Plus von etwa 2,6 %. Wachstumsmarkt Passagierverkehr Verkehrsleistung (Personen- bzw. Frachtkilometer), Index: 2010 = 100 Text Quellen: IATA, Helaba Volkswirtschaft/Research 2018 hat sich diese Spaltung fortgesetzt. Das Wachstum im Frachtverkehr ist zum Jahresende nahezu zum Erliegen gekommen. Im Jahresdurchschnitt wurde allerdings ein Plus von 3,9 % er- reicht. Nachdem die Unternehmen im Boom von 2017 ihre Lagerbestände aufgestockt hatten, hat sich die konjunkturelle Schwäche insbesondere im weltweiten Verarbeitenden Gewerbe im Verlauf von 2018 zunehmend negativ bemerkbar gemacht (vgl. Grafik S. 2). Die Verunsicherungen, die von globalen Handelsstreitigkeiten und dem Brexit ausgingen, haben diese Entwicklung verstärkt. Die regionale Entwicklung des Frachtverkehrs verlief sehr unterschiedlich: Das lebhafte Wirt- schaftswachstum in Nordamerika hat den dortigen Airlines 2018 einen Zuwachs der Fracht- Tonnen-Kilometer (FTK) von gut 7 % beschert. Insbesondere die schwache Entwicklung der deut- schen Industrie ließ den europäischen Wert im November sogar leicht sinken. Im Gesamtjahr 2018 dürften die FTK hier mit gut 3 % unterdurchschnittlich zugenommen haben. Noch geringer war das Wachstum in der Region Asien-Pazifik mit gut 2 %. Personenverkehr zuletzt nahezu unberührt von zyklischen Schwankungen Die jüngste konjunkturelle Abschwächung hat sich im Personenverkehr deutlich weniger niederge- schlagen als im Frachtverkehr. 2018 dürften die Personenkilometer-Einnahmen (RPK) um 6,6 % zugelegt haben. Im November betrug der Zuwachs immerhin noch 6,2 % gegenüber dem Vorjahr. Der lebhafte Zuwachs des Flugverkehrs resultiert aus den steigenden Haushaltseinkommen. Die Bereitschaft, die Einkommenszuwächse auch für Reisen zu verwenden, ist hoch. Zudem waren die Flugpreise in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Der intensive Wettbewerb zwischen den 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Passagierverkehr Frachtverkehr BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 24. JANUAR 2019 · © H EL A B A 2 Airlines, leistungsfähigeres Fluggerät sowie die erhöhte Preistransparenz durch Online-Portale hatten hierzu beigetragen. Allerdings weist der internationale Branchenverband International Air Transport Association (IATA) darauf hin, dass die hiervon ausgehenden Impulse abgenommen haben. Zu höherem Wachstum führen zudem der Ausbau der Flughafeninfrastruktur, vor allem in Schwellenländern wie Indien, und das steigende Angebot von Flugverbindungen. Die bremsende Wirkung der Digitalisierung (Video-Konferenz statt Reisetätigkeit) hat bislang nur einen begrenzten Einfluss auf den Flugverkehr. Auch der Geschäftsreiseverkehr wächst stetig. Weltweite Wachstumsschwäche in der Industrie … … und bei Dienstleistungen Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes, Saldo in % Einkaufsmanagerindizes Dienstleistungen, Saldo in % Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Der Personenverkehr hat in den Schwellenländern schneller expandiert als in den Industrielän- dern. Die Region Mittlerer Osten ist im Zeitraum von 2010 bis 2018 mit jahresdurchschnittlich knapp 10 % am stärksten gewachsen und hat damit von der hohen Dynamik der Airlines aus der Golf-Region sowie dem Ausbau der Flughäfen profitiert. Zuletzt haben allerdings geopolitische Spannungen und Reisebeschränkungen hier zu einer Verlangsamung der Dynamik geführt. Dem Luftverkehr im asiatisch-pazifischen Raum kommen steigende Einkommen sowie eine hohe Präfe- renz der privaten Haushalte für Flugreisen zugute. Das abflauende Wirtschaftswachstum in China könnte diese Entwicklung allerdings bremsen. Mit jahresdurchschnittlich 6 % ist Europa zwischen 2010 und 2018 doppelt so schnell gewachsen wie die USA, beides reife Märkte. Grund hierfür ist, dass es in Europa noch Länder mit Nachholbedarf gibt. Zudem ist der Konzentrationsprozess unter den Fluggesellschaften in den USA weit fortgeschritten. Der damit einhergehende verringerte Wettbewerb reduziert den Preisdruck. Nordamerika und Europa sind reife Märkte Personenkilometer nach Regionen, Index: 2010 = 100 Quellen: IATA, Helaba Volkswirtschaft/Research Günstige Ertragslage der Fluggesellschaften Die Ertragslage der internationalen Airlines ist günstig. Die IATA erwartet für 2019 einen globalen Nachsteuergewinn von 35,5 Mrd. US-Dollar. Der Rekord wurde im Jahr 2017 mit knapp 38 Mrd. US-Dollar erreicht. Die Fluggesellschaften haben vom Einbruch des Ölpreises 2014 von 110 US- 80 100 120 140 160 180 200 220 80 100 120 140 160 180 200 220 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Nordamerika Afrika Europa Lateinamerika Asien/Pazifik Mittlerer Osten Starkes Wachstum in Schwellenländern Deutlich steigende Ein- kommen der Haushalte BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 24. JANUAR 2019 · © H EL A B A 3 Dollar pro Barrel auf gut 30 US-Dollar Anfang 2016 profitiert. Aktuell notiert Brentöl bei rund 61 US- Dollar. Gleichzeitig konnte die Auslastung der Flugzeuge weiter erhöht werden. Der Sitzladefaktor erreichte 2018 einen Spitzenwert von 82 %. Die höchste Profitabilität mit einem von der IATA ge- schätzten Nettogewinn von 16,6 Mrd. US-Dollar und einer EBIT-Marge von 6 % in diesem Jahr weisen die Airlines in Nordamerika auf. Die europäischen Fluggesellschaften dürften nur einen Gewinn von 7,4 Mrd. US-Dollar und eine Marge von 3,4 % erreichen. Aufgrund eines in Europa herrschenden starken Wettbewerbs und regulatorischer Anforderungen verharrt der „Breakeven- Ladefaktor“ bei 70 %, während er in Nordamerika nur gut 57 % beträgt. Die EBIT-Marge der asia- tisch-pazifischen Fluggesellschaften ist 2019 mit 3,8 % voraussichtlich leicht über dem Wert der europäischen Konkurrenten. Im Mittleren Osten und in Lateinamerika sind die Renditen deutlich niedriger. Stabil hohe globale Nettogewinne Auslastung der Flugzeuge gestiegen % Mrd. US-Dollar Internationaler Sitzladefaktor, % Quellen: IATA, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: IATA, Helaba Volkswirtschaft/Research Zyklischer Aufschwung im Verlauf von 2019 Die weltweite konjunkturelle Abschwächung begann bereits Anfang 2018. Die Einkaufsmanagerin- dizes zeigen, dass dies sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch – mit Ausnahme der Schwellenländer – für die Dienstleistungen gilt (vgl. Grafiken S. 2). Im Laufe des Jahres dürften sich die Verunsicherungen durch die weltweiten Handelsstreitigkeiten und den Brexit allmählich verringern. Der zyklische Tiefpunkt der Konjunktur in Europa sollte im ersten Halbjahr 2019 er- reicht werden, so dass die Dynamik danach wieder zunimmt. Hiervon dürfte gerade der Frachtver- kehr profitieren. Auch der Personenverkehr wird expandieren, da die Einkommen der privaten Haushalte weiter zulegen. Immerhin steigt die globale Wirtschaftsleistung in diesem und im nächs- ten Jahr mit Wachstumsraten von über 3 %. Dieses Szenario könnte jedoch durch einen ungere- gelten Brexit Risse bekommen: Fluggesellschaften, die dann ohne Großbritannien nicht mehr mehrheitlich Eignern mit Sitz in der EU gehören, könnten ihre Flugrechte dort verlieren. Die Airli- nes arbeiten fieberhaft an Lösungen für diesen „worst case“. Auch mittelfristig wird der Flugverkehr stärker als die Weltwirtschaft zulegen. Hierfür müssen die Kapazitäten ausgebaut werden. Dies gilt nicht nur für das Fluggerät, sondern ebenfalls für die Infrastruktur. Neue Start- und Landebahnen sowie Terminals werden an vielen Standorten benö- tigt. Gerade in Europa ist die Pünktlichkeit der Verbindungen 2018 dramatisch zurückgegangen. Die Zahl der in Minuten gemessenen Verspätungen ist im letzten Jahr um knapp 62 % gestiegen. Die Kapazitäten der Airports müssen u.a. bei den Sicherheitskontrollen und beim Boarding verbes- sert werden. Dies wird nicht ohne Kostensteigerungen erreichbar sein, zumal das entsprechende Personal nur durch bessere Bezahlung zu bekommen ist. Flughäfen, Flugsicherung und Behörden werden diese Kosten wie bereits in den vergangenen Jahren zum Teil an die Fluggesellschaften weiterreichen. Dies und eine im Vergleich zum US-Markt geringe Rentabilität dürften den Konsoli- dierungsdruck bei den Airlines in Europa hochhalten.  10 20 30 40 3 4 5 6 7 8 9 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Nettogewinn nach Steuern (rechte Skala) EBIT-Marge (linke Skala) 76 77 78 79 80 81 82 83 76 77 78 79 80 81 82 83 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Kapazitätsausbau nicht ohne höhere Kosten

Die konjunkturelle Entwicklung des internationalen Flugverkehrs. Die Ertragslage. Strukturelle Herausforderungen.
