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title: "Öffentlicher Bau mit Perspektive "
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Öffentlicher Bau mit Perspektive 

Helaba Volkswirtschaft/Research BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 8. APRIL 2019 · © H E L A BA 1 8. April 2019 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegen- wärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Die An- gaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Voll- ständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr überneh- men können. Sämtliche in dieser Publikation getroffe- nen Angaben dienen der In- formation. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidun- gen verstanden werden. AUTOR Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Öffentlicher Bau mit Perspektive Der lange Jahre schwächelnde öffentliche Bau ist zu einer Stütze der deutschen Konjunktur geworden. Die Gebietskörperschaften erfreuen sich an einer günstigen Steuerentwicklung. Der Bedarf an Renovierung und Ausbau der öffentlichen Infrastruktur ist hoch. Planungs- und Ge- nehmigungsprozesse sollten beschleunigt werden. Die Bauinvestitionen sind neben den privaten und öffentlichen Konsumausgaben auch 2019 und 2020 eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Bereits im zweiten Halbjahr 2018 waren sie unbeeindruckt von der Wachstumsabschwächung in Deutschland. Impulse gehen von allen drei Bausparten aus: Der lange Jahre schwache öffentliche Bau expandierte in den letzten beiden Jahren mit jeweils rund 3,5 % sogar stärker als der ebenfalls überdurchschnittlich wachsende Wohnungsbau. Offensichtlich tragen die zahlreichen Maßnahmen der öffentlichen Gebietskörper- schaften, ihre Investitionstätigkeit zu steigern, Früchte. 2019 dürfte sich die Dynamik auf 2,5 % zwar etwas abschwächen, aber immer noch stärker ausfallen als die der gesamten Bauaktivitäten (2 %). Das Bruttoinlandsprodukt wird 2019 voraussichtlich um 1,3 % zulegen. 2019: Öffentliche Bauinvestitionen erneut überdurchschnittlich Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research p=Prognosen Öffentlicher Bau: Großer Bedarf und bessere Finanzierungsmöglichkeiten Die finanzielle Lage der deutschen Gebietskörperschaften bessert sich kontinuierlich. Dies ermög- licht es ihnen, dem erheblichen Bedarf im öffentlichen Bereich nachzukommen. Nach der Ein- schätzung des „Arbeitskreises Steuerschätzungen“ werden die Steuereinnahmen 2019 um knapp 4 % zunehmen, bis 2023 soll der jahresdurchschnittliche Zuwachs ebenso hoch ausfallen. Damit würden die gesamten Steuereinnahmen weiterhin stärker zulegen als das nominale Bruttoinlands- produkt. Bei den Kommunen ist der Zuwachs in diesem Jahr nach dieser Prognose mit knapp 3 % etwas geringer, nachdem allerdings die Vorjahre deutliche Zuwächse erbracht hatten. Für 2018 bis 2023 erwartet der Arbeitskreis auch hier ein Plus von rund 4 % p.a (vgl. Grafiken S. 2). Zwar gibt es immer noch überschuldete Kommunen. Der Anteil der Gemeinden, deren Finanzlage eine steigende Investitionstätigkeit erlaubt, nimmt jedoch zu. Sinnvoll ist es, die teilweise sehr hohe Verschuldung einzelner Kommunen in regional und strukturell benachteiligten Regionen Deutsch- lands mit Hilfe der zuständigen Länder bzw. des Bundes unter entsprechenden Haushaltsauflagen zu reduzieren. So könnten mittelfristig Zukunftsinvestitionen verstärkt ermöglicht werden. Das Bundesland Hessen ist hier vorangegangen und hat hochverschuldeten Kommunen die Möglich- keit gegeben, ihre Kassenkredite auf die „Hessenkasse“ zu übertragen. 2017 2018 2019p 2020p in Mrd. € Anteil in % nominal Wohnungsbau 213,2 60,8 3,0 2,9 2,0 2,3 Nichtw ohnungsbau 137,3 39,2 2,9 1,6 1,9 2,0 darunter: Staat 41,9 12,0 3,5 3,4 2,5 2,0 darunter: Wirtschaftsbau 95,3 27,2 2,7 0,9 1,7 2,0 Bauinvestitionen 350,5 100,0 2,9 2,4 2,0 2,2 2018 % gg. Vj BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 8. APRIL 2019 · © H E L A BA 2 Die positive finanzielle Entwicklung bei den Kommunen ist wichtig, da sie für die öffentliche Bautä- tigkeit von besonderer Bedeutung sind. Immerhin haben sie 2018 mit gut 23 Mrd. € rund 55 % der gesamten öffentlichen Bauleistungen getätigt. Mehr Steuereinnahmen auch für die Gemeinden Länder und Gemeinden deutlich im Plus Mrd. € Mrd. € Finanzierungssaldo der öffentlichen Haushalte, Mrd. € Quellen: Arbeitskreis „Steuerschätzungen“, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Trotz steigender Steuereinnahmen sind die Nettobauinvestitionen der Kommunen weiterhin deut- lich negativ, während die von Bund und Ländern seit Jahren um die Nulllinie schwanken. Damit sind die Abschreibungen der Kommunen im Durchschnitt größer als die Bruttobauinvestitionen. Seit 2002 ist hierdurch ein Minus von fast 87 Mrd. € aufgelaufen. Immerhin ist der Fehlbetrag 2018 um rund 2 Mrd. € niedriger ausgefallen. Diese stark negative Entwicklung bei den Gemeinden ist auch eine Folge der hohen öffentlichen Investitionen in den neuen Bundesländern Anfang der neunziger Jahre. Nachdem der einheitsbe- dingte Bedarf gedeckt war, sind die Bruttoinvestitionen bis etwa 2005 geschrumpft. Die hohen Abschreibungsbeträge senken allerdings weiterhin die Nettoinvestitionen.1 Zudem wurden dort teilweise Überkapazitäten aufgebaut. Mittlerweile besteht vor allem in den alten Bundesländern ein hoher Renovierungs- und Neubaubedarf z.B. bei den Kanal-, Klär- und Abfallsystemen. Die öffent- liche Infrastruktur wird zumindest teilweise „auf Verschleiß“ betrieben. Gemeinden investieren am meisten Negative Nettobauinvestitionen der Gemeinden Nominale öffentliche Bruttobauinvestitionen, 2018, Mrd. € Nettobauinvestitionen des Staates, Mrd. € Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Volkswirtschaft/Research Das KfW-Kommunalpanel 2018 hat mit Hilfe von Umfragen bei Kämmereien sogar einen auf knapp 159 Mrd. € gestiegenen kommunalen Investitionsstau ermittelt. Hiervon entfällt der größte Teil mit 30 % auf die Schulen inklusive der Erwachsenenbildung, 24 % werden im Bereich Straßen und Verkehrsinfrastruktur gesehen und 11 % des wahrgenommenen Investitionsrückstandes be- treffen die öffentlichen Verwaltungsgebäude. Weitere wichtige Investitionsziele sind zudem der 1 Vgl. hierzu Statistisches Bundesamt: Bruttoinlandsprodukt 2018 und Investitionen in Deutschland, WISTA, 1/2019, S. 89-115, hier: S. 108f. 0 20 40 60 80 100 120 140 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 insgesamt (l. Sk.) Gemeinden (rechte Skala) -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Bund Gemeinden Länder 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 insgesamt Gemeinden Bund Länder -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 91 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 Gemeinden Bund Länder Teilweise „auf Verschleiß“ Hoher wahrgenommener Bedarf BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 8. APRIL 2019 · © H E L A BA 3 Brand- und Katastrophenschutz (7 %) sowie die Wasserver- und -entsorgung (6 %). Der Bedarf entsteht durch die steigende Bevölkerung und höhere Geburtenzahlen. Dies hat in prosperieren- den Regionen und Städten mehr Nachfrage nach Leistungen der Daseinsvorsorge, insbesondere für Schulen, zur Folge. Mehr Verkehr sowie in früheren Jahren unterlassene Instandhaltung und Erneuerung haben den Bedarf bei Straßen erhöht. Hinzu kommen neue Aufgaben, wie der poli- tisch angestrebte Ausbau von Ganztagesschulen, die bessere Kitaversorgung sowie die ange- strebte Verkehrswende. Ausgelastete Kapazitäten und hohe Preise Die tatsächliche kommunale Investitionsplanung und -umsetzung ist mit Schwierigkeiten verbun- den. Vor allem der Mangel an qualifiziertem Personal sowie Kapazitätsengpässe bei den öffentli- chen Auftraggebern und in der Bauwirtschaft erschweren die Umsetzung. Im vierten Quartal 2018 sind zudem die Erzeugerpreise beispielsweise im Straßenbau um über 7 % gegenüber dem Vor- jahr gestiegen. Vor diesem Hintergrund sind zunehmende Steuereinnahmen zu relativieren, zumal kurzfristig weitere Preissteigerungen wahrscheinlich sind. Teure Auftragsvergabe Aufträge im Bau nehmen kräftig zu % % gg. Vj. Nominale Auftragseingänge, Index: Januar 2014 = 100, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Der Bund hat in den letzten Jahren seine Verkehrsinvestitionen deutlich erhöht. Während 2015 nur knapp 11 Mrd. € in die Bundesfernstraßen, die Bundeswasserstraßen sowie die Eisenbahnen des Bundes flossen, waren es 2018 rund 15 Mrd. €. Da die Deutsche Bahn AG allerdings dem Wirt- schaftsbau zugerechnet wird, fielen die Ausgaben mit rund 8,5 Mrd. € im vergangenen Jahr niedri- ger aus. Lag die jahresdurchschnittliche nominale Steigerung ohne Bahn zwischen 2015 und 2018 bei immerhin rund 12 %, sinkt diese bis 2022 auf gut 3 %. Berücksichtigt man die hohen Preisstei- gerungen, dürften nach einem nochmal guten Jahr 2019 nach jetziger Planung real sogar leicht rückläufige Bauinvestitionen im Verkehrsbereich zu erwarten sein. Eine Anpassung der Bundes- planung nach oben ist allerdings nicht unwahrscheinlich. Trotzdem werden die öffentlichen Bauin- vestitionen 2020 etwas gebremst; sie dürften nur noch um 2 % zulegen. Die öffentliche Investitionswende ist eingeleitet, zumal neben den Gemeinden auch die Länder – vor allem bei Schulen und Hochschulen – mehr investieren dürften. Die Auftragseingänge im ge- samten öffentlichen Bau sind 2018 um nominal fast 6 % gestiegen, im Januar 2019 betrug das Plus sogar gut 19 %. Einer zügigen Umsetzung von Bauprojekten stehen allerdings nicht selten ein Mangel an Planungskapazitäten vor allem auf kommunaler Ebene, lange Genehmigungszeiten sowie Kapazitätsgrenzen in der Bauwirtschaft im Wege. Zeitlich befristete Investitionsförderpro- gramme von Bund und Ländern erbringen keine hinreichende Planungssicherheit. Sinnvoller ist, für eine dauerhaft auskömmliche Finanzausstattung zu sorgen. Dann lassen sich mittelfristig das notwendige Fachpersonal und damit das Know-how wieder aufbauen. Auch im Hinblick auf die stark ausgelasteten Kapazitäten in der Bauwirtschaft ist eine langfristig angelegte öffentliche Inves- titionsoffensive empfehlenswert, um die Kapazitäten besser auszulasten.  80 100 120 140 160 180 200 80 100 120 140 160 180 200 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Wirtschaftsbau Wohnungsbau Öffentlicher Bau Mehr Planungs- kapazitäten erforderlich

Die Entwicklung des öffentlichen Baus in Deutschland. Treibende und bremsende Faktoren des Baugeschehens.
