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title: "Chemieindustrie im starken Aufschwung"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Chemieindustrie im starken Aufschwung

Helaba Volkswirtschaft/Research BRANCHENFOKUS HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 19. MAI 2021 · © H EL A B A 1 19. Mai 2021 Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwär- tigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für de- ren Richtigkeit, Vollständig- keit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Anga- ben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlage- entscheidungen verstanden werden. AUTOR Dr. Stefan Mütze Tel.: 0 69/91 32-38 50 research@helaba.de REDAKTION Dr. Stefan Mitropoulos HERAUSGEBER Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirt/ Leitung Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen MAIN TOWER Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Telefon: 0 69/91 32-20 24 Telefax: 0 69/91 32-22 44 Chemieindustrie im starken Aufschwung Die deutsche Chemieindustrie entwickelt sich zurzeit sehr dynamisch mit einem Produktions- plus von schätzungsweise 4,5 % in diesem Jahr. 2022 ist mit einem Abflauen des (Nachhol-) Bedarfs zu rechnen. Die Ertragslage der Branche verbessert sich. Zu einer Herausforderung für den Standort Deutschland dürfte die Forderung nach Klimaneutralität werden. Sollten die Rahmenbedingungen nicht, z.B. durch wettbewerbsfähige, niedrigere Strompreise verbessert werden, ist eine Verlagerung von Investitionen zu erwarten. Der Stromverbrauch der Branche wird stark zunehmen. Die Corona-Pandemie hat der deutschen chemischen Industrie weniger zugesetzt als anderen Bran- chen. So sank die Produktion im Frühjahr 2020 unterdurchschnittlich. Mittlerweile liegt sie über dem Vorkrisenniveau, während das Verarbeitende Gewerbe noch nicht so weit ist. Im ersten Quartal 2021 erreichte der Zuwachs bei chemischen Erzeugnissen 1,2 % gegenüber dem entsprechenden Vor- jahreszeitraum (Verarbeitendes Gewerbe: -1,5 %). Inklusive Pharmaindustrie beträgt das Plus 1,1 %. Der Aufschwung der chemischen Industrie begann bereits Mitte 2020. Die Auftragseingänge nahmen deutlich zu, da die industriellen Kunden verstärkt Vorprodukte bestellten, auch um ihre ge- leerten Lager aufzufüllen. Die Bestellungen haben im ersten Vierteljahr 2021 um 2,3 % gegenüber Vorjahr zugelegt. Chemie: Starker Aufschwung nach mäßigem Einbruch Pharma: Impfstoff dürfte Produktion stimulieren Index: Januar 2017 = 100, saisonbereinigt Index: Januar 2017 = 100, saisonbereinigt Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Da die Coronakrise ab Frühjahr 2020 zu deutlich niedrigeren Aufträgen und Produktion führte, sind für die nächsten Monate hohe Vorjahreszuwächse zu erwarten. Zudem dürfte die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen noch zunehmen. Die Industrie ist weltweit im Boom. Besonders gut ist die Lage in Deutschland, wo der Einkaufsmanagerindex im März einen historischen Spitzenwert von 66,6 Punkten erreichte und im April nur leicht zurückging (vgl. Grafik S. 2). Nicht mehr die Nachfrage behindert die Unternehmen, sondern die Verfügbarkeit von Vorprodukten aus allen möglichen Be- reichen. Besonders knapp sind zurzeit Halbleiter. Auch Produkte der chemischen Industrie wie Schaumstoffe für Autositze und andere transparente Kunststoffe oder Schmierstoffe sind gefragt. Die aktuellen Lieferprobleme und höhere Ölnotierungen führen zu Preissteigerungen. Die Erzeuger- preise sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen, auch wenn sie im März bei Grundstoffen nur bei 2,4 % und bei chemischen Erzeugnissen insgesamt 1,8 % über Vorjahresniveau lagen (vgl. Grafik S. 2). Steigende Preise dürften die Lagerauffüllung bei den Verbrauchern noch beflügeln. Eine Fortsetzung des Branchenaufschwungs deutet das Geschäftsklima der Branche an. 70 80 90 100 110 70 80 90 100 110 2017 2018 2019 2020 2021 Chemieproduktion Auftragseingänge Chemie Produktion Verarbeitendes Gewerbe 70 80 90 100 110 120 130 140 70 80 90 100 110 120 130 140 2017 2018 2019 2020 2021 Produktion Verarbeitendes Gewerbe Pharmaproduktion Auftragseingänge Pharma BRANCHENFOKUS CHEMIE HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 19. MAI 2021 · © H EL A B A 2 Besonders gute Konjunktur in deutscher Industrie Chemische Grundstoffe werden teurer Einkaufsmanagerindizes (Verarbeitendes Gewerbe) Index: Januar 2017 = 100, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Die chemischen Grundstoffe, zu denen Anorganika, Petrochemikalien und Polymere gehören, stel- len mit einem Umsatzanteil von 43 % die größte Branchensparte dar (vgl. Grafik S. 3). In der Summe konnten sie mit einem Produktionszuwachs von 2,6 % im ersten Quartal 2021 gegenüber Vorjahr bislang nur leicht besser abschließen als die chemischen Erzeugnisse insgesamt. Sehr günstig ent- wickelten sich mit einem Plus von rund 6 % Kunststoffe in Primärform. Hier ist aufgrund der erwähn- ten Marktlage mit weiteren Zuwächsen zu rechnen. Die wegen Materialknappheit zeitweise ge- bremste Automobilproduktion wirkt sich hingegen auch in der Chemieindustrie negativ aus. Die Kaut- schukproduktion hat sich von der tiefen Krise noch nicht vollständig erholt. Das Produktionsminus beträgt hier aktuell 3,6 %. Auch bei Farbstoffen und Pigmenten ist die Erzeugung noch unter Vor- jahresniveau. Die wichtigen Industriegase waren minimal rückläufig. Mittelfristig sollte die Wasser- stofftechnologie hier allerdings für Impulse sorgen. Überdurchschnittlich erholten sich die „Sonstigen chemischen Erzeugnisse“, die im Wesentlichen Fein- und Spezialchemikalien umfassen. Fein- und Spezialchemikalien dynamisch Konsumnahe Sparten stabilisieren in der Krise Nettoproduktion, Index: Januar 2017 = 100, saisonbereinigt Nettoproduktion, Index: Januar 2017 = 100, saisonbereinigt Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research Die Hersteller von Wasch- und Körperpflegemitteln mussten während des ersten Lockdowns im ver- gangenen Jahr zwar einen deutlich unterproportionalen Produktionsrückgang hinnehmen, da der Absatz von Hygieneartikeln und Desinfektionsmitteln die Branchenkonjunktur stabilisierte. Allerdings bremsen geschlossene Läden, verstärktes Homeoffice und fehlende Veranstaltungen die Nachfrage der Konsumenten nach Kosmetika. Vom jüngsten Aufschwung der Chemiebranche konnten Wasch- und Körperpflegemittel daher nicht profitieren. Die deutsche Pharmaproduktion wird zurzeit von zwei gegenläufigen Faktoren geprägt: Zum einen stimuliert die Impfstoffproduktion mit zunehmender Dynamik. Zum anderen hat die Pandemie dazu geführt, dass wichtige Operationen und Arztbesuche verschoben wurden. Grippewellen fallen durch die Corona-Schutzmaßnahmen aus. Dementsprechend weniger Arzneimittel wurden nachgefragt und produziert. Im Laufe des Jahres dürfte sich die Situation hier allerdings deutlich entspannen. Der Rückgang der Inzidenzen und der Zahl der Corona-Intensivpatienten ermöglicht wieder mehr 92 94 96 98 100 102 104 106 108 92 94 96 98 100 102 104 106 108 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Chemische Grundstoffe Chemische Erzeugnisse Pharmazeutsiche Erzeugnisse 80 90 100 110 120 80 90 100 110 120 2017 2018 2019 2020 2021 Sonstige chem. Erzeugnisse Chemische Erzeugnisse Chemische Grundstoffe 80 85 90 95 100 105 110 80 85 90 95 100 105 110 2017 2018 2019 2020 2021 Anstrichmittel, Druckfarben, Kitte Chemische Erzeugnisse Seifen, Wasch- u. Körperpflegemittel, Duftstoffe Differenzierte Entwicklung bei Grundstoffen Impfungen und Nachhol- behandlungen führen zu hohen Zuwächsen BRANCHENFOKUS CHEMIE HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 19. MAI 2021 · © H EL A B A 3 Operationen. Dies erhöht gleichzeitig die Medikamentennachfrage. Zudem bleibt der Bedarf an Impf- stoffen vorerst hoch, auch weil vermutlich Auffrischungsinjektionen gegen die Pandemie nötig sein werden. Die deutsche Pharmaproduktion ist im ersten Vierteljahr nur um 1 % gegenüber Vorjahr gestiegen. Vergleicht man aber gegenüber dem vierten Quartal, so liegt der Zuwachs bereits bei saisonbereinigt 3,6 %. Die Pharmaproduktion dürfte 2021 um etwa 5 % zulegen und damit maßgeb- lich zum Wachstum der Gesamtbranche beitragen. Zusammen mit dem Produktionszuwachs von geschätzt 4 % für chemische Erzeugnisse dürfte die Gesamtbranche, auch stimuliert durch lebhafte Exporte, 2021 um etwa 4,5 % wachsen. Bei einem Anstieg der Erzeugerpreise von 3 % sollte der Umsatz um über 7 % zulegen können. Im nächsten Jahr ist mit einem Abflauen des hohen (Nachhol-)Bedarfs zu rechnen. Das Produktionsplus dürfte dann mit 2 % niedriger ausfallen. Die Coronakrise hat die Ertragslage der Unternehmen belastet. Zuletzt sind allerdings die Lohnstückkosten gesunken und steigende Rohstoffpreise konnten an die Kunden weitergegeben werden. Diese Tendenz dürfte sich vorerst fortsetzen und damit können die Gewinne der Unternehmen weiter zulegen. Geschäftsklima hat Vorkrisenniveau erreicht Ein Viertel des Umsatzes sind Pharmazeutika ifo Geschäftsklima, Chemieindustrie, Saldo Gesamtumsatz nach Sparten, % Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research Quellen: VCI, Helaba Volkswirtschaft/Research Herausforderung Klimaschutz Die Produktion chemischer Erzeugnisse konnte in Deutschland trotz hoher Innovationsfähigkeit seit 2000 nur um 6 % gesteigert werden. Hingegen verdoppelte sich die Erzeugung pharmazeutischer Produkte nahezu, so dass die Branche insgesamt um fast 30 % zulegte, während das gesamte Ver- arbeitende Gewerbe in diesem Zeitraum ein Plus von nur etwa einem Viertel erreichte (vgl. Grafik S. 4). Globale Themen wie das Wachstum der Weltbevölkerung und die Urbanisierung stimulieren zwar die Chemienachfrage, das Marktwachstum dürfte aber weiterhin stärker in Asien und den USA als in Europa stattfinden. Die deutsche Chemieindustrie hat frühzeitig begonnen, neben einer Ex- portstrategie mit Direktinvestitionen vor Ort hiervon zu profitieren. Für den Standort Deutschland ist die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Produktionsweise eine Herausforderung. Bisher ist nicht abzusehen, ob die Standortbedingungen nach der Bundes- tagswahl so gestellt werden, dass die Chemieindustrie hierzulande ein wieder höheres Wachstum erzielen kann oder ob es zu einer forcierten Abwanderung von Produktionsstätten kommt. Die Bran- che muss zum Ziel der Klimaneutralität beitragen. Sie soll jetzt entsprechend der politischen Vorga- ben bereits 2045 erreicht sein. Damit dies gelingt, müssen Produktionsprozesse elektrifiziert werden. Dies wird den Strombedarf deutlich erhöhen. Nach einer Szenarioanalyse, die der Verband der Che- mischen Industrie (VCI) in Auftrag gegeben hat1, würde der ambitionierte Pfad mit einer 100-prozen- tigen Reduktion der Klimagase bis 2050 zu einem Stromverbrauch von 628 Terrawattstunden ab 1 Roadmap Chemie 2050: Auf dem Weg zu einer treibhausgasneutralen chemischen Industrie in Deutschland, 2019. VCI-Broschüre sowie Kurzfassung: Studie Treibhausgas Petrochemikalien/ Derivate (24,3 %) Polymere (12,7 %) Fein- u. Spezial- chemikalien (25,5 %) Wasch- u. Körperpflegemittel (6,5 %) Pharmazeutische Industrie (24,8 %) Anorganika (6,2 %) Umsatz 2020 190,6 Mrd. € Klimapolitische Zusatz- lasten könnten Wachstum gefährden Produktion 2021: +4,5 %; Umsatz: +7 % BRANCHENFOKUS CHEMIE HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 19. MAI 2021 · © H EL A B A 4 Mitte der 2030er Jahre führen. Dies entspräche in etwa dem Verbrauch der gesamten Bundesre- publik im Jahr 2018. Voraussetzung eines derartigen Entwicklungspfades wären Strompreise gemäß der Studie von etwa 4 Cent pro Kilowattstunde. Nur dann würden sich Investitionen in den Klima- schutz in ausreichendem Maße lohnen. Heute bezahlt die chemische Industrie in Deutschland mehr als das Doppelte. Um das Ziel der kompletten Klimaneutralität zu erreichen, müssten Anlagen un- abhängig von der Wirtschaftlichkeit schon dann ausgetauscht werden, wenn hierdurch eine Reduk- tion von CO2 zu erreichen wäre. Voraussetzung für dieses Szenario wäre zudem, dass die EU auf vergleichbare Wettbewerbsbedingungen in anderen Ländern hinwirkt (Carbon Leakage-Maßnah- men). Dies ist aus heutiger Sicht kaum realistisch. Da auch andere energieintensive Branchen wie die Stahl- und die Zementindustrie ähnliche Transformationen vornehmen müssen, ist nicht abseh- bar, wie der gigantische Strombedarf zu niedrigen Preisen zur Verfügung gestellt werden soll. Nur bislang nicht vorhersehbare Innovationssprünge könnten hier zu einem „Game-Changer“ werden. Langfristig kaum Wachstum bei chemischen Erzeugnissen in Deutschland Nettoproduktion, Index: Januar 2000 = 100, saisonbereinigt, geglättet Quellen: Feri, Helaba Volkswirtschaft/Research In der genannten Studie wird ein weiteres „Technologiepfad“-Szenario mit einer 61-prozentigen CO2- Reduktion gegenüber 2020 skizziert. Hierbei investiert die deutsche Chemieindustrie stark in neue Prozesstechnologien in der Basischemie. Es verbleiben aber Treibhausgasemissionen aus der Nut- zung fossiler Ressourcen als Rohstoffquelle und für Verbrennungsprozesse. Auch diese können teilweise durch alternative Quellen ersetzt werden. Weitere Fortschritte könnte die Branche errei- chen, indem sie Kunststoffe durch ein verbessertes mechanisches und chemisches Recycling wie- der als Ausgangsmaterial für die Produktion von Basischemikalien verwendet. Chancen bieten sich durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Die umfassende Verlagerung der Rohstoffbasis vom Rohöl bzw. Erdgas zur Biomasse, also hin zu der sogenannten weißen Biotechnologie, wird als Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gesehen. Aber auch in diesem moderateren Sze- nario vervierfacht sich der Strombedarf der Branche. Chancen durch Innovationen Neben der Transformation der Produktionsstrukturen bleibt entscheidend, innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Dies dürfte bei Pharmazeutika und höherwertigen Fein- und Spezialchemika- lien einfacher sein als bei Grundchemikalien. Voraussetzung ist eine hohe F&amp;E-Intensität. Bis 2019 wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 6,8 % gesteigert. Die chemisch-pharma- zeutische Industrie liegt damit hinter dem deutschen Fahrzeugbau und der Elektroindustrie an dritter Stelle. Im internationalen Vergleich ist die Chemieindustrie bei den F&amp;E-Ausgaben nach China, den USA und Japan auf Platz 4. Aufgeholt hat die deutsche pharmazeutischen Industrie. 2019 lag Deutschland zum zweiten Mal in Folge vor Großbritannien hinter den USA, Japan, China und der Schweiz auf Platz 5. Die Corona-Pandemie dürfte bei einzelnen Unternehmen zu einer temporären Verringerung des Forschungsbudgets geführt haben. Die Innovationsanstrengungen müssen aller- dings danach wieder erhöht werden, um auf den Märkten bestehen zu können. So bieten sich der Chemieindustrie Chancen durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Die Änderung der Roh- 80 100 120 140 160 180 200 220 240 80 100 120 140 160 180 200 220 240 260 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Pharmazeutika Chemische Erzeugnisse H. v. chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen Verarbeitendes Gewerbe Bei F&amp;E auf dem nationalen Podest BRANCHENFOKUS CHEMIE HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH · 19. MAI 2021 · © H EL A B A 5 stoffbasis wird als Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gesehen. Darüber hinaus wer- den Recycling, die Nano- und Werkstofftechnologie sowie forschungsintensive Spezialchemikalien für Farben, Pflanzenschutzmittel, Spezialkunststoffe und Konsumprodukte an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklung des mRNA-Impfstoffs in Deutschland hat zudem gezeigt, dass hiesige Unterneh- men im Pharmabereich weltweit mithalten können. Diese Technologie dürfte auch in der Krebsthe- rapie Erfolge feiern. Der weitere Weg dürfte zu einer individualisierten, maßgeschneiderten Gen- und Immuntherapie führen. Die Diskussion um die Freigabe der Impftechnologien ist allerdings kont- raproduktiv, da sie das Vertrauen in den Patentschutz auch in anderen Bereichen beschädigen würde und damit die Entwicklung von neuen Produkten bremst.2 Die 2020 erfolgte Einführung der steuerlichen Forschungsförderung als Zulage hat hingegen geholfen. Mittelfristig sollte überlegt wer- den, ob die maximale Fördersumme von 1 Million Euro pro Unternehmen ausreicht. Um bei Innova- tionen voranzukommen, sind zusätzlich verstärkte Bildungsanstrengungen im naturwissenschaftli- chen Bereich angebracht.  2 Die Innovationsforschung zeigt den positiven Effekt der Patente. Vgl. Philippe Aghion, Céline Antonin, Simon Bunuel: The Power of Creative Destruction. Economic Upheaval and the Wealth of Nations, z.B.: Kapitel 2, 4; 2020

Klimaneutralität wird für die Branche zur Herausforderung. Nur mit neuen Prozessen lässt sie sich erreichen. Niedrige Strompreise sind eine Voraussetzung.
