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title: "Im Fokus Branchen: Maschinenbau -  Modell „Exportschlager“ in Gefahr?"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Im Fokus Branchen: Maschinenbau -  Modell „Exportschlager“ in Gefahr?

Im Fokus: Branchen 14. Mai 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 14. Mai 2025 1 von 5 Research &amp; Advisory Maschinenbau: Modell „Exportschlager“ in Gefahr? Die Exportstärke des Maschinenbaus gerät zunehmend unter Druck. Produktivitätssteigerungen und Mut zur Innovation sind gefragt. Können Investitionen und die grüne Transformation den Maschinenbau beflügeln? Wir erwarten für dieses Jahr einen Produktionsrückgang von 1 %. Der Maschinenbau zählt zu den deutschen Schlüsselbranchen. 2024 erwirtschaftete er mit rund 275 Mrd. Euro 12 % des Umsatzes im Verarbeitenden Gewerbe.1 Damit stellt der Ma- schinenbau dessen zweitgrößte Industrie dar. Hierbei ist die Branche maßgeblich auf das Ausland angewiesen: Knapp 65 % des Umsatzes kamen durch Exporte zustande. Wie im gesamten Verarbeitenden Gewerbe gab die Produktion in den letzten Jahren stark nach – die konjunkturelle Schieflage Deutschlands lässt auch diesen Wirtschaftszweig nicht unbe- rührt. Jedoch zeigte die Produktion zuletzt immerhin erste Anzeichen einer Bodenbildung. Besorgniserregend sind indes die inländischen Auftragsein- gänge, die sich weiterhin im freien Fall befinden. Die auslän- dischen Auftragseingänge ha- ben sich immerhin stabilisiert. Aufgrund ihrer Exportorientie- rung hängt die zukünftige Ent- wicklung der Branche maßgeb- lich von der Situation auf den ausländischen Märkten ab. Und es ist fraglich, ob der Maschi- nenbau in Zukunft mit Exporter- folgen wie in der Vergangenheit rechnen kann. Exportmärkte: Zwischen strukturellem Hoheitsverlust und Zollfragen China hat sich von einem vorrangigen Nachfrager zu einem Wettbewerber der Branche entwickelt. Zwar war die Volksrepublik 2024 die zweitwichtigste Exportdestination. Die deutschen Maschinenbauexporte nach China entwi- ckelten in den letzten Jahren jedoch kaum Dynamik (vgl. Grafik S. 2). Die Importe sind hingegen kräftig gestiegen, wodurch sich der bilaterale Handelssaldo zunehmend verringerte und auf den niedrigsten Stand seit 2008 gefal- len ist – mit Ausnahme des Krisenjahres 2022. Auf dem Weltmarkt konnte China zudem seine Position seit Beginn des Jahrtausends ausbauen. Während es im Jahr 2000 noch für knapp 3 % der weltweiten Exporte verantwortlich war, konnte dieser Wert 2023 auf 20,2 % gesteigert werden. Gleichzeitig sank der deutsche Anteil leicht, Japan und die USA verloren noch mehr an Dominanz (vgl. Grafik S. 2). Drei Schlussfolgerungen liegen also nahe: Erstens verliert der deutsche Maschinenbau China zunehmend als Nachfrager, zweitens wird Deutschland vermehrt zu ei- nem Nachfrager des chinesischen Maschinenbaus und drittens dominiert China zunehmend den Weltmarkt. 1 Für Unternehmen mit ≥ 20 Beschäftigten. Hier und im Folgenden wird die amtliche Abgrenzung betrachtet. Adrian Keppler Branchen &amp; Nachhaltigkeit T 069/91 32-41 83 Auftragseingänge: Ausland stabil, Inland im freien Fall Reale Indizes\*, Jan. 2018 = 100, kalender- und saisonbereinigt, gleitender 3M-Mittelwert \*WZ 28: Maschinenbau Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory © Helaba | Research &amp; Advisory | 14. Mai 2025 2 von 5 Die USA sind mit 13,3 % Exportanteil der größte ausländische Absatzmarkt für deutsche Maschinen. Die geplan- ten Zölle werden auch dem Maschinenbau schaden, aber er dürfte sich immerhin robuster als andere Wirt- schaftszweige zeigen. Denn allgemein reagieren Absatzmengen weniger empfindlich auf Zölle, wenn die betroffe- nen Produkte nicht bzw. nicht zeitnah durch heimische Produkte ersetzt werden können oder schlecht auf sie ver- zichtet werden kann. Der US-Maschinenbau hat nur in vereinzelten Bereichen eine führende Rolle und im Laufe der Zeit hat sich dieser Markt strukturell zu ausländischen Anbietern hin verschoben. Zudem existiert in einigen Sparten keine nennenswerte US-Produktion, auf die kurzfristig zurückgegriffen werden könnte. Man könnte nun entgegnen, dass die fehlende Industrie ja gerade der Zweck der Zölle sei, und die USA dadurch ihren eigenen Maschinenbau wieder bzw. weiter aufbauen könnte. Aber dieses Vorhaben dürfte aus mehreren Gründen bestenfalls mittel- bis langfristig gelingen: • Der Maschinenbau stellt keinen energieintensiven Wirtschaftszweig dar, weshalb die geringen Energiekos- ten in den USA keinen besonders starken Wettbewerbsvorteil darstellen. • Die Branche ist arbeitsintensiv und die USA weisen ein recht hohes Lohnniveau auf. • In den USA sind entsprechende Fachkräfte nicht bzw. nicht ausreichend vorhanden. • Für Sparten mit ausgeprägter Einzelfertigung wird technisches Know-how voraussetzt, das nicht ohne weiteres verfügbar ist. Sollten die von den USA gegen China verhängten Zölle zukünftig höher ausfallen als gegenüber der EU, könnte diese Konstellation Deutschland sogar einen relativen Wettbewerbsvorteil auf dem US-Markt verschaffen. Aber trotz der potenziellen Widerstandsfähigkeit auf dem US-Markt und einem eventuellen Wettbewerbsvorteil ist die weitere ausländische Nachfragesituation unklar. Perspektivisch bestehen Chancen im europäischen Markt, wo Vereinigte Staaten sind wichtigster ausländischer Absatzmarkt Deutsche Maschinenbauexporte 2024, Mrd. Euro und Anteile in % Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 13,3% 8,5% 7,0% 5,0% 4,8% 4,5% 4,5% 4,0% 3,1% 2,9% 0 5 10 15 20 25 30 35 0 5 10 15 20 25 30 35 Vereinigte Staaten China Frankreich Polen Vereinigtes Königreich Italien Nieder- lande Österreich Spanien Schweiz Rückläufiger Handelssaldo gegenüber China… …und zunehmende Marktdominanz Chinas Exporte, Importe, Handelsbilanz\*, Mrd. Euro Weltweite Maschinenbauexporte\*, Anteile in % \*WZ 28: Maschinenbau Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*WTO-Daten basierend auf HS-Warenklassifikation Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Exporte Importe Handelsbilanz 0 5 10 15 20 25 0 5 10 15 20 25 2000 2004 2008 2012 2016 2020 China Japan Vereinigte Staaten Deutschland © Helaba | Research &amp; Advisory | 14. Mai 2025 3 von 5 der Maschinenbau bereits stark vertreten ist (vgl. Grafik S. 2). Auch die Tatsache, dass Deutschland laut des Ver- bands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in einigen Produktsparten wie Werkzeugmaschinen oder Mess- und Prüftechnik nach wie vor Weltmarktführer ist (Stand: 2022), stützt die Branche. Dennoch gefährden die negativen Auswirkungen des aufkeimenden Protektionismus und der zunehmenden Konkurrenz aus China den Erfolg des exportorientierten Modells. Inlandsinvestitionen und Finanzpakete können schwache Inlandsnachfrage ankurbeln Exportüberschüsse in der Größenordnung vergangener Jahre dürften aufgrund des hiesigen hohen Lohnniveaus, Chinas Entwicklung und des zunehmenden Protektionismus auf Dauer nur schwer zu halten sein. Hingegen be- steht Nachholbedarf bei Investitionen im Inland, was der Branche eine große Chance bietet. Der Maschinenbau produziert umfangreiche Vorleistungen für nahezu alle Industrien. Daher sind Maschinen ein wichtiger Bestandteil der deutschen An- lageinvestitionen. Diese um- fassen einerseits die Bauinves- titionen, und somit indirekt die Nachfrage nach Bau- und Bau- stoffmaschinen. Andererseits umfassen sie die Ausrüstungs- investitionen, welche unmittel- bar die Nachfrage nach diversen Maschinenbausparten beein- flussen. Zwischen den Ausrüs- tungsinvestitionen und der Produktion im Maschinenbau besteht deshalb ein weitgehender Gleichlauf. Die schwa- che Investitionsdynamik der vergangenen Jahre schadet somit der Branche im Inland, wie auch die inländischen Auftragseingänge zeigen (vgl. Grafik S. 1). Der Maschinenbau wartet also auf einen Investitionsaufschwung in Deutschland. Die geplanten Finanzpakete der neuen Bundesregierung bieten hier eine Gelegenheit. Denn diese dürften zu einem erheblichen Teil in den Bau und die Verteidigung fließen. Beide Bereiche lassen diverse Sparten der Branche direkt profitieren. Auch Mul- tiplikatoreffekte durch die Finanzpakete in Folge einer Anregung der Wirtschaft allgemein und speziell der Investi- tionstätigkeit könnten den Maschinenbau beflügeln. Produktivitätssteigerungen dringend notwendig Die Finanzpakete können den dringend benötigten Konjunkturimpuls verschaffen und vor allem die derzeit stark unterdurchschnittliche Kapazitätsauslastung durch zusätzliche Aufträge verbessern (vgl. Grafik S. 4). Der Konjunkturstimulus wäre jedoch kein Allheilmittel. Nach langer Stagnation sank die Produktivität der Bran- che zuletzt. Bei gleichzeitig gestiegenen Löhnen erhöhte dies die Lohnstückkosten (vgl. Grafik S. 4). Die Erzeu- gerpreise konnten diesen Anstieg nicht vollständig ausgleichen, was auf der Branchenrentabilität lastet. Lange Zeit stellten die steigenden Lohnstückkosten für den Produktionsstandort ein geringes Risiko dar, weil der Ma- schinenbau in vielen Sparten auf Einzelfertigung und technischem Know-how basiert – einer traditionell deut- schen Domäne. Dadurch können viele Produktionsprozesse nicht ohne weiteres in Länder mit geringeren Löhnen verlagert werden. Jedoch erobert China zunehmend auch eben diese Marksegmente, die nicht auf Massenferti- gung, sondern Einzelfertigung beruhen. Um dieser wachsenden Konkurrenz zu trotzen, muss die Branche auf- grund des hierzulande hohen Lohnniveaus dringend Produktivitätssteigerungen erzielen. Innovationen sind ein weiterer zentraler Faktor, um in Zukunft auf den Weltmärkten zu bestehen. Zahlen des VDMA lassen hierbei hoffen: Rund 15 % der etwa 70.000 weltweiten Patentanmeldungen im Maschinenbau Inländische Investitionen treiben Maschinenbau Investitionen\*, reale Produktion im Maschinenbau, % gg. Vj. \*Ausrüstungsinvestitionen Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory © Helaba | Research &amp; Advisory | 14. Mai 2025 4 von 5 stammten 2021 aus Deutschland. Damit ist der Maschinenbau ein maßgeblicher Innovationsmotor Deutsch- lands, denn diese knapp 10.000 Patente machten 2021 ein Drittel aller deutschen Patentanmeldungen aus. Grüne Transformation: Risiken durch gefährderte Abnehmer und Chancen neuer Märkte Der Maschinenbau zählt auf den ersten Blick zu den saubereren Branchen: Dort entstanden 2022 laut des Statisti- schen Bundesamtes nur 1,1 % der Emissionen des Verarbeitenden Gewerbes. Dies ist zum Teil dem geringen An- teil am gesamten Energieverbrauch des Verarbeitenden Gewerbes von rund 4,5 % (Stand: 2023) geschuldet. Da die direkten Emissionen und der Energieverbrauch gering sind, gibt es mit Blick auf einen steigenden CO2-Preis relativ wenig Hürden und geringe Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftszweigs. Durch Vorleistungen für andere Industrien bedient der Maschinenbau allerdings die emissionsintensivere Pro- duktion anderer Branchen. Probleme für den Maschinenbau können entstehen, sobald Produkte, die dieser emis- sionsintensiven Produktion dienen, infolge der anvisierten Emissionsverringerung weniger nachgefragt werden. Exemplarisch sein hier chemische Reaktoren, Verbrennungsmotoren oder Bergbaumaschinen genannt. Neben diesen Risiken bietet die grüne Transformation dem Maschinenbau jedoch auch Chancen. Um die Klima- ziele zu erreichen, sind für die Industrie die Entwicklung neuer Technologien und folglich Investitionen in neue Maschinen unerlässlich. Ob es sich um Solarzellen handelt, um Wärmepumpen, um Anlagen zur CO2-Abscheidung und Speicherung oder Maschinen für die Wasserstoffelektrolyse: Die grüne Transformation bietet Chancen, die die Branche nutzen sollte. Gerade mit Blick auf China, das in diesen Marktsegmenten bereits stark vertreten ist, be- steht allerdings Aufholbedarf. Fazit: Höhere Produktivität und neue Absatzmöglichkeiten müssen im Fokus stehen Es ist fraglich, ob die Exporte zukünftig für ausreichend Dynamik im deutschen Maschinenbau sorgen können. Selbstverständlich werden die ausländischen Absatzmärkte weiterhin eine essenzielle Rolle für die Branche spie- len. Aber es muss wohl zusätzliche Nachfrage aus der heimischen Wirtschaft kommen. Den gesamtwirtschaftli- chen Investitionen fehlt aktuell noch der nötige Schwung, da die Wirkung der Finanzpakete erst ab nächstem Jahr zu erwarten ist. So dürften die Bauinvestitionen dieses Jahr wohl stagnieren und die Ausrüstungsinvestitio- nen im dritten Jahr infolge zurückgehen. Neben der fehlenden Investitionsdynamik sorgen die derzeitige hohe globale Unsicherheit sowie die zunehmende Konkurrenz aus China dafür, dass für dieses Jahr mit einem Produkti- onsrückgang von 1 % zu rechnen ist, bevor es kommendes Jahr wieder aufwärts gehen sollte. Aufgrund der Risiken für bisherige Abnehmerindustrien im Zuge der grünen Transformation, aber auch wegen der Chancen, die sich hieraus für neue Märkte ergeben, sollte der Maschinenbau dringend versuchen, bei Innovatio- nen mitzuhalten. Langfristig sind außerdem Produktivitätssteigerungen unabdinglich, wenn der günstigeren und zunehmend fortschrittlichen Technologie aus China Paroli geboten werden soll. Unterdurchschnittliche Kapazitätsauslastung… …und hohe Lohnstückkosten senken Rentabilität Kapazitätsauslastung, % Lohnstückkosten\*, Produktivität\*\*, Erzeugerpreise, Jan. 2012 = 100 \*Arithmetisches Mittel seit 1991 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*Arbeitnehmerentgelt / Produktionsindex, \*\*Produktionsindex / Beschäftigte Quellen: Feri, Helaba Research &amp; Advisory 60 80 100 120 140 160 180 60 80 100 120 140 160 180 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Lohnstückkosten Produktivität Erzeugerpreise © Helaba | Research &amp; Advisory | 14. Mai 2025 5 von 5 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 20 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Exportstärke des Maschinenbaus ist gefährdet und fehlende inländische Investitionen belasten. Finanzpakete können Abhilfe schaffen, aber Produktivitätssteigerungen und Innovation sind unabdinglich. Chinesische Konkurrenz und globale Unsicherheit dürften Produktion 2025 um 1 % sinken lassen.
