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title: "Im Fokus Branchen: Automobilindustrie - Untergang oder Strukturwandel?"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Im Fokus Branchen: Automobilindustrie - Untergang oder Strukturwandel?

Im Fokus: Branchen 10. Juni 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Juni 2025 1 von 6 Research &amp; Advisory Automobilindustrie: Untergang oder Strukturwandel? Die Schlüsselbranche produziert weniger, aber mit mehr Wertschöpfung. Populäre Kennzahlen liefern ein zu düsteres Bild der Lage. Für 2025 ist mit einem Produktionsminus von 2 % zu rech- nen. Ambitionierte Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen bilden die Basis für zukünftige Erfolge, aber im E-Segment besteht großer Nachholbedarf. Die Automobilbranche1 ist mit einem Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowert- schöpfung von rund 4,5 % die größte deutsche Industrie. Um die wirtschaftliche Lage der Branche zu beurteilen, werden oft der Produktionsindex sowie die hergestellte Stückzahl an Pkw betrachtet. Beide sind in den letzten Jahren deutlich gesunken: Im April lag der Produk- tionsindex saisonbereinigt 29,3 % unter seinem Höchstwert vom August 2017, die Stück- zahl war 33,5 % niedriger. Dem Produktionsindex fehlte es auch zuletzt an Dynamik: Im ers- ten Quartal lag er 4,4 % unter dem Vorjahreswert, während die Stückzahl um 3 % zulegen konnte. Die Automobilindustrie be- schäftigte zuletzt über 730.000 Menschen. Anlass zur Sorge gibt, dass dieser Wert seit 2017 um etwa 100.000 Arbeitsplätze gesunken ist. Gemeinsam mit den niedrigen Werten des Pro- duktionsindex und der Stück- zahl wirkt die Lage alarmierend. Aber womöglich ist ein Blick einzig auf diese Kennzahlen irreführend. Produktionsindex und Stückzahl könnten eine zu pessimistische Einschätzung liefern Der Produktionsindex zeigt den preisbereinigten Wert aller in einer Periode produzierten Güter der Branche. Ge- meinsam mit der Stückzahl veranschaulicht er, dass vor allem die Menge der Produktion zurückgegangen ist. Der Produktionswert beinhaltet hingegen die gesamte Wertschöpfung der Branche. Darunter fallen auch nicht-indust- rielle Tätigkeiten wie Beratungs- und Serviceleistungen oder Einnahmen aus Patenten, Lizenzverträgen und Pro- visionen. Der Produktionswert wird deutlich später veröffentlicht und daher seltener betrachtet. Aber er ist ein besserer Maßstab für den erwirtschafteten Mehrwert der Branche, da er in die Bruttowertschöpfung einfließt, die die Basis der Entstehungsrechnung des Bruttoinlandsproduktes darstellt. Das ifo Institut hat kürzlich in zwei Studien analysiert, dass es im Verarbeitenden Gewerbe seit 2013 eine zuneh- mende Diskrepanz zwischen dem Produktionsindex und dem Produktionswert gibt.2 Dieses Phänomen zeigt 1 Die Automobilbranche umfasst hier Kraftwagen inkl. Kraftwagenteile (WZ 29). 2 Vgl. Lehmann &amp; Wollmershäuser (2024): Struktureller Wandel im Verarbeitenden Gewerbe: Produktion unterzeichnet Bruttowert- schöpfung. Ifo Schnelldienst, 2/2024, sowie Lehmann, Linz, &amp; Wollmershäuser (2025): Strukturwandel im Verarbeitenden Gewerbe. Ifo Schnelldienst digital, 5/2025. Adrian Keppler Branchenanalyse T 069/91 32-41 83 Produktionsindex\* und hergestellte Stückzahl auf niedrigem Niveau Jan. 2015 = 100, saisonbereinigt und geglättet, Trendlinien seit 2015 \*WZ 29: Herstellung von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus Branchen: Automobilindustrie © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Juni 2025 2 von 6 sich in der Automobilindustrie unter allen Branchen am stärksten. Die Daten des Produktionswertes reichen auf Branchenebene aufgrund der verzögerten Veröffentlichung nur bis 2022 zurück. Dennoch lässt sich feststellen, dass die Indikatoren früher und deutlich stärker als im gesamten Verarbeitenden Gewerbe auseinanderliefen.3 Grundsätzlich bedeutet dies, dass mit weniger Produktion zunehmend mehr Wertschöp- fung generiert wird. Diese Ent- wicklung passt zur Verschie- bung der Produktionsstruktur der Branche: Die Automobilin- dustrie lagerte bereits vor den vergangenen Krisenjahren Pro- duktion aus. So hat laut des Ver- bands der Automobilindustrie (VDA) die Auslandsfertigung schon 2010 die Inlandsfertigung überholt und heute werden 7 von 10 Pkw deutscher Marken im Ausland gefertigt. Aufgrund des hierzulande hohen Lohnniveaus werden in Deutschland primär noch Oberklas- senfahrzeuge mit großen Margen gefertigt: Zwischen 2019 und 2023 stieg laut des VDA der Premiumanteil an der Inlandsproduktion von 62 % auf 71 %. Die Produktionsauslagerung zeigt sich stärker in den mengenbezoge- nen Kennziffern, dem Produktionsindex und der Stückzahl. Beide Kennziffern vernachlässigen die zunehmend nicht-industriellen Wertschöpfungsquellen. Mit Blick auf das Verarbeitende Gewerbe schreibt das ifo Institut diese Entwicklung „hybriden Geschäftsmodel- len“ zu. In der Automobilbranche könnte dies einen verstärkten Fokus auf Produktentwicklung im Inland, ver- mehrte Informations- und Kommunikationsdienstleistungen im Zuge der Modernisierung der Flotte und Erlöse aus Lizenzen repräsentieren. Kurzum: „Qualität statt Quantität“. Das bedeutet nicht, dass die Zahlen der Branche rosig sind. Der Produktionswert des Verarbeitenden Gewerbes stagnierte 2023, weshalb auch die entsprechenden Daten der Automobilbranche etwas Ernüchterung bringen dürften. Dennoch zeigen die Kennzahlen, dass die Bran- che einen Strukturwandel vollzieht – von der reinen zur hybriden Produktion. Strukturwandel zeigt sich in stärkerem Fokus auf Forschung und Entwicklung Im Zuge der Mobilitätswende ist es entscheidend, dass die Wert- schöpfung nicht nur im gewohn- ten Verbrennersegment ausge- weitet wird. Neben der Optimie- rung alter Verfahren und Pro- dukte sind Innovationen bei al- ternativen Antriebstechnologien erforderlich. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) zeigen entsprechende Ambitionen der Branche: Mit einem Anteil von 39,8 % dominierte sie 2023 die deutschen FuE-Aufwendungen. 3 Statistische Ursachen für die Divergenz der Kennzahlen, wie Unterschiede in der zugrundeliegenden Erhebung, wurden in Lehmann, Linz &amp; Wollmershäuser (2025) ebenfalls analysiert und als Ursache auf der Ebene des Verarbeitenden Gewerbes ausgeschlossen. Produktionsindex unterzeichnet Produktionswert Produktionsindex, Produktionswert der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, 2013 = 100 \*Industrie entspricht hier Verarbeitendem Gewerbe, Kraftfahrzeugbau inkl. Teile Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory 75 85 95 105 115 125 135 75 85 95 105 115 125 135 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Produktionswert Industrie\* Produktionswert Kraftfahrzeugbau\* Produktionsindex Kraftfahrzeugbau Produktionsindex Industrie Automobilindustrie dominiert deutsche FuE-Aufwendungen Top-6 Branchen nach FuE-Aufwendungen 2023, Mrd. Euro und Anteil in % Quellen: Stifterverband, Helaba Research &amp; Advisory 39,8% 10,0% 8,6% 8,1% 7,1% 7,1% 0 10 20 30 40 50 0 10 20 30 40 50 Kraftwagen u. -teile DV-Geräte, elektro. U. opt. Erzeugn. Freiberufl., wissens. u. techn. Dienstl. Pharma Maschinenbau Information u. Kommunik. Im Fokus Branchen: Automobilindustrie © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Juni 2025 3 von 6 Auch steigerte die Branche den FuE-Anteil an ihren Gesamtinvestitionen zwischen 2013 und 2022 um 13,6 %. Die Patentanmeldungen deuten an, dass das geschöpfte Wissen zunehmend angewandt wird: Laut des Deutschen Pa- tent- und Markenamtes (DPMA) stiegen sie in der Kategorie „Transport“ – die von der Automobilindustrie domi- niert wird – gegenüber dem Vorjahr um 4,8 %. Mit 11.153 Anmeldungen stellte die Branche somit knapp ein Vier- tel der Anmeldungen in Deutschland. Das ifo Institut wies außerdem darauf hin, dass der Anteil der FuE-Beschäf- tigten innerhalb der Automobilindustrie zwischen 2013 und 2022 um rund 2 % zunahm – im gleichen Zeitraum sank die gesamte Beschäftigung um knapp 2 %. Es findet also ein Beschäftigungswandel innerhalb der Branche statt, der zumindest bis 2022 mit Arbeitsplatzverlusten einherging. Langfristig sollten die FuE-Bemühungen dazu führen, eine möglichst breite Teilhabe entlang der Wertschöpfungs- kette der E-Mobilität zu erreichen. Denn die Automobilindustrie profitiert stark von einer Agglomeration von Fahrzeugbauern und Zulieferern. Die hohe Fertigungstiefe der Wertschöpfungskette im Verbrennersegment, ins- besondere in Süddeutschland, galt lange als ein Schlüsselkonzept für den Erfolg der Branche. Aufgrund der räum- lichen und wirtschaftlichen Nähe konnten z.B. FuE-Projekte zwischen Zulieferern und Herstellern gemeinsam um- gesetzt, Wissen transferiert und Fachkräfte besser angeworben werden. Auch wenn die Automobilindustrie neue Wertschöpfungsquellen erschließt, sollte daher ein ausreichender Teil der Produktion vor Ort verbleiben. Falls dies im Zuge der Mobilitätswende nicht gelingt und infolge der Produktionsverlagerung zu viel der alten Struktu- ren verloren geht, hätte dies negative Folgen für die gesamte Branche. Die FuE-Aufwendungen sprechen dafür, dass die Branche die notwendigen Voraussetzungen mitbringt. Aber in einigen Bereichen wie der Digitalisierung und der Antriebstechnologie besteht noch viel Handlungsbedarf. Exportmarkt: China fällt zunehmend als Nachfrager weg Die Musik spielt in der Branche mit einer Auslandsumsatzquote von knapp 70 % weitgehend im internationalen Umfeld. Die wichtigen Abnehmermärkte in Europa und den USA wiesen aber in den letzten Jahren kaum Dynamik auf. Das liegt zum Teil daran, dass diese recht gesättigt sind: Dort werden hauptsächlich alte Fahrzeuge ersetzt anstatt zusätzliche gekauft. Auf gesättigten Märkten ist es daher umso wichtiger, bei stagnierenden oder sinken- den Produktionsvolumina die Wertschöpfung pro Produktionseinheit zu erhöhen. Hier spricht die oben beschrie- bene Entwicklung des Produktionswertes für die Branche. Aber es ist entscheidend, dass dies auch künftig im E-Segment gelingt. Der wichtige Absatzmarkt China entwickelt sich zwar insgesamt besser, jedoch sinken gerade dort seit Jahren die Absatzzahlen der deutschen Hersteller. So gingen die Branchenexporte nach China zwischen 2022 und 2024 um 32 % auf das niedrigste Niveau seit 2015 zurück. Die negative Entwicklung der Branchenabsätze in der Volksre- publik ist maßgeblich auf den Vormarsch der E-Mobilität zurückzuführen. Seit Beginn des Jahrzehnts wachsen die Produktion und die Zahl der Neuzulassungen von E-Fahrzeugen in China rasant (vgl. Grafik S. 4). Im E-Segment sind in China heimische Fahrzeuge weit gefragter als ausländische: Nur 4 % der neu zugelassenen E-Autos in Wichtigste Exportdestinationen der Branche Abnehmer Eurozone schwächelt, China dynamisch Anteile an deutschen Autoexporten\* in %, Mittelwerte 2020-2024 Neuzulassungen\* in Mio., saisonbereinigt und geglättet \*inklusive Teile Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*Pkw (Eurozone, China &amp; UK)) bzw. Pkw und Light Trucks (USA) Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 12,4% 11,0% 7,6% 6,2% 4,8% 4,4% 4,2% 3,6% 3,5% 3,2% 2,8% USA China UK Frankreich Italien Polen Niederlande Spanien Belgien Österreich Südkorea Im Fokus Branchen: Automobilindustrie © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Juni 2025 4 von 6 China trugen zuletzt ein deutsches Logo. Mit der stark gestiegenen Produktion von E-Autos deckt China seit Anfang der Dekade seine Neuzulassungen weitge- hend selbst, was in der Grafik auch darin zu sehen ist, dass China seit 2020 mehr Kraftfahrzeuge und -teile in den Rest der Welt exportiert, als es importiert. Bei der oben beschriebenen Agglomeration von Zulie- ferern und Herstellern im E-Segment hat die Volksre- publik zudem einen entscheiden Vorteil: Die Batterien werden zu einem Großteil von chinesischen und wei- teren asiatischen Herstellern bezogen. Was einst im Verbrennungsmotorgeschäft ein maßgeblicher Vorteil der deutschen Automobilindustrie war, trifft nun auf die chinesische zu. Mit der globalen Bewegung hin zur reinen E-Mobilität geht derzeit ein Vorteil verlo- ren, der die deutsche Branche lange gestützt hat. Hier wäre bereits ein Erfolg, wenn die Branche es schafft, eine eigene nennenswerte Produktion entlang der Wertschöpfungskette der E-Mobilität aufzubauen. In der US-Zollthematik muss man zwischen den Auswirkungen auf einzelne Unternehmen und auf die Branche in Deutschland differenzieren. Viele Hersteller produzieren direkt an den Absatzmärkten und können so den Zöllen ausweichen. Während die Fertigung der Fahrzeuge damit zwar den Zöllen zum Teil entgehen kann, müssen aber Fahrzeugteile häufig importiert werden und würden durch die Zölle verteuert. Das würde den Vorteil der Pro- duktion in den USA entkräften. Für Deutschland bestehen Risiken in Form von Beschäftigungsverlusten durch zu- nehmende Produktionsverlagerung in die USA als Reaktion auf die Zölle. Die Branche gefährden die Zölle außer- dem auch in der Breite, da sie womöglich den Aufbau einer Wertschöpfungskette im E-Segment behindern, wenn sich auch Zulieferer für eine Produktionsverlagerung entscheiden. Nachhaltigkeit und Mobilitätswende: EU kommt entgegen, Nachfrage im E-Segment wächst Mit dem Verbrenner-Aus ab 2035 in der EU müssen die Hersteller ihre Flotte voll elektrifizieren. In der Über- gangszeit muss die Industrie festgelegte Flottengrenzwerte einhalten. Diese schreiben seit Anfang des Jahres vor, dass neu verkaufte Pkw im Schnitt nicht mehr als 93,6 g CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen. Hier hat die EU den Herstellern jüngst eine Verschnaufpause verschafft: Die Grenzwerte müssen nicht jedes Jahr eingehalten, sondern dürfen bis 2027 kumuliert verrechnet werden. Demnach drohen in diesem Jahr noch keine Strafen beim Verfehlen der Grenzwerte, aber hierbei es handelt sich nur um eine vorübergehende Entlastung. Dass das Verbrenner-Aus nicht zwangsläufig zu enor- men Nachfrageeinbrüchen für die Hersteller führt, zeigt die aktuelle Entwicklung der Neuzulassungen in Deutschland. Der Anteil an Verbrennern hat von 2015 bis 2024 von 98,6 % auf 52,9 % abgenommen, wäh- rend der Anteil von Hybriden und batterieelektrischen Fahrzeugen (BEVs) auf 47,1 % zunahm. Im ersten Quartal 2025 hatten neuzugelassene PKW mit alterna- tivem Antrieb sogar einen Anteil von 56 %. Zulieferer dürfte die Mobilitätswende hingegen stär- ker treffen. Denn die Fertigungstiefe eines Elektromo- tors ist laut VDA mit etwa 200 Bauteilen weit weniger komplex als eines die eines Verbrennungsmotors, wo bis zu 1.400 Teile verbaut sind. Dies könnte man E-Fahrzeuge werden in Deutschland begehrter Pkw-Neuzulassungen in Deutschland, Anteile in % \*Plug-In-Hybrid, \*\*Batterieelektrisch Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100 2015 2017 2019 2021 2023 Benzin Diesel Hybrid PHEV\* BEV\*\* Sonstige E-Fahrzeuge machen China zum Nettoexporteur Handelsbilanz in Mrd. USD, Neuzulassungen/Produktion in Mio. \*BEV u. PHEV, \*\*China vs. Rest der Welt, Fahrzeuge u. Teile (HS-Klassifikation) Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 12 -20 0 20 40 60 80 100 120 140 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Handelsbilanz\*\* (links) Neuzulassungen E- Fahrzeuge\* (rechts) Produktion E-Fahrzeuge\* (rechts) Im Fokus Branchen: Automobilindustrie © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Juni 2025 5 von 6 eventuell mildern – hier seien wieder die hybride Produktion und Wertschöpfungssteigerungen genannt – aber wohl nicht ausgleichen. Denn manche Verbrennungsmotorteile wie Kolben und Zylinder spielen in BEVs faktisch keine Rolle. Pläne der Bundesregierung können Impulse setzen Um die Mobilitätswende in Deutschland und somit das E-Segment zu stützen, hat die neue Bundesregierung ei- nen besonderen Fokus im Koalitionsvertrag gesetzt: Ganze acht Einzelmaßnahmen sind der Automobilindustrie gewidmet.4 Der erste Gesetzesentwurf des Finanzministers sieht vor, dass elektrische Dienstwagen, die zwischen dem 30. Juni 2025 und 1. Januar 2028 angeschafft werden, bereits im ersten Jahr zu 75 % abgeschrieben werden können. Daraufhin kann innerhalb von insgesamt sechs Jahren degressiv eine vollständige Abschreibung stattfinden. Zudem soll die Preisobergrenze für die Förderung von 70.000 Euro auf 100.000 Euro angehoben wer- den. Weitere Pläne des Koalitionsvertrages beinhalten eine Kfz-Steuerbefreiung für E-Fahrzeuge bis 2035 und eine dauerhafte Befreiung emissionsfreier LKWs von der Mautpflicht. Um die alternativen Antriebe voranzutreiben, plant die Bundesregierung zudem die Förderung von Hybridtechnologien sowie einer Wasserstoff-Ladeinfra- struktur für Nutzfahrzeuge. Auch ein Programm, das der Unterstützung von Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen bei der Mobilitätswende dient, soll gestartet werden. Gerade mit Blick auf die träge deutsche Kon- junktur und den noch verhaltenen privaten Konsum könnte das letzte Vorhaben einen besonderen Effekt entfal- ten, der sich auch gesamtwirtschaftlich positiv auswirken kann. Fazit: Wertschöpfungssteigerung und E-Technologie bestimmen die Zukunft Kurzfristig belasten die noch schwache Konjunktur in Deutschland, die Zölle aus den USA und die rückläufige Nachfrage aus China. Daher ist für die Automobilindustrie für dieses Jahr ein Produktionsrückgang von 2 % zu erwarten. Die gesamte Wertschöpfung auf Basis des Produktionswertes dürfte aber positiver ausfallen. Mittel- bis langfristig entscheiden zwei Faktoren die Branchensituation. Einerseits muss aufgrund gesättigter Ab- nehmermärkte und trägen Absatzzahlen die Wertschöpfung pro Produktionseinheit gesteigert werden. Die bishe- rige Entwicklung des Produktionswertes sowie die Daten zu FuE-Aufwendungen und Patentanmeldungen lassen hier hoffen, weshalb künftig mit einer besseren Entwicklung der Bruttowertschöpfung der Branche zu rechnen ist. Andererseits darf die deutsche Automobilindustrie im E-Segment nicht abgehängt werden. In China ist dies be- reits geschehen, in Deutschland und weiteren Absatzmärkten muss es verhindert werden. Hierzulande gab es mit dem Auslaufen des Umweltbonus für E-Autos Ende 2023 einen Rücksetzer. Nun hat sich die neue Bundesregie- rung ambitionierte Pläne zur Förderung gesetzt, die wohl auch zeitnah umgesetzt werden. Diese politischen Ziele sowie die Erholung der Neuzulassungszahlen alternativ angetriebener Fahrzeuge verbessern die Aussichten für das E-Segment. Perspektivisch könnte auch der europäische Markt, der für einen erheblichen Teil der Branchenex- porte steht, eine Chance bieten. Hier wäre wichtig, den europäischen Binnenmarkt auszubauen. Das jüngste Stra- tegiepapier5 der Europäischen Kommission zeigt zumindest entsprechende Ambitionen, deren Umsetzung der Branche wichtige Unterstützung bieten kann. 4 Vgl. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD – 21. Legislaturperiode, S. 7-8. 5 Vgl. The Single Market: our European home market in an uncertain world. 21. Mai 2025. Im Fokus Branchen: Automobilindustrie © Helaba | Research &amp; Advisory | 10. Juni 2025 6 von 6 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 20 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Die Schlüsselbranche produziert weniger, jedoch mit mehr Wertschöpfung. Populäre Kennzahlen liefern ein zu düsteres Bild der Lage. Ambitionierte Forschung und Entwicklung bilden die Basis für zukünftige Erfolge, aber im E-Segment besteht großer Nachholbedarf. Für 2025 ist mit einem Produktionsminus von 2 % zu rechnen, während sich die gesamte Wertschöpfung der Branche besser entwickeln dürfte.
