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title: "Im Fokus Branchen: Wie betrifft der China-Schock 2.0 deutsche Branchen?"
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updated: 2026-09-28
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# Im Fokus Branchen: Wie betrifft der China-Schock 2.0 deutsche Branchen?

Im Fokus: Branchen 17. September 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 1 von 7 Research &amp; Advisory Wie betrifft der China-Schock 2.0 deutsche Branchen? Durch eine technologische Offensive, staatliche Subventionen und Preisvorteile attackiert China die Weltmärkte zunehmend mit hochwertigen Produkten. Dieser „China-Schock 2.0“ stellt Deutschland und seine Branchen vor massive Herausforderungen, die über „Standortprobleme“ hinausgehen. Innovation, hybride Produktion und der Mut zu einem neuen Produktmix der Industrie sind dringend nötig. Der erste China-Schock bezeichnet die wirtschaftlichen Folgen von Chinas Eintritt in die Welthandelsorganisation 2001. Mit der Handelsliberalisierung stiegen die Exporte abrupt und verschafften China erhebliche Weltmarktanteilsgewinne. In den USA und einigen eu- ropäischen Ländern führte dies zu Beschäftigungsverlusten in der Industrie, während Deutschland positive Wohlstandseffekte verzeichnete. Dies lag daran, dass China damals vor allem in weniger komplexen Branchen wie Konsumelektronik, Möbeln und Textilien an Bedeutung gewann. Zwar verlagerte sich auch deutsche Produktion, doch blieb China zu- gleich ein wachsender Großkunde des Herzstücks der deutschen Industrie: der Investiti- onsgüter. Deutschland lieferte neben Autos die Maschinen und Anlagen, die China für sei- nen Aufstieg benötigte. So stiegen in den 2000er Jahren nicht nur die Importe aus, son- dern auch die deutschen Exporte nach China deutlich (vgl. Abb. S. 2 oben). Der chinesische Staatsrat rief 2015 den „Made in China 2025“-Plan ins Leben. Er zielt auf den Umbau der Konsum- zur Investitionsgüterproduk- tion, die Förderung von High- Tech-Industrien und den Aus- bau der Wettbewerbsfähig- keit. Im Zuge dieser Agenda subventioniert China seine In- dustrie stark.1 Zusammen mit einer schwachen Inlandsnach- frage und einem intensiven hei- mischen Wettbewerb in den zukunftsträchtigen Branchen entstanden dadurch ein Überangebot und teils unprofitable Geschäftsfelder.2 Überschüssige Produktion fließt zunehmend in Exportmärkte. Dieses große, günstige und qualitativ konkurrenzfähige Angebot an Industriegütern und Tech-Produkten wird als China-Schock 2.0 bezeichnet. Im Gegensatz zum ersten China-Schock trifft dieser nun die deutschen Kernindustrien: Automobil, Maschinenbau und hochwertige Elektrotechnik. Sein Beginn lässt sich weniger klar datieren; meist wird das Ende der 2010er Jahre genannt, als die seit 2015 aufgebauten Kapazitä- ten zunehmend die Weltmärkte erreichten. Hierbei darf die Produktivitätsentwicklung der chinesischen Industrie und die inzwischen hohe Qualität der Produkte nicht unterschätzt werden. 1 Vgl. Bickenbach et al. (2024): „Foulspiel? Zu Höhe und Umfang der Industriesubvention in China“, Kiel Institut für Weltwirtschaft 2 Den umstrittenen Begriff „Überkapazitäten“ vermeiden wir. „Überangebot“ ist geeigneter, da die Produktion die heimischen Absatz- möglichkeiten deutlich übersteigt. Durch globales Nachfragewachstum an Produkten könnte sich die Kapazität künftig als passend her- ausstellen. Der harte Wettbewerb innerhalb Chinas führt gemeinsam mit der hochautomatisierten Produktion jedoch zunächst zu nied- rigen, teils unprofitablen Preisen, wodurch das Angebot auf den Weltmärkten übermäßig erscheint. Adrian Keppler Branchenanalyse T 069/91 32-41 83 adrian.keppler@helaba.de China-Schocks erhöhen Chinas Weltmarktanteile Anteil Warenexporte an globalen Warenexporten, % Quellen: CPB, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 30 35 40 0 5 10 15 20 25 30 35 40 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 China USA Eurozone China-Schock China-Schock 2.0 Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 2 von 7 Ausländische Direktinvestitio- nen brachten seit den 2000er Jahren Arbeitsplätze, Wissens- transfer und technologische Lernprozesse nach China, wäh- rend Investoren von niedrigen Kosten und direktem Zugang zum wachsenden Binnenmarkt profitierten (vgl. Abbildung un- ten). Ein wachsender Kapital- stock, Wissen und intensive Forschung führten zu starkem Produktivitätswachstum. Im in- ternationalen Vergleich niedrige Löhne3, massiver inländischer Wettbewerb und staatliche In- terventionen verstärkten den Wettbewerbsvorteil zusätzlich. Hinzu kommt Chinas zentrale Rolle in globalen Lie- ferketten, insbesondere bei Seltenen Erden. Die Entwicklung der Direktinvestitionen zeigt zudem Chinas wachsende Unabhängigkeit vom Ausland. Während die Zuflüsse in den 2000er Jahren stark zu- nahmen, stagniert der Bestand seit 2020 – also etwa seit Beginn des China-Schocks 2.0. Gleichzeitig inves- tiert China selbst zunehmend im Ausland, verlagert seine weniger komplexe Produktion und erschließt neue Absatzmärkte. Für die deutsche Industrie entstehen aus dem China- Schock 2.0 zwei zentrale Herausforderungen: Erstens verdrängt China sie in angestammten Segmenten, in- dem es konkurrenzfähige Qualität mit niedrigen Prei- sen verbindet. Zweitens strebt China in solchen Tech- nologien zur Weltmarktführerschaft, die für Deutschlands Zukunft entscheidend sind. Maschinenbau: Thronfolge bereits im Gange? Im Maschinenbau verschoben sich die Außenhandels- verhältnisse bereits in den 2010er Jahren. Die Exporte nach China konnten etwa seit 2018 preisbereinigt nicht mehr nachhaltig wachsen und gaben ab 2021 besonders stark nach. Die Importe stiegen nahezu kontinuierlich, verstärkt seit 2020. Entsprechend verringerte sich der Handelsbilanzüberschuss preisbereinigt von einst 13 Mrd. Euro (2011) auf zuletzt 4,2 Mrd. Euro (2024). Be- sonders auffällig sind im Maschinenbau die Bewegun- gen der Weltmarktanteile nach Sparten. Die Anzahl der Sparten mit deutscher Weltmarktführerschaft sank laut Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA) von 2019 bis 2022 von 13 auf 8.4 3 Niedrig auf Basis von Wechselkursen. In heimischer Kaufkraft sind die chinesischen Industrielöhne höher. 4 2022 verzeichneten folgende Sparten noch deutsche Weltmarktführerschaft: Werkzeugmaschinen, Mess- und Prüftechnik, Landtech- nik, verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, Druck- und Papiertechnik, Reinigungssysteme, Antriebstechnik und Fluidtechnik. Trendwende bei chinesischen Direktinvestitionen Ausländische Direktinvestitionen\* (DI) (Bestand), Mrd. USD \*Der Auslandsbestand bezieht sich hierbei auf chinesische DI im Ausland Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Auch Deutschland spürt den China-Schock 2.0 Außenhandel mit China, Preise\* von 2015, Mrd. Euro \*Preisbereinigung mit deutschen Export-/Importpreisindizes Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory China-Schock 2.0 beschleunigt Thronfolge Außenhandel Maschinenbau mit China, Preise\* von 2015, Mrd. Euro \*Preisbereinigung mit deutschen Export-/Importpreisindizes des WZ 28 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 3 von 7 Die untenstehende linke Abbildung zeigt, dass China nahezu perfekt spiegelbildlich zu dieser Entwicklung seine Anzahl an Sparten mit Weltmarktführerschaft von 14 auf 19 erhöhen konnte.5 China stieß Deutschland also zuneh- mend vom Thron, was sich auch daran zeigt, dass die Entwicklung der Zweitplatzierungen mit Blick auf die Welt- marktanteile ebenfalls spiegelbildlich verlief. Die rechte Abbildung verdeutlicht darüber hinaus, dass dies eher ein Phänomen chinesischer Stärke statt deutscher Schwäche ist. Die Punkte zeigen die Veränderung des Weltmarkt- anteils verschiedener Sparten in Prozentpunkten zwischen 2019 und 2022. Bis auf eine Sparte (Landtechnik) hat Deutschland in jeder Sparte Weltmarktanteile eingebüßt. China gewann überall dazu, jedoch um deutlich mehr, als Deutschland eingebüßt hat. China gewann also auch von anderen Ländern Anteile. Automobilindustrie: Don’t cry because it’s over, smile because it happened In den 2000er- und 2010er-Jahren stiegen die deutschen Automobilexporte nach China rasant, während Importe bis 2020 kaum eine Rolle spielten. Daraus resultierten erhebliche Handelsüberschüsse, die wesentlich zum deut- schen BIP-Wachstum beitrugen (vgl. Abbildung). Seit 2020 jedoch baut China selbst massive Exportüberschüsse auf, vor allem dank seiner erfolgreichen E-Automobilproduktion. Deutsche Importe aus China steigen seither stark, während die Exporte seit 2022 einbrechen. Zudem dominiert China nahezu die gesamte Wertschöpfungs- kette von Lithium-Ionen-Batterien, womit es den früheren deutschen Vorteil bei der vertikalen Integration über- nommen hat. Chinas Wettbewerbsstärke im Automobilsektor beruht also auf mehreren Faktoren: qualitativ kon- kurrenzfähige E-Fahrzeuge, Lieferkettenvorteile und subventionsgestützter Wettbewerb. 2024 waren nur zwei Hersteller – BYD und Li Auto – profitabel, während rund 30 weitere trotz steigender Verkäufe Verluste verbuchten.6 5 Jüngere Daten liegen uns nicht vor. Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung 2023 und 2024 fortgesetzt hat. 6 Vgl. Tordoir und Setser (2025): „How German industry can survive the second China shock.”, Center for European Reform Zweikampf um Dominanz im Maschinenbau Spartenübergreifend ein klarer Sieger Anzahl an Sparten\* mit höchstem bzw. zweihöchstem Weltmarktanteil Veränderung Weltmarktanteile\* 2019-2022, Prozentpunkte \*Abgrenzung nach VDMA Quellen: VDMA, Helaba Research &amp; Advisory \*Abgrenzung nach VDMA Quellen: VDMA, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 2019 2020 2021 2022 China (Rang 1) DE (Rang 1) China (Rang 2) DE (Rang 2) -6 -3 0 3 6 9 12 15 -6 -3 0 3 6 9 12 15 China Deutschland E-Fahrzeuge machen China zum Nettoexporteur Ein deutscher Wachstumstreiber schwindet Handelsbilanz in Mrd. USD, Neuzulassungen/Produktion in Mio. Automobilaußenhandel mit China, Preise\* von 2015, Mrd. Euro \*BEV u. PHEV, \*\*China vs. Rest der Welt, Fahrzeuge u. Teile (HS-Klassifikation) Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory \*Preisbereinigung mit deutschen Export-/Importpreisindizes des WZ 29 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 12 -20 0 20 40 60 80 100 120 140 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Handelsbilanz\*\* (links) Neuzulassungen E- Fahrzeuge\* (rechts) Produktion E-Fahrzeuge\* (rechts) Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 4 von 7 Die Probleme der deutschen Automobilindustrie sind weniger auf strukturelle Standortnachteile zurückzufüh- ren. Die Branche ist weder energieintensiv noch war das Lohnniveau bislang ein Hindernis, da hierzulande seit geraumer Zeit primär hochmargige Fahrzeuge produziert werden. Auf den Weltmärkten entscheidet künftig nicht zwingend Kostenreduktion, sondern Innovations- und Technologieführerschaft. Deutschland hat es verpasst, frühzeitig eine der chinesischen überlegene E-Automobilproduktion auf die Beine zu stellen. Stattdessen verfügt China inzwischen selbst über eine wettbewerbsfähige Automobilindustrie. Typischerweise folgt auf den Aufbau eigener Produktionskapazitäten eines Landes eine starke heimische Nachfrage nach lokalen Fahrzeugen. Damit schwinden die Absatzchancen deutscher Hersteller in China dauerhaft. Der langjährige Exporterfolg in der Volks- republik war offensichtlich kein nachhaltiger Vorteil, sondern nur ein temporärer Effekt – oder, wie es treffend heißt: „Don’t cry because it’s over, smile because it happened.” Nun gilt es, durch Innovation und technologische Überlegenheit dafür zu sorgen, dass China künftig nicht auch noch Drittmärkte dominiert. Elektroindustrie: Wir wollen’s, die können‘s Deutschland weist im Elektrosektor seit Langem ein Handelsdefizit gegenüber China auf, unter anderem wegen der Konsumelektronik („Braune Ware“). Der China-Schock 2.0 vergrößerte dieses Defizit: Ab 2020 stiegen die Importe deutlich, während die preisberei- nigten Exporte zurückgingen. Jüngst dämpfte zwar die schwache Binnennachfrage die Importe, dennoch hat sich das Defizit erheblich ausgeweitet. China dominiert inzwischen den Weltmarkt: 2023 entfielen laut des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) 38 % des globalen Elektrohandels auf China, gefolgt von den USA (15 %) und dem Rest Asiens (12 %). Deutschland erreichte nur 3 %. Für die deutsche Elektroindustrie entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit vor allem in Zukunftstechnologien, die durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und grüne Transformation nachgefragt werden. In den Zukunfts- sparten7 zeigt sich bereits eine starke heimische Nachfrage: die Produktion entwickelte sich zuletzt deutlich bes- ser als der Industriedurchschnitt und die Elektroindustrie insgesamt (vgl. Abb. rechts).8 Gleichwohl bleibt Deutsch- land hier stark abhängig vom Ausland. Das Handelsdefizit bei Batterien und Akkumulatoren belief sich 2024 auf 7 Die Zukunftssparten umfassen hier: 1) die Herstellung von Elektromotoren, Generatoren und Elektrizitätsverteilungseinrichtungen, 2) Batterien und Akkumulatoren sowie 3) elektronische Bauelemente. 8 Für eine tiefere Analyse der jüngsten Entwicklungen in der Elektroindustrie vgl. unseren Im Fokus Branchen: Elektroindustrie - Behä- bige Zukunftsbranche vom 4. August 2025 Ausweitung des Elektroaußenhandelsdefizits Elektroaußenhandel mit China, Preise\* von 2015, Mrd. Euro \*Preisbereinigung mit deutschen Export-/Importpreisindizes des WZ 26 und 27 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Batterien gefragt – aber zunehmend außer Landes Zukunftssparten sind derzeit Outperformer Batterien/Akkumulatoren: Produktion (2015 = 100), Umsatz &amp; Handels- defizit\* (Mrd. Euro) Produktion, 2021 = 100, kalender-/saisonbereinigt, geglättet \*Differenz aus Importen und Exporten mit dem Rest der Welt Quellen: Macrobond, Eigene Berechnungen, Helaba Research &amp; Advisory \*WZ 26.1, WZ 27.1, WZ 27.2, gewichtet mit Umsatzanteilen, \*\*WZ26+WZ27 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 50 100 150 200 250 300 350 2015 2017 2019 2021 2023 Handelsdefizit\* (rechts) Produktion (links) Umsatz (rechts) 70 80 90 100 110 120 70 80 90 100 110 120 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Zukunftssparten\* Verarbeitendes Gewerbe Elektroindustrie\*\* Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 5 von 7 13,7 Mrd. Euro – deutlich mehr als der inländische Umsatz von 8,9 Mrd. Euro. Ein erheblicher Teil dieser Importe stammt aus China. Während dies bei einfachen Produkten wie Knopfzellen wenig überrascht, kommen inzwischen auch komplexe höherwertige Batterien sowie über 80 % der Hauptkomponenten von Solaranlagen aus China. Die Zukunftssparten verdienen ihren Namen doppelt: Sie sind einerseits die Segmente mit wachsender Nachfrage, andererseits die zukunftsträchtigen Bereiche der deutschen Elektroindustrie. „Einfache“ Technologien, bei denen hohe Lohnstückkosten ins Gewicht fallen, haben hierzulande kaum Chancen – China verfügt dort über absolute Wettbewerbsvorteile. Wissens- intensive, komplexe Segmente bieten dagegen – wie im Ma- schinenbau – Potenzial. Voraus- setzung sind Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) sowie Innovationen, um die eigene Produktion zu stär- ken und Produktivität zu stei- gern. Die Branche zeigt dabei Ambitionen: Mit einem Anteil von 14,2 % an den gesamten FuE-Ausgaben lag die Elektroin- dustrie 2023 hinter der Automo- bilbranche an zweiter Stelle. Neue Absatzmärkte, staatliche Förderung und Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation statt Kosten Künftig sind vor allem jene Segmente durch die chinesische Exportstrategie gefährdet, in denen der Preis ent- scheidet. Bei vergleichbarer Qualität wird Deutschland – selbst bei verbesserten Standortfaktoren – nicht mit chi- nesischen Preisen konkurrieren können. Deutschlands Industrie darf sich daher nicht allein auf einen Kosten- wettbewerb bei existierenden Technologien einlassen. Sie muss stattdessen verstärkt auf Qualität, Innovation und Alleinstellungsmerkmale setzen. Traditionelle Domänen bleiben teilweise zukunftsfähig, doch die Konkur- renz aus China wächst. Chancen bestehen vor allem in wissensintensiven, komplexen Verbundtechnologien, die hohe Margen ermöglichen und zum deutschen Lohnniveau passen. Das zeigt sich im Maschinenbau, wo die Welt- marktführerschaft in den verbleibenden Sparten zum Teil dem erforderlichen Know-How und der hohen Produkti- vität zuzuschreiben ist. Deshalb sind Investitionen in Forschung und Ent- wicklung unverzichtbar. Deutschland investiert mit teils über 3 % des BIP zwar anteilig mehr als die EU und China (jeweils rund 2,2 bis 2,4 %) und liegt nur leicht hinter den USA (3,4 %). Doch der Anteil sinkt und die absoluten Beträge sind aufgrund der geringe- ren Wirtschaftsleistung kleiner. Entscheidend ist da- her umso mehr, FuE in erfolgreiche Innovationen zu übersetzen. Bei den Patentanmeldungen hinkt Deutschland deutlich hinterher: 2021 kamen rund 59.000 aus Deutschland, 591.000 aus den USA und knapp 2,9 Mio. aus China. Zwar gilt hier politisch be- dingt oft „Masse statt Klasse“. Dennoch sind darunter auch Innovationen, die zu enormen technologischen Vorsprüngen führen. So hat China Deutschland jüngst aus den Top-10 des Innovations-Rankings der Vereinten Nationen verdrängt. Gerade in den für Deutschland zentralen Zukunftstechnologien zeigt sich Chinas Dominanz (vgl. Chart oben links). Laut Our World In Data stammen in der Elektromobilität rund 70 % der Patenanmeldungen aus China, bei Batterien 62,7 %, bei Erneuerbaren Energien 69 % und allgemeiner Energiespeicherung 83,4 %. Lediglich bei den Technologien zur CO2-Abscheidung und -speicherung fällt der Anteil mit 39 % geringer aus. China dominiert Patentanmeldungen bei Zukunftstechnologien Anteil an globalen Patentanmeldungen, 2021, % \*Generelle Speicherung ohne Batterien Quellen: Our World in Data, Helaba Research &amp; Advisory 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Elektro- mobilität Batterien Enerneuerbare Energien Energie- speicherung\* CO2-Abscheidung und -Speicherung USA China EU Löwenanteil an Patentanmeldungen aus China Patentanmeldungen (Wohnsitz und Nicht-Wohnsitz), Mio. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 6 von 7 Eine weitere Möglichkeit liegt in hybrider Produktion – der Ergänzung industrieller Pro- duktion um zusätzliche Wert- schöpfung wie Dienstleistun- gen. Das ifo Institut hat analy- siert, dass eine derartige Ent- wicklung in der deutschen In- dustrie bereits zu beobachten ist.9 Dies zeigt sich im Produkti- onswert, der die gesamte Wert- schöpfung und somit den tat- sächlichen industriellen „Out- put“ erfasst. Er entwickelt sich besser als der Produktions- index, der primär die Mengen- produktion beinhaltet. Unsere Analysen zeigen dies besonders ausgeprägt für die Autobranche.10 Dort steigern Serviceleistun- gen, IT-Integration und Lizenzmodelle die Margen und reduzieren die Austauschbarkeit durch chinesische Produktion. Die nebenstehende Abbildung deutet auch für weitere Branchen Erfolge an: Liegt ein Punkt oberhalb der Diagonalen, war das Wachstum des Pro- duktionswertes besser als das des Produktionsindex. Im Maschinenbau kompensieren beispielsweise Bera- tungsleistungen, Anlagenplanung und Cloud Services teilweise die rückläufige Mengenproduktion. Solche „nicht-handelbaren“ Dienstleistungen können Pro- dukte aufwerten und sie weniger substituierbar ma- chen: Ein Maschinenbauer, der zusätzlich auf Abruf Anlagechecks vor Ort anbietet, ist attraktiver, wenn er wenige Reisestunden entfernt sitzt, statt in Shanghai. Darüber hinaus muss die deutsche Industrie ihre Absatzmärkte diversifizieren, um die wahrscheinlich fortschrei- tenden Exportverluste in China zu kompensieren. Das größte Potenzial liegt in Europa – dem bereits wichtigsten Exportmarkt. Die Modernisierung der westeuropäischen Industrie und das Wachstum in Osteuropa eröffnen Chan- cen. Diese lassen sich jedoch nicht allein über Kostenkonkurrenz realisieren, sondern vor allem über Qualität und Innovation. Die Industrie muss zudem bereit sein, ihren Produktmix an Megatrends wie Mobilitäts- und Ener- giewende oder Digitalisierung anzupassen. Eine aktivere Rolle des Staates sollte zudem kein Tabu sein. Angesichts der massiven Subventionen Chinas und der USA – wie dem Inflation Reduction Act – könnten auch Deutschland und die EU eine stärkere Förderung von Zukunftsbranchen in Erwägung ziehen. Ein gemeinsames europäisches Vorgehen könnte durch eine Stärkung des Binnenmarktes gelingen und auch der wirtschaftlichen Stabilität der Eurozone helfen. Handelsbarrieren sind ein weiteres Mittel – mit den 2024 eingeführten EU-Zöllen auf chinesische Elektroautos hat die EU bereits einen sol- chen Schritt gewagt. Doch diese Maßnahmen bergen Risiken: Sie schützen zwar europäische Märkte vor chinesi- scher Produktion, helfen aber nicht auf Drittmärkten und reduzieren womöglich Anreize, auf qualitativ überlegene Produkte und Verfahren wie der automatisierten Produktion in China zu reagieren. Man darf die Branchen und Un- ternehmen nicht von der Notwendigkeit befreien, selbst den Mut zur Etablierung eines neuen Produktmix und Technologien zu haben. Chinas Wettbewerb, Zukunftsorientierung und Technologie warten nicht auf uns. 9 Vgl. Lehmann, Linz und Wollmershäuser (2025): Strukturwandel im Verarbeitenden Gewerbe. ifo Schnelldienst digital, 5/2025. 10 Vgl. unseren Im Fokus Branchen: Automobilindustrie - Untergang oder Strukturwandel? vom 10. Juni 2025 Produktionsindex unterzeichnet Produktionswert der Industrie Produktionsindex, Produktionswert der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, 2013 = 100 \*Industrie entspricht hier Verarbeitendem Gewerbe Quellen: Statistisches Bundesamt, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 75 85 95 105 115 125 75 85 95 105 115 125 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Produktionswert Industrie Produktionswert Automobilindustrie Produktionsindex Industrie Produktionsindex Automobilindustrie Automobilindustrie macht hybride Produktion vor Veränderung Produktionsindex (horizontal) bzw. Produktionswert (vertikal), 2013-2023, % \*DV-Geräte, Optik, Elektronik (WZ 26), \*\*Elektrische Ausrüstungen (WZ 27) Quellen: Statistisches Bundesamt, Helaba Research &amp; Advisory -50 -25 0 25 50 -50 -25 0 25 50 Elektro 1\* Pharma Automobil Chemie Metall Maschinenbau Elektro 2\*\* Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. September 2025 7 von 7 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

China flutet den Weltmarkt mit günstigen, aber zugleich hochqualitativen Investitionsgütern. Automobilindustrie, Maschinenbau und Elektroindustrie spüren diesen China-Schock 2.0 bereits massiv. Statt Kostenwettbewerb muss der Fokus auf Innovation, hybrider Produktion und dem Mut zu neuem Produktmix liegen.
