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title: "Im Fokus Branchen: Einzelhandel - Keine Kaufkraft, keine Party"
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updated: 2026-09-28
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# Im Fokus Branchen: Einzelhandel - Keine Kaufkraft, keine Party

Im Fokus: Branchen 29. Oktober 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Oktober 2025 1 von 5 Research &amp; Advisory Einzelhandel: Keine Kaufkraft, keine Party Der Einzelhandel leidet unter einem Nachfragemangel, insbesondere aufgrund noch niedriger Reallöhne. Langlebigere Konsumprodukte laufen besonders schlecht, Lebensmittel und Gesundheitspro- dukte hingegen gut. Dieses Jahr dürfte das Wachstum real 3 % betragen. Kommendes Jahr können die Fis- kalpakete Abhilfe schaffen, langfristig kommt es aber auf weiter steigende Reallöhne an. Auch der deutsche Einzelhandel konnte sich den Krisen der letzten Jahre nicht entziehen. Nach einem starken Einbruch infolge der Energiekrise erholten sich die Umsätze1 seit Mitte 2024 leicht. Bis einschließlich August liegen sie in diesem Jahr preisbereinigt 3,3 % über dem Vorjahreszeitraum. Ein Teil der Erholung ist dem kräftigeren Wachstum der Apothekenumsätze zuzuschrei- ben, die zwar in der Statistik enthalten sind, jedoch nicht zum Einzelhandel im engeren Sinne zählen. Die Apothekenumsätze entkoppeln sich seit etwa 2019, spätestens aber seit der Corona-Pandemie, vom restlichen Einzelhandel. Dies dürfte teils produktspezifi- scher und teils struktureller Natur sein. Denn einerseits stellen Arzneien häufig Güter dar, auf die auch während wirtschaftlichen Schwächephasen nur schwer verzichtet werden kann. Zudem altert die deut- sche Gesellschaft zunehmend, was die Nachfrage ebenfalls erhöht und diesen Trend verstärkt. Aber selbst unter Berücksichtigung der Apothekenumsätze verlangsamte sich die Erholung der Einzelhandels- umsätze zuletzt und sie lagen im August noch 4 % unter dem Vorkrisenmonat Februar 2020. Diese Entwicklung der Einzelhandelsumsätze ist nicht verwunderlich, wenn man die zugrundeliegenden Konsum-, Lohn- und Ein- kommensentwicklungen betrachtet. Der Einzelhandel weist naturgemäß einen starken Gleichlauf mit den privaten Konsumausgaben auf. Der Kon- sum wiederum wird maßgeblich von der Kaufkraft und somit von den realen Löhnen bestimmt. Die hohe Inflation in Folge des Angebotsschocks aufgrund der pandemiebedingten Lieferkettenprobleme und der Energiekrise sorgte dafür, dass die realen Löhne sanken (vgl. Abbildung S. 2). 1 Hier und im Folgenden werden stets preisbereinigte (reale) Größen verwendet, falls nicht anders angegeben. Adrian Keppler Branchenanalyse T 069/91 32-41 83 adrian.keppler@helaba.de Umsatzerholung des Einzelhandels stockt Reale Umsätze, 2015 = 100, kalender- und saisonbereinigt \*Ohne Kfz-Handel Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Oktober 2025 2 von 5 Der Kaufkraftverlust dämpfte den Konsum. Erst im Jahres- verlauf 2023 konnten sich die Reallöhne durch Nominallohn- steigerungen und den Rück- gang der Inflation langsam er- holen. Diese flossen aber nur begrenzt in den Konsum, da die Haushalte ihre Sparquote er- höhten, um den inflationsbe- dingten Wertverlust ihrer Er- sparnisse zu kompensieren. Die Sparquote normalisierte sich erst zum Jahresbeginn 2025, weshalb ein Teil der jüngeren Konsumerholung dem Ende der überdurchschnittlichen Sparneigung zuzuschreiben ist. Für nennenswerte zusätzliche Konsumdynamik muss noch einiges geschehen. Die Reallöhne erreichen gerade einmal das Vorkrisenniveau von 2019 und trotz ersten Zu- wächsen liegen sie noch fernab des damaligen Wachstumspfades. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Erholung im Einzelhandel nur schleppend vorangeht, denn: Keine Kaufkraft, keine Party. In den Sparten dominieren die Grundbedürfnisse und der Onlinehandel Das bisherige Jahreswachstum im Einzelhandel kam haupt- sächlich durch Sparten, die man nicht dem klassischen Einzel- handel zuordnet. Besonders stark trug der Internet- und Versandhandel (Onlinehandel im Folgenden) zu den 3,3 % Wachstum bei, gefolgt von den durch Supermärkte dominier- ten Lebensmitteln sowie ver- schiedenen Kategorien der Ge- sundheit und Pflege. Am meis- ten dämpften Kategorien wie Bekleidung, Sportartikel und Spielwaren. Diese Momentaufnahme reiht sich in das Spartenbild der letzten Jahre ein. Reallöhne noch von früherem Niveau entfernt Normalisierung der Sparquote Gesamtwirtschaftliche Löhne, Jan. 2015 = 100, saisonbereinigt Sparquote der privaten Haushalte, % \*2012 bis 2019 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Reallohnerholung entscheidend für Einzelhandel und Konsum Löhne, Einzelhandelsumsätze privater Konsum (real), % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Onlinehandel und Lebensmittel dominieren das Gesamtbild Positivste und negativste Beiträge zum Wachstum im Einzelhandel\*, Prozentpunkte \*Wachstum von Januar bis August 2025, multipliziert mit nominalen Umsatzanteilen von 2024 Quellen: Macrobond, Feri, Helaba Research &amp; Advisory 1,47 0,63 0,44 0,19 0,09 -0,03 -0,03 -0,05 -0,08 -0,09 Onlinehandel Lebensmittel Apotheken, Orthopädie, Kosmetik Sonstiger EH auf Flächen\* Elektrische Haushaltsgeräte Pflanzen und Zoologie Unterhaltungselektronik Möbel, Einrichtung, sonst. Hausrat Textilien, Bekleidung, Lederwaren Verlagswesen, Sport, Spielwaren Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Oktober 2025 3 von 5 Im Lebensmitteleinzelhandel ist bereits seit längerem eine strukturelle Verschiebung zu beobachten. Die Um- sätze des Lebensmittelfachhandels2 sinken, während sie in den Supermärkten konstant wuchsen.3 Dieser Trend schien vor der Corona-Pandemie zum Erliegen zu kommen oder sich zumindest stark abzuschwächen. Während der Krisenjahre ab 2022 konnte man zudem sehen, dass die Fachhandelsumsätze gegenüber denen in Supermärk- ten erneut stark nachgegeben haben (vgl. Abbildung links). Zum Vergleich sind in der Abbildung auch die Restaurantumsätze abgebildet, deren starker Rückgang seit 2023 sich durch die kräftigere Preisentwicklung erklären lässt (vgl. Abbildung rechts). Das Preisniveau in der Gastrono- mie ist deutlich stärker gestiegen als in den Supermärkten oder im Fachhandel. Trotzdem gaben die Fachhandels- umsätze in den vergangenen Jahren mit einer ähnlichen Dynamik wie die Restaurantumsätze nach, während sich die der Supermärkte nach einem kurzen Einbruch stabilisierten und wieder zulegten. Eine Erklärung könnte ein sogenannter Einkommenseffekt sein, der durch die gestiegenen Supermarktpreise ausgelöst wurde. Zwar stiegen die Supermarkt- und Fachhandelspreise etwa gleich stark. Jedoch haben Lebens- mittel, vor allem Grundnahrungsmittel, insbesondere für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen einen hohen Anteil an den gesamten Konsumausgaben. Grundnahrungsmittel – meist aus dem Supermarkt – sind zu- dem „notwendige Güter“, deren Konsum infolge eines Einkommensverlustes nicht stark oder nur unterproportio- nal eingeschränkt wird. Daher schlug die Mehrbelastung durch gestiegene Supermarktpreise bei den Haushalten überproportio- nal ins Gewicht, woraufhin diese dem ebenfalls teure- ren Fachhandel (und der Gastronomie) auswichen und sich vermehrt den Supermärkten – darunter auch den günstigeren Discountern – zuwandten, um den Bedarf an Nahrung und Getränken zu decken. Bei anderen Konsumgütern verändert sich die Nach- frage proportional bzw. überproportional mit dem Einkommen. Dazu gehören beispielsweise Textilien und spezielle Kleidung sowie verschiedener Hausrat und Baubedarf. Die nebenstehende Abbildung ver- deutlicht dies: Neben den Apotheken liefen weitere Sparten wie orthopädische oder medizinische Handelswaren sehr gut, während die „verzichtbaren“ Sparten Dyna- mik vermissen lassen. Neben dem schleppenden Konsum dürfte bei den letzteren Waren zunehmend die 2 Umfasst neben hochwertigen Fachhandelsgeschäften z.B. auch Bäckereien und Metzgereien. 3 Langfristig dürften einige Ursachen dieser Entwicklung auch nicht-ökonomisch bzw. gesellschaftlich bedingt sein. Denkbar wären hier neue Essgewohnheiten der Bevölkerung, etwa durch eine veränderte gesellschaftliche Familienform. Supermärkte robuster als Fachhandel Starke Preissteigerungen bei Lebensmitteln Reale Umsätze, 2015 = 100, sb, 3M-geglättet Einzelhandelspreise, Verbraucherpreise Restaurants, 2015 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Langlebigere Konsumgüter schwach Reale Umsätze, 2015 = 100, sb, 3M-geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Oktober 2025 4 von 5 Konkurrenz des Onlinehandels zur schlechten Entwicklung beitragen. Der Onlinehandel erklärt womöglich auch einen Teil der guten Performance der Gesundheits- und Pflegesparten. So dürften bei medizinischen und pharma- zeutischen Produkten die Verfügbarkeit und der Wille zum Online-Einkauf geringer sein als bei Kleidung oder Mö- beln. Erfolge bei der Flächenproduktivität durch konjunkturelle Flaute gedämpft Nachdem der Onlinehandel in den 2010er Jahren und insbesondere während der Pandemiejahre seine Umsatzan- teile ausweiten konnte, normalisierte sich die Entwicklung zuletzt wieder. 2024 betrug der Onlineanteil an den Einzelhandelsumsätzen 11,4 %. Von einer dominierenden Rolle ist der Onlinehandel in Deutschland damit noch weit entfernt. Denn selbst wenn man diesen Anteil mit dem durchschnittlichen Anteilswachstum der Vor-Corona- Jahre von rund 0,5 Prozentpunkten pro Jahr fortschreibt, würde es noch bis 2042 dauern, bis der Onlinehandel einen Umsatzanteil von über 20 % erreicht. Für den stationären Handel bedeutet dies jedoch nicht notwendiger- weise etwas Gutes, sollte der Vormarsch der ausländischen Onlineanbieter auch den stationären Handel betreffen. Zudem zeigt sich innerhalb der Sparten ein gemischtes Bild. So war laut des Handelsverband HDE der Onlinean- teil z.B. bei Heimwerk- und Gartenartikeln 2024 mit 7,4 % unterdurchschnittlich, während er bei Modeartikeln so- wie Elektronikgütern deutlich über dem Durchschnitt lag (42,5 % bzw. 43 %). Umso wichtiger ist es für den stationären Einzelhandel daher, seine Flächenproduktivität, den Umsatz pro Quadratmeter, zu erhöhen. Hier konnte man in den 2010er Jahren – also wäh- rend der Aufholjagd des Online- handels – Erfolge erzielen.4 Zu- letzt gab es wieder Rückschläge, obwohl die Verkaufsfläche sank, was vor allem auf die konjunk- turbedingte Schwäche des Kon- sums zurückzuführen ist. „It’s the Kaufkraft, stupid!“ Die Energiekrise infolge des Überfalls auf die Ukraine führte zu zwei Jahren historisch hoher Preissteigerungen. Die Einzel- händler konnten diese jedoch weitgehend auf die Konsu- menten überwälzen. Allerdings führte die allgemeine Erhöhung des Preisniveaus zu dem oben beschriebenen Kaufkraftverlust der Verbraucher. Die Probleme der Branche liegen also weniger in ihren eigenen Kosten und Preisen, sondern hauptsächlich auf der Nachfrageseite: Nur durch eine Erholung der Kon- sumbereitschaft wird sich der Umsatz weiter erhöhen. 4 Diese Erfolge hängen nicht von den robusten Supermarktumsätzen ab. Ohne Supermarktumsätze ergibt sich ein ähnliches Muster. Setzt sich die Flächenproduktivitätsausweitung fort? Reale Einzelhandelsumsätze, Verkaufsfläche, Flächenproduktivität, 2000 = 100 \*Einzelhandel auf Verkaufsflächen Quellen: HDE, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 80 85 90 95 100 105 110 115 120 80 85 90 95 100 105 110 115 120 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 Flächenproduktivität Verkaufsfläche Einzelhandelsumsätze\* Preisdruck bewältigt, nun muss die Nachfrage anziehen Einzelhandel: Preise und Kosten\* (2015 = 100), Reale Umsätze (% gg. Vj.) \*Vorleistungs- und Lohnstückkostenindex Quellen: Feri, Helaba Research &amp; Advisory -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 90 95 100 105 110 115 120 125 130 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Preise (links) Kosten\* (links) Umsätze gg. Vj. (rechts) Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Oktober 2025 5 von 5 Die Kaufneigung der Haushalte ist aber nach wie vor gering. Entsprechend sieht auch das Konsumklima aus. Da- ran haben auch die gestiegenen Einkommenserwartungen nichts geändert. Denn erst über das Vorkrisenniveau von 2019 steigende Realeinkommen der Haushalte werden dem privaten Konsum und damit dem Einzelhandel zu weiterem Wachstum verhelfen. Der Konsum dürfte sich bis Jahresende weiter leicht erholen, weshalb wir positive Effekte für den Einzel- handel und insgesamt ein preisbereinigtes Umsatz- wachstum von 3 % erwarten. Nächstes Jahr kann der konjunkturelle Stimulus durch die Fiskalpakete Im- pulse geben. Für eine nachhaltige Erholung des Ein- zelhandels ist jedoch ein ebenso nachhaltiges Wachs- tum der preisbereinigten Löhne notwendig. Wir rech- nen mit einem moderaten Reallohnwachstum von ca. 1 %, da die nominalen Lohnerhöhungen mit etwa 3 % leicht über der Inflationsrate von 2 % liegen dürften. Zusammen mit einem Konsumwachstum von 1,5 % dürften die Einzelhandelsumsätze 2026 um etwa 2 % zulegen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Werden die Einkommenserwartungen erfüllt? GfK-Konsumklima, Index Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory

Dank einer Normalisierung der Sparneigung konnte sich der Einzelhandel in den letzten Monaten erholen. Aktuell stockt die Entwicklung jedoch; sie dürfte sich erst durch weitere Reallohnsteigerungen fortsetzen. Gut laufen derzeit hauptsächlich Lebensmittel, während langlebigere Konsumgüter unter schwacher Nachfrage leiden.
