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title: "Im Fokus Branchen: Was erwartet die deutschen Branchen 2026?"
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updated: 2026-09-28
keywords: Branchen
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# Im Fokus Branchen: Was erwartet die deutschen Branchen 2026?

Im Fokus: Branchen 29. Januar 2026 © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 1 von 9 Research &amp; Advisory Was erwartet die deutschen Branchen 2026? Nach Jahren der wirtschaftlichen Schwäche dürfte es 2026 in Deutschland aufwärtsgehen. Auf Branchenebene zeigt sich aber ein gemischtes Bild. Einige Branchen profitieren konjunkturell stärker von den Fiskalpaketen und der zyklischen Erholung. Zudem fallen die strukturellen und langfristigen Perspektiven ebenfalls unterschiedlich aus. Deutschland dürfte 2026 den langersehnten Aufschwung der Wirtschaft spüren. Dieser ist nicht nur auf die Fiskalpakete und Kalendereffekte zurückzuführen, sondern auch von zyk- lischen Effekten verursacht: einer Konsumerholung aufgrund steigender Reallöhne, stei- genden Investitionen und einer Stabilisierung der Auslandsnachfrage. Die Branchen werden dabei unterschiedlich profitieren. Gleichzeitig bestehen unterschiedli- che strukturelle Heraus- forderungen fort. Zwar lindert eine Belebung der Inlandsnachfrage eines der zentralen Prob- leme der vergangenen Jahre. Doch zunehmen- der internationaler Wettbewerbsdruck, hohe Energiepreise, ein absehbarer Fachkräfteman- gel sowie geopolitische Spannungen bleiben prägende Belastungsfaktoren. Entsprechend unterschiedlich fallen die Branchenaussichten aus, die im Folgenden dargestellt werden. Automobilindustrie: Vorsichtiges Anfahren im ersten Gang ....................................................... 2 Maschinenbau: Der Prophet des Aufschwungs ............................................................................ 3 3 Elektroindustrie: Hoffnungsträger vor Bewährungsprobe........................................................... 4 4 Chemie- und Pharmaindustrie: Viele Fragezeichen im Labor ...................................................... 5 5 Metallgewerbe: Schmerzmittel ohne Genesung ........................................................................... 6 6 Einzelhandel: Auf der Welle des Konsums ................................................................................... 7 7 Bauindustrie: Können wir das packen? ........................................................................................ 8 Adrian Keppler Branchenanalyse T 069/91 32-41 83 adrian.keppler@helaba.de Unsere Wachstumsprognosen beziehen sich auf die Produktion in Deutschland. Dies ist üblich, weil heimische Produktion Ein- kommen und Beschäftigung schafft, maßgeblich Investitionen anregt und das Bruttoinlandsprodukt bestimmt. Sie blendet jedoch die Gewinnsituation international aktiver Unternehmen aus – eine betriebswirtschaftlich relevante, aber volkswirt- schaftlich problematische Perspektive, die zudem aufgrund eingeschränkter Daten auf Branchenebene wenig praktikabel ist. Die Produktion bildet zudem vor allem physischen Output ab. Die Industrie entwickelt sich jedoch zunehmend zu einem „hybri- den“ System, in dem z.B. Dienstleistungen eine größere Rolle spielen. Diese zusätzlichen Wertschöpfungsquellen spiegeln sich in anderen Indikatoren wider, die sich oftmals besser entwickeln als die Produktionsindizes. Auf Branchenebene liegen sie je- doch nur mit erheblicher Verzögerung und meist jährlich vor – derzeit nur bis 2023 – und erlauben daher keine kurzfristige Analyse. Trotz dieser Einschränkungen bleibt die Produktion ein sinnvoller Indikator: Sie ist zwar unvollständig, aber ein geeig- neter Richtwert für die kurzfristige Dynamik der industriellen Wertschöpfung, die sich insgesamt besser entwickeln dürfte. Wachstum 2023 2024 2025\* 2026 (p) Automobil 12,4 -7,5 -2,7 3,0 Maschinenbau -0,7 -7,6 -2,5 2,5 Elektroindustrie 0,8 -9,5 -0,2 3,0 DV., Elektronik, Optik 2,1 -3,3 0,1 3,5 Elektrische Ausrüstungen -0,4 -14,9 -0,5 2,5 Chemische Industrie -12,1 3,0 -3,0 1,0 Pharmazeutische Industrie -3,1 -2,5 4,4 1,5 Metallgewerbe -3,9 -5,1 -2,3 2,5 Erzeugung/-bearbeitung -4,3 -1,6 -1,8 1,0 Metallerzeugnisse -3,8 -6,4 -2,5 3,0 Einzelhandel (Realer Umsatz) -3,2 1,0 3,3 2,0 Bau (Investitionen) -1,5 -3,3 -1,0 1,9 Quellen: Macrobond, Prognosen: Helaba Research &amp; Advisory. \*Bis November. Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 2 von 9 Automobilindustrie: Vorsichtiges Anfahren im ersten Gang Die größte deutsche Branche dürfte von den zentralen Treibern des Aufschwungs vergleichsweise wenig direkt profitieren. Die Fiskalpakete konzentrieren sich auf Rüstung sowie Infrastruktur und erzeugen daher kaum unmit- telbare Nachfrage. Allenfalls Zulieferer für den Militärfahrzeugbau dürften einen direkten Impuls spüren, nicht jedoch die Hersteller selbst. Auch die Erholung des privaten Konsums dürfte sich vor allem in anderen Branchen niederschlagen: Haushalte mit höherer Konsumneigung verfügen meist über geringere Einkommen und tendieren daher eher zu Gebrauchtwagen oder günstigeren Fahrzeugen, die überwiegend im Ausland produziert werden. Über die neue E-Auto-Prämie dürfte jedoch ein Teil der fiska- lischen Impulse über den Klima- und Transformations- fonds in die Autoindustrie flie- ßen.1 Vorgesehen ist eine För- derung des Kaufs von batterie- elektrischen Fahrzeugen, Plug-in-Hybriden und Range-Extender-Hybriden von bis zu 6.000 Euro bei einem Gesamtvolumen von drei Milli- arden Euro. Für die angeschla- gene Branche bedeutet dies einen dringend benötigten konjunkturellen Impuls. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre sprechen dafür, dass die Prämie Wirkung entfalten dürfte. Nach der ab- rupten Streichung der Förderung Ende 2023 infolge fiskalischer Engpässe gingen die Neuzulassungen von E-Au- tos deutlich zurück. 2025 erreichten sie jedoch auch ohne eine vergleichbare Förderung neue Höchststände. Spä- testens mit der neuen Prämie dürfte sich dieser Aufwärtstrend fortsetzen. Neben dem inländischen Stimulus ist eine verbesserte Lage auf den Auslandsmärkten absehbar. Einerseits klingt der China-Schock 2.02 ab, der in den letzten Jahren die größte Herausforderung der Branche darstelle. Deutsche Autos genossen in China über viele Jahre eine Sonderkonjunktur, die durch Chinas technologische Aufholjagd zu einem jähen Ende kam. Aber der Schock klingt inzwischen ab – die Exporte sind bereits massiv gesunken, was das weitere Verlustpotenzial begrenzt und zudem scheint sich das Niveau zu stabilisieren (vgl. Grafik). Anderer- seits ist der Trend der Auftragseingänge trotz Einbu- ßen durch den US-Handelskonflikt noch aufwärtsge- richtet. Somit prognostizieren wir ein Produktions- wachstum von 3 % für 2026. Langfristig ist das Wachstumspotenzial aber be- grenzt. Den wohl dauerhaften Verlusten in der Volks- republik und US-Zöllen steht kein adäquates Lösungs- konzept gegenüber. Chancen ergeben sich vor allem aus einer stärkeren Inlandsnachfrage, dem europäi- schen Binnenmarkt sowie neuen Drittmärkten wie den Mercosur-Ländern und Indien. Das Produktionsniveau der 2010er Jahre ist aber noch einige Zeit entfernt. 1 100 Milliarden Euro des Fiskalpakets für Infrastruktur sollen in den Klima- und Transformationsfonds fließen. Dies eröffnet fiskalische Spielräume im Haushalt, um Projekte wie E-Auto-Prämie zu finanzieren. 2 Siehe unseren Fokus: „Wie betrifft der China-Schock 2.0 deutsche Branchen?“ vom 17. September 2025. Pkw-Produktion auf niedrigem Niveau – Top-Form in weiter Ferne Automobilindustrie, Jan. 2015 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory China-Schock 2.0: Schlimmstes überstanden Exporte Automobilindustrie, in Mrd. Euro von 2021\*, saisonbereinigt \*Preisbereinigt mit Exportpreisindex des WZ 29 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 3 von 9 Maschinenbau: Der Prophet des Aufschwungs Anders als die Automobilindustrie dürfte der Maschinenbau maßgeblich von den fiskalischen Mehrausgaben und der zyklischen Erholung profitieren. Denn beide Faktoren stützen 2026 die Ausrüstungsinvestitionen und damit die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen. Bereits zum Jahresende 2025 konnten sich die Inves- titionen gegenüber dem Vorjahr stabilisieren (vgl. Gra- fik). Ähnlich sah es beim Vorjahreswachstum der Ma- schinenbauproduktion aus. Dass diese Bodenbildung im laufenden Jahr in einen Aufschwung übergehen dürfte, zeigen indes die inländischen Auftragsein- gänge des Maschinenbaus (vgl. Grafik). Diese erholen sich seit März 2025 und zogen auch zuletzt wieder an. Im Maschinenbau vergeht zwischen Auftragseingang und Produktion besonders viel Zeit: die Auftragsein- gänge sind stark vorlaufend und deutet somit zukünf- tige Produktion an. Der Maschinenbau ist damit ein Vorreiter des Auf- schwungs. Zusätzlich erwartet die Branche noch wei- tere fiskalische Impulse durch die staatlichen Mehrausgaben, weshalb wir für 2026 ein Produktionsplus von 2,5 % erwarten. Strukturell hat die Branche je- doch noch einige Herausforde- rungen zu bewältigen. Allem voran die Konkurrenz aus China, die in vielen Sparten des Ma- schinenbaus eine technologi- sche Aufholjagd betreibt und anderen Maschinenbaunationen – insbesondere Deutschland – Marktanteile abringt. In unserer oben genannten Stu- die zum China-Schock 2.0 haben wir aufgezeigt, wie auf die quali- tativ konkurrenzfähige, teils deutlich kostengünstigere Konkurrenz reagiert werden kann: durch eine höherwertige und eine hybridere Pro- duktion. Ersteres ist eine klare Konsequenz: Über Kostensenkungen lassen sich die Preisvorteile chinesischer An- bieter nicht ausgleichen. Letzteres zielt auf die Ergänzung der industriellen Wertschöpfung um Dienstleistungen wie Anlagenplanung, integrierte Systemlösungen oder ad-hoc-Services vor Ort. Diese steigern nicht nur den Mehr- wert, sondern sind aufgrund ihrer begrenzten Handelbarkeit auch robuster gegenüber internationaler Konkur- renz. Gleichlauf von Investitionen und Maschinenbau Veränderung gg. Vorjahr in % \*Ausrüstungsinvestitionen Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Wachstum der inländischen Auftragseingänge kündigt Aufschwung an Maschinenbau, Jan. 2012 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 4 von 9 Elektroindustrie: Hoffnungsträger vor Bewährungsprobe Wann immer man im vergangenen Jahr aufgrund der industriellen Lage Deutschlands Trübsal blies, hätte man als seelische Stütze auf die Auftragseingänge der Elektrobranche schauen können. Diese zeigen bereits seit Mitte 2024 steil nach oben. Dies ist vor allem auf die Elektronik- und Optiksparte zurückzuführen: ein Auftragsplus von 17,8 % lässt sich sehen. Aber auch die inzwischen chronisch trägen elektrischen Ausrüs- tungen zeigen Anzeichen einer Bodenbildung. Die während der Krise vergleichsweise soliden Auf- tragseingänge der Branche demonstrieren, dass die Krise in Deutschland auch eine Erneuerungskrise ist. Denn insbesondere diejenigen Sparten, die den „Zu- kunftszielen“ Digitalisierung und Energiewende die- nen, sind die Outperformer: Elektronische Bauelemente (Chips, Wafer) oder Batterien und Akkumulatoren (vgl. Grafik). Auch die Auslandsmärkte dürften die Branche stützen. Laut dem Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) wuchs der Elektroweltmarkt 2025 wie im Jahr zuvor mit 3 % nur unterdurchschnittlich. 2026 dürfte er mit 5 % wieder die langfristige Wachstumsrate erreichen und damit für weiter steigende Nachfrage sorgen. Wir prognostizieren daher für die deutsche Elektroproduktion ein Jahreswachstum von 3 %. Hierbei wächst die Elektronik- und Optiksparte mit 3,5 % und die elektrischen Ausrüstungen mit 2,5 %. Auch strukturell dürfte die Branche wieder an Dyna- mik gewinnen – allerdings nicht über alle Sparten hin- weg. Besonders kräftige Zuwächse bei den Auftrags- eingängen verzeichneten 2025 jene Bereiche, in de- nen Produktivitätsfortschritte die Lohnstückkosten begrenzen und die Wettbewerbsfähigkeit sichern: hö- herwertige, technologisch komplexe Segmente. Dazu zählen insbesondere elektronische Bauelemente, aber auch die Telekommunikationstechnik und die Optik. Deutlich schwächer entwickelten sich hingegen einfa- che, weniger wissensintensive Produkte mit geringem Produktivitätsspielraum, die im Ausland kostengünsti- ger gefertigt werden können, etwa Lampen und Leuch- ten, Kabel, Installationsmaterial sowie Unterhaltungs- elektronik. Diese Spreizung dürfte sich auch langfris- tig fortsetzen. Elektroauftragseingänge ungebremst Elektroindustrie\*, Jan. 2021 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglättet \*WZ 26 (DV-Geräte, Elektronik, Optik) und WZ 27 (elektrische Ausrüstungen) Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 80 85 90 95 100 105 110 115 120 80 85 90 95 100 105 110 115 120 2021 2022 2023 2024 2025 Produktion Auftragseingänge High Tech hui, Low Tech pfui Wachstum der Auftragseingänge 2025\* in %, sb, 3M-geglättete Werte \*Januar bis November Quellen: Feri, Helaba Research &amp; Advisory 42,9 10,6 10,3 3,2 -2,2 -4,9 -5,6 -7,5 -8,8 Telekommunikation Batterien/Akkumulatoren Elektro. Bauelemente Optik/Fotografie Bestrahlung/Medizin Haushaltsgeräte Kabel/Installation Unterhaltung Lampen/Leuchten Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 5 von 9 Chemie- und Pharmaindustrie: Viele Fragezeichen im Labor Die Pharmaindustrie erwies sich in den Krisenjahren als vergleichsweise robust, während die Chemiein- dustrie wie kaum eine andere Branche unter der Re- zession litt. Der zentrale Unterschied liegt in der Kos- tenstruktur: Die chemische Industrie ist stark ener- gieintensiv und damit besonders anfällig für hohe Energiepreise – ein Faktor, der für die Pharmaindust- rie deutlich weniger ins Gewicht fällt. Es ist daher folgerichtig, dass die Pharmaindustrie auf einen konjunkturellen Stimulus deutlich weniger an- gewiesen ist. Fiskalpakete für Infrastruktur und Ver- teidigung oder eine allgemeine Konsumerholung dürften die Nachfrage nach Pharmazeutika kaum spürbar erhöhen. Deutlich dringlicher ist Unterstüt- zung für die Chemieindustrie. Grundsätzlich sollte der konjunkturelle Aufschwung Entlastung bringen, da die Chemie wie kaum eine andere Branche die übrige In- dustrie beliefert und typischerweise am Beginn eines Aufschwungs steht. In den Daten zeigen sich solche Impulse bislang jedoch noch nicht. Es stellt sich daher die Frage, ob die Chemieindustrie eventuell nicht auf die Auf- schwungsparty eingeladen ist. Denn das gestiegene Preisdifferenzial zwischen in- ländischen Produzenten- und Importpreisen bei Che- mikalien könnte die Erholung der Branche begrenzen. Es besteht die Gefahr, dass ein wachsender Teil der für andere Industrien benötigten Chemikalien importiert wird. Derzeit zeigen sich in den Daten allerdings noch keine deutlichen Divergenzen zwischen Exporten und Importen. Zudem erhält die Branche seit Januar politi- sche Unterstützung: Mit dem Industriestrompreis sol- len die Stromkosten näher an das internationale Durchschnittsniveau herangeführt werden. Auch er- scheint es wenig plausibel, dass innerhalb kurzer Zeit erhebliche Teile der Beschaffung ins Ausland verlagert werden. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die Branche zwar weiterhin unter den schwierigen Rahmenbedingun- gen leidet, im Zuge des industriellen Aufschwungs 2026 jedoch ein moderates Produktionsplus von rund 1 % erzielt. Dieses Wachstum reicht allerdings nicht aus, um die erheblichen Produktionsverluste seit 2022 sowie die weiterhin niedrige Kapazitätsauslastung nennenswert zu verbessern. Strukturell steht die Chemiebranche bereits seit Längerem unter Druck: Die inländische Chemieproduktion ist seit Beginn der 2010er-Jahre im Trend rückläufig. Damit bildet sie einen deutlichen Kontrast zur Pharmabran- che, die im selben Zeitraum kräftig wachsen konnte. Die weiteren Aussichten sind jedoch für beide Branchen nur verhalten. Der Industriestrompreis ist für die Chemieindustrie eher eine notwendige als eine hinreichende Voraus- setzung für eine nachhaltige Trendwende der Produktion. Die Pharmaindustrie wiederum sieht sich mit hohen US-Zöllen und begrenzten Preissetzungsspielräumen konfrontiert. Entsprechend erwarten wir auch für den bishe- rigen Outperformer lediglich ein moderates Produktionswachstum von rund 1,5 %. Chemie und Pharma: Strukturelle Gegensätze Produktion, Jan. 2021 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Bremsen die Preisunterschiede die Erholung? Chemieindustrie, Jan. 2019 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglätter \*Preisbereinigt mit Export-/Importpreisindizes des WZ 20 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 6 von 9 Metallgewerbe: Schmerzmittel ohne Genesung Auch das Metallgewerbe ist eine krisengebeutelte In- dustrie. Immerhin haben sich die Auftragseingänge seit Mitte 2024 auf niedrigem Niveau stabilisiert und auch die Produktion zeigt Anzeichen einer Bodenbil- dung. Aufgrund der geringen Kapazitätsauslastung infolge der schwachen Jahre muss jedoch deutlich mehr Nachfrage kommen, wenn die Kapazitäten nicht abgebaut werden sollen. Die Fiskalpakete dürften das Metallgewerbe spürbar entlasten. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Ausga- ben fließt in die Rüstungsindustrie und den Bau, die beide in hohem Maße auf Stahl und Metallerzeugnisse angewiesen sind. Zudem dürfte die erwartete Erho- lung des Maschinenbaus und der Automobilindustrie zusätzliche Nachfrage generieren. Hinzu kommt, dass das Metallgewerbe deutlich stärker auf eine Belebung der heimischen Nachfrage angewiesen ist als auf Impulse aus dem Ausland. In beiden Hauptsparten – der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie den Metallerzeugnissen – entwickeln sich die Inlandsumsätze schlechter. Die konjunkturelle Schwäche Deutschlands schlägt hier besonders deutlich durch. Über den konjunkturellen Sti- mulus hinaus besteht jedoch weiterer Handlungsbedarf. Ins- besondere die energieintensive Metallerzeugung benötigt zu- mindest eine spürbare Entlas- tung bei den Energiepreisen. Der Industriestrompreis geht hier in die richtige Richtung, dürfte aber – wie in der Chemie- industrie – eher das nötige Mini- mum statt einer Garantie für eine merkliche Besserung dar- stellen. Hinzu kommen die Herausforde- rungen der Dekarbonisierung. Zwar soll der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) verhindern, dass höhere europäische Produktionskosten gegenüber günstigeren Importen zu Wettbewerbsnachteilen führen. Er senkt je- doch nicht die Kosten der heimischen Produktion und verschafft auf Drittmärkten keinen Wettbewerbsvorteil. Ge- rade dort bleibt das Umfeld schwierig, da die kostengünstige internationale Konkurrenz weiterwächst. Eine dauerhafte Rückkehr auf einen nachhaltigen Wachstumspfad ist für die Branche daher aktuell nur schwer vor- stellbar. Ohne langfristig höhere Inlandsnachfrage sowie günstigere Energiepreise dürfte der Aufschwung 2026 wohl nur eine vorübergehende Schmerzlinderung statt einer Heilung sein. Dieses Jahr dürfte sich die Branche aber über ein Produktionswachstum von 2,5 % freuen, wobei die Metallerzeugnisse mit 3 % stärker wachsen dürften als die Metallerzeugung und -bearbeitung (1,5 %). Was kommt nach der Bodenbildung? Metallgewerbe\*, 2021 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglättet \*Metallerzeugung/-bearbeitung (WZ 24) sowie Metallerzeugnisse (WZ 25) Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 70 75 80 85 90 95 100 105 110 70 75 80 85 90 95 100 105 110 2021 2022 2023 2024 2025 Produktion Auftragseingänge Autos, Bau, Maschinen: Es fehlen inländische Nachfrager Metallgewerbe: Reale Umsätze, Jan. 2012 = 100, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 7 von 9 Einzelhandel: Auf der Welle des Konsums Der Einzelhandel profitierte bereits im vergangenen Jahr von steigenden Reallöhnen und einer Konsumerholung. Zwar verliert das Nominallohnwachstum 2026 an Dynamik, doch bei moderater Inflation dürften die Reallöhne weiter zulegen. Das sorgt auch künftig für Rückenwind im Einzelhandel. Die nebenstehende Grafik zeigt, dass die Einzelhandels- umsätze den Reallöhnen mit zeitlicher Verzögerung folgen. Die stärkste Phase der Real- lohnerholung fiel in das erste Quartal 2024, während die höchsten Wachstumsraten im Einzelhandel erst rund ein Jahr später erreicht wurden. Die Ver- braucher benötigen Zeit, um frühere Reallohnverluste und das erhöhte Preisniveau zu ver- arbeiten und ihr Konsumverhal- ten anzupassen. Das Reallohn- wachstum verlor zwar anschließend an Dynamik, blieb jedoch positiv. Ein ähnliches Muster ist auch für 2026 zu erwarten. Dafür spricht nicht zuletzt, dass erst im dritten Quartal 2025 das durchschnittliche Reallohnniveau in Deutschland wieder das Vorkrisenniveau von 2019 erreichte. Dass die Haushalte zuletzt – zumindest rechnerisch – erstmals wieder eine leicht höhere reale Kaufkraft als in der Vorkrisenzeit aufweisen, spricht für eine moderate Sparneigung und damit für mehr Konsum und Einzelhandels- umsätze. Trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer hat sich inzwischen auch die Kaufneigung stabilisiert. Weite- ren Reallohnsteigerungen dürften dann auch die Ein- kommenserwartungen und das Konsumklima insge- samt verbessern. Ein möglicherweise auch langfristiges Gegengewicht bildet jedoch die günstige ausländische Onlinekon- kurrenz. Nach Angaben des Bundesverbands E-Com- merce und Versandhandel Deutschland (bevh) entfie- len vom Wachstum des Onlinehandels mit Waren im vergangenen Jahr 30 % auf chinesische Plattformen. Dies stellt sowohl für den heimischen stationären als auch den Onlinehandel eine Herausforderung dar. Gerade nach Jahren hoher Inflationsraten dürften die Haushalte noch stärker zu günstigeren Produkten ten- dieren. Das wird unserer Einschätzung nach den deutschen Einzelhandel 2026 aber nicht von einem realen Um- satzwachstum von 2 % abhalten, nachdem er bereits letztes Jahr rund 3,3 % wachsen konnte. Weiter steigende Reallöhne dürften Einzelhandel 2026 stützen % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Konsumklima noch nicht im Aufwand GfK-Konsumklimaindex, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 8 von 9 Bauindustrie: Können wir das schaffen? Im vergangenen Jahr stagnierten die deutschen Bau- investitionen. Von niedrigem Niveau aus dürfte es allerdings in diesem Jahr aufwärtsgehen. Dafür spricht einerseits die zyklische Natur der Branche, was sich in bereits steigenden Auftragseingängen zeigt. Auch der Trend bei den Wohnungsbaugenehmi- gungen zeigt inzwischen wieder nach oben. Weiter steigenden Reallöhne kommen zwar potenziel- len Wohneigentumserwerbern zugute. Der positiven Einkommensentwicklung stehen allerdings die gestie- genen Finanzierungszinsen und wieder anziehenden Wohnimmobilienpreise gegenüber. Damit dürfte sich die Erschwinglichkeit von Wohneigentum insgesamt nicht verbessern und daher von dieser Seite keine Im- pulse für den Wohnungsbau ausgehen. Dagegen wer- den die Fiskalpakete helfen: Die Bauwirtschaft dürfte so stark wie keine andere Branche von den höheren geplan- ten fiskalischen Ausgaben – insbesondere für Infrastruktur und den Wohnungsbau – profitieren. Gemeinsam mit den steigenden Auftragseingängen spricht vieles dafür, dass der Hochbau im Jahresverlauf eine profitablere Kapazitätsauslastung erreichen dürfte. Im Tiefbau befindet man sich zwar bereits auf überdurch- schnittlichem Niveau, was den Produktionszuwachs zumindest in der kurzen Frist begrenzen könnte. Allerdings gab es in der Vergangenheit noch höhere Auslastungen, weshalb die Mehrausgaben wohl nicht zum überwiegen- den Teil, wie oft befürchtet, „in Preissteigerungen ver- puffen“ sollten, sondern zu Investitionszuwächsen führen werden. Die Rahmenbedingungen für den Bau sind damit 2026 günstiger, weshalb wir ein Wachstum der Bauinvesti- tionen von rund 2 % erwarten. Diese Einschätzung wird auch durch den „Bau-Turbo“ gestützt. Die Erho- lung der Bauwirtschaft dürfte dank dieser Faktoren auch über 2026 hinaus anhalten. Dafür sprechen die im Bau grundsätzlich langen Planungs- und Genehmi- gungszeiten, wodurch die Fiskalpakete ihre Wirkung auf die Branche erst allmählich und über mehrere Jahre entfalten. Von der Erholung der Bauinvestitionen geht außerdem ein wichtiger Impuls auf die Konjunktur insgesamt aus, denn der Bau beansprucht mit Chemikalien, Metallproduk- ten, Maschinen und Dienstleistungen wie der Logistik und dem Großhandel Vorleistungen aus einer ganzen Pa- lette weiterer Branchen. Gestiegene Auftragseingänge im gesamten Bau Auftragseingänge, 2021 = 100, saisonbereinigt, 3M-geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Kapazitätsauslastung im Hochbau noch gering Kapazitätsauslastung, % Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Branchen © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. Januar 2026 9 von 9 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 20 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. 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Der konjunkturelle Aufschwung dürfte dieses Jahr für branchenübergreifendes Wachstum sorgen. In der Industrie profitieren alle großen Branchen und auch der Einzelhandel kann erneut wachsen. Langfristig sind die Aussichten aufgrund unterschiedlicher struktureller Herausforderungen gemischt.
