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title: "Im Fokus Indien: Reformbedarf bleibt hoch"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Indien: Reformbedarf bleibt hoch

Im Fokus: Länder 16. Dezember 2024 © Helaba | Research &amp; Advisory | 16. Dezember 2024 1 von 3 Research &amp; Advisory Indien: Reformbedarf bleibt hoch Indien ist die weltweit am stärksten wachsende große Volkswirtschaft. Die Umsetzung wichtiger Strukturreformen ist jedoch nötig, um ein breitenwirksames Wachstum sicherzustellen. Das Jahr 2024 stand in Indien ganz unter dem Einfluss der nationalen Parlamentswahlen. Von April bis Juni strömte fast eine Milliarde Menschen an die Urnen, um über die Zusam- mensetzung der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, abzustimmen. Zwar ging das Parteienbündnis der National Democratic Alliance – unter Führung der Bharatiya Janata Partei (BJP) seit 2014 in der Regierungsverantwortung – erneut als Sieger hervor und Premierminister Narendra Modi konnte sich eine dritte Amtszeit in Folge sichern. Zum er- sten Mal verfehlte die BJP jedoch die absolute Mehrheit im Unterhaus und wird infolgedes- sen bei der Durchsetzung ihrer Agenda stärker von ihren Koalitionspartnern abhängig sein. Die Verabschiedung von Gesetzen und die Durchsetzung umstrittener Reformen (z.B. in Be- zug auf Landerwerb oder Sozialreformen) dürfte mithin erschwert sein. Grundsätzlich sehen wir aber mit der Fortsetzung der Modi-Regierung die Kontinuität der Wirtschaftspolitik gewährleistet, da über wichtige Wirtschaftsreformen Konsens besteht. Indien bleibt seinem Ruf als Motor der Weltwirtschaft gerecht. Allerdings ließ sich zuletzt eine leichte Verlangsa- mung der konjunkturellen Dynamik beobachten: Laut nationaler Statistikbehörde hat sich das reale BIP- Wachstum von Juli bis September (Q2 des indischen Fiskaljahrs1) auf 5,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum abgeschwächt, nach einem Zuwachs von 6,7 % im Vorquartal. Dies ist der niedrigste Wert seit fast zwei Jahren. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe enttäuschte mit einem Wachstumsrückgang auf 2,2 % gegenüber Vorjahr bzw. 7,1 % gegenüber dem Vorquartal. Auch der private Konsum – mit einem Anteil von fast 60 % an der indischen Wirtschaftslei- stung der Hauptwachstumstrei- ber – zeigte sich im zweiten Quartal etwas schwächer (6,0 % gg. Vj. nach 7,4 %). Während das Ausmaß des Wachstumsrückgangs für die meisten Marktteilnehmer über- raschend kam, ist es der generelle Trend einer leichten Verlangsamung der indischen Wachstumsdynamik nicht. Der Internationale Währungsfonds sieht dies vielmehr als Rückkehr zum indischen Potenzialwachstum (welches der IWF auf 6,5 % beziffert), nachdem im Nachgang der Corona-Pandemie außergewöhnlich hohe Wachstumsra- ten aufgrund von Nachholeffekten erzielt worden waren. 1 Das indische Fiskaljahr läuft von April bis März. Viola Julien Länderrating/-analyse Tel. 069/91 32-20 32 Zuletzt nachlassende Dynamik bei Konsumenten und Industrie % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Indien © Helaba | Research &amp; Advisory | 16. Dezember 2024 2 von 3 Grundsätzlich sind die Wachstumsaussichten für die indische Volkswirtschaft aber positiv. Hochfrequente Indika- toren wie die Einkaufsmanagerindizes liegen nach wie vor deutlich im Expansionsbereich und weisen auf robuste Wachstumsraten hin. Auch die Datenerhebungen für die Elektrizitätserzeugung lassen auf eine anziehende Indu- strieproduktion schließen. Die von September bis Januar lau- fende Festivalsaison sollte dar- über hinaus kräftige Impulse für den privaten Konsum liefern. Wir gehen daher für das lau- fende Fiskaljahr von einem Zu- wachs des realen BIP um 6,8 % aus, nach der unerwartet kräfti- gen Expansion um 8,2 % im Vorjahr. Für 2025/2026 rechnen wir mit einem Plus von 6,5 %. Damit bleibt Indien die weltweit am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft. Die jüngste Wachstumsabschwächung unterstreicht derweil die Notwendigkeit für die Regierung, sich auf die Um- und Fortsetzung wichtiger Reformen zu konzentrieren. Denn nach wie vor hemmen strukturelle Defizite die wirtschaftliche Entwicklung und schmälern die Attraktivität Indiens. Zu nennen ist hier vor allem die Infrastruktur, die trotz groß angelegter Förderprogramme der Modi-Regierung und umfangreicher Investitionen oftmals noch unzulänglich ist. Auch die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Verbesserung der Schul- und Berufsbildung bleiben zentrale Punkte auf der politischen To-Do-Liste, damit das enorme Potenzial der jungen und wachsenden Bevölkerung („demografische Dividende“) genutzt werden kann. Noch immer ist ein Großteil der Tätigkeiten im informellen Sektor angesiedelt; die Zahl hochwertiger Arbeitsplätze kann nicht Schritt halten mit der Flut an Ab- solventen, die auf den Arbeitsmarkt strömen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit einer Quote von fast 25 % eine der höchsten im asiatischen Raum. Die Haushaltsplanung für das laufende Fiskaljahr sieht Investitionsausgaben von mehr als 130 Mrd. US-Dollar vor, was wie im Vorjahr rund 30 % des BIP entspricht. Dennoch schreitet die Haushaltskonsolidierung schneller voran als erwartet, da die Regierung ein Gleichgewicht zwischen wachstumsunterstützenden Maßnahmen und fis- kalischer Umsicht anstrebt. So verzichtete die BJP entgegen weit verbreiteter Erwartungen darauf, nach dem schwächeren Wahlergebnis deutlich höhere Sozialausgaben zu beschließen. Das zentralstaatliche Budgetdefizit dürfte sich daher 2024/2025 auf 4,9 % des BIP reduzieren (nach 5,6 % in der Vorperiode), was den Vorgaben im Haushaltsentwurf entspricht. Im kommenden Fiskaljahr rechnen wir mit einer weiteren Konsolidierung auf 4,4 % des BIP. Die indische Inflation schwächt sich allmählich ab. Die Teuerungsrate dürfte 2024 bei 4,8 % liegen und sich im Folgejahr auf 4,4 % reduzieren. Zuletzt trie- ben volatile Nahrungsmittelpreise die Gesamtteue- rung nach oben. Der Preisdruck dürfte dank einer guten Monsun- und Erntesaison aber sukzessive nachlassen. Damit bietet sich Spielraum für Zinssenkungen. Die indische Zentralbank (RBI) hatte den Leitzins bei ihrer letzten Sitzung im Dezember unverändert bei 6,5 % belas- sen. Wir rechnen damit, dass die RBI auf ihrer nächsten Sitzung im Februar den geldpolitischen Lockerungszyklus einleiten wird. Dies sollte die privaten Investitionen und den Konsum ankurbeln und somit das Wachstum stützen. 2023 2024s 2025p 2026p BIP, real % gg. Vj. 8,2 6,8 6,5 6,1 Inflationsrate % gg. Vj. 5,7 4,8 4,4 4,2 Arbeitslosenquote % 8,1 8,1 7,9 7,5 Budgetsaldo % des BIP -5,6 -4,9 -4,4 -4,0 Quellen: EIU, Helaba Research &amp; Advisory Positive Impulse für Industrieproduktion % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Indien © Helaba | Research &amp; Advisory | 16. Dezember 2024 3 von 3 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Pro- gnosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. 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Indische Wirtschaft verlor zuletzt etwas an Schwung. Umsetzung von Reformen entscheidend für nachhaltiges Wachstum. Teuerungsdruck lässt nach und eröffnet Spielraum für Zinssenkung.
