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title: "Im Fokus Japan: Freundlichere Aussichten"
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type: dd_research
language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Japan: Freundlichere Aussichten

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 9. Januar 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 9. Januar 2025 1 von 3 Research &amp; Advisory Japan: Freundlichere Aussichten Das rückläufige Bruttoinlandsprodukt 2024 war in Japan wohl ein Ausreißer. Die Konjunkturaus- sichten für 2025 sind freundlicher. Angesichts der erhöhten Inflation steht die Notenbank unter Handlungsdruck. Vorsichtige Zinsanhebungen dürften den schwächelnden Yen begünstigen. Doch, es gibt noch eine weitere große Volkswirtschaft, die sich ähnlich schlecht entwickelt hat wie die deutsche: Auch in Japan ist das Bruttoinlandsprodukt 2024 leicht gesunken. Zudem hat auch dieses Land eine Regierung ohne eigene Mehrheit, wobei die japanischen Parlaments- wahlen bereits stattfanden. Die Parallelen beschränken sich allerdings auf das abgelaufene Ka- lenderjahr. Denn sowohl in den Vorjahren als auch vermutlich 2025 wird Japans BIP wohl bes- ser abschneiden. Für die bescheidenen japanischen Verhältnisse dürfte die Wirtschaft sogar überdurchschnittlich wachsen. Ähnlich wie Deutschland weist Japan mit gut 20 % einen vergleichsweise hohen Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaft auf. Probleme in der globalen Industrie wirken sich dort ebenso aus. Auch der Automobilsektor besitzt in Japan eine große Bedeutung, wenngleich er nicht ganz so wichtig ist wie in Deutschland. Hier kam es neben den weltweiten Schwierigkeiten des Sektors noch zu einem Sonderfaktor: So führten Probleme bei der Zertifizie- rung teilweise zu Produktionsstilllegungen. Bis jetzt hat sich die Autoproduktion davon nicht vollständig erholt, im Gesamtjahr 2024 sank sie voraussichtlich um mehr als 7 %. Dies trug spürbar zum Produktions- rückgang im gesamten Verarbeitenden Gewerbe von gut 2,5 % bei. In dem Zusammenhang legten die Ex- porte nur verhalten zu. Umgekehrt importierte Japan mehr, so dass der Außenhandel das BIP per saldo be- lastete. Mögliche US-Strafzölle unter Präsident Trump wären sicherlich keine gute Nachricht. Aber noch ist offen, ob dies Japan betreffen würde und wenn ja, in welchem Ausmaß. Die japanischen Automobilhersteller produ- zieren den Großteil ihrer in den USA verkauften Wagen bereits vor Ort und sollten daher nicht extrem darunter leiden. Außerdem ist der Japanische Yen gegenüber dem US-Dollar derzeit stark unterbewertet – Trump warf Japan nicht völlig zu Unrecht Währungsmanipulation vor. Dies kann gewisse Zollanhebungen kompensieren. Dass der Automobilsektor in Japan grundsätzlich nicht frei von Pro- blemen ist, untermauern die Fusionsgespräche zwischen Honda und Nissan bzw. Mitsubishi. Dennoch sind die Produktionsaussichten für 2025 eindeutig positiv, da sich der Markt nach den Zertifizierungsschwierigkeiten nor- malisiert. Daher dürfte auch die Industrie insgesamt zulegen – zumal sich das globale Klima dafür aufhellen sollte – und der Außenhandel wieder zum Wachstum beitragen. Christian Apelt, CFA Devisenstratege Tel. 069/91 32-47 26 Automobilsektor hat Wachstum 2024 belastet % gg. Vorquartal, annualisiert % gg. Vorquartal, annualisiert Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Percent % Produktion Kraftfahrzeuge (linke Skala) BIP gg. Vorquartal (rechte Skala) -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 2022 2023 2024 Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Japan © Helaba | Research &amp; Advisory | 9. Januar 2025 2 von 3 Der private Konsum schrumpfte 2024 voraussichtlich, vor allem als Folge der erhöhten Inflation. Die damit einher- gehenden Reallohnverluste dämpften die Nachfrage, obwohl die Teuerung in der Spitze „nur“ knapp über 4 % kletterte. Mittlerweile mäßigte sich die Inflation. Wichtiger sind aber die Lohnanstiege, so dass die Reallöhne nicht mehr fallen bzw. die realen verfügbaren Einkommen sogar steigen, zumal der Arbeitsmarkt stabil ist. Eine vorsichtige Trendwende beim privaten Verbrauch war bereits im Verlauf von 2024 zu erkennen. Diese Erho- lung wird sich vermutlich verstetigen und der Konsum endlich wieder dem Vor-Pandemie-Niveau annä- hern. Die Unternehmen steigerten ihre Ausgaben 2024 per saldo, was unterstreicht, dass die Lage in Japan doch nicht so schlecht wie in Deutschland aussieht. Dabei schwanken die Investitionen durchaus. Die Stim- mungsindikatoren sind relativ stabil, zeigen aber noch keine klare Verbesserung. Daher dürften die Unterneh- men ihre Ausgaben 2025 verhalten erhöhen, solange weltwirtschaftlich ganz große Störfeuer ausbleiben – US-Präsident Trump stellt dabei natürlich ein Risiko dar. Der Bausektor wird sich vermutlich recht beständig ent- wickeln. Angesichts des geringen Zinsanstiegs in Japan geriet dieser im internationalen Vergleich nur wenig unter Druck. Der japanische Staat bleibt ausgabenfreudig. Im Herbst beschloss die Regierung ein neues Konjunkturpaket, das u.a. Energiepreissubventionen und Steuererleichterungen enthält. Das Haushaltsdefizit ist weiter hoch. Der neue Parteivorsitzende der LDP und Premier Ishiba verlor bei den vorzeitigen Unterhauswahlen am 27. Oktober die Mehrheit zusammen mit der Komeito-Partei. Die gegenwärtige Minderheitsregierung ist damit auf Stimmen der Opposition angewiesen, was im Zweifelsfall eher zu höheren Ausgaben denn zu einer Konsolidierung führt. Die demografische Entwicklung belastet über höhere Kosten für Renten und andere Sozialleistungen das Budget. Au- ßerdem wachsen die Verteidigungsausgaben. Auch vor dem Hintergrund der bereits immensen Ver- schuldung von 250 % am BIP sind die japanischen Staatsfinanzen kritisch zu betrachten. Nach dem nicht zuletzt durch Sonderfaktoren be- dingt schwachem Vorjahr wird die Wirtschaft 2025 merklich expandieren. Das BIP dürfte im Gesamtjahr mit 1,3 % für japanische Verhältnisse überdurchschnittlich wachsen. Allerdings könnten höhere US-Strafzölle die Dynamik etwas mehr dämpfen. In den Folgejahren sollte die Konjunktur ohnehin wieder etwas abflauen. Japan stand lange Zeit für eine deflationäre Entwick- lung. Dies war eigentlich schon vor der Pandemie be- endet. Der Inflationssprung 2022/2023 war mit gut 4 % in der Spitze im internationalen Vergleich mode- rat. Allerdings sank die Teuerung auch viel weniger. Im November fiel der Preisanstieg mit 2,9 % sogar höher aus als in den USA oder der Eurozone. Er wird 2024 im Jahresdurchschnitt 2,5 % betragen. Der ge- ringe Inflationsrückgang erklärt sich auch mit der Geldpolitik, die in Japan – anders als in den USA oder der Eurozone – bislang nicht restriktiv wurde. So hob die Bank of Japan ihren Leitzins auf gerade einmal 0,25 %. Außerdem wurde die Steuerung der Kapital- marktrenditen quasi beendet. Privater Konsum erholt sich % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Percent Privater Konsum Reallöhne gesamt, 3-M.-Ø -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Homöopathische Zinserhöhungen %, % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory BoJ-Leitzins -2 -1 0 1 2 3 4 5 -2 -1 0 1 2 3 4 5 2020 2021 2022 2023 2024 2023 2024s 2025p 2026p BIP, real % gg. Vj. 1,5 -0,3 1,3 0,8 Inflationsrate % gg. Vj. 3,3 2,5 2,0 2,0 Arbeitslosenquote % 2,6 2,5 2,5 2,4 Budgetsaldo % des BIP -3,8 -4,4 -4,0 -3,5 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Japan © Helaba | Research &amp; Advisory | 9. Januar 2025 3 von 3 Da 2025 ein paar Sondereffekte entfallen, wird die Inflation mit rund 2 % niedriger ausfallen. Die Kernrate ohne frische Nahrungsmittel und Energie ist ohnehin etwas geringer. Dennoch liegt der Preisanstieg relativ hoch, zumal die Lohndynamik noch nicht gebrochen ist. Für die japanische Notenbank besteht damit Handlungsbedarf, was auch die freundlichere Konjunktur untermauert. Zuletzt zeigte sich die Bank of Japan aber zögerlich und sträubte sich gegen weitere Anhebungen. Sie scheint erst ein- mal abzuwarten, was demnächst aus den USA kommt. Im Jahresverlauf dürfte die Notenbank dann aber doch agieren. Sie könnte ihren Leit- zins von 0,25 % auf 0,75 % anheben. Diese vor- sichtige Erhöhung wäre gegen den internationa- len Trend, da u.a. Fed und EZB die Leitzinsen weiter senken. Entsprechend sollte sich der Zinsnachteil Japans ge- genüber den USA und der Eurozone verringern. Davon würde letztlich auch der Japanische Yen profitieren, wenn der „Trump-Sturm“ an den Märkten abflaut. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Pro- gnosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Rückläufiger Renditenachteil würde Yen stützen %-Punkte JPY Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory USD-JPY (rechte Skala) Spread 10j. Staatsanleihen USA - Japan (linke Skala) 95 100 105 110 115 120 125 130 135 140 145 150 155 160 165 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 2020 2021 2022 2023 2024 2025

Japans Bruttoinlandsprodukt schrumpfte 2024, aber Konjunkturaussichten für 2025 sind freundlicher. Angesichts der erhöhten Inflation steht die Notenbank unter Handlungsdruck. Vorsichtige Zinsanhebungen der Bank of Japan dürften den schwächelnden Yen begünstigen.
