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title: "Im Fokus Spanien: Der europäische Überflieger"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Spanien: Der europäische Überflieger

Im Fokus: Länder 23. Januar 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 23. Januar 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Spanien: Der europäische Überflieger Spanien dürfte auch 2025 mit 2,2 % im Vergleich zur Eurozone überdurchschnittlich wachsen. Die tendenziell instabile Politik hat bislang kaum gebremst. Aufholprozesse, aber auch struktu- relle Vorteile wie wettbewerbsfähige Energiekosten helfen dem Land. Die hohe Dynamik der vergangenen Jahre kann allerdings mittelfristig nicht gehalten werden. Das spanische Bruttoinlandsprodukt stieg 2024 um gut 3 % und damit erneut deutlich stärker als in der Eurozone mit 0,8 %. Dies ist teilweise noch ein Nachholeffekt nach dem massiven Einbruch während der Corona-Pandemie 2020. Spanien war hiervon besonders betroffen, auch weil der wichtige Tourismus damals nahezu zum Erliegen kam. Zudem muss berücksichtigt werden, dass der Wohlstand Spaniens weiterhin niedriger ist als im europäi- schen Durchschnitt. Verwendet man den sogenannten tatsächlichen Individualverbrauch pro Kopf, liegt Spanien etwa 10 % unter dem Durchschnitt der EU und beispielsweise Deutschland nahezu 20 % dar- über.1 Dieses Konsummaß um- fasst auch staatliche Leistun- gen wie Gesundheit oder Bildung, die direkt zuge- rechnet werden können. Der tatsächliche Konsum wird damit genauer erfasst. Der aktuell gute Lauf der spanischen Wirtschaft resul- tiert zudem aus strukturellen Vorteilen wie verhält- nismäßig niedrigen Energiekosten für die Industrie (vgl. S. 3). Auch helfen weiterhin die großzügigen Transfers aus Brüssel im Nachgang der Corona-Pan- demie. Erstaunlicherweise hat die politische Instabilität das Wirtschaftswachstum bislang nicht wesentlich ge- bremst. Die Minderheitsregierung der sozialistischen PSOE-Partei und der linken Sumar ist zerstritten. 2024 sind ein Fünftel aller Gesetzesvorhaben gescheitert. Der Haushalt für 2025 steht immer noch nicht. Damit ist es schwie- rig, notwendige Mittel zu mobilisieren, z.B. für die Region Valencia nach der Flutkatastrophe. Für eine absolute Mehrheit muss Ministerpräsident Sánchez sieben kleine Parteien gewinnen, ein schwieriges Unterfangen. Zusätz- lich häufen sich im Umfeld der PSOE-Partei Kor- ruptionsvorwürfe. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich 2025 zwar abschwächen, mit schät- zungsweise 2,2 % aber einen ganzen Prozent- punkt höher ausfallen als in der Eurozone. Die Tourismusausgaben erreichten 2024 mit rund 127 Mrd. Euro einen neuen Höchststand, ein Ausgabenplus von fast 17 %. Dies entspricht einem Anteil am nominalen Bruttoinlandsprodukt von 8 ½ %. Die Zahl der ins Land 1 Household material welfare varies widely in the EU - Nachrichtenartikel – Eurostat Dr. Stefan Mütze Konjunktur/Branchen T 069/91 32-38 50 Spanien wächst auch 2025 deutlich Reales Bruttoinlandsprodukt, Q4 2019 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 2023 2024s 2025p 2026p BIP, real % gg. Vj. 2,7 3,0 2,2 1,6 Inflationsrate % gg. Vj. 3,4 2,9 2,4 2,4 Arbeitslosenquote % 12,2 11,5 10,9 10,3 Budgetsaldo % des BIP -3,5 -3,3 -3,0 -2,5 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Spanien © Helaba | Research &amp; Advisory | 23. Januar 2025 2 von 4 kommenden Urlauber hat mit fast 95 Millionen das Vorkrisenniveau von 2019 überschritten. Der spani- sche Tourismus wird weiterhin zum Wachstum des Landes beitragen. Allerdings dürfte die Dynamik auf- grund des bereits hohen Niveaus abnehmen. In einzel- nen Destinationen kam es zuletzt zu Protesten gegen die Folgen des Tourismus. Als Gegenmaßnahme plant die Regierung, Kurzzeitvermietungen sowie den Kauf von Immobilien durch nichtansässige Drittstaatsange- hörige durch höhere Steuern zu belasten. Private Konsumenten geben mehr Geld aus Die privaten Konsumausgaben expandierten 2024 mit knapp 3 % kaum weniger als das Bruttoinlands- produkt. Die positive Entwicklung dürfte sich in die- sem Jahr fortsetzen. Das Konsumklima hat sich zuletzt weiter erholt. Impulse kommen vom Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung steigt und die Arbeitslosigkeit geht zurück. Im vergangenen Jahr wurden weitere 500.000 Jobs ge- schaffen, im Vergleich zu Ende 2019 vor Corona ist die Beschäftigtenzahl um fast 2 Millionen gestiegen. Trotz die- ser Erfolge lag die Arbeitslosenquote in harmonisierter Rechnung auch im November 2024 mit 11,2 % noch deut- lich über der in der Eurozone (6,3 %) und vor allem die Jugendarbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen ist mit zuletzt 26,5 % weiterhin sehr hoch. Neben den gestiegenen Tarifabschlüssen hat die gesunkene Inflation den Konsum gestärkt. Die Inflationsrate lag allerdings 2024 mit 2,9 % noch über dem Durchschnitt der Eurozone von 2,4 %. Bei den Energiepreisen erwar- ten wir gegenüber dem letzten Jahr keine weitere Entlastung. Die Arbeitsproduktivität ist jedoch in Spanien zu- letzt stärker gestiegen, so dass höhere Lohnkosten nicht zu nennenswerten Preisanhebungen führen müssen. Die Inflationsrate dürfte 2025 auf schätzungsweise 2,4 % sinken. Positiv auf den Konsum sollte sich auch der fortge- setzte deutliche Anstieg der Wohnimmobilienpreise auswirken. Die privaten Konsumausgaben dürften 2025 wie das Bruttoinlandsprodukt um gut 2 % zulegen. Die spanische Wirtschaftsdynamik basierte in den vergangenen beiden Jahren stark auf den staatli- chen Konsumausgaben. Sie haben 2024 zum zwei- ten Mal in Folge um rund 5 % zugenommen. Da sie für ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts stehen, resultiert allein hieraus für 2024 ein Wachstumsbei- trag von rund einem Prozentpunkt. Durch das hohe Ausgangsniveau zu Jahresbeginn dürfte selbst bei moderaten Zuwächsen 2025 wieder eine überdurch- schnittliche Expansion des Staatskonsums von 3 % realistisch sein. Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück Spanien profitiert ähnlich wie Italien sehr stark vom europäischen Wiederaufbauplan. Das Land hat hieraus einen Anspruch auf 163 Mrd. Euro, davon 80 Mrd. Euro Transfers. Trotzdem weisen die Investitionen in Spanien nur ein mäßiges Tempo auf. Die Ausrüstungsinvestitionen sind 2024 mit unter 1 % nur leicht gestiegen. Die höheren Ka- pitalmarktzinsen und die Krise im globalen Verarbeitenden Gewerbe dürften hierzu beigetragen haben. Die Bauin- vestitionen legten dagegen im vergangenen Jahr um rund 2 ½ % zu. Der Nichtwohnungsbau war erneut dynami- scher als der Wohnungsbau. Dynamik im Tourismus hat abgenommen Mio. pro Monat Mrd. Euro pro Monat \*negative Werte durch Saisonbereinigung während der Corona-Pandemie Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Staatsverbrauch stimuliert Wachstum Reales Bruttoinlandsprodukt und Komponenten, Index: Q4 2019 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Spanien © Helaba | Research &amp; Advisory | 23. Januar 2025 3 von 4 Trotz der an den Kapitalmärkten erwarteten weiteren Lockerung der europäischen Geldpolitik sind die Kapitalmarktzinsen zuletzt gestiegen. Dies dürfte den Investitionen 2025 kaum helfen. Aktuell liegt die Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen bei 3,1 %. Der Spread zu deutschen Anleihen gleicher Laufzeit ist mit 0,6 Prozentpunkten allerdings niedri- ger als für Italien (1,1 Prozentpunkte) und mittlerweile auch für Frankreich (0,8 Prozentpunkte). Dies liegt auch daran, dass Spanien 2025 eine überschaubare Neuverschuldung von rund 3 % erreichen dürfte. Er- ste Erfolge kann das Land ebenso bei der Staatsver- schuldung vorweisen, die von fast 120 % des Brutto- inlandsprodukts im Corona-Jahr 2020 auf unter 105 % gefallen ist. Die Geschäftserwartungen sowohl in der Industrie als auch im Servicebereich sind im europäischen Vergleich po- sitiv. Trotzdem dürften sich die spanischen Unternehmen im Umfeld möglicher neuer US-Zölle mit Investitionen vorerst zurückhalten, so dass für 2025 erneut nur mit einem moderaten Anstieg der Ausrüstungen zu rechnen ist. Eine ähnliche Entwicklung dürften die Bauinvestitionen nehmen. Die Zahl der genehmigten und begonnenen Häuser ist wie die Bauproduktion leicht aufwärtsgerichtet. Die Exporte haben 2024 stärker zugenommen als die Importe, so dass der Außenhandel einen positiven Wachstumsbeitrag erbracht hat. Von dieser Seite sind 2025 aber nur noch geringe Wachstumsimpulse zu er- warten, da der lebhaftere Konsum höhere Einfuhren nach sich zieht. Das Wachstum 2025 basiert damit noch stärker auf dem privaten und öffentlichen Kon- sum. Strukturelle Vorteile, aber auch Herausforderungen Spaniens Wachstum profitiert von einer zunehmenden Bevölkerung (vgl. Chart S. 4). Dadurch nimmt die Nach- frage nach Konsumgütern und indirekt nach Investitio- nen zu. Auch die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter dürfte im Gegensatz zu Deutschland weiter zu- nehmen. Dies lindert die Knappheit an Fachkräften. Voraussetzung ist aber eine Verbesserung des Bildungssy- stems, das Schwächen aufweist. Die Jugendarbeitslosigkeit ist auch deswegen so hoch, weil die duale Ausbildung unterentwickelt ist. Als positiver Standortfaktor gilt dagegen die gute Verkehrs- und Telekommunikationsinfra- struktur. Die aktuell günstige Wirtschaftsentwicklung erklärt sich auch damit, dass das iberische Land weniger von struktu- rellen Herausforderungen belastet ist. So war Spanien nicht in dem Ausmaß wie Deutschland von russischem Gas abhängig. Ein rascher und drastischer Umbau der Energieversorgung wie hierzulande ist nicht notwendig. Spanien ist zudem ein idealer Standort für Ökostrom. Die Strom- und Gaspreise sind im europäischen Vergleich niedrig2, auch weil die Voraussetzungen für erneuerbare Energien günstig sind. Dies hilft Verbrauchern und Unternehmen. Energieintensive Branchen haben hierdurch weniger Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit. 2 Vgl. Helaba Im Fokus Deutschland: „Wettbewerbsfähigkeit stärken“ vom 23. Oktober 2024, S. 3 Spanien mit mehr Vertrauen als Frankreich Zinsabstand zu deutschen 10-jährigen Staatsanleihen, Prozentpunkte Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Spanische Einkaufsmanager optimistisch Einkaufmanagerindizes Composite Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Spanien © Helaba | Research &amp; Advisory | 23. Januar 2025 4 von 4 Spanien ist nach Deutschland der zweitgrößte Automobilstandort in der EU. Das Land entwickelt sich vor allem zu einem interessanten Standort für die Elektromobilität. Batteriefabriken und Produktionslinien für Fahrzeuge mit der neuen Antriebstechnik werden errichtet. Neben den geringen Stromkosten machen niedrige Löhne, staatliche Hilfen sowie das bereits bestehende automobile Cluster den Standort attraktiv. Zu einem immer größeren Problem ist in den letzten Jahren in vielen Landesteilen der Wassermangel ge- worden. Zunehmend muss dadurch mit negativen Aus- wirkungen auf wichtige Wirtschaftszweige wie der Landwirtschaft oder dem Tourismus gerechnet wer- den. Noch wird hiergegen zu wenig unternommen. Die Investitionen in diesem Bereich sind zu niedrig. Lei- tungen müssten erneuert sowie Bewässerungssy- steme und die Abwasserbehandlung verbessert wer- den. Trotz des guten Laufs der spanischen Wirtschaft blei- ben strukturelle Herausforderungen: So ist die Staats- verschuldung weiterhin zu hoch, zumal die Ausgaben für die Verteidigung zunehmen müssten. Sie liegen mit nur 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts deutlich unter dem bisherigen NATO-Ziel von 2 %. Auch für die angestrebte Kli- maneutralität dürften weitere Kosten einzukalkulieren sein. Spätestens nach dem Ende der Zahlungen aus den laufenden europäischen Programmen muss sich Spanien deswegen – wie auch andere Länder – die Frage der Prio- risierung öffentlicher Ausgaben stellen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bear- beitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Zunehmende Bevölkerung hilft dem Wachstum Bevölkerung, Index: 2002 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory

Spanien wächst mit gut 2 % auch 2025 wieder stärker als die Eurozone. Der dynamische Tourismus, europäische Transfers sowie Standortvorteile helfen. Herausforderungen wie die Priorisierung der Staatsausgaben und mehr berufliche Bildung bleiben.
