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title: "Im Fokus Polen: Geopolitik allgegenwärtig"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Polen: Geopolitik allgegenwärtig

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 6. März 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 6. März 2025 1 von 3 Research &amp; Advisory Polen: Geopolitik allgegenwärtig Das Wirtschaftswachstum legt nochmals zu. Mit Leitzinssenkungen ist die Notenbank angesichts der Inflationsrisiken vorsichtig. Die Präsidentschaftswahlen im Mai können Blockaden lösen. Mit einem BIP-Wachstum von voraussichtlich 3 % wird die polnische Wirtschaft 2025 erneut zu den dynamischsten in der EU gehören und kann damit Fortschritte im Aufholprozess zum EU-Durchschnitt erzielen. Zuletzt erreichte das Land knapp 80 % des Pro-Kopf-BIP der EU- Länder. Inwieweit Polen von seinem großen Binnenmarkt profitieren kann, muss sich im Laufe des Jahres zeigen. Die Verbraucher sind etwas optimistischer ins Jahr gestartet und die Einzelhandelsumsätze haben ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Die Erwartungen der In- dustrie verbessern sich aber nur zögerlich. Die Industrieproduktion bleibt bislang gebremst und die Kapazitätsauslastung ist im ersten Quartal wieder auf 76 % gesunken. Da die Verfügbarkeit von Arbeitskräften derzeit unkritisch ist und die Unternehmen noch Spielraum beim Auslastungsgrad haben, kalkulieren sie vorsichtiger mit Neueinstellungen. Die Arbeitslosen- quote ist daher im vergangenen Jahr nicht nennenswert zurückgegangen und blieb zum Jahresanfang 2025 mit 5,4 % genauso hoch wie ein Jahr zuvor. Mit zusätzlichem Wirtschaftswachstum wird die Nachfrage nach Arbeits- kräften aber zunehmen. Die Investitionen profitieren davon, dass die Regie- rung Tusk einen guten Kontakt zur EU pflegt, Refor- men u.a. im Justizwesen angestoßen hat und so blo- ckierte EU-Gelder verfügbar werden. Außerdem tra- gen zusätzliche Mittel für die Landesverteidigung zum Wirtschaftswachstum bei. Das schwache Wachstum in Handelspartnerländern wie Deutschland und eine hö- here Importnachfrage begrenzen den Beitrag des Au- ßenhandels. Die von den USA angedrohten Zölle wer- den Polen wohl v.a. indirekt tangieren. Direkt expor- tiert Polen nur gut 3 % seiner Waren in die USA. Fast 30 % gehen nach Deutschland, v.a. Elektrotechnik, Kfz/-Teile, Maschinen und Nahrungsmittel. Zuneh- mend spielen Dienstleistungsexporte in den Berei- chen IT, Telekommunikation und Finanzen eine Rolle. Inflationsschub von den Energiepreisen Ein Wehrmutstropfen in der konjunkturellen Erholung ist die Inflation, die im Juli 2024 einen Sprung machte, nachdem die Energiepreisbremse teilweise aufgehoben wurde. Dieser zusätzliche Inflationsimpuls wird ab Mitte 2025 nicht mehr spürbar sein. Die komplette Aufhe- bung der Energiepreisbremse ist für September avi- siert. Mit zuletzt 5,4 % liegt die Inflation deutlich oberhalb des Zentralbankziels von 2,5 % (+/- 1 Pro- zentpunkt). Im Durchschnitt ist für 2025 eine Teue- rung von 4,5 % zu erwarten. Marion Dezenter Senior Country Analyst Tel. 069/91 32-28 41 Konsumenten trauen sich wieder mehr % gg. Vj., real, saisonbereinigt Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 2023 2024 2025p 2026p BIP, real\* % gg. Vj. 0,0 2,8 3,0 3,5 Inflationsrate % gg. Vj. 11,4 3,6 4,5 3,5 Arbeitslosenquote % 5,2 5,1 4,9 4,5 Budgetsaldo % des BIP -5,3 -5,7 -5,7 -4,7 \*kalenderbereinigt; Quellen: EU, Eurostat, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Polen © Helaba | Research &amp; Advisory | 6. März 2025 2 von 3 Zentralbank vorsichtig mit Zinssenkungen Der Zloty hat seit der Wahl Donald Trumps im letzten November gegenüber dem Euro spürbar an Wert zugelegt. Zum einen hält sich die Zentralbank seit September 2023 mit weiteren Zinssenkungen zurück, während in den Nachbarländern und in der Eurozone die Leitzinsen sanken. Zum anderen hoffen Investoren offenbar, dass unter dem Einfluss des US-Präsidenten der Krieg in der Ukraine beendet wird. Für Polen als unmittelbaren Nachbarn der Ukraine bringt größere Unsicherheit eine erhöhte Volatilität der Währung mit sich. Unruhe am Devisen- markt könnte es auch nach der Präsidentschaftswahl im Mai geben, falls Ministerpräsident Tusk doch wei- ter mit einem der oppositionellen PiS (Recht und Ge- rechtigkeit) nahestehenden Präsidenten zusammen- arbeiten müsste, der Reformen ausbremst. Aktuell scheint das Aufwertungspotenzial des Zloty ausge- schöpft, ein Niveau von etwa 4,3 Zloty je Euro dürfte auf mittlere Sicht die Risiken angemessener wider- spiegeln. Die polnische Notenbank wird voraussichtlich weiter an der Zinsschraube drehen und den Leitzins auf Jah- ressicht bis auf ca. 5 % reduzieren. Sie wird aber zu- nächst zurückhaltend bleiben, zumal die Inflation noch deutlich oberhalb ihrer Zielmarke liegt. Für die nächste Sitzung Mitte März ist deshalb noch kein Zinsschritt zu erwarten. Voraussichtlich wird die Zentralbank ab- warten, bis sich in der Politik und bei der Inflation ein klareres Bild ergibt, also z.B. wie es in der Ukraine weiter- geht und ob die Energiepreisbremse noch weiter verlängert wird. Mit den nächsten Zinssenkungen ist daher ab der zweiten Jahreshälfte zu rechnen. Wahljahre sind keine Konsolidierungsjahre In Polen wird am 18. Mai ein neuer Präsident gewählt. Erreicht kein Kandidat eine Mehrheit, wonach es derzeit aussieht, findet der zweite Wahlgang am 1. Juni statt. Amtsinhaber Duda, der vor seiner Zeit als Präsident Mitglied der PiS-Partei war, kann nach zwei Amtszeiten verfassungsgemäß nicht mehr antreten. Nach jüngsten Umfragen liegt Rafał Trzaskowski, ein Kandidat aus dem Regierungsbündnis, mit rund 34 % der Stimmen vorn. Dies würde ein Ende der PiS-nahen Blockadepolitik bedeuten. Aber auch dann blieben zügige Reformen aufgrund des breiten politischen Spektrums innerhalb der Koalition schwierig. Dass die Haushaltskonsolidierung aktuell nicht forciert wird, dürfte auch dieser Wahl geschuldet sein. 2024 lag das öffentliche Defizit bei 5,7 % des BIP, 2025 dürfte die Größenordnung ähnlich sein. An der großzügigen Sozial- politik der Vorgänger wollte die Regierung vor der Wahl wohl keine größeren Einschnitte vornehmen. Eine weitere Belastung der öffentlichen Haushalte resultiert aus den stark steigenden Militärausgaben: Bereits im Vorjahr lag Polen mit seinen Verteidigungsausgaben bezogen auf das BIP mit rund 4 % an der Spitze der NATO-Staaten (gegenüber gut 3 % in den USA und 2 % in Deutschland). 2025 soll diese Größe nochmals auf 4,7 % steigen. Sich weiter auf die bislang starke Bündnispartnerschaft mit den USA zu verlassen, erscheint fahrlässig. Außerdem investiert Polen stark in die Kernenergie, in erneuerbare Energien und Stromnetze, um auch nach dem geplanten Kohleausstieg die Energieversorgung zu sichern. EU-Ratspräsidentschaft setzt auf Sicherheit Die Priorität höherer Verteidigungsausgaben vor der Haushaltskonsolidierung spiegelt auch die EU-Ratspräsi- dentschaft, die Polen am 1. Januar 2025 von Ungarn übernommen hat. Erklärtes Ziel dieser Ratspräsidentschaft ist Sicherheit, nicht nur in militärischer Hinsicht, sondern auch z.B. Energie- und Nahrungssicherheit. Weitere Themen sind die stärkere Verknüpfung von Strukturreformen mit der Auszahlung von EU-Kohäsionsmitteln sowie Stabile Zinsen stärken Zloty Zloty je Euro % Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Polen © Helaba | Research &amp; Advisory | 6. März 2025 3 von 3 der nächste Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) ab 2028. Wegen der Präsidentschaftswahlen im Mai dürfte die Mög- lichkeit, das politische Profil auf europäischer Bühne zu schärfen, besonders willkommen sein. Trotz des guten Kontakts zur EU seit dem Regierungswechsel Ende 2023 wird Polen eigene Akzente setzen, denn in der EU strebt das Land ein höheres politisches Gewicht an. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. 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BIP-Wachstum 2025 voraussichtlich 3 %, Inflationsschub durch Energiepreise. Sicherheitsüberlegungen haben Priorität, national und für die polnische EU-Ratspräsidentschaft. Präsidentschaftswahlen im Mai könnten politische Blockaden lösen.
