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title: "Im Fokus Großbritannien: Lichtblicke, aber keine stahlende Zukunft"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Großbritannien: Lichtblicke, aber keine stahlende Zukunft

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 19. Mai 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. Mai 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Großbritannien: Lichtblicke, aber keine strahlende Zukunft Das hohe BIP-Wachstum in Großbritannien wird sich nicht fortsetzen, selbst wenn die Belastun- gen aus dem globalen Handelskonflikt begrenzt bleiben. Bei solider Konjunktur wird die Bank of England die Geldpolitik behutsam lockern. Für das Pfund besteht wenig Aufwertungspotenzial. Ein Deal mit Donald Trump, robustes BIP-Wachstum im ersten Quartal und eine Währung, die insgesamt aufgewertet hat – nach einem ernüchternden zweiten Halbjahr 2024 hellen sich die Aussichten für Großbritannien wieder auf. Allerdings ist doch einiges eher wacklig. Noch vor kurzem gab es einen leichten „Liz-Truss-Moment“, als die britischen Anleiherenditen an- zogen und das Pfund nachgab. Mittlerweile hat sich die Situation beruhigt. Der Euro-Pfund- Kurs sank wieder auf 0,84. Gegenüber dem US-Dollar liegt die britische Währung sogar seit Jahresbeginn im Plus. Großbritannien konnte mit Trump-Amerika das erste Handelsabkommen nach Verhängung der „reziproken“ Zölle abschließen. Im Detail wirkt der Inhalt aber doch bescheiden: Für die meisten britischen Produkte bleiben die US-Importzölle bei 10 %. Stahl und Aluminium sind bis zu einer Menge zollfrei. Bis zu 100.000 Autos können zu einem Zollsatz von „nur“ 10 % in die USA exportiert werden. Umgekehrt können die USA mehr und leichter insbesondere Agrarprodukte nach Großbritannien ausführen. Letztlich würden britische Produkte höher verzollt als vor Trump, wenn auch auf einem halbwegs erträglichen Niveau. Großbritan- nien stand ohnehin nie im Fokus des Trumpschen Handelskrieges. Übrigens vertieft Großbritannien auch wieder die Zusammenarbeit mit der EU, obgleich dies vorerst kaum wirtschaftliche Folgen haben wird. Schließlich rüttelt die britische Regierung nicht am Austritt aus EU-Binnenmarkt und Zollunion. Nachdem die britische Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2024 mehr oder weniger stagnierte, sprang im ersten Quartal 2025 das Wachstum mit 0,7 % an. Die hohe Dynamik erklärt sich vor allem aus dem Außenhandel. Der kräftige Anstieg der Exporte beruht wohl auch auf zollbedingten Vorzieheffekten und ist angesichts der internationalen Verwerfungen nicht fortzuschreiben. Während der private Konsum leicht zulegte und die Staatsausgaben geringfügig sanken, überraschten die Unternehmensinvestitionen mit einem Plus von fast 6 %. Die britischen BIP-Zahlen waren zuletzt geprägt durch kleinere Sondereffekte. Zudem fiel in den letzten Jahren das erste Quartal stets ungewöhnlich gut aus, was Pro- bleme in der Saisonbereinigung nahelegt. Die jüngste BIP-Zahl stellt daher einen Ausreißer dar, in der Folge wird das Wachstum vermutlich nur gering ausfallen. Insgesamt sollte sich die britische Konjunktur 2025 solide entwickeln. Steigenden Realeinkommen stützen den privaten Konsum, selbst wenn sich der Arbeitsmarkt ein wenig abschwächt. Zuletzt floss ein größerer Teil der Ein- kommenszuwächse in die Ersparnis. Die recht hohe Sparquote von über 11 % birgt jedoch einen gewissen Puffer Christian Apelt, CFA Devisenstratege Tel. 069/91 32-47 26 Erstes Quartal stets mit höchstem BIP-Wachstum % gg. Vorjahr % gg. Vorquartal Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory BIP gg. Vorquartal (rechte Skala) BIP gg. Vorjahr (linke Skala) -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 -3 0 3 6 9 12 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 22 23 24 25 Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Großbritannien © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. Mai 2025 2 von 4 bzw. sogar positives Überraschungspotenzial. Vom Wohnungsmarkt sollte kein großer positiver Vermögenseffekt kommen, da sich der Anstieg der Häuserpreise zuletzt verlangsamte. Die Unternehmen leiden unter den globalen Unsicherheiten. Die Stimmungsindikatoren verschlechterten sich überwiegend. Daher überraschte das starke Wachstum im ersten Quartal und weckt Zweifel daran. Das Handelsab- kommen mit den USA dürfte zumindest für etwas Verlässlichkeit sorgen. Allerdings ist der wichtige Pharmasektor hier noch ausgenommen. Die höheren Sozialversicherungsbeiträge für Unternehmen ab April sollten belasten. Die Unternehmensinvestitionen dürften viel weniger zulegen, im Gesamtjahr bleibt das Plus jedoch kräftig. Hingegen zeigten sich die Bauinvestitionen schwach. Der Export ist insbesondere von der Fortentwicklung des internationalen Handelskonflikts abhängig. Groß- britannien ist dank des Deals mit den USA zwar weni- ger betroffen, das Land würde aber indirekt unter den Problemen anderer Volkswirtschaften Einbußen erlei- den. Eine Gegenbewegung bei den Exporten ist im zweiten Quartal wahrscheinlich. Der britische Staat galt vor wenigen Monaten noch als Wachstumsmotor. Die neue Labour-Regierung stellte steigende Ausgaben und mehr Schulden in Aussicht. Geringere Steuereinnahmen, höhere Zins- zahlungen und zusätzliche konjunkturelle Unsicher- heiten verringern jedoch den fiskalischen Spielraum. Ohnehin belasten Anhebungen indirekter Steuern bzw. der höhere Sozialversicherungsbeitrag. Die staatlichen Wachstumsimpulse fallen daher bescheiden aus. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2025 mit 1 % solide wachsen, aber auch nicht stärker als das mitt- lerweile auf 1,1 % nach oben korrigierte BIP im Vorjahr. Dies wäre erneut besser als in der Eurozone, wenngleich nur marginal. Sofern der Gegenwind von der Weltwirtschaft nachlässt, kann das Wachstum 2026 mit 1,5 % dyna- mischer ausfallen. Hilfreich sollte dann die geldpoliti- sche Lockerung sein, die erst zeitverzögert ihre Wir- kung entfaltet. Die Inflation lag in Großbritannien im März bei 2,6 %. Dabei sind hier schon die neuen Steuern für private Schulen enthalten. In den folgenden Monaten wird die Teuerung wohl wieder über 3 % klettern, da u.a. die Energieversorger ihre Preise anheben. Trotz der ge- sunkenen Rohölnotierungen wird die Entlastung von den Energiepreisen nachlassen. Die Kernteuerung lag mit 3,4 % höher, da insbesondere die Dienstleistungs- preise noch deutlich steigen. Teilweise ist letzteres auch staatlichen Maßnahmen geschuldet. Mittelfristig dürften sich die Dienstleistungen aber langsamer ver- teuern, da sich die in dem Sektor wichtige Lohndyna- mik verringern sollte. Während die Gesamtinflation 2025 mit mindestens 3 % noch hoch ausfällt, dürfte sie im nächsten Jahr zurückgehen. Die 2 %-Zielmarke der Bank of England wird aber wohl so schnell nicht erreicht wer- den. Die Bank of England (BoE) senkte im Mai ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 %. Während zwei Mitglieder für einen größeren Schritt votierten, stimmten zwei andere Notenbankvertreter sogar gegen eine Zinssenkung. Dieses gespaltene Votum spricht eher für einen künftig vorsichtigen Kurs der BoE. Bislang reduzierte sie den Leit- zins – anders als die EZB – nur einmal im Quartal. Dieses Tempo wird wohl beibehalten, denn auch sonst gab es Investitionen als Wachstumstreiber Reale Ausgaben, indexiert Q4 2021 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory GBP GBPPrivater Konsum Unternehmensinvestitionen Wohnungsbau Staat 94 97 100 103 106 109 112 115 118 94 97 100 103 106 109 112 115 118 2022 2023 2024 2025 Inflation bleibt vorerst noch erhöht % gg. Vorjahr Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Percent Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel Dienstleistungen 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Großbritannien © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. Mai 2025 3 von 4 wenig Signale für eine zügigere Lockerung. Da das Zinsniveau jedoch noch erhöht ist, wird die BoE trotz der ei- gentlich noch zu hohen Inflation weiter den Leitzins verringern. In ihrer Inflationsprojektion auf Basis der am Markt erwarteten Zinsen wird das Inflationsziel gegen Ende des Prognosezeitraums marginal unterschritten. Dies spricht für Lockerungen gemäß dieser Markterwartungen. Bis Ende 2025 wird die BoE den Leitzins vermutlich auf 3,75 % senken. Weitere Schritte könnten 2026 folgen. Das Britische Pfund ist kein sicherer Anlagehafen. Dies erkennt man daran, dass in manchen nervösen Marktphasen die britischen Staatsanleiherenditen steigen und zugleich die Währung abwertet. Wobei ein solches Marktverhalten jüngst erstaunlicherweise sogar beim US-Dollar zu beobachten war. Das klassi- sche Beispiel war, als im Herbst 2022 die Steuerpläne der damaligen Premierministerin Liz Truss am Markt abgestraft wurden: sowohl Pfund als auch Anleihe- kurse sanken deutlich. Gewöhnlich machen steigende Renditen eine Währung attraktiver. In den letzten Mo- naten wirkte sich jedoch zeitweise selbst eine in den USA ausgelöste Schwäche am Rentenmarkt auch in Großbritannien negativ aus, das Pfund gab ebenso nach. Diese Effekte galten am Devisenmarkt jedoch nur temporär. Denn der Pfund-Dollar-Kurs ist seit Jah- resbeginn trotzdem gestiegen und notiert über 1,33. Die allgemeine Dollar-Schwäche zeigte sich gegen- über dem Pfund allerdings nicht so ausgeprägt wie gegenüber anderen Währungen. Gegenüber dem Euro hat das Pfund seit Jahresbeginn abgewertet. Nach der jüngsten Erholung der briti- schen Währung ist das Minus jedoch nur noch gering. Die im Vergleich zur BoE forscheren Zinssenkungen der EZB hätten das Pfund gegenüber dem Euro eigent- lich sogar stärken können. Die Unsicherheiten hinge- gen bleiben trotz einer Entspannung erst einmal eine Belastung für die britische Währung. Wenn im zweiten Halbjahr die EZB ihren Zinssenkungskurs beendet, während die britische Notenbank diesen noch fort- setzt, erhält der Euro-Pfund-Kurs von dieser Seite leichten Rückenwind. Der Wechselkurs dürfte daher Ende 2025 mit 0,85 etwas höher notieren. Gegenüber dem US- Dollar könnte das Pfund dann ein wenig nachgeben, sofern sich in den USA bis dahin die Nervositäten legen. Insgesamt besteht auf Basis aktueller Kurse wenig Auf- wertungspotenzial für das Pfund. Pfund und Renditen zeitweise negativ korreliert % USD Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Percent 10j. Gilts (linke Skala) GBP-USD (rechte Skala) 1,05 1,10 1,15 1,20 1,25 1,30 1,35 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 JSNJMMJSNJMMJSNJMM 2022 2023 2024 2025 Per saldo nur leichte Abwertung gegenüber Euro %-Punkte GBP Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory EUR-GBP (rechte Skala) Spread 2j. Staatsanleihen Deutschland vs. UK (linke Skala) 0,82 0,83 0,84 0,85 0,86 0,87 0,88 0,89 0,90 -2,50 -2,25 -2,00 -1,75 -1,50 -1,25 -1,00 -0,75 -0,50 -0,25 0,00 Jan Apr Jul Okt Jan Apr Jul Okt Jan Apr 2023 2024 2025 aktuell\* Q2/25 Q3/25 Q4/25 Q1/26 Brit. Pfund/ Euro 0,84 0,84 0,84 0,85 0,85 US-Dollar/ Brit. Pfund 1,33 1,31 1,31 1,29 1,29 \* 16.05.2025 Quellen: Bloomberg, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Großbritannien © Helaba | Research &amp; Advisory | 19. Mai 2025 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Pro- gnosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Britische Wirtschaft startete sehr robust ins Jahr, wird aber 2025 insgesamt eher solide wachsen. Bank of England wird Zinssenkungskurs behutsam fortsetzen. Britisches Pfund erholte sich von Rückschlägen, besitzt jedoch kaum noch Aufwertungspotenzial.
