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title: "Im Fokus Vietnam: Zoll-Deal mit Unsicherheiten"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Vietnam: Zoll-Deal mit Unsicherheiten

Im Fokus: Länder 29. September 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. September 2025 1 von 3 Research &amp; Advisory Vietnam: Zoll-Deal mit Unsicherheiten Vietnam ist im US-Zollstreit anscheinend mit einem blauen Auge davongekommen. Wachstums- risiken bestehen dennoch, genau wie Verunsicherung über die Umsetzung einiger Zölle. Vietnam gehört zu den dynamischsten Schwellenländern weltweit. In den letzten zehn Jah- ren wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – mit Ausnahme der Coronajahre 2020 und 2021 – stets um mehr als 5 %. Selbst in der Pandemie konnte das Land weiter positive Wachstums- raten aufweisen, während die meisten Volkswirtschaften deutliche Rückgänge verbuchen mussten. 2024 legte das vietnamesische BIP um beeindruckende 7,1 % gg. Vj. zu. Gestützt wird das Wachstum durch wirtschaftsfreundliche Reformen, eine junge und stei- gende Bevölkerungszahl sowie die zunehmende Integration in regionale und globale Liefer- ketten. Nachdem die erste Trump-Regierung 2018 einen Handelskrieg mit China begonnen hatte, konnte sich Vietnam als attraktiver Produktionsstandort im Rahmen der „China-plus- Eins-Strategie“ westlicher Länder etablieren. Das Land gilt als einer der größten Profiteure des US-chinesischen Handelsstreits und zieht robuste ausländische Direktinvestitionen an. Der diversifizierte und exportorientierte Fertigungssektor trägt maßgeblich zum vietnamesischen BIP-Wachstum bei. Perspektivisch dürfte Vietnam zwar eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften im asiatischen Raum bleiben, allerdings wird das Land mit einigem Gegenwind konfrontiert sein. US-Präsident Trumps protektionisti- sche Handelspolitik und die neu eingeführten Zölle stellen ein Risiko für das Wachstum dar, denn die vietnamesi- sche Wirtschaft ist in hohem Maße von Exporten abhängig. Im vergangenen Jahr machten Ausfuhren 83 % des vietnamesischen BIPs aus. Damit ist Vietnam beson- ders anfällig für Handelskonflikte, was auch im regio- nalen Vergleich sichtbar wird. Die USA sind nach China der zweitgrößte Handelspartner Vietnams und stehen bei den Exporten sogar an erster Stelle. Etwa ein Drit- tel der Gesamtexporte ist für den US-Markt bestimmt. Dementsprechend eilig hatte es die Regierung um Mi- nisterpräsident Pham und man begab sich als eines der ersten Länder in bilaterale Verhandlungen mit den USA. Seit Anfang August fällt demnach für die meisten viet- namesischen Exporte in die USA ein Zollsatz in Höhe von 20 % an. Waren, die aus Drittländern über ein an- deres Land in die USA eingeführt werden (sogenann- tes Transshipping) unterliegen sogar einem zusätzli- chen Umschlagszoll von 40 %. Damit will die Trump-Regierung verhindern, dass Güter – vor allem aus China – über Länder mit niedrigerem Zollsatz als das Ursprungsland in die USA gelangen. US-Produkte können im Rahmen des Abkommens zollfrei nach Vietnam eingeführt werden. Insgesamt ist die Belastung für Vietnam damit niedriger als die ursprünglich am Liberation Day im April angedrohten 46 % – damals einer der höchsten Zollsätze weltweit, was die Sorgen um das vietnamesische Wachstum befeuerte. Viola Julien Länderrating/-analyse Tel. 069/91 32-20 32 Vietnam regionaler Exportchampion Anteil der Gesamtexporte am BIP in %\* \* Vietnam 2024: EIU-Schätzung Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Vietnam © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. September 2025 2 von 3 Auch wenn sich Vietnams Regierung einen niedrigeren Zollsatz erhofft hatte, ist das Land mit 20 % vergleichs- weise glimpflich davongekommen. Vietnam weist nach Mexiko und China immerhin den drittgrößten Handels- überschuss weltweit gegenüber den USA auf, sodass hier auch ein deutlich höherer Zollsatz denkbar gewesen wäre. Auf die wichtige Exportwirtschaft des Landes dürfte sich jedoch auch der niedrigere Wert nachteilig auswir- ken. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres wies Viet- nam eine dynamische Exporttätigkeit auf. Besonders bei den Ausfuhren in die USA lässt sich ein steiler An- stieg beobachten, während der Handel mit dem zweit- wichtigsten Exportmarkt China keinen merklichen Schub erfahren hat. Dies dürfte vor allen auf Vor- zieheffekte zur Umgehung der US-Zölle zurückzufüh- ren sein. Insgesamt ist für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr mit einer Verlangsamung zu rechnen. Das Wachstumsziel der vietnamesischen Re- gierung für 2025 wurde auf 8,3 bis 8,5 % beziffert – ein Wert, der bereits vor Inkrafttreten der US-Zölle höchst ambitioniert anmutete. Realistischer erschei- nen uns die Schätzung von Weltbank und IWF, die für 2025 ein Plus von 6,6 % bzw. 6,5 % gg. Vj. prognostizieren. Für das kommende Jahr rechnet die Weltbank mit einer Abschwächung auf 6,1 %, während sich der IWF mit einer Projektion von 5,6 % etwas pessimistischer zeigt. Die Wachstumsaussichten sind derweil mit großer Unsicherheit behaftet, vor allem in Bezug auf den vietname- sischen Handel im Zusammenhang mit den eingangs erwähnten Umschlagsprodukten aus Drittländern. Eine ein- deutige Definition, wann Exporte als Transshipments gelten und entsprechend der zusätzliche Umschlagszoll von 40 % zum Tragen kommt, liegt bislang nicht vor. Vietnam ist in hohem Maße von chinesischen Vorleistungsgütern und Rohstoffimporten abhängig. Dies wirft Fragen für vietnamesische Produzenten und Exporteure auf, da nicht klar ist, ab welchem chinesischen Komponentenanteil ein Produkt als Re-Export gilt. Mittelfristig sollte Vietnam seine Lieferketten für die Beschaffung daher weiter diversifizieren. Vietnam wird aufgrund seiner gut entwickelten Pro- duktionsinfrastruktur, seines niedrigen Lohnni- veaus bei gleichzeitig gut ausgebildeten Arbeits- kräften und politischer Stabilität weiter Direktinves- titionen anziehen. Gleichzeitig liegt Vietnam mit sei- nem US-Zollsatz von 20 % nur einen Prozentpunkt über den Zöllen anderer Länder in der Region, sodass hier praktisch keine Konkurrenz auf der Exportebene oder Produktionsverlagerungen drohen. Sollte sich eine deutliche Verlangsamung des Wachs- tums abzeichnen, hat der Staat zudem Spielraum für fiskalische Unterstützungsmaßnahmen. Das Haus- haltsdefizit summierte sich 2024 auf 1,9 % des BIP und die Staatsverschuldung liegt mit knapp 36 % des BIP deutlich unter dem Mittelwert Südostasiens (66 %). Die Regierung wird daher den wichtigsten politischen Trend der wirtschaftlichen Liberalisierung weiter vorantreiben und kann so dem Gegenwind durch den Handel mit einem großen Infrastrukturschub und umfassender Investitionstätigkeit begegnen. Zu den wichtigsten geplanten Projekten gehört der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn vom Norden in den Süden des Landes. Gleichzeitig etabliert sich Vietnam mit Investitionsvorhaben in der Halbleiterherstellung weiter in der globalen Chipindustrie. Auch künftig beeindruckendes Wachstum? % gg. Vj.\* \*ab 2025 Weltbank-Schätzung Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Anstieg der Exporttätigkeit zum Jahresbeginn Vietnamesische Exporte, Mrd. US-Dollar Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Vietnam © Helaba | Research &amp; Advisory | 29. September 2025 3 von 3 Ein großer Vorteil Vietnams ist darüber hinaus seine Mitgliedschaft in zahlreichen bi- und multilateralen Han- delsabkommen auf regionaler und globaler Ebene. Vor allem die Zusammenarbeit und die Handelsbeziehungen mit den anderen Ländern in der ASEAN-Gemeinschaft1 dürfte sich in Reaktion auf die US-Zölle intensivieren. Ent- sprechende Verhandlungen wurden bereits beim ASEAN-Gipfel im Mai dieses Jahres abgeschlossen. Im Juni er- hielt Vietnam zudem formell den Status eines Partnerlandes innerhalb der BRICS-Staaten – ein wichtiger Schritt, die globale Integration des Landes durch diversifizierte wirtschaftliche Partnerschaften und verstärkte multilate- rale Ausrichtung voranzutreiben. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. 1 Die ASEAN umfasst derzeit zehn südostasiatische Mitgliedsstaaten mit insgesamt mehr als 600 Mio. Einwohnern. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

US-Zölle für Vietnam auf ähnlichem Niveau wie in regionalen Nachbarstaaten. Hohe Unsicherheit bezüglich der Behandlung von Re-Exporten aus China. Vietnam treibt regionale und globale Integration voran.
