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title: "Im Fokus Japan: Neue Dynamik trotz Unsicherheiten"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Japan: Neue Dynamik trotz Unsicherheiten

Im Fokus: Länder 26. November 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. November 2025 1 von 4 Research &amp; Advisory Japan: Neue Dynamik trotz Unsicherheiten Die japanische Wirtschaft wächst 2026 zwar langsamer, aber noch solide. Insbesondere die Bin- nennachfrage entwickelt sich gut. Unter anderem wird der Staatskonsum etwas zunehmen. Geo- politische Spannungen stellen ein Risiko für den japanischen Außenhandel dar. Japan bot 2025 neue Rekordstände im Nikkei, Zinserhöhungen und zuletzt auch eine neue Regierung. Zudem kamen durch die US-Zölle neue wirtschaftspolitische Herausforderungen und in den Beziehungen zu China geopolitische Spannungen hinzu. Trotz dieser Unsicherhei- ten kehrte das Wirtschaftswachstum nach Japan zurück: Für 2025 erwarten wir ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,4 %, was für japanische Verhältnisse ein deutlich überdurch- schnittlicher Wert ist. Das darf einen aber nicht in übermäßigen Optimismus verfallen lassen, da die Vergleichsquartale des Vorjahres außergewöhnlich schwach ausfielen und somit die Messlatte niedrig lag. Für 2026 bleibt die Prognose mit einem erwarteten BIP-Wachstum von 0,8 % verhaltener. Treiber des Wachstums: Unternehmensinvestitionen und Konsum Für die Aufwärtsrevision unserer BIP-Prognose für 2025 sind hauptsächlich die Unternehmensinvestitionen und der private Konsum verantwortlich. Beide fielen jeweils überraschend gut aus. Trotz der bestehenden Unsicherhei- ten zeigten sich die Unternehmen investitionsfreudig und erhöhten ihre Ausgaben für Maschinen und Aus- rüstungen deutlich. Seit Mitte 2024 liegen die Verän- derungsraten im Jahresvergleich über der Nulllinie. Das annualisierte Quartalswachstum lag zuletzt sogar bei 7,6 % – ein ermutigendes Signal für die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Diese Investitionen tra- gen nicht nur kurzfristig zum Wachstum bei, sondern stärken auch das langfristige Produktivitätspotenzial der Wirtschaft. Nach mehreren starken Quartalen dürfte sich das Wachstum der Investitionen zwar et- was abschwächen, jedoch voraussichtlich weiterhin positiv bleiben. Auch die Verbraucher tragen zum Wachstum bei. Der private Konsum wuchs sechs Quartale in Folge dank steigender Realeinkommen. Die realen Arbeitnehmereinkommen stiegen zuletzt auf Jahressicht um ca. 1 % und es spricht wenig gegen ein weiteres Wachstum. Für 2026 erwarten wir daher, dass der private Konsum weiterhin moderat zulegen kann. Samuel Will Devisenstratege Tel. 069/91 32-74 88 Ausrüstungsinvestitionen sorgen für Wachstum Veränderung in % Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Japan © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. November 2025 2 von 4 Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der ange- spannte Arbeitsmarkt, der durch die demografische Entwicklung und eine niedrige Arbeitslosigkeit ge- prägt ist. Die alternde Bevölkerung führt zu einem strukturellen Arbeitskräftemangel, was die Verhand- lungsposition der Arbeitnehmer stärkt und die Löhne stützt. Besonders bei Dienstleistungen, die weniger einfach durch Importe ersetzt werden können, bleibt der Lohndruck hoch. Dies wirkt sich positiv auf die Konsumlaune aus und sorgt für eine stabile Binnen- nachfrage. Hinzu kommt, dass die Sparneigung der Haushalte zurückgeht und wohl auf diesem Pfad bleibt. Auch eine fallende Inflationsrate unterstützt die reale Kaufkraft und somit den künftigen Konsum. US-Zölle und Exportprobleme Die im April eingeführten US-Zölle belasten das Verarbeitendes Gewerbe in Japan spürbar. Die Maschinenexporte in die USA gingen seit Trumps „Liberation Day“ stark zurück. Besonders betroffen ist der für die japanische Wirt- schaft wichtige Automobilsektor, aus dem rund ein Drittel der Exporte in die USA gingen. Auch wenn die Zölle für Einfuhren aus Japan mittlerweile auf 15 % reduziert wurden, sollte dies weiterhin ein Belastungsfaktor für die ja- panischen Exporte darstellen. Zwar erholten sich die Kfz-Exporte nach dem starken Einbruch etwas, dennoch ist dies kein Einmalschock, der schnell aufgeholt wird. Entlang der Wertschöpfungskette sind auch nachgelagerte Effekte bei Zulieferern zu erwarten, wodurch die ge- samte Industrie beeinträchtigt wird. Hinzu kommt die strukturelle Veränderung des Auto- mobilmarkts, bei dem sich auch japanische Hersteller gegen günstigere Konkurrenz aus China schwertun. Die Herausforderungen im Exportgeschäft werden durch geopolitische Spannungen mit China, Japans größtem Handelspartner, zusätzlich verschärft. Äuße- rungen Takaichis über die Unabhängigkeit Taiwans führten bereits zu Importverboten für Meeresfrüchte und Tourismusbeschränkungen. Die angespannten Beziehungen bergen das Risiko weiterer Handels- hemmnisse. Auf der positiven Seite sorgt die aktuelle Schwäche des Yen für eine verbesserte Wettbewerbs- fähigkeit japanischer Exporteure auf den Weltmärk- ten. Der schwächere Yen macht die japanischen Pro- dukte im Ausland günstiger und könnte so zumindest teilweise die negativen Effekte der Zölle abfedern. Dennoch bleibt das außenwirtschaftliche Umfeld angesichts der protektionistischen Tendenzen in den USA und der Unsi- cherheiten im Handel mit China herausfordernd. Fiskalische Ausweitung und internationale Spannungen Die liberaldemokratische Premierministerin Takaichi erreicht mit der neu gebildeten Koalition mit der rechtskon- servativen „Ishin“ zwar keine absolute Mehrheit. Die fehlenden zwei Sitze im Unterhaus – dem wichtigeren der bei- den Häuser – sollte sie aber von Kleinparteien oder Parteilosen erhalten können und somit nicht als „lame duck“ starten. Takaichi ist politisch dem Lager des ermordeten Ex-Premiers Abe zuzuordnen und steht wie dieser für eine expansive Fiskalpolitik. Das Kabinett beschloss über ein Zusatzbudget in Höhe von 21,3 Billionen Yen (ca. 118 Mrd. EUR), eine Erhöhung um 27 % gegenüber dem Vorjahr. Immerhin ist eine Einflussnahme auf die Geldpo- litik, wie zu Zeiten Abes, nicht zu erwarten. Exporte in die USA stark rückläufig Japanische Exporte, Dezember 2024 = 100 Mrd. JPY Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Reale Einkommenszuwächse stützen Konsum % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Japan © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. November 2025 3 von 4 Ein Schwerpunkt ihrer Politik liegt auf der Stärkung der nationalen Sicherheit. Takaichi ist eine ausgesprochene Kritikerin von Chinas militärischem und wirtschaftlichem Einfluss in der Region. Dabei betont sie unter anderem die Bedeutung von Taiwans Unabhängigkeit, wofür sie deutliche Kritik in chinesischen Regierungskreisen erntete. Der Koalitionspartner und außenpolitische Äußerungen Takaichis deuten zudem auf stärkere Verteidigungsausga- ben in Japan hin. Die Beziehungen zu China werden damit zu einem zentralen Risiko für Japan. Neben den Zöllen für Exporte in die USA könnte ein zusätz- licher handelspolitischer Konflikt mit China die japa- nische Wirtschaft erheblich belasten. Insgesamt bleibt die fiskalische Lage Japans angespannt. Nachdem sich der Budgetsaldo in den letzten Jahren verbessert hatte und sogar in Richtung eines ausgeglichenen Haushalts tendierte, erwarten wir für 2026 eine Ver- schlechterung. Die Anleihemärkte reagierten bereits mit höheren Risikoprämien auf die zu erwartenden steigen- den Staatsausgaben. Die Regierung setzt auf Wachstum durch Investitionen und eine Stärkung der Verteidigungs- fähigkeit, muss dabei aber die Risiken einer steigenden Verschuldung und geopolitischer Eskalationen im Blick behalten. Anhaltende Inflation und weitere Zinsschritte Die Inflation verlangsamte sich 2025 etwas, scheint sich jedoch festzusetzen. Dies ist teilweise auf die Reispreise zurückzuführen, die sich im Jahresverlauf verdoppelten und damit einen spürbaren Beitrag zur Gesamtinflation leisten. Allerdings ist die Teuerung inzwischen breiter angelegt: Auch im Dienstleistungssektor, insbesondere in den Bereichen Transport und Kommunikation, steigen die Preise weiter. Damit ist eine Rückkehr zur Deflation, wie sie Japan über viele Jahre prägte, nicht zu erwarten. Für 2026 erwarten wir eine Teuerung von 2,0 %. Angesichts der anhaltenden Inflation bleibt die Bank of Japan auf einem Kurs vorsichti- ger geldpolitischer Straffung. Das traditionell eher zurückhal- tende geldpolitische Komitee hebt die Leitzinsen in kleinen Schritten an. Bis Ende 2026 sind zwei Erhöhungen um je- weils 0,25 Prozentpunkte rea- listisch. Der Leitzins stünde dann bei 1 %. Diese Maßnah- men haben zwar nur begrenzte direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft, senden aber ein wichtiges Signal an die Märkte und sollten dazu beitragen, die langfristigen Inflationserwartungen zu stabilisieren. Auch eine etwas expansivere Fiskalpolitik dürfte daran wenig ändern, solange die Zentralbank glaubwürdig an ih- rem Kurs festhält. Die Währung des einzigen Industrielandes, das sich in einem Straffungszyklus befindet, sollte hiervon profitieren. Der Japanische Yen dürfte im Jahresverlauf aufwerten1. 1 Zum Japanischen Yen siehe auch „Märkte und Trends 2026“ vom 12. November, S. 20. Lebensmittel treiben Preise – Dienstleistungsinflation setzt sich fest % Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 2024 2025s 2026p 2027p BIP, real % gg. Vj. -0,2 1,4 0,8 0,8 Inflationsrate % gg. Vj. 2,7 3,2 2,0 2,0 Arbeitslosenquote % 2,5 2,5 2,5 2,4 Budgetsaldo % des BIP -1,5 -1,5 -2,0 -2,0 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Japan © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. November 2025 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. 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Wachstum: 2025 starkes Wachstum, 2026 moderater Anstieg, gestützt durch stabile Binnennachfrage. Risiken: US-Zölle und Spannungen mit China belasten Exporte. Fiskal- und Geldpolitik: Regierung liefert Fiskalimpulse, Notenbank erhöht die Zinsen vorsichtig.
