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title: "Im Fokus Frankreich: Reformen dringend notwendig"
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updated: 2026-09-28
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Frankreich: Reformen dringend notwendig

Im Fokus: Länder 17. Dezember 2025 © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Dezember 2025 1 von 3 Research &amp; Advisory Frankreich: Reformen dringend notwendig Ohne Reformen droht die französische Verschuldung aus dem Ruder zu laufen. Angesichts der innenpolitischen Lage wird es jedoch schwierig, hier einen Konsens zu finden. Frankreich stand in den letzten Wochen und Monaten immer wieder im Fokus der Marktteil- nehmer. Die ausufernde Staatsverschuldung und die instabile innenpolitische Lage meh- ren die Sorgen um den Zustand der Grande Nation. Zur Erinnerung: Nach dem Rückschlag bei den Europawahlen 2024 kündigte Präsident Macron die Auflösung des Parlaments und vor- gezogene Neuwahlen an. Sein Ziel, hieraus mit einem gestärkten Mandat und einer stabilen parlamentarischen Mehrheit für sein zentristisches Bündnis hervorzugehen misslang jedoch gründlich. Seither ist das Parlament zwischen linken und rechten Lagern zersplittert, keine Fraktion verfügt über eine klare Mehrheit und seit September 2024 ist bereits die vierte Re- gierung im Amt. Einer der größten Spannungspunkte ist die Haus- haltspolitik. Reformen und Einsparungen stoßen auf starke Ablehnung in der Bevölkerung. Vor allem die von Macron initiierte Rentenreform, die die Her- aufsetzung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre vorsieht, ist hoch umstritten und hatte in der Vergangenheit be- reits massiven Widerstand ausgelöst. Konsolidierungspläne, die das französische Haushaltsdefizit (2024: 5,8 % des BIP, nach 5,5 % im Vorjahr) durch Ausgabenkürzungen verringern sollen, finden im zerklüfteten Parlament nur schwer eine Mehrheit. Koalitionsbildung und politische Kompromisse sind Fremdwörter in dem vom Mehr- heitswahlrecht geprägten Frankreich. Premierminister Michel Barnier, der im Nachgang der Neuwahlen von Präsi- dent Macron ernannt worden war, wurde nach nur knapp 100 Tagen im Amt durch ein Misstrauensvotum gestürzt. Seinen Nachfolger François Bayrou ereilte das gleiche Schicksal nach gut neun Monaten. Der aktuelle Premierminister, Sébastien Lecornu, überstand dagegen bereits zwei Misstrauensvoten. Verbunden war dies allerdings mit der Ankündigung, die Rentenreform bis nach der nächsten Parla- mentswahl 2027 zu suspendieren – ein Zugeständnis an die politische Linke und andere Oppositionspar- teien. Auf deren Stimmen ist Lecornu angewiesen, um den Haushalt 2026 durch das Parlament zu bekom- men. Geplant sind Einsparungen in Höhe von 30 Mrd. Euro, finanziert durch Ausgabenkürzungen und Steu- ererhöhungen. Durch die Aussetzung der Rentenre- form wird die Haushaltslage jedoch noch fragiler: Die Regierung rechnet für die kommenden zwei Jahre mit Mehrkosten von 2,2 Mrd. Euro. Viola Julien Länderrating/-analyse Tel. 069/91 32-20 32 Frankreich lebt über seine Verhältnisse Staatsverschuldung 2024, Bio. Euro Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory 2024 2025s 2026p 2027p BIP, real % gg. Vj. 1,1 0,9 1,1 1,0 Inflationsrate % gg. Vj. 2,3 1,0 1,5 2,1 Arbeitslosenquote % 7,4 7,6 7,8 7,6 Budgetsaldo % des BIP -5,8 -5,7 -5,2 -5,1 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Frankreich © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Dezember 2025 2 von 3 Reformen sind unentbehrlich, denn die Verschuldung ufert aus. Die französischen Staatsschulden belaufen sich auf rund 3,3 Bio. Euro, der absolut höchste Wert in der Europäischen Union. In Relation zum BIP beträgt die Schuldenquote 114 % und wird lediglich von Griechenland und Italien übertroffen. Mitte des Jahres hat die EU ein Defizitverfahren gegen Frankreich eingeleitet, da die Neuverschuldung regelmäßig über dem Maastricht-Grenz- wert von 3 % liegt. Zwar lebt Frankreich bereits seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse – den letzten ausgegli- chenen Haushalt erzielte man Anfang der 70er Jahre. Aber genau wie die Schuldenlast wächst die Erkenntnis, dass die Regierung möglicherweise nicht in der Lage ist, sich auf die erforderlichen Reformen und Maßnahmen zu ver- ständigen. Zwei große Ratingagenturen haben bereits reagiert und die Kreditwürdigkeit der zweitgrößten Volkswirt- schaft der Eurozone herabgestuft. Auch an den Kapi- talmärkten goutiert man die Entwicklung mit einem Vertrauensverlust. Die Rendite französischer Staats- anleihen ist seit Mitte 2024 deutlich gestiegen und lag zum ersten Mal seit der Einführung des Euros zeit- weise über ihrem italienischen Pendant. Aktuell ren- tieren 10-jährige OATs und italienische BTPs fast gleichauf, die Risikoprämie gegenüber deutschen Bundesanleihen bewegt sich um 75 Basispunkte. Während sich allerdings der italienische Risikoauf- schlag gegenüber deutschen Bunds seit drei Jahren immer weiter verringert hat – Giorgia Melonis Haus- haltspolitik überzeugt die Marktteilnehmer offenbar – ist der französisch-deutsche Spread immer weiter gestie- gen. Höhere französische Anleiherenditen treiben die ohnehin immense Zinslast (2026 erwartet: 59,3 Mrd. Euro) weiter nach oben. Allen innen- und haushaltspolitischen Widrigkeiten zum Trotz legte das französische Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal um überraschend starke 0,5 % gg. Vq. zu und lag damit über dem Durchschnitt der Eurozone (+0,3 %). Im Gesamtjahr 2025 dürfte die Wirtschaft um 0,9 % wachsen. Damit setzt Frankreich seinen Wachstumskurs der letzten Jahre fort, während sich Deutschland wohl mit mageren 0,3 % zufriedengeben muss – wohlgemerkt nach zwei Jahren Negativwachs- tum. In Frankreich kamen Wachstumsimpulse zuletzt von den robusten Unternehmensinvestitionen (+0,9 % gg. Vq.) und dem überraschend starken Außenbeitrag (+0,9 % gg. Vq. – Exportanstieg +2,2 %). Im kommen- den Jahr rechnen wir für das französische BIP mit ei- nem Anstieg um 1,1 % gg. Vj. Nichtsdestoweniger bleiben die eingangs erwähnten Herausforderungen bestehen. Die politische Krise ist nicht gelöst, die Zustimmungswerte für Präsident Macron sind historisch niedrig. Dieser ist zwar bis 2027 gewählt und lehnte Rücktrittsforderungen bislang ab. Ein weiteres Scheitern der Regierung dürfte aber vorgezogene Neuwah- len zur Folge haben. Macrons Hoffnungen liegen daher auf Premierminister Lecornu. Immerhin: Gut drei Wochen vor Ablauf der Frist zum Jahresende konnte der Sozialversicherungshaushalt mit hauchdünner Mehrheit verab- schiedet werden. Zum ersten Mal seit 1958 wurde damit ein Haushaltsgesetz in der Nationalversammlung be- schlossen, in der die Regierung keine Mehrheit hat – und dies ohne Zuhilfenahme von Artikel 49.3, der eine Verab- schiedung ohne Abstimmung ermöglicht, jedoch ein Misstrauensvotum nach sich gezogen hätte. Damit hat Le- cornu erreicht, woran seine beiden Vorgänger gescheitert waren und zumindest für einen Teil des Haushalts einen Kompromiss erzielt. Eine erneute Regierungskrise ist damit abgewendet – zumindest vorerst. Risikoaufschläge Frankreichs steigen Zinsdifferenz 10-jährige Staatsanleihen gegenüber Bunds, %-Punkte Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Wachstum trotz politischer Unsicherheiten % gg. Vj.\* \*ab 2025 Prognosewerte Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Frankreich © Helaba | Research &amp; Advisory | 17. Dezember 2025 3 von 3 Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Verschuldung auf Rekordniveau – Reformen dringend notwendig. Minderheitsregierung und politische Instabilität hemmen Fortschritte. Wachstum zuletzt überraschend robust.
