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title: "Im Fokus Ungarn: Wachstum in Sicht – und ein Machtwechsel?"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Ungarn: Wachstum in Sicht – und ein Machtwechsel?

Im Fokus: Länder 26. Februar 2026 © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. Februar 2026 1 von 3 Research &amp; Advisory Ungarn: Wachstum in Sicht – und ein Machtwechsel? Die Konjunktur legt 2026 wieder zu, die gesunkene Inflation eröffnet Zinssenkungsspielräume. Die Wahl im April läuft auf ein Duell hinaus, das sich unter anderem auf den Forint auswirkt. Neue Wachstumsrekorde wird die ungarische Wirtschaft absehbar nicht aufstellen. Nach einem Plus von nur 0,3 % im Vorjahr kann 2026 aber mit einer deutlichen Beschleunigung auf 2,0 % gerechnet werden. Niedrigere Zinsen, Nachholbedarf bei Unternehmensinvestiti- onen und fiskalpolitische Wahlgeschenke treiben die Inlandsnachfrage an. Die geringere Inflation in Verbindung mit höheren Löhnen steigert die Kaufkraft der Verbraucher. Dies dürfte sich beim Konsum, aber auch in Form zusätzlicher Importe bemerkbar machen. Aller- dings wird das stärkere Wirtschaftswachstum bei europäischen Handelspartnern den Expor- ten zugutekommen, sodass der Außenbeitrag das BIP-Wachstum voraussichtlich nicht brem- sen wird. Inflation trotz des Aufschwungs niedriger Die Aussichten für die Teuerung haben sich zu Jahresbeginn aufgehellt: Mit einer Inflation von 4,4 % im Jahres- durchschnitt 2025 hatte Ungarn eine der höchsten Teuerungsraten in der EU. Dienstleistungen, Haushaltsenergie sowie Alkohol und Tabak verteuerten sich überdurchschnittlich. Die ungarische Zentralbank (MNB) übte daher bis- lang Zurückhaltung und hielt den Leitzins von September 2024 bis Februar 2026 konstant bei 6,5 %. Das neue Jahr begann mit freundlicheren Inflationsdaten, wobei schon die hohen Vorjahreswerte durch einen sogenannten Basiseffekt inflationsdämpfend wirkten. Zudem schwächten niedrigere Energiepreise und der stärkere Forint die Inflation ab. So ging sie von 3,3 % im Dezember auf 2,1 % im Januar zurück und blieb damit unter dem Inflations- ziel der Zentralbank von 3 % (+/- 1 Prozentpunkt). Schwächere Inflation öffnet Zinssenkungsspielraum Im ersten Halbjahr bremsen staatliche Preisobergrenzen auf Grundnahrungsmittel und Haushaltsartikel, die inzwi- schen bis Ende Mai verlängert wurden, die Teuerung. Danach ist im zweiten Halbjahr mit höheren Inflationsraten zu rechnen. Insgesamt werden die Preise 2026 um voraussichtlich 3,0 % steigen, deutlich weniger als im Vor- jahr. Die günstige Inflationsentwicklung, bei der zuletzt auch die Kerninflation und die um indirekte Steuern berei- nigte Inflation die niedrigsten Raten seit Jahren aufwiesen, eröffnet Spielräume für Zinssenkungen: Die Zentral- bank MNB hat im Februar die 1 ½-jährige Phase konstanter Leitzinsen beendet und die Baserate um 25 Basis- punkte auf 6,25 % gesenkt. Mit mindestens zwei Lockerungsschritten ist den nächsten Monaten noch zu rechnen. Forint-Stärke dank attraktiver Zinsen Da sich diese Lockerungsschritte bereits abzeichnen, sollten sie die Währung nicht spürbar schwächen. Seit Anfang 2025 wertet der Forint gegenüber dem Euro auf, vor allem wegen des unterschiedlichen Niveaus der Leitzinsen: Während die EZB bis Mitte 2025 kontinu- ierlich den Einlagezins bis auf 2 % senkte, liegt der ungarische Leitzins seit September 2024 über 6 %. Gemein- sam mit Rumänien ist dies das höchste Niveau unter den EU-Ländern ohne Euro. Marion Dezenter Senior Country Analyst Tel. 069/91 32-28 41 2024 2025 2026p 2027p BIP, real\* % gg. Vj. 0,6 0,3 2,0 2,5 Inflationsrate % gg. Vj. 3,7 4,4 3,0 3,7 Arbeitslosenquote % 4,4 4,4 4,3 4,2 Budgetsaldo % des BIP -5,0 -5,0 -5,2 -4,5 \*kalenderbereinigt; Quellen: EU, Eurostat, Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Ungarn © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. Februar 2026 2 von 3 Damit hat sich ein Zinsgefälle herausgebildet, das die Geldanlage in Ungarn attraktiv macht. Dass die Konjunktur 2026 voraussichtlich wieder Fahrt aufnimmt, kommt ebenfalls dem Forint zugute. Die anhaltenden Streitigkeiten mit der EU, geopolitische Unsicherheiten und der auch von den Rating-Agenturen angemahnte Konsolidierungs- bedarf der öffentlichen Haushalte bremsen allerdings das Aufwertungspotenzial der ungarischen Währung. Erweitert man den Zeithorizont, so zeigt sich, dass der EUR-HUF-Kurs trotz dieser Aufwertung schwächer notiert als vor Beginn des Ukraine-Kriegs vor vier Jahren. Zwar rücken aufgrund der unberechenbaren US-Handelspolitik EU-interne Alternativen für Belieferung und Absatz in den Fokus europäischer Unternehmen. Im Automobilsektor etwa setzen viele Unternehmen auf Produktionsstätten in Zentralosteuropa und auch in Ungarn. Problematisch ist aber Orbáns Nähe sowohl zu Trump als auch zu Putin, die ihn in der EU in eine Außenseiterrolle bringt. Für die weitere Entwicklung des EUR-HUF-Kurses ist, abgesehen vom Ausmaß der Zinslockerungen, der Ausgang der Wahl im April von Bedeutung. Bleibt Orbán Ministerpräsident, dürfte das Aufwertungspotenzial des Forint weitgehend erschöpft sein. Eine Ablösung durch einen EU-freundlicheren Premierminister Magyar sollte die unga- rische Währung hingegen stärken. Dann dürfte sich der Forint auf Werte um 350 festigen, gegenüber aktuell rund 380 Forint je Euro. Ein Teil der aktuellen Forint-Stärke ist mutmaßlich darauf zurückzuführen, dass einige Marktteilnehmer auf diesen Ausgang setzen und sich im Vorfeld der Wahl positionieren. Parlamentswahl mit ungewissem Ausgang Das Ergebnis der Parlamentswahl wird Auswirkungen auf das Verhältnis Ungarns zur EU haben, aber auch auf den Einfluss der Rechtspopulisten in der EU-Politik und auf Ungarns EU-Fördermittel. Magyar – selbst Rechtsan- walt und ehemaliges Mitglied der regierenden rechtsgerichteten Fidesz – dürfte im Falle eines Wahlsiegs umge- hend versuchen, die Beziehungen zur EU aufzupolieren, um bei den EU-Fördergeldern voranzukommen: Unter anderem wegen Mängeln bei der Unabhängigkeit der Justiz hat die EU umfangreiche Mittel aus Struktur- und Hilfsfonds blockiert. Orbán hat die erforderlichen Reformen verschleppt, wodurch dem Land bereits Fördergelder in Milliardenhöhe entgangen sind. Beim Corona-Wiederaufbauprogramm der EU können die Länder nur noch bis zum Sommer Mittel beantragen, die Auszahlungsphase endet im Dezember 2026. Mit dem jüngsten Gutachten der Generalanwältin beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) kündigt sich neues Un- gemach für Orbán an: Es kommt zu dem Schluss, dass die EU-Kommission im Dezember 2023 zu Unrecht gut 10 Mrd. Euro aus den Kohäsionsfonds für Ungarn freigegeben hat, da die Bedingungen dafür – u.a. Justizrefor- men – nicht erfüllt waren bzw. nicht ausreichend geprüft wurden. Eine besondere Note bekommt der Vorgang, weil Orbán am Tag nach der Mittelfreigabe bei einer Abstimmung den Raum verlassen und so den Weg für Beitrittsver- handlungen mit der Ukraine freigemacht hat. Das EuGH-Urteil ist nicht vor 2027 zu erwarten. Es besteht das Ri- siko, dass Ungarn ausbezahlte Gelder zurückerstatten muss. Ein Regierungswechsel würde Ungarns Chancen auf die Auszahlung von Fördergeldern erhöhen. Im Falle Polens gab die EU-Kommission Anfang 2024 nach dem Sieg der Opposition relativ zügig Gelder frei. Neue Lockerungsrunde voraus Forint profitiert von Zinsdifferenzen Leitzinsen, % Wechselkurse zum Euro, Indizes, 01.01.2020 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Quellen: Macrobond, Helaba Research &amp; Advisory Im Fokus: Länder – Ungarn © Helaba | Research &amp; Advisory | 26. Februar 2026 3 von 3 Ungarn wieder besser in die EU und die NATO zu integrieren, zählt Oppositionsführer Magyar zu den Prioritäten seiner angestrebten Amtszeit. Auch die Themen Euro-Einführung und Rechtsstaatlichkeit finden sich im Wahlpro- gramm von Tisza (Respekt- und Freiheitspartei). Auf der Agenda stehen zudem ein progressiveres Steuersystem, Korruptionsbekämpfung und eine Wende in der Energiepolitik, weg von russischer und hin zu erneuerbarer Ener- gie. Mit der jüngsten Bitte eines großen ungarischen Energiekonzerns, wegen Engpässen strategische Öl- reserven freizugeben, könnte dieses Thema an Bedeu- tung gewinnen. An der restriktiven Haltung in der Migrationspolitik will Magyar festhalten. Ein Wahlsieg von Tisza vor der regierenden Fidesz (Ungarischer Bürgerbund) am 12. April ist trotz hoher Umfragewerte keineswegs sicher. Zum einen unter- scheiden sich die Erhebungen je nach politischem Hintergrund des Umfrageinstituts deutlich und wei- sen z.T. widersprüchliche Ergebnisse auf.1 Zum ande- ren hat die Regierung das Wahlrecht mehrfach geän- dert und Wahlkreise neu zugeschnitten – abgestimmt auf Fidesz-Bedürfnisse, wie Kritiker bemängeln. Selbst im Falle eines Wahlsiegs wird es Tisza vielfach schwer haben, Orbáns „Reformen“ wieder abzuschaffen. Eine Besonderheit des ungarischen Wahlsystems ist, dass die Position des Wahlsiegers zusätzlich gestärkt wird. Der Fidesz ermöglichte dies 2022 eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament, bei einem Stimmanteil von nur 53 %. Diese nutzte die Regierung, um die Verfassung zu ändern und Schlüsselpositionen etwa im Justizwesen zu beset- zen. Nun stellt sich die Frage, ob sich diesmal die Opposition über einen Mehrheitsbooster freuen und gegebe- nenfalls mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit wieder für mehr Rechtsstaatlichkeit sorgen kann. Spannung am Wahltag ist allemal garantiert. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. 1 Daher Verwendung der zusammengefassten Umfragen von Politico, zur Systematik siehe: How POLITICO Poll of Polls tracks polling trends across Europe – POLITICO Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/ Deutlicher Vorsprung kein Garant für Wahlsieg Stimmanteile laut Umfragen in % Stand 17.2., MH=Unsere Heimat, DK=Demokr. Koalition, MKKP (Satirepartei) Quellen: Politico1, Helaba Research &amp; Advisory 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 Tisza Fidesz MH DK MKKP 5 %-Hürde

BIP-Wachstum beschleunigt sich 2026 auf 2,0 %, Inflation bleibt mit 3 % unter dem Vorjahresdurchschnitt. Zentralbank nimmt nach längerer Pause ihre Zinssenkungen wieder auf. In den Umfragen zur Parlamentswahl im April liegt die Opposition vorn. Dies kommt dem Euro-Forint-Kurs zugute.
