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title: "Im Fokus Polen: Bremsklotz (Geo-)Politik"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Polen: Bremsklotz (Geo-)Politik

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 30. April 2026 © Helaba | Research | 30. April 2026 1 von 4 Helaba Research Polen: Bremsklotz (Geo-)Politik Das Wirtschaftswachstum bleibt im EU-Vergleich stark. Energiepreissprünge bremsen jedoch die Konjunkturdynamik und treiben die Inflation. Leitzinssenkungen pausieren. Europa wird 2026 über weite Strecken von den Folgen des Irankriegs und der gestiegenen geopolitischen Unsicherheit geprägt. Polen, das in die europäischen Lieferketten eingebun- den ist, spürt die Auswirkungen ebenfalls. Der große Binnenmarkt und die Diversifizie- rung von Energiequellen dämpfen jedoch die konjunkturellen Einflüsse aus dem Ausland. Bei Öl und Gas hat Polen in den letzten Jahren auf Lieferanten in Saudi-Arabien, Norwegen und den USA umgestellt. Insgesamt muss knapp die Hälfte der benötigten Energie impor- tiert werden. Damit liegt Polen unter dem EU-Durchschnitt von knapp 60 %. In der EU wird Polen beim BIP-Wachstum wieder zu den Spitzenreitern gehören. Schon der furiose Schlusspunkt 2025 hebt das Land in diesem Jahr auf ein anderes Level: Die Wirt- schaft wuchs im vierten Quartal real um 3,9 % (saison- und kalenderbereinigt). Selbst ohne nennenswerten Schwung im Verlauf von 2026 würde das BIP gegenüber dem Vorjahr um über 1 ½ % zulegen. Während das erste Quartal 2026 von den Folgen des Irankriegs noch wenig beeinträchtigt wurde, ist für die Folgequartale mit Brems- spuren zu rechnen. Der private Verbrauch sowie Investitionen, die durch den verstärkten Abruf von EU-Geldern unterstützt werden, federn dies jedoch ab. Wachstumsimpulse kommen außerdem von steigenden Verteidigungs- ausgaben. Aus heutiger Sicht dürfte 2026 das BIP-Wachstum 3,5 % erreichen. Rückgang bei der Inflation ausgebremst Durch Lieferschwierigkeiten haben sich die Energie- preise deutlich verteuert. Dies trifft vor allem ener- gieintensive Branchen, wie die Chemieindustrie (z.B. Düngemittelhersteller), Logistikunternehmen und private Verbraucher. Bei Industrie und Dienstleistun- gen sind Gas und Strom die dominierenden Energie- quellen, bei Haushalten Bioenergie, Gas und Kohle zu fast gleichen Teilen. Dagegen ist die Logistik nahezu komplett auf Öl angewiesen (Stand 2023). Strom wird noch zu über 50 % aus Kohle generiert, die weitest- gehend im Inland abgebaut wird. Jedoch soll der Ein- satz von Kohle nach Regierungsplänen zurückgefah- ren werden. Kernkraft, die bislang nicht genutzt wird, und erneuerbare Energien, die knapp ein Drittel zur Stromerzeugung beitragen, werden daher ausgebaut. Bei den Verbraucherpreisen war von 2,1 % im Ja- nuar und Februar ein kräftiger Sprung auf 3 % im März und 3,2 % im April zu beobachten. Die Regie- rung kombiniert mehrere Maßnahmen, um gegenzu- steuern. Dazu zählen die Reduzierung der Mehrwert- Marion Dezenter Senior Country Analyst Tel. 069/91 32-28 41 Energiepreisanstieg stoppt Inflationsrückgang % gg. Vj. Quellen: Macrobond, Helaba Research 2024 2025 2026p 2027p BIP, real\* % gg. Vj. 3,1 3,7 3,5 3,3 Inflationsrate % gg. Vj. 3,6 3,6 3,3 2,7 Arbeitslosenquote % 5,1 5,4 5,8 5,5 Budgetsaldo % des BIP -6,4 -7,3 -7,5 -6,3 \*kalenderbereinigt; Quellen: EU, Eurostat, Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Polen © Helaba | Research | 30. April 2026 2 von 4 steuer und der Verbrauchsteuer auf Diesel und Benzin sowie die Vorgabe von Preisgrenzen (derzeit befristet bis Mitte Mai). Darüber hinaus zieht das Parlament eine Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel in Erwägung. Von der Lohnentwicklung kommt derzeit kein größe- rer Inflationsimpuls. Da sich die Teuerung 2025 abge- schwächt hatte, wurden die Mindestlöhne zum Jahres- anfang nur um 3 % angehoben und auch der Durch- schnittslohn stieg schwächer als in den letzten Jah- ren. Die höheren Arbeitslosenzahlen begrenzen den Verhandlungsspielraum der Arbeitnehmer. Insgesamt dürfte die Inflation 2026 trotz der gestiegenen Ener- giekosten im Jahresdurchschnitt auf 3,3 % zurück- gehen, deutlich weniger, als es noch zu Jahresbeginn möglich schien. Die Regierungsmaßnahmen dürften einen Abschwung der Stimmungsindikatoren als Folge der verschlech- terten Rahmenbedingungen auffangen. Ganz abwen- den lässt sich eine Stimmungseintrübung aber wohl nicht. Dabei sind die Antworten der Industrieunternehmen, die im April von der Krise insgesamt noch unbeeindruckt waren, mit 40 % im Gesamtindex doppelt so hoch ge- wichtet wie die der Verbraucher. Dienstleister haben ein Gewicht von 30 %. Öffentliche Haushalte: Licht und Schatten Die polnische Fiskalpolitik ist seit Jahren expansiv: Neben höheren Sozialausgaben und Infrastrukturprojekten ist die Verteidigung ein bedeutender Ausgabeposten. Polen hat hier als NATO-Land an der Grenze zu einem Kriegs- gebiet ein besonderes Interesse und daher diesem Ausgabenblock im Haushalt eine hohe Priorität eingeräumt. Dadurch wird das Land wohl die neuen Ausgabenziele der NATO von insgesamt 5 % des BIP bereits 2026 und damit weit vor den meisten übrigen EU-Ländern nahezu erfüllen. Die Fiskalpolitik, aber auch die gestiegene Verzinsung der Staatsanleihen, schlagen sich in den Haushaltskenn- zahlen nieder. Der Schuldenstand ist zwar mit rund 60 % des BIP im EU-Vergleich moderat, hat 2025 aber einen neuen Höchststand erreicht. Für 10-jährige Staatsanleihen liegt die Rendite mit mittlerweile 5,8 % etwa 60 Basis- punkte über dem Niveau vom Jahresanfang. Das öffentliche Defizit nähert sich mit 7,3 % ebenfalls dem bisherigen Rekordwert aus 2010. Die ausufernde Neuverschuldung hat dazu geführt, dass auch Polen – wie rund ein Drittel aller EU-Länder – im Verfahren bei übermäßigem Defizit seine Budget-Planung mit der EU abstimmen muss. Zwar hat der Europäische Rat die Nationale Ausweich- klausel aktiviert, so dass höhere Fehlbeträge im öf- fentlichen Haushalt aufgrund steigender Verteidi- gungsausgaben nicht als Verstoß gegen die Haus- haltsregeln gewertet werden. Die Haushaltsbelastung besteht aber dennoch. Den 44-Mrd.-Euro-Kredit, den Polen aus dem SAFE-Programm der EU zu günstigen Konditionen hätte aufnehmen können, hat Präsident Nawrocki im März durch sein Veto mit der Begründung gestoppt, dies könne die Unabhängigkeit des Landes beeinträchtigen. Stimmungseintrübung absehbar Wirtschaftsklima: Index, Umfragewerte: Salden Quellen: Macrobond, Helaba Research Haushaltslöcher weiten sich aus % des BIP Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Polen © Helaba | Research | 30. April 2026 3 von 4 Wie beim SAFE-Programm ist Polen im Mehrjährigen Finanzrahmen der EU (aktuell 2021 bis 2027) und bei der Recovery and Resilience Facility (RRF) aus Corona-Zeiten der größte Nutznießer. Beim Mehrjährigen Finanzrah- men können in der Regel für bewilligte Projekte auch nach Ablauf des Zeitrahmens noch Mittel beantragt werden. Bei der RRF, die noch bis zum Jahresende läuft, haben die Länder nur bis September die Möglichkeit, die restli- chen Mittel zu beantragen, bis August müssen die vereinbarten Meilensteine erfüllt sein. Polen hat hier bislang gut 60 % der Mittel beantragt. Vorbehaltlich präsidialer Störmaßnahmen wird der rechtzeitige Abruf offener Gel- der aus der RFF das Wirtschaftswachstum unterstützen. Inflation stoppt Leitzinssenkungen Nach ihrem letzten Zinssenkungsschritt im März um 25 Basispunkte auf 3,75 % dürfte die Zentralbank den Leitzins in nächster Zeit konstant halten. Die Inflati- onsrate hat zuletzt Kurs auf den oberen Rand des Ziel- bereichs von 2,5 % (+/- 1 Prozentpunkt) genommen und könnte diesen im Jahresverlauf überschreiten. Damit ist der Spielraum für Zinssenkungen aktuell begrenzt, zumal für die EZB bereits Zinsanhebungen im Raum stehen. Der Zloty hat sich in den letzten Monaten gegenüber dem Euro mit kleineren Schwankungen seitwärts be- wegt. Die im EU-Vergleich guten Wachstumsaussich- ten, Direktinvestitionen aus dem Ausland und die Su- che von Investoren nach alternativen Anlagemöglichkeiten stärken die Währung. Zwar dürfte sich das Handelsbi- lanzdefizit bei weiterhin lebhafter Inlandsnachfrage und geschwächter Exporttätigkeit tendenziell ausweiten, je- doch überwiegen die stabilisierenden Faktoren. Insgesamt zeichnet sich bei einer allmählichen Normalisierung der Energiepreise im Zuge einer dauerhaften Lösung im Irakkrieg für die nächsten Monate eine Seitwärtsentwick- lung um den aktuellen Kurs von 4,2 Zloty je Euro ab. Aufwertungspotenzial besteht, wenn durch eine konstrukti- vere Zusammenarbeit von Staatsoberhaupt und Regierung Reformpotenziale in Polen gehoben werden könnten. Präsident bremst Regierungsarbeit Ein Hemmschuh ist die Blockadepolitik des amtieren- den Präsidenten Karol Nawrocki – parteilos, aber der PiS nahestehend – bei Gesetzesvorhaben der Regie- rung. Seit seinem Amtsantritt im August 2025 hat er bereits mehr Vetos eingelegt als sein Vorgänger Andrzej Duda in zehn Jahren. Um ein präsidiales Veto zu überstimmen, müsste die Regierung über eine 60 %-Mehrheit verfügen. Ob diese bei den Wahlen im Herbst 2027 erlangt wer- den kann, ist fraglich. Im Wahlkampf dürften die präsi- dialen Blockaden allerdings eine prominente Rolle spielen. Im Mai, wenn beim nationalen Landesjustizrat (KRS) Neubesetzungen anstehen, dürfte die Auseinan- dersetzung an Schärfe gewinnen. Der KSR schlägt dem Präsidenten Richter zur Ernennung vor, büßte aber unter der vorherigen Regierung der PiS seine Unabhängigkeit ein und wurde politisch instrumentalisiert. Ohne Nawro- ckis Zustimmung ist eine Änderung im Ernennungsverfahren nicht möglich. Verweigert Nawrocki weiterhin seine Mitwirkung, wird die Regierung Schwierigkeiten haben, die Rechtsstaatlich- keit, wie von der EU gefordert, wiederherzustellen. Die Auszahlung der ehemals blockierten EU-Mittel (insgesamt über 130 Mrd. Euro) war ursprünglich an Reformen im Justizsystem geknüpft, begann aber bereits kurz nach dem Wirtschaftliche Stärke unterstützt den Zloty Wechselkurse zum Euro Quellen: Macrobond, Helaba Research Auf Sicht keine weiteren Zinssenkungen % Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – Polen © Helaba | Research | 30. April 2026 4 von 4 Wahlsieg der jetzigen Regierung im Oktober 2023. Jedoch ist die Reformfähigkeit des Landes weiterhin einge- schränkt – zum geopolitischen Bremsklotz kommt auf nationaler Ebene eine politische Handbremse hinzu. Es bleibt zu hoffen, dass sich Regierung und Präsident auf das Wohl des Landes als gemeinsames Ziel besinnen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Die Inlandsnachfrage bremst konjunkturelle Belastungen durch den Irankrieg. Das BIP wächst 2026 um voraussichtlich 3,5 %. Die Inflation bleibt 2026 mit 3,3 % erhöht. Die Regierung versucht gegenzusteuern. Zinssenkungen sind vorerst gestoppt. Konflikte zwischen der Regierung und dem oppositionsnahen Präsidenten bremsen die Reformfähigkeit Polens.
