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title: "Im Fokus Deutschland: Reallöhne wieder auf Vorkrisenniveau"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus Deutschland: Reallöhne wieder auf Vorkrisenniveau

Im Fokus: Länder 22. Juni 2026 © Helaba | Research | 22. Juni 2026 1 von 3 Research Deutschland: Reallöhne wieder auf Vorkrisenniveau Hohe Inflation führt häufig zu Reallohnverlusten. Dies war in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland zu beobachten. Inzwischen liegen die preisbereinigten Löhne wieder auf dem Vor- krisenniveau von 2019. Für 2026 erwarten wir ein Nominallohnwachstum von etwa 3 %. In realer Rechnung wird davon kaum etwas übrigbleiben, denn die Inflationsrate dürfte im Jahresdurchschnitt bei 2,7 % liegen. Da die meisten Deutschen nicht auf einem großen Vermögen sitzen, das sie für ihre Ausga- ben verwenden können, sondern arbeiten müssen, um ihren Lebensstandard zu finanzie- ren, ist das Lohnniveau einer der wichtigsten Indikatoren für den Wohlstand. Genau ge- nommen müssen die Reallöhne betrachtet werden, die die Veränderungen des Preisni- veaus berücksichtigen. In Zeiten niedriger Inflation übersteigen die nominalen Lohnerhöhungen in der Regel die Teuerungsrate, sodass auch die preisbereinigten Löhne wachsen und den Lebensstandard der Beschäftigten verbessern. In Zeiten hoher Inflation ist es jedoch meistens so, dass die Löhne erst verzögert auf das neue Preisniveau reagieren. Denn die Tarifrunden finden zu geregelten Terminen statt und die Inflation sorgt auch dafür, dass sich die Lage in einigen Unternehmen verschlechtert. Daher sinken die Reallöhne zunächst bei erhöhter Inflation. Mit Verzögerung werden diese Verluste dann zwar meist wieder ausgeglichen. Dennoch bedeutet dies für die Beschäftigten, dass einige Zeit vergeht, in denen ihre Real- löhne nicht zunehmen und ihr Wohlstand ebenso wenig. Diese Entwicklung war in den vergangenen fünf Jahren zu beobachten. Die deutsche Preissteigerungsrate begann Ende 2021 signifikant zu stei- gen und infolgedessen nahmen die Reallöhne ab. Die nominalen Löhne stiegen weiter. Das be- deutet, dass die Beschäftigten zwar monatlich einen höheren Betrag überwiesen bekamen, sich davon aber weniger leisten konnten. Dieser Reallohnverlust wurde erst jüngst vollständig ausgeglichen, denn die Reallöhne sind im letzten Jahr erneut gestiegen – um 1,8 % (nominal: 4,1 %). Diese Entwicklung hat mit dazu beigetragen, dass die deutsche Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren kein Wachstum verzeichnete. Denn wenn die Beschäftigten eine geringere Kaufkraft haben, kann nicht erwartet wer- den, dass sie mehr konsumieren. Die privaten Konsumausgaben machen gut die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus. Wenn diese wichtige Komponente nicht wächst, ist eine positive BIP-Wachstumsrate also weniger wahr- scheinlich. Simon Azarbayjani Konjunktur Deutschland und Eurozone T 069/91 32-79 76 Reallohnverluste der letzten Jahre wieder ausgeglichen Saisonbereinigt, Index: Q1 2015 = 100 \*inkl. Sonderzahlungen Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 22. Juni 2026 2 von 3 Lohnerhöhungen durch Produktivitätssteigerungen Höhere Nominallöhne werden vor allem von zwei Faktoren beeinflusst: Inflation (die die Nominallöhne entwertet) und Produktivitätssteigerungen. Höhere Reallöhne müssen durch eine verbesserte Produktivität begründet wer- den. Die Produktivität ist definiert als Output pro Input. Bezogen auf die Arbeitsproduktivität heißt das: Produkti- onsmenge geteilt durch die absolvierten Arbeitsstunden. Auf makroökonomischer Ebene wird zur Berechnung der Produktivität das BIP durch die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden geteilt. Wenn die Arbeitnehmer pro Arbeitsstunde mehr Leis- tung erbringen – also produktiver sind – können die Arbeitgeber höhere Löhne zahlen, ohne wirtschaftlich schlechter gestellt zu sein. Produktivitätswachstum kann also als notwendige Bedingung für höhere Re- allöhne gesehen werden. In den letzten 15 Jahren entwickelten sich die Real- löhne und die Produktivität zunächst etwa im Gleich- lauf. Mit dem Beginn der Corona-Krise und der darauf- folgenden Inflationswelle entkoppelten sich die bei- den Zeitreihen. Mittlerweile haben sich die Reallöhne jedoch wieder normalisiert (siehe Chart). Abweichende Lohnentwicklungen nach Sektor Die Tariflöhne1 legten in den letzten 15 Jahren um 48 % zu. Im Bereich „Gesundheit &amp; Soziales“ war ein über- durchschnittlich hohes Lohnwachstum zu beobachten. Dies passt zur in einer alternden Gesellschaft zunehmen- den Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen. Die Tariflöhne stiegen hier im Zeitraum von 2010 bis 2025 um insgesamt 53 % (im Durchschnitt jährlich 2,9 %). Ebenfalls überdurchschnittlich entwickelten sich die tariflichen Gehälter im Bau- gewerbe, zu dem auch das Handwerk zählt. Die Tariflöhne stiegen hier um 50 % (etwa 2,75 % jährliche Wachstums- rate). Im Einzelhandel lag der Anstieg bei durchschnittlichen 48 % (2,65 % jährlich), wobei hier vor allem seit 2023 die Löhne kräf- tig zunahmen. Vor allem in die- sem Sektor profitierte die Lohn- entwicklung von der zuletzt kräf- tigen Erhöhung des Mindest- lohns. Dagegen wurden die Löhne im Verarbeitenden Gewerbe (44 % bzw. 2,45 % jährliche Wachstumsrate) und bei den Finanzdienstleistern (41 % bzw. 2,3 % jährliche Wachstumsrate) nur unterdurchschnittlich stark erhöht. Je- doch ist zu beachten, dass sich die Gehälter hier zwar schwächer entwickelt haben, aber absolut betrachtet weiter- hin auf einem höheren Niveau liegen. Die Bereiche „Gesundheit &amp; Soziales“, Bau und Einzelhandel haben also le- diglich „aufgeholt“. 1Nicht-preisbereinigt Reallöhne entwickeln sich mit der Produktivität Index: 2009 = 100 \*inkl. Sonderzahlungen Quellen: Macrobond, Helaba Research Tariflöhne besonders im Bereich Gesundheit und Soziales gestiegen Tariflöhne, monatlich inkl. Sonderzahlungen, Index: 2010 = 100 Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder – Deutschland © Helaba | Research | 22. Juni 2026 3 von 3 Die Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum um insgesamt 38 %, was einer durchschnittlichen Inflati- onsrate von 2,2 % entspricht. Damit haben im Betrachtungszeitraum die Beschäftigten in allen genannten Sekto- ren ein preisbereinigtes Lohnwachstum erzielen können, wenngleich dieses deutlich niedriger ausfällt als die Ta- riflohnerhöhungen. Kaum Wachstum der Reallöhne 2026 Im ersten Quartal 2026 lagen die Nominallöhne 4,1 % über dem Vorjahresniveau. Da die Löhne in Reaktion auf die hohen Inflationsraten in den letzten Jahren kräftig gestiegen sind, dürfte die Dynamik der Lohnerhöhungen im Jahresverlauf an Dynamik verlieren. Für 2026 insgesamt erwarten wir ein Nominallohnwachstum von etwa 3 %. In realer Betrachtung dürfte davon kaum etwas übrigbleiben, denn die Preissteigerungsrate dürfte im Jah- resdurchschnitt bei 2,7 % liegen. Die erhöhte Inflation resultiert vor allem aus dem Energiepreisschock infolge des Irankriegs. Nachdem Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian das sogenannte „Memorandum of Understanding“, also eine Absichtserklärung zur Beendigung des Irankriegs, unterzeichnet haben, hat sich der Ölpreis zunächst unter dem Niveau von 80 US-Dollar pro Barrel stabilisiert. Doch selbst wenn es jetzt zu einem Kriegsende und einer nachhaltigen Öffnung der Straße von Hormus kommen sollte, bleibt die Teuerung bis Ende des Jahres voraus- sichtlich über dem Zielwert der EZB von 2 %. Denn die höheren Energiepreise und die dadurch gestiegenen Trans- port- und Produktionskosten führen mit Verzögerung zu weiteren Preissteigerungen. Für die Beschäftigten wird durch die erhöhte Preissteigerung ein Großteil der Lohnerhöhungen „weginflatio- niert“. Für die deutsche Volkswirtschaft heißt das, dass 2026 kaum ein Wachstumsimpuls von den privaten Kon- sumausgaben kommen wird. Denn diese dürften lediglich um etwa 0,5 % zunehmen. Unsere Prognose für das deutsche BIP-Wachstum liegt bei 0,6 % gg. Vj. (preis- und kalenderbereinigt). Für 2027 erwarten wir ein BIP- Wachstum von 1,2 %. Dann dürften nämlich auch die privaten Konsumausgaben mit etwa 1 % wieder kräftiger zulegen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 - 2024 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. 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Reallöhne litten in den vergangenen Jahren unter der hohen Inflation. Schwaches Produktivitätswachstum belastete die Löhne zusätzlich. Aufgrund der hohen Teuerungsrate ist für 2026 kaum ein Reallohnwachstum zu erwarten.
