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title: "Im Fokus China: Auf Konfrontationskurs"
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updated: 2026-10-09
keywords: Länder & Regionen, Länderfokus
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# Im Fokus China: Auf Konfrontationskurs

Im Fokus: Länder &amp; Devisen 21. Juli 2026 © Helaba | Research | 21. Juli 2026 1 von 4 Helaba Research China: Auf Konfrontationskurs Die Kritik an der chinesischen Außenhandelspolitik wird in den Industrieländern immer lauter. Eine Wende ist nicht in Sicht, zumal die USA und die EU hier nicht an einem Strang ziehen. Die Regierung in Peking lässt eine leichte Aufwertung des zu schwachen Yuan zu. Derzeit vergeht keine Woche – auch nicht in der Sauregurkenzeit im Sommer – ohne Schlagzeilen über die Handelspolitik Chinas und/oder seine scheinbar unaufhaltbare Ex- portmaschinerie. Die Politik in Peking leistet dem Vorschub, indem sie regelmäßig ihre Am- bitionen für eine dominierende Rolle der chinesischen Wirtschaft in allen zukünftigen Schlüsseltechnologien lautstark betont. Die Suche nach einer Antwort auf diese Heraus- forderung fällt im „Westen“ unterschiedlich aus. Bestehende Abhängigkeiten – Stichwort „Seltene Erden“ – erschweren einen harten Kurs zur Eindämmung chinesischer Exporte oder Auslandsinvestitionen. In der EU behindert die unterschiedliche Interessenslage ein konzertiertes Vorgehen: Deutschland ist unter den großen EU-Ländern mit Abstand am stärksten betroffen – auch weil es vorher vom Aufstieg Chinas am meisten profitierte.1 Absolute nominale Horrorzah- len („Handelsüberschuss 2025 über 1 Bio. Dollar!“) oder ein- zelne Monatswachstumsraten („Exporte + 36 % gg. Vj.!“) ver- stellen aber eher den Blick auf die wirkliche Lage. Richtig ist, dass der Saldo der Warenhan- delsbilanz Chinas – also Exporte minus Importe – seit der Pande- mie im Trend gestiegen ist. Dies reflektiert eine Kombination aus anhaltend schwacher Nachfrage im Inland („Zero- Covid“, Immobiliencrash) und einer erfolgreichen Auswei- tung der Ausfuhren auch und gerade in den „Green-Tech“- und „High-Tech“-Bereichen, dem Handelskrieg Donald Trumps zum Trotz. In der Hochphase der „internationalen Ungleichgewichte“ (etwa 2006 bis zur Finanzkrise) waren die Überschüsse in der Warenhandelsbilanz Chinas relativ zum gesamtwirtschaftlichen Output höher als zuletzt. Wegen des kräftigen Wachstums Chinas beträgt der absolute Wert heute allerdings mit knapp 300 Mrd. US-Dollar ein Viel- faches des Standes von 2006/2007. Im Vergleich zur Situation vor rund 20 Jahren ist die Differenz zwischen Pro- duktion und Nachfrage deutlich größer, sowohl absolut als auch relativ zur Größe der restlichen Weltwirtschaft. Chinas Austausch mit dem Rest der Welt ist also – wie übrigens auch der Deutschlands – stark asymmetrisch: Es produziert mehr, als es nachfragt. 1 Siehe hierzu unseren Fokus Wie betrifft der China-Schock 2.0 die deutschen Branchen vom 17. September 2025. Patrick Franke Internationale Konjunktur T 069/91 32-47 38 Handelssaldo: Keine Rekordwerte relativ zur Größe der Wirtschaft Warenhandelsbilanzsaldo China, % am BIP\* \*geglättet Quellen: Macrobond, Helaba Research -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 1993 1997 2001 2005 2009 2013 2017 2021 2025 ca. 290 Mrd. USD ca. 65 Mrd. USD Im Fokus: Länder &amp; Devisen – China © Helaba | Research | 21. Juli 2026 2 von 4 Eine Korrektur würde weniger Output oder mehr Binnennachfrage erfordern – oder eine Kombination aus beidem. Dieses Ungleichgewicht erklärt einen guten Teil des politischen Gegenwinds, dem sich Chinas Außenwirtschafts- politik derzeit ausgesetzt sieht. Geopolitische Konkurrenz spielt allerdings auch eine zunehmende Rolle. Eine Fokussierung nur auf die Ausfuhren Chinas greift zu kurz, wenn man versucht, die Wirkung auf die globale Wirtschaft abzuschätzen. So ist der chinesische Außenhandel keine Einbahnstraße. Die Importe boomen trotz der dümpelnden Binnennachfrage und durch das gestiegene Gewicht Chinas spielt dies ebenfalls eine größere Rolle als vor zwei Jahrzehnten. Das Problem aus deutscher Sicht ist, dass wir an diesem Boom nicht mehr teilhaben. Wie das Schaubild zeigt, ist die Exportperformance Deutschlands – und Großbritanniens – deutlich schwächer als im Rest der Welt. Selbst die ande- ren EU-Länder schneiden merk- lich besser ab. Nur die Einfuhren aus den USA sind vor dem Hintergrund des Handels- und Technologie- streits zuletzt noch schlechter gelaufen. Vor allem Importe aus Rohstoffländern legen derzeit stark zu, aber auch jene aus anderen asiatischen Ländern – häufig wohl Vorprodukte, die dann wieder für den Export wei- terverarbeitet werden. Eine Wende im chinesischen Außenhandel zeichnet sich aktuell jedenfalls nicht ab. Da die Binnennachfrage in China weiterhin schwächelt, setzt die Regierung immer mehr auf den Wachstumsmotor Export. Angesichts des Wettrennens mit den USA bei der Entwicklung von KI wird sich an der grundsätzlichen Ausrichtung der chinesi- schen Wirtschaftspolitik in der nächsten Zeit wohl nichts ändern. Auf Kurs fürs Wachstumsziel Für das zweite Quartal liegt die offizielle Wachstumsrate bei 0,9 % gegenüber Vorperiode und bei 4,3 % gegen- über Vorjahr. Schon bei der Vorstellung der unerwartet guten Zahl für Q1 hatten Vertreter des Statistikamts eine niedrigere Rate für das Frühjahr in Aussicht gestellt und auf drohende Belastungen durch Lieferprobleme aus dem Persischen Golf verwiesen. Für das Gesamtjahr bleibt China auf Kurs, um zumindest den unteren Rand des Wachstumsziels von 4,5 % bis 5,0 % zu erreichen. Kräftige fiskalische Impulse oder eine nennenswerte Lockerung der Geldpolitik sind nicht absehbar, würden aber akut werden, wenn sich die Exportperformance und damit die Gesamtkonjunktur Chinas merklich abschwä- chen sollte. Damit rechnen wir 2026/2027 nicht. Hauptrisiken für das zweite Halbjahr 2026 sind eine neuerliche Eskalation des Irankonflikts und ein mögliches Ende des handelspolitischen „Waffenstillstands“ mit den USA. Energiepreise schieben Teuerung an Wie rund um die Welt hat der Irankrieg auch in China, das vor dem Krieg fast die Hälfte seiner Roh- ölimporte aus der Region bezog, einen Preisschub ausgelöst. Die Vorjahresrate der Verbraucherpreise lag im Januar bei 0,2 %. Für den Juni melden die Statistiker eine Teuerung von 1,0 %, aber die Summe der Vormonatsveränderungen über das vergangene Jahr ist fast einen halben Prozentpunkt höher. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen wir mit einem Anstieg des Verbraucherpreisindex um 1,2 %, verglichen mit unveränderten Preisen 2025 und einer Teuerung von nur 0,2 % in den Jahren 2023 und 2024. Ein deutsch/britisches Problem? Warenimporte Chinas Januar bis Mai 2026, Veränderung gegenüber Vorjahr in %\* \*nominale Werte in US-Dollar Quellen: Macrobond, Helaba Research -10 0 10 20 30 40 50 Rest der Welt D EU ohne D UK USA Lateinamerika Ozeanien Asien Insgesamt 2024 2025 2026p 2027p BIP, real % gg. Vj. 5,0 5,0 4,5 4,0 Inflationsrate % gg. Vj. 0,2 0,0 1,2 1,3 Arbeitslosenquote\* % 5,1 5,2 5,2 5,1 Budgetsaldo % des BIP -7,1 -7,9 -8,2 -8,5 \*"Surveyed". Quellen: Macrobond, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – China © Helaba | Research | 21. Juli 2026 3 von 4 Weitere leichte Aufwertung des Yuan erwartet Ein wichtiges Instrument für die Handelspolitik Chinas ist der eigene Wechselkurs. Da der Renminbi2 kein frei schwankender Wechselkurs ist, sondern die chinesische Zentralbank täglich einen Referenzkurs gegenüber dem US-Dollar festlegt, kann die chinesische Regie- rung den Yuan künstlich schwach halten. Der Internationale Währungsfonds ging in einer Studie zu Jahresbeginn von einer Unterbewertung um rund 16 % aus. Seither wertete der Yuan zwar leicht auf, dennoch bleibt er günstiger, als er es in einem frei handelbaren Markt wäre. Das politische Kalkül, mit einer günstigen Währung Exporte für ausländische Abnehmer zu verbilligen und dadurch die heimische Produktion anzukurbeln, war in den vergangenen Jahren erfolgreich – siehe oben. Die Kehrseite der Medaille ist die schwächere Kaufkraft der chinesischen Bürger. Wäre die Währung stärker, könnten Chinesen günstiger Produkte importieren, was den heimischen Konsum an- kurbeln würde. Vermutlich lässt die Kommunis- tische Partei auch deshalb zu, dass der Wechselkurs seit über einem Jahr leicht aufwertet. Eine stärkere Währung gibt den Bürgern eine größere Kauf- kraft und kann somit den Kon- sum ankurbeln. Sicher ist je- denfalls das politische Ziel mit der eigenen Währung eine Al- ternative zum Dollar-System in der Welt zu schaffen. Nicht nur China, sondern generell Staaten, die Sanktionen des Westens befürchten oder ihnen bereits unterliegen, sind daran interessiert, die Rolle des Dollars als Leitwährung zu schwächen. Da China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und geopolitisches Gewicht hat, ist der Yuan der natürliche Herausforderer. Um den Status des US-Dollars anzugreifen hat China im Jahr 2015 sein eigenes Zahlungsabwick- lungssystem namens „CIPS“ eingeführt. Mittlerweile wird immerhin rund die Hälfte des chinesischen Außenhan- dels in Yuan abgewickelt. Im Jahr 2010 war dieser Wert noch nahe Null. Doch auch wenn die iranische Regierung zuletzt medienwirksam ankündigte, Zölle auf Schiffe in Yuan oder Bitcoin zu erheben, bleibt der Yuan außerhalb Chinas kaum genutzt. Selbst russische Banken sind nur indirekt an CIPS angeschlossen. Gegen die Akzeptanz von Investoren und Firmen gegenüber dem Yuan spricht das entscheidende Problem, dass der Handel mit Renminbi Kapitalkontrollen unterliegt. Dementsprechend besteht das Risiko, dass Yuan-Be- stände nicht abgezogen werden können. Um die Rolle des Yuan im internationalen Kontext zu stärken, müssen die Kapitalkontrollen gelockert werden. Aktuell sind Schritte in diese Richtung aber nicht abzusehen. Wir gehen davon aus, dass die Regierung in Peking an dem leichten Aufwertungstrend festhalten wird. Gegen- über dem US-Dollar erwarten wir zum Jahresende einen Kurs von 6,60 und in zwölf Monaten von 6,50. In einem – aktuell unrealistischen – Szenario, bei dem die Regie- rung die Kontrolle über den Wechselkurs und Kapitalkontrollen aufgibt, besteht ein substanzieller Aufwertungs- bedarf. 2 Die chinesische Währung heißt Renminbi, während Yuan die zugehörige Währungseinheit bezeichnet. Da beide Begriffe in der Praxis oft gleichbedeutend verwendet werden, werden sie auch im Folgenden synonym verwendet. Samuel Will Devisenstratege T 069/91 32-74 88 Seit Anfang 2025 wertet der Yuan etwas auf CNY Quellen: Macrobond, Helaba Research aktuell\* Q3/26 Q4/26 Q1/27 Q2/27 Chinesischer Yuan/ Euro 7,73 7,71 7,72 7,79 7,92 Chines. Yuan/ US-Dollar 6,77 6,70 6,60 6,60 6,50 \* 20.07.2026 Quellen: Bloomberg, Helaba Research Im Fokus: Länder &amp; Devisen – China © Helaba | Research | 21. Juli 2026 4 von 4 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stephan Brand Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin / Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 069/91 32-20 24 Mail: research@helaba.de Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. 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Die Kritik an der chinesischen Außenhandelspolitik wird in den Industrieländern immer lauter. Eine Wende ist nicht in Sicht, zumal die USA und die EU hier nicht an einem Strang ziehen. Der Yuan profitiert von hohen Exporten und der Bereitschaft der Regierung für eine stärkere Währung.
