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title: "Im Fokus Aktien: Blase - welche Blase?"
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type: dd_research
language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Aktien
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# Im Fokus Aktien: Blase - welche Blase?

Im Fokus: Aktien 3. Juli 2026 © Helaba | Research | 3. Juli 2026 1 von 5 Helaba Research Blase – welche Blase? Viele sprechen von einer Spekulationsblase am Aktienmarkt. Dies allein wäre im Sinne der Kont- raindikation schon ein Indiz dafür, dass es gegenwärtig keine gibt. Wir haben anhand von sechs Kriterien überprüft, ob zu viel heiße Luft die Märkte aufgeblasen hat. Aktienmarkt relativ unbeeindruckt von den zahlreichen Krisenherden Aktien konnten in den vergangenen Jahren in einem von handels- und geopolitischen Kon- flikten geprägten Umfeld zum Teil traumhafte Kursgewinne verbuchen. Titel mit Bezug zum Mega-Thema Künstliche Intelligenz (KI bzw. AI) belegen auf den Performanceranglisten die vordersten Plätze. Entsprechend reüssierten die Indizes mit ei- nem hohen Gewicht von Techno- logietiteln. Gerade hierzulande standen nicht wenige Anleger ange- sichts der allgegenwärtigen Unsicherheit dabei an der Seitenlinie. Diese dürften sich fragen, ob und wann sich der Einstieg lohnt. Dagegen denken bereits seit längerem Investierte über Gewinnmitnahmen nach. Die jüngsten enormen Kursschwankungen bei Tech- nologietiteln könnten ein erstes Wetterleuchten be- deuten. Schließlich macht schon seit geraumer Zeit das Wort von der KI-Blase die Runde. Was sind Kennzeichen von Spekulationsblasen? Meist erkennt man Blasen erst dann, wenn sie platzen. Schließlich liegt es in der Natur von Übertreibungen, dass sich die Preise von einem „angemessenen Niveau“ entfernen. Wie stark und wie lange, ist kaum zu quantifizieren. Allerdings gibt es Warnsignale, die auf das Ent- oder Bestehen einer Spekulationsblase hinweisen: • Rasante Kursanstiege in kurzer Zeit • Hoher Anteil kreditfinanzierter Aktienkäufe • Konzentration auf ein „Zukunftsthema“ • Viele Börsengänge (IPOs) • Risiken werden ausgeblendet, Euphorie • Extrem hohe Bewertungen Aktienmarkt relativ unbeeindruckt von den zahlreichen Krisenherden ...................................... 1 Was sind Kennzeichen von Spekulationsblasen? ......................................................................... 1 Fazit: Nur auf den ersten Blick blasenverdächtig ......................................................................... 4 Markus Reinwand, CFA Aktienmarktstratege T 069/91 32-47 23 AI-Titel gehen durch die Decke Gesamtertrag in US-Dollar, indexiert: 1.1.2021 = 100 \*Bloomberg-Indizes Quellen: Bloomberg, Helaba Research Im Fokus: Aktien © Helaba | Research | 3. Juli 2026 2 von 5 Anhand dieser Blasen-Indikatoren wird im Folgenden überprüft, ob aktuell eine Spekulationsblase entsteht bzw. bereits existiert. Das wohl am häufigsten herangezogene Beurteilungs- kriterium ist aufgrund der Einfachheit und der Verfüg- barkeit für viele Interessierte der Kursverlauf. Gerade in den letzten Jahren ist der Anstieg von Tech-Aktien noch einmal steiler geworden. Dies ist nicht nur auf die lineare Achsenskalierung zurückzuführen. Inzwi- schen machen die Sektoren Technologie und Telekom- munikationsdienstleistungen rund die Hälfte der Marktkapitalisierung des S&amp;P 500 aus. Somit scheint auch das zweite Kriterium „Konzentration auf ein Zu- kunftsthema“ erfüllt zu sein. Im Übrigen nimmt der US-Techsektor nicht nur im S&amp;P 500 ein hohes Ge- wicht ein. Am globalen Tech-Sektor haben US-Unter- nehmen einen Anteil von rund 80 %. Ein weiteres Indiz für Spekulationsblasen ist eine übermäßige Risikobereitschaft und ein in Euphorie gesteigerter Optimismus. Dass Aktien trotz mannig- faltiger Störfeuer durch Krieg und Handelsstreit nur sehr kurz ihren Aufwärtstrend unterbrochen haben, spricht zumindest für eine gewisse Resilienz der Anle- ger. Ob dieses Verhalten die rationale Lehre aus früheren Erfahrungen ist, wonach sich Aktien stets wieder von ihren Rückschlägen erholt haben, oder ob sich dahinter gefährliche Sorglosigkeit verbirgt, kann nicht isoliert von anderen Faktoren beurteilt werden. Investorenumfragen deuten bislang nicht darauf hin, dass Anleger in Euphorie verfallen sind. Anders als zur Hochphase des New Economy-Hypes ist gegenwärtig keine Stimmungsüberhitzung zu beobachten. Eine überbordende Risikobereitschaft kommt auch durch einen hohen Anteil kreditfinanzierter Wertpa- pierkäufe zum Ausdruck. Häufig wird (fälschlicher- weise) allerdings auf die absolute Höhe ausstehender Wertpapierkredite abgestellt. Diese Kennzahl ist je- doch nur bedingt aussagekräftig, da sie wie die meis- ten Zeitreihen in einer wachsenden Volkswirtschaft im Zeitablauf steigt. Sinnvoller ist es, das zur Finanzierung von Aktien ge- nutzte Kreditvolumen in Relation zur Aktienmarkt- kapitalisierung zu setzen, um einen Eindruck für das Ausmaß des eingesetzten Hebels zu erhalten. Zuletzt ist diese Relation zwar gestiegen, bislang wurde je- doch lediglich der langfristige Durchschnitt erreicht. Von einer ausgeprägten Neigung, Aktien auf Pump zu kaufen, kann derzeit keine Rede sein. In der seit Herbst 2022 laufenden Hausse wurde der Markt nicht über Gebühr kreditfinanziert. Damit reduziert sich auch im Falle von Kursrückgängen der zusätzliche Druck durch Notverkäufe. Parabolischer Kursanstieg bei Tech-Titeln Indexiert: 1.1.1995 = 100 Anteil, % Quellen: LSEG, Helaba Research Optimismus ja, Sorglosigkeit nein! Anteil Bullen minus Bären, % Index, log. Skala Quellen: LSEG, Helaba Research „Aktien auf Pump“ bislang unauffällig % Mio. USD Quellen: Bloomberg, Helaba Research Im Fokus: Aktien © Helaba | Research | 3. Juli 2026 3 von 5 Börsengänge (IPO) treten gehäuft in der Spätphase einer Hausse auf. Sie sind nicht per se problematisch. Allerdings lassen sie Rückschlüsse auf das Verhalten der Marktteilnehmer zu. Vielen Anlegern sind noch die Auswüchse während der New Economy-Blase in Erin- nerung, als Hunderte von Internetfirmen an die Börse gingen. Viele von ihnen erzielten mit ihrem Geschäfts- modell nur wenig Umsatz und schon gar keine Ge- winne. Anleger ließen sich in der Hoffnung auf schnelle Zeichnungsgewinne von der Euphoriewelle anstecken und verzichteten auf die notwendige fun- damentale Analyse der Geschäftsmodelle. Somit wur- den auch Unternehmen mit schwachen Gewinnaus- sichten hohe Bewertungen zugebilligt. Zwar hat in diesem Zyklus die IPO-Tätigkeit weltweit in den ver- gangenen Monaten zugenommen, insgesamt jedoch noch nicht die früheren Spitzenwerte erreicht. Allerdings gilt es, die Marktbeanspruchung durch IPOs im Auge zu behalten. Schließlich könnte sie zumindest innerhalb der Assetklasse Aktien zu Umschichtungen führen. Der mit Abstand wichtigste Indikator dafür, ob der Kursanstieg gerechtfertigt ist oder sich eine Blase auf- baut, ist die Bewertung. Hohe Bewertungen sind ein Ausdruck dafür, dass Anleger implizit davon ausgehen, dass die Unternehmensgewinne künftig überproporti- onal steigen. Je höher die Bewertung, desto höher sind die impliziten Gewinnsteigerungsraten und desto schwerer wird es, diese zu erfüllen oder gar zu über- treffen. In diesem Zyklus hat der S&amp;P 500 in der Spitze bereits ähnliche Bewertungsniveaus wie während der New Economy-Blase erreicht. Ein gewichtiger Treiber des Bewertungsniveaus waren Technologietitel, die ge- genwärtig einen Anteil von rund 38 % am S&amp;P 500 ausmachen und über weite Strecken deutlich höhere Bewertungen als der Gesamtmarkt aufwiesen. Allerdings wa- ren sie zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd so hoch bewertet wie während des New Economy-Hypes. Steigende Marktbeanspruchung durch IPOs Anzahl Mrd. USD Quellen: Bloomberg, Helaba Research Tech-Bewertung zuletzt durchschnittlich Verhältnis Quellen: LSEG, Helaba Research Blase… …welche Blase? Indexiert: 1.1.97 = 100 Indexiert: 1.1.21 = 100 Quellen: LSEG, Helaba Research Quellen: LSEG, Helaba Research Im Fokus: Aktien © Helaba | Research | 3. Juli 2026 4 von 5 Zuletzt ist die Bewertung im Tech-Sektor in erster Linie dank starker Unternehmensgewinne auf seinen langfristi- gen Durchschnitt gefallen. Eine akute Überbewertung ist in diesem Segment somit nicht zu diagnostizieren. Darin liegt auch der Hauptunterschied zur New Economy-Blase: Damals waren die Kursanstiege in erster Linie durch Erwartungen und immer höheren Bewertungen getrieben. Die Unternehmensgewinne, sofern vorhanden, entwickelten sich unterproportional. In der laufenden Hausse sind die Notierungen im Tech-Sektor dagegen durch dynamisch steigende Unternehmensgewinne untermauert und somit alles andere als nur „heiße Luft“. Fazit: Nur auf den ersten Blick blasenverdächtig Grundsätzlich bringt das Thema Künstliche Intelligenz alles mit, was man für ein spannendes Drehbuch über Spe- kulationsblasen benötigt. Gegenwärtig sind jedoch von sechs Kriterien höchstens drei erfüllt. Das aus unserer Sicht wichtigste Indiz für eine Überhitzung, nämlich eine extrem hohe Bewertung, ist im Technologiesektor derzeit nicht zu beklagen: • Rasante Kursanstiege in kurzer Zeit (✓) • Hoher Anteil kreditfinanzierter Aktienkäufe (-) • Konzentration auf ein „Zukunftsthema“ (✓) • Viele Börsengänge (IPOs) (-/✓) • Risiken werden ausgeblendet, Euphorie (-) • Extrem hohe Bewertungen (-) Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen wäre, von einer Blase am Aktienmarkt zu sprechen, gilt es wachsam zu bleiben. Die Bewertungsniveaus auf Gesamtmarktebene sind nicht nur in den USA hoch und nur zu rechtfertigen, wenn die Unternehmensgewinne weiterhin kräftig zulegen. Dies ist jedoch keine ausgemachte Sa- che. Gerade in den Bereichen, die bislang stark von Investitionen rund um das Thema Künstliche Intelligenz profi- tiert haben, sollte das Gewinnwachstum nicht einfach fortgeschrieben werden. Außerdem wäre es ungewöhn- lich, wenn es bei einer derartigen technologischen Revolution nicht auch zu Überinvestitionen und Fehlallokati- onen kommen würde. Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Vorteile vom Einsatz Künstlicher Intelligenz in andere Wirtschafts- zweige in Form von Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen diffundieren. Nach den KI-Ausstattern wer- den vermutlich KI-Anwender Profiteure dieses technologischen Umbruchs sein. Dieser Prozess wird wohl eher evolutorisch als sprunghaft verlaufen. Allerdings wird sowohl die Marktdurchdringung als auch der Alltagseinsatz, verglichen mit früheren Innovationsschüben, vermutlich im Zeitraffertempo stattfinden. Im Fokus: Aktien © Helaba | Research | 3. Juli 2026 5 von 5 Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 E-Mail: research@helaba.de Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: news.helaba.de/research/

Viele sprechen von einer KI-Blase. Was sind Kennzeichen von Spekulationsblasen? Derzeit nur drei von sechs Kriterien erfüllt.
