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title: "Im Fokus: Credits - ESG-Ratings: Relevanz, Regulierung und Reaktionen"
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updated: 2026-09-28
keywords: Renten, Marktanalysen, Im Fokus: Credits & Covered Bonds
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# Im Fokus: Credits - ESG-Ratings: Relevanz, Regulierung und Reaktionen

Im Fokus: Credits 11. Oktober 2023 © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 1 von 11 Research &amp; Advisory ESG-Ratings: Relevanz, Regulierung und Reaktionen Nachhaltigkeitsratings werden von Investoren immer öfter in den Anlageprozess einbe- zogen. Daher spielen sie für die Umlenkung der Finanzströme in nachhaltige Finanzie- rungen eine wichtige Rolle und leisten einen Beitrag bei der Verwirklichung der Green- Deal-Ziele der EU. Allein dieses Jahr flossen 1,1 Bio. USD über den Kapitalmarkt in nach- haltige Finanzierungen1. Nachdem in den letzten Jahren Bedenken über die Struktur des ESG-Ratingsektors und Forderungen nach einer Regulierung zugenommen haben, prä- sentierte die EU Kommission am 13. Juni 2023 im Rahmen des Sustainable Finance-Pa- kets einen Vorschlag mit Regeln für ESG-Ratinganbieter, der die Transparenz und das Vertrauen in den Markt für Sustainable Investments verbessern soll. Klingt bekannt? Eine ähnliche Regulierung trat in der EU 2011 für die Kreditratingagenturen in Kraft. Die Finanzkrise hatte damals dazu geführt, dass Regulierungsbehörden und Ratingagenturen weltweit Maßnah- men ergriffen, um Transparenz, Genauigkeit und Verantwortlichkeit in der Branche zu verbessern. Markt für ESG-Ratings und ESG-Datenbereitstellung wächst Seit Jahren nimmt die Bedeutung von nachhaltigen Aspekten bei Anlageentscheidungen zu. Investoren fehlt es jedoch häufig an Daten und Ressourcen, um die ESG-Risiken der Unternehmen in ihrem Portfolio selber einzu- schätzen. ESG-Ratings sind daher – neben Datenpunkten und Kennzahlen aus dem Bereichen Environment, Social, Governance – für Anleger wichtige Hilfsmittel. Der Markt für ESG-Ratings und -Rankings, ESG-Daten oder -Indizes ist daher enorm gewachsen und dürfte auch weiterhin zulegen. Grund dafür ist zum einen, dass der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörden zunehmend darauf achten, wie Finanzmarktteilnehmer ESG-Merkmale bei ihren Investitionen berücksichtigen. Zum anderen steigt die Nachfrage der Anleger nach Produkten, die die Entwicklung einer grüneren und sozialeren Gesellschaft fördern. In der Folge haben sich auf dem globalen Markt für ESG-Ratings und -Datenprodukte zahlreiche Anbieter etabliert. Das Spektrum reicht von wenigen großen ESG-Informationsfirmen mit globaler Präsenz bis hin zu einer großen Anzahl von kleineren Anbietern mit regional ausgerichteten oder spezialisierteren Dienstleistungen. Ins- gesamt dürfte die Anzahl dieser Unternehmen global weit über 100 liegen. In den letzten Jahren haben einige der größeren, etablierteren Marktteilnehmer – vor allem große Nachhaltig- keitsratingagenturen, große Kreditratingagenturen, Börsen, Daten- und Indexanbieter – begonnen, kleinere ESG- Anbieter zu übernehmen bzw. erhebliche Ressourcen investiert, um ihre eigenen Kapazitäten zu erweitern. So übernahm etwa Moody’s im Jahr 2019 eine Mehrheitsbeteiligung an Vigeo Eiris, einer führenden Nachhaltig- keitsratingagentur. Die amerikanische ESG-Ratingagentur MSCI kaufte 2019 den Schweizer Modell- und Datenan- bieter Carbon Delta. 2021 übernahm Morningstar, ein Unternehmen, das sich auf Finanzdienstleistungen und Investmentanalyse spezialisiert hat, die ESG-Ratingagentur Sustainalytics. Ein weiteres Beispiel ist S&amp;P – die Kre- 1 Bloomberg BNEF per 30.09.2023 Sabrina Miehs, CESGA Senior Advisor Sustainable Finance Tel. 0 69/91 32-48 90 Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 2 von 11 ditratingagentur übernahm bereits 2016 den britischen Datenanbieter Trucost und im Jahr 2019 das ESG-Rating- geschäft des Schweizer Unternehmens RobecoSam. Zu den wichtigsten Veränderungen am Markt für ESG-Ra- tinganbieter in diesem Jahr zählt die Übernahme von imug rating durch die französische EthiFinance. Wir gehen davon aus, dass die Konsolidierungsphase in diesem stark gewachsenen Markt noch nicht abgeschlos- sen ist. Das harte Ringen um Marktanteile kommt u. E. insbesondere in der hohen Zahl von unaufgefordert erstell- ten Ratings (Unsolicited Ratings) zum Ausdruck. Markt für ESG-Rating und -Datenanbieter riesig Ausgewählte Fusionen und Übernahmen 2002-2022\* \*Die Namen der Unternehmen sind schwarz gekennzeichnet, die Daten der Fusionen und Übernahmen sind rot dargestellt. Die Größe der Knoten ist nach dem Grad der Verflechtung geordnet. Die Farben geben die Klassifizierung der Unternehmenstypen an. Quellen: ScienceDirect, Helaba Research &amp; Advisory Kleinere Akteure in diesem Segment haben gemäß einem Bericht der IOSCO2 (International Organization of Securities Commisions) häufig eine spezifische regionale Präsenz und/oder spezialisieren sich auf bestimmte The- men (z. B. Klima, Kontroversen), Universen (z. B. kleine und mittlere Unternehmen, staatliche Emittenten) oder Dienstleistungen (z. B. Zertifizierung, Gutachten, Stellungnahmen und Beratungsdienste). Es gibt auch eine Reihe von Start-ups und Fintech-Unternehmen, die neue Produkte auf Basis von Big Data und künstlicher Intelligenz anbieten. Häufig sind Datenplattformen Teil des Angebots, die die Offenlegung und Verwaltung von Daten verein- fachen sollen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist ESG Book, ein führender Anbieter von Nachhaltigkeitsdaten und -technolo- gien sowie ESG- und Klimalösungen. Das 2018 gegründete deutsche Unternehmen bietet eine ESG Datenerhe- bungs- und Engagement-Plattform zur Erfassung, Bereitstellung, Analyse und Bewertung von ESG-Daten an. Die Plattform ermöglicht den Zugang zu mehr als 135.000 Unternehmensdaten und den Datenaustausch zwischen Finanzinstituten und Unternehmen. Anfragen von Banken und anderen Stakeholdern können über die ESG-Platt- form beantwortet werden. Das FinTech beschäftigt mittlerweile mehr als 200 Mitarbeiter. Zu den Wettbewerben zählen Greenomy, openESG und Dataland. 2 IOSCO, ESG Ratings and Data Product Providers, Final Report, Nov. 2021 Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 3 von 11 Regulierung zielt auf ESG-Ratinganbieter ab – ESG-Datenanbieter außen vor Mit ihrer geplanten Regulierung zielt die EU (ebenso wie bei anderen Regulierungsvorhaben, wie z.B. in UK) aus- schließlich auf ESG-Ratingagenturen (auch Nachhaltigkeitsagenturen genannt) ab. Diese erstellen auf Basis ihrer Analyse eines Unternehmens eine Einschätzung, etwa in Form eines Ratings oder eines Punktestands. Nicht reguliert werden sollen dagegen: - ESG-Daten, die kein Rating- oder Scoring-Element enthalten und nicht Gegenstand einer Modellierung oder Analyse sind, die zur Entwicklung eines ESG-Ratings führt - Private ESG-Ratings, die aufgrund eines Einzelauftrags erstellt und ausschließlich dem Auftragsteller zur Verfügung gestellt werden und nicht veröffentlicht oder verbreitet werden - ESG-Ratings, die von europäischen Finanzunternehmen erstellt und für interne Zwecke bestimmt sind. Stichprobe: Hohe Abdeckung bei deutschen Banken Eine Vielzahl von ESG-Ratings steht Investoren auch für deutsche Banken zur Verfügung. Bei den 31 deutschen Pfandbriefemittenten von Benchmark und Sub-Benchmark-Anleihen dominieren die drei großen Ratinganbieter ISS ESG, Sustainalytics und MSCI, die ihre Bewertungen auf Basis öffentlicher Daten durchführen (s. Anhang). Aber auch ESG-Ratings aus dem Hause der bekannten Kreditratingagenturen spielen eine wichtige Rolle, denn immer- hin 13 Banken haben sich für ein ESG-Rating aus diesem Anbieterkreis entschieden. Bei der Betrachtung der Anzahl an ESG-Ratings pro Bank fällt auf, dass vor allem kleinere Institute, wie die Spar- kassen, nur selten ein ESG-Rating vorweisen, während große internationale Häuser in dieser Stichprobe mit bis zu sechs ESG-Ratings versehen sind. Ausgeprägte Methodenvielfalt Ein wesentlicher Grund für diese im Vergleich zu Kreditratings hohe Zahl an ESG-Einstufungen dürfte die Hetero- genität der in der Praxis zum Einsatz kommenden Bewertungsverfahren sein. Während Bonitäts-Noten in der Re- gel auf die Wahrscheinlichkeit der Schuldenrückzahlung eines Unternehmens abzielen, fehlt bei ESG-Ratings eine einheitliche Ausrichtung. Zu unterschiedlich sind hier die Auffassungen darüber, was die langfristige Nachhaltig- keit eines Unternehmens ausmacht und welche Faktoren wie dazu beitragen. Zudem legen die Ratinganbieter un- terschiedliche Schwerpunkte bei der Erfassung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken. Big 3 mit großem Marktanteil Nicht selten: 4 oder mehr ESG-Ratings pro Bank Anzahl von ESG-Ratings bei deutschen Pfandbriefemittenten\* Anzahl von dt. Pfandbriefemittenten\* nach Anzahl von ESG-Ratings \*31 Benchmark u. Sub-Benchmark-Emittenten Quellen: Websites der Banken, Helaba Research &amp; Advisory \*31 Benchmark u. Sub-Benchmark-Emittenten Quellen: Websites der Banken, Helaba Research &amp; Advisory 15 18 19 9 6 4 0 5 10 15 20 0 5 10 15 20 6 9 2 3 5 5 1 0 2 4 6 8 10 0 2 4 6 8 10 11 Banken mit 4 und mehr ESG-Ratings Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 4 von 11 Gemäß der Definition des IOSCO-Berichts zu ESG-Ratings und Datendienstleistern umfassen "ESG-Ratings", ESG- Scorings und ESG-Rankings und dienen dem selben Ziel, nämlich der Bewertung der Exposition eines Unterneh- mens, eines Instruments oder eines Emittenten gegenüber ESG-Risiken und/oder Chancen.3 Sie unterscheiden sich jedoch in - der Eindeutigkeit des zu bewertenden Ziels: Die simultane Bewertung von finanziell materiellen Risiken von E-, S- und G-Faktoren ist somit ebenso möglich wie die isolierte Betrachtung einzelner Faktoren oder die Bemessung der Wirkung eines Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft. So setzt beispielsweise Sustainalytics den Fokus auf die finanziell wesentlichen ESG-Risiken (und auf das Risikomanagement) und vergibt ein ESG Risk Rating, während etwa ISS ESG eine Bewertung der ESG-Leistung vornimmt und diese in einem zwölfstufigen Notensys- tem einem Rating zuordnet. MSCI bewertet wie Sustainalytics ebenfalls finanziell wesentliche Risiken, bezieht jedoch zudem noch die Chancen aus ESG-Aspekten mit ein. - in der verwendeten Methodik, insbesondere - in der Auswahl der Schlüsselfaktoren - in der Auswahl der Datenpunkte und Kennzahlen für die Operationalisierung der Schlüsselfaktoren - in der Gewichtung von Kategorien, Unterkategorien und Einzelfaktoren - in der Gewichtung von quantitativen und qualitativen Analysen - in den verwendeten Mitteln, insbesondere - in den Datenquellen (öffentlich verfügbare Daten, Fragebögen, die direkt an das bewertete Unternehmen geschickt werden, Daten von Drittanbietern) - in der Art der genutzten Daten: Rohdaten, aggregierte Daten, verarbeitete Daten, geschätzte Daten - in der Vorgehensweise bei Datenmangel Mit dem Einstieg der traditionellen Kreditratingagenturen in den ESG-Markt ist die Anzahl von Ansätzen weiter gestiegen. So bieten diese zum einen häufig einen ESG-Score im Rahmen des Kreditratings an, der den Grad des Einflusses von ESG-Themen auf das Kreditrating angibt, und nutzen dabei ihr Wissen über die Finanzpläne eines Unternehmens. Zum anderen erteilen sie reine ESG-Ratings, nutzen ebenfalls ihren Zugang zum Unternehmen und legen dabei unterschiedliche Schwerpunkte, wie z.B. die Bewertung des Nachhaltigkeitsprofils eines Unter- nehmens unter Berücksichtigung von ausgewählten ESG-Maßstäben. Einige prominente Beispiele für ESG-Ratinganbieter mit ihren jeweiligen Ratings, Skalen, zusätzlichen Einschät- zungen und der genutzten Datenbasis haben wir in einer Tabelle zusammengestellt. 3 Die EU Kommission beabsichtigt gemäß Regulierungsvorschlag sich mit der Definition von ESG-Ratings an die Definiton der IOSCO anzulehnen. Breite Streuung von ESG-Ratings… …im Gegensatz zu Bonitätsratings ESG-Ratings ausgewählter Banken Bonitätsratings ausgewählter Banken \*Die einzelnen Einstufungen wurden auf eine Punkteskala von 0-100 transformiert, wobei 100 dem besten und 0 dem schlechtesten Rating entspricht. Quellen: Emittenten Websites, Helaba Research &amp; Advisory \*Die einzelnen Einstufungen wurden auf eine Punkteskala von 0-100 transformiert, wobei 100 dem besten und 0 dem schlechtesten Rating entspricht. Quellen: Emittenten Websites, Helaba Research &amp; Advisory 0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100 MSCI Sustain- alytics Moodys S&amp;P CSA 0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100 Moody's S&amp;P Fitch Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 5 von 11 Überblick über 8 ausgewählte ESG-Ratinganbieter Quellen: Websites der Ratinganbieter (Rating-Methoden-Abfrage: Sustainalytics, ISS ESG, MSCI, ecovadis, Moody’s, S&amp;P Global, Sustainable Fitch, imug rating), Helaba Research &amp; Advisory ESG-Scores resultieren in der Regel aus einer quantitativen Analyse, während ESG-Ratings sowohl mit quantitati- ven Modellen als auch qualitativen Analysen erstellt und von Analystenberichten begleitet werden, die die Bewer- tungen erklären und kommentieren. ESG-Ratings, -Scorings und -Rankings werden in der Regel nicht oder nicht nur in absoluten Werten definiert, sondern sind häufig Bewertungen relativ zu einer Vergleichsgruppe. Schließlich gibt es neben der unterschiedlichen Methodik auch keine einheitliche (oder annähernd vergleichbare) Bewer- tungsskala für ESG-Ratings, wie es bei Kreditratings der Fall ist. Im Ergebnis erschweren diese Unterschiede die Vergleichbarkeit von ESG-Ratings deutlich. Die Korrelation der ESG-Ratings eines Unternehmens fällt nicht selten niedrig aus – auch wenn die Bewertungen ein ähnliches Ziel, wie z.B. die Einschätzung von ESG-Risiken und -Chancen, verfolgen. Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 6 von 11 Einbeziehung der Unternehmen durch ESG-Ratinganbieter noch nicht optimal Um die Güte und Vollständigkeit der zur Erstellung des ESG-Ratings verwendeten Daten sicherzustellen, dürfte Anlegern an einer regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem bewerteten Unternehmen gelegen sein. Bei den Kre- ditratingagenturen ist dieser Prozess Standard, Treffen mit den Unternehmen finden zudem regelmäßig statt. Allerdings beziehen gemäß IOSCO-Bericht viele ESG-Ratinganbieter die Unternehmen zwar bei der Datensamm- lung bereits häufig mit ein, jedoch wird bemängelt, dass die Interaktion in der Bewertungsphase und kurz vor Ver- öffentlichung des Ratings recht gering ist. Hier fehle Transparenz und häufig die Rückkopplung, um etwaige Feh- ler oder Auslassungen im Zusammenhang mit der Nutzung der Informationen der Unternehmen zu beheben. Das jedoch schaffe ein potenzielles Reputationsrisiko für die bewerteten Unternehmen und dürfte nicht im Interesse von Investoren und ihren Anlageentscheidungen sein. Ausschluss von Interessenkonflikten Ein Grund für die geringe Zusammenarbeit mit den Unternehmen dürfte im ursprünglichen Geschäftsmodell der ESG-Ratinganbieter liegen: Typischerweise bezahlen nämlich die Anleger für die Nutzung der ESG-Daten und – Ratings. Dieses System bezeichnet man als Abonnentenmodell oder „Subscriber pays“-Modell. Für ESG-Ra- tinganbieter bedeutet dies: Je höher die Abdeckung, desto attraktiver ist der Anbieter für Investoren. Daher star- tet der ESG-Ratinganbieter die Bewertungsinitiative häufig selbst, um den Umfang seines Angebots auszubauen. Eine Rückkopplung mit dem Unternehmen steht an zweiter Stelle. Ein Vorteil dieses Modells ist die weitgehende Vermeidung von Interessenkonflikten. Dass Emittenten die ESG-Ratinganbieter bezahlen, ist ein neuerer Trend und entspricht dem „Issuer pays“-Mo- dell für Kreditratings. Dieser Ansatz trägt vor allem der Forderung nach einer besseren Zusammenarbeit zwischen bewertetem Unternehmen und Ratinganbieter Rechnung. Einige Rating-Anbieter erbringen für die Unternehmen allerdings zusätzlich Beratungsdienstleistungen, die etwa auf die Verbesserung von ESG-Scores oder -Ratings ab- zielen. Zur Förderung des Vertrauens in den ESG-Rating-Markt ist daher – entsprechend der Regelung für Kre- ditratingagenturen – der regulatorische Ausschluss von potenziellen Interessenkonflikten Teil des Regulierungs- vorschlags. EU will ESG-Rating-Markt stärker regulieren Eine lange Liste der Bedenken über die Mängel im ESG-Rating-Markt hat die Forderungen nach einer Regulierung des ESG-Ratingsektors zunehmen lassen. Anleger und Unternehmen verweisen seit Jahren auf die mangelnde Verlässlichkeit der Ratings und die eingeschränkte Transparenz der Methodik. Zu oft blieben Umfang der zu- grundeliegenden Daten, Zeitpunkt der Datenerhebung, Häufigkeit der Überprüfung und Aktualisierungen der Ra- tings im Dunkeln. Zudem wird auf die Vielzahl der unaufge- forderten Ratingerstellungen (unsolicited ratings) sowie auf die unterschiedlich starke Einbeziehung des bewerteten Unternehmens durch den Ratinganbieter hingewiesen. Die Folge: Vergleiche und Interpretation der Ratings werden er- schwert, das Vertrauen in den ESG-Rating-Markt ist ange- kratzt und Greenwashing-Vorwürfe wurden laut. Dass die EU nun reagiert und wie bei den Kredit-Ratingagen- turen nach der Finanzkrise einschreitet, kommt daher nicht überraschend. So präsentierte die EU Kommission am 13. Juni 2023 im Rahmen des Sustainable Finance-Pakets einen Vorschlag mit Regeln für ESG-Ratinganbieter. Wir haben also keine Klarheit darüber, wie diese Ratings zustande kommen oder was sie messen. Und es scheint tatsächlich Probleme mit Interessenkonflikten bei ESG- Ratinganbietern zu geben. Mairead McGuinness, EU Kommissarin bei der Pressekon- ferenz am 13. Juni 2023 zur Veröffentlichung des Sustainable Finance Pakets Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 7 von 11 Ziel: Qualität der ESG-Ratings verbessern Eines gleich vorweg: Der Regulierungsvorschlag unternimmt keine Schritte in Richtung einer Standardisierung von Ratings. Die vorgeschlagene Verordnung versucht nicht, in die Art und Weise einzugreifen, wie die ESG-Ratin- gagenturen ihre Methoden gestalten oder die konkurrierende Bedeutung verschiedener Nachhaltigkeitsfaktoren abwägen. Ziel ist vielmehr eine Erhöhung der Transparenz über die Art und Weise, wie die Anbieter zu ihren Ergebnissen kommen, wo sie ihre Daten herbekommen und wie sie ge- währleisten, dass sie nicht durch Interessenkonflikte beein- flusst werden können. Somit strebt die EU mit ihrem Regu- lierungsvorhaben an, die Qualität der Informationen über ESG-Ratings zu verbessern und so das Vertrauen in die Tä- tigkeiten der ESG-Ratinganbieter zu fördern4. Um die Qualität, Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit ihrer Dienstleistungen sicherzustellen, werden die Anbieter von ESG-Ratings gemäß den EU-Vorschlägen zukünftig von der ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktauf- sichtsbehörde) im Auge behalten. Die Behörde beaufsichtigt ebenso alle in der EU ansässigen Kreditratingagen- turen, nachdem für diese 2011 zum ersten Mal eine Regulierung mit ähnlichen Zielen, zur Verbesserung von Transparenz, Integrität und Verlässlichkeit aber auch von Finanzstabilität eingeführt wurde. Der Regulierungsvorschlag – wenig Überraschungen Die aktuell vorgeschlagenen Regulierungsmaßnahmen decken sich zu großen Teilen mit den Vorgaben für Kre- ditratingagenturen. Bei der Transparenz liegt der Fokus auf klaren Angaben zu dem zu bemessenden ESG-Rating- ziel, zur Methodik und zu den Überprüfungsprozessen sowie zu Datenquellen und Datenverarbeitung. Aus aktuel- lem Anlass kommt die Forderung nach Erläuterungen zum Einsatz von künstlicher Intelligenz hinzu. Wie schon bei den Kreditratingagenturen wird die Verordnung auch bei ESG-Ratinganbietern zu erheblichen zu- sätzlichen Berichts- und Aufzeichnungspflichten führen, um Ratingentscheidungen und die Anwendung der offen- gelegten Methodik bzw. Abweichungen nachvollziehen zu können. Hinzu kommen die Informationen zur Organisationstruktur, zu Qualitätskontrollen und internen Überprüfungs- verfahren. Diese sollen den Marktteilnehmern ein besseres Verständnis der Struktur, des Schlüsselpersonals, der Verfahren und der Politik der Ratinganbieter vermitteln, was wiederum dazu beiträgt, das Vertrauen in die Bran- che zu fördern. Gleiches gilt für die Etablierung von besonderen Strukturen, wie Compliance-Funktionen, deren Ziel die Stärkung der Unabhängigkeit und Transparenz der Institute und die Verbesserung der Qualität der Ra- tings ist. 4 Zu diesem konnten bis zum 1.9.2023 Rückmeldungen abgegeben werden. Alle eingegangenen Rückmeldungen werden von der Euro- päischen Kommission zusammengefasst und dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt, damit sie in die legislative Debatte einfließen können. Unser heutiger Vorschlag zielt also darauf ab, ESG-Ratings transparent, vergleichbar und zuverlässig zu machen. Mairead McGuinness, EU Kommissarin bei der Pressekon- ferenz am 13. Juni 2023 zur Veröffentlichung des Sustainable Finance Pakets Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 8 von 11 Wesentliche Vorgaben des Regulierungsvorschlags: Quellen: EC, Helaba Research &amp; Advisory Vorgeschlagene Regulierung dürfte Markt und Geschäftsmodelle tiefgreifend verändern Einige der vorgeschlagenen Regeln dürften den Markt für ESG-Ratings und die bestehenden Geschäftsmodelle der Ratinganbieter tiefgreifend verändern. Zum einen wird es ESG-Ratinganbietern untersagt sein, andere Dienstleistungen, wie etwa Beratung, Kre- ditratings oder Versicherungen, anzubieten. Diese Beschränkungen sollen die Unabhängigkeit, Objektivität und Integrität der ESG-Ratinganbieter wahren und sicherstellen, so dass ihre Bewertungen ausschließlich auf den ESG- Informationen der bewerteten Unternehmen beruhen und nicht durch andere Geschäftsbeziehungen oder Interes- sen beeinflusst werden. Zum anderen erfordern die Ausweitung von Transparenz und Qualitätskontrollen mehr Ressourcen und führen zu steigenden Kosten. Bei den Kreditratingagenturen wurde Anfang der 2010er Jahre aufgrund der neuen Regulie- rung insbesondere in den Bereichen Qualitätskontrolle, Compliance und der Kommunikation der Personalbestand deutlich auf- oder ausgebaut. Zudem dürfte die Nicht-Regulierung von ESG-Datenanbietern in der Folge zu einem veränderten Angebot der In- stitute führen, die sich für diesen Weg entscheiden. Die Rückmeldungen der Marktteilnehmer5 zum aktuellen Regulierungsvorschlag könnten noch einige Verände- rungen nach sich ziehen. So fordern diese u.a. - die Möglichkeit für bewertete Unternehmen, faktische Fehler zu korrigieren – oder konkret die Einholung einer Rückmeldung zum Ratingbericht beim bewerteten Unternehmen, unabhängig davon, ob das Rating unaufgefordert oder aufgefordert erstellt wurde - eine Vorgabe zur Offenlegung der Definition der Vergleichsgruppe eines bewerteten Unternehmens, wenn das Rating relativ definiert wurde - eine Offenlegung des Anteils extern bestätigter Daten am gesamten Dateninput 5 European Savings and Retail Banking Group, Norges Bank Investment Management, Financial Executives Association, Deutsches Ak- tieninsitut, German Chemical Industry Association (VCI), Swedish Securities Markets Association, ReclamFinace Regulierungsthemen (Vorschlag) Details Transparenz über Rating-Methodik - Ratingziele und Bewertungsziele - behandelte Themen - Datenquellen und Datenverarbeitung - Angabe ob und wie sich die Methodik auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt - Erläuterung der Gewichtungsmethode im Modell, einschl. der Gewichtung der drei übergreifenden ESG-Faktorenkategorien - Erläuterung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) im Ratingprozess Information zur Organisation - Eigentümerstruktur - Identität der Mitglieder der Geschäftsleitung - Verfahren und Methoden zur Abgabe und Überprüfung von Ratings - Strategien für den Umgang mit Interessenkonflikten, Auslagerungsvereinbarungen und anderen Aktivitäten außerhalb von ESG-Ratings Ausschluss von Geschäftsaktivitäten - kein Angebot von Beratungsdiensten, Kreditratings, Benchmarks, Anlagetätigkeiten, Wirtschaftsprüfung, Bankgeschäfte, Versicherungen und Rückversicherungen Etablierung von besonderen Organisationsstrukturen Zur Vermeidung von Interessenkonflikten und zur Gewährleistung einer hohen Qualität der Ratings: - Etablierung von internen Strategien und Verfahren wie die Einführung von Kontroll- mechanismen und Compliance-Funktionen - Umfassende Pflichten zur Einhaltung der Vorschriften für ESG-Ratinganalysten Umfangreiche Aufzeichnungspflichten - Identität der ESG-Ratinganalysten und Analysten, die eine Rating-Methode entwickelt haben - Unterlagen über die von Abonnenten und bewerteten Unternehmen gezahlten Gebühren - Interne Aufzeichnungen, externe Kommunikation, einschließlich nicht-öffentlicher Informationen und Arbeitspapiere, die einer Ratingentscheidung zugrunde liegen - Alle Änderungen und Abweichungen von Standardverfahren und -methoden Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 9 von 11 - stärkere Transparenz des Rating-Aktualisierungsprozesses - detaillierte Ausführungen zur Verbindung mit anderen regulatorischen EU-Initiativen zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsaspekten und zur Anforderung, dass die ESG-Ratinganbieter offenlegen sollen, inwieweit das ESG-Rating die doppelte Wesentlichkeit (double materiality) berücksichtigt - weitere Klarstellung zur Abgrenzung zwischen ESG-Daten- und Ratinganbietern und zur Vermeidung des Interessenkonflikts bei ESG-Ratinganbietern und Kreditratinganbietern eines Hauses. Zwar äußern sich ESG-Ratinganbieter besorgt darüber, dass zu strenge Regulierungen ihre Geschäftsmodelle und ihre Fähigkeit beeinträchtigen könnten, schnell auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren. Die aktuelle Entwicklung mit Transparenzmangel und Misstrauen motivierte jedoch gerade große Investmenthäuser umso mehr, eigene Ratingsysteme zu entwickeln und damit ihre Investmentprozesse zu ergänzen. Doch transparente ESG-Ratings tragen – ähnlich wie Kreditratings – zu einem reibungslosen Funktionieren der Märkte bei. Denn die Möglichkeit, ein eigenes Ratingsystem zu entwickeln, dürfte mittelgroßen und kleineren Investoren nicht zur Ver- fügung stehen. So zeigen die Rückmeldungen auf ältere EU-Konsultationen –bereits 2022 hatte die EU eine erste Konsultation zur Gewinnung eines Einblicks in den ESG-Ratingmarkt durchgeführt – eine deutlich breite Billigung des Regulierungsvorhabens sowie des nun vorgelegten Vorschlags. Nächste Schritte Zum jetzigen Regulierungsvorschlag von ESG-Ratingaktivitäten konnten Marktteilnehmer bis zum 1.9.2023 Rück- meldungen abgeben. Alle eingegangenen Rückmeldungen werden von der Europäischen Kommission zusammen- gefasst und dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt, damit sie in die legislative Debatte einfließen können. Es ist aus unserer Sicht unwahrscheinlich, dass der Vorschlag noch in diesem Jahr angenommen wird. Die technischen Einzelheiten (wie Sanktionen und Geldbußen) werden nach der Annahme der Verordnung in ei- nem delegierten Rechtsakt geregelt. Regulierung findet starke Unterstützung bei Interessenvertretern Die Interessenvertreter begrüßen mehrheitlich die Entscheidung der EU, ESG-Ratinganbieter schärfer zu regulie- ren, und lassen keinen Zweifel an der großen Bedeutung von ESG-Ratings für die Lenkung von Investitionen in eine nachhaltige Wirtschaft. Viele Marktteilnehmer verweisen auf den Erfolg der Regulierung von Kreditratinga- genturen und setzen diese als Benchmark an. Mit dem Hinweis auf die zahlreichen offenen Punkte zeigen sie je- doch auch, dass der gewünschte Grad an Transparenz, Klarheit und Strenge noch nicht ganz erreicht ist. Anderer- seits muss die Aufsicht auch das Aufrechterhalten des Wettbewerbs und die Belastung von ESG-Ratinganbietern und bewerteten Unternehmen im Blick behalten. Der jetzt vorgelegte Entwurf dürfte die Märkte also noch eine Weile beschäftigen. Das Ziel der Verbesserung von Transparenz und Qualität der ESG-Ratings sowie die Förderung von Vertrauen in den ESG-Ratingmarkt ist diese Mühe jedoch zweifellos wert. Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 10 von 11 Anhang: Überblick über die Stichprobe der 31 deutschen Pfandbriefemittenten und die Abdeckung durch die jeweiligen ESG-Ratinganbieter Quellen: Websites der Emittenten, Helaba Research &amp; Advisory MSCI Sustainalytics ISS ESG Moody’s CDP imug rating S&amp;P Global Sus- taina- ble Fitch Zur Website/ ESG- Ratings Aareal Bank X X X X X Link Bausparkasse Schwäbisch Hall X Link Bayerische Landesbank X X X X Link Berlin Hyp X X X Link Commerzbank X X X X Link DekaBank X X X X Link Deutsche Bank X X X X X Link Deutsche Kreditbank X Link Deutsche Pfandbriefbank X X X X Link Dt. Ärzte- und Apothe- kerbank X Link DVB Link DZ BANK X X X X X Link DZ HYP X Link Hamburg Commercial Bank X X X X Link Hamburger Sparkasse X Link Helaba X X X Link ING-DiBa X X X Link KSK Köln X Link Landesbank Berlin Link Landesbank Saar X Link LBBW X X X X X Link MünchenerHyp X X Link Natixis Pfandbriefbank Link NORD/LB X X Link Oldenburgische Landesbank X Link Santander Consumer Bank X X X X X Link Sparkasse Hannover X Link Sparkasse Pforzheim Calw Link Sparkasse München Link UniCredit Bank AG X X X X X X Link Wüstenrot Bausparkasse Link Im Fokus: ESG-Ratings – Relevanz, Regulierung, Reaktionen © Helaba | Research &amp; Advisory | 11. Oktober 2023 11 von 11 Autor Sabrina Miehs, CESGA Mitarbeit Erik Schönherr Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Stefan Rausch Head of Corporate Research &amp; Advisory Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Markt für ESG-Ratings zuletzt enorm gewachsen. Tiefgreifender EU-Regulierungsvorschlag als Reaktion auf Kritik von Anlegern und Emittenten. Trotz breiter Zustimmung bleiben noch zahlreiche Punkte offen.
