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title: "Im Fokus Credit: Europäische Großbanken - EU-Kommission zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Renten, Marktanalysen, Im Fokus: Credits & Covered Bonds
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# Im Fokus Credit: Europäische Großbanken - EU-Kommission zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

Im Fokus: Credit 22. Juli 2026 © Helaba | Helaba Research | 22. Juli 2026 1 von 4 Helaba Research Europäische Großbanken: EU-Kommission zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Letzten Freitag hat die EU-Kommission wie angekündigt ihren Bericht zur Wettbe- werbsfähigkeit des EU-Bankensektors veröffentlicht. Der Katalog der Handlungs- empfehlungen ist äußerst umfangreich. Ein Legislativvorschlag soll bereits Anfang 2027 vorliegen. Wir begrüßen den Willen zum Abbau der hohen Komplexität und Regelungsdichte und hoffen auf beherzte Schritte bei der nunmehr anstehenden Über- führung in einen Gesetzestext. Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 ihren Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit des EU- Bankensektors1 vorgestellt. Der Bericht war lange angekündigt worden (siehe unser Sek- torausblick vom 7. Januar 2026). Ihm ist eine umfassende Konsultation vorausgegangen. Die EU-Kommission hat gemäß unserer Beobachtung zum einen die Notwendigkeit zum Bürokratieabbau im Bankensektor erkannt, zum anderen reagiert sie auf US-Initiativen zur Deregulierung des Bankenmarktes. Äußerst umfangreiche und sich teils überlappende Vorschriften und Berichtspflichten belasten u.E. nicht nur die davon betroffenen Institute. Sie machen auch den Investoren, an die sich die Informationen richten, das Leben schwer. So stehen beispielsweise für das regulatorische Eigenkapital neben den drei gesetzlichen Begriffen des harten Kernkapitals, des Kernkapitals und des Gesamtkapitals innerhalb der Säule 1 weitere Säule 2-Anforderun- gen (Kapitalerhaltungspuffer, Antizyklischer Puffer, Systemischer Risikopuffer) sowie von der Aufsicht erwartete individuelle Puffer (Säule 2-Guidance). Dabei kann anstelle des systemischen Risikopuffers auch ein G-SIB-Puffer für global systemrelevante Banken oder ein O-SII-Puffer für andere systemrelevante Institute stehen. Hinzu kom- men Anforderungen an die Berichterstattung (Pillar 3) und zahlreiche Vorschriften zur Berechnung der zugrunde- liegenden Aktiva (Standardansatz, IRB-Ansatz, Output-Floor mit Übergangsfristen etc.). Den nun veröffentlichten Bericht stellt die Kommission einleitend in den Kontext ihrer Strategie zur Spar- und In- vestitionsunion (SIU). Ziel sei ein integrierter, effizienter und wettbewerbsfähiger Bankensektor, der Europas Wirtschaft durch die Finanzierung von Wachstum und Innovation stärken kann. Dies solle durch einen ausgewo- generen regulatorischen Rahmen gestützt werden, der die Voraussetzungen dafür schafft, dass Banken Risiken umsichtig eingehen und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit des Sektors gewahrt bleibt. In der Mitteilung werden konkrete Maßnahmen zur Verringerung übermäßiger Komplexität dargelegt. Die Kom- mission will:2 • die bankspezifischen Eigenkapitalanforderungen (Säule 2-Anforderungen) und die aufsichtlichen Leitlinien transparenter und zielgerichteter gestalten. • Makroprudenzielle Puffer und Abwicklungspuffer vereinfachen und weiter harmonisieren. • die Behörden ermutigen, ihre Koordinierungsmechanismen zu verbessern, damit sie aufsichtsrechtliche Anforderungen in immer besser koordinierter Weise festlegen. • eine weitere Verhältnismäßigkeit, Vereinfachung und Automatisierung der Bankenberichterstattung er- reichen. 1 Siehe auch Presseerklärung, Staff Working Document, Q&amp;A. 2 Siehe hierzu Q&amp;A. Dr. Susanne Knips Senior Credit Analyst T 069/91 32-32 11 Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Helaba Research | 22. Juli 2026 2 von 4 Im Folgenden fassen wir die u.E. aus Credit-Sicht wichtigsten Empfehlungen des Berichts zusammen.  Kapitalpuffer • Reduzierung der Anzahl der regulatorischen Eigenkapitalpuffer und Verbesserung der Kalibrierung (insbe- sondere Antizyklischer Kapitalpuffer und Systemischer Risikopuffer). • Harmonisierung der Vorgaben für andere systemrelevante Institute auf EU-Ebene. • Stärkung der Koordination zwischen den Aufsichtsbehörden, damit überlappende Pufferanforderungen re- duziert werden können und die Puffernutzbarkeit in Stresszeiten sichergestellt wird.  Anforderungen der Säule 2 • Abschaffung der individuellen Säule 2-Anforderung für die Leveragequote. • Individuell gesetzte Pufferziele (Säule 2-Guidance) so verbessern, dass die spezifischen Risiken gezielt und effizient abgedeckt werden und Überschneidungen sowie Doppelzählungen mit anderen Anforderungen vermieden werden.  Anforderungen an das gesamte Haftkapital MREL inklusive Verbindlichkeiten • Überarbeitung der komplexen MREL-Anforderungen3 für europäische Banken mit dem Ziel einer einfache- ren, vorhersehbaren und weitgehend automatischen Kalibrierung. • Unnötige Abweichungen vom TLAC-Standard4 für global systemrelevante Institute beseitigen und sicher- stellen, dass die Anforderungen für kleinere Banken verhältnismäßig sind. • Weitere Straffung der Genehmigungsprozesse für Banken mit soliden Kennzahlen, damit Rückkäufe und weitere Maßnahmen zur Steuerung der Refinanzierung effizient umgesetzt werden können.  Umsetzung der Basel-Kapitalanforderungen und Wettbewerbsfähigkeit der EU • Erarbeitung von Vorschlägen zum Output-Floor und den entsprechenden Übergangsregelungen für klei- nere Unternehmen ohne Rating und private Hypothekenkredite5 sowie deren Auswirkungen auf die Wett- bewerbsfähigkeit der EU-Banken. • Die Umsetzung internationaler Standards in anderen Rechtsordnungen verfolgen und die Implementie- rung der Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko in der EU zu gleichen Wettbewerbsbedingungen anpassen.6 • Prüfung der regulatorischen Behandlung von Spezialfinanzierungen beispielsweise von Infrastrukturpro- jekten und zur Finanzierung der Energiewende, Stärkung europäischer Lieferketten. • Überarbeitung der Behandlung von Software-Assets (derzeit größtenteils vom Kernkapital abzuziehen), Sicherstellung der digitalen und Cyber-Sicherheit, Setzung von Anreizen für Innovation und digitale Resi- lienz.  Verhältnismäßigkeit für kleinere Banken • Sicherstellen, dass kleinere Banken angemessenen und einfacheren Anforderungen im Hinblick auf mikro- und makroprudenzielle Risiken unterliegen. 3 Minimum Requirement for Own Funds and Eligible Liabilities (nach EU-Recht). 4 Total Loss Absorbing Capacity (gilt für global systemrelevante Institute). 5 Zur Einführung des Output-Floors siehe ausführlich unsere Publikation „Europäische Großbanken: Gut auf Basel IV vorbereitet“ vom 13. Juni 2024. 6 Dies bezieht sich gemäß unserem Verständnis auf die Eigenmittelanforderungen für das Marktpreisrisiko, die in den USA nicht umge- setzt wurden. In Reaktion auf die US-Widerstände wurde deren Einführung auch in Europa verschoben. Siehe hierzu ebenfalls unsere Publikation „Europäische Großbanken: Gut auf Basel IV vorbereitet“ vom 13. Juni 2024 sowie unser Sektorausblick vom 7. Januar 2026. Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Helaba Research | 22. Juli 2026 3 von 4  Grenzüberschreitende EU-Banken • Ermöglichung einer effizienteren Allokation von Kapital und Liquidität innerhalb grenzüberschreitender Gruppen (Mutter- und Tochtergesellschaften), Geltung der Anforderungen auf Ebene des Mutterunterneh- mens. • Ersatz des Vorschlags zur europaweit einheitlichen Einlagensicherung7 von 2015 durch einen einfacheren und robusteren Rahmen. Die Kommission will dabei der Vielfalt des Bankensektors und den nationalen Besonderheiten Rechnung tragen. Was sind die nächsten Schritte? Die EU-Kommission will bis zum 1. Quartal 2027 Legislativvorschläge zur Ände- rung der regulatorischen Vorgaben für Banken erarbeiten. Dies steht im Einklang mit dem Fahrplan „Ein Europa, ein Markt“. Gleichzeitig enthält die Mitteilung Aufforderungen an die Mitgliedstaaten, die Aufsichtsbehörden und den Bankensektor, ihre Bemühungen fortzusetzen oder bisherige Ansätze zu ändern, um das Ziel der Verbes- serung der Wettbewerbsfähigkeit der Banken zur Unterstützung der EU-Wirtschaft zu erreichen. Ein Kulturwandel im Bankensektor könne bereits jetzt greifbare Vorteile bringen, unabhängig vom Ergebnis der weiteren politi- schen Verhandlungen über die regulatorischen Vorgaben. Unser Fazit: Der Bericht untersucht die Schwachstellen der Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Bankensektor gemäß unserer Einschätzung äußerst umfassend und listet zahlreiche Möglichkeiten zum Bürokratieabbau und zur Vereinfachung im Dickicht der Regelungsdichte auf. Wir begrüßen das Ziel der Kommission, die Effizienz des Regulierungsrahmens zu stärken, um den administrativen Aufwand für Banken zu verringern und so ihre Wettbe- werbsfähigkeit zu steigern, während gleichzeitig die allgemeine Widerstandsfähigkeit des Systems erhalten bleibt. Die Anpassungen werden allerdings zunächst mit einem Umstellungsaufwand verbunden sein. Die Ausar- beitung und Konkretisierung der Änderungen am Rechtsrahmen stehen nunmehr aus. Ein beherzter Schritt zur Vereinfachung der Regelungen und zum Abbau von Bürokratie ist u.E. wünschenswert. 7 Deposit Insurance Scheme (EDIS) von 2015 als noch ausstehende Säule zur Vollendung der Bankenunion. Im Fokus: Credit – Europäische Großbanken © Helaba | Helaba Research | 22. Juli 2026 4 von 4 Publikationen aus der Reihe „Im Fokus: Credit“ → EUR Benchmark Bankanleihen – Primärmarkt Q2 2026 → EZB-Aufsicht attestiert Banken im Euroraum hohe Widerstandsfähigkeit → Europäische Banken – Generelle Depositor Preference verabschiedet → Europäische Großbanken 2026 – Die Zeichen stehen auf Erfolgskurs Herausgeber und Redaktion Helaba Research Redaktion: Dr. Stephan Brand Economic Research Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Helaba Research Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main T +49 69 / 91 32 – 20 24 Mail: research@helaba.de Internet: www.helaba.com Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt be- arbeitet worden. Sie enthält jedoch lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Markt- verhältnissen. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Ak- tualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämtliche in dieser Publikation ge- troffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfeh- lung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unseren Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

EU-Kommission legt umfassende Empfehlungen zur Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensektors vor. Aus Credit-Sicht insbesondere Vorschläge zur Reduzierung der Komplexität von Anforderungen begrüßenswert. Überführung in konkreten Legislativvorschlag für Anfang 2027 geplant.
