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title: "Vertraudlich: Nachhaltigkeit in Zeiten der Energiekrise"
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updated: 2026-09-28
keywords: Vertrau(d)lich
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# Vertraudlich: Nachhaltigkeit in Zeiten der Energiekrise

Vertraudlich 5. Oktober 2022 © Helaba | Research &amp; Advisory | 5. Oktober 2022 1 von 2 Research &amp; Advisory Nachhaltigkeit in Zeiten der Energiekrise Nach zwei Jahren Pandemie waren die Hoffnungen zum Jahresanfang groß, dass 2022 ein Jahr des Aufschwungs werden könnte. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ha- ben sich diese jedoch schnell verflüchtigt. Zwar wirken die Sanktionen gegenüber Russ- land nicht unmittelbar rezessiv, allerdings führen russische Gegenmaßnahmen zu erheb- lichen Energiepreissteigerungen, die die Kaufkraft der Haushalte massiv reduzieren und die Kosten für die Unternehmen in die Höhe treiben. Im ersten Halbjahr 2022 konnte die deutsche Wirtschaft noch Wachstum verzeichnen. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir jedoch einen Vorzeichenwechsel. Die Frage ist derzeit nicht mehr, ob eine Rezession bevorsteht, sondern nur noch wie tief und wie lange. Unser Basisszenario hat immer noch eine Wahrscheinlichkeit von 60 %. Dabei unterstellen wir, dass trotz starker Belastungen durch den Ukraine-Krieg eine Gas-Mangellage und die Ausrufung der dritten Stufe des Notfallplans Gas vermieden werden können. In diesem Fall reichen die Gasspeicher in Deutschland aus. Der Verbrauch wird durch erhebliche Einsparungen bei den industriellen Abnehmern, was derzeit schon zu beobachten ist, sowie mit Beginn der Heizperiode auch bei den privaten Haushalten reduziert. Wegen Produktionsstilllegungen in der deut- schen Industrie wird weniger Gas verbraucht. Das Ausmaß und die Dauer bleiben aber begrenzt. Die Unternehmen werden durch einen effizienteren Energieeinsatz sowie innovative Substitutionsprozesse zur Gasreduktion beitra- gen. In den ersten drei Unterstützungspaketen der Bundesregierung wurden die Unternehmen wenig berücksich- tigt. Nun ist zu erwarten, dass weitere staatliche Maßnahmen hier ansetzen. Wir gehen davon aus, dass zudem bis zur Jahreswende erste Flüssiggasterminals betriebsbereit sind und zusätzliche Gasimporte ermöglichen. Die Wahrscheinlichkeit des Risikoszenarios beziffern wir mit 30 %. In diesem Fall reichen die Gasspeicher nicht aus. Auch verzögert sich die Inbetriebnahme der Flüssiggasterminals. Letztlich besteht ein Wetterrisiko. Denn bei einem harten Winter steigt der Gasverbrauch, so dass Gaslieferungen an industrielle Abnehmer rationiert werden müssen. Dadurch kommt es zu umfangreichen Produktionsunterbrechungen, die zudem die Lieferkettenproble- matik verschärfen. Dies würde zu erheblichen Wachstumseinbußen führen. Sollten die Unterstützungspakete für die Unternehmen zu spät und nicht ausreichend kommen, wäre eine Insolvenzwelle wahrscheinlich. Wie sieht es in diesem Umfeld mit Nachhaltigkeitsaspekten aus? Kurzfristig ist der Effekt des Ukraine-Krieges auf die Nachhaltigkeit negativ, da die geringere Gasverfügbarkeit zu einem stärkeren Einsatz von Kohle bei der Stromerzeugung führt. Mittelfristig können hieraus allerdings durchaus positive Effekte werden: Hohe Preise für fossile Brennstoffe lassen grüne Energien relativ günstiger werden. Der Ausbau von Wind und Solar dürfte Fahrt aufnehmen – wenn er nicht durch die Abschöpfung von sogenannten Son- der- oder Übergewinnen unattraktiv gemacht wird. Während Deutschland sich noch ziert, die kohlenstoffarme Nukleartechnik zu verlängern, sind unsere europäischen Nachbarn sogar dabei, diese zu forcieren. Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Head of Research &amp; Advisory T 0 69/91 32-20 24 Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 5. Oktober 2022 2 von 2 Mangelnde bzw. teure Energie ist für unser Land ein Risikofaktor. Schon allein aus Diversifikationsgründen sollten alle Optionen zur Lösung der Energieprobleme in Betracht gezogen werden. Deutschland verfügt über erhebliche Schiefergasvorräte. Sowohl aus ökonomischen als auch aus ökologischen Überlegungen sollte das Fracking hier- zulande mit ins Kalkül genommen werden. Deutschland könnte dabei hohe Umweltstandards setzen, die häufig in anderen Ländern nicht gesichert sind. Dann müsste kein Fracking-Gas verflüssigt werden, um über LNG-Terminals zu uns zu gelangen. Hohe Transport- und Umwandlungskosten sind sowohl ökologisch als auch ökonomisch dau- erhaft nicht zielführend. Eine stabile und breit aufgestellte Energieversorgung ist nicht nur für die privaten Haushalte, sondern auch für die Unternehmen wichtig. Erschwingliche Energie ist insbesondere ein wichtiger Standortfaktor für energieintensive Branchen. Sollte dies nicht mehr gesichert sein, besteht die Gefahr, dass Investitionsentscheidungen zu Lasten Deutschlands getroffen werden, während Länder mit günstigerer eigener Energie wie die USA hiervon profitieren würden. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. 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Deutschland geht im zweiten Halbjahr in eine Rezession: Offen ist nur noch wie lange und wie tief. Energiekrise wirkt sich kurzfristig negativ auf Nachhaltigkeit aus. Mangelnde bzw. teure Energie ist ein Risikofaktor für Deutschland: Allein aus Diversitätsgründen sollten alle Alternativen genutzt werden.
