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title: "Vertraudlich: Werkzeugkasten eines Konjunkturanalysten"
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language: de
updated: 2026-09-28
keywords: Vertrau(d)lich
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# Vertraudlich: Werkzeugkasten eines Konjunkturanalysten

Vertraudlich 25. September 2024 © Helaba | Research &amp; Advisory | 25. September 2024 1 von 2 Research &amp; Advisory Werkzeugkasten eines Konjunkturanalysten Vor vielen Jahren habe ich Volkswirtschaftslehre mit dem Wahlfach Ökonometrie stu- diert. Manche von Ihnen mögen nun denken, das klingt sehr theoretisch und mathema- tisch. Tatsächlich ist es ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften, das mit Hilfe ma- thematisch-statistischer Methoden wirtschaftstheoretische Hypothesen auf ihren Reali- tätsgehalt untersucht. In diesem Wahlfach spielten Modelle eine große Rolle. Damals wurden die Daten noch mit der Hand in die Computer im Rechenzentrum der Uni- versität eingegeben. Gleichzeitig durfte ich in die Welt der Wirtschaftsindikatoren eintauchen: Ein schier un- endliches Repertoir an Datenreihen. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium besteht darin, ob es sich um sogenannte „harte“ Fakten handelt oder um Stimmungsindikato- ren, die auf Umfragen basieren. Anhand der Indikatoren wird versucht herauszufinden, wo sich die Wirtschaft ei- nes Landes im Konjunkturzyklus befindet. Es ist selbstredend, dass zu Beginn eines Zyklus die Stimmungsindika- toren stehen. Denn bevor ein Konsument oder ein Unternehmer eine Entscheidung trifft, überlegt er normaler- weise, ob und was er tun möchte. Zu diesen Vorlaufindikatoren zählen hierzulande der ifo Geschäftsklimaindex, die ZEW-Konjunkturerwartungen und die Einkaufsmanagerindizes. All diese Indikatoren zeigen derzeit für Deutschland nach unten. So überrascht es nicht, dass zuletzt viele Wachstumsprognosen reduziert wurden. In die- sem Jahr wird voraussichtlich nicht mehr als eine Stagnation des deutschen Bruttoinlandsproduktes drin sein. Stimmungen können sich aber ändern und üblicherweise geht das schneller als bei den tatsächlichen wirtschaftli- chen Entscheidungen. Darüber hinaus gibt es Wechselwirkungen zwischen beiden Arten von Indikatoren. Das habe ich schon in meinem Studium gelernt, auch wenn die Analyse von Zeitreihen deutlich mehr Raum einnahm und bei den Prüfungen im Mittelpunkt stand. Was ist nun für das kommende Jahr zu erwarten? Gemessen an den Fakten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass 2025 endlich der Konsum wieder anspringt. Der Rückgang der deutschen Inflationsrate auf zuletzt 1,9 % in Kom- bination mit kräftigen Lohnsteigerungen erhöht das real verfügbare Einkommen und damit den Spielraum für mehr Ausgaben. Bei den konsumnahen Wirtschaftsindikatoren ist teilweise bereits ein deutlicher Anstieg zu sehen. Sowohl die Ein- kommenserwartungen als auch das Konsumklima zeigen im Trend nach oben. Die sogenannte Anschaffungsnei- gung dümpelt aber dahin und die Sparquote ist zuletzt gestiegen – was nichts anderes heißt, als dass die Leute derzeit ihr Geld lieber sparen als ausgeben. Offensichtlich besteht wenig Vertrauen in die Zukunft und in den Standort Deutschland. Der jüngst begonnene Zinssenkungszyklus der Europäischen Zentralbank sollte dazu beitragen, dass einige wie- der etwas Licht am Ende des Tunnels sehen. Die Geldpolitik allein kann aber nicht den Weg aus der Stagnation weisen. Es bedarf auch wieder mehr Vertrauen in die allgemeinen politischen Rahmenbedingungen. So müssen dringend Strukturreformen angegangen werden, die den Standort attraktiver machen und die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust vertreiben. Dazu gehören niedrigere Steuern und Energiekosten, weniger Bürokratie sowie eine bessere Infrastruktur. Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/Head of Research &amp; Advisory T 0 69/91 32-20 24 Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 25. September 2024 2 von 2 So bleibt abschließend festzuhalten: Nicht alles, was man im Studium lernt, braucht man später im Leben – aber in meinem Fall ziemlich viel davon. Die Kombination aus einem geübten Umgang mit Daten und die Berücksichti- gung auch psychologischer Aspekte des menschlichen Handels machen das Handwerk des Konjunkturanalysten aus. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud R. Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Die Analyse von Wirtschaftsindikatoren und psychologische Aspekte sind das Handwerkszeug des Konjunkturanalysten. Viele Indikatoren zeigen aktuell nach unten, aber zumindest die konsumnahen machen Hoffnung. Um wieder Wachstum zu bekommen reichen die Zinssenkungen der EZB nicht, auch Strukturreformen sind nötig.
