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title: "Vertraudlich: Iran als neue geopolitische Unsicherheit"
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language: de
updated: 2026-10-09
keywords: Vertrau(d)lich
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# Vertraudlich: Iran als neue geopolitische Unsicherheit

Vertraudlich 3. März 2026 © Helaba | Research &amp; Advisory | 3. März 2026 1 von 3 Research &amp; Advisory Iran als neue geopolitische Unsicherheit Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist aus einem schwelenden Konflikt ein militärischer geworden. Schon nach dem Angriff auf Venezuela, der angedrohten Über- nahme Grönlands und wiederholten Zolldrohungen gewann die Geopolitik zu Jahresbe- ginn durch die erratische Außenpolitik Trumps deutlich an Momentum. Um die gestie- gene Unsicherheit zu berücksichtigen, hatten wir die Wahrscheinlichkeit für unser Ne- gativszenario am 23. Januar von 20 % auf 25 % angehoben und entsprechend die für das Basisszenario von 70 % auf 65 % gesenkt. Wie richtig diese Entscheidung war, zei- gen die Geschehnisse der letzten Tage im Iran. Ölpreis reagiert deutlich, aber nicht dramatisch Auseinandersetzungen am Persischen Golf haben po- tenziell Einfluss auf Länder, die zusammen mehr als 25 % der globalen Ölförderung bestreiten und rund 50 % der weltweiten Ölreserven besitzen: Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und Oman. Jenseits aller geo- politischen Implikationen, die ein solches Vorgehen haben könnte, ist der Fokus vor allem auf die Energie- versorgung gerichtet. Die Gefahr ist hoch, dass die Ölproduktion in verschiedenen Ländern in Mitleiden- schaft gezogen wird, vielmehr aber überwiegt das Ri- siko, dass die Straße von Hormus von iranischen Truppen dauerhaft blockiert wird oder die Passage wegen andauernder Kampfhandlungen für eine gewisse Zeit zu risikoreich ist. Durch die Meerenge werden 20 % des täglichen weltweiten Ölverbrauchs verschifft und fast 20 % des global gehandelten LNGs. Das Ausmaß der Auswirkungen auf die globale Energieversorgung hängt vom Umfang und von der Dauer der Kampfhandlungen ab. Zwar gibt es in Saudi-Arabien Pipelines zum Roten Meer, aber deren Kapazitäten sind so gering, dass bei einer vollständigen Blockade der Straße von Hormus von einem Versorgungsverlust von rund 16 Mio. Barrel täglich ausgegangen werden müsste. Pipelines zur Umgehung der Meerenge für den LNG-Export existieren nicht. Sollte das Regime in Teheran in den nächsten Tagen zusammenbrechen oder einlenken, wären die Beschädigun- gen an der Ölinfrastruktur im Nahen Osten wohl nur geringfügig und die Straße von Hormus bald wieder passier- bar. Es gäbe keine dauerhafte Unterversorgung mit Öl und Gas und die aktuell beobachtbaren Preisausschläge würden wieder korrigiert. Dies ist aus heutiger Sicht jedoch ein weniger wahrscheinliches Szenario. So spricht der US-Präsident davon, dass die Militärschläge für ca. vier Wochen andauern sollen und auch der Ein- satz von Bodentruppen ist möglich. So überrascht es nicht, dass die Ölnotierungen kräftig gestiegen sind und Brent bei 82 US-Dollar pro Barrel ein vorläufiges Hoch markierte. Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/Head of Research &amp; Advisory T 0 69/91 32-20 24 Die größten Ölförder-Länder Anteil an der weltweiten Rohölförderung, %, Stand 01/25 Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 3. März 2026 2 von 3 Sollten die Kampfhandlungen – wie vom US-Präsiden- ten angedeutet – mit dem ersten Quartal enden, wäre davon auszugehen, dass sich die Ölnotierungen ab dem zweiten Quartal wieder zurückbilden. In diesem Fall würden die Ölnotierungen in der zweiten Jahres- hälfte wieder denen in unserem Basisszenario ent- sprechen. Diese Entwicklung wäre in der zeitlichen Ausdehnung ähnlich derjenigen während des ersten Irak-Krieges 1990. Geopolitische Einordnung Der Militärschlag gegen den Iran darf nicht allein im Kontext der traditionellen Feindschaft zwischen dem Iran und Israel betrachtet werden. Die Islamische Re- publik hat sich in den vergangenen Jahren zuneh- mend zu einem Produzenten militärischer Technologien entwickelt, die in der modernen Kriegsführung eine zentrale Rolle einnehmen. So ist es nicht überraschend, dass die ursprüngliche Ankündigung der USA, dem Iran unter allen Umständen den Bau von Atomwaffen zu untersagen, in den letzten Wochen geändert wurde. Es mehr- ten sich Stimmen, die auch in den ballistischen Raketen sowie im Drohnenprogramm des Landes eine existenzielle Bedrohung sehen. Dies dürfte eine zentrale Lehre aus dem 12-Tages-Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 sein. Der Beschuss Israels durch den Iran mit Drohnenschwärmen und ballistischen Raketen überforderte das zuvor als nahezu unüberwindlich geltende Raketenabwehrsystem „Iron Dome“. Iranische Drohnen und Raketen spielen auch im Ukraine-Krieg eine Rolle. Der Krieg am Golf dürfte die Lieferung iranischer Drohnen an Russland beeinflussen, da der Iran diese nun selbst in größerem Umfang benötigt. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass der militärische Konflikt im Nahen Osten Auswirkungen auch auf andere Schau- plätze hat. Ein Sieg der USA über den Iran könnte daher die Kooperation zwischen Russland und der Islamischen Republik nachhaltig schwächen. Dieser Erfolg ist jedoch noch nicht ausgemacht. Der Iran setzt in seiner Verteidigung da- rauf, den Konflikt auszuweiten. Dies erklärt die Einbeziehung arabischer Staaten, in denen die USA Stützpunkte unterhalten, in den Konflikt. Die Straße von Hormus ist aktuell nur unter Risiken für die kommerzielle Schifffahrt passierbar und wird daher gemieden. Seit Sonntag greift auch die Hisbollah im Libanon in den Konflikt ein, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Huthi-Rebellen im Jemen verhalten werden. Einige Reedereien haben bereits an- gekündigt, den Suezkanal wieder zu meiden und auf die Route um Afrika auszuweichen. Der Iran setzt auf eine Strategie des Durchhaltens und versucht, die globalen wirtschaftlichen Kosten des Krieges in die Höhe zu treiben. Durch den Beschuss u.a. von Militärbasen in der Region könnte die Zahl der getöteten US- Soldaten in den nächsten Tagen steigen, sodass US-Präsident Trump mit zunehmendem innenpolitischem Druck konfrontiert wäre. Kurzfristig steht für die USA die Vernichtung der Produktionsanlagen für ballistische Raketen und Drohnen im Fokus. Dies würde die iranischen Offensiv- und Defensivfähigkeiten schwächen, hätte aber auch Auswirkungen in anderen Regionen, in denen iranische Militärtechnologie zum Einsatz kommt, wie im Jemen. Dieses Ziel ließe sich durch gezielte Luftschläge umsetzen. Schwieriger wäre es, das zweite Ziel zu erreichen: eine neue iranische Führung, die sich dem Westen annähert und von der Produktion von Raketen, Drohnen und vor allem Atomwaffen Abstand nimmt. Dies wäre nur durch ei- nen Umsturz des Regimes mit Hilfe des iranischen Volkes oder den Einsatz US-amerikanischer Bodentruppen – möglichst unter Mithilfe alliierter Truppen – realisierbar. In einem entscheidenden Wahljahr wird Trump die erste Alternative bevorzugen. Dies dürfte auch den Herrschern im Iran klar sein. Ohnehin gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass die USA derzeit Truppen und militärisches Gerät in der Region zusammenziehen, die für eine Bodenof- fensive benötigt würden. Öl- und Gaspreis durch Riskoprämien getrieben USD/Barrel EUR/MWh Quellen: LSEG, Helaba Research &amp; Advisory Vertraudlich © Helaba | Research &amp; Advisory | 3. März 2026 3 von 3 Das größte Risiko für die globale Wirtschaft besteht darin, dass sich der Konflikt über eine längere Zeit hin- zieht, wenn keine der Parteien in der Lage ist, den Krieg eindeutig für sich zu entscheiden. Sollten in diesem Fall die Öl- und Gaspreise über Monate auf deutlich höherem Niveau verharren und es möglicherweise zu darüber hin- ausgehenden Lieferkettenstörungen kommen, müssten wir unsere Konjunktur- und Kapitalmarktprognosen auf den Prüfstand stellen. Herausgeber und Redaktion Helaba Research &amp; Advisory Redaktion: Dr. Stefan Mitropoulos Verantwortlich: Dr. Gertrud Rosa Traud Chefvolkswirtin/ Head of Research &amp; Advisory Neue Mainzer Str. 52-58 60311 Frankfurt am Main Tel. 0 69/91 32-20 24 Internet: http://www.helaba.de Disclaimer Die Publikation ist mit größter Sorgfalt bearbeitet worden. Sie enthält jedoch le- diglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zu- künftigen Marktverhältnissen. Die Anga- ben beruhen auf Quellen, die wir für zu- verlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wir aber keine Gewähr übernehmen können. Sämt- liche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dür- fen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden. Hier können Sie sich für unsere Newsletter anmelden: https://news.helaba.de/research/

Der Krieg im Iran hat zu einem deutlichen Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt. Entscheidend für die wirtschaftlichen Auswirkungen ist, wie lange Energielieferungen durch die Straße von Hormus beeinträchtigt sind. Die geopolitischen Auswirkungen des Konflikts gehen über den Nahen Osten hinaus.
