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„Nachhaltigkeit ist eine Frage der Haltung“

Interview mit Sebastian Finck, Bereichsdirektor für »Unternehmen und Selbstständige« der Sparkasse Marburg-Biedenkopf

Im Interview spricht Sebastian Finck über Finanzierungen im Bereich Erneuerbare Energien, das Windparkprojekt »Hausfirste«. Dabei geht es auch um die Bedeutung von Verantwortung und Nachhaltigkeit aus Sicht der Sparkasse und die Zusammenarbeit im Verbund mit der Helaba.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind für Sebastian Finck und die Sparkasse Marburg-Biedenkopf zentrale Themen für eine gelingende Zukunft.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind für Sebastian Finck und die Sparkasse Marburg-Biedenkopf zentrale Themen für eine gelingende Zukunft.

Herr Finck, welche Energie nutzen Sie zu Hause?
Ich selbst habe zuhause eine Photovoltaikanlage mit einer Batterie im Keller. Und ich bin jeden Tag froh darüber, dass ich weit über 90 Prozent Strom aus der eigenen Anlage beziehe. Das ist einfach gut, wenn man weiß, der Strom kommt vom eigenen Dach oder von der Windenergieanlage, die nebenan im Wald steht – und eben nicht aus dem Atomkraftwerk oder aus dem Bereich Braunkohle. Dieses Wissen gibt mir ein gutes Gefühl.

Was fasziniert Sie am Thema Erneuerbare Energien?
Erneuerbare Energien, insbesondere die Windenergie, ist ein sehr bedeutsames Thema für mich. Das hat mich schon immer gereizt. Und wenn man auf 150 Meter Höhe auf einem Windrad steht, ist das schon ein sehr beeindruckender Moment. Ich denke, genau diese Faszination brauche ich aber auch als Verantwortlicher einer Sparkasse, die in Erneuerbare Energien investiert. Schließlich müssen wir das Thema verstehen und uns sehr intensiv damit beschäftigen – weniger, wie es technisch funktioniert, aber vor allen Dingen in Bezug auf Verfahren, Ausschreibungen und Finanzierung. Und das alles ist in der Regel sehr komplex und umfangreich.

60,5 Mio €

beträgt die Fremdfinanzierung des Windparks »Hausfirste«.

Die Energie-wende ist Teamwork

Sebastian Finck

Der ENTEGA Windpark »Hausfirste« im Kaufunger Wald.

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf hat eine besondere Expertise im Bereich Erneuerbare Energien. Wie kam es dazu?
Erneuerbare Energien ist bei uns eine Spezialisierung im Bereich »Unternehmen und Selbstständige«. Diese Sparte habe ich vor einigen Jahren selbst aufgebaut. Das heißt, hier bündeln wir das Know-how für Projekte in Bezug auf Windenergie, Photovoltaik und Wärmenetze. Warum wir uns hier engagieren, ist klar: Als Sparkasse haben wir einen öffentlichen Auftrag. Es geht uns daher nicht vorrangig um ein gutes Geschäft, sondern darum, dass soviel Energie wie möglich im Landkreis erzeugt werden kann, die wir sonst von außerhalb einkaufen müssten. Hier gibt es verschiedene Erhebungen, die von etwa 500 bis 700 Millionen Euro pro Jahr sprechen, die den Landkreis dann einfach so verlassen. Und das nur, um Energieträger zu beziehen! Jede Kilowattstunde, die im Landkreis erzeugt wird, ist für uns also eine gute Sache. So bleiben die Wertschöpfung und der Ertrag nachhaltig in der Region.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Helaba bezüglich des Windparks »Hausfirste«?
Das Geschäftsgebiet der Sparkasse Marburg ist der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Wir sind mit rund 800 Mitarbeitenden eine vergleichsweise große Sparkasse. Aber irgendwann stoßen auch wir an die Grenzen dessen, was wir alleine finanzieren können – wie zum Beispiel ein Windparkprojekt mit 50 bis 100 Millionen Euro Investitionsvolumen. Und in diesem Fall hat uns die Helaba das Projekt zugetragen und gefragt, ob wir uns an einer Finanzierung beteiligen wollen - sprich an einer Konsortialfinanzierung unter Führung der Helaba.

Können Sie das spezifizieren?
Die Helaba hat die Finanzierung des Projekts strukturiert, die rechtlichen Prüfungen durchgeführt und die Kreditverträge erstellt – alles Arbeiten, die bei uns nicht mehr gemacht werden mussten. Hier können wir uns immer auf die enorme Expertise der Helaba verlassen. Weil wir wissen, dass dort Menschen sitzen, die sich mit diesen Fragestellungen auskennen und deren Analysen und Daten wirtschaftlich und juristisch absolut verlässlich sind. So profitieren natürlich aber alle Sparkassen im Gebiet Hessen-Thüringen von der Zusammenarbeit mit der Helaba. Das bezieht sich ja nicht nur auf dieses Projekt.

"Erneuerbare Energien, insbesondere die Windenergie, ist ein sehr bedeutsames Thema für mich. Das hat mich schon immer gereizt. Und wenn man auf 150 Meter Höhe auf einem Windrad steht, ist das schon ein sehr beeindruckender Moment. Ich denke, genau diese Faszination brauche ich aber auch als Verantwortlicher einer Sparkasse, die in Erneuerbare Energien investiert. “

Sebastian Finck
Bereichsdirektor Sparkasse Marburg-Biedenkopf
und Initiator der Spezialabteilung Erneuerbare Energien

Haben Sie schon in anderen Projekten zusammengearbeitet?
Ja, und auch Herrn Engel kenne ich schon seit einigen Jahren sehr gut. Er rief mich an und meinte: „Wir haben hier ein sehr spannendes Projekt, einen Windpark in der Nähe von Kassel.“ Er sagte aber auch, dass das Projekt ein sehr sportliches Timing hat und wir die Finanzierung innerhalb von vier Wochen „auf die Straße bringen“ müssen. Da wir uns kannten und natürlich auch vertrauen, war uns deshalb schnell klar, dass wir das gemeinsam anpacken wollen. Wer nicht vom Fach ist, kann sich vermutlich nicht vorstellen, was das, gerade in der Anfangsphase, bedeutet: Da geht es um die Prüfung von tausenden Dokumentenseiten, Gutachten, Genehmigungsfragestellungen, aber auch um die Klärung der Frage: Ist das finanzierbar oder nicht.

Wie profitiert Ihre Kundschaft von der Zusammenarbeit zwischen Helaba und den Sparkassen?
Unsere Kunden profitieren davon, dass sie zwei Ansprechpartner mit absolut spezialisierter Expertise haben. Also uns als regional verankertes und vernetztes Institut, das in der Regel schon über viele Jahrzehnte mit den Kunden zusammenarbeitet, ihr Vertrauen genießt und auch entsprechende Kenntnis über sie besitzt. Ohne dieses Vertrauen würden wir unsere Kundschaft nicht durch gute und schlechte wirtschaftliche Phasen begleiten können.

Und auf der anderen Seite die Helaba, mit ihrem bereits angesprochenen Know-how. Auf diese Weise kann der Kunde, große Projekte realisieren und wir die Finanzierungsmittel für ihn generieren. Der große Teil der Finanzierung von 60,5 Millionen Euro wurde ja von uns und den Sparkassen Mittelthüringen und Werra­Meißner gestemmt. Im zweiten Schritt werden wir – das war der Helaba und uns wichtig – aber noch eine weitere Sparkasse am Finanzierungsvolumen beteiligen, sodass die Finanzierung noch breiter innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe gestreut wird. 



Windpark »Hausfirste«

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie aus Sicht der Sparkasse?
Das steht schon in unserer Satzung. Danach arbeiten und leben wir; es geht uns um Nachhaltigkeit und die Pflege und Förderung des Gemeinwohls. Das ist der Grund, weshalb Sparkassen mal entstanden sind. Und mit unserem Geschäftsmodell und den Tätigkeiten, die wir verfolgen, steht eben nicht der Gewinn im Vordergrund, sondern es geht darum, die Sparkasse ertragfähig zu machen und die Region zu fördern.

Das heißt konkret?
Der Landkreis umfasst etwa 250 000 Einwohnerinnen und Einwohner und die Hälfte der Menschen sind Kundinnen und Kunden der Sparkasse. Unsere Mitarbeitenden kommen auch aus der Region, wohnen in jeder Stadt und jedem Dorf im Landkreis und sind somit auch hier verwurzelt. Und in dem Moment, wo wir für die Sparkasse und für die Region tätig sind, bleibt die Wertschöpfung nachhaltig hier erhalten. Darüber hinaus bedeutet es aber auch, dass wir Nachhaltigkeit ebenso als Unternehmen leben. Ich spreche hier zum Beispiel über langfristige Kundenbeziehungen, darüber, dass wir einen Fuhrpark haben, der sukzessive auf Elektroantrieb umgestellt wird, wir uns an PV-Anlagen beteiligen, diese auch auf unseren eigenen Immobilien realisieren oder auch eigene energetische Themen anpacken. Nachhaltigkeit ist also für uns eine Frage der Haltung und die Grundlage unseres Geschäftsmodells.

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf berät, fördert und investiert bereits seit 20 Jahren in den Bereich Erneuerbare Energie.
Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf berät, fördert und investiert bereits seit 20 Jahren in den Bereich Erneuerbare Energie.
Sebastian Finck ist Bereichsdirektor und Initiator der Spezialabteilung Erneuerbare Energien der Sparkasse Marburg-Biedenkopf.
Sebastian Finck ist Bereichsdirektor und Initiator der Spezialabteilung Erneuerbare Energien der Sparkasse Marburg-Biedenkopf.

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