Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg:

Mensch ärgere dich nicht!

Deutschland hat einen ausgeprägten föderalen Charakter. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Bundesländer in der Corona- Krise unter­schiedliche Lösungs­ansätze favori­sieren. Da ist es wichtig, sich als Politiker und Bürger nicht aufzuregen, besteht doch eine große Unsicherheit im Umgang mit der Pandemie, sodass das Ausprobieren verschiedener Bekämpf­ungs­strategien sogar sinnvoll sein kann. Und wenn‘s kritisch wird, funktioniert die Ab­stimmung in Deutsch­lands Föde­ralismus – wie der Beschluss zum neuer­lichen Lockdown im November zeigt.

Die Auswahl der fol­gen­den Bundesländer fokus­siert auf die Kern­regionen der Helaba.

Hessen startet geschwächt in 2021

Corona hat Hessen besonders schwer getroffen. Die Zunahme der Arbeits­losenzahl gegenüber dem Vorjahresmonat war im Oktober 2020 mit rund 47.500 um das 7,5-Fache höher als in der Finanzkrise. Die Ursache für diesen dras­tischen Anstieg liegt in den Dienst­leistungsbereichen. So ist das Passagier­aufkommen am Frank­furter Flughafen bis Sep­tember 2020 um rund 75 % nied­riger als im Vorjahr. Die Messe Frankfurt kam ebenfalls fast zum Erliegen und das hessische Gastgewerbe musste in den ersten sieben Monaten 2020 Umsatz­einbußen von 43 % hinnehmen, bei einem Minus von 36 % in Deutschland insgesamt.

Grafik Deutschland Bundesländer - Märkte und Trends 2021

Die Industrie in Hessen ver­zeichnete zwar abnehmende Umsätze, doch hat die Erholung dort schon eingesetzt, sodass der Rückgang 2020 bei weniger als 10 % liegen dürfte. Der Einzelhandel, der auch Onlineverkäufe bein­haltet, kann sogar eine Zu­nahme von preis­bereinigt 2,5 % ver­buchen und in der Baubranche ergibt sich ebenfalls ein Plus. In der Summe dürfte das hessische BIP 2020 um etwa 6 % sinken, bei einem gesamtdeutschen Durch­schnitt von – 5 %. Der Aufschwung 2021 könnte sich mit einem Wachstum von 5 % genauso dynamisch wie in Deutschland zeigen.

Thüringen kann ausgleichen

Die Corona-Krise haben die thüringischen Industriebetriebe bisher etwas besser über­standen und das Umsatzminus sollte 2020 deutlich unter 10 % liegen. Dafür waren die Hersteller von Nahrungsmitteln haupt­verantwortlich. Ihre Produkte waren nicht nur im Lockdown gefragt, wie das Umsatzplus in den ersten acht Monaten 2020 von 16 % gegenüber 2,6 % bundesweit belegt. Andere Industrie­branchen wie der Automobilbau und die Produzenten von Metall­er­zeug­nissen spürten die Pandemie ganz erheblich. Der Anstieg der Arbeits­losen­zahl war in Thüringen im Oktober 2020 mit 18 % geringer als im Durchschnitt aller Bundes­länder mit 25 %. Das thüringische Wirtschafts­wachstum müsste aus­reichen, um über die Jahre 2020 und 2021 hinweg zu stagnieren. Dies ist eine gute Nachricht – dürften viele Staaten Ende 2021 noch weit von ihrem Vor­krisen­niveau entfernt sein.

Nordrhein-Westfalen etwas weniger betroffen

Anfang 2020 standen die Zeichen auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) auf wirtschaftliche Erholung. Doch dann kam alles anders. Die Industrie in NRW musste heftige Rückgänge hinnehmen. Inzwischen ist der Tiefpunkt durch­schritten. Ein Minus von etwa 10 % wird aber 2020 unvermeidlich sein. Der Tourismus arbeitet seit Frühjahr in einem mehr oder weniger starken Lockdown. Der Einnahmeausfall von 35%, bedeutet für viele Gastbetriebe einen Existenz­kampf, den nicht alle gewinnen können.

In NRWs Einzelhandel ist dagegen ein realer Umsatzzuwachs zu verzeichnen, der 2020 mit 2,5 % sogar in der Größenordnung von 2019 – einem besonders starken Jahr – liegt. Gewinner sind der Versand- und Internethandel, Super-, Elektro-, Garten- und Baumärkte, Apotheken sowie Sporthändler. Andere Einzel­händler haben dagegen schwer zu kämpfen. Die gesamt­wirt­schaftliche Schrump­fung dürfte 2020 in NRW voraussichtlich unter 5 % liegen und damit wie in der Finanzkrise etwas geringer sein als im Bundesdurchschnitt. Voraus­gesetzt, es kommt im neuen Jahr nicht wieder zu wochenlangen strengen Lockdowns, könnte das Wachstum in NRW bei rund 5 % liegen.

Brandenburg kommt glimpflich durch die Krise

Die Wirtschaftsstruktur Brandenburgs hat ihre eigenen Akzente. Die Industrie hat dort nur einen Anteil von 13 % (Deutschland 22 %). Dafür sind die Dienstleistungsbranchen und der Staatssektor überdurchschnittlich vertreten. Dies hat schon in der Finanzkrise den Einbruch abgefedert, sodass die Minusrate in Brandenburg damals nur 2,8 % und in Berlin 1,1 % betrug. Eine ähnliche Entwicklung dürfte 2020 eintreten – allerdings weniger ausgeprägt, da diesmal auch etliche Dienstleistungen von der Krise betroffen sind. Mit etwa 4 % dürfte der Rückgang um einen Prozentpunkt geringer sein als im Bundesdurchschnitt. Für 2021 ist eine Gegenbewegung von gut 5 % zu erwarten, wenn sich mit dem Abklingen der Pandemie der Reiseverkehr belebt und die Kapazitäten am gerade eröffneten Flughafen Berlin-Brandenburg mit Betriebsamkeit gefüllt werden.

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