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Abwärts mit dem US-Dollar?

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Der robuste US-Dollar ärgert Präsident Trump. Jedoch besteht Hoffnung für ihn: Während längerfristig ohnehin einiges für eine Abwertung der US-Währung spricht, dürften konjunkturelle Lebenszeichen in der Eurozone das Bild drehen. Der Euro-Dollar-Kurs wird 2020 vermutlich steigen.

Egal wie sehr Präsident Trump über die Stärke der US-Währung jammert und das „Unvermögen“ der eigenen Notenbank beklagt, ganz gleich wie die Überbewertung zunimmt, sich die US-Schuldenberge stapeln und das Handelsbilanzdefizit wächst – den Dollar kümmerte das recht wenig. Der Greenback legte 2019 gegenüber dem Euro und vielen anderen Währungen zu.

„This is because the Euro and other currencies are devalued against the dollar, putting the U.S. at a big disadvantage. The Fed interest rate way too high, added to ridiculous quantitative tightening! They don’t have a clue!“

Donald Trump, US-Präsident

Eine protektionistische Ausrichtung der Handelspolitik geht gewöhnlich mit dem Wunsch nach einer schwächeren Währung einher. Donald Trumps Meinung findet in den USA auch in der Opposition Rückhalt. Währungsabwertungen wären eine Alternative zu Zollmaßnahmen. Sie würden Importe verteuern und die heimische Wirtschaft gegenüber dem Ausland preislich attraktiver machen. Der staatliche Einfluss auf frei konvertible Währungen ist jedoch eingeschränkt. Die finanziellen Mittel des US-Finanzministeriums sind begrenzt, die Notenbank folgt dem Präsidenten nicht blind. Gleichwohl könnte die Regierung auf die Stimmung am Devisenmarkt einwirken.

Langfristige Risiken für US-Währung

Die USA weisen derzeit ein erhöhtes Budgetdefizit sowie ein markantes, wenn auch nicht enormes Leistungsbilanzdefizit auf, weshalb sie ausländischer Kapitalzuflüsse bedürfen. Daher kann dieses „Zwillingsdefizit“ den US-Dollar belasten. Zudem könnte die Instrumentalisierung des Greenback für politische Zwecke – Finanzsanktionen gegen einzelne Länder – dessen Attraktivität verringern. Daneben ist der US-Dollar schon seit längerem auf Basis von Kaufkraftparitäten oder realer Wechselkursindizes deutlich überbewertet.

Dollar verliert zyklischen Rückenwind

Diesen langfristig eher belastenden Faktoren standen bislang jedoch zyklische Vorteile gegenüber. Die US-Konjunktur hielt sich vergleichsweise robust, die US-Leitzinsen rentieren klar im positiven Bereich. Von den Folgen des selbst angezettelten Handelskonflikts können sich die USA allerdings nicht freimachen. Das US-Wachstum wird sich etwas verlangsamen. In der Eurozone hingegen ist der Abschwung schon weiter vorangeschritten, der US-Wachstumsvorteil dürfte 2020 schmelzen. Beide Notenbanken legten 2019 eine Kehrtwende ein. Das Zinssenkungspotenzial der EZB ist allerdings im Vergleich zur Fed begrenzt.

Der US-Renditevorteil gegenüber dem Euro ist bereits merklich zurückgegangen und signalisiert einen höheren Euro-Dollar-Kurs.

Den Euro belasteten 2019 zudem politische Faktoren. Mittlerweile ist das Italien-Problem in den Hintergrund getreten und ein Ende des Brexit-Dramas scheint greifbar. Dafür bergen die US-Präsidentschaftswahlen Unsicherheiten, unter denen der Dollar leiden könnte.

Da langfristig ohnehin einiges gegen den US-Dollar spricht und 2020 der zyklische sowie politische  Rückenwind nachlässt, wird die US-Währung wohl nachgeben. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte in Richtung 1,25 steigen. Darüber sollte Donald Trump dann nicht mehr jammern.

Franken, Yen und Pfund

Ein steigender Euro-Dollar-Kurs spiegelt sich zum Teil gegenüber der Schweizer Währung wider. Ein  stabileres konjunkturelles und politisches Umfeld könnte dem Euro auch gegenüber dem Franken helfen. Nach einer Seitwärtsbewegung dürfte der Euro-Franken-Kurs in Richtung 1,15 steigen. Der  Japanische Yen wird von den Problemen der US-Währung vermutlich ebenfalls profitieren, gegenüber dem Euro aber ein wenig nachgeben. Das Britische Pfund ist günstig bewertet, zumal das Zinsniveau im Vergleich zur Eurozone erhöht ist. Wenn der britische EU-Austritt geordnet erfolgt und während der Verhandlungen über das zukünftige Verhältnis zur EU Verwerfungen ausbleiben, besteht hier Aufwertungspotenzial.

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