China

Die Kunst des Handelskrieges

Audio

Der Artikel zum Hören:

Download

Seit dem Frühjahr 2018 belegen sich die USA und China gegenseitig mit Handelssanktionen. Über die Einführung der Zölle hinaus hat sich das Verhältnis der beiden wirtschaftlichen Schwergewichte spürbar verschlechtert.

Es ist ein Allgemeinplatz, dass China unter dem Handelsstreit mit den USA leidet. Wie wichtig dieser Effekt genau ist, lässt sich aber kaum seriös quantifizieren. Dies liegt nicht nur an der mangelnden Aussagekraft der chinesischen Wirtschaftsdaten. Ein grund­legendes Problem ist die strukturelle Wachstumsabschwächung. Diese hat in China ein Ausmaß, das so groß ist, dass es konjunkturelle Schwankungen überlagert. So spiegelt die Verlangsamung des Wachstums von 6,2% 2019 auf 5,8% 2020 in erster Linie den in Richtung 5% gehenden Trend wider. Rein zyklisch wird es 2020  voraussichtlich sogar besser laufen als 2019.

Diese zyklische Erholung ist auch Folge der kräftigen Impulse von der Wirtschaftspolitik. Durch fiskalische und kreditpolitische Maßnahmen aller Art nimmt Chinas Regierung stärker und unmittelbarer Einfluss auf die Konjunktur als dies in den Industriestaaten der Fall ist. Die Konsolidierung der Jahre 2016/2017 hatte die Konjunktur spürbar gebremst. Seit Sommer 2018 gibt die Politik wieder Gas. Dies neutralisiert einen Teil der negativen Folgen des Handelsstreits.

Aber völlig kompensiert werden diese negativen Effekte nicht. Die durchschnittlichen Zölle auf US-Waren sind in China von 8 % Anfang 2018 auf aktuell gut 21% gestiegen. Dem steht ein Zuwachs von 3% auf 21% der US-Zölle auf chinesische Warenimporte entgegen. Teilweise kann dies ein  schwächerer Yuan auffangen, aber per saldo leidet die chinesische Wirtschaft unter dem Handelsstreit. Die Regierung von Präsident Xi hat angesichts ständiger Provokationen seitens Präsident Trump bisher einen erstaunlich konzilianten Kurs gesteuert – insbesondere, da sie den Nationalstolz der Bevölkerung im Auge haben muss und sich daher nur begrenzt von der US-Regierung demütigen lassen kann.

„Siegen wird der, der weiß, wann er kämpfen muss und wann nicht.“

Sunzi (um 500 v. Chr.)

Derzeit sieht es so aus, als würde sich die Situation an der Handelsfront etwas entspannen. Kurzfristige Zugeständnisse der chinesischen Seite sind dabei politisch wie ökonomisch unproblematisch. Sie werden aber das grundsätzliche, von Trump zum Fetisch gemachte Thema des hohen US-Handelsdefizits mit China nicht lösen. Und sie bringen auch keine Fortschritte bei den eigentlichen Knackpunkten des Konflikts: den Fragen, wie die Industriestaaten zukünftig mit den staatlich gelenkten Unternehmen aus China umgehen wollen, wie die weitere Entwicklungsstrategie Chinas mit den Ängsten der Industrieländer vor der Konkurrenz unter einen Hut zu bringen ist und ob der geostrategische Konflikt mit den USA weiter eskalieren wird.

Donald Trump hat es mehr oder weniger explizit zu seinem Ziel erklärt, dass China die USA nicht als größte Wirtschaft der Welt (gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt) überholen darf. Solange er Präsident ist, ist ein großer Wurf schwer vorstellbar. Aber auch unabhängig vom Ausgang der US-Wahlen Ende 2020 ist eine Rückkehr zur friedlichen Koexistenz vor 2018 kein plausibles Szenario. Selbst die Demokraten im US-Kongress haben sich auf China eingeschossen.

Bricht 2020 der Frieden aus?

Im Bereich des Greifbaren ist aber eine partielle Übereinkunft in einigen Streitfragen. China könnte sich bei der Frage des Wechselkurses kooperativ zeigen und konstruktiv über eine symmetrische Marktöffnung verhandeln. Im Hauptszenario steigen die Zollsätze 2020 nicht weiter, bleiben aber erhöht. Positive Impulse von der Handelspolitik sind vor allem zu erwarten, weil die Unternehmen nicht mehr jeden Tag auf Twitter schielen und mit neuen Zöllen oder Sanktionen rechnen müssen.

Die Inflationsrate ist in China zuletzt auf fast 4% gestiegen. Dies ist nicht Folge einer Überhitzung oder der Yuan-Abwertung, sondern fast ausschließlich durch die Schweinepest bedingt. Das  Grundnahrungsmittel Schweinefleisch hat sich im Herbst 2019 im Vorjahresvergleich um fast 150% verteuert. Auch 2020 dürfte die Teuerung mit gut 3% hoch bleiben. Angesichts der speziellen Ursache ergibt sich aber kein Handlungsbedarf für die Notenbank.

Immer auf dem neusten Stand!

Mit den Newslettern und Publikationen von Volkswirtschaft/Research

Verwandte Themen:

Um unsere Website fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz