Spanien

Weniger Dynamik

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Spanien hat am 10. November 2019 zum vierten Mal in vierJahren gewählt. Ob diesmal eine mehrheitsfähige Regierung gebildet werden kann und der Reformstillstand endet, ist abzuwarten. Die Phase der Unsicherheit belastet das Wirtschaftswachstum; die Dynamik lässt nach. Obwohl Spanien auch 2020 mit 1,8% (2019: 2,0%) stärker expandieren dürfte als die Eurozone, bleiben wirtschafts­politische Baustellen. Die Arbeitslosigkeit ist mit gut 14% immer noch hoch. Reformen am Arbeitsmarkt sind erforderlich, um sie weiter zu verringern und die große Zahl der befristeten Einstellungen zu reduzieren. Das Schul- und Ausbildungssystem muss weiterentwickelt werden.

Eine wichtige Aufgabe der nächsten Regierung ist die Sanierung des defizitären Rentensystems. Zudem hat die EU-Kommission Zweifel am Budgetplan 2020 geäußert. So liegt der Schuldenstand des Staates mit knapp 98% des Bruttoinlandsprodukts deutlich über den eigentlich erlaubten 60%. Er ist trotz des hohen Wachstums der letzten Jahre und der immer weiter gesunkenen Kapitalmarktzinsen nur wenig zurückgegangen. Unklar bleibt, ob sich die Lage in Katalonien nachhaltig beruhigt.

Vorstellung muss Konsumenten überzeugen

Die Abschwächung des spanischen Wirtschaftswachstums kommt u. a. von den privaten Konsum­ausgaben, die 2019 unterdurchschnittlich zulegten. Die Verbraucher erhöhten ihre Sparleistung. Da sich gleichzeitig das Konsumklima auf hohem Niveau nicht nennenswert verändert hat, scheint es sich nicht um eine Trendwende zu handeln. Die Löhne und Gehälter sind 2019 deutlich angehoben worden, nicht zuletzt weil es zu einem starken Anstieg des Mindestlohns kam. Obwohl sich dies 2020 nicht wiederholt, dürften die Lohnzuwächse mit knapp 2% nur etwas schwächer ausfallen und deutlich über der Inflationsrate von 1% liegen. Trotz der geringeren Dynamik der spanischen Volkswirtschaft steigt die Beschäftigung um etwa 2%. Nach nur gut 1% dürfte der Konsum 2020 um knapp 2% zulegen.

Moderate Impulse werden zudem von den Ausrüstungen und der Bautätigkeit ausgehen. Zu einer Belastung ist zwar jüngst der für Spanien wichtige Tourismus geworden. Mitverursacht durch die Insolvenz eines großen Anbieters sind die Touristenzahlen im Herbst gesunken. Hier sollte es jedoch 2020 zu einer Gegenbewegung kommen. Im Umfeld einer wieder lebhafteren Weltwirtschaft werden die Exporte deutlicher zulegen. Aufgrund der dynamischeren Binnennachfrage gilt dies allerdings auch füür die Importe, so dass der spanische Außenhandel 2020 kaum zum Wirtschaftswachstum beiträgt.

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