Bundesländer

Spot an:  Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg

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Die Auswahl der Bundesländer fokussiert auf
die Kernregionender Helaba.

Hessen 2020 am Aufschwung beteiligt

Der Flughafen Frankfurt ist ein guter Konjunkturindikator, weil er mit seinem hohen Frachtaufkommen in die globalen Handelsströme eingebunden ist. Die konjunkturelle Abschwächung zeigte sich hier Mitte 2018 und wurde 2019 nicht nur bei der Luftfracht deutlicher. Insgesamt dürfte das hessische Wirtschaftswachstum aber mit 0,8% etwas höher als im Bundesdurchschnitt ausfallen: Die Industrieumsätze waren in den ersten acht Monaten gegenüber dem Vorjahr im Plus und der baugewerbliche Umsatz stieg kräftig. Einzel- und Großhandel konnten mit realen Umsatzzuwächsen aufwarten.

Dass die Unternehmen an eine wirtschaftliche Erholung glauben, zeigt sich an der  Beschäftigungs­entwicklung. Rückläufig ist nur die Leiharbeit. Bei allen anderen großen  Wirtschaftsbereichen steigt die Mitarbeiterzahl. Das Tempo hat sich allerdings verringert. 2020 dürfte das hessische BIP zumindest im Bundesdurchschnitt von 1,4% wachsen. Flughafen und Industrie profitieren von der weltweiten Konjunkturbelebung. Dienstleister sind bei Digitalisierungsprozessen in allen Branchen gefragt.

Enger Arbeitsmarkt in Thüringen

In den nächsten zwölf Jahren wird fast ein Viertel der Thüringer Belegschaften in den Ruhestand gehen. Diese Lücke lässt sich nicht durch heimische Arbeitskräfte schließen. Auch die konjunkturelle Verlangsamung 2019 sorgt hier kaum für Entspannung. Wirtschaftliche Schwächephasen sind aber oft Anlass, Produktionsstandorte zu überprüfen. Hierbei droht die Gefahr, dass Thüringer Fertigungs­stätten aufgegeben werden, weil Unternehmen befürchten, dass sie nicht genug  Arbeitskräfte gewinnen können. Deshalb ist es für das Bundesland wichtig, seine Attraktivität auch für ausländische Arbeitssuchende zu steigern.

Nimmt man die Industrie als Indikator für das Wachstum des BIP, dann sollte in Thüringen 2019 ein Wert nahe des Bundesdurchschnitts möglich sein – bot der Sektor doch bisher eine überdurch­schnittliche Performance. Dies dürfte den schwächeren Impulsen aus den Dienstleistungs­branchen entgegenwirken, die angesichts der Demografie in weiten Teilen keine überdurch­schnittliche Dynamik entwickeln. 2020 dürften ähnliche Aspekte eine Rolle spielen, so dass das gesamtdeutsche Wachstum für Thüringen die Obergrenze darstellt.

Verringerte Wachstumslücke in NRW

Die überdurchschnittliche Studierendendichte, die Qualität der Hochschulen sowie die Vielzahl von Patenten, Markenrechten und Designs sind eine gute Basis für Unternehmertum in Nordrhein-Westfalen (NRW). Startups sind keine Seltenheit und der Großraum Rhein-Ruhr bietet mit seinen breiten Konsumentenschichten und Unternehmen im Umbruch ein großes Experimentierfeld für Firmengründer. Die NRW-Kommunen haben mit den geplanten Ausgleichszahlungen für den  Ausstieg aus der Kohleförderung die Chance, zusammen mit den Forschungseinrichtungen schlüssige Konzepte zu erarbeiten, um die finanziellen Mittel zielgerichtet einzusetzen.

All diese Aktivitäten sind wirklich notwendig: Die unterdurchschnittliche Entwicklung der Industrie und der nur mittelmäßige Anstieg bei den Dienstleistern verursachen seit längerem einen Rückgang der Wirtschaftskraft in NRW insgesamt: Inzwischen liegt das Bundesland um 4% unter dem gesamtdeutschen bzw. 8% unter dem westdeutschen Niveau. Auch für 2019 zeichnet sich ein schwächeres Wachstum ab, verglichen mit dem Bundesdurchschnitt. 2020 müsste sich mit der weltwirtschaftlichen Belebung die Wachstumslücke wieder verringern.

Brandenburg: Flughafen-Ouvertüre 2020 beendet?

Mit Oktober 2020 zeichnet sich endlich ein Eröffnungstermin für den Flughafen Berlin-Brandenburg ab, wobei das genaue Datum noch in diesem Jahr bekannt gegeben werden soll. Allerdings ist unsicher, ob bis dahin das Zusatzterminal fertiggestellt wird. Insofern steht die volle Kapazität bestenfalls 2021 zur Verfügung. Für das Wirtschaftswachstum 2020 dürften die Effekte aus der Aufnahme des Flugbetriebs deshalb überschaubar sein.

Die Wirtschaftsdaten für 2019 sprechen für ein zumindest durchschnittliches Wachstum, da sich die Umsätze in Industrie, Bau und Gastgewerbe überdurchschnittlich entwickeln. Das Umsatzwachstum des Einzelhandels blieb nur geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt, während der Großhandel rückläufig war.

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