Seit Veröffent­lichung unseres Jahres­ausblicks 2019 „Welt­wirtschaft im Fitness­studio“ sind vier Monate vergangen. Wie von uns erwartet, hat sich die wirtschaft­liche Schwäche in vielen Ländern zunächst fortgesetzt. Aller­dings signa­lisie­ren die ersten Früh­indika­toren bereits eine konjunk­turelle Trend­wende. 

Die Aktien­kurse haben diese Ent­wicklung vorweg­genom­men und sind – wie von uns prognos­tiziert – gestiegen. Dagegen haben die Noten­banken (nicht nur) uns mit ihrem Kurs­wechsel überrascht. Offen­sichtlich halten EZB und Fed den Trainings­zustand ihrer Volks­wirtschaften für unzu­reichend, um mehr Gewichte (Zinsen) aufzulegen. Wir haben daher unsere Zins­prognosen entsprechend gesenkt. Die jüngsten Ent­wicklungen sowohl im inter­natio­nalen Handel als auch bezüglich Brexit hatten wir in unserem Haupt­szenario unterstellt. Eine Anpas­sung der Eintritts­wahr­schein­lichkeit von 70 % ist somit nicht erforderlich.

Globale Expansion geht weiter      

Das Jahr 2018 war geprägt von einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung in China und Europa, während die USA aufgrund starker fiskalischer Impulse zulegen konnten. 2019 werden die USA zwar etwas an Dynamik verlieren, jedoch sind aus der Eurozone und China wieder konjunkturelle Impulse zu erwarten. Für die anderen Schwellenländer rechnen wir mit einer Stabilisierung. Die Weltwirtschaft kann das überdurchschnittliche Wachstumstempo der Vorjahre voraussichtlich nicht ganz halten.

In den USA dürfte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts im Jahresdurchschnitt von 2,9 % (2018) auf 2,6 % leicht nachgeben. Der Rückenwind von der Fiskalpolitik flaut etwas ab. Dem steht jedoch eine weiterhin sehr expansive Geldpolitik gegenüber. Die Handelspolitik Präsident Trumps bleibt ein Risikofaktor – vielleicht aber auch eine Chance. Unter Umständen einigt er sich mit China über einen Abbau von Zöllen, nachdem im letzten Jahr Zollerhöhungen implementiert wurden. Ein Investitionsboom zeichnet sich nicht ab.

Die chinesische Wirtschaft wird sich weiter strukturell verlangsamen. Die Regierung steuert aber massiv mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen dagegen, so dass die Abschwächung im Rahmen dessen bleibt, was die Regierung als angemessen erachtet. Die aufgekommenen konjunkturellen Ängste können damit besänftigt werden.

Konjunkturerholung in Sicht

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research
Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research

Die Konjunktur im Euroraum und in Deutschland sollte sich nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2018 im Laufe von 2019 erholen. Mittlerweile steigen die Erwartungs­komponenten wichtiger Frühindikatoren wieder. Wir rechnen für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum um 1,4 % in der Eurozone und 1,3 % in Deutschland. Während der Außenhandel voraussichtlich einen leicht negativen Wachstumsbeitrag erbringen wird, kommen deutliche Impulse vom Konsum, auch stimuliert durch eine expansivere Fiskalpolitik. Die Bauwirtschaft erlebt insbesondere in Deutschland eine Sonderkonjunktur.

Immer auf dem neusten Stand!

Mit den Newslettern und Publikationen von Volkswirtschaft/Research

Download

Das Update mit allen Charts zum Herunterladen

Abnehmende politische Unsicherheit

Die politische Unsicherheit hatte Ende 2018/Anfang 2019 global spürbar zugenommen: Die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China bzw. der EU schienen zu eskalieren. Aufgrund des „government shutdown“ in Washington arbeitete die US-Regierung wochenlang nur auf Notbetrieb. Zudem drohte mangels Einigung im britischen Parlament ein ungeregelter Brexit. Mit der Fristverlängerung bis Ende Oktober 2019 ist dieses Risiko vorerst entschärft, wenngleich sich eine tatsächliche Lösung des Problems noch nicht abzeichnet. Insgesamt gehen wir aber weiter davon aus, dass die Belastungsfaktoren Handelsstreit und Brexit für Weltkonjunktur und Finanzmärkte an Bedeutung verlieren.

Leicht höhere Inflation

Die Teuerungsraten starteten generell niedriger als erwartet ins Jahr 2019. Dies ging vor allem von den Energiepreisen aus. Seit Anfang 2019 hat sich der Ölpreis allerdings von seinem Tiefstand um die 50 US-Dollar entfernt und notiert aktuell bei rund 70 US-Dollar. Die Delle bei der Teuerung wird sich daher als temporär erweisen. Auch beim Kernindex stehen die Zeichen eher auf höhere Inflationsraten. Steigende Tarifabschlüsse nicht nur in Deutschland forcieren den Anstieg der Konsumentenpreise. In der Eurozone dürfte mit etwa 1,5 % aber im Jahresdurchschnitt der Zielwert der EZB für die Inflation von knapp 2 % nicht erreicht werden.

Steigende Inflationsraten in Sicht

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research
Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research

Notenbanken ändern den Kurs

Auf dem falschen Fuß erwischt wurden wir (und die Mehrheit der Ökonomenzunft) von den großen Notenbanken. Fed und EZB haben – mit unterschiedlich guten Argumenten – in den vergangenen Monaten geldpolitische Kehrtwenden vollzogen. Die US-Notenbank reagierte dabei in erster Linie auf die Entwicklung an den Finanzmärkten: Nicht nur, dass der Abbau der Bilanzsumme ab September gestoppt wird, auch der Ausblick für den Leitzins hat sich radikal geändert. Wir rechnen nun auf absehbare Zeit mit einer unveränderten Federal Funds Rate, während an den Finanzmärkten schon über das Timing der ersten Zinssenkung spekuliert wird.

Kein Zinsschritt der EZB im Jahr 2019    

Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research
Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research

Die Europäische Zentralbank hat aufgrund der erhöhten Konjunktur­risiken die für dieses Jahr avisierte Zinserhöhung abgeblasen. Gleichzeitig wird die üppige Liquiditäts­versorgung der Wirtschaft durch neue Langfrist-Tender aufrechterhalten, was der Euro-Konjunktur Rücken­deckung geben sollte. Mit einem vorsichtigen Zinsschritt der EZB rechnen wir nun erst im kommenden Jahr.

US-Dollar vor Schwäche

Der zyklische Rückenwind für den US-Dollar lässt nach. Mangels Unterstützung von der Fed schrumpft der US-Renditevorteil gegenüber dem Euro. Die – bislang noch robuste – US-Währung dürfte nachgeben. Insbesondere Trumps Haushaltspolitik erweist sich nunmehr als Belastung für den Greenback. Der Euro-Dollar-Kurs steigt bis auf 1,25.

US-Renditevorteil sinkt, wann folgt der US-Dollar?   

Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research
Quellen: Macrobond, Helaba Volkswirtschaft/Research

Geringer Spielraum für höhere Renditen

Die Erholung der Euro-Konjunktur im Jahresverlauf dürfte durchaus Raum für steigende Renditen bei deutschen Rentenpapieren geben. Die Entscheidung des EZB-Rats, die Leitzinsen bis Jahresende unverändert zu lassen, wird gleichwohl nachwirken und die Kapitalmarktzinsen auf einem bescheidenen Niveau deckeln. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen dürfte am Jahresende bei rund 0,5 % liegen. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries erwarten wir bei 2,7 %. Gegen deutlich tiefere Renditeniveaus in den USA sprechen insbesondere die relativ stabilen Inflationserwartungen.

Die Kreditausfälle bei Banken bleiben unter ihrem langjährigen Durchschnitt und die Verschuldungsquoten der Unternehmen niedrig. Die weiterhin robusten Covered Bonds sehen sich einer verminderten Nachfrage der EZB gegenüber. Insgesamt rechnen wir für Credits mit einem moderaten Anstieg der Risikoprämien.

Immobilien und Aktien attraktiv

An den Immobilienmärkten sorgen die weiter extrem niedrigen Zinsen und ein ausreichendes Wirtschaftswachstum für eine hohe Nachfrage. Dem steht ein nach wie vor zu geringes Angebot gegenüber. Dies sorgt für anhaltend steigende Mieten und Kaufpreise. In Teilmärkten bestehende Überbewertungen nehmen weiter zu.

DAX mit Luft nach oben    

* Basierend auf Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research
* Basierend auf Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate
Quellen: Datastream, Helaba Volkswirtschaft/Research

Bei Aktien haben sich unsere Erwartungen bislang erfüllt. Sie konnten im ersten Quartal trotz konjunkturellen Gegenwinds deutlich zulegen. So wurden die Schätzungen für das Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Industrieländern kontinuierlich nach unten revidiert. Es ist jedoch völlig normal, dass im Vorfeld konjunktureller Wendepunkte die Wachstumsunsicherheit am größten ist. Schließlich laufen Aktien der Realwirtschaft knapp ein halbes Jahr voraus. Dafür locken im Vorfeld des Konjunkturtiefs bei Aktien aber auch die höchsten Renditen. In den kommenden Monaten dürften die Notierungen durch wieder verbesserte Aussichten für Wachstum und Unternehmensgewinne untermauert werden. Unterstützung kommt zudem von der anhaltend lockeren Geldpolitik. Für den DAX ergibt sich weiterhin ein fundamental abgeleitetes Band von 10.500 bis 14.000 Punkten. Gegen Jahresende dürfte er bei 13.200 Punkten notieren.

Gold wird sich wahrscheinlich auch 2019 nicht aus der Spanne zwischen 1.200 und 1.400 US-Dollar je Feinunze befreien können. Niedrige US-Realzinsen und eine zumeist lockere Geldpolitik unterstützen zwar. Im gegenwärtigen zyklischen Stadium erscheint das gelbe Metall aber weniger attraktiv als andere Anlagen wie etwa Aktien.

 Stand Dezember 2018

Alle Szenarien und Prognosen mit dem Stand Dezember 2018 finden Sie hier. Diese Publikationen haben wir nicht aktualisiert.

Um unsere Website fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz