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Das rosige Dollar-Umfeld wird sich verschlechtern, „America First“ gilt nicht mehr am Devisenmarkt. Ihrem Zwischenspurt wird die US-Währung Tribut zollen. Der zyklische Rückenwind nimmt im Verlauf von 2019 ab. Haushalts- und Handelspolitik lassen Zweifel an der Form des US-Dollar wachsen. Da der Euro allmählich wieder Tritt fasst, dürfte die US-Währung verlieren.

Der nicht zuletzt finanzpolitisch getriebene konjunkturelle Schwung in den USA lässt 2019 nach. Umgekehrt wird die Eurozone ihre Durststrecke wohl beenden, der US-Wachstumsvorsprung verringert sich. Dies wird sich auch in der Geldpolitik widerspiegeln: Die Federal Reserve wird ihren Leitzins zwar zunächst weiter anheben, den Erhöhungszyklus aber im Jahresverlauf unterbrechen. Dagegen dürfte die EZB – endlich – die Zinswende einläuten. Der derzeit ungewöhnlich hohe US-Renditevorteil gegenüber dem Euro wird daher vermutlich zurückgehen, zumal die Euro-­Renditen erhebliches Aufholpotenzial besitzen.

Die Unsicherheiten in Italien begünstigen zwar den US-Dollar. Grundlegende Probleme der Währungsunion bleiben vorerst ungelöst. Die Lage der Staatshaushalte erscheint aber weniger kritisch als vor einigen Jahren. Zudem dürfte sich der Konflikt um Italien entspannen. Daher werden diese Streitigkeiten den Euro nur temporär belasten. Auch die Schwierigkeiten in den Schwellen­ländern werden vermutlich an Einfluss verlieren und entsprechend der US-Währung kaum Schub geben.

Trump-Politik per saldo als Belastung

Der Handelskonflikt ist für die US-Währung zwiespältig. Wegen der damit verbundenen Unsicherheiten ist der US-Dollar zwar als Fluchtwährung gesucht. Allerdings sollten die wirtschaftlichen Folgen nicht zuletzt die USA treffen. Die generell protektionistische Haltung der US-­Regierung wirkt sich auch indirekt negativ auf die eigene Währung aus. Dies impliziert ein Interesse an einem schwächeren Dollar, was Trump mehrfach u. a. mit seiner Kritik an der Fed-Politik untermauerte. Dadurch erschwert er der Notenbank die Zinserhöhungen.

Zitat

China, the European Union and others have been manipulating their currencies and interest rates lower, while the U. S. is raising rates while the dollars gets stronger and stronger with each passing day – taking away our big competitive edge. As usual, not a level playing field …

Donald Trump

Zudem sprechen das steigende Haushaltsdefizit sowie der chronische Fehlbetrag in der Leistungsbilanz in den USA gegen den Dollar. Höhere Fehlbeträge im Staatsbudget wirken nur positiv auf die eigene Währung, falls sie von einer entsprechend restriktiveren Geldpolitik begleitet werden. Dies wird 2019 immer weniger gelten. Der wachsende US-Schuldenberg könnte internationale Langfristinvestoren zweifeln lassen. Versuche der USA, die eigene Währung als politische Waffe – siehe Iran-Sanktionen – zu benutzen, sorgen ebenfalls für Unmut. Schließlich erfordert das Leistungsbilanzdefizit von gut 2% am BIP einen regelmäßigen Kapitalzufluss aus dem Ausland.

Zitat

Je mehr der Eindruck entsteht, dass Trump den Dollar benutzt, um außenpolitische Ziele zu erzwingen, werden internationale Anleger sich nach einer alternativen ­Währung umsehen.

Ökonom Barry Eichengreen

Ein steigendes US-„Zwillingsdefizit“, also die Summe aus Haushalts- und Leistungsbilanzsaldo, ging in der Vergangenheit tendenziell mit einem schwächeren US-Dollar einher. Langfristig betrachtet ist die US-Währung ohnehin noch überbewertet, wie die Kaufkraftparitäten anzeigen. Die Trump-Politik wirkt sich insgesamt nur insofern positiv aus, als das dank der Fiskalimpulse stärkere Wachstum die US-Zinsen steigen ließ. Da dieser Rückenwind 2019 nachlassen wird, dreht sich das Blatt zu Ungunsten der US-Währung. Der Euro-Dollar-Kurs dürfte sich in einem Bereich von 1,10 bis 1,30 bewegen und bis Jahresende auf 1,25 steigen.

Pfund-Aufwertung nach Brexit-Deal

Nach einer Einigung in den Brexit-­Verhandlungen dürften beim Britischen Pfund die fundamentalen Entwicklungen in den Vordergrund rücken. Seit 2016 dominiert das Thema Brexit und belastet die Wäh­rung. Konjunkturell läuft die britische Wirtschaft der Eurozone hinter­her. Dennoch erhöhte die Bank of England bereits ihren Leitzins. Das Britische Pfund weist gegenüber dem Euro daher einen vergleichsweise hohen Zinsvorteil auf. 2019 wird die britische Notenbank die Anhebungen vorsichtig fortsetzen, so dass der Renditevorteil bestehen bleibt. Zudem stützen langfristige Bewertungs­indikatoren das Pfund.

Entscheidend wird aber der Ausgang der Brexit-Verhandlungen sein. Mit einer Einigung wird sich nicht nur die Unsicherheit erheblich verringern. Auch die wirtschaftlichen Konsequenzen des EU-Austritts werden mit dem Inkrafttreten der Übergangsphase begrenzt. Das Pfund dürfte davon merklich profitieren und der Euro-Pfund-Kurs 2019 bis auf 0,80 sinken.

Franken gibt leicht nach

Der Schweizer Franken wird gegenüber dem Euro ins Hintertreffen geraten. Die Schweizer Notenbank reagierte 2018 nicht auf das kräftige Wachstum von rund 3%. Die Konjunktur dürfte 2019 an Fahrt verlieren und das Bruttoinlandsprodukt um 2% zulegen. Die Inflation wird sich etwas beschleunigen und im Gesamtjahr 1,4% betragen. Eine Zinswende wird die Notenbank weiter hinauszögern und frühestens 2020 vollziehen. Da im Gegensatz dazu die EZB agieren wird, dürfte sich der Schweizer Renditenachteil vergrößern.

Die politischen Unsicherheiten in Europa werden im Verlauf von 2019 vermutlich nachlassen. Daher wird sich die Nachfrage nach dem sicheren Anlagehafen Franken vermindern. Langfristig betrachtet ist die Schweizer Währung gegenüber dem Euro ohne­hin überbewertet. Eine generell freundlichere Euro-Stimmung sowie die Renditedifferenzen sprechen für die Gemeinschaftswährung. Der Euro-­Franken-Kurs dürfte 2019 bis auf 1,20 klettern.

Yen ohne Sorgen

Der Japanische Yen wird sich 2019 insgesamt stabil halten. Gegenüber dem US-Dollar wird Japans Währung vermutlich zulegen. Der Renditenachteil gegenüber der US-Währung dürfte sich nur noch geringfügig ausweiten, auch wenn die Bank of Japan allenfalls zaghaft von ihrer expansiven Geldpolitik abrücken wird.

Zeitweise könnte der Yen anders als 2018 als sicherer Anlagehafen profitieren, wenngleich die Unsicherheiten ins­gesamt abnehmen. Eine günstige Bewertung spricht für den Yen. Der nach wie vor hohe Leistungsbilanzüberschuss Japans stützt die Währung ebenso. Da die Eurozinsen 2019 wohl sichtbarer steigen werden, dürfte der Yen gegenüber dem Euro per saldo leicht nachgeben. Der Euro-Yen-Kurs wird gegen Ende 2019 vermutlich nahe 130 notieren.

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