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Die Kapitalmärkte haben erleichtert auf den Sieg des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2018 reagiert. Dieser hatte im Wahlkampf noch mit einer Verherrlichung der Militär­diktatur für Aufsehen gesorgt. Die marktliberalen Ansichten seines Ministers Guedes sind der Wirtschaft aber lieber als die interventionistischen Ansätze des Herausforderers.

Die Erholung der brasilianischen Wirtschaft setzt sich 2019 fort. Allerdings macht die hohe Staatsverschuldung eine Straffung der Fiskalpolitik unausweichlich. Die ambitionierten Reformvorhaben von Guedes beinhalten u. a. Privatisierungen und die dringend notwendige Reform des Rentensystems. Die Umsetzung dieser Maßnahmen hängt von der Zustimmung des stark fragmentierten Kongresses ab. Dort werden die Privatisierungspläne zwar auf Widerstand stoßen, die Einsicht, dass ein Gegensteuern in der Fiskalpolitik nötig ist, sollte sich aber letztlich durchsetzen.

Größte Herausforderung bleibt die Sanierung der Staatsfinanzen. Die Staatsverschuldung ist seit 2014 buchstäblich explodiert und dürfte 2019 die 80%-Marke überschreiten. Wie in den Vorjahren war das Haushaltsdefizit mit 7% des BIP 2018 außerordentlich hoch. Ohne eine entschlossene Konsolidierung steuert das Land auf eine Schuldenkrise zu.

Bereits die Vorgängerregierung hat vor diesem Hintergrund eine Ausgabenbegrenzung in die Verfassung aufgenommen. Diese sieht vor, dass ab 2019 die Ausgaben des Bundeshaus­haltes pro Jahr um 0,5% des BIP sinken müssen. Doch selbst das dürfte zu wenig sein, um den Anstieg der Staatsverschuldung zu bremsen. Das Defizit wird 2019 auf 5,7% des BIP zurückgehen, weil zu erwarten ist, dass die neue Regierung Konsolidierungsmaßnahmen einleitet. Positiv ist, dass die Staatsverschuldung fast ausschließlich in inlän­discher Währung notiert, weshalb sich die starke Abwertung 2018 hier nur begrenzt negativ ausgewirkt hat.

Aufgrund hoher Währungsreserven und moderater Leistungsbilanzdefizite steht Brasilien außenwirtschaftlich gut da. Die wirtschaftsliberalen Reformen sorgen dafür, dass die Investitionen bald anziehen werden. Zusammen mit einer leichten Erholung beim Konsum wegen der geringeren Arbeitslosenzahlen ist deshalb 2019 ein Anstieg des Wirtschaftswachstums auf 2,3% möglich.

Zitat

Höhere Investitionen sowie eine Erholung des privaten Konsums kompensieren nega­tive Wachstumseffekte der Konsolidierung.

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