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2019 wird ein anstrengendes Jahr. Fitness ist somit wichtig. Nur mit einer gewissen Leistungsfähigkeit können die Heraus­forderungen bewältigt werden. Deshalb schicken wir die Weltwirtschaft ins Fitnessstudio. Gerade weil einige Länder ins Schwitzen kommen, werden sich bereits im Laufe des Jahres 2019 erste Erfolge einstellen: Die konjunkturelle Dynamik in der Eurozone und den Schwellenländern wird wieder etwas anziehen.

Davon profitieren die jeweiligen Aktienmärkte und Währungen. Diesem Szenario messen wir eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 70% bei.

Finanzpolitik als Taktgeber

Konjunkturell bewegen sich die wichtigsten Wirt­schaftszonen 2019 in unterschiedliche Richtungen: Während die Dynamik in den USA und in China abflauen dürfte, rechnen wir für die Eurozone und Deutschland mit einer im Jahresverlauf anziehenden Konjunktur. In den Schwellenländern erwarten wir eine Stabilisierung der Lage. Global kann das Wirtschaftswachstum das Tempo von 2018 nicht ganz halten.

Die chinesische Wirtschaft hat bereits einen Gang zurückgeschaltet und wird 2019 weiter an Schwung verlieren – auch wegen der Handelshemmnisse in den USA. Hingegen boomt die US-Konjunktur noch. Dies ist aber in erster Linie dem erheblichen finanz­politischen Stimulus durch Steuersenkungen und kräftige Ausgabenerhöhungen geschuldet. Da dieser Effekt ausläuft, wird sich auch das Wachstum jen­seits des Atlantiks verlangsamen. Bereits 2019 schwächt sich der Rückenwind von der US-Finanzpolitik deutlich ab.

Im Euroraum und in Deutschland wird die laufende Eintrübung der Stimmungsindikatoren voraussicht­lich in Kürze vorbei sein. Die konjunkturelle Lage hellt sich 2019 auf. Während in der Eurozone (und in China) der fiskalpolitische Stimulus tendenziell zunehmen wird, lässt er in den USA nach. Die von uns erwarteten erfolgreichen Verhandlungen über den Handelsstreit sollten vor allem in der deutschen Automobilindustrie für Erleichterung sorgen.

Auch bei anderen zentralen wirtschaftspolitischen Konflikten sehen wir Schritte in Richtung Entspannung, freilich ohne dass grundlegende strukturelle Probleme gelöst bzw. fundamentale Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt würden. Die Querelen um den italienischen Haushalt sollten letztlich mit einem für die Regierung und die EU-Kommission gesichtswahrenden Kompromiss enden – keine Seite hat ein Interesse daran, den Streit auf die Spitze zu treiben. Ebenso zeichnet sich beim Brexit eine Ver­handlungslösung ab. Das von vielen befürchtete Chaos-Szenario bleibt aus. Aufbruchssignale für eine Erneuerung von EU und Eurozone erwarten wir jedoch 2019 nicht – das Durchwursteln geht weiter, institutionelle Stagnation bleibt die euro­päische Normalität.

Die seit Jahren erwartete Belebung des Produkti­vitätswachstums in den USA und im Euroraum wird sich vermutlich auch 2019 nicht einstellen. Wir teilen aber nicht den Technologiepessimismus mancher Schwarzmaler – die Digitalisierung wird der globalen Wirtschaft über einen längeren Zeit­raum positive Impulse liefern.

Während wir von einem nahezu unveränderten Ölpreis ausgehen, sollte die Kernteuerung in der vollausgelasteten US-Wirtschaft weiter anziehen und mit knapp 2,5% ein neues zyklisches Hoch erreichen. Der Lohnauftrieb nimmt langsam, aber sicher zu. Die Strafzölle wirken tendenziell preistreibend. Deutschland und die Eurozone dürften im Jahresschnitt eine Inflationsrate um die 2% aufweisen. Wie schon in den zentraleuropäischen Staaten steigen auch hier wegen der zunehmend angespannten Arbeitsmärkte die Löhne nun kräftiger.

Fed hört auf, EZB legt los

Die US-Notenbank ist schon recht weit auf ihrem geldpolitischen Normalisierungsweg marschiert. Angesichts von Vollbeschäftigung und anziehender Kernteuerung dürfte die Fed den Leitzins 2019 weiter anheben. Im Herbst wird sie dann bei einem Zielband von 3% bis 3,25% den Zins­erhöhungsprozess aber aussetzen und erst einmal abwarten, wie stark die weniger expansive Fiskal- und Geldpolitik die Konjunktur bremsen.

Die EZB hingegen kann dank einer sich beschleunigenden Euro-Konjunktur und Inflationsraten nahe ihrem Ziel mit einer Zinsanhebung den eingeschlagenen Weg aus dem geldpolitischen Krisenmodus fortsetzen. Der Refinanzierungssatz wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2019 auf 0,25% und der Einlagenzins auf – 0,2% angehoben.

Der US-Dollar gibt nach. Der zyklische Rückenwind für die US-Währung wird schwächer, der US-Renditevorteil gegenüber dem Euro schwindet aufgrund der EZB-Zins­wende. Trumps Haushalts- und Handelspolitik erweisen sich per saldo als Belastung für den Greenback. Der Euro-­Dollar-Kurs steigt bis auf 1,25.

Finanzmärkte setzen auf Euro-Fitness

Die Euro-Zinswende, höhere US-Renditen sowie anziehende Inflationserwartungen dürften die Renditen 10-jähriger Bunds dann auf rund 1% befördern. Die Rendite von US-­Treasuries gleicher Laufzeit steigt ebenfalls, bleibt aber deutlich unter der 4%-Marke. Die Renditedifferenz ­zwischen US- und deutschen Staatsanleihen verringert sich, nachdem sie 2018 weit auseinandergelaufen war.

Die Kreditausfälle bei Banken bleiben unter ihrem langjährigen Durchschnitt und die Verschuldungsquoten der Unter­nehmen niedrig. Die weiterhin robusten Covered Bonds sehen sich einer verminderten Nachfrage der EZB gegenüber. Insgesamt rechnen wir für Credits mit einem moderaten Anstieg der Risikoprämien.

Nach dem Ende der quantitativen Lockerung durch die großen Notenbanken wächst die Konkurrenz sowohl zwischen als auch innerhalb der Asset­klassen. Bei Aktien haben US-Titel angesichts der recht hohen Bewertung keine guten Voraussetzungen, um noch nachzulegen. Euro-Aktien sind dagegen moderat bewertet. Im Jahres­verlauf 2019 dürften sie wieder kon­junkturellen Rückenwind erhalten. Für den DAX ergibt sich ein fundamental abgeleitetes Band von 10.500 bis 14.000 Punkten. Gegen Jahresende dürfte er bei 13.200 Punkten notieren.

Ausgewählte Prognosen

An vielen Immobilienmärkten sorgen niedrige Zinsen, das solide Wirtschafts­wachstum sowie eine moderate Bau­tätigkeit für eine anhaltend positive Entwicklung bei Mieten und Kauf­preisen. Allerdings nehmen die in Teilmärkten schon bestehenden Über­bewertungen weiter zu.
Gold dürfte im Bereich zwischen 1.200 und 1.400 US-Dollar / Feinunze schwanken.

Insgesamt entscheidet über den Erfolg der Investmentstrategie nicht nur die Auswahl der Anlageklasse, sondern auch die der Region. Risikoassets dürften 2019 etwas mehr gefragt sein, da die politischen Unsicherheiten abnehmen.

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