#Investoren
#Sparkassen

20.11.2017

Helaba Konjunktur- und Kapitalmarktausblick 2018: „Einkaufszentrum: Nichts ist umsonst“

Die Weltwirtschaft wird 2018 mit einer Rate von 3,4 Prozent genauso dynamisch wachsen wie im Vorjahr.

  • Welt­wirtschaft schon auf Topniveau
  • Zins­wende in der Eurozone erst 2019
  • Hohe Bewertung beim DAX birgt erhebliche Abwärts­risiken

Der Euroraum und Deutschland werden ihr hohes Tempo aus dem Jahr 2017 allerdings nicht halten können. Mit einer Rate von 2 Prozent wachsen Deutschland und die Eurozone aber über Potenzial und die Arbeits­losen­quoten sinken weiter. „Trotzdem bleiben die Unter­schiede beträchtlich zwischen den Ländern, die Reformen vorge­nommen haben und denen, die sich diesen bislang verweigern. Zu Ersteren zählt Spanien, das 2018 mit 2,8 Prozent wachsen sollte. Zu Letzteren gehört Italien mit einer erwarteten Wachs­tums­rate von 1,5 Prozent“, erläutert Dr. Gertrud R. Traud, Chef­volks­wirtin der Helaba und Bereichs­leiterin Volkswirtschaft/Research, bei der Präsentation der Studie.

Für die USA zeichnet sich im Jahres­durch­schnitt 2018 eine leichte Wachstums­beschleunigung auf 2,5 Prozent (Vorjahr 2,2 Prozent) ab. Dabei unterstellen die Helaba-Volkswirte moderate steuerliche Entlastung. „Das Investi­tionsklima in den USA wird aber durch die unbe­rechen­bare Handels­politik unter Präsident Trump belastet“, so Traud. Die Impulse aus Asien werden im kommenden Jahr geringer ausfallen als 2017.

Insgesamt enthält die Studie 18 Länder­analysen sowie Kurz­be­richte zu den Bundes­ländern Hessen, Thüringen, Nord­rhein-West­falen und Brandenburg. Schwer­punkt ist in diesem Jahr der Konsum als Kon­junktur­faktor mit einem Gewicht von mindestens 50 Prozent am Brutto­inlands­produkt. Als Orte des Konsums stehen Einkaufs­zentren für diese wichtige Komponente und sind das Sinnbild für Konjunktur und Kapital­märkte im Haupt­szenario 2018. Die derzeit gute Konjunktur gibt es aber nicht umsonst: Ihr Preis ist die Inflation.

Inflation und Geldpolitik

Während der Anstieg der Teuerung bislang haupt­sächlich auf die Energie­preise zurückzu­führen war, ist 2018 auch mit höheren Kernraten zu rechnen. In den USA wird die Inflations­rate deutlich über 2 Prozent liegen. Im Euro­raum und in Deutschland bewegt sie sich auf das Inflationsziel der Euro­päischen Zentral­bank (EZB) von 2 Prozent zu. „Von ‚uner­wünscht niedrigen‘ Inflations­raten kann deshalb keine Rede mehr sein“, so Traud.

In diesem Umfeld setzen einige Zentral­banken wieder auf Zinser­höhungen. Die US-Notenbank wird ihren geld­politischen Normali­sierungs­kurs fortsetzen. Auch die EZB wird reagieren, allerdings verzögert. Die Helaba-Experten erwarten, dass Mario Draghi den Zinshebel noch selbst umlegen wird, bevor er ab November 2019 in den Ruhe­stand geht. Voraus­sichtlich im Frühjahr 2019 wird er den Einlagenzins von -0,4 Prozent auf -0,2 Prozent zurückführen. Im Laufe des Jahres 2019 sollte der Leitzins von Null auf 0,25 Prozent ange­hoben werden.

Der Euro-Dollar-Kurs dürfte sich 2018 zunächst im unteren Bereich eines Bandes von 1,10 bis 1,20 bewegen. Die sich abzeichnende Zinswende der EZB wird den Euro im späteren Jahres­verlauf auf 1,20 heben.

Anlage­pers­pektiven

Die ultralockere Geldpolitik hat in den vergangenen Jahren zu einer zum Teil deutlichen Bewertungs­expan­sion bei Aktien, Renten und Immo­bilien geführt. Aufgrund dieser hohen Bewertung ist bei Anlage­ent­scheidungen große Vorsicht angebracht. Bei Renten stellt sich angesichts der höheren Teuerung immer mehr die Bewertungs­frage. Im Laufe des Jahres 2018 wird die Rendite 10-jähriger Bundes­anleihen bis auf 1 Prozent ansteigen. Es drohen also Kursver­luste. Erste Wahl bei Neu­an­lagen sollten daher kürzere und mittlere Lauf­zeiten sein.

Aktien­anleger haben bereits zu viele Vor­schuss­lor­beeren verteilt und sind ausge­sprochen sorglos geworden. Dies zeigt auch die historisch niedrige implizite Aktien­volati­lität. Dabei bewegt sich die Bewertung des DAX schon oberhalb des lang­jährigen Normal­bandes und ist damit teuer. Für das Haupts­zenario unterstellen die Helaba-Experten eine Rückkehr in das KGV-Band von 10,5 bis 13. Unter realistischen Annahmen für das Gewinn­wachs­tum ergibt sich daraus eine Kurs­spanne von 10.500 bis 13.500 Punkten. Somit sind auf dem aktuellen Niveau die Abwärts­risiken beim DAX stärker ausge­prägt als das Aufwärts­poten­zial.

Immo­bilien sind inzwischen zwar ebenfalls hoch bewertet. Sie können aber ihre relative Attrak­tivität trotz anziehender Renditen am Anleihe­markt halten. Gold könnte 2018 einen neuen nach­haltigen Aufwärts­trend ein­schlagen. Der Preis des gelben Metalls steigt über 1.400 US-Dollar pro Unze.

Diesem Haupts­zenario messen die Experten eine Eintritts­wahr­schein­lich­keit von 70 Prozent bei.

Negatives Alter­nativ­szenario „Bauruine“ (10 Prozent)

Im negativen Alter­nativ­szenario „Bauruine“, dem die Helaba-Experten eine Eintritts­wahr­schein­lichkeit von 10 Prozent zuordnen, brechen strukturelle Schwächen auf und führen zu einem globalen Abschwung. Die Politik reagiert mit Protektio­nismus. Globali­sierung und Welt­handel werden zurück­ge­drängt. Deutschland rutscht in eine Rezession. Der Abwärts­trend erfasst die Europäische Union, so dass die unge­lösten strukturellen Probleme der Währungs­union mit Wucht wieder hervortreten. Gold und US-Dollar werden in Zeiten hoher Unsicher­heit ihrem Ruf als Krisen­währungen gerecht. Der Euro-Dollar-Kurs fällt auf 0,90. Der DAX stürzt in Richtung der 8.000-Punkte-Marke ab.

Positives Alter­nativs­zenario „Palast“ (20 Prozent)

Richtig prunkvoll geht es im positiven Alter­nativs­zenario "Palast" zu, dem Helaba-Volks­wirte eine Eintritts­wahr­schein­lich­keit von 20 Prozent bei­messen. Die Welt­wirtschaft erreicht ein beein­druck­endes Wachstums­niveau. Lebhafte Handels- und Investi­tions­aktivitäten sowie Produkt­ivitäts­fort­schritte eröffnen neue Möglich­keiten. Unter diesen Bedingungen gelingt der Umbau der Euro­päischen Union zu einer Wett­bewerbs­gemein­schaft. In Großbritannien erkennt man, dass für den Austritt aus der EU die Statik fehlt, so dass diese Pläne verworfen werden.

Die Inflation steigt aufgrund des hohen Wachstums deutlich über das erklärte Ziel der Notenbanken von 2 Prozent. Die EZB leitet die Zinswende bereits 2018 ein. Am Renten­markt kommt es zu massiven Kurs­ver­lusten. Der DAX über­springt die Marke von 15.000 Punkten.

Neben der Print­fassung stellen wir den Jahres­ausblick erstmalig auch in einer Online-Variante unter maerkteundtrends.helaba.de zur Verfügung. Dort können Sie zusätzliche multi­mediale Inhalte abrufen.

Die komplette Studie finden Sie als Download hier:


Mike Peter Schweitzer
Leiter Kommunikation und Pressesprecher
Ursula-Brita Krück
stv. Pressesprecherin
Um unsere Website fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz