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31.08.2017

Helaba-Finanzplatzstudie „In der Pole-Position für Brexit-Banker“

Wie die heute vorgestellte Finanzplatzstudie des Helaba-Bereichs Volkswirtschaft/Research zeigt, ist das deutsche Finanzzentrum im Rennen um die Brexit-Banker in der Pole-Position.

  • Frankfurt im Wett­bewerb um Brexit-bedingte Zuwan­derungen vorne
  • Mindestens 8.000 Jobverlagerungen von der Themse an den Main
  • Prognose für Ende 2019: rund 65.000 Frankfurter Bank­be­schäftigte
  • Immo­bilien­markt und Bildungs­ein­richtungen im Fokus

So haben sich bereits zahlreiche Banken dafür ausge­sprochen, Arbeits­plätze von der Themse an den Main zu verlagern, was sich in den Beschäftigten­zahlen nieder­schlagen wird: „Wir erwarten, dass mindestens die Hälfte der aus London abwan­dernden Finanz­jobs nach Frankfurt verlegt wird. Dies entspricht über einen Zeitraum von mehreren Jahren mindestens 8.000 Mitarbeitern. Bis Ende 2019 sehen wir deshalb einen Beschäfti­gungs­anstieg um 4 Prozent auf rund 65.000 Mitarbeiter in den Frankfurter Banken­türmen (Ende 2016: 62.400). Und das, obwohl parallel die Konsoli­dierung am heimischen Banken­markt anhält“, erläutert Dr. Gertrud Traud, Chef­volks­wirtin und Leiterin des Bereichs Volks­wirt­schaft/Research bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Ein Novum des langjährigen Finanz­platz-Researchs der Helaba ist in der vorlie­genden Studie das eigens kreierte regionale Beschäftigungs­aggregat: die Zahl der Beschäftigten in der Finanz­wirt­schaft in „BIG FFM“. Hierzu wurde die räumliche Abgren­zung von Greater London auf das Gebiet rund um Frankfurt über­tragen. Dieser Vergleich ergibt folgendes Bild: Ende letzten Jahres arbeiteten in BIG FFM rund 118.000 sozial­versicherungs­pflichtig Beschäftigte im Sektor Finanz- und Versicherungs­dienst­leistungen, in Greater London knapp 360.000. Mit Blick auf die Be­schäftigungs­dichte (bezogen auf die Be­völkerungs­zahl) liegen aller­dings beide Großräume mit jeweils gut 4 Prozent auf gleichem Niveau.

Die Favoriten­rolle des deutschen Finanz­zentrums im Brexit­bedingten Um­struk­turierungs­prozess kommt nicht von ungefähr: Frankfurt ist das führende Finanz­zentrum Konti­nental­europas. Hinsichtlich der Arbeits­platz­verlagerungen von der Themse an den Main kommen insbe­sondere folgende Standort­qualitäten zum Tragen: die Stabi­lität und Stärke der deutschen Volks­wirtschaft, der Sitz der EZB mit ihrer Doppel­funktion Aufsichts­behörde und Notenbank, das Rhein-Main-Gebiet als Verkehrs­dreh­scheibe mit guter Infra­struktur, die relativ günstigen Büro­mieten sowie eine hohe Lebens­qualität bei reichhaltigem Freizeit­angebot in der Stadt und im grünen Umland.

„Seit unserem Finanz­platz-Ranking Mitte 2016 hat sich die relative Attrak­tivität Frankfurts weiter erhöht“, erläutert die Finanzplatz-Expertin der Helaba, Ulrike Bischoff. Dagegen ist eine Schwächung der Londoner City schon jetzt unüber­sehbar. Die anhaltend hohe Un­sicher­heit über die künftigen Rahmen­be­dingungen in Großbritannien lassen die Stadt in der Gunst ausländischer Finanzplatz-Akteure sinken. Zudem ist die abgesagte Fusion zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange positiv für Frankfurt, da die starke Frankfurter Börse nun erhobenen Hauptes ihren eigenen Weg weiter­gehen kann. Darüber hinaus könnte die Main-Metropole in ihrer Rolle als europäische Aufsichts­metropole weiter gestärkt werden, sollte die länder­­­­über­greifende Banken­aufsichts­behörde EBA nach Frankfurt verlegt werden.

Die Verla­gerung von Arbeits­plätzen nach Frankfurt rückt insbe­sondere den regionalen Immo­bilien­markt und die Bildungs­infra­struktur der Stadt in den Fokus. „Am Büro­markt dürfte die Zusatz­nach­frage angesichts des noch immer reichlichen Leer­stands und einer Reihe von Projekt­ent­wicklungen problem­los zu be­wältigen sein“, erwartet Helaba-Immo­bilien­analyst Dr. Stefan Mitropoulos. Am Wohnungs­markt besteht dagegen kein nennens­werter Leerstand. Die deutlich erhöhte Neubau­aktivität, die Planungen für die nächsten Jahre sowie die umfang­reichen Flächen­reserven im Umland sprechen aber gegen eine deutliche Ver­schärfung der Lage am Frankfurter Wohnungs­markt durch den Brexit. Neben dem Immo­bilien­markt ist auch das Schul­ange­bot ist ein zentrales Standort­kriterium. Die Frankfurter Finanzplatz-Region bietet bereits ein breites Spektrum inter­nationaler Bildungs­ein­richtungen, das in den ver­gangenen Jahren sichtlich gewachsen ist. Ange­sichts der hohen Nachfrage nach Bildungs­ange­boten bedarf es eines weiteren Ausbaus der Bildungs­architektur für Kinder jeden Alters, der alle Schul­formen umfasst und über den Brexit bedingten Bedarf hinausgeht.

Traud zieht ein positives Fazit: „Trotz der Heraus­forderungen durch den bevor­stehenden Mitarbeiter­zustrom von der Themse an den Main ist der Brexit für den Finanz­standort eine einmalige Chance auf eine noch bessere Position­ierung im inter­nationalen Wett­bewerb.“

Die komplette Studie finden Sie als Download hier:


Mike Peter Schweitzer
Leiter Kommunikation und Pressesprecher
Ursula-Brita Krück
Stv. Pressesprecherin
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